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Bundesverwaltungsgericht 18.07.2011 A-95/2011

18 luglio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,634 parole·~13 min·1

Riassunto

Energie (Übriges) | Definition und Abgrenzung Übertragungsnetz

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­95/2011 Urteil   v om   1 8 .   Juli   2011 Besetzung Richter Christoph Bandli (Vorsitz), Richter Markus Metz, Richter Jérôme Candrian,    Gerichtsschreiberin Yvonne Wampfler Rohrer. Parteien Alpiq Netz AG Lausanne, Place de la Gare 12,  1000 Lausanne,   vertreten durch Rechtsanwälte Dr. iur. Ariane Ayer und  lic.iur. Thierry Gachet, Av. de la Gare 2, case postale 89,  1701 Fribourg, Beschwerdeführerin,  gegen swissgrid ag, Dammstrasse 3, Postfach 22, 5070 Frick,   Beschwerdegegnerin,  und Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom,  3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Definition und Abgrenzung Übertragungsnetz.

A­95/2011 Sachverhalt: A.  Am  1.  Juni  2010  stellte  die  swissgrid  ag  bei  der  Eidgenössischen  Elektrizitätskommission  (ElCom)  ein  Feststellungsbegehren  betreffend  Defini­tion und Abgrenzung des Übertragungsnetzes. Sie beantragte, es  sei  festzustellen,  dass  das  gesamte  220/380­kV­Netz  als  Übertragungsnetz gelte  (mit den von swissgrid  in den Beilagen 3 und 7  definierten Abgrenzungen und Ausnahmen) und das Eigentum daran auf  die nationale Netzgesellschaft (swissgrid ag) zu übertragen sei. B.  Das Fachsekretariat der ElCom eröffnete am 5. Juli 2010 das Verfahren  und lud als weitere Verfahrensbeteiligte alle Übertragungsnetzeigentümer  zur Stellungnahme ein. C.  Am  9.  Juli  2010  reichte  die Nordostschweizerische Kraftwerke Grid  AG  (nachfolgend:  NOK  Grid  AG)  ebenfalls  ein  Feststellungsbegehren  betreffend  Definition  und  Abgrenzung  Übertragungsnetz  bei  der  ElCom  ein.  Sie  beantragte,  dass  das Übertragungsnetz  aufgrund  einer  an  den  Funktionen  ausgerichteten  Betrachtungsweise  vom  Verteilnetz  abzugrenzen  sei.  Das  Feststellungsbegehren  der  swissgrid  ag  mit  der  spannungsbasierten Zuordnung sei abzuweisen. D.  Die Anträge der swissgrid ag und der NOK Grid AG zeigten, dass bei der  Abgrenzung  des  Übertragungsnetzes  vom  Verteilnetz  grundsätzlich  entweder  ein  spannungsbasierter  Ansatz  oder  ein  funktionaler  Ansatz  verfolgt  werden  konnte.  Von  den  weiteren  Verfahrensbeteiligten  unterstützten einige die Ansicht der swissgrid ag, andere schlossen sich  der  Auffassung  der  NOK  Grid  AG  an.  Einige  Verfahrensbeteiligte  brachten  in  Bezug  auf  ihre  Leitungen  in  ihrem  Eigentum  eigene  Vorschläge  vor.  Mehrere  Verfahrensbeteiligte  hatten  zu  den  Feststellungsbegehren  der  swissgrid ag  und  der  NOK  Grid  AG  keine  Stellungnahme eingereicht. E.  Mit Verfügung vom 11. November 2010 erklärte die ElCom grundsätzlich  den  spannungsbasierten  Ansatz  als  gesetzeskonform  und  bestimmte,  dass  alle  vermaschten  Leitungen  mit  Nebenanlagen  auf  der  Spannungsebene  220/380  kV  zum  Übertragungsnetz  gehörten.  Nebst 

A­95/2011 hier  nicht  interessierenden  weiteren  Präzisierungen  schloss  sie  die  Stichleitungen als nicht zum Übertragungsnetz gehörend aus. F.  Mit Eingabe vom 6. Januar 2011 erhebt die Alpiq Réseau SA Lausanne  (nachfolgend:  Beschwerdeführerin)  gegen  die  Verfügung  der  ElCom  (nachfolgend:  Vorinstanz)  vom  11.  November  2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragt  in  Gutheissung  der  Beschwerde, Ziffer 10 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung sei  aufzuheben  und  die  Leitungen  Romanel­Mathod  und  Galmiz­Kerzers­ Mühleberg  seien  unverzüglich  ins  Übertragungsnetz  zu  überführen.  Im  Weiteren sei ihr eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Zur  Begründung  führt  die  Beschwerdeführerin  im Wesentlichen  an,  die  beiden  streitgegenständlichen  Leitungen  würden  der  Definition  der  Stichleitung im Sinn der angefochtenen Verfügung nicht entsprechen: Sie  würden nicht dem Abtransport der lokal produzierten Elektrizität oder der  lokalen Versorgung dienen. Die beiden Leitungen seien in Bezug auf das  Verteilnetz  überdimensioniert,  da  sie  gerade  für  die  Übertragung  von  Elektrizität  als  Teil  des  Übertragungsnetzprojekts  geplant  und  gebaut  worden  seien.  Im  Weiteren  gehe  auch  aus  dem  Sachplan  Übertragungsleitungen des Bundes hervor, dass die Leitungen bis 2015  untereinander  verbunden  und  ans  vermaschte  Netz  angeschlossen  werden  müssten,  um  als  bedeutender  Teil  des  Übertragungsnetzes  zu  gelten. Weiter  sei  hervorzuheben,  dass  die  Leitung  zwischen  Yverdon  und  Galmiz  nicht  nur  die  Versorgung  des  Landes  mit  Elektrizität  bezwecke  und  damit  die  Übertragung  von  bedeutenden  Stromflüssen  erlaube,  sondern auch der Sicherheit der Versorgung. Zur Zeit werde die Leitung  zwischen  Yverdon  und  Galmiz  auf  der  Spannungsebene  125 kV  betrieben.  Dieses  Netz  sei  jedoch  nicht  für  den  Transport  von  bedeutenden  Energieflüssen  vorgesehen.  Die  Versorgungssicherheit  erfordere somit die Verbindung dieser beiden Leitungen. Im Weiteren  würde  die  Überdimensionierung  der  betroffenen  Leitungen  auch  zusätzliche  Kosten  verursachen,  welche  die  Elektrizitätstarife  der  Konsumenten  in  den  von  diesen  Leitungen  durchquerten  Regionen  beeinflussen.  Die  Zuordnung  der  streitgegenständlichen  Leitungen  zum  lokalen Verteilnetz verletze damit den Grundsatz der Nichtdiskriminierung  zwischen den Konsumenten in der Schweiz.

