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Bundesverwaltungsgericht 31.05.2011 B-3988/2010

31 maggio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,700 parole·~14 min·1

Riassunto

Revisionsaufsicht | Disziplinarmassnahme

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II B­3988/2010 Urteil   v om   3 1 .  Ma i   2011 Besetzung Richter Francesco Brentani (Vorsitz), Stephan Breitenmoser und Philippe Weissenberger, Gerichtsschreiber Ciro Papini. Parteien X.______,  Beschwerdeführer,  gegen Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde RAB,  Postfach 6023, 3001 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Disziplinarmassnahme.

B­3988/2010 Sachverhalt: A.  X._____  (nachfolgend:  Beschwerdeführer)  ist  seit  dem  20.  Dezember  2007  als  Revisionsexperte  zugelassen  und  im  Revisorenregister  eingetragen. B.  Mit  Schreiben  vom  16.  Oktober  2009  teilte  die  Eidgenössische  Revisionsaufsichtsbehörde  (nachfolgend:  RAB,  Vorinstanz)  dem  Beschwerdeführer die Eröffnung eines Verfahrens betreffend den Entzug  seiner  Zulassung  als  Revisionsexperte,  evtl.  um  Erteilung  eines  Verweises,  mit.  Die  Vorinstanz  hatte  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  in der Zeit  zwischen dem 21. Mai 2001 und dem 29.  Juli  2009  ein  Drittel  der  Aktien  der  Y._______  AG  gehalten  und  gleichzeitig die Funktion als Verwaltungsrat der Z._______ AG ausgeübt  hatte, welche  seit  ihrer Gründung als Revisionsstelle  der  erstgenannten  Gesellschaft im Handelsregister eingetragen war. C.  Am 3. Mai 2010 erliess die Vorinstanz eine Verfügung und erteilte dem  Beschwerdeführer  einen  schriftlichen  Verweis.  Sie  begründete  die  Massnahme damit, dass dem Beschwerdeführer zwar ein Verstoss gegen  die  massgeblichen  Unabhängigkeitsvorschriften  vorgeworfen  werden  könne, dieser aber nicht so gravierend sei, dass ihm die Gewähr für eine  einwandfreie  Prüftätigkeit  abgesprochen  werden  müsse.  Zudem  handle  es sich um einen erstmaligen Verstoss und der Beschwerdeführer erfülle  weiterhin sämtliche Zulassungsvoraussetzungen. D.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  der  Beschwerdeführer  am  2.  Juni  2010  Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin stellt  er den Antrag,  dass  die  Verfügung  der  RAB  vom  3.  Mai  2010  aufzuheben  und  das  Verfahren ohne Kostenfolge und unter Zusprechung einer Entschädigung  einzustellen sei. Zur Begründung macht  der Beschwerdeführer  im Wesentlichen geltend,  die  Vorinstanz  habe  einen  schriftlichen  Verweis  ausgesprochen,  ohne  dass  hierfür  eine  gesetzliche  Grundlage  existiere.  Ein  schriftlicher  Verweis  sei  im  Revisionsgesetz  nur  für  Angestellte  eines  staatlich  beaufsichtigten  Revisionsunternehmens  vorgesehen,  was  nicht  ohne 

B­3988/2010 Weiteres  auf  Revisoren  oder  Revisionsexperten  übertragen  werden  könne. Dieser  Verweis  stelle  eine  repressive  Sanktion  dar,  für  welche  das  Erfordernis  der  speziellen  gesetzlichen  Grundlage  uneingeschränkt  gelten müsse.  E.  Mit Vernehmlassung vom 16. September 2010 beantragt die Vorinstanz  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Eventualiter  sei  die  angefochtene  Verfügung  vom  3.  Mai  2010  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Zur  Begründung  verweist die RAB grundsätzlich auf die angefochtene Verfügung vom 3.  Mai 2010. Nach  Ansicht  der  Vorinstanz  führten  die  Argumente  des  Beschwerdeführers zur Annahme einer vom Gesetzgeber nicht gewollten  Ungleichbehandlung  der  dem  Revisionsgesetz  unterstellten  Personen.  Das  führe  dazu,  dass  bei  gleichem  gesetzlichen  Verstoss  je  nach  Zulassungsart  des  Arbeitgebers  unterschiedlich  harte  Sanktionen  ausgesprochen  werden  müssten.  Dies  sei  entgegen  der  Ansicht  des  Beschwerdeführers eine planwidrige Unvollständigkeit des Gesetzes und  nicht  ein  qualifiziertes  Schweigen  des  Gesetzgebers.  Deshalb  sei  eine  analoge Anwendung der entsprechenden Normen möglich.  Die Vorinstanz macht  ausserdem geltend,  dass  sie  bei  der Anwendung  der  in  casu einschlägigen Normen über  ein  grosses Ermessen  verfüge.  Wenn  das  Gesetz  den  befristeten  oder  unbefristeten  Entzug  einer  Zulassung  ermögliche,  seien  bei  leichten  Verstössen  auch  weniger  einschneidende  Massnahmen  zulässig.  Entgegen  der  Auffassung  des  Beschwerdeführers stelle der gewählte schriftliche Verweis zudem keine  Strafe dar, welche dem Grundsatz  "keine Strafe ohne Gesetz" genügen  müsse.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  prüft  von  Amtes  wegen  und  mit  freier  Kognition,  ob  die  Prozessvoraussetzungen  vorliegen  und  auf  eine  Beschwerde einzutreten ist.

