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Bundesverwaltungsgericht 06.10.2011 B-37/2011

6 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,398 parole·~12 min·2

Riassunto

Widerspruchssachen | Widerspruchsverfahren Nr. 10833 - SANSAN / Santasana

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II B­37/2011 Urteil   v om   6 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Maria Amgwerd (Vorsitz),  Richter Claude Morvant, Richterin Vera Marantelli, Gerichtsschreiberin Kathrin Bigler Schoch. Parteien AIS Consulting Group GmbH,  Zürcherstrasse 6, 8852 Altendorf,   vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Matthias Schwaibold,  Ritter & Schwaibold Rechtsanwälte, Dufourstrasse 48,  Postfach 269, 8024 Zürich, Beschwerdeführerin,  gegen Sansan Versicherungen AG,  Zürichstrasse 130, 8600 Dübendorf,   vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Michael Kikinis,  Waffenplatzstrasse 10, 8002 Zürich, Beschwerdegegnerin,  Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum IGE,  Stauffacherstrasse 65, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Widerspruchsverfahren Nr. 10833 ­ SANSAN / Santasana.

B­37/2011 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdegegnerin  ist  Inhaberin  der  CH­Marke  Nr.  493368  "SANSAN"  (Widerspruchsmarke), welche am 28. August 2001 hinterlegt  und am 28. Dezember 2001 ins Markenregister eingetragen worden war.  Sie wird unter anderem für folgende Dienstleistungen beansprucht: Klasse  36:  Versicherungswesen;  Finanzwesen;  Erarbeiten  von  Informationen,  Dokumentationen  und  Gutachten  auf  dem  Gebiet  des  Versicherungswesens. Gestützt  auf  diese  Marke  erhob  sie  am  21.  Dezember  2009  teilweise  Widerspruch  gegen  die  CH­Marke  Nr.  591530  "Santasana"  der  Beschwerdeführerin  (angefochtene  Marke),  welche  am  28.  Juni  2009  hinterlegt und am 25. September 2009 publiziert wurde. Der Widerspruch  bezog  sich  auf  sämtliche  in Klasse  36  beanspruchten Dienstleistungen,  nämlich  "Versicherungswesen;  Finanzwesen;  Geldgeschäfte;  Immobilienwesen". Mit  Eingabe  vom 25.  Februar  2010  beantragte  die Beschwerdeführerin,  der Widerspruch sei abzuweisen. Die Vorinstanz hiess den Widerspruch mit Entscheid vom 18. November  2010  gut  und  widerrief  die  angefochtene  Marke  für  sämtliche  Dienstleistungen  der  Klasse  36.  Zur  Begründung  führte  sie  aus,  die  Vergleichszeichen  würden  (soweit  hier  interessierend)  für  gleiche  respektive  hochgradig  gleichartige  Dienstleistungen  beansprucht.  Sie  unterschieden sich  im Wesentlichen  in der Wortmitte, welcher geringere  Bedeutung beigemessen werde als  dem Wortanfang und –ende. Selbst  unter  Berücksichtigung  des  Umstands,  dass  es  sich  bei  den  Vergleichsdienstleistungen  nicht  um  Massenprodukte  des  täglichen  Bedarfs  handle,  bei  denen  dem  Publikum  ein  vergleichsweise  geringer  Aufmerksamkeitsgrad  zu  unterstellen  sei,  sei  in  Anbetracht  der  Ähnlichkeit  der  Vergleichszeichen  auf  der  klang­  und  schriftbildlichen  Ebene die Gefahr von Fehlzurechnungen zu bejahen. B.  Gegen  diesen  Entscheid  erhob  die  Beschwerdeführerin  am  5.  Januar  2011  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragt,  der  angefochtene  Entscheid  sei  aufzuheben,  und  der  Widerspruch  der  Beschwerdegegnerin  abzuweisen.  Zur  Begründung  bringt  sie  vor,  die 

B­37/2011 angefochtene  Marke  unterscheide  sich  genügend  klar  von  der  Widerspruchsmarke.  Zu  behaupten,  der  Unterschied  liege  im  Wesentlichen  in  der  Wortmitte,  sei  falsch:  Santa  und  San  seien  "zwei  verschiedene  Paar  Schuhe",  und  die  wohl  gemeinte Wortmitte  "­ta"  sei  eine  ganz  wichtige  Veränderung,  mache  sich  doch  nicht  einfach  aus  Sansan Santasana. Auch das End­a habe eine starke Wirkung, indem es  aus  dem  zweiten  "­san"  ein  damit  nicht  zu  verwechselndes  "sa­na"  mache.  Damit  lägen  zwei  Veränderungen  vor,  die  sowohl  für  sich  genommen  wie  in  ihrem  Zusammenspiel  die  von  der  Vorinstanz  behauptete  Wechselwirkung  ausschlössen.  Somit  seien  Sansan  und  Santasana nicht verwechselbar. C.  Die Vorinstanz erklärte mit Eingabe vom 14. Februar 2011, sie verzichte  auf  die  Einreichung  einer  Stellungnahme  und  beantrage,  unter  Hinweis  auf  die  Begründung  der  angefochtenen Verfügung,  die  Beschwerde  sei  abzuweisen. D.  Mit  Beschwerdeantwort  vom  14.  Februar  2011  beantragt  die  Beschwerdegegnerin,  die  Beschwerde  sei  abzuweisen,  soweit  auf  sie  überhaupt  einzutreten  sei.  Eventualiter  sei  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Zudem  stellt  sie  den  prozessualen Antrag, eventualiter sei der Beschwerdegegnerin vor einem  Entscheid  in  der  Sache  nochmals  Frist  für  eine  zusätzliche  Eingabe  anzusetzen,  falls  das  Bundesverwaltungsgericht  Bestimmungen  des  Bundesrechts  als  relevant  erachten  sollte,  die  von  keiner  Partei  angerufen würden. Sie hält fest, die Marken Sansan und Santasana seien  verwechselbar,  zumal  sie  insbesondere hinsichtlich des Wortklangs und  des  Schriftbilds  ähnlich  seien,  und  eine  Gleichheit  bzw.  hochgradige  Gleichartigkeit  der  beanspruchten  Dienstleistungen  der  Klasse  36  bestehe. E.  Am  18.  August  2011  reichte  die  Beschwerdegegnerin  eine  Eingabe  zu  neuen  Entwicklungen  ein.  Einerseits  sei  in  der  Zwischenzeit  die  Schutzdauer  der Widerspruchsmarke  um weitere  zehn  Jahre  verlängert  worden; die Schutzdauer laufe neu bis am 28. August 2021. Andererseits  habe  die  Beschwerdeführerin  ihren  Sitz  von  Zug  nach  Altendorf  SZ  verlegt.  Dies  werde  dem  Gericht  zur  Kenntnis  gebracht,  damit  eine  entsprechende  Anpassung  des  Rubrums  erfolgen  könne.  Schliesslich 

