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Bundesverwaltungsgericht 02.12.2011 A-3913/2010

2 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,331 parole·~12 min·1

Riassunto

Personen- und Warentransport | Widerruf der Zulassungsbewilligung für Strassengütertransporte

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­3913/2010 Urteil   v om   2 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Markus Metz (Vorsitz), Richter Lorenz Kneubühler, Richterin Kathrin Dietrich,    Gerichtsschreiberin Beatrix Schibli. Parteien A._______,  vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eugen Fritschi, Talacker 42, 8001 Zürich, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Verkehr BAV, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Widerruf der Zulassungsbewilligung für  Strassengütertransporte.

A­3913/2010 Sachverhalt: A.  Am 16. Juli 2009 stellte die A._______, …, beim Bundesamt für Verkehr  (BAV) einen Antrag um Erteilung einer definitiven Zulassungsbewilligung  für grenzüberschreitende Strassengütertransporte zwischen der Schweiz  und der Europäischen Gemeinschaft. Als verantwortliche Person, die der  Unternehmensleitung  angehört  oder  eine  leitende  Funktion  für  die  Erbringung  der  Transportdienstleistung  ausübt,  wurde  dem  BAV  der  Geschäftsführer B._______ gemeldet.   B.  Nach Überprüfung des Antrags erteilte das BAV am 4. August 2009 der  A._______ die Zulassungsbewilligung Nr. …, gültig  vom 4. August  2009  bis 3. August 2014. C.  Nachdem das BAV  am 30. November 2009  vom Bezirksamt X._______  eine  Kopie  der  Strafverfügung  …  vom  5. November 2009  gegen  B._______  erhalten  und  der  A._______  diesbezüglich  mehrmals  und  auch  zum  erwogenen  Widerruf  der  Zulassungsbewilligung  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  gegeben  hatte,  widerrief  das  BAV  schliesslich  mit  Verfügung  vom  28. April  2010  die  erteilte  Zulassungsbewilligung  mit  sofortiger Wirkung,  forderte  die A._______  auf,  die  sich  in  ihrem Besitz  befindlichen  Zulassungsbewilligungen  zurück  zu  senden  und  auferlegte  ihr eine Gebühr von Fr. 500.–.  Die  Widerrufsverfügung  begründete  das  BAV  hauptsächlich  damit,  B._______ als für die A._______ verantwortliche Person habe dem BAV  nicht  glaubhaft  dargelegt,  dass  er  bzw.  die  A._______  die  Zulassungsvoraussetzung der Zuverlässigkeit erfülle. D.  Gegen die Widerrufsverfügung vom 28. April 2010 erhebt die A._______  (Beschwerdeführerin)  am  31. Mai  2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht und beantragt deren Aufhebung.  Sie  bringt  vor,  B._______  als  verantwortliche  Person  erfülle  die  Zulassungsvoraussetzung  der  Zuverlässigkeit  weiterhin,  da  er  weder  wiederholt  noch  schwerwiegend  gegen  einschlägige  Vorschriften  verstossen habe.