A­95/2011 Schliesslich  bringt  die  Beschwerdeführerin  vor,  die  Überführung  der  streitgegenständlichen Leitungen  ins Übertragungsnetz erst  im Zeitpunkt  der  Vermaschung  in  zwei  Anschlusspunkten  verletze  das  Verhältnismässigkeitsprinzip. G.  Die  Beschwerdegegnerin  beantragt  in  der  Beschwerdeantwort  vom  19. April 2011 die Gutheissung der Beschwerde, soweit überhaupt darauf  eingetreten werden könne.  Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, es folge bereits aus der  Gesuchseingabe der Beschwerdegegnerin im vorinstanzlichen Verfahren,  dass  die  Leitung Romanel­Mathod  zum Übertragungsnetz  gehören  soll.  Es  handle  sich  um  eine  Stichleitung  mit  Anschluss  von  Verteilnetzbetreibern; sie diene damit der Sicherstellung der Versorgung  der  untergelagerten  Verteilnetzbetreiber  und  habe  somit  Übertragungsfunktion.  Der  weitere  Ausbau  dieser  Übertragungsleitung  auf  380  kV  und  deren  Verbindung  mit  der  ebenfalls  auszubauenden  Leitung  Galmiz­Kerzers­Mühleberg  sei  vom  Bundesrat  im  Rahmen  des  strategischen  Stromübertragungsnetzes  im  Jahr  2009  verabschiedet  worden  (vgl.  Sachplan  Übertragungsleitung).  Demgemäss  sei  es  sachgerecht, diese Leitungen  in das Eigentum der Beschwerdegegnerin  zu  überführen,  insbesondere  um  das  Bauvorhaben  optimal  planen  und  durchführen  zu  können.  Die  Beschwerdegegnerin  stimme  den  Ausführungen der Beschwerdeführerin zu. H.  Die Vorinstanz beantragt  in  ihrer Stellungnahme vom 19. April 2011 die  Abweisung der Beschwerde.  Zur  Begründung  führt  sie  im Wesentlichen  an,  da  sie  in  einem  höchst  technischen Bereich amte, verfüge sie über einen gewissen Ermessens­  und Beurteilungsspielraum, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen  Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und  umfassend durchgeführt habe.  Dem Einwand der finanziellen Auswirkungen der Beschwerdeführerin hält  sie entgegen, dass sich die Kostentragung nach der von der Vorinstanz  vorgenommenen  Definition  und  Abgrenzung  des  Übertragungsnetzes  richten  müsse.  Die  Kosten  von  Leitungen  und  Nebenanlagen,  die  zum  Übertragungsnetz  gehörten, würden dem Übertragungsnetz  zugeordnet, 

A­95/2011 die  Kosten  von  Stichleitungen  dem  Verteilnetz  bzw.  Kraftwerk.  Die  Verteilung der Kosten nach der Stromversorgungsgesetzgebung sei kein  Kriterium für die Abgrenzung des Übertragungsnetzes, sondern vielmehr  eine Folge dieser Abgrenzung. Im Weiteren sei aus Sicht der Vorinstanz nicht relevant, ob die Leitungen  für das Verteilnetz überdimensioniert und nicht auf die heutige Situation  ausgelegt  seien.  Beide  Leitungen  seien  nur  mit  einem  Anschlusspunkt  des  vermaschten Übertragungsnetzes  verbunden. Sowohl  in Galmiz  als  auch in Mathod bestehe kein Anschluss an das Übertragungsnetz. Diese  Leitungen seien damit  für den sicheren Betrieb des Übertragungsnetzes  nicht zwingend notwendig. Was den vorgesehenen Netzausbau zwischen Galmiz und Mathod bzw.  zwischen Wattenwil  und Mühleberg  betreffe,  sei  anzumerken,  dass  aus  heutiger  Sicht  noch  keine  verlässlichen  Aussagen  gemacht  werden  könnten,  ob,  wann  und  in  welcher  Form  dieser  Realität  werde.  Aus  diesem  Grund  sei  im  Weiteren  nicht  einzusehen,  inwiefern  sich  die  Beschwerdeführerin auf das Verhältnismässigkeitsprinzip berufen könne.  Auch  die  Einbeziehung  der  Leitungen  in  den  "Sachplan  Übertragungsleitungen" ändere nichts an dieser Tatsache. Die Vorinstanz  trage  dem  vorliegend  zur  Diskussion  stehenden  Umstand  Rechnung,  indem Stichleitungen, die nach einem Netzausbau Teil des vermaschten  Übertragungsnetzes  werden,  auf  diesen  Zeitpunkt  auf  die  Beschwerdegegnerin zu überführen seien. Die  streitgegenständlichen  Leitungen  hätten  aufgrund  der  heutigen  Netzsituation  keinen  Übertragungscharakter.  Es  werde  nicht  Elektrizität  über  grössere  Distanzen  übertragen  und  wie  die  Beschwerdeführerin  selber erwähne, werde die Leitung zwischen Yverdon und Galmiz bloss  auf  der  Spannungsebene  125  kV  betrieben.  Zudem  habe  sie  in  der  angefochtenen Verfügung den  jetzigen Zustand betrachtet und nicht die  zukünftige Situation im Übertragungsnetz nach einem allfälligen Ausbau. Die  von  der  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  aufgestellten  Grundsätze  seien  anhand  einer  gesamtschweizerisch  einheitlichen  Betrachtung  des  Übertragungsnetzes  zustande  gekommen.  Aufgrund  dieser Analyse würden Stichleitungen, die nur mit einem Anschlusspunkt  des  vermaschten  Übertragungsnetzes  verbunden  seien,  nicht  zum  Übertragungsnetz gehören.