B­37/2011 wies  die  Beschwerdegegnerin  darauf  hin,  dass  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Urteil  B­2235/2008  vom  2.  März  2010  (Dermoxane / Dermasan) zu den verschiedenen Bedeutungen von "SAN"  geäussert habe. Diese  Eingabe  wurde  der  Beschwerdeführerin  und  der  Vorinstanz  zur  Kenntnis gebracht. F.  Die  Parteien  haben  stillschweigend  auf  die  Durchführung  einer  öffentlichen Verhandlung verzichtet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Das Bundesverwaltungsgericht  ist gemäss Art. 31, 32 und 33 Bst. d des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17.  Juni  2005  (VGG, SR 173.32)  zur  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Entscheide  der  Vorinstanz  in  Widerspruchssachen  zuständig.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  und  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt.  Sie  hat  zudem  ein  als  schutzwürdig  anzuerkennendes  Interesse  an  deren  Aufhebung  und  Änderung, weshalb sie zur Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]). Eingabefrist und ­form sind  gewahrt  (Art.  50  Abs.  1  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG),  der  verlangte  Kostenvorschuss wurde fristgemäss geleistet (Art. 63 Abs. 4 VwVG), und  die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 44 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2.  Die  Beschwerdegegnerin  bemängelt,  die  Beschwerdeführerin  habe  die  Verletzung  von  Bundesrecht  gerügt,  ohne  anzugeben,  welche  Normen  des Bundesrechts durch den angefochtenen Entscheid angeblich verletzt  sein sollten. Es bleibe deshalb auf Grund der Beschwerde unklar, welche  Normen  des  Bundesrechts  verletzt  sein  sollten.  Sollte  das  Bundesverwaltungsgericht der Ansicht sein, dass andere Bestimmungen  des  Bundesrechts  relevant  sein  sollten,  als  diejenigen,  auf  welche  die  Beschwerdegegnerin  eingehe  (vor  allem  Art.  3  des 

B­37/2011 Markenschutzgesetzes vom 28. August 1992 [MSchG, SR 232.11]), hätte  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Beschwerdegegnerin  vor  einem  Entscheid  in  der  Sache  im  Hinblick  auf  die  Wahrung  des  rechtlichen  Gehörs  der  Beschwerdegegnerin  nochmals  die  Möglichkeit  zu  einer  zusätzlichen Stellungnahme einzuräumen. Wie  noch  zu  zeigen  sein  wird  (vgl.  E.  5  ff.  hiernach),  stützt  das  Bundesverwaltungsgericht  den  vorliegenden Entscheid  im Wesentlichen  auf  den  von  der  Beschwerdegegnerin  genannten  Artikel  3 MSchG.  Die  Einladung zu einer zusätzlichen Stellungnahme erübrigt sich daher. 3.  Vom  Markenschutz  ausgeschlossen  sind  Zeichen,  die  einer  älteren  Marke  ähnlich  und  für  gleiche  oder  gleichartige  Waren  oder  Dienstleistungen  bestimmt  sind,  so  dass  sich  daraus  eine  Verwechslungsgefahr ergibt (Art. 3 Abs. 1 Bst. c MSchG). 3.1.  Ob  zwei  Marken  sich  hinreichend  deutlich  unterscheiden  oder  im  Gegenteil  verwechselbar  sind,  ist  nicht  auf  Grund  eines  abstrakten  Zeichenvergleichs,  sondern  stets  vor  dem  Hintergrund  der  gesamten  Umstände  zu  beurteilen.  Der  Massstab,  der  an  die  Unterscheidbarkeit  anzulegen ist, hängt einerseits vom Umfang des Ähnlichkeitsbereichs ab,  dessen Schutz  der  Inhaber  der  älteren Marke  beanspruchen  kann,  und  anderseits  von  den  Waren  und  Dienstleistungen,  für  welche  die  sich  gegenüberstehenden  Marken  hinterlegt  sind  (BGE  122  III  382  E.  1 –  Kamillosan). 3.2. Je näher  sich  die Waren und Dienstleistungen  sind,  für welche die  Marken  registriert  sind,  desto  grösser  wird  das  Risiko  von  Verwechslungen und desto stärker muss sich das  jüngere Zeichen vom  älteren abheben, um die Verwechslungsgefahr zu bannen. Ein besonders  strenger  Massstab  ist  anzulegen,  wenn  beide  Marken  für  weitgehend  identische Waren  oder  Dienstleistungen  bestimmt  sind.  Im Weiteren  ist  von Bedeutung,  an welche Abnehmerkreise  sich  die Waren  richten  und  unter  welchen  Umständen  sie  gehandelt  zu  werden  pflegen.  Bei  Massenartikeln des täglichen Bedarfs, wie beispielsweise Lebensmitteln,  ist  mit  einer  geringeren  Aufmerksamkeit  und  einem  geringeren  Unterscheidungsvermögen  der  Konsumenten  zu  rechnen  als  bei  Spezialprodukten,  deren  Absatzmarkt  auf  einen  mehr  oder  weniger  geschlossenen Kreis von Berufsleuten beschränkt bleibt (BGE 126 III 315 