A­3913/2010 E.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  12. August  2010  beantragte  das  BAV  (Vorinstanz),  das  Beschwerdeverfahren  sei  bis  zu  seiner  Entscheidung  über die Wiedererwägung der Verfügung zu sistieren, mindestens jedoch  bis  Ende  Oktober  2010.  Eventualiter  sei  das  Beschwerdeverfahren  fortzusetzen und die Beschwerde abzuweisen.  Als  Begründung  führte  es  aus,  dass  es  aufgrund  der  erhaltenen  Strafverfügung  …  vom  5. November 2009  ernsthafte  Zweifel  an  der  Zuverlässigkeit  der  Beschwerdeführerin  haben  dürfe.  Abschliessend  könne es dies  jedoch ohne aktuellen Strafregister­ und ADMAS­Auszug  von  B._______  nicht  beurteilen.  Zudem  sei  in  der  Beschwerde  festgehalten,  dass  die  Beschwerdeführerin  über  15 Fahrzeuge  verfüge,  was  wiederum  im  Widerspruch  zur  Zulassungsbewilligung  vom  4. August 2009  stehe,  die  nur  auf  der  Grundlage  eines  finanziellen  Nachweises  für  fünf  Fahrzeuge  erteilt  worden  sei.  Würde  die  Beschwerdeführerin mit 15 Lastwagen  fahren, müsste der Nachweis der  finanziellen Leistungsfähigkeit für die 15 Lastwagen erbracht werden. F.  Das  Bundesverwaltungsgericht  wies  mit  Zwischenverfügung  vom  13. August 2010 das Sistierungsgesuch der Vorinstanz ab und setzte ihr  Frist  an, um die angefochtene Verfügung  in Wiedererwägung zu ziehen  und  den  Entscheid  bis  zum  30. November 2010  dem  Bundesverwaltungsgericht mitzuteilen. G.  Nach  Erhalt  und  Prüfung  des  aktuellen  Strafregister­  und  ADMAS­ Auszugs  von  B._______  verzichtet  die  Vorinstanz  auf  die  Wiedererwägung  der  angefochtenen  Verfügung  und  beantragt  mit  Stellungnahme vom 29. November 2010 die Abweisung der Beschwerde.  Als Begründung bringt sie vor, B._______ als verantwortliche Person der  Beschwerdeführerin  erfülle  die  Voraussetzungen  der  Zuverlässigkeit  nicht. Zudem fehle es am finanziellen Nachweis für 15 Fahrzeuge. H.  Mit Stellungnahme vom 21. Januar 2011 hält die Beschwerdeführerin an  ihren  früheren  Ausführungen  fest  und  verlangt,  ihr  sei  wenigstens  eine  genügend lange Übergangsfrist zu gewähren, um die Unternehmung neu  zu  organisieren,  falls  das  Bundesverwaltungsgericht  B._______  wider  Erwarten  nicht  als  zuverlässig  betrachte.  Zudem  könne  man  der 

A­3913/2010 eingereichten  Bilanz  entnehmen,  dass  sie  über  das   erforderliche  Eigenkapital für 15 Fahrzeuge verfüge. I.  Die  Vorinstanz  beantragt  in  ihrer  Stellungnahme  vom  20. April 2011,  in  Abänderung  der  angefochtenen  Widerrufsverfügung  der   Beschwerdeführerin  eine  Zulassungsbewilligung  bis  am  3. Dezember 2012  zu  gewähren.  Im  Übrigen  sei  die  Beschwerde  unter  Kostenfolgen abzuweisen. Zur  Frist  bis  am  3. Dezember 2012  hält  sie  fest,  obwohl  B._______  als  unzuverlässig zu betrachten sei, erweise sich nach Prüfung der von der  Beschwerdeführerin eingereichten Unterlagen eine Übergangslösung als  verhältnismässig.  An  den  Kostenfolgen  zu  Lasten  der  Beschwerdeführerin  sei  aber  festzuhalten,  da  diese  durch  die  fehlende  Kooperation  und  Verletzung  der  Mitwirkungspflicht  während  des  Widerrufsverfahrens die angefochtene Verfügung verursacht habe. J.  In  ihrer Stellungnahme vom 3. Juni 2011 stimmt die Beschwerdeführerin  dem  Antrag  der  Vorinstanz  zu,  die  Zulassungsbewilligung  als  Strassentransportunternehmen  für  die  Übergangsfrist  bis  zum  3. Dezember 2012  aufrecht  zu  erhalten,  bzw.  wieder  zu  erteilen.  Zusätzlich  beantragt  sie,  B._______  solle,  falls  bis  zum  Tag  der  Neubeantragung  der  wiedererteilten  Zulassungsbewilligung  als  Strassentransportunternehmen  am  3. Dezember 2012  keine  neuen  Verstösse  gegen  die  einschlägigen  Vorschriften  durch  diesen  vorlägen,  als zuverlässige Person aufgrund Bewährung angesehen werden und der  Beschwerdeführerin  sei  folglich  bei  Vorliegen  aller  weiteren  Voraussetzungen  die  Zulassungsbewilligung  als  Strassentransportunternehmen  zu  erteilen.  Zudem  lehne  sie  die  Kostenfolgen zu ihren Lasten ab, da sie die nicht optimale Kooperation im  Widerrufsverfahren  nicht  zu  verantworten  habe  und  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren aufgrund des Entscheids der Vorinstanz notwendig  geworden sei. K.  Auf  weitere  Vorbringen  der  Parteien  und  die  sich  bei  den  Akten  befindlichen  Schriftstücke  wird,  soweit  entscheidrelevant,  in  den  nachstehenden Erwägungen eingegangen.