A­95/2011 I.  In  den  Schlussbemerkungen  vom  13.  Mai  2011  hält  die  Beschwerdeführerin  an  den  in  der  Beschwerde  gestellten  Anträgen  vollumfänglich fest.  J.  Auf  die  weiteren  Ausführungen  der  Beteiligten  wird  –  soweit  entscheidrelevant  –  im  Rahmen  der  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Die  ElCom  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  Bst.  f  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  Ausnahme,  was  das  Sachgebiet  angeht,  ist  nicht  gegeben  (Art.  32  VGG).  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  für  die  Beurteilung  der  am  6.  Januar  2011  erhobenen Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 23 des Bundesgesetzes  über die Stromversorgung vom 23. März 2007 (Stromversorgungsgesetz,  StromVG, SR 734.7).  2.  Zur  Beschwerde  ist  berechtigt,  wer  vor  der  Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung  hat  (Art. 48 VwVG). Die Beschwerdeführerin hat als beteiligte Partei am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen  und  ist  als  Übertragungsnetzeigentümerin  von  der  Verfügung  besonders  betroffen.  Sie ist damit zur Beschwerde legitimiert.  3.  Auf  die  im  Übrigen  form­  und  fristgerecht  eingereichte  Beschwerde  (Art. 50 und 52 VwVG) ist einzutreten.  4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  die  bei  ihm  angefochtenen  Verfügungen  und  Entscheide  grundsätzlich  mit  uneingeschränkter  Kognition, das heisst auch auf eine allfällig unrichtige oder unvollständige 

A­95/2011 Feststellung des Sachverhalts hin, ebenso auf Angemessenheit  (Art. 49  VwVG). Die  Vorinstanz  ist  keine  gewöhnliche  Vollzugsbehörde,  sondern  eine  verwaltungsunabhängige  Kollegialbehörde  mit  besonderen  Kompetenzen. Als Fachorgan ist sie Regulierungsinstanz mit besonderer  Verantwortung.  Dies  rechtfertigt  eine  gewisse  Zurückhaltung  des  Bundesverwaltungsgerichts  bei  der  Überprüfung  des  vorinstanzlichen  Entscheides. Es befreit das Bundesverwaltungsgericht aber nicht davon,  die  Rechtsanwendung  auf  ihre  Vereinbarkeit  mit  Bundesrecht  zu  überprüfen.  Sodann  amtet  die  Vorinstanz  in  einem  höchst  technischen  Bereich,  in dem Fachfragen sowohl  im Bereich der Stromversorgung als  auch  ökonomischer  Ausrichtung  zu  beantworten  sind.  Ihr  steht  dabei –  wie  anderen  Behördenkommissionen  auch  –  ein  eigentliches  "technisches  Ermessen"  zu.  In  diesem  Rahmen  darf  der  verfügenden  Behörde  bei  der  Beurteilung  von  ausgesprochenen  Fachfragen  ein  gewisser  Ermessens­  und  Beurteilungsspielraum  belassen  werden,  soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und  die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat  (vgl. BGE 133  II 35 E. 3, BGE 132  II 257 E. 3.2, BGE 131  II 13 E. 3.4,  BGE  131  II  680  E.  2.3.2  mit  Hinweisen;  BVGE  2009/35  E.  4;  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.155). 5.  Der  Gesetzgeber  unterscheidet  beim  Elektrizitätsnetz  zwischen  Übertragungs­ und Verteilnetz. Nach Art.  4 Abs. 1 Bst. h StromVG wird  das  Übertragungsnetz  als  Elektrizitätsnetz,  das  der  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen  im  Inland  sowie  dem  Verbund  mit  den  ausländischen  Netzen  dient  und  in  der  Regel  auf  der  Spannungsebene 220/380 kV betrieben wird, definiert.  Art. 4 Abs. 1 Bst. i StromVG definiert das Verteilnetz als Elektrizitätsnetz  hoher, mittlerer oder niederer Spannung zum Zwecke der Belieferung von  Endverbrauchern  oder  Elektrizitätsversorgungsunternehmen.  Gemäss  Art. 4 Abs. 2 StromVG kann der Bundesrat die Begriffe nach Abs. 1 sowie  weitere  in  diesem  Gesetz  verwendete  Begriffe  näher  ausführen  und  veränderten technischen Voraussetzungen anpassen. Gemäss  Art.  2  Abs.  2  der  Stromversorgungsverordnung  vom  14.  März  2008  (StromVV,  SR  734.71)  gehören  zum  Übertragungsnetz 