B­3988/2010 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968  (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach  Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die  in Art. 33 und 34 VGG  genannten Behörden, zu denen auch die RAB zählt  (Art. 33 Bst. e VGG  i.V.m. Art. 28 Abs. 2 des Revisionsaufsichtsgesetzes vom 16. Dezember  2005 [RAG, SR 221.302]). Die Verfügung der Vorinstanz vom 3. Mai 2010 stellt eine Verfügung  im  Sinne von Art. 5 Abs. 1 VwVG dar. Sie kann im Rahmen der allgemeinen  Bestimmungen  der  Bundesverwaltungsrechtspflege  beim  Bundesverwaltungsgericht  angefochten  werden  (Art. 44  VwVG  i.V.m.  Art. 31 ff.  VGG).  Der  Beschwerdeführer  ist  Adressat  der  angefochtenen  Verfügung. Der  strittige Verweis  könnte  sich  im Rahmen einer  späteren  Prüfung  der  Zulassungsvoraussetzungen  seitens  der  Aufsichtsbehörde  sanktionsverschärfend  auswirken,  weshalb  der  Beschwerdeführer  über  ein  aktuelles,  praktisches  und  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Aufhebung  des  angefochtenen  Entscheids  verfügt  und  daher  im  Sinne  von  Art.  48  Abs.  1  Bst.  a­c  VwVG  beschwerdeberechtigt  ist  (vgl.  Urteil  des Bundesgerichts 5P.199/2003 vom 12. August 2003, E. 1.1; Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts C­1454/2008 vom 8. Juni 2010, E. 2.3). Er ist  im  vorliegenden  Verfahren  rechtsgültig  vertreten  (Art.  11  Abs.  1  und  2  VwVG). Die Beschwerde wurde frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 50  Abs.1  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG)  und  der  Kostenvorschuss  wurde  rechtzeitig bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2.  Das Revisionsaufsichtsgesetz ist am 1. September 2007 in Kraft getreten.  Es  regelt  die  Zulassung  und  die  Beaufsichtigung  von  Personen,  die  Revisionsdienstleistungen  erbringen,  und  dient  der  ordnungsgemässen  Erfüllung  und  Sicherstellung  der  Qualität  von  Revisionsdienstleistungen  (Art. 1 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die  Zulassung  und  Beaufsichtigung  der  Revisorinnen  und  Revisoren,  RAG, SR 221.302). 2.1.  Natürliche  Personen  und  Revisionsunternehmen,  die  Revisionsdienstleistungen erbringen, bedürfen einer Zulassung durch die  Aufsichtsbehörde  (Art. 3 Abs. 1 RAG). Nach Art. 28 Abs. 1 RAG obliegt 

B­3988/2010 die  Aufsicht  der  Eidgenössischen  Revisionsaufsichtsbehörde  (RAB,  Vorinstanz). Sie entscheidet gemäss Art. 15 Abs. 1 RAG auf Gesuch hin  über  die  Zulassung  von  Revisionsexpertinnen/Revisionsexperten,  Revisorinnen/Revisoren  sowie  von  staatlich  beaufsichtigten  Revisionsunternehmen. 2.1.1.  Nach  Art. 4  Abs. 1  RAG  wird  eine  natürliche  Person  als  Revisionsexpertin  zugelassen,  wenn  sie  die  Anforderungen  an  die  Ausbildung  und  Fachpraxis  erfüllt  und  über  einen  unbescholtenen  Leumund verfügt. Eine natürliche Person wird als Revisorin oder Revisor  zugelassen, wenn sie über einen unbescholtenen Leumund verfügt, eine  Ausbildung  nach  Art. 4 Abs.  2  RAG  abgeschlossen  hat  und  eine  Fachpraxis von einem Jahr nachweist (Art. 5 RAG). 2.1.2. Natürliche Personen werden unbefristet zugelassen (Art. 3 Abs. 2  RAG). Erfüllt eine Revisorin, ein Revisor, eine Revisionsexpertin oder ein  Revisionsexperte die Zulassungsvoraussetzungen der Art. 4­5 RAG nicht  mehr,  so  kann  die  Aufsichtsbehörde  die  Zulassung  befristet  oder  unbefristet  entziehen.  Sofern  die  Zulassungsvoraussetzungen  wiederhergestellt werden können, ist der Entzug vorher anzudrohen (Art.  17 Abs. 1 RAG). 2.2.  Nach  Art.  7  RAG  bedürfen  Revisionsunternehmen,  die  Revisionsdienstleistungen  für  Publikumsgesellschaften  erbringen,  einer  besonderen  Zulassung  und  stehen  unter  staatlicher  Aufsicht  (staatlich  beaufsichtigte Revisionsunternehmen). Verletzt  eine  natürliche  Person,  die  für  ein  staatlich  beaufsichtigtes  Revisionsunternehmen  tätig  ist,  die  gesetzlichen  Vorschriften,  so  erteilt  ihr  die  Aufsichtsbehörde  einen  schriftlichen  Verweis.  Bei  wiederholten  oder  groben  Verstössen  kann  ihr  die  Aufsichtsbehörde  die  Ausübung  ihrer Tätigkeit befristet oder unbefristet verbieten und gegebenenfalls die  Zulassung nach Art. 17 Abs. 1 RAG entziehen (Art. 18 RAG). 2.3.  Das  RAG  sieht  zudem  die  Möglichkeit  vor,  Übertretungen  strafrechtlich zu verfolgen. Nach Art. 39 Abs. 1 RAG wird mit Busse bis  zu 100'000 Franken unter  anderem bestraft, wer  gegen die Grundsätze  zur  Unabhängigkeit  nach  Art.  11  RAG  oder  Art.  728  des  Obligationenrechts vom 30. März 1911 (OR, SR 220) verstösst. Wird die  Tat  fahrlässig  begangen,  ist  eine Busse  von  höchstens  50'000 Franken  auszusprechen (Art. 39 Abs. 2 RAG).

B­3988/2010 3.  Der  Beschwerdeführer  anerkennt  die  tatsächlichen  Feststellungen  der  Vorinstanz  im angefochtenen Entscheid. Streitig  ist  im vorliegenden Fall  einzig  die  Erteilung  des  schriftlichen  Verweises.  Dieser  stellt  nach  der  Ansicht  des Beschwerdeführers  eine  in Art.  17 RAG nicht  vorgesehene  Sanktion  dar,  welche  vom  Gesetzgeber  nur  für  staatlich  beaufsichtigte  Revisionsunternehmen  bzw.  für  die  natürlichen  Personen,  welche  für  diese arbeiten, vorgesehen wurde. Die Vorinstanz vertritt hingegen die Ansicht, Art. 17 Abs. 1 RAG erteile ihr  als "Kann­Vorschrift" einen weiten Ermessensspielraum, weshalb sie bei  Verstössen  gegen  das  RAG  von  den  darin  aufgeführten  möglichen  Sanktionen  auch  absehen  könne.  Bei  leichten  Verstössen  gegen  das  Gesetz  könne  sie  gestützt  auf  diese  Bestimmung  in  Anwendung  des  Grundsatzes  "a  maiore  minus"  zulasten  eines  Revisors  oder  eines  Revisionsexperten  auch  weniger  einschneidende  Sanktionen  als  den  befristeten  oder  unbefristeten Entzug der Zulassung anordnen. Deshalb  müsse die Erteilung eines schriftlichen Verweises ohne Weiteres zulässig  sein. Die  Vorinstanz  ist  zudem  der  Meinung,  dass  die  in  Frage  stehenden  Verfehlungen nicht so gravierend seien, dass die Zulassung befristet oder  unbefristet  entzogen  werden  müsste,  da  der  Beschwerdeführer  die  Zulassungsvoraussetzungen  eines  Revisionsexperten  nach  wie  vor  erfülle.  3.1. Der Vorinstanz ist darin zuzustimmen, dass sich eine Sanktionierung  eines  bereits  zugelassenen  Revisors  oder  Revisionsexperten  lediglich  aus  einer  Veränderung  in  Bezug  auf  dessen  unbescholtenen  Leumund  ergibt,  da  sich  die  Kriterien  der  Ausbildung  und  der  Fachpraxis  in  der  Regel  nachträglich  nicht  ändern  dürften. Während  das  RAG  neben  der  genügenden  Ausbildung  und  Fachpraxis  einzig  den  Begriff  des  unbescholtenen Leumunds als Zulassungsvoraussetzung erwähnt (Art. 4  und  5  RAG),  präzisiert  die  Verordnung  vom  22.  August  2007  über  die  Zulassung  und  Beaufsichtigung  der  Revisorinnen  und  Revisoren  (RAV,  SR 221.302.3),  dass Gesuchstellerinnen oder Gesuchsteller  zugelassen  werden,  wenn  sie  über  einen  unbescholtenen  Leumund  verfügen  und  wenn sich aus keinen anderen persönlichen Umständen ergibt, dass sie  nicht  Gewähr  für  eine  einwandfreie  Prüftätigkeit  bieten  (Art.  4  Abs.  1  RAV). Die Verordnung nennt insbesondere strafrechtliche Verurteilungen,  deren Eintrag im Zentralstrafregister nicht entfernt sind, oder bestehende 