B­37/2011 E. 6b/bb  –  Apiella,  BGE  122  III  382  E.  3a  –  Kamillosan;  Urteil  des  Bundesgerichts [BGer] 4C.258/2004 vom 6. Oktober 2004 E. 2.3 – Yello). 3.3. Die Markenähnlichkeit beurteilt sich nach dem Gesamteindruck, den  die  Marken  in  der  Erinnerung  der  angesprochenen  Verkehrskreise  hinterlassen  (BGE  121  III  377  E.  2a  –  Boss  /  Boks;  EUGEN MARBACH,  Markenrecht,  in:  Roland  von  Büren  /  Lucas  David  [Hrsg.],  Schweizerisches Immaterialgüter­ und Wettbewerbsrecht, Bd. III/1, Basel  2009 [SIWR III/1], N. 864). Bei  reinen  Wortmarken  ist  der  Wortklang,  das  Schriftbild  und  gegebenenfalls der Sinngehalt massgebend (BGE 127 III 160 E. 2b/cc –  Securitas; BGE 121 III 377 E. 2b – Boss / Boks). Dabei genügt es für die  Annahme  der  Ähnlichkeit,  wenn  diese  in  Bezug  auf  nur  eines  dieser  Kriterien  bejaht  wird  (MARBACH,  SIWR  III/1,  N. 875;  Entscheid  der  Rekurskommission  für  geistiges  Eigentum  [RKGE]  in:  Zeitschrift  für  Immaterialgüter­,  Informations­ und Wettbewerbsrecht  [sic!]  2006 S. 761  E.  4  –  McDONALD'S  /  McLake).  Der  Wortklang  wird  im  Wesentlichen  durch  die  Silbenzahl,  die  Aussprachekadenz  und  die  Aufeinanderfolge  der Vokale bestimmt, das Erscheinungsbild durch die Wortlänge und die  optische Wirkung der Buchstaben (BGE 122  III 382 E. 5a – Kamillosan;  BGE 119 II 473 E. 2c – Radion; RKGE in sic! 2002 S. 101 E. 6 – Mikron  [fig.] / Mikromat [fig.]). 4.  Soweit  hier  interessierend,  wird  die  Widerspruchsmarke  für  "Versicherungswesen;  Finanzwesen;  Erarbeiten  von  Informationen,  Dokumentationen  und  Gutachten  auf  dem  Gebiet  des  Versicherungswesens"  (Klasse  36),  die  angefochtene  Marke  für  "Versicherungswesen;  Finanzwesen;  Geldgeschäfte;  Immobilienwesen"  (Klasse 36) beansprucht. Die  Vorinstanz  hat  diese  Dienstleistungen  hinsichtlich  "Versicherungswesen;  Finanzwesen"  (Klasse  36)  als  identisch,  im  Übrigen  als  (hochgradig)  gleichartig  qualifiziert,  was  von  der  Beschwerdeführerin nicht bestritten wird.  Die strittigen Dienstleistungen  in Klasse 36  richten sich nicht nur an die  entsprechenden  Fachleute,  sondern  auch  an  Durchschnittsverbraucher  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGer]  B­2125/2008  vom  15. Mai  2009  E.  3  –  Total  Trader).  Spricht  eine  Marke,  wie  im 

B­37/2011 vorliegenden Fall, gleichzeitig mehrere Verkehrskreise an, so genügt es,  wenn  in  einem  dieser  Verkehrskreise  eine  Verwechslungsgefahr  droht  (MARBACH, SIWR III/1, N. 954). 5.  Beide Vergleichszeichen sind reine Wortmarken. Die Widerspruchsmarke  heisst "SANSAN", das angefochtene Zeichen "Santasana".  5.1. Zunächst sind die Zeichen in schriftbildlicher Hinsicht zu vergleichen. 5.1.1. Der  Umstand,  dass  die  Widerspruchsmarke  in  Grossbuchstaben  gehalten  ist,  die  angefochtene  Marke  dagegen  in  Gross­  und  Kleinbuchstaben,  bleibt  nicht  nachhaltig  im  Gedächtnis  haften  und  vermag  deshalb  entgegen  der  Ansicht  der  Beschwerdeführerin  den  Gesamteindruck nicht zu prägen (RKGE in sic! 2001 S. 813 E. 4 – Viva /  Coop Viva [fig.]). 5.1.2. Die Beschwerdeführerin vertritt die Ansicht, die Vergleichszeichen  unterschieden  sich  in  optischer  Hinsicht:  Die  Wortlänge  sei  klar  verschieden, das kurze Sansan habe nichts mit dem doppelt so  langen,  doppelt  so  viele Silben aufweisenden Santasana  zu  tun. Zudem sei  die  Buchstabenverschiedenheit  eine  klare  und  eindeutige:  In  Sansan  seien  drei Buchstaben (s – a – n)  in derselben Reihenfolge (s/a/n) wiederholt.  Santasana bestehe aus  vier Buchstaben  (s  –  a  –  n  –  t),  deren Abfolge  und  Silbenbildung  zu  Santa  –  sana  hingegen  etwas  bilde,  das  vom  Gesamteindruck und der Buchstabenfolge nichts mehr mit Sansan zu tun  habe.  5.1.3. Das  Widerspruchszeichen  besteht  aus  sechs,  das  angefochtene  Zeichen aus neun Buchstaben;  das angefochtene Zeichen  ist  somit  um  drei  Buchstaben  respektive  einen  Drittel  länger  als  die  Widerspruchsmarke,  und  nicht  doppelt  so  lang,  wie  die  Beschwerdeführerin geltend macht. Dieser Längenunterschied ergibt sich  aus der zusätzlichen Silbe in der Wortmitte des angefochtenen Zeichens,  nämlich  "­ta",  sowie  aus  dem  zusätzlichen  Endbuchstaben  "­a".  Ansonsten  stimmen die Zeichen  im Wortanfang  "SAN" überein,  und die  angefochtene Marke übernimmt noch einmal das identische Element, das  bei  der  Widerspruchsmarke  zugleich  das  Wortende  darstellt.  Die  Vergleichszeichen  sind  je  aus  den Buchstaben  s,  a  und  n  gebildet,  bei  der angefochtenen Marke kommt  in der Wortmitte noch ein  t  und damit 