A­95/2011 insbesondere  auch:  a.  Leitungen  inklusive  Tragwerke;  b.  Kuppeltransformatoren,  Schaltanlagen,  Mess­,  Steuer­  und  Kommunikationseinrichtungen;  c.  gemeinsam  mit  anderen  Netzebenen  genutzte  Anlagen,  die  mehrheitlich  im  Zusammenhang  mit  dem  Übertragungsnetz  genutzt  werden  oder  ohne  die  das Übertragungsnetz  nicht sicher oder nicht effizient betrieben werden kann; d. Schaltfelder vor  dem Transformator beim Übergang zu einer anderen Netzebene oder zu  einem Kraftwerk. 6.  In Auslegung dieser Bestimmungen hat die Vorinstanz entschieden, dass  Stichleitungen  nicht  zum  Übertragungsnetz  gehören,  da  sie  mit  dem  Übertragungsnetz  nicht  vermascht,  sondern  nur  mit  einem  Anschlusspunkt  des  vermaschten  Übertragungsnetzes  verbunden  sind.  Sie  definiert  Stichleitungen  als  Leitungen  auf  der  Spannungsebene  380/220 kV,  die  nur  mit  einem  Anschlusspunkt  des  vermaschten  Übertragungsnetzes verbunden sind, also Leitungen von einem Kraftwerk  zu  einem  Anschlusspunkt  an  das  Übertragungsnetz  (Kraftwerks­ Stichleitung)  oder  vom  Übertragungsnetz  zu  einem  Verbraucher  respektive  zu  einem  Verteilnetz  (Versorgungs­Stichleitung).  Im  Gegensatz  zu  den  T­Anschlüssen  sind  Stichleitungen  über  eine  Schaltanlage  oder  über  ein  Schaltfeld  mit  dem  Übertragungsnetz  verbunden, und somit auch von diesem abtrennbar. Weiter  würden  nach  der Definition  der  Vorinstanz  Stichleitungen  primär  dem  Abtransport  der  lokal  produzierten  Elektrizität  oder  der  lokalen  Versorgung  dienen.  Stichleitungen  werden  nicht  zur  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen  geplant  und  gebaut,  müssten  nicht  für mögliche Transitflüsse dimensioniert werden und seien somit vielmehr  als  Anschluss  denn  als  Teil  des  vermaschten  Verbundnetzes  zu  betrachten.  Bei  doppelt  geführten  Stichleitungen  seien  je  nach  Schaltzustand  der  Sammelschienen  zwar  theoretisch  Transitflüsse  denkbar. Stichleitungen würden aber nicht zu diesem Zweck gebaut. Sie  seien  über  eine  Schaltanlage  oder  über  ein  Schaltfeld  mit  dem  Übertragungsnetz verbunden und somit auch von diesem abtrennbar. Sie  seien  für  den  sicheren  Betrieb  des  Übertragungsnetzes  nicht  zwingend  notwendig.  Dabei  sei  nicht  relevant,  ob  eine  solche  Leitung  auf  der  Spannungsebene 220 kV oder 380 kV betrieben werde.

A­95/2011 7.  Streitig  und  zu  prüfen  ist  somit,  ob  die  Vorinstanz  Art.  4  Abs.  1  lit.  h  StromVG und Art. 2 Abs. 2 lit. c StromVV richtig ausgelegt hat. Ausgangspunkt  jeder  Auslegung  ist  der  Wortlaut  einer  Gesetzesbestimmung.  Ist  dieser  nicht  klar,  so  ist  auf  die  übrigen  Auslegungselemente  zurückzugreifen;  abzustellen  ist  insbesondere  auf  die  Entstehungsgeschichte  einer  Rechtsnorm,  ihren  Sinn  und  Zweck  sowie  die Bedeutung,  die  ihr  im Kontext mit  anderen Normen  zukommt  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­6086/2010  vom  16.  Juni  2011  E.  4;  PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  3. Aufl.,  Bern  2009,  §  25  Rz.  3  f.;  ULRICH  HÄFELIN/WALTER  HALLER/HELEN  KELLER,  Schweizerisches  Bundesstaatsrecht, 7. Aufl., Zürich u. a. 2008, Rn. 80 ff.). 7.1.  Art.  4  Abs.  1  lit.  h  StromVG  definiert  das  Übertragungsnetz  als  Elektrizitätsnetz,  das  der  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen  im  Inland sowie dem Verbund mit den ausländischen Netzen  dient  und  in  der  Regel  auf  der  Spannungsebene  220/380  kV  betrieben  wird.  Aus dem Gesetzeswortlaut  von Art. 4 Abs. 1  lit.  h StromVG ergibt  sich,  dass  nach  dem Willen  des  Gesetzgebers  das  Übertragungsnetz  in  der  Regel auf der Spannungsebene 220/380 kV betrieben wird. Der Wortlaut  des Gesetzes  lässt mithin aufgrund der grammatikalischen Stellung des  "in  der  Regel"  in  der  Definition  einzig  Ausnahmen  in  Bezug  auf  die  Spannungsebene 220/380 kV zu und nicht  etwa auch  in Bezug auf das  Kriterium  der  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen  im  Inland  sowie  dem Verbund mit  den  ausländischen Netzen.  Dass  einzig  eine Ausnahme  in Bezug auf die Spannungsebene 220/380 kV möglich  ist,  ergibt  sich  noch  deutlicher  aus  den  französisch­  und  italienischsprachigen Gesetzestexten,  in  denen der  2. Teilsatz  in Bezug  auf  die  Spannungsebene  mit  einem  Semikolon  abgetrennt  wird:  "par  réseau de  transport on entend  le  réseau électrique qui sert au  transport  d'électricité  sur  de  grandes  distances  à  l'intérieur  du  pays  ainsi  qu'à  l'interconnexion avec  les réseaux étrangers;  il est généralement exploité  à 220/380 kV" und  "per  rete di  trasporto  s'intendono  rete elettrica per  il  trasporto  di  energia  elettrica  su  lunghe  distanze  all'interno  del  Paese  e  per  l'interconnessione  con  le  reti  estere;  di  regola  funziona  al  livello  di  tensione  220/380  kV").  Hätte  der  Gesetzgeber  eine  Ausnahmeformulierung auch in Bezug auf die anderen zwei Kriterien der 