B­3988/2010 Verlustscheine  (Art. 4 Abs.  2  RAV),  wobei  dieser  Auflistung  lediglich  beispielhafter  Charakter  zukommt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts B­7348/2009 vom 3. Juni 2010, E. 8.1). 3.1.1.  Bei  der  Gewährs­  und  Leumundsprüfung  sind,  gestützt  auf  die  Rechtsprechung,  verschiedene  Elemente  wie  Integrität,  Gewissenhaftigkeit  und  einwandfreie  Sorgfalt  als  berufsspezifische  Leumundsmerkmale  oder  allgemeine  Eigenschaften  wie  Ansehen,  Achtung  und  Vertrauenswürdigkeit  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/49 E. 2 und 3; BGE 129 II 438 E. 3.3, BGE 108 Ib 196 E. 2, BGE 99  Ib  104  E. 5b).  Unter  Umständen  können  auch  Aktivitäten,  die  über  die  Tätigkeit als Revisor und Revisionsexperte hinausgehen, die Beurteilung  einer  einwandfreien  Prüftätigkeit  beeinflussen.  Der  Begriff  des  guten  Leumunds bzw. der Gewähr ist jeweils im Einzelfall und bezogen auf die  gesamten  Umstände,  mit  Blick  auf  die  besonderen  Aufgaben  der  Revisionsstelle,  zu  prüfen.  Eine  einwandfreie  Prüftätigkeit  erfordert  fachliche  Kompetenz  und  ein  korrektes  Verhalten  im Geschäftsverkehr.  Unter  Letzterem  sind  in  erster  Linie  die  Einhaltung  der  Rechtsordnung,  namentlich  des  Revisionsrechts,  aber  auch  des  Zivil­  und  Strafrechts,  sowie  die  Beachtung  des  Grundsatzes  von  Treu  und  Glauben  zu  verstehen.  Mit  dem  Gebot  der  einwandfreien  Prüftätigkeit  nicht  zu  vereinbaren  sind  Verstösse  gegen  einschlägige  Rechtsnormen  sowie  gegen die Treue­ und Sorgfaltspflichten. Vorliegend  wurde  der  schriftliche  Verweis  aufgrund  eines  Verstosses  gegen  Unabhängigkeitsvorschriften  erteilt,  welche  eindeutig  zu  den  für  die  Revisoren  einzuhaltenden  einschlägigen  Bestimmungen  des  Revisionsrechts  gehören  (vgl.  Botschaft  des  Bundesrates  vom  23.  Juni  2004  zur  Änderung  des  Obligationenrechts  [Revisionspflicht  im  Gesellschaftsrecht]  sowie  zum  Bundesgesetz  über  die  Zulassung  und  Beaufsichtigung der Revisorinnen und Revisoren [nachfolgend: Botschaft  RAG], S. 3999). Die Unabhängigkeit der Revisionsstelle wird  im RAG  in  Verbindung mit Art. 728 f. des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung  des Schweizerischen  Zivilgesetzbuches  (Fünfter  Teil: Obligationenrecht,  OR SR 220) konkretisiert.  Wie  die  Vorinstanz  korrekt  ausführt,  sind  die  dem  Beschwerdeführer  angelasteten  Verstösse  grundsätzlich  geeignet,  dessen  Leumund  in  Bezug  auf  seine  Tätigkeit  als Revisionsexperte  zu  beeinträchtigen, was  von ihm letztlich auch nicht bestritten wird. 