A­3913/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BAV  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  Ausnahme,  was  das  Sachgebiet  angeht,  ist  nicht  gegeben  (Art. 32  VGG).  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  für  die  Beurteilung  der  am  31. Mai  2010  erhobenen Beschwerde zuständig. 1.2. Zur Beschwerde ist berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren  teilgenommen oder keine Möglichkeit  zur Teilnahme erhalten hat, durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung  hat  (Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Die  Beschwerdeführerin  ist  formelle  Adressatin  der angefochtenen Verfügung und durch diese auch materiell beschwert.  Sie ist deshalb zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde legitimiert. 1.3. Auf  die  im Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde  (Art. 50 und 52 VwVG) ist demnach einzutreten.  2.  Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf  Verletzungen  von  Bundesrecht  –  einschliesslich  der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens  –  sowie  auf  Angemessenheit  hin  (Art. 49  VwVG).  Die Rechtsanwendung  erfolgt  von  Amtes  wegen,  ohne  Bindung  an  die  Parteibegehren  (Art. 62 Abs. 4 VwVG). 3.  Verwaltungsbehörden  können  Verfügungen,  selbst  wenn  sie  in  formelle  Rechtskraft erwachsen sind, unter bestimmten Voraussetzungen ändern.  Das  anwendbare  Sach­  oder  Verfahrensgesetz  kann  die 

A­3913/2010 Voraussetzungen  des  Widerrufs  ausdrücklich  regeln  (vgl.  BGE 137 I  69 E. 2.3,  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3757/2010  vom  10. Mai 2011  E. 6;  vgl.  dazu  PIERRE  TSCHANNEN  /  ULRICH  ZIMMERLI  /  MARKUS  MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  3. Aufl.,  Bern 2009,  § 31, Rz. 21 und 35; ULRICH HÄFELIN  / GEORG MÜLLER  / FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl.,  Zürich/St. Gallen 2010,  Rz. 994  und 997 ff.).  3.1.  Im  vorliegenden  Fall  sind  die  Voraussetzungen  des  Widerrufs  im  Bundesgesetz  vom  20. März 2009  über  die  Zulassung  als  Strassentransportunternehmen  (STUG,  SR 744.10)  geregelt.  Gemäss  Art. 8  STUG  widerruft  das  BAV  die  Zulassungsbewilligung  entschädigungslos,  wenn  eine  Zulassungsvoraussetzung  nicht  mehr  erfüllt  ist  oder  wenn  das  Unternehmen  wiederholt  oder  schwerwiegend  gegen  die  Bestimmungen  über  den  Strassenverkehr  verstossen  hat  (Art. 8 Abs. 2 STUG). Die Zulassungsbewilligung ist also sowohl im Falle  von  schwerwiegenden  Verstössen  als  auch  im  Falle  von  wiederholten  Verstössen  unabhängig  von  ihrer  Schwere  zu  widerrufen  (vgl.  auch  Zusatzbotschaft zur Bahnreform 2 vom 9. März 2007, BBl 2007 2681  ff.,  2730). 3.2. Betreffend die Zulassungsvoraussetzungen legt das STUG fest, dass  wer  eine  Bewilligung  erlangen  will  zuverlässig,  finanziell  leistungsfähig  und  fachlich geeignet  sein muss  (Art. 4 Abs. 1 Bst. a­c STUG). Wird der  Antrag  nicht  von  einer  natürlichen  Person  gestellt,  so  müssen  die  Voraussetzungen  der  Zuverlässigkeit  und  der  fachlichen  Eignung  von  einer Person erfüllt werden, die der Unternehmensleitung angehört oder  eine  leitende  Funktion  für  die  Erbringung  der  Transportdienstleistung  ausübt (Art. 4 Abs. 2 STUG). 3.3.  Die  Zuverlässigkeit  einer  Person  wiederum  definiert  Art. 5 STUG  folgendermassen:  1  Eine  Person  gilt  als  zuverlässig,  wenn  sie  in  den  letzten  zehn  Jahren: a.  nicht wegen eines Verbrechens verurteilt worden ist; b.  keine  schweren  und  wiederholten  Widerhandlungen  begangen hat gegen die Vorschriften:

A­3913/2010 1. über die für den Berufszweig geltenden Entlöhnungs­  und Arbeitsbedingungen, insbesondere die Lenk­ und  Ruhezeiten der Fahrer und Fahrerinnen, 2. über die Sicherheit im Strassenverkehr, 3. über  Bau  und  Ausrüstung  der  Strassenfahrzeuge,  insbesondere über die Masse und Gewichte. 2  Es  dürfen  zudem  keine  anderen  Gründe  vorliegen,  die  ernsthafte  Zweifel an der Zuverlässigkeit der betreffenden Person wecken.  Art. 5  STUG  listet  somit  in  Absatz 1  einige  eindeutige  Kriterien  zur  Bestimmung der Zuverlässigkeit auf. Für die "schweren und wiederholten  Widerhandlungen"  in  Art. 5 Abs. 1 Bst. b  STUG  muss  aufgrund  des  Wortlauts  und  in  Übereinstimmung mit  Art. 8 Abs. 2 STUG  gelten,  dass  die  verantwortliche  Person  weder  schwerwiegend  noch  wiederholt  Widerhandlungen gegen die aufgezählten Vorschriften begangen haben  darf, um als zuverlässig zu gelten. Die in Art. 5 Abs. 1 Bst. b Ziff. 1 STUG  genannten  Vorschriften  über  die  für  den  betreffenden  Berufszweig  geltenden  Entlöhnungs­  und  Arbeitsbedingungen  sind  für  den  vorliegenden Fall  in der Verordnung vom 19. Juni 1995 über die Arbeits­  und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer und –führerinnen  (Chauffeurverordnung,  ARV 1,  SR 822.221)  enthalten.  Von  einer  schweren  Widerhandlung  gegen  die  Vorschriften  der  ARV  1  ist  auszugehen,  wenn  diesen  Vorschriften  zugrunde  liegende  öffentliche  Interessen, also in erster Linie die Sicherheit im Strassenverkehr und der  Arbeitnehmerschutz  in  diesem  Berufszweig  durch  die  Widerhandlung  ernsthaft  gefährdet werden.  Angesichts  dessen,  dass  es  sich  dabei  um  sehr  gewichtige  öffentliche  Interessen  handelt,  ist  eine  schwere  Widerhandlung nicht leichthin zu verneinen.  Weiter muss die Zuverlässigkeit gemäss Absatz 2 von Art. 5 STUG aber  auch  verneint  werden,  wenn  andere  vom Gesetz  nicht  näher  definierte  Gründe ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit der betreffenden Person  aufkommen  lassen. Der Gesetzgeber hat  somit die Tatbestände, die  zu  Unzuverlässigkeit führen können weit gefasst. Es sind also auch Gründe  denkbar, die sich nicht nur auf die Einhaltung der beruflichen Vorschriften  im Strassenverkehr wie der ARV 1 beziehen, sondern unter Umständen  beispielsweise  auch  Strassenverkehrsvorschriften,  die  jeder  Verkehrsteilnehmer (als Privatperson) einzuhalten hat. 

