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Bundesverwaltungsgericht 09.02.2012 B-1040/2011

9 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,840 parole·~9 min·1

Riassunto

Förderung der Landwirtschaft im Allgemeinen (Übriges) | Beiträge Pferdezucht für das Jahr 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung II B­1040/2011 Urteil   v om   9 .   Februar   2012 Besetzung Richter Ronald Flury (Vorsitz), Richterin Maria Amgwerd, Richter Bernard Maitre,    Gerichtsschreiber Alexander Schaer. Parteien A._______,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Landwirtschaft BLW,  Mattenhofstrasse 5, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Beiträge Pferdezucht für das Jahr 2010.

B­1040/2011 Sachverhalt: A.  A.a  Die  A._______  (Beschwerdeführerin)  ist  ein  Verein  im  Sinne  von  Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB, SR 210) mit Sitz  am Wohnort des jeweiligen Präsidenten. Er ist unter anderem Mitglied der  B._______  (Ziff. 1  seiner  Statuten  […]). Es  handelt  sich  bei  der  Beschwerdeführerin um eine anerkannte Zuchtorganisation im Sinne von  Art. 2  ff.  der  Verordnung  über  die  Tierzucht  vom  14. November  2007  (Tierzuchtverordnung,  TZV,  SR 916.310).  Die  letzte  Anerkennungsverfügung  datiert  vom  (…)  und  gilt  rückwirkend  vom  (…)  bis zum (…). A.b  Mit  Schreiben  vom  11. November  2010  ersuchte  die  Beschwerdeführerin das Bundesamt für Landwirtschaft BLW (Vorinstanz)  um  Beiträge  an  die  Pferdezucht  für  das  Jahr  2010  in  der  Höhe  von  Fr. 46'660.­. Mit Verfügung vom 11. Januar 2011 hiess die Vorinstanz das  Gesuch teilweise gut, anerkannte jedoch die von der Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  62 "Hengstleistungsprüfungen  im  Felde"  nur  als  "Leistungsprüfungen"  und  reduzierte  in  der  Folge  den  Beitrag  an  die  Pferdezucht auf Fr. 35'500.­. A.c  Mit  einer  als  "Einspruch"  bezeichneten  Eingabe  wandte  sich  die  Beschwerdeführerin  am  9. Februar  2011  an  die  Vorinstanz,  welche  die  Eingabe  gestützt  auf  Art. 8  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20. Dezember  1968  (Verwaltungsverfahrensgesetz,  VwVG,  SR 172.021)  als  Beschwerde  an  das Bundesverwaltungsgericht weiterleitete. B.  In  ihrer  Beschwerde  beantragt  die  Beschwerdeführerin  sinngemäss  die  Verfügung  der  Vorinstanz  teilweise  aufzuheben,  indem  die  umstrittenen  62 Prüfungen als "Hengstleistungsprüfungen  im Felde" und nicht nur als  "Leistungsprüfungen" anerkannt werden sollen. Zur Begründung führt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, dass  die Hengstleistungsprüfungen für  [Pferderasse] sehr anspruchsvoll seien  und  dass  auch  für  alle  anderen Pferde  (Reithengste,  Stuten, Wallache)  dieselben  Voraussetzungen  gelten  würden.  Andere,  weniger 