B­3988/2010 Es ist deshalb in einem nächsten Schritt mittels Auslegung zu prüfen, ob  die Vorinstanz  bei  einer  solchen Konstellation  gestützt  auf Art.  17 RAG  i.V.m. Art. 18 RAG einen schriftlichen Verweis aussprechen kann.  3.2.  Durch  Auslegung  von  Normen  ist  der  konkrete  Problemlösungsbedarf  der  Gegenwart  mit  den  allgemeinen  Wertungsentscheidungen  des  geschichtlichen  Normsetzers  in  Übereinstimmung zu bringen. Auszugehen  ist vom Wortlaut der Normen  und  gesucht  ist  ein  vernünftiges,  praktikables  und  befriedigendes  Ergebnis  (vgl.  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI/MARKUS  MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  3.  Aufl.  Bern  2009,  §  25  N.  2).  Normkorrekturen  und  rechtspolitische  Umwertungen  sind  der  rechtsanwendenden  Behörde  allerdings  versagt.  An  einen  klaren  und  unzweideutigen  Gesetzeswortlaut  ist  sie  grundsätzlich  gebunden  (vgl.  BGE  131  III  315  E.  2.2).  Abweichungen  vom  klaren  Wortlaut  sind  indessen zulässig oder sogar geboten, wenn triftige Gründe zur Annahme  bestehen, dass er nicht dem wahren Sinn der Bestimmung entspricht. Bei  der Auslegung sind alle herkömmlichen Auslegungselemente, namentlich  die  grammatikalische,  historische,  zeitgemässe,  systematische  und  teleologische  Auslegung,  zu  berücksichtigen,  wobei  ein  pragmatischer  Methodenpluralismus  gilt  und  keine  Prioritätsordnung  zwischen  den  einzelnen Auslegungselementen  besteht  (vgl. BGE 131  III  315  f.  E.  2.2  m.w.H.;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6.  Aufl.,  Zürich/St.  Gallen  2010,  Rz.  216  f.;  ULRICH  HÄFELIN/  WALTER  HALLER/HELEN  KELLER,  Schweizerisches  Bundesstaatsrecht, 7. Aufl., Zürich 2007, N. 90 ff.). Lässt  sich  dem  Gesetz  durch  Auslegung  keine  Anordnung  für  den  Einzelfall  entnehmen,  besteht  nach  bisheriger  Auffassung  eine  gesetzliche  Lücke.  Sogenannte  "echte  Lücken"  wurden  als  nicht  geregelte,  unbeantwortet  gebliebene  Fallkonstellationen  und  Rechtsfragen bezeichnet, sogenannte "unechte Lücken" als Regelungen,  die  im  Einzelfall  zu  einem  unbefriedigenden  Ergebnis  führen  und  sich  deshalb  als  inhaltlich  unrichtig  oder  ungerecht  erweisen,  so  dass  anzunehmen  ist,  dass  der  Gesetzgeber  eine  andere  Regel  aufgestellt  hätte,  wenn  er  an  den  entsprechenden  Fall  gedacht  hätte  (vgl.  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O., N. 234; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER,  a.a.O., § 25, N. 8). Das Bundesgericht hat allerdings festgestellt, dass mit  dem  Lückenbegriff  "in  seiner  heutigen  schillernden  Bedeutungsvielfalt  leicht die Grenze zwischen zulässiger  richterlicher Rechtsfindung contra  verba  aber  secundum  rationem  legis  und  grundsätzlich  unzulässiger 

B­3988/2010 richterlicher  Gesetzeskorrektur  verwischt  wird"  (BGE  121  III  226  E.  1d/aa).  In  der  Praxis  wird  die  Unterscheidung  zwischen  echter  und  unechter Lücke denn auch immer weniger beachtet und dafür der Begriff  "planwidrige  Unvollständigkeit  des  Gesetzes"  verwendet.  Diese  Unvollständigkeit  hat  das Gericht  nach  jener Regel  zu  vervollständigen,  die es als Gesetzgeber aufstellen würde (vgl. BGE 131 V 233, E. 4.1, mit  weiteren Hinweisen; Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  B­1181/2010  vom 8. September 2010, E. 3.4.1; vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O.,  N. 243; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O. § 25, N. 11). 3.2.1. Art. 17 Abs. 1 RAG lautet wie folgt: "Erfüllt  eine  Revisorin,  ein  Revisor,  eine  Revisionsexpertin  oder  ein  Revisionsexperte die Zulassungsvoraussetzungen der Artikel 4−6 nicht mehr, so  kann  die  Aufsichtsbehörde  die  Zulassung  befristet  oder  unbefristet  entziehen.  Sofern die Zulassungsvoraussetzungen wiederhergestellt werden können, ist der  Entzug vorher anzudrohen." Art. 17 Abs. 1 bestimmt das Vorgehen bei der Frage, ob eine Zulassung  befristet  oder  unbefristet  zu  entziehen  ist.  In  einem ersten Schritt  ist  zu  prüfen, ob die Zulassungsvoraussetzungen weiterhin gegeben sind oder  nicht.  Dabei  ist  anzunehmen,  dass  die  Vorinstanz  die  Frage  nach  den  Zulassungsvoraussetzungen ähnlich zu prüfen hat, als ob die erstmalige  Erteilung einer Zulassung in Frage stünde. Sollte sich herausstellen, dass  die  Voraussetzungen  nicht  (mehr)  gegeben  sind,  muss  die  Vorinstanz  prüfen, ob diese wiederhergestellt werden können. Ist dies der Fall, ist ein  Entzug  anzudrohen.  Fehlt  die  Möglichkeit  einer  Wiederherstellung,  so  wird  die  Vorinstanz  die  Zulassung  allenfalls  unbefristet  entziehen  müssen. Angesichts  der Ziele,  die mit  dem RAG erreicht werden  sollen  (vgl. E. 3.4 ff.) und an sich entgegen der Formulierung von Art. 17 RAG  muss davon ausgegangen werden, dass das Wort "kann" in einer solchen  Konstellation  kein  Entschliessungsermessen,  sondern  allenfalls  noch  Auswahlermessen  einräumt  (vgl.  BENJAMIN  SCHINDLER,  Verwaltungsermessen,  Gestaltungskompetenz  der  öffentlichen  Verwaltung  in  der  Schweiz,  Zürich/St.  Gallen  2010,  Rz.  70).  Stellt  die  Vorinstanz  fest,  dass  die  Zulassungsvoraussetzungen  nicht  mehr  gegeben sind, muss sie dem Schutzgedanken des RAG entsprechend je  nach  Konstellation  entweder  einen  befristeten  oder  wohl  zumeist  einen  unbefristeten  Zulassungsentzug  fällen  (vgl.  auch  die  nicht  publizierte  Erwägung  im  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  16.  Juli  2008 i.S. A., B­2440/2008).