A­95/2011 Definition gewollt, hätte er "in der Regel" der Definition vorangestellt  ("In  der  Regel  gilt  als  Übertragungsnetz  …  ").  Aufgrund  dieses  klaren  Wortlauts  kommt  der  Vorinstanz  diesbezüglich  auch  kein  technisches  Ermessen zu. Wenn  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  festhält,  dass  Stichleitungen nicht zum Übertragungsnetz gehören, da sie nicht mit dem  Übertragungsnetz vermascht, sondern nur mit einem Anschlusspunkt des  vermaschten  Übertragungsnetzes  verbunden  sind,  kann  jedenfalls  aus  dem  Wortlaut  von  Art.  4  Abs.  1  lit.  h  StromVG  das  Kriterium  der  Vermaschung nicht abgeleitet werden. Nach Art. 4 Abs. 2 StromVG kann  zwar der Bundesrat die Begriffe nach Absatz 1 (…) näher ausführen und  veränderten  technischen Voraussetzungen anpassen. Das Kriterium der  Vermaschung  hätte  demnach  mindestens  in  der  StromVV  geregelt  werden  müssen.  Es  findet  sich  jedoch  auch  nicht  in  Art. 2  Abs.  2  StromVV, welcher das Übertragungsnetz näher definiert. In  der  angefochtenen Verfügung wird  zu Recht  darlegt,  dass nach dem  Wortlaut  der  Legaldefinition  für  die  Abgrenzungsfrage  primär  eine  spannungsbasierte  Betrachtung  (220/380  kV)  zur  Anwendung  gelangen  soll.  Dem  primär  spannungsbasierten  Ansatz  widerspricht  die  Ausklammerung  einer  ganzen  Kategorie  von  Leitungen.  Mit  der  Begründung,  dass  Stichleitungen  primär  dem  Abtransport  der  lokal  produzierten Elektrizität oder der  lokalen Versorgung dienen, obwohl sie  auf  der  Spannungsebene  380/220  kV  betrieben  werden,  stellt  die  Vorinstanz gerade auf ein funktionales Kriterium ab.  Nach  dem  Wortlaut  von  Art.  4  Abs.  1  lit.  h  StromVG  gehören  Stichleitungen  (mit  oder  ohne  Versorgungscharakter)  somit  zum  Übertragungsnetz.  Diesen  an  sich  klaren  Wortlaut  bestätigen  auch  die  weiteren Auslegungsmethoden. 7.2. Die Legaldefinition des Übertragungsnetzes von Art. 4 Abs. 1 Bst. h  StromVG findet sich im 1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen unter Art. 4  Begriffe.  Neben  dem  Begriff  des  Übertragungsnetzes  hat  der  Gesetzgeber  den  Begriff  des  Elektrizitätsnetzes  (lit.  a)  und  des  Verteilnetzes  (Bst. i)  definiert.  Neben  dem  Übertragungsnetz  und  dem  Verteilnetz  hat  der Gesetzgeber  keine weiteren Kategorien  vorgesehen.  Daraus  folgt,  dass  Stichleitungen,  die  weder  im  StromVG  noch  in  der  StromVV  definiert  werden,  entweder  zum  Übertragungs­  oder  zum  Verteilnetz gehören müssen.

A­95/2011 Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung als Fachbehörde zu  Recht festhält, können die zwei Begriffe Übertragung und Verteilung nicht  in  jedem  Fall  trennscharf  abgegrenzt  werden.  Es  ist  damit  nicht  ausgeschlossen, dass ein Übertragungsnetz Versorgungsaufgaben oder  umgekehrt  ein  Verteilnetz  Übertragungsaufgaben  wahrnimmt:  Die  französische  Fassung  übersetzt  den  Begriff  Übertragungsnetz  mit  "réseau  de  transport",  die  italienische  Fassung  spricht  von  "rete  di  trasporto".  Das  Übertragungsnetz  kann  damit  auch  als  "Transportnetz"  betrachtet werden. Es ist dabei davon auszugehen, dass mit Übertragung  auch  der  Transport  von  Elektrizität,  und  zwar  von  (grossen)  Produktionsanlagen  über  grössere  Distanzen  zu  den  Verteilnetzbetreibern  und  den  am  Übertragungsnetz  direkt  angeschlossenen  Endverbrauchern  gemeint  ist.  Auch  ein  Verteilnetz  transportiert Elektrizität. Bei der Verteilung steht hingegen die Versorgung  von  Elektrizitätsversorgungsunternehmen  und  Endverbrauchern  mit  Elektrizität über kleinere Distanzen im Vordergrund.  Aus  der  Gesetzessystematik  ergibt  sich,  dass  der  Begriff  der  Stichleitungen  nicht  definiert  ist  und  die  Stichleitungen  entweder  zum  Übertragungs­  oder  zum  Verteilnetz  gehören  müssen.  Aufgrund  des  Ausgeführten  kann  das  Kriterium  der  Versorgung  jedenfalls  nicht  als  Abgrenzungskriterium  dienen.  Ebensowenig  ergibt  sich  das  Abgrenzungskriterium der Vermaschung mit  dem Übertragungsnetz  aus  der systematischen Auslegung von Art. 4 Bst. h und i StromVG. Auch die  Gesetzessystematik  legt  demnach  nahe,  dass  Stichleitungen  zum  Übertragungsnetz gehören. 7.3. Die historische Auslegung stellt auf den Sinn und Zweck ab, den man  einer  Norm  zur  Zeit  ihrer  Entstehung  gab.  Insbesondere  bei  jungen  Erlassen  muss  dem  Willen  des  Gesetzgebers  ein  grosses  Gewicht  beigemessen werden (BGE 133 III 278 E. 3.2.2; 132 V 215 E. 4.5.2 und  BGE  131  II  710  E. 4.1;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2606/2009 vom 11. November 2010 E. 9.4). Bereits die Vorlage zum Elektrizitätsmarktgesetz vom 15. Dezember 2000  (EMG;  BBl  2000,  S.  6189  ff.)  definierte  das  Übertragungsnetz  als  Elektrizitätsnetz  hoher  Spannung  zur  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen.  Der  Entwurf  der  Elektrizitätsmarktverordnung  vom  27. März 2002 (abrufbar unter www.bfe.admin.ch) führte in Art. 14 Abs. 1  weiter  aus,  dass  die  Schweizerische  Netzgesellschaft  das  Übertragungsnetz  der  Spannungsebene  220/380  kV  betreibt.  Soweit  http://www.bfe.admin.ch