B­1040/2011 anspruchsvolle  Prüfungen,  würden  von  der  Beschwerdeführerin  als  Leistungsprüfung  nicht  anerkannt.  Dass  bei  allen  Leistungsprüfungen  derselbe  Schweregrad  gelte,  könne  nicht  zur  Folge  haben,  dass  die  Hengstleistungsprüfungen als solche nicht anerkannt würden. C.  Mit  Vernehmlassung  vom  28. April  2011  beantragt  die  Vorinstanz  die  Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge. Sie  führt  dabei  aus,  dass  Hengstprüfungen  dazu  dienen  würden,  innerhalb der Rasse die Anzahl der zur Zucht einzusetzenden Hengste zu  regulieren.  Ein  Hengst  könne  dabei  grundsätzlich  nur  einmal  an  einer  Hengstprüfung in einer Station resp. im Felde teilnehmen, weil dabei über  seine  Anerkennung  resp.  Nichtanerkennung  als  Zuchthengst  definitiv  entschieden  werde.  Auch  würden  Hengstprüfungen  ausschliesslich  mit  Hengsten durchgeführt, da sich die noch jungen Hengste ansonsten von  den Stuten zu stark ablenken lassen würden. Bei den [Pferderasse] gebe  es  keine  Hengstprüfung  in  diesem  erwähnten  Sinn,  d.h.  insbesondere  auch keine Regulierung der Anzahl der zur Zucht zugelassenen Hengste.  Die  Prüfungen  der  Beschwerdeführerin  seien  des  Weiteren  nicht  ausschliesslich  für  Hengste  reserviert  und  letztere  könnten  zudem  alle  zwei  Jahre  wieder  zu  diesen  Prüfungen  antreten.  Aus  diesen  Gründen  könnten die Prüfungen nicht als Hengstprüfung gelten und demnach auch  keine entsprechenden Beiträge ausgerichtet werden. D.  In  ihrer  verspätet  eingereichten  Replik  vom  8. Juni  2011  rügt  die  Beschwerdeführerin,  dass  für  die  Anerkennung  von  Hengstleistungsprüfungen  die  Reglemente,  welche  die  [Pferderasse]zucht  betreffen,  anders  gewichtet  würden  als  bei  den  traditionellen  Schweizer  Pferdezuchten.  Da  die  Schweizer  [Pferderasse]zucht  jedoch  die  international  geltenden,  vom  Mutterland  (…)  gemachten,  Regeln  befolgen  müsse,  könne  sie  den Wortlaut  ihrer  Reglemente nicht ändern. Weiter  bekräftigt  die  Beschwerdeführerin,  dass  ihre  Zuchtwertschätzungen  zwar  anders  als  die  in  der  Schweiz  durchgeführten  Hengstprüfungen,  aber  dennoch  eine  wertvolle  Art,  die  Qualität der Hengste zu erfassen, seien. Die Zuchtwertschätzungen seien  international  von  grösster Wichtigkeit  und  spielten  bei  der  Auswahl  der  Hengste  eine  erhebliche  Rolle.  Auch  könne  es  gar  keine 

B­1040/2011 unterschiedlichen  Prüfungen  für  Hengste,  Stuten  und  Wallache  geben,  die jährliche Prüfungsteilnahme sei unabdingbar und die Prüfungen seien  zudem sehr anspruchsvoll. E.  Mit Duplik vom 8. Juli 2011 bekräftigt die Vorinstanz ihre Argumentation.  Als  Hengstprüfungen  im  Sinne  der  TZV  würden  nur  solche  Prüfungen  gelten,  die  ausschliesslich  für  Hengste  zur  Selektion  der  besten  Zuchttiere  durchgeführt  werden.  In  der  [Pferderasse]zucht  finde  aber  gerade keine Selektion der Spitzentiere als Zuchthengste statt.  Die  Vorinstanz  anerkenne  zwar,  dass  für  die  Beschwerdeführerin  die  internationalen  Regeln  gelten  würden,  doch  ändere  dies  nichts  daran,  dass  es  sich  dabei  nicht  um  Hengstprüfungen  handle.  Auch  könne  es  durchaus sein, dass es sich um sehr anspruchsvolle Prüfungen handle,  doch  seien  diese  dennoch  nur  als  Leistungsprüfungen  und  nicht  als  Hengstprüfungen  zu  behandeln.  Die  Vorinstanz  gehe  weiter  mit  der  Beschwerdeführerin  einig,  dass  die  jährliche  Teilnahme  an  Zucht­  und  Sportprüfungen  unabdingbar  sei.  Da  diese  Prüfungen  jedoch  nicht  der  Selektion  der  männlichen  Zuchttiere  dienen  würde,  handle  es  sich  bei  ihnen dennoch nicht um Hengstprüfungen. Schliesslich  betont  die  Vorinstanz,  dass  Zuchtwertschätzungen  und  Hengstprüfungen für die Tierzucht zwei verschiedene Instrumente seien.  So werde mit der Zuchtwertschätzung das genetische Leistungspotential  eines  Tieres  ausgewiesen,  mit  der  Hengstprüfung  jedoch  die  phänotypische Veranlagung eines Hengstes als zukünftiger Zuchthengst  überprüft. F. Mit  Zwischenverfügung  vom  10. Oktober  2011  orientierte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  darüber,  dass  im  Anhang 3  zum Bericht  "Förderung der Tierzucht durch den Bund und die Kantone  im Jahre 2007" der Vorinstanz  vom 2. Juni  2008 unter  dem Eintrag der  Beschwerdeführerin  für  die  Jahre  1999­2007  insgesamt  (…)  "Hengstleistungsprüfungen"  erfasst  seien.  Zudem  sei  den Berichten  der  Vorinstanz  "Förderbeiträge  Tierzucht  &  Viehabsatz  im  Jahr  2008"  vom  18. Februar 2009 sowie "Förderung der Tierzucht und Ausfuhrbeihilfen im  Jahre  2009"  vom  26. Februar  2010  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführerin  für  das  Jahr  2008  unter  anderem  (…) "Hengstprüfungen  in  einer  Station"  sowie  für  das  Jahr  2009  unter 