B­3988/2010 Dem  Wortlaut  von  Art.  17  Abs.  1  RAG  ist  demgegenüber  nicht  zu  entnehmen, ob und wie Personen zu sanktionieren sind, die zwar gegen  Revisionsvorschriften  verstossen  haben,  aber  weiterhin  die  Zulassungsvoraussetzungen erfüllen. Auch  in der Botschaft RAG ist aus  den  Ausführungen  zu  Art. 17 RAG  zum  Verhältnis  zwischen  schwerwiegenden und leichteren Gesetzesverstössen von Revisoren und  Revisionsexperten  nichts  zu  entnehmen.  Art.  17  RAG  wurde  kommentarlos  vom  Parlament  angenommen  (vgl.  Auszüge  aus  der  vierten  Sitzung  des  Nationalrats  −  Frühjahrssession  2005  ­  02.03.05­ 15h00, AB 2005 N 94). Wie  bereits  erwähnt,  hat  die  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  ausdrücklich  darauf  hingewiesen,  dass  der  Beschwerdeführer  trotz  Verstosses  gegen  Unabhängigkeitsvorschriften  die  Zulassungsvoraussetzungen  eines  Revisionsexperten  nach  wie  vor  erfülle. Zudem hat sie in ihrer Vernehmlassung vom 16. September 2010  wiederholt, der in Frage stehende langjährige Verstoss sei zwar geeignet,  den Leumund zu beeinträchtigen, aber dennoch nicht so gravierend, als  dass  dem  Beschwerdeführer  die  Gewähr  für  eine  einwandfreie  Prüftätigkeit gänzlich abgesprochen werden müsste. 3.2.2. Aufgrund des bisher Gesagten  ist  fraglich, ob Art. 17 Abs. 1 RAG  im  vorliegenden  Fall  überhaupt  zur  Anwendung  kommen  kann.  Dessen  Tatbestand scheint nicht erfüllt zu sein. Die Argumentation der Vorinstanz  legt nahe, dass dem Beschwerdeführer  im Zeitpunkt des Entscheids die  Gewähr  für  eine  einwandfreie  Tätigkeit  nicht  abgesprochen  werden  konnte,  und  er,  wenn  auch  vielleicht  nur  knapp,  die  Zulassungsvoraussetzungen weiterhin erfüllt. Da aber ein befristeter oder  ein  unbefristeter  Zulassungsentzug  allenfalls  eine  weniger  einschneidendere  Massnahme  erst  ausgesprochen  werden  können,  wenn  die  Zulassungsvoraussetzungen  nicht  gegeben  sind,  geht  die  Argumentation  der  Vorinstanz,  dass  sie  im  vorliegenden  Fall  bei  der  Sanktionierung  gestützt  auf  Art.  17  Abs.  1  RAG  über  ein  grosses  Ermessen verfüge, fehl.  Wie bereits dargelegt, erfasst Art. 17 Abs. 1 zweiter Satz RAG die Fälle,  in  denen  der  Leumund  eines  Revisors  oder  Revisionsexperten  zwar  beeinträchtigt ist, dieser aber wiederhergestellt werden kann. Diese Norm  bezieht  sich  also  auf  die  weniger  gravierenden  Verstösse  gegen  Revisionsbestimmungen.  In  solchen  Fällen  kann  bzw.  muss  die  Vorinstanz den Entzug androhen. Da vorliegend spätestens ab dem 14. 

B­3988/2010 Juni  2009  der  Beschwerdeführer  den  gesetzmässigen  Zustand  wiederhergestellt hat, was von der Vorinstanz nicht bestritten wird, kann  der  in  Frage  stehende  Verweis  auch  nicht  als  eine  Androhung  gemäss  Art.  17  Abs.  1  zweiter  Satz  RAG  verstanden  werden,  weshalb  die  Vorinstanz auch keinen Zulassungsentzug androhen kann. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist aber eine Sanktionierung von  solchen  Fällen  möglich,  und  zwar  durch  eine  strafrechtliche  Sanktion  gestützt  auf Art.  39 RAG. Verstösse gegen Unabhängigkeitsvorschriften  gemäss  Art.  728 OR  sind  in  den  Strafbestimmungen  des Gesetzes  als  Übertretungen explizit erfasst und können mit einer Busse bis zu 100'000  Franken bestraft werden (Art. 39 Abs. 1 RAG). Entgegen der Auffassung  des  Beschwerdeführers  besteht  kein  Grund  zur  Annahme,  dass  diese  Bestimmung  lediglich  für  staatlich  beaufsichtigte  Unternehmen  gelten  solle. Aus dem Wortlaut dieser Norm ist vielmehr zu entnehmen, dass die  Vorinstanz bei der Sanktionierung über einen Ermessenspielraum  in der  Strafzumessung  verfügt.  Berücksichtigt  man,  dass  Verurteilungen  gestützt  auf Art.  39 RAG nur  ab einer  gewissen Grössenordnung einen  Eintrag im Strafregister zur Folge haben (vgl. Art. 3 und 9 der Verordnung  vom  29.  September  2006  über  das Strafregister,  VOSTRA­Verordnung,  SR  331),  kann  daraus  geschlossen  werden,  dass  der  Vorinstanz  genügend  Spielraum  gegeben  ist,  Sanktionen  auszusprechen,  die  nicht  notwendigerweise mit der Frage nach einem unbescholtenen Leumund in  Konflikt geraten müssen. 3.3.  Der  Beschwerdeführer  bringt  vor,  man  könne  Art.  18  RAG  auf  Revisoren  oder  Revisionsexperten  nicht  analog  anwenden.  Der  Gesetzgeberhabe  eine  unterschiedliche  Behandlung  der  genannten  Fachpersonen  von  staatlich  beaufsichtigten  Unternehmen  beabsichtigt.  Deshalb  stelle  das  Fehlen  einer  Sanktionsmöglichkeit  für  fehlbare  Revisoren  oder  Revisionsexperten,  die  die  Zulassungsvoraussetzungen  weiterhin  erfüllen,  keine  Gesetzeslücke  dar.  Vielmehr  handle  es  sich  dabei um ein qualifiziertes Schweigen des Gesetzgebers.  Die Vorinstanz argumentiert hingegen, dass das RAG hinsichtlich dieser  Frage eine planwidrige Unvollständigkeit aufweise, da sonst bei gleichem  Verstoss eine unterschiedliche Sanktion ausgesprochen werden müsse,  je nach Arbeitgeber bzw. Zulassungsart. Diese Unterscheidung sei aber  vom Gesetzgeber nicht gewollt.