B­37/2011 ein  Element  hinzu,  welches  die  anderen  drei  Buchstaben  in  der  Länge  überragt. 5.1.4. Trotz der festgestellten Unterschiede ist eine Zeichenähnlichkeit in  schriftbildlicher Hinsicht zu bejahen. 5.2. Die Vorinstanz erklärte  im klangbildlichen Vergleich, die zusätzliche  Silbe  "ta"  und  der  Schlussbuchstaben  "a"  in  der  angefochtenen  Marke  führten zu Unterschieden im Silbenmass und im Wortrhythmus. Trotzdem  wiesen die Zeichen auf Grund der Verwendung des Buchstabens "A" als  einzigem  Vokal  und  des  Umstandes,  dass  dieser  Vokal  beiderseits  mehrfach  (zwei­  respektive  viermal)  aufgeführt  werde,  eine  klangliche  Ähnlichkeit auf. Diese werde dadurch verstärkt, dass die Zeichen über die  identische  Anfangssilbe  "SAN"  und  eine  ähnlich  klingendes  Wortende  ("SAN" gegenüber "SANA") verfügten und die Buchstabenfolge "SAN" in  beiden Zeichen zweimal aufgeführt werde. 5.2.1.  Die  Beschwerdeführerin  argumentiert,  die  Aussprache  von  "sansan"  (zwei  kurze,  gleiche  Silben)  habe  etwas  "Asiatisches",  aber  keinerlei  Ähnlichkeit  zu  einer  Landessprache,  namentlich  nicht  dem  Deutschen:  Dort  gebe  es  jedenfalls  im  Alltagssprachwortschatz  keine  solchen "Kurzdoppelsilbler", und auch im Französischen müsse man auf  Sonderwörter wie "cancan" verfallen. Die Silbenfolge sei klar verschieden:  zwei  kurze,  identische  Silben  stünden  vier  langen  und  unter  sich  verschiedenen  Silben  gegenüber.  Die  Vokalabfolge  von  vier  a  in  vier  Silben  sei  eine  andere  als  von  zwei  a  in  zwei  gleichlautenden  Silben.  Somit  unterschieden  sich  die  Vergleichszeichen  auch  in  klanglicher  Hinsicht. 5.2.2.  Die  Beschwerdegegnerin  hält  dagegen,  Wörter  mit  zwei  kurzen  gleichen Silben  seien  sowohl  im Deutschen  als  auch  im Französischen  sehr üblich,  insbesondere auch  in der Kleinkindersprache (Mama, Papa,  Wauwau, bumbum etc.). Auch wenn bei  "Santasana"  insgesamt vier  "a"  vorkämen (im Vergleich zu zwei "a" bei SANSAN"), führe dies dazu, dass  bei der Aussprache zunächst auch zwei kurze "a" und auch am Ende ein  weiteres  kurzes  "a"  wahrgenommen  würden.  Insgesamt  überwögen  deshalb auch bei der Marke "Santasana" drei kurze "a" gegenüber einem  allenfalls  längeren  "a"  in  der  Mitte.  Im  Übrigen  unterstützt  die  Beschwerdegegnerin die Meinung der Vorinstanz und weist darauf hin, es  sei  mehrfach  entschieden  worden,  dass  gerade  auch  eine  zusätzlich  eingeschobene  Silbe  in  der  Mitte  einer  Wortmarke  (wie  vorliegend  die 