B­1040/2011 anderem  (…) "Hengstprüfungen  im  Felde"  angerechnet  wurden.  Das  Bundesverwaltungsgericht  forderte  daraufhin  die  Vorinstanz  auf,  dahingehend Stellung zu nehmen, aus welchen Gründen sie zur Ansicht  gelangt  sei,  dass  die  Beschwerdeführerin  entgegen  der  vergangenen  Jahre  2010  keine  "Hengstleistungsprüfungen"  mehr  durchführte.  Auch  forderte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  auf,  diejenige  Anerkennungsverfügung  einzureichen,  auf  deren  Basis  die  jüngsten  Beiträge an die Pferdezucht der Beschwerdeführerin vor dem Jahre 2010  ausgerichtet wurden. G.  Mit  Schreiben  vom  1. November  2011  kam  die  Vorinstanz  den  Aufforderungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  nach.  Sie  räumt  dabei  ein,  dass  sie  von  1999  bis  und  mit  2009  mehrmals  die  von  der  Beschwerdeführerin  gemeldeten  Leistungsprüfungen  fälschlicherweise  als Hengst(leistungs)­prüfungen angerechnet  hat. Diesen Umstand  führt  sie  insbesondere  auf  die Verwendung  einer  veralteten  "Check­Liste"  im  Rahmen  des  Anerkennungsverfahrens  im  Jahre  2000  zurück.  Eine  Prüfung der Angaben der Beschwerdeführerin sei mangels Veranlassung  nicht  vorgenommen  worden.  Erst  im  Rahmen  des  neuen  Anerkennungsverfahrens  im  Jahre  2010  sei  der  Vorinstanz  aufgefallen,  dass  die Beschwerdeführerin  keine Hengstprüfungen  im Sinne  der  TZV  durchführe.  Es  bestehe  vorliegend  jedoch  kein  Anspruch,  weiterhin  rechtswidrig behandelt zu werden. H. Mit  Zwischenverfügung  vom  2. November  2011  wurde  die  Beschwerdeführerin  aufgefordert,  zum  Schreiben  der  Vorinstanz  vom  1. November 2011 Stellung zu nehmen. Letzteres ist nicht erfolgt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1 Die angefochtene Verfügung vom 11. Januar 2011 stützt sich auf die  Verordnung  über  die  Tierzucht  vom  14. November  2007  (Tierzuchtverordnung, TZV, SR 916.310) und damit auf öffentliches Recht  des  Bundes.  Sie  stellt  eine  Verfügung  im  Sinne  von  Art. 5  Abs. 1  des 