B­3988/2010 3.3.1. Die Möglichkeit, einen schriftlichen Verweis zu erteilen, ist im RAG  ausdrücklich in Art. 16 und 18 RAG vorgesehen. Art. 16 RAG Abs. 4 sieht  vor, dass einem staatlich beaufsichtigten Unternehmen ein Verweis erteilt  werden  kann,  falls  die  Vorinstanz  im  Rahmen  einer  Überprüfung  Verstösse  gegen  gesetzliche  Pflichten  feststellt  (Art.  16  Abs.  1  und  2  RAG). Zudem kann die Vorinstanz gestützt auf diese Norm Anweisungen  zur Wiederherstellung  des  ordnungsgemässen  Zustands  und  eine  Frist  dafür von höchstens zwölf Monaten erteilen (Art. 16 Abs. 4 RAG). Im  Vergleich  zu  Art.  16  RAG  verfolgt  Art.  18  RAG  ein  enger  umschriebenes Ziel. Einerseits  ist  bereits  der Wortlaut  dieser Norm klar  auf  natürliche  Personen  eingeschränkt,  die  für  ein  staatlich  beaufsichtigtes  Unternehmen  tätig  sind.  Zudem  ist  aus  den  Materialien  ersichtlich,  dass  diese  Norm  bezweckt,  der  Aufsichtsbehörde  eine  Möglichkeit zu geben, Verfehlungen einzelner verantwortlicher Personen  direkt und ohne Bestrafung des Revisionsunternehmens sanktionieren zu  können  (vgl.  Botschaft  RAG,  S.  4076  f).  Art.  18  RAG  ist  deshalb  in  diesem Sinne als Ergänzung zu Art. 16 RAG zu interpretieren.  3.3.2.  Art.  16,  17  und  18  RAG  scheinen  in  Bezug  auf  staatlich  beaufsichtigte  Unternehmen  und  dessen  Mitarbeiter  eine  auf  dem  Verhältnismässigkeitsgrundsatz  basierende  vollständige  abgestufte  administrative  Sanktionsordnung  zu  begründen.  Bei  leichteren  Verstössen  gegen  das  Gesetz  kann  die  Vorinstanz  gegen  ein  staatlich  beaufsichtigtes  Unternehmen  Verweise  aussprechen  und  Anweisungen  erteilen  (Art. 16 Abs. 4 RAG).  Erst  bei  wiederholten  oder  groben  Verletzungen  der  gesetzlichen  Vorschriften  wird  die  Vorinstanz  gestützt  auf  Art. 17  Abs.  2  RAG  eine  Zulassung  befristet  oder  unbefristet  entziehen können bzw. müssen.  Ähnliches  gilt  für  natürliche Personen,  die  für  ein  solches Unternehmen  arbeiten.  Bei  leichten  Verstössen  besteht  gemäss  Art.  18  RAG  die  Möglichkeit, einen Verweis auszusprechen. Bei wiederholten oder groben  Verstössen  kann  aufgrund  dieser  Bestimmung  die  Ausübung  ihrer  Tätigkeit  befristetet  oder  unbefristet  verboten  werden.  Als  "letzte"  und  schwerwiegendste  Massnahme  kann  der  befristete  oder  unbefristete  Zulassungsentzug  angeordnet  werden  (Art.  18  i.V.m.  Art.  17  Abs.  1  RAG). 3.3.3. Wie bereits dargestellt, kann Art. 18 RAG nicht ohne Weiteres auf  Revisoren  und  Revisionsexperten,  welche  nicht  für  staatlich 

B­3988/2010 beaufsichtigte  Unternehmen  tätig  sind,  übertragen  werden,  da  diese  Norm  dem  Wortlaut  und  dem  historischen  Auslegungselement  nach  explizit nur für Letztere vorgesehen wurde. Es stellt sich deshalb die Frage, ob diese unterschiedliche Normdichte in  Bezug  auf  die  Sanktionierung  von  leichteren  Gesetzesverstössen  vom  Gesetzgeber  gewollt  war,  oder  ob  es  sich  um  eine  planwidrige  Unvollständigkeit  des Gesetzes  handelt. Der  allgemeine Gleichheitssatz  gemäss  Art. 8  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101)  verbietet  eine  unterschiedliche Behandlung  nicht  absolut. Differenzierungen  sind  unter  gewissen  Voraussetzungen  zulässig  und  unter  dem  Gesichtspunkt  des  Differenzierungsgebots  unter  Umständen  sogar  verfassungsrechtlich  geboten.  Dabei  ist  zu  berücksichtigen,  dass  Gleiches  nach  Massgabe  seiner  Gleichheit  gleich  und  Ungleiches  nach  Massgabe  seiner  Ungleichheit ungleich behandelt wird. Dieser Grundsatz gilt sowohl in der  Rechtsanwendung als auch in der Rechtsetzung (vgl. BGE 129 I 1, E. 3  mit weiteren Verweisen; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N. 495 ff.).  Es  muss  somit  geprüft  werden,  ob  eine  allfällige  unterschiedliche  Behandlung  von  Revisionsexperten  und  staatlich  beaufsichtigten  Unternehmen  angesichts  der  tatsächlichen  Verhältnisse  sachlich  begründet werden kann. 3.4.  Das  RAG  wurde  unter  anderem  als  Reaktion  auf  eine  Serie  von  Ereignissen  in  der Wirtschaft  vorangetrieben. Primäres Ziel  der Vorlage  war  einerseits,  durch  die  Einführung  der  ordentlichen  und  der  eingeschränkten  Revisionspflicht  eine  Harmonisierung  der  Revisionsanforderungen für die in der Schweiz tätigen Gesellschaften zu  erreichen.  Andererseits  sollte  durch  vereinheitlichte  Vorgaben  ein  verbesserter  Schutz  der  Investoren,  der  Personen  mit  einer  Minderheitsbeteiligung an einer Privatgesellschaft, der Gläubiger und der  Unternehmen selber, erreicht werden (vgl. Botschaft RAG, S. 3989 ff.). Schwierigkeiten  in  der  Rechtsdurchsetzung  im  Revisionsbereich  und  verschiedene  Vorfälle  im  In­  und  Ausland  wurden  zudem  als  Gründe  angegeben,  weshalb  die  Qualitätssicherung  der  Revision  im  damals  geltenden  Recht  als  zu  wenig  effektiv  betrachtet  wurde.  Ein  weiterer  zentraler  Zweck  der Vorlage  lag  somit  darin,  durch  die Errichtung  einer  Aufsichtsbehörde,  welche  mittels  eines  Zulassungs­  und  Sanktionssystems  die  Kontrolle  über  alle  in  der  Revision  tätigen 