B­37/2011 Silbe  "ta"  in  "Santasana")  einen  gleichen  bzw.  ähnlichen  Wortanfang  bzw.­ende bei weitem nicht aufzuwiegen vermöge. 5.2.3. Nebst dem gleichen Wortanfang  "san" und der ähnlichen Endung  "san"  respektive  "sana"  sind  auch  Unterschiede  festzustellen:  Die  angefochtene Marke unterscheidet  sich durch die  zusätzliche Mittelsilbe  "­ta"  von  der  Widerspruchsmarke.  Je  nach  konkreter  Vokalfolge,  Silbenzahl  und  Kadenz  kann  sich  die  Beifügung,  Auswechslung  oder  Weglassung  einer Mittelsilbe  auf  den Gesamteindruck  von Wortmarken  auswirken (vgl. GALLUS JOLLER, in: Michael Noth / Gregor Bühler / Florent  Thouvenin,  Markenschutzgesetz,  Bern  2009,  Art.  3,  N.  152,  mit  Verweisen auf die Rechtsprechung; Urteil  des BVGer B­2635/2008 vom  1. Dezember 2008 E. 6.2.2 – monari / Anna Molinari). Anders als im Fall  "Zara  /  zahara"  (vgl.  RKGE  in  sic!  2005,  S.  749)  kann  in  casu  die  Mittelsilbe  "­ta" nicht als phonetisch schwache Silbe bezeichnet werden,  welche  bei  einer  normalen Aussprache  überhört werden  könnte.  Sie  ist  demzufolge  für  den  Gesamteindruck  zu  berücksichtigen.  Durch  die  Einschiebung der Silbe "­ta" und durch das Anfügen des Endbuchstabens  "­a"  bei  der  angefochtenen Marke  kommt  es  zu  einer  unterschiedlichen  Silbenzahl:  den beiden Silben  "SAN – SAN"  stehen sich die  vier Silben  "San – ta – sa – na" gegenüber, womit sich der Wortrhythmus verändert  (vgl. MARBACH, SIWR III/1, N. 879). Durch die alleinige Verwendung des  Buchstabens  "A"  bleibt  die  Vokalfolge  dagegen  gleich,  abgesehen  von  der Länge der zu vergleichenden Folgen (A – A gegenüber A – A – A –  A).  Angesichts  dieser  Umstände  kann  entgegen  der  Ansicht  der  Beschwerdeführerin eine Ähnlichkeit in klanglicher Hinsicht nicht verneint  werden. 5.3.  In  der  Literatur  und  Rechtsprechung  ist  anerkannt,  dass  eine  klangliche  oder  visuelle  Ähnlichkeit  zwischen  zwei  Marken  durch  einen  ausgeprägt  verschiedenen  Sinngehalt  derart  kompensiert  werden  kann,  dass  eine  Verwechslungsgefahr  abgeschwächt  wird  oder  ganz  entfällt.  Allerdings  ist  Zurückhaltung  geboten.  Es  ginge  nicht  an,  den  Schutzumfang von Marken, die einen Sinngehalt aufweisen, auf Marken  mit ähnlichem Sinngehalt zu beschränken. Sowohl  in der Literatur wie in  der Rechtsprechung sind denn auch die Bedingungen, unter denen eine  Verwechslungsgefahr bei verschiedenem Sinngehalt der Marken entfällt,  streng  formuliert. Es wird verlangt, dass die Wahrnehmung einer Marke  sofort  und  unwillkürlich  eine  Assoziation  zu  einem  bestimmten  Begriff  bewirkt respektive dass sich die Sinngehalte beim Hören und beim Lesen  dem  Bewusstsein  sogleich  aufdrängen.  Ausserdem  müssen  die 

B­37/2011 unterschiedlichen  Sinngehalte  in  allen  Landesteilen  unmittelbar  verständlich sein. Ferner ist zu berücksichtigen, dass die klangliche oder  visuelle Ähnlichkeit zwischen zwei Marken so gross sein kann, dass beim  flüchtigen  Hören  oder  Lesen  die  Gefahr  des  Verhörens  bzw.  des  Verlesens  besteht  und  der  verschiedene  Sinngehalt  gar  nicht  zum  Bewusstsein  des  Betrachters  gelangt  (Urteile  des  BVGer  B­3622/2010  vom  1.  Dezember  2010  E.  4.2  –  Wurzelbrot  /  Wurzel­Rusti,  und  B­ 142/2009 vom 6. Mai 2009 E. 5.4 – Pulcino / Dolcino, je mit Verweis auf  RKGE  in  sic!  1998 S.  50 E.  6  – Clinique  / Unique  frisch Kosmetik  [fig.]  und BGE 121 III 377 E. 3c – Boss / Boks). 5.3.1.  Die  Vorinstanz  argumentierte,  weil  die  Verbindung  der  Begriffe  "heilig"  (deutsche  Übersetzung  für  "santa")  und  "gesund"  (deutsche  Übersetzung  von  "sana")  in  der  angefochtenen  Marke  keinen  Sinn  ergebe,  werde  der  überwiegende  Teil  der  Abnehmer  nicht  nur  die  Widerspruchsmarke,  sondern  auch  die  angefochtene  Marke  im  Gesamteindruck  als  Fantasiezeichen  ohne  konkreten  Sinngehalt  wahrnehmen.  Nach  Ansicht  der  Beschwerdeführerin  weist  weder  "SAN"  alleine  noch  "SANSAN"  einen  Sinngehalt  auf.  Dagegen  sei  bei  "Santa"  jede  Assoziation zu "heilig" zwingend – es gebe gar keine andere, auch wenn  das  Wort  nicht  der  deutschen  Sprache  zugehörig  sei.  Auch  für  "sana"  ("gesund") sei die Assoziation zwingend, die ganz sicher bei "san" fehle. Die  Beschwerdegegnerin  hält  dagegen,  "Santasana"  habe  als  Ganzes  keine Bedeutung, zumal die Kombination von "santa" ("heilig") und "sana"  (italienisch für "gesund") in "Santasana" keinen gesamthaften Sinn habe.  Der in der Marke "SANSAN" vorkommende Bestandteil "SAN" weise sehr  wohl  Bedeutungen  auf.  So  sei  "San"  auf  Italienisch  und  Spanisch  die  Kurzform  von  "Santo"  bzw.  "Sana".  Somit  bestehe  auch  auf  der  Ebene  des Sinngehalts eine Übereinstimmung bzw. zumindest hohe Ähnlichkeit  zwischen  den  vorliegend  einander  gegenüber  stehenden  Marken  "SANSAN"  und  "Santasana".  Sie  stimme  indessen  der  Vorinstanz  zu,  wonach  beide  einander  vorliegend  gegenüber  stehenden  Marken  im  Gesamteindruck  als  Fantasiezeichen  ohne  konkreten  Sinngehalt  wahrgenommen würden. 5.3.2. Beide Vergleichszeichen stellen Wortneuschöpfungen dar. Solche  weisen  in  der  Regel  keinen  ausgeprägten  Sinngehalt  auf.  Blosse  http://links.weblaw.ch/BGE-121-III-377 http://links.weblaw.ch/BGE-121-III-377 http://links.weblaw.ch/BGE-121-III-377 http://links.weblaw.ch/BGE-121-III-377 http://links.weblaw.ch/BGE-121-III-377