B­1040/2011 Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20. Dezember  1968  (Verwaltungsverfahrensgesetz,  VwVG,  SR 172.021)  dar.  Gemäss  Art. 166  Abs. 2  des  Bundesgesetzes  über  die  Landwirtschaft  vom  29. April  1998  (Landwirtschaftsgesetz,  LwG,  SR 910.1)  kann  gegen  Verfügungen  der  Bundesämter,  die  in  Anwendung  des  LwG und  seiner  Ausführungsbestimmungen  ergangen  sind,  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben werden.  1.2  Als  Adressatin  der  Verfügung  ist  die  Beschwerdeführerin  beschwerdelegitimiert im Sinne von Art. 48 VwVG. Die Eingabefrist sowie  die  Anforderungen  an  Form  und  Inhalt  der  Beschwerdeschrift  sind  gewahrt  (vgl.  Art. 50  i.V.m.  Art. 21  Abs. 2  sowie  52  Abs. 1  VwVG),  der  Kostenvorschuss  wurde  geleistet.  Da  auch  die  übrigen  Sachurteilsvoraussetzungen  vorliegen,  ist  auf  die  Beschwerde  einzutreten. 2.  Gemäss  Art. 142  Abs. 1  lit. a  LwG  i.V.m.  Art. 1  Abs. 1  lit. b  und  c  TZV  kann der Bund  im Rahmen der bewilligten Kredite den von  ihm gemäss  Art. 144  LwG  anerkannten  Zuchtorganisationen  unter  anderem Beiträge  ausrichten  für  die  Leistungsprüfungen  und  die  Zuchtwertschätzung,  sofern die Voraussetzungen von Art. 143 LwG  i.V.m. Art. 2 f. TZV erfüllt  sind.  Im Rahmen der Pferdezucht sind gemäss Art. 7 Abs. 2  lit. b­d TZV  als  Höchstbeiträge  bei  einem  Maximalkredit  von  Fr. 2'200'000.­  (Art. 7  Abs. 1  TZV)  je  "Leistungsprüfung"  Fr. 20.­,  je  "Hengstprüfung  in  einer  Station" Fr. 500.­ und je "Hengstprüfung im Felde" Fr. 200.­ vorgesehen. 3.  3.1  Vorliegend  stellt  sich  einleitend  die  Frage,  ob  die  Auffassung  der  Vorinstanz,  dass  die  62  von  der  Beschwerdeführerin  als  "Hengstleistungsprüfungen im Felde" deklarierten Prüfungen lediglich als  "Leistungsprüfungen" anzuerkennen sind, zutrifft.  3.2  Ziel  von  Leistungsprüfungen  ist  es,  Leistung,  Gesundheit  und  Morphologie der Pferde zu erfassen und sichtbar zu machen, soweit sie  züchterisch,  betriebswirtschaftlich  sowie  haltungs­  und  fütterungstechnisch  von  Bedeutung  sind  (Art. 4  Abs. 1  TZV).  Eine  Spezialform  der  Leistungsprüfungen  stellen  dabei  die  Hengstleistungsprüfungen dar, in welchen die Eignung eines Hengstes im  Rahmen des Zuchtprogramms getestet wird (vgl. Art. 3a der Verordnung 

B­1040/2011 des  BLW  über  die  Gewährung  von  Beiträgen  in  der  Tierzucht  vom  7. Dezember  1998  [SR 916.310.31]).  Ziel  der  Hengstleistungsprüfungen  ist  somit  eine  Selektion  und  Regulierung  der  Anzahl  Hengste  als  zukünftige Zuchthengste.  3.3  3.3.1  Die  Beschwerdeführerin  führte  gemäss  ihrer  zum  Zeitpunkt  des  vorliegenden  Sachverhalts  geltenden  Zuchtordnung  vom  (…)  (Zuchtordnung der A._______ [ZO (…)]) mindestens alle zwei Jahre eine  internationale  B._______­Zuchtbeurteilung  nach  (…)  (B._______  [Pferderasse]­Zuchtordnung) durch. Diese war offen  für Hengste, Stuten  und Wallache ab fünf Jahren (Ziff. 3.1 ZO […]). Um eine Deckbewilligung  zu erhalten, mussten alle Hengste eine Mindestgesamtnote von 7.75 an  einer  internationalen  B._______­Zuchtbeurteilung  nach  [B._______  [Pferderasse]­Zuchtordnung]  oder  [Ursprungsland]  Zuchtbeurteilung  erreichen  (Ziff. 3.3.1 f.  ZO  [...]).  Als  Leistungsprüfungen  wurden  die  "Internationale  B._______­Zuchtbeurteilung"  (ausgerichtet  nach  der  aktuell gültigen [B._______ [Pferderasse]­Zuchtordnung]) sowie "schwere  Sportprüfungen"  (ausgerichtet  nach der  aktuell  gültigen  (…)  [B._______  [Pferderasse]­Prüfungsordnung  für  Sportturniere])  anerkannt  (Ziff. 3.6.3  ZO […]). 3.3.2  Im  Rahmen  der  Auslegung  gelten  für  die  Normen  des  Verwaltungsrechts  die  üblichen  Methoden  der  Gesetzesauslegung.  Zur  Anwendung  gelangen  somit  die  grammatikalische,  historische,  zeitgemässe,  systematische  und  teleologische  Auslegungsmethode.  Zwar  wird  heute  von  Lehre  und  Rechtsprechung  auch  im  Verwaltungsrecht  der  Methodenpluralismus  bejaht,  der  keiner  Auslegungsmethode  einen  grundsätzlichen  Vorrang  zuerkennt,  doch  steht  gemäss  der  bundesgerichtlichen  Praxis  auf  dem  Gebiet  des  Verwaltungsrechts die teleologische Auslegungsmethode im Vordergrund  (ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl.,  Zürich/St. Gallen  2010,  S. 46,  Rz. 216 ff.).  Ausgangspunkt  jeder  Auslegung  bildet  jedoch  der  Wortlaut  der  Bestimmung  (BGE  134 II 249,  E. 2.3).  An  einen  klaren  und  unzweideutigen  Gesetzeswortlaut  ist  die  rechtsanwendende  Behörde  gebunden, sofern dieser den wirklichen Sinn der Norm wiedergibt  (BGE  127 III 318, E. 2b).