A­3913/2010 4.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  aufgrund  der  Strafverfügung  des  Bezirksamts X._______ vom 5. November 2009, dem Strafbescheid des  BAV  vom 1. Oktober 2010,  dem Strafregisterauszug oder  dem ADMAS­ Auszug  vom  19. Mai 2010  ein  in  Art. 5 STUG  genannter  Grund  zu  bejahen ist, welcher die Zuverlässigkeit von B._______ ausschliesst. 4.1.   4.1.1.  Zur  Strafverfügung  des  Bezirksamts  X._______  vom  5. November 2009  führt  die  Beschwerdeführerin  aus,  was  das  Nichteinlegen einer Lenkpause und das Nichteinlegen einer Arbeitspause  betreffe,  sei  B._______  selber  gefahren  und  er  habe  die  Lenkzeit  nur  minim überschritten, weswegen keine schwere Verletzung vorliege. Eine  wiederholte  Verletzung  könne  ebenfalls  nicht  bejaht  werden,  weil  die  Strafverfügung  des  Bezirksamts  X._______  die  einzige  sei,  die  B._______ als Lastwagenfahrer erhalten habe. 4.1.2.  Vorliegend  hat  B._______  gemäss  der  Strafverfügung  des  Bezirksamts  X._______  vom  5. November 2009  im  Zeitraum  von  Januar 2009  bis  März 2009  als  Arbeitnehmer  und  weisungsbevollmächtigter Vorgesetzter folgendermassen gegen die ARV  1  (in  der  zum  Zeitpunkt  der Widerhandlungen  geltenden  Fassung  vom  28. März 2007, in Kraft getreten am 1. Juli 2007 bzw. 1. Januar 2008, vgl.  AS 2007 2191) verstossen: – Nichteinlegen  einer  Lenkpause  von  zusammen  mindestens  45 Minuten  innerhalb oder nach einer Lenkzeit von 4.5 Stunden (vgl.  Art. 8  Abs.  1  und  2  ARV 1)  am:  20. März 2009,  Lenkzeit  4  Std.  58  Min., Pause 17 Min.  – Nichteinlegen einer Arbeitspause von mindestens einer Stunde nach  einer ununterbrochenen Arbeitszeit von 5.5 Stunden (vgl. Art. 8 Abs. 4  ARV 1)  am:  11. März 2009,  Arbeitszeit  6 Std. 28  Min.;  am  27. März 2009, Arbeitszeit 6 Std. 07 Min.  – Unvollständiges  Führen  der  Aufstellung  über  Arbeits­,  Lenk­  und  Ruhezeiten  für  zwei  Fahrzeugführer  (vgl.  Art. 16  Abs.  1  ARV 1):  D._______ (von 24 Fahrtagen  fehlen 16 Fahrtage), E._______ (vom  10. März 2009 bis 27. März 2009 fehlen 14 Fahrtage) 