B­37/2011 Anklänge  sind  nicht  geeignet,  sofort  und  unwillkürlich  bestimmte  Assoziationen zu wecken (JOLLER, a.a.O., Art. 3, N. 171).  Die Widerspruchsmarke  enthält  zwei Mal  den Begriff  "san".  "San"  kann  entweder  die  Kurzform  des  italienischen  Wortes  für  "heilig"  ("santo"  /  "santa";  vgl.  LANGENSCHEIDT  e­Handwörterbuch  Italienisch­Deutsch  4.0),  aber auch die Kurzform vom lateinischen respektive italienischen Wort für  "gesund" ("sanus" respektive "sano" / "sana") sein (vgl. BGE 122 III 382  E.  2b  –  Kamillosan;  LANGENSCHEIDT  e­Handwörterbuch  Italienisch­ Deutsch  4.0).  Als Wortanfang  (in  seiner  Bedeutung  von  "heilig";  z.B.  in  San  Bernardino  oder  San  Francisco)  und  als  Endung  (in  seiner  Bedeutung als  "gesund"; z.B.  in Kamillosan) mag "san" den Abnehmern  wohl  ein  Begriff  sein.  Im  Widerspruchszeichen  ist  indessen  kein  Wort  oder Wortbestandteil (wie Bernardino oder Kamillo­) enthalten, das "san"  die eine oder andere Bedeutung verleihen würde. Vielmehr reiht sich das  eine "san" am Wortanfang an das andere "san" am Wortende, womit das  Widerspruchszeichen  "heilig­gesund",  aber  auch  "heilig­heilig"  oder  "gesund­gesund"  bedeuten  könnte. Diese Sinngehalte  erschliessen  sich  den  Abnehmern,  wenn  überhaupt,  erst  nach  mehreren  Gedankenschritten  und  insofern  nicht  "sofort  und unwillkürlich", wie  von  der Rechtsprechung gefordert.  Im  angefochtenen  Zeichen  sind  die  Begriffe  "santa"  (italienisch  für  "heilig"; vgl. vorheriger Absatz) sowie "sana" (italienisch für "gesund"; vgl.  vorheriger  Absatz)  enthalten.  Somit  kann  die  angefochtene  Marke  theoretisch die gleiche Bedeutung wie das Widerspruchszeichen haben,  nämlich  "heilig­gesund".  Indessen  gibt  die  unmittelbare  Verbindung  der  Begriffe "heilig" und "gesund" keinen klar erkennbaren Sinn. Als  Zwischenergebnis  ist  daher  festzuhalten,  dass  im  vorliegenden  Fall  kein unterschiedlicher Sinngehalt vorliegt, welcher die Zeichenähnlichkeit  zu kompensieren vermöchte. 6.  Es  ist  nun  in  einem  wertenden  Gesamtblick  zu  entscheiden,  ob  eine  Verwechslungsgefahr besteht (Art. 3 Abs. 1 Bst. c MSchG).  6.1. Der Schutzumfang der Widerspruchsmarke bestimmt sich nach ihrer  Kennzeichnungskraft.  Für  schwache  Marken  ist  der  geschützte  Ähnlichkeitsbereich  kleiner  als  für  starke.  Bei  schwachen  Marken  genügen  daher  schon  bescheidenere  Abweichungen,  um  eine 

B­37/2011 hinreichende  Unter­scheidbarkeit  zu  schaffen.  Als  schwach  gelten  insbesondere  Marken,  deren  wesentliche  Bestandteile  sich  eng  an  Sachbegriffe  des  allgemeinen  Sprachgebrauchs  anlehnen.  Stark  sind  demgegenüber  Marken,  die  entweder  aufgrund  ihres  fantasiehaften  Gehalts  auffallen  oder  aber  sich  im  Verkehr  durchgesetzt  haben  (BGE  122  III  382  E.  2a  –  Kamillosan,  mit  Hinweisen;  Urteil  des  BGer  4C.258/2004 vom 6. Oktober 2004 E. 2.2 – Yello). Die Widerspruchsmarke enthält zwei Mal das Wort  "san". Wie bereits  in  mehreren Urteilen festgestellt worden ist, können die Zeichenbestandteile  "san",  "sana"  oder  "sano"  beschreibende  Angaben  darstellen  (vgl.  BGE 122 III 382 E. 2b und 5b – Kamillosan; BGE 104 Ib 138 E. 2 – Sano­ vital;  Urteile  des  BVGer  B­6291/2007  vom  28.  Mai  2008  E.  7 –  Corposana, und B­2235/2008 vom 2. März 2010 E. 6.3.3 – Dermoxane /  Dermasan, mit Verweis auf HGer Zürich  in: Schweizerische Mitteilungen  zum  Immaterialgüterrecht  [SMI]  1988,  92­94  Melisana  /  Mensana).  Im  vorliegenden  Fall  ist  der  Zeichenbestandteil  "San"  in  Bezug  auf  "Versicherungswesen;  Erarbeiten  von  Informationen,  Dokumentationen  und Gutachten  auf  dem Gebiet  des  Versicherungswesens"  (Klasse  36)  als beschreibend zu bezeichnen, da er auf das Betätigungsfeld, nämlich  Versicherungen im Bereich des Kranken­ respektive Gesundheitswesens,  hinweist.  Dementsprechend  wird  dieser  Begriff  denn  auch  von  zahlreichen  Krankenversicherern  in  Marken  verwendet  (z.B.  Arcosana,  Easy  Sana,  Helsana,  Publisana,  sana24,  Sanagate,  sanavals,  Sanitas,  Visana;  vgl.  www.swissreg.ch).  Somit  ist  die  Widerspruchsmarke  aus  zwei  für  sich  genommen  schwachen  Zeichenbestandteilen  zusammengesetzt. Andererseits  ist  zu  bedenken,  dass  die  Verdoppelung  des  Bestandteils  "san" in der Widerspruchsmarke dieser etwas Asiatisches und Originelles  verleiht. Weiter  machte  die  Beschwerdegegnerin  in  ihrem Widerspruch  geltend,  die  Widerspruchsmarke  habe  einen  überdurchschnittlich  grossen  Schutzumfang  (was  von  der  Beschwerdeführerin  bestritten  wird).  Nicht  nur  ihre  150'000  Versicherten  in  der  Grundversicherung  kennten  die  Marke  "SANSAN",  sondern  auch  grössere  Teile  der  schweizerischen  Bevölkerung,  weil  sie  im  Rahmen  der  alljährlichen  Möglichkeit  des  Wechsels  der  obligatorischen  Krankenpflegeversicherung  sich  mit  den  Angeboten verschiedener Versicherer eingehend befassten.  http://links.weblaw.ch/BGE-122-III-382 http://links.weblaw.ch/BGE-122-III-382 http://links.weblaw.ch/BGE-122-III-382 http://links.weblaw.ch/BGE-122-III-382 http://links.weblaw.ch/BGE-122-III-382 http://links.weblaw.ch/4C.258/2004 http://links.weblaw.ch/BGE-104-IB-138 http://links.weblaw.ch/BGE-104-IB-138 http://links.weblaw.ch/BGE-104-IB-138 http://links.weblaw.ch/BGE-104-IB-138 http://links.weblaw.ch/BGE-104-IB-138 http://links.weblaw.ch/BVGer-B-6291/2007