B­1040/2011 3.3.3  Einleitend  ist  der  Beschwerdeführerin  dahingehend  zuzustimmen,  dass es grundsätzlich nicht per se ausgeschlossen ist, dass der Inhalt der  "Leistungsprüfungen"  anderer  Pferde  mit  dem  Inhalt  der  "Hengstleistungsprüfungen"  übereinstimmen  kann  und  somit  alle Pferde  inhaltlich  dieselben  Prüfungen  zu  absolvieren  haben.  Dabei  ist  jedoch  anzumerken,  dass  sich  dem  Wortlaut  der  anwendbaren  rechtlichen  Bestimmungen  ohne  weiteres  entnehmen  lässt,  dass  selbst  in  einem  solchen  Fall  im  Rahmen  der  Beitragsberechnung  grundsätzlich  nur  Prüfungen  von  Hengsten  als  "Hengstleistungsprüfung"  angerechnet  werden  können.  Dennoch  ergibt  sich  aus  der  Auslegung  der  anwendbaren  rechtlichen Bestimmungen,  dass  die  im  vorliegenden  Fall  zur  Diskussion  stehenden  Leistungsprüfungen  der  Beschwerdeführerin  keine "Hengstleistungsprüfung" im Sinne der TZV darstellen. Wie  bereits  unter  E. 3.2  ausgeführt,  ist  das  Ziel  der  Hengstleistungsprüfungen  eine  Selektion  und  Regulierung  der  Anzahl  Hengste  als  zukünftige  Zuchthengste.  Im  Rahmen  einer  "Hengstleistungsprüfung" hat der Hengst daher höhere Anforderungen zu  erfüllen, als bei einer "Leistungsprüfung". Das Erfordernis des Erreichens  einer  Mindestgesamtnote  für  den  Erhalt  der  Deckbewilligung  alleine  genügt dafür jedoch nicht. Notwendig ist vielmehr, dass im Rahmen einer  "Hengstleistungsprüfung"  zusätzliche  Punkte  geprüft  werden  und  damit  auch die materiellen Anforderungen an das Bestehen der Prüfung höher  sein  müssen.  Die  gesetzliche  Unterscheidung  zwischen  "Leistungsprüfung"  und  "Hengstleistungsprüfung"  impliziert  daher  entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin, dass von den anerkannten  Zuchtorganisationen  für  die  Anerkennung  als  "Hengstleistungsprüfung"  wenn nicht gleich zwei verschiedene Prüfungen so doch wenigstens eine  zumindest  zweiphasige  Prüfung  angeboten  werden  muss.  Eine  weitere  Steigerung  der  Prüfungsanforderungen  findet  dann  innerhalb  der  "Hengstleistungsprüfungen"  selber  statt,  wo  in  der  mehrtägigen  "Hengstleistungsprüfung  in  einer  Station"  deutlich  mehr  tierzüchterisch  relevante  Merkmale  geprüft  werden  als  in  der  eintägigen  "Hengstleistungsprüfung  im  Felde"  (BUNDESAMT  FÜR  LANDWIRTSCHAFT  BLW,  Anhörungsbericht  zu  den  Ausführungsbestimmungen  zur  Agrarpolitik  2011:  Erstes  Verordnungspaket,  Bern,  29. Juni  2007,  S. 399 f.).  Aufgrund  des  so  entstehenden  grösseren  Prüfungsaufwands  lässt es sich denn auch erklären, dass für "Hengstleistungsprüfungen" ein  Beitrag  ausbezahlt  wird,  welcher  10x  (im  Felde)  bzw.  25x  (in  einer  Station) höher ist als derjenige einer "Leistungsprüfung" (vgl. Art. 7 Abs. 2  lit. b­d TZV). 

