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Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 A-3997/2011

13 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·896 parole·~4 min·1

Riassunto

Energie (Übriges) | Erlass von vorsorglichen Massnahmen in Sachen Kosten und Tarife 2012 der Netzebene 1

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­3997/2011 Urteil   v om   1 3 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Kathrin Dietrich (Vorsitz), Richterin Claudia Pasqualetto Péquignot,  Richter Lorenz Kneubühler, Gerichtsschreiber Toni Steinmann. Parteien swissgrid ag,  Dammstrasse 3, Postfach 22, 5070 Frick,   Beschwerdeführerin,  gegen Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom,  3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Erlass von vorsorglichen Massnahmen in Sachen Kosten  und Tarife 2012 der Netzebene 1.

A­3997/2011 Sachverhalt: A.  Die  swissgrid  ag  betreibt  entsprechend  ihrem  gesetzlichen  Auftrag  das  Schweizerische  (Elektrizitäts­)Übertragungsnetz  (Netzebene  1)  und  veröffentlicht  jährlich  den  Tarif  für  die  Netznutzung  und  die  Systemdienstleistungen. B.  Am 29. April 2011 hat die swissgrid ag die Tarife für die Netznutzung der  Netzebene  1  und  die  Systemdienstleistungen  für  das  Jahr  2012  veröffentlicht.  Dabei  lag  der  Tarif  für  die  Netznutzung  der  Netzebene  1  rund 20% höher als der von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission  (ElCom) für das Jahr 2011 (nicht rechtskräftig) verfügte Tarif. C.  Die  ElCom  eröffnete  von  Amtes  wegen  ein  Verfahren  zur  Überprüfung  der Netznutzungstarife der Netzebene 1 für das Jahr 2012. Mit Verfügung  vom  9.  Juni  2011  senkte  die  ElCom  diesen  Tarif  im  Sinn  einer  vorsorglichen  Massnahme  für  die  Dauer  des  Überprüfungsverfahrens  (Ziffer  1  des  Dispositivs).  Einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  entzog  sie  die  aufschiebende  Wirkung  (Ziffer  2  des  Dispositivs). D.  Gegen  diese  Verfügung  erhebt  die  swissgrid  ag  (nachfolgend:  Beschwerdeführerin)  am  13.  Juli  2011  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragt  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  sowie  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  die  Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. E.  Die  ElCom  (nachfolgend:  Vorinstanz)  beantragt  in  ihrer  Stellungnahme  vom  29.  Juli  2011  (Posteingang:  29.  Juli  2011)  die  Abweisung  des  Gesuchs um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung. F.  Mit  Zwischenverfügung  vom  29.  Juli  2011  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Antrag  der  Beschwerdeführerin  um  Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab.

A­3997/2011 G.  Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 10. August 2011,  die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. H.  In  der  Stellungnahme  vom  1.  September  2011  hält  die  Beschwerdeführerin an den in der Beschwerde gestellten Anträgen fest. In der Begründung äussert sie sich – entsprechend der Aufforderung der  Instruktionsrichterin – insbesondere zu ihrer Beschwerdelegitimation. Sie  führt  dazu  im  Wesentlichen  aus,  dass  sie  die  Rechtmässigkeit  von  vorsorglichen  Massnahmen  betreffend  die  Festlegung  der  Tarife  anzweifle  und  die  entsprechenden  Verfügungen  deshalb  jedes  Jahr  anfechten müsse, weil bisher noch kein Gericht darüber befunden habe.  Die Verfügung  in der Hauptsache werde nämlich  jeweils  eröffnet,  bevor  ein  Urteil  über  die  vorsorglichen  Massnahmen  ergehe,  weshalb  ein  Entscheid  über  Letztere  hinfällig  werde.  Es  wäre  nach  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  mit  Blick  auf  die  Prozessökonomie  wesentlich  sinnvoller,  wenn  die  Vorinstanz  die  publizierten  Tarife  direkt  im  ordentlichen  Verfahren  überprüfen  würde,  anstatt  vorgängig  noch  vorsorgliche  Massnahmen  anzuordnen.  Das  Verfahren  mit  solchen  zu  belasten,  führe  nur  zu  unnötigen  Aufwendungen  auf  Seiten  der  Beschwerdeführerin,  der  Vorinstanz  und  der  zuständigen  Gerichte.  Sie  habe  deshalb  im  Interesse  der  Rechtssicherheit  und  der  Prozessökonomie  entschieden,  die  Frage  der  Zulässigkeit  von  vorsorglichen  Massnahmen  gerichtlich  überprüfen  zu  lassen,  um  klare  Grundlagen  zu  erhalten,  damit  das  Verfahren  in  Zukunft  einfach,  rasch  und zweckmässig durchgeführt werden könne. I.  Auf  die  weiteren  Ausführungen  der  Beteiligten  wird  –  soweit  entscheidrelevant  –  im  Rahmen  der  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Die  ElCom 