B­37/2011 Am  1.  Februar  2011  wies  die  Beschwerdegegnerin  im  Bereich  der  obligatorischen Krankenversicherung knapp 150'000 Versicherte auf; sie  ist  schweizweit  tätig  (vgl.  www.bag.admin.ch  [Verzeichnis  der  zugelassenen  Krankenversicherer;  Stand:  1.2.2011]).  Die  Krankenversicherung wurde nach eigenen Angaben 2001 gegründet und  erwirtschaftete  im  Jahr  2007  ein  Prämienvolumen  von  270,1  Millionen  Franken  (vgl.  www.sansan.ch  [Porträt]).  Damit  gehört  die  Beschwerdegegnerin  zu  den  grösseren  Krankenversicherungsunternehmen  mit  entsprechend  grösserer  Bekanntheit.  In  Bezug  auf  die  Dienstleistung  "Versicherungswesen"  (Klasse  36)  ist  der  Widerspruchsmarke  daher  ein  erweiterter  Schutzumfang zuzugestehen.  6.2.  Zu  beachten  ist  weiter,  dass  die  Vergleichsmarken  im  ersten  Markenbestandteil  "San"  übereinstimmen.  Dieser  Umstand  ist  insofern  von  Bedeutung,  als  dass  der  Wortanfang  den  Gesamteindruck  einer  Wortmarke typischerweise stärker prägt als die Endung (BGE 122 III 382  E.  5  –  Kamillosan).  Einem  übereinstimmenden  Markenanfang  kommt  daher bei der Beurteilung der Zeichenähnlichkeit regelmässig Gewicht zu  (MARBACH, SIWR III/1, N. 881; WILLI, a.a.O., Art. 3, N. 75; JOLLER, Art. 3,  N. 150).  Die  Vergleichszeichen  verfügen  zudem  über  eine  ähnliche  Endung, nämlich "san" respektive "sana". Trotz der Zwischensilbe "ta" der  angefochtenen Marke sind sich die Zeichen daher ähnlich, zumal sie den  immerzu  gleichen  Vokal  "a"  verwenden.  Angesichts  des  erweiterten  Schutzumfangs  der  Widerspruchsmarke  im  Bereich  "Versicherungswesen"  (Klasse  36)  und  der  festgestellten  Dienstleistungsidentität  in  diesem  Bereich  reicht  diese  Ähnlichkeit  aus,  um eine Verwechslungsgefahr im Bereich "Versicherungswesen" (Klasse  36) zu begründen. Diesbezüglich  ist  die  Beschwerde  abzuweisen,  der  angefochtene  Entscheid zu bestätigen und der Widerspruch gutzuheissen. 6.3.  Hinsichtlich  der  übrigen  beanspruchten  Dienstleistungen  ist  von  einem  normalen  Schutzumfang  der  Widerspruchsmarke  auszugehen.  Gegen  eine  Verwechslungsgefahr  spricht,  dass  das  angefochtene  Zeichen "Santasana" mit seinen vier Silben einen anderen Wortrhythmus  aufweist als das zweisilbige "SANSAN". Zudem erinnert die angefochtene  Marke  die  angesprochenen  Verkehrskreise  an  ein  lateinisches  oder  italienisches  Wort,  während  das  Widerspruchszeichen  mit  einem  asiatischen Wort assoziiert wird. Insofern lösen die Vergleichszeichen bei 