B­1040/2011 Die  Zuchtbeurteilung  der  Beschwerdeführerin  weist  kein  mehrphasiges  Verfahren  auf  und  stellt  keine  zusätzlichen,  erhöhten  Prüfungsanforderungen  auf,  welche  der  Selektion  und  Regulierung  der  Anzahl  Hengste  als  zukünftige  Zuchthengste  dienen.  Zudem  führt  die  Beschwerdeführerin in ihrer Replik vom 8. Juni 2011 explizit aus, dass "in  [Ursprungsland]  mit  allen  Hengsten  gezüchtet  werden  darf",  was  ebenfalls  auf  das  Nichtvorliegen  einer  Selektion  und  Regulierung  im  obgenannten  Sinne  schliessen  lässt.  Die  Zuchtbeurteilung  der  Beschwerdeführerin stellt daher keine "Hengstleistungsprüfung" im Sinne  der  TZV  dar.  Nichts  anderes  gilt  für  die  Sportprüfungen  der  Beschwerdeführerin, welche offenkundig keine Selektion und Regulierung  der Anzahl Hengste als zukünftige Zuchthengste zum Ziel haben, fehlt es  ihnen doch insbesondere an jeglichem Einfluss auf die Frage des Erhalts  der Deckbewilligung (vgl. Ziff. 3.3.1 ZO […]). Aus dem von ihr geltend gemachten Umstand, dass sie die  international  geltenden  Reglemente  zu  befolgen  habe,  kann  die  Beschwerdeführerin  im  vorliegenden  Verfahren  nichts  zu  ihren  Gunsten  ableiten.  Des  Weiteren ist in diesem Zusammenhang irrelevant, welche Bedeutung den  Zuchtwertschätzungen  zukommt.  Sind  letztere  doch  lediglich  beitragsrelevant  im  Bereich  der  identifizierten  und  registrierten  Fohlen  (vgl.  Art. 7  Abs. 2  und  3  TZV).  Es  ist  somit  übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  festzustellen,  dass  die  Leistungsprüfungen  im  Bereich  der  [Pferderasse]zucht  keine  "Hengstleistungsprüfung"  im  Sinne  der  TZV  darstellen.  Sie  sind  somit  als  "Leistungsprüfung"  zu  deklarieren  und  abzurechnen. 4. 4.1 Wie in E. 3 aufgezeigt und von der Vorinstanz in ihrer Stellungnahme  vom  1. November  2011  auch  eingeräumt,  wurden  der  Beschwerdeführerin  zwischen  1999  und  2009  mehrmals  zu  Unrecht  Beiträge  für  Hengst­(leistungs)prüfungen  ausbezahlt.  Aufgrund  des  Umstandes  dieser  langjährigen  Praxis  stellt  sich  die  Frage,  ob  die  Beschwerdeführerin allenfalls aufgrund des Vertrauensschutzes etwas zu  ihren Gunsten ableiten kann. 4.2 Der in Art. 9 BV verankerte Grundsatz von Treu und Glauben verleiht  einer  Person  Anspruch  auf  Schutz  des  berechtigten  Vertrauens  in  behördliche  Zusicherungen  oder  sonstiges,  bestimmte  Erwartungen  begründendes  Verhalten  der  Behörden.  Vorausgesetzt  ist  weiter,  dass 