A­95/2011 Netze  oder  Netzteile  unterer  Spannungsebenen  ausschliesslich  der  Übertragung von Elektrizität über grössere Distanzen dienen, gelten auch  solche Netze als Teil des Übertragungsnetzes. In der Botschaft zum EMG  (BBl  1999  7434  f.)  sind  auch  die  Spannungsebenen  220  und  380  kV  explizit  erwähnt.  Zudem geht  aus der Botschaft  zum EMG hervor,  dass  die  Bezeichnung  des  Übertragungsnetzes  nicht  nur  auf  Grund  der  Spannungsebene (in der Regel 380/220 kV), sondern auch nach dessen  Funktion  (Übertragung  von  Strom  über  grosse Distanzen)  erfolgen  soll.  Damit sollte  jedoch die Option offen gelassen werden, dass auch Netze  der  unteren  Spannungsebenen  in  die  Netzgesellschaft  eingebracht  werden können.  Aus den Protokollen der parlamentarischen Debatte zum StromVG geht  sodann  hervor,  dass  die  Themen  Übertragungsnetz  und  Übertragungsnetzbetreiber  bei  der  Erarbeitung  des  Gesetzes  wichtige  Punkte gewesen waren. Beim Übertragungsnetz war man sich einig, dass  dieses  eine  wesentliche  Grundlage  für  die  sichere  Versorgung  in  der  Schweiz  darstellt  (vgl.  u.a.  Votum  von  Ständerat  Rolf  Schweiger,  Amtliches  Bulletin  2006  [Ständerat],  S. 848 ff.).  Beim  Übertragungsnetzbetreiber  drehte  sich  die  Diskussion  vor  allem  um  die  Unabhängigkeit  der  nationalen  Netzgesellschaft  und  um  die  Frage,  ob  diese  das Netz  nur  betreiben  soll  oder  dieses  auch  in  ihr  Eigentum  zu  übertragen  sei. Wie  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht festhält, hat hingegen die Formulierung der Legaldefinition ("in der  Regel  auf  der  Spannungsebene  220/380  kV")  im  Parlament  zu  keinen  Diskussionen geführt. Auch  die  Botschaft  zum  StromVG  erwähnt  die  zentrale  Bedeutung  des  Übertragungsnetzes  für  die  Schweiz.  Sie  versprach  sich  mit  der  Zusammenführung  des  Betriebs  des  gesamtschweizerischen  Übertragungsnetzes eine Erhöhung der Transparenz (BBl 2004 1633 f.).  Im Weiteren ging der Bundesrat davon aus, dass das Übertragungsnetz  auf den Spannungsebenen (der Begriff wird an dieser Stelle noch in der  Mehrzahl  verwendet)  220  –  380  kV  sowie  das  Verteilnetz  auf  den  Spannungsebenen  400  V  –  160  kV  betrieben  werden  soll  (BBl  2004  1642). Das  von  der  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  eingeführte  Kriterium  der  Vermaschung  ist  weder  in  der  Botschaft  zum  EMG,  zum  StromVG,  noch  in  den  parlamentarischen  Debatten  zum  StromVG  erwähnt. Ebenso wenig  hat  sich  der  historische Gesetzgeber  zur Frage 

A­95/2011 geäussert,  ob  Stichleitungen  zum  Übertragungsnetz  gehören  sollen.  Dazu kommt, dass parallel zu den Gesetzgebungsarbeiten der Sachplan  Übertragungsleitungen  (SÜL)  (Aufnahme  der  strategischen  Übertragungsleitungsnetze 50 Hz der allgemeinen Stromversorgung und  16,7  Hz  der  Bahnstromversorgung  in  den  Sachplan,  Sachplan  Übertragungsleitungen  –  12.04.2001,  Anpassung  2008,  13.  Februar  2009,  Bundesamt  für  Energie  BFE)  (nachfolgend:  SÜL),  das  Netznutzungsmodell für das schweizerische Übertragungsnetz (VSE/AES  NNMÜ­CH  Ausgabe  2005,  Revision  2007;  MERKUR  Access  Branchenempfehlung  Strommarkt  Schweiz)  (nachfolgend:  NNMÜ­CH)  sowie  der  Rahmenvertrag  über  die  Übertragung  der  Betriebsverantwortung  für  das  Schweizer  Übertragungsnetz  an  die  Beschwerdegegnerin  ausgearbeitet  wurden.  Sowohl  der  SÜL  als  auch  das  NNMÜ­CH  haben  die  Stichleitungen  dem  Übertragungsnetz  zugeordnet (vgl. E. 7.4), was ebenfalls nicht zu Diskussionen Anlass gab.  Es  ist  somit  davon  auszugehen,  dass  der  historische  Gesetzgeber  grundsätzlich  das  Eigentum  am  gesamten  220/380  kV  Netz  auf  die  Beschwerdegegnerin überführen wollte.  7.4. Im Rahmen der teleologischen Auslegung sind Sinn und Zweck und  die  dem  Begriff  des  Übertragungsnetzes  (Art.  4  Bst.  h  StromVG)  zu  Grunde liegende Wertung zu ermitteln.  Zunächst ist auf den Zweck des StromVG näher einzugehen: Nach Art. 1  StromVG bezweckt dieses Gesetz, die Voraussetzungen für eine sichere  Elektrizitätsversorgung  sowie  für  einen  wettbewerbsorientierten  Elektrizitätsmarkt  zu  schaffen.  Es  soll  ausserdem  die  Rahmenbedingungen  festlegen  für  eine  zuverlässige  und  nachhaltige  Versorgung mit  Elektrizität  in  allen  Landesteilen  und  die  Erhaltung  und  Stärkung  der  internationalen Wettbewerbsfähigkeit  der  schweizerischen  Elektrizitätswirtschaft. Ziel  des  StromVG  ist  somit,  die  Grundversorgung  und  die  Versorgungssicherheit  auch  in  einem  liberalisierten  Umfeld  mit  Rechtssicherheit  für  Investitionen  zu  gewährleisten  (BBl  2004  1617).  Nach  Art.  1  StromVG  sollen  die  Rahmenbedingungen  für  eine  sichere  und  nachhaltige Versorgung  der Endverbraucher mit Elektrizität  in  allen  Landesteilen  verankert  werden.  Die  sichere  Versorgung  umfasst  namentlich  die  konstante  Lieferung  von  elektrischer  Energie  und  das  Gewährleisten  von  genügend  Kapazitäten  bei  der  Erzeugung, 