A­3997/2011 gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  Ausnahme,  was  das  Sachgebiet  angeht,  ist  nicht  gegeben  (Art. 32  VGG).  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  für  die  Beurteilung  der  am  13.  Juli  2011  erhobenen Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 23 des Bundesgesetzes  über die Stromversorgung vom 23. März 2007 [Stromversorgungsgesetz,  StromVG, SR 734.7]). 2.  2.1  Die  vorliegend  zu  beurteilende  Beschwerde  richtet  sich  gegen  die  Anordnung  einer  vorsorglichen  Massnahme,  die  unbestrittenermassen  eine selbständig eröffnete Zwischenverfügung darstellt. Nach Art. 46 Abs.  1  VwVG  ist  die  Beschwerde  gegen  eine  solche  nur  zulässig,  wenn  sie  einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (Bst. a) oder  wenn  die  Gutheissung  der  Beschwerde  sofort  einen  Endentscheid  herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten  für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Bst. b). Andernfalls  können  Zwischenverfügungen  erst  mit  Beschwerde  gegen  die  Endverfügung angefochten werden (vgl. Art. 46 Abs. 2 VwVG).  Von einem nicht wieder gutzumachenden Nachteil  ist dann auszugehen,  wenn  die  beschwerdeführende  Person  dadurch  möglicherweise  einen  Nachteil erleiden würde, dass sie die Zwischenverfügung erst zusammen  mit  der  Beschwerde  gegen  die  Endverfügung  anfechten  könnte  (FELIX  UHLMANN/SIMONE  WÄLLE­BÄR,  in:  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  VwVG,  Zürich  2009,  N  4  zu  Art.  46;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­2160/2010 vom 3. Januar 2011 E. 2.2.3 mit  Hinweisen).  Mit  dem  Erfordernis  des  irreparablen  Nachteils  wird  mithin  die  Voraussetzung  eines  schutzwürdigen  Interesses  an  der  sofortigen  Aufhebung  oder  Abänderung  des  angefochtenen  Zwischenentscheids  umschrieben  (MARTIN  KAYSER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG),  Zürich und St. Gallen 2008, N 10 zu Art. 46). Dieser Nachteil muss nicht  rechtlicher  Natur  sein;  die  Beeinträchtigung  in  schutzwürdigen  tatsächlichen  Interessen  genügt.  Das  schutzwürdige  Interesse  kann  namentlich wirtschaftlich begründet sein, der Prozessökonomie oder der  Rechtssicherheit  entspringen.  Das  blosse  Interesse,  eine  Verlängerung  oder  Verteuerung  des  Verfahrens  abzuwenden,  genügt  hingegen  nicht  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­7975/2008  vom  22.  Juni  2009  E. 3 mit Hinweisen; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, N 2.45 ff.; 