B­1040/2011 die  Person,  die  sich  auf  Vertrauensschutz  beruft,  berechtigterweise  auf  diese  Grundlage  vertrauen  durfte  und  gestützt  darauf  nachteilige  Dispositionen getroffen hat, die sie nicht mehr rückgängig machen kann;  schliesslich scheitert die Berufung auf Treu und Glauben dann, wenn ihr  überwiegende  öffentliche  Interessen  gegenüberstehen  (BGE  129 I 161  E. 4.1). 4.3 4.3.1 Der Vertrauensschutz bedarf zunächst eines Anknüpfungspunktes,  d.h.  es  muss  ein  Vertrauenstatbestand,  eine  Vertrauensgrundlage  vorhanden sein. Darunter  ist das Verhalten eines staatlichen Organs zu  verstehen,  das  bei  den  betroffenen  Privaten  bestimmte  Erwartungen  auslöst  und  dessen  Bestimmtheitsgrad  so  gross  ist,  dass  der  Private  daraus  die  für  seine  Dispositionen  massgebenden  Informationen  entnehmen kann (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., S. 142 f., Rz. 631). 4.3.2 Vorliegend  steht  als Vertrauensgrundlage die  bisherige Praxis  der  Vorinstanz  zur  Diskussion,  welche  dahingehend  geändert  wurde,  dass  die  Zuchtbeurteilung  der  Beschwerdeführerin  nicht  mehr  als  "Hengstleistungsprüfung"  im  Sinne  der  TZV,  sondern  lediglich  noch  als  ordentliche  "Leistungsprüfung"  anerkannt wurde.  Dabei  ist  anzumerken,  dass  eine  Praxis  grundsätzlich  nicht  unwandelbar  ist,  sondern  sogar  geändert werden muss, wenn die Behörde zur Einsicht gelangt, dass das  Recht  bisher  unrichtig  angewendet  worden  ist  oder  eine  andere  Rechtsanwendung  dem  Sinne  des  Gesetzes  oder  veränderten  Verhältnissen  besser  entspricht.  Die  Praxisänderung  muss  sich  jedoch  auf  ernsthafte,  sachliche Gründe  stützen  können,  die  umso  gewichtiger  sein  müssen,  je  länger  die  als  falsch  oder  nicht  mehr  zeitgemäss  erkannte Rechtsanwendung praktiziert worden ist. Überdies darf sie nicht  bloss  im  Sinne  einer  momentanen  Schwankung  oder  einer  singulären  Abweichung  erfolgen,  sondern  muss  in  grundsätzlicher  Weise  als  zukünftig wegleitende Neuausrichtung für alle gleichartigen Sachverhalte  gelten (Urteil des Bundesgerichts 2A.573/2002 vom 21. Mai 2003, E. 3.2).  Blosses  Nichtstun  der  Verwaltung  löst  dabei  noch  keinen  Vertrauensschutz aus. Dies wäre nur dann der Fall, wenn die zuständige  Behörde  vollumfängliche  Kenntnis  vom  rechtswidrigen  Zustand  gehabt  und  diesen  geduldet  hätte  (Entscheid  der  Eidgenössischen  Rekurskommission  für  Heilmittel  vom  26. Februar  2004,  VPB  69.96,  E. 3.1).