A­95/2011 Übertragung  und  Verteilung  (BBl  2004  1640).  Die  Gesetzgebung muss  den wirtschaftlichen  und  technischen Entwicklungen  angepasst werden.  Die  Stromversorgung  soll  auch  mit  der  beantragten  Neuregelung  weiterhin auf dem Grundsatz der Subsidiarität und Kooperation aufbauen  (Art.  3  StromVG).  Das  bedeutet,  dass  primär  diejenigen  Aufgaben  hoheitlich  geregelt  werden  sollen,  welche  durch  die  Energiewirtschaft  nicht selber im Gesamtinteresse wahrgenommen werden. Vor dem Erlass  neuer Bestimmungen  sollen  bestehende Vereinbarungen  geprüft  und  in  Zusammenarbeit  mit  betroffenen  Organisationen  praxisnahe  Lösungen  erarbeitet  werden  (BBl  2004  1617,  1629,  1642;  zum Ganzen  vgl.  auch  ROLF  H.  WEBER/BRIGITTA  KRATZ,  Stromversorgungsrecht,  Ergänzungsband  Elektrizitätswirtschaftsrecht,  Bern  2009,  S. 5  f.  und  17  ff.). Den  Zielen  der  Versorgungssicherheit,  einer  starken,  unabhängigen  nationalen Netzgesellschaft  (vgl. E. 7.3) und der Erhöhung der Effizienz  beim Netzbetrieb durch den Wegfall von Schnittstellen und komplizierten  Vertragswerken  kamen  in  der  parlamentarischen  Debatten  ein  grosses  Gewicht  zu  (vgl.  u.a.  Votum  von  Ständerat  Rolf  Schweiger,  Amtliches  Bulletin  2006  [Ständerat],  S. 848 ff.;  Votum  Inderkum, S.  825  ff.;  Votum  Bundesrat Leuenberger, S. 852).  Aus der Botschaft des Bundesrates zum StromVG geht in Bezug auf die  nationale  Netzgesellschaft  zudem  hervor,  dass  die  heutige  Struktur  im  schweizerischen Übertragungsnetz mit mehreren  rechtlich selbständigen  Überlandwerken als Betreiber mehrerer Regelzonen  in der Schweiz den  Anforderungen  eines  im  europäischen  Umfeld  stark  angestiegenen  Stromhandels  und  zur  Aufrechterhaltung  der  Versorgungssicherheit  im  Inland nicht mehr genügt (BBl 2004 1858; vgl. auch WEBER/KRATZ, a.a.O.,  S. 73). Daraus kann geschlossen werden, dass es somit auch Bestandteil  der  ratio  legis  ist,  dass  ein  paralleler  Betrieb  von  Höchstspannungsleitungen  durch  mehrere  Unternehmen  zu  verhindern  ist,  weil  dies  eine  unnötige  Duplizierung  von  Leit­  und  Verwaltungssystemen  und  eine  Erschwerung  der  operativen  Betriebsführung zur Folge hätte. Auf  diesem  Hintergrund  hat  auch  die  Definition  und  Abgrenzung  des  Übertragungsnetzes  zu  erfolgen:  Diese  gesetzgeberische  Absicht  zur  Erreichung  der  dargelegten  Ziele  des  StromVG  spricht  daher  für  eine  weite Auslegung des Begriffs des Übertragungsnetzes. 

A­95/2011 Nicht  nur  gingen  die  Beschwerdeführerin  und  die  Beschwerdegegnerin  bisher  davon  aus,  dass  die  (streitgegenständlichen)  Stichleitungen  zum  Übertragungsnetz  gehören  und  auf  die  Beschwerdegegnerin  zu  übertragen  sind.  Für  eine  weite  Auslegung  des  Begriffs  des  Übertragungsnetzes  und  der  Zugehörigkeit  der  Stichleitungen  zum  Übertragungsnetz  spricht  ebenfalls  das  bisherige  Branchenverständnis:  Die Übertragungsnetzeigentümer haben sich in der Vergangenheit darauf  geeinigt,  was  zum  Übertragungsnetz  gehört.  So  hat  die  Beschwerdegegnerin mit den sogenannten Verbundunternehmen im Jahr  2006  einen  Rahmenvertrag  über  die  Übertragung  der  Betriebsverantwortung  für  das  Schweizer  Übertragungsnetz  an  die  Beschwerdegegnerin,  einschliesslich  der  von  ihr  im  Rahmen  dieser  Verantwortung  zu  übernehmenden  Aufgaben,  Pflichten  und  Kompetenzen, abgeschlossen. Dieser Rahmenvertrag sieht  in Beilage 1  vor,  dass  das  Übertragungsnetz  "sämtliche  Netzelemente  für  den  Transport  von  Elektrizität  in  der  Schweiz  und  zum  Ausland,  welche  beidseitig  mit  einer  Spannung  von  380/220  kV  (ausnahmsweise  auch  Netzelementen  tieferer  Spannungsebenen)  betrieben  werden."  Wie  die  Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu Recht festhält, basiert die  Abgrenzung  des  Übertragungsnetzes  nach  diesem  Rahmenvertrag  auf  einem spannungsbasierten Ansatz ohne funktionale Kriterien. Auch  das  NNMÜ­CH  sieht  unter  Punkt  6,  S.  17  (Netzabgrenzung  und  Kostenermittlung) vor, dass zum schweizerischen Übertragungsnetz alle  Leitungen inklusive Schaltfelder des 380/220 kV­Höchstspannungsnetzes  und  die  380/220  kV­Kuppeltransformatoren  in  der  Schweiz  gehören,  wobei  diese  Elemente  in  der  Netzführungsverantwortung  der  Beschwerdegegnerin liegen müssen. Netzteile, die mit einer Spannung <  220 kV betrieben werden, können nach NNMÜ­CH ausnahmsweise unter  gewissen Bedingungen ins Übertragungsnetz aufgenommen werden. Das  NNMÜ­CH  geht  somit  im  Grundsatz  davon  aus,  dass  380/220  kV­ Leitungen  zum  Übertragungsnetz  gehören,  unter  gewissen  Voraussetzungen aber auch Ausnahmen betreffend eine Spannung von  weniger als 220 kV zulässt, was vorliegend  jedoch für die Kategorie der  Stichleitungen nicht zutrifft. In  diesen  beiden  Branchendokumenten  finden  sich  keine  zusätzlichen  funktionalen  Kriterien  wie  Versorgungscharakter  oder  Vermaschung,  welche  einzuhalten  sind,  damit  eine  220/380  kV  Leitung  als  Teil  des  Übertragungsnetzes  zu  gelten  hat.  Somit  gehören  nach  dem  Branchenverständnis Stichleitungen zum Übertragungsnetz.