A­3997/2011 KAYSER, a.a.O., N 11 zu Art. 46; UHLMANN/WÄLLE­BÄR, a.a.O., N 7 zu Art.  46).  Die  beschränkte  Anfechtbarkeit  von  Zwischenverfügungen  soll  verhindern, dass die Beschwerdeinstanz Zwischenentscheide überprüfen  muss, die durch einen günstigen Endentscheid für die betroffene Person  jeden Nachteil verlieren. Die Rechtsmittelinstanz soll sich in der Regel nur  einmal mit einer Streitsache befassen und sich überdies nicht bereits  in  einem  frühen  Verfahrensstadium  ohne  genügend  umfassende  Sachverhaltskenntnis teilweise materiell festlegen müssen (BGE 135 II 30  E. 1.3.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2160/2010  vom  3.  Januar 2011 E. 2.2.3 mit Hinweisen). 2.2  Die  Beschwerdeführerin  macht  in  Bezug  auf  ihre  Beschwerdelegitimation weder in der Beschwerde vom 13. Juli 2011 noch  in ihrer Stellungnahme vom 1. September 2011 geltend, sie erleide einen  nicht  wieder  gutzumachenden  wirtschaftlichen  Nachteil,  wenn  sie  die  Zwischenverfügung  erst  zusammen  mit  der  Beschwerde  gegen  die  Endverfügung anfechten  könne. Ein  solcher Nachteil,  der  sich  noch  vor  der definitiven Festlegung der Tarife für das Jahr 2012 auswirken könnte,  ist  denn  auch  nicht  ersichtlich.  Wie  die  Beschwerdeführerin  selber  zutreffend  ausführt,  könnte  die  Festsetzung  eines  höheren  als  des  vorsorglich  verfügten  Tarifs  mit  einer  vorübergehenden  Erhöhung  nach  Verfahrensabschluss  ausgeglichen werden,  womit  eine Rückabwicklung  gewährleistet  wäre.  Ein  nicht  wieder  gutzumachender  Nachteil  vorab  wirtschaftlicher  Natur  ist  somit  auch  insofern  zu  verneinen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­351/2008  vom  24. Januar  2008  E.  4.3;  BGE 125 II 613 E. 4b). In  der  Stellungnahme  vom  1.  September  2011  begründet  die  Beschwerdeführerin  ihr  schutzwürdiges  Interesse  mit  der  Prozessökonomie.  Sie  macht  insbesondere  geltend,  sie  wolle  die  Zulässigkeit  von  vorsorglichen  Massnahmen  gerichtlich  überprüfen  lassen, um klare Grundlagen zu erhalten, damit das Verfahren in Zukunft  einfach,  rasch  und  zweckmässig  durchgeführt  werden  könne.  Ihre  Ausführungen  im  Zusammenhang  mit  der  Prozessökonomie  laufen  letztlich  darauf  hinaus,  unnötige  Aufwendungen  und  damit  eine  Verlängerung bzw. Verteuerung des Verfahrens künftig zu vermeiden. Ein  solches  Interesse  genügt  aber,  wie  bereits  erwähnt  (vgl.  E.  2.1),  nicht.  Zudem  ist  zu beachten,  dass die Prozessökonomie  vor  allem  in Art.  46  Abs.  1  Bst.  b  VwVG  zu  berücksichtigen  ist,  wonach  eine  Beschwerde  gegen  eine  Zwischenverfügung  zulässig  ist,  wenn  die  Gutheissung  der 

A­3997/2011 Beschwerde  sofort  einen  Endentscheid  herbeiführen  und  damit  einen  bedeutenden  Aufwand  an  Zeit  oder  Kosten  für  ein  weitläufiges  Beweisverfahren  ersparen  würde  (UHLMANN/WÄLLE­BÄR,  a.a.O.,  N  7  zu  Art.  46  Fussnote  23).  Diese  Möglichkeit  besteht  vorliegend  jedoch  unbestrittenermassen nicht.  Nach  dem  Gesagten  ist  das  Vorliegen  eines  nicht  wieder  gutzumachenden Nachteils  im Sinn von Art.  46 Abs. 1 Bst.  a VwVG zu  verneinen.  Es  ist  weder  dargetan  noch  ersichtlich,  inwiefern  der  Beschwerdeführerin  dadurch,  dass  sie  ihre  Einwände  gegen  das  Vorgehen der Vorinstanz gegebenenfalls erst im Rahmen der Anfechtung  des  Endentscheids  vorbringen  kann,  ein  nicht  wieder  gutzumachender  Nachteil erleiden könnte. 2.3  Fehlt  es  somit  am  erforderlichen  nicht  wieder  gutzumachenden  Nachteil,  ist  auf  die  Beschwerde  nicht  einzutreten,  zumal  es  unbestrittenermassen auch an der Voraussetzung von Art. 46 Abs. 1 Bst.  b VwVG mangelt. 3.  3.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin als  unterliegende Partei  die Verfahrenskosten  von Fr.  2'000.­­  aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Diese  sind  mit  dem  von  ihr  geleisteten  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr.  5'000.­­  zu  verrechnen.  Der  Restbetrag  ist  ihr  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.  3.2  Weder  die  unterliegende  Beschwerdeführerin  noch  die  obsiegende  Vorinstanz haben Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1  VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE e contrario).

A­3997/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  2'000.­­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 5'000.­­  verrechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr.  3'000.­­  wird  der  Beschwerdeführerin  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  dieses  Urteils  zurückerstattet.  Hierzu  hat  sie  dem  Bundesverwaltungsgericht  einen  Einzahlungsschein  zuzustellen  oder  ihre  Kontonummer  bekannt  zu  geben. 3.  Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. 952­11­018; Gerichtsurkunde) Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Kathrin Dietrich Toni Steinmann Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu 

A­3997/2011 enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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