B­1040/2011 4.3.3  Im  vorliegenden  Fall  ist  nicht  erstellt,  dass  die  Vorinstanz  bei  der  Vergabe der Pferdezuchtbeiträge in der Zeit von 1999 bis 2009 Kenntnis  von  der  Rechtswidrigkeit  ihres  Vorgehens  gehabt  und  dennoch  diesen  Zustand geduldet hat. Die Vorinstanz hat vielmehr in ihrer Stellungnahme  vom 1. November 2011 glaubhaft dargelegt, dass sie erst im Rahmen des  neuen  Anerkennungsverfahrens  auf  die  Fehlannahmen  aufmerksam  wurde und dann umgehend reagiert hat. Es erscheint unzweifelhaft, dass  es sich beim vorliegenden Entscheid der Vorinstanz nicht um eine blosse  Schwankung  sondern  um  eine  grundsätzliche  Neuausrichtung  im  Verhältnis  gegenüber  der  Beschwerdeführerin  handelt.  Die  Vorinstanz  kann  sich  dabei  auf  ernsthafte  und  sachliche  Gründe  sowie  ein  hinreichendes  öffentliches  Interesse  stützen,  da  grundsätzlich  Finanzhilfen und Abgeltungen nur dann ausgerichtet werden sollen, wenn  sie  hinreichend  begründet  sind,  ihren  Zweck  auf  wirtschaftliche  und  wirkungsvolle Art erreichen, einheitlich und gerecht geleistet sowie nach  finanzpolitischen  Erfordernissen  ausgestaltet  werden  (vgl.  Art. 1  Abs. 1  des Bundesgesetzes über Finanzhilfen und Abgeltungen vom 5. Oktober  1990  [Subventionsgesetz, SuG, SR 616.1]). Dieses öffentliche  Interesse  überwiegt  das  private  Interesse  der  Beschwerdeführerin  an  einer  Weiterführung  der  bisherigen,  rechtswidrigen  Praxis,  zumal  im  vorliegenden  Fall  keine  Anzeichen  einer  existenziellen  Bedrohung  der  Beschwerdeführerin  erkennbar  sind  bzw.  letztere  von  ihr  auch  nicht  geltend  gemacht  wurden.  Hinsichtlich  dieses  Aspekts  ist  zudem  anzumerken,  dass  die  Beschwerdeführerin  bereits  grundsätzlich  nie  Anspruch  auf  eine  bestimmte  fixe Summe an Beiträgen  hatte  bzw.  hat.  Diese  war  bzw.  ist  immer  abhängig  von  der  jeweiligen  Art  und  Anzahl  abgelegter  Prüfungen  sowie  der  Anzahl  identifizierter  und  registrierter  Fohlen im entsprechenden Berichtsjahr, was den Stellenwert der Beiträge  für die  internen Budgetplanungen der Beschwerdeführerin bereits per se  relativiert.  Auch  darf  in  diesem  Zusammenhang  nicht  ausser  Acht  gelassen  werden,  dass  die  bisher  als  "Hengstleistungsprüfungen  im  Felde"  deklarierten  Prüfungen  nicht  einfach  irrelevant  für  die  Beitragsberechnung  werden.  Diese  werden  von  der  Vorinstanz  als  "Leistungsprüfungen"  anerkannt,  wodurch  die  Beschwerdeführerin  weiterhin  in  den  Genuss  der  Ausrichtung  von  (wenn  auch  tieferen)  Beträgen kommt. Die bisherige Praxis der Vorinstanz stellt daher  für die  Beschwerdeführerin  keine  ausreichende  Vertrauensgrundlage  dar,  wodurch sie sich nicht auf den Vertrauensschutz berufen kann. 5. Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Zuchtbeurteilung  der 

B­1040/2011 Beschwerdeführerin  keine  "Hengstleistungsprüfung"  im  Sinne  der  TZV  sondern  lediglich  eine  "Leistungsprüfung"  darstellt  und  der  Beschwerdeführerin  daher  zwischen  1999  und  2009  mehrmals  zu  Unrecht  Beiträge  für  Hengst(leistungs)prüfungen  ausbezahlt  wurden.  Diese  rechtswidrige  Praxis  der  Vorinstanz  stellt  jedoch  für  die  Beschwerdeführerin  keine  ausreichende  Vertrauensgrundlage  dar,  um  mittels des Prinzips des Vertrauensschutzes Ansprüche geltend machen  zu können. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 6. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  ergibt  es  sich,  dass  die  Beschwerdeführerin  als  vollständig  unterlegene  Partei  die  Kosten  des  Verfahrens zu tragen hat (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1 ff. des Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Diese  werden  auf  Fr. 1'200.­  festgelegt  und nach Eintritt  der Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils mit dem von der Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss  in gleicher Höhe verrechnet. Die  Beschwerdeführerin  hat  keinen  Anspruch  auf  Parteientschädigung  (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE).

B­1040/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. (…); Gerichtsurkunde) – das  Eidgenössische  Volkswirtschaftsdepartement  EVD  (Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Ronald Flury Alexander Schaer

B­1040/2011 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 15. Februar 2012

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