B­3988/2010 Personen  ausüben  kann,  die  Qualitätssicherung  der  Revision  zu  verbessern (vgl. Botschaft RAG, S. 4003  ff.; Erstrat  im Nationalrat, Frau  Leutenegger Oberholzer, AB 2005 N 60).   3.4.1.  Damit  diese  Ziele  erreicht  werden  konnten,  wurde  für  Gesellschaften  ab  einer  gewissen  wirtschaftlichen  Grösse  die  Pflicht  statuiert,  eine  ordentliche  und  damit  umfangreichere  Revision  durchführen  zu  müssen,  während  für  die  übrigen  Gesellschaften  eine  eingeschränkte Revision vorgesehen wurde (Art. 727 f. OR). Gleichzeitig  wurden  die  Anforderungen  an  die  Revisionsstelle  festgelegt.  Während  Publikumsgesellschaften  stets  von  einem  staatlich  beaufsichtigten  Unternehmen  revidiert  werden  sollen, müssen Gesellschaften,  die  nach  Art.  727  OR  zu  einer  ordentlichen  Revision  verpflichtet  sind,  als  Revisionsstelle  eine  zugelassene  Revisionsexpertin  nach  den  Vorschriften  des  RAG  bezeichnen  (Art.  727b  Abs.  2  OR).  Die  Gesellschaften,  die  zur  eingeschränkten  Revision  verpflichtet  sind,  müssen  als  Revisionsstelle  einen  zugelassenen  Revisor  nach  den  Vorschriften des RAG bezeichnen (Art. 727c OR). 3.4.2. Während  das  OR  die  Pflicht  zur  Revision  sowie  den  Typus  der  durchführenden  Revisionsstelle  regelt,  wurden  im  RAG  unter  anderem  die  Bestimmungen  über  die  Zulassung  zur  Erbringung  von  Revisionsdienstleistungen  und  somit  die  Anforderungen  an  die  in  der  Revision  tätigen  Personen  geregelt.  Grundsätzlich  bedürfen  alle  Personen einer Zulassung, die Prüfungen und Bestätigungen vornehmen,  welche  nach  bundesrechtlichen  Vorschriften  durch  eine  zugelassene  Revisionsexpertin,  einen  zugelassenen  Revisionsexperten,  eine  zugelassene  Revisorin  oder  einen  zugelassenen  Revisor  durchgeführt  werden müssen (Art. 3 Abs. 1 RAG).  Bei der Regelung der Zulassungsanforderungen ist ersichtlich, dass diese  in Zusammenhang mit der Natur der durchzuführenden Revision und der  zu  revidierenden  Gesellschaft  festgelegt  wurden.  Unternehmen,  die  Publikumsgesellschaften  revidieren,  benötigen  eine  Zulassung  als  staatlich  beaufsichtigte  Unternehmen.  Personen  oder  Unternehmen,  welche  Revisionsdienstleitungen  für  Gesellschaften  erbringen,  die  eine  ordentliche Revision nach Art. 727b Abs. 2 durchführen, benötigen eine  Zulassung  als Revisionsexperten  nach Art.  4  und  6 RAG.  Zugelassene  Revisoren dürfen "nur" eingeschränkte Revisionen durchführen. 

B­3988/2010 3.4.3.  Die  gewählte  Regelung  des  Revisionsrechts  und  der  Revisionsaufsicht  lässt  eine  klare Wertung  des Gesetzgebers  in  Bezug  auf  die  Durchsetzung  der  Qualitätssicherungs­  und  der  Schutzziele  in  Verbindung  mit  dem  jeweiligen  Revisionstyp  und  der  jeweiligen  Gesellschaftskategorie deutlich erscheinen. Je grösser der Umsatz oder  die  Bilanzsumme  einer  Gesellschaft  und  somit  die  Risiken  aus  einer  ungenügenden  oder  fehlerhaften  Revision  für  deren  Anleger  und  damit  für die Wirtschaft  insgesamt sind, desto höher sollen die Anforderungen  an  Fachkenntnis,  Ausbildung  und  Praxiserfahrung  sowie  an  die  Zulassung und die Kontrolle  ihrer Revisionsstelle gestellt werden. Diese  klare  Unterscheidung  und  Wertung  sind  anhand  der  Materialien  gut  dokumentiert (vgl. Botschaft RAG, S. 3990 ff.; Debatte im Nationalrat, AB  2005 N 62 ff.; kritisch dazu MARC AMSTUTZ/SIKANDER VON BHICKNAPAHARI,  Die Mythen der Revision, in: Jusletter 9. Mai 2005 [Rz 5­8]). Aus  den  obigen  Ausführungen  kann  gefolgert  werden,  dass  der  Gesetzgeber die in der Revision tätigen Personen je nach Zulassungsart  unterschiedlich  behandeln  und  die  damit  zu  erreichenden  Schutz­  und  Qualitätssicherungsziele  durch  differenzierte,  der  Revisionsart  und  der  revidierenden  Gesellschaft  angepasste  Kontrollmechanismen  erreichen  wollte.  Es  geht  an  dieser  Stelle  nicht  darum,  die  gewählte  Lösung  zu  bewerten,  sondern  es  genügt  vorliegend  festzuhalten,  dass  der  Gesetzgeber  davon  auszugehen  schien,  dass  je  nach  Revisionsdienstleitung  (ordentliche  oder  eingeschränkte  Revision)  und  revidierter  Gesellschaft  die  Revisionsstelle  unterschiedliche  Schutzinteressen  und  ­ziele  zu  befriedigen  hat.  Aus  diesen  Gründen  müssen  die  Revisionsstellen  verschiedene  fachliche  Voraussetzungen  erfüllen und unterliegen einer unterschiedlich strengen Kontrolle.  3.4.4.  Im Rahmen der gewählten Lösung spielen staatlich beaufsichtigte  Unternehmen eine besondere Rolle. Nur sie sind befugt, die ordentliche  Revision  von  Publikumsgesellschaften  durchzuführen.  Dafür  unterliegt  deren  Zulassung  erhöhten  Anforderungen  und  deren  Tätigkeit  einer  strengeren  Kontrolle  durch  die  Aufsichtsbehörde.  Es  passt  deshalb  in  diesen  Kontext,  dass  staatlich  beaufsichtigte  Unternehmen  einer  breiteren Sanktionsordnung unterliegen. Die Aufsichtsbehörde soll bereits  bei leichteren Gesetzesverstössen staatlich beaufsichtigter Unternehmen  über genügende Instrumente verfügen, um frühzeitig den rechtsmässigen  Zustand wieder erzwingen und somit Risiken vermindern oder vorbeugen  zu können.