A­95/2011 Schliesslich  sind  die  streitgegenständlichen  Leitungen  auch  im  SÜL  enthalten.  Gemäss  diesem  Sachplan  sind  die  Leitungen  "Romanel­ Mathod" und "Galmiz­Kerzers­Mühleberg" Teil des strategischen 220/380  kV­Übertragungsleitungsnetzes.  Die  Stichleitungen  wurden  vom  Bundesrat vorbehaltlos  in den SÜL aufgenommen. Auch hier war weder  vom  Erfordernis  der  Vermaschung  noch  vom  Ausschlusskriterium  der  Versorgung die Rede. Aufgrund des Dargelegten ergibt sich somit auch aus der teleologischen  Auslegung, dass Stichleitungen zum Übertragungsnetz gehören und auf  die Beschwerdegegnerin zu übertragen sind. 8. Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  Stichleitungen  (mit  oder  ohne  Versorgungscharakter),  die  auf  der  Spannungsebene  220/380 kV betrieben werden, zum Übertragungsnetz gehören.  9. In  der  angefochtenen  Verfügung  (Ziff.  142)  stellte  die  Vorinstanz  fest,  dass  die  Leitungen  Romanel­Mathod  und  Galmiz­Kerzers­Mühleberg  Stichleitungen seien und somit nicht zum Übertragungsnetz gehörten. Die  Beschwerdeführerin  bringt  vor,  diese  Leitungen  seien  nicht  als  Stichleitungen im Sinn der angefochtenen Verfügung zu qualifizieren und  gehörten  als  Übertragungsleitungen  zum  Übertragungsnetz.  Wie  ausgeführt, sind auch Stichleitungen ins Übertragungsnetz zu überführen  und  es  kann  deshalb  offen  gelassen  werden,  ob  die  streitgegenständlichen Leitungen als Stichleitungen oder als andere zum  Übertragungsnetz  gehörende  Leitungen  zu  qualifizieren  sind.  Ebenfalls  unerheblich ist, dass ein Teil der Leitung zwischen Yverdon und Galmiz –  vorderhand – bloss auf der Spannungsebene 125 kV betrieben wird. Es  wird  somit  festgestellt,  dass  die  Leitungen  Romanel­Mathod  und  Galmiz­Kerzers­Mühleberg  zum  Übertragungsnetz  gehören  und  in  das  Eigentum der Beschwerdegegnerin zu überführen sind. Die Beschwerde  ist  damit  gutzuheissen und Ziffer 10 des Dispositivs der Verfügung  vom  11. November 2010 ist in diesem Sinn aufzuheben. Damit  erübrigt  es  sich, die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin  zu prüfen.  10. Die Verfahrenskosten sind der unterliegenden Partei aufzuerlegen. Keine 

A­95/2011 Verfahrenskosten  trägt  die  Vorinstanz  (Art.  63  Abs.  1  und  2  VwVG).  Vorliegend  sind  entsprechend  keine  Verfahrenskosten  zu  erheben.  Der  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr.  6'000.­­  ist  der  obsiegenden  Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. 11. Der obsiegenden Beschwerdeführerin steht eine Parteientschädigung für  ihr  erwachsene  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zu  (Art.  64  Abs.  1  VwVG  und  Art.  7  ff.  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin haben keine  Honorarnote  eingereicht,  weshalb  die  Entschädigung  auf  Grund  der  Akten festzusetzen ist (Art. 64 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 14 Abs. 2 VGKE).  Angesichts  der  beiden Eingaben  an  das Bundesverwaltungsgericht  und  des  mutmasslich  damit  verbundenen  Aufwands  ist  die  Parteientschädigung  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  auf  Fr.  8'000.­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Vorinstanz aufzuerlegen.

A­95/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen  und  Ziffer  10  des  Dispositivs  der  Verfügung vom 11. November 2010 aufgehoben. 2. Es  wird  festgestellt,  dass  Stichleitungen  (mit  oder  ohne  Versorgungscharakter)  zum  Übertragungsnetz  gehören  und  in  das  Eigentum der Beschwerdegegnerin zu überführen sind.  3.  Es wird  festgestellt, dass die Leitungen Romanel­Mathod sowie Galmiz­ Kerzers­Mühleberg zum Übertragungsnetz gehören und in das Eigentum  der Beschwerdegegnerin zu überführen sind. 4. Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  geleistete  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr.  6'000.­  wird  der  Beschwerdeführerin  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  dieses  Urteils  zurückerstattet.  Hierzu  hat  sie  dem  Bundesverwaltungsgericht  einen  Einzahlungsschein  zuzustellen  oder  ihre  Kontonummer  bekannt  zu  geben. 5. Der  Beschwerdeführerin  wird  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  8'000.­  zugesprochen.  Diese  ist  ihr  durch  die  Vorinstanz  nach  Eintritt  der  Rechtskraft des vorliegenden Urteils zu entrichten. 6. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Einschreiben) – das Generalsekretariat UVEK (Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

A­95/2011 Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Christoph Bandli Yvonne Wampfler Rohrer Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000 Lausanne 14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Die  Frist  steht  still  vom 15.  Juli  bis und mit  dem 15. August  (Art.  46 Abs. 1  Bst. b BGG). Die Rechtsschrift  ist  in einer Amtssprache abzufassen und  hat  die Begehren,  deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat,  beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

A-95/2011 — Bundesverwaltungsgericht 18.07.2011 A-95/2011 — Swissrulings