B­37/2011 den Abnehmern unterschiedliche, wenn auch unbestimmte Assoziationen  aus  (vgl.  E. 5.3.2).  Im  Weiteren  handelt  es  sich  bei  den  hier  noch  interessierenden übrigen Dienstleistungen nicht um solche des täglichen  Bedarfs. Es darf daher davon ausgegangen werden, dass die Adressaten  das Angebot und den Anbieter etwas genauer prüfen  (Urteil des BVGer  B­7698/2008 vom 4. Dezember 2009 E. 5.2 – Etavis / Estavis). Im  Ergebnis  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Gefahr  von  Fehlzurechnungen  in  Bezug  auf  "Finanzwesen;  Geldgeschäfte;  Immobilienwesen"(Klasse  36)  der  angefochtenen  Marke  nicht  als  gegeben.  Diesbezüglich  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen,  der  angefochtene Entscheid aufzuheben und der Widerspruch abzuweisen. 7.  Bei  diesem Ausgang  des Verfahrens  sind  die Verfahrenskosten  zu  drei  Vierteln  der  Beschwerdegegnerin  und  zu  einem  Viertel  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen.  Der  Überschuss  des  von  der  Beschwerdeführerin  einbezahlten  Kostenvorschusses  ist  ihr  zurückzuerstatten. Die Gerichtsgebühr  ist  nach Umfang  und Schwierigkeit  der  Streitsache,  Art  der  Prozessführung  und  der  finanziellen  Lage  der  Parteien  festzulegen (Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Im  Beschwerdeverfahren  vor  dem Bundesverwaltungsgericht  ist  von  einem  Streitwert  auszugehen  (Art.  4  VGKE),  wobei  im  Widerspruchsbeschwerdeverfahren das Interesse der Widersprechenden  an  der  Löschung,  beziehungsweise  der  Widerspruchsgegnerin  am  Bestand  der  angefochtenen  Marke  zu  veranschlagen  ist.  Es  würde  allerdings  zu  weit  führen  und  könnte  im  Verhältnis  zu  den  geringen  Kosten  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  abschreckend  wirken,  wenn  dafür  im  Einzelfall  stets  konkrete  Aufwandsnachweise  verlangt  würden.  Mangels  anderer  streitwertrelevanter  Angaben  ist  der  Streitwert  darum  nach Erfahrungswerten  auf  einen Betrag  zwischen Fr.  50'000.­­  und Fr.  100'000.­­  festzulegen  (BGE  133  III  492  E.  3.3  –  Turbinenfuss,  mit  Hinweisen).  Nach  dem  Gesagten  rechtfertigt  es  sich,  die  Verfahrenskosten  auf  Fr.  4'000.­  festzulegen,  wobei  die  Beschwerdeführerin  einen  Anteil  von  Fr.  1'000.­  und  die  Beschwerdegegnerin einen Anteil von Fr. 3'000.­ zu tragen hat.

B­37/2011 8.  Angesichts  des  Umstands,  dass  die  Beschwerdeführerin  etwa  zu  drei  Vierteln  und  die  Beschwerdegegnerin  zu  einem  Viertel  obsiegt,  hat  die  Beschwerdegegnerin  der  Beschwerdeführerin  eine  entsprechend  ermässigte  Parteientschädigung  zu  zahlen.  Die  Parteientschädigung  ist  nach  Art.  14  Abs.  2  VGKE  auf  Grund  der  eingereichten  Kostennote  festzusetzen.  Ist  wie  im  vorliegenden  Fall  keine  Kostennote  eingereicht  worden,  setzt  das  Gericht  die  Entschädigung  für  die  notwendig  erwachsenen  Kosten  auf  Grund  der  Akten  fest  (Art.  14  Abs.  2  Satz  2  VGKE).  Im vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr.  3'000.­­ (inkl. MWSt) für das Beschwerdeverfahren angemessen. 9.  Da  der  vorinstanzliche  Entscheid  teilweise  aufzuheben  ist,  sind  die  diesbezüglichen  Kosten  neu  zu  verteilen.  Die  Beschwerdeführerin  hat  einen  Viertel  der  von  der  Beschwerdegegnerin  geleisteten  und  von  der  Vorinstanz  zurückbehaltenen  Widerspruchsgebühr  (Fr.  800.­)  zu  bezahlen  (Fr. 200.­).  Dagegen  ist  der  Beschwerdeführerin  für  das  erstinstanzliche  Verfahren  zu  Lasten  der  Beschwerdegegnerin  eine  reduzierte Parteientschädigung von Fr. 750.­ (inkl. MWSt), basierend auf  der ursprünglich von der Vorinstanz für einen einfachen Schriftenwechsel  auferlegten Parteientschädigung von Fr. 1'000.­, zuzusprechen. Somit hat  die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin  für das vorinstanzliche  Verfahren mit Fr. 550.­ zu entschädigen. 10.  Gegen dieses Urteil steht keine Beschwerde an das Bundesgericht offen  (Art.  73  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Es ist daher rechtskräftig. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen.  Ziffer  1  und  3  der  Verfügung der Vorinstanz vom 18. November 2010 betreffend CH­Marke  Nr.  493'368  "SANSAN"  /  CH­Marke  Nr.  591'530  "Santasana"  werden  aufgehoben  und  der  Widerspruch  wird  teilweise  abgewiesen.  Die  Vorinstanz wird angewiesen, der CH­Marke Nr. 591'530 "Santasana" den 

B­37/2011 Markenschutz  für  die  Dienstleistung  "Versicherungswesen"  (Klasse  36)  zu verweigern. 2.  Die Verfahrenskosten von Fr. 4'000.­ werden der Beschwerdeführerin im  Umfang  von  Fr.  1'000.­  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr.  4'000.­  verrechnet.  Der  Beschwerdeführerin  sind  daher  Fr. 3'000.­  aus  der  Gerichtskasse  zurückzuerstatten.  Der  verbleibende  Verfahrenskostenanteil  von  Fr.  3'000.­  wird  der  Beschwerdegegnerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Eröffnung dieses Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Die  Beschwerdegegnerin  hat  die  Beschwerdeführerin  für  das  Beschwerdeverfahren  mit  insgesamt  Fr.  3'000.­  (inkl.  MWSt)  zu  entschädigen. 4.  Die  Beschwerdegegnerin  hat  die  Beschwerdeführerin  für  das  vorinstanzliche Verfahren mit Fr. 550.­ (inkl. MWSt) zu entschädigen. 5.  Dieses Urteil geht an: – die  Beschwerdeführerin  (Einschreiben;  Beilagen:  Rückerstattungs­ formular; Beschwerdebeilagen zurück) – die Beschwerdegegnerin (Einschreiben; Beilagen; Einzahlungsschein;  Beilagen zurück) – die  Vorinstanz  (Ref­Nr.  W10833­RH/bs;  Einschreiben;  Vorakten  zurück) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

B­37/2011 Maria Amgwerd Kathrin Bigler Schoch Versand: 7. Oktober 2011

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