B­3988/2010 Entgegen  der  Auffassung  der  Vorinstanz  muss  in  diesem  Zusammenhang  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  gleichen  Widerhandlung gegen Revisionsbestimmungen eine andere Gewichtung  zu geben ist, je nachdem, ob sie von einer natürlichen Person, die für ein  staatlich  beaufsichtigtes  Unternehmen  arbeitet  oder  von  einem  Revisionsexperten begangen werden. Die entsprechend unterschiedliche  Behandlung  von  staatlich  beaufsichtigten  Unternehmen  und  Revisionsexperten  bei  den  Sanktionsmöglichkeiten  ist  demnach  vom  Gesetzgeber gewollt und beruht auf sachlichen Kriterien.  3.5.  Die  Vorinstanz  kann  somit  gestützt  auf  Art.  17  RAG  keine  schriftlichen  Verweise  gegenüber  zugelassenen  Revisoren  und  Revisionsexperten  aussprechen.  Dem  Gesetz  ist  zu  entnehmen,  dass  diese Möglichkeit nur für staatlich beaufsichtigte Unternehmen und deren  Mitarbeiter  vorgesehen  wurde,  weil  diese,  wie  bereits  erwähnt,  Revisionsdienstleistungen  erbringen,  bei  denen  das  Risiko  bzw.  das  Schutz­ und Kontrollinteresse höher als bei den anderen in der Revision  tätigen Personen bewertet wurde. Um diesen Zielen gerecht zu werden,  stehen  der  Aufsichtsbehörde  bei  der  Kontrolle  und  Sanktionierung  von  staatlich beaufsichtigten Unternehmen, verglichen mit der Sanktionierung  von  zugelassenen  Revisionsexperten  und  Revisoren,  bewusst  zusätzliche Instrumente zur Verfügung. Gegenüber  staatlich  beaufsichtigten  Unternehmen  kann  die  Vorinstanz  Verweise  aussprechen,  befristete  oder  unbefristete  Zulassungsentzüge  verfügen oder Strafen anordnen  (Art. 16 RAG, Art. 17 Abs. 2 RAG, Art.  39 RAG i.V.m Art. 7 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsstrafrecht  [VStrR, SR 313], Art. 40 RAG). Gegenüber natürlichen Personen, die für  solche  Unternehmen  tätig  sind,  kommen  Verweise,  befristete  oder  unbefristete  Verbote  der  Ausübung  der  Tätigkeit,  befristete  oder  unbefristete Zulassungsentzüge sowie Strafen in Frage (Art. 18 RAG, Art.  39 RAG, Art. 40 RAG). Gegenüber  Revisoren  und  Revisionsexperten  können  befristete  oder  unbefristete  Zulassungsentzüge  sowie  −  auch  in  leichteren  Fällen  −  Strafen ausgesprochen werden (Art. 17 Abs. 1 RAG, Art. 39 RAG, Art. 40  RAG). Die  breitere  Palette  an  Sanktionen  und  die  vergleichsweise  frühere  Eingriffsmöglichkeit der Aufsichtsbehörde  lassen sich mit den zumindest  graduell unterschiedlichen Schutzbedürfnissen rechtfertigen und liegen in 

B­3988/2010 der dem Gesetz zugrunde liegenden Wertungssystematik. Entsprechend  darf  angenommen  werden,  dass  dem Gesetzgeber  die  Statuierung  der  unterschiedlichen Sanktionsmöglichkeiten durchaus bewusst war  und er  es, im Falle von Regel­ oder Gesetzesverstössen, welche nicht im Umfeld  von  staatlich  beaufsichtigten  Unternehmen  erfolgen  und  die  noch  nicht  zum  Verlust  des  unbescholtenen  Leumunds,  mithin  der  Zulassungsvoraussetzungen  führen,  bei  der  strafrechtlichen  Sanktion  beruhen lassen wollte. Eine  Sanktionierung  von  leichteren  Verstössen  von  Revisionsexperten  gegen Revisionsvorschriften  ist  somit  gestützt  auf  Art.  39 RAG möglich  (vgl.  E.  3.2.1  ff.).  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  folglich  zum  Schluss,  dass  die  gesetzliche  Sanktionsordnung,  welche  für  Regelverstösse von Revisoren und Revisionsexperten keine Möglichkeit  vorsieht,  einen  Verweis  zu  verfügen,  nicht  auf  eine  planwidrige  Unvollständigkeit  des  Gesetzes,  die  von  der  rechtsanwendenden  Behörde gefüllt werden darf, zurück geführt werden kann. 4.  Aus  diesen  Gründen  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen  und  die  angefochtene Verfügung aufzuheben. 5.  Bei diesem Verfahrensausgang gilt der Beschwerdeführer als obsiegende  Partei,  weshalb  ihm  keine  Kosten  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Vorinstanzen  haben  keine  Verfahrenskosten  zu  tragen  (Art. 63  Abs. 2 VwVG). Als  obsiegende  Partei  hat  der  Beschwerdeführer  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  Kosten  (Art. 64  Abs. 1  VwVG  i.V.m.  Art. 7  Abs. 1  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Diese  umfasst  die  Kosten  der Vertretung  sowie  allfällige weitere  notwendige Auslagen  der  Parteien  (Art. 8 ff.  VGKE).  Das  Anwaltshonorar  wird  nach  dem  notwendigen Zeitaufwand des Vertreters bemessen. Der Stundenansatz  beträgt  für  Anwälte  mindestens  Fr. 200.–  und  höchstens  Fr. 400.–,  exklusiv Mehrwertsteuer (Art. 10 VGKE).  Der Beschwerdeführer liess sich vor Bundesverwaltungsgericht anwaltlich  vertreten. Die eingereichte Kostennote  führt die Höhe des Honorars und 

B­3988/2010 der  Pauschalspesen  auf  (insgesamt  Fr.  4'167.15.−)  und  enthält  sonst  keine  detaillierten  Angaben.  Somit  entscheidet  das  Gericht  von  Amtes  wegen,  unter  Berücksichtigung  der  oben  genannten  Kriterien,  des  Aktenumfangs,  der  Schwierigkeit  der  Sache  und  der  eingereichten  Rechtsschrift, mit summarischer Begründung und nach pflichtgemässem  Ermessen  über  die  Parteientschädigung.  Vorliegend  wird  eine  Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 2'500.– (inkl. MwSt.)  als  angemessen  erachtet  und  der  Vorinstanz  in  ihrer  Funktion  als  verfügende Behörde auferlegt (Art. 64 Abs. 2 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen  und  die  angefochtene  Verfügung  aufgehoben. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der vom Beschwerdeführer  am  30.  Juni  2010  an  das  Bundesverwaltungsgericht  geleistete  Kostenvorschuss  in  der Höhe  von Fr. 1'500.‒ wird  ihm nach Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils  von  der  Gerichtskasse  zurückerstattet. 3.  Dem Beschwerdeführer wird  eine Parteientschädigung  in  der Höhe  von  Fr. 2'500.− (inkl. MwSt.) zulasten der Vorinstanz zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den  Beschwerdeführer  (Gerichtsurkunde;  Beilage:  Rückerstattungsformular) – die Vorinstanz (Ref­Nr. 104'704; Gerichtsurkunde) – das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  EJPD  (Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

B­3988/2010 Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Francesco Brentani Ciro Papini Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30  Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden,  sofern  die  Voraussetzungen  gemäss  den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  gegeben  sind.  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die Begehren,  deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  die  beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG). Versand: 1. Juni 2011

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