A­3913/2010 – Nicht  dafür  sorgen,  dass  der  Fahrzeugführer  D._______  die  Bestimmungen  über  die  Arbeits­,  Lenk­  und Ruhezeiten  einhält  und  die Kontrollmittel vorschriftsgemäss führt (vgl. Art. 17 Abs. 2 ARV 1) – Nicht­  bzw.  unvollständiges  Einsenden  der  Kontrollmittel  auf  Verlangen der Vollzugsbehörde (vgl. Art. 18 Abs. 1, Abs. 3 und Abs. 5  ARV 1):  es  fehlen  Aufzeichnungen  von  Einlageblättern  und  Digitalfahrtschreiberdaten von ca. 44'400 km.  Da  die  ARV 1­Vorschriften  neben  dem  Schutz  der  Arbeitnehmer  auch  dem öffentlichen  Interesse der Sicherheit  im Strassenverkehr dienen,  ist  zumindest bezüglich der Begehung des Tatbestands des Überschreitens  der  Lenkzeit  unbeachtlich,  ob  B._______  selber  gefahren  ist  (vgl.  auch  Begriffsdefinition in Art. 8 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 Bst. a ARV 1). Aufgrund der  Strafverfügung  steht  fest,  dass  B._______  mehrfach  gegen  die  ARV 1  und  damit  gegen  die  in  Art. 5 Abs. 1 Bst. b  Ziff. 1 STUG  genannten  Vorschriften  verstossen hat. Da sich die Verstösse über einen Zeitraum  von  zwei  Monaten  erstreckten  und  an  verschiedenen  Tagen  begangen  wurden, ist streng genommen von wiederholten Widerhandlungen gegen  die  ARV 1­Vorschriften  auszugehen,  auch wenn  die  Verstösse  offenbar  anlässlich einer Polizeikontrolle von Januar 2009 bis März 2009 entdeckt  und in einer einzigen Strafverfügung geahndet wurden.  Auf  jeden  Fall  hat  B._______  schwerwiegend  Vorschriften  der  ARV  1  verletzt, indem er die Aufstellung über Arbeits­, Lenk­ und Ruhezeiten für  zwei Fahrzeugführer an zahlreichen Tagen unvollständig geführt hat, um  die  Einhaltung  der  Bestimmungen  über  die  Arbeits­,  Lenk­  und  Ruhezeiten  nicht  besorgt  war  und  die  Kontrollmittel  auf  Verlangen  der  Vollzugsbehörde klar unvollständig einsandte, da Aufzeichnungen für ca.  44'400 Kilometer und somit in sehr grossem Umfang fehlen. Damit hat er  die  Einhaltung  wie  auch  jegliche  Kontrolle  über  Lenk­  und  Ruhezeiten  verunmöglicht,  was  sowohl  die  Sicherheit  im  Strassenverkehr  wie  auch  die Sicherheit der Arbeitnehmer in höchstem Grade gefährdet. 4.2.  Weiter  ergibt  sich  aus  dem  Strafbescheid  des  BAV  vom  1. Oktober 2010,  dass  die  am  4. August 2008  gegründete  A._______  anlässlich der Polizeikontrolle vom 26. Januar 2009 bis 29. März 2009 mit  einer  fremden  Zulassungsbewilligung  (nämlich  mit  einer  fremden  Bewilligung lautend auf die lange vor der A._______ existierende und im  Jahre  2005  gelöschte  C._______)  gewerbsmässige  Gütertransporte  ausübte.  Diese  Bewilligung  lautete  zudem  nur  auf  4  anstatt 

A­3913/2010 14 Lastwagen,  obwohl  die  A._______  zu  diesem  Zeitpunkt  mindestens  über 14 Lastwagen verfügte.  Dies  spricht  ebenfalls  in  erheblichem  Masse  gegen  die  Zuverlässigkeit  des  in  leitender Position bei der Beschwerdeführerin  tätigen B._______.  Obwohl  dieser  nämlich  einen  Fachausweis  besitzt  und  somit  die  Vorschriften  betreffend  die  Zulassungsbewilligung  (damals  noch  im  Bundesgesetz vom 18. Juni 1993 über die Personenbeförderung und die  Zulassung als Strassentransportunternehmung [aPBG, AS 1993 3128 ff.]  enthalten)  kennen  muss,  war  er  nicht  um  eine  rechtmässige  Zulassungsbewilligung für die Beschwerdeführerin besorgt. 4.3.  4.3.1. Zum ADMAS­Auszug von B._______ führt die Beschwerdeführerin  aus,  die  Fahrausweisentzüge  seien  jeweils  beim  Fahren  des  privaten  Personenwagens und nicht während der Arbeitszeit erfolgt. 4.3.2.  Die  Vorinstanz  weist  im  Zusammenhang  mit  der  Prüfung  des  ADMAS­Auszugs  darauf  hin,  dass  es  sich  beim  Entzug  des  Fahrausweises  wegen  Fahrens  trotz  Fahrausweisentzug  um  eine  schwere Widerhandlung handle. 4.3.3. Während  B._______  im  Strafregisterauszug  nicht  verzeichnet  ist,  wurde  er  gemäss  dem  ADMAS­Auszug  vom  19. Mai 2010  wegen  des  Grunds  "Nichtbetriebssicheres Fahrzeug"  im Jahr 2002 verwarnt. Weiter  wurde  ihm  im  Jahr 2004  wegen  Unaufmerksamkeit  und  anderen  Fahrfehlern  der  Führerausweis  entzogen.  Ein  weiterer  Fahrausweisentzug  erfolgte  von  November 2006  bis  April 2007,  weil  er  trotz  Fahrausweisentzug  fuhr  (vgl.  ADMAS­Auszug  vom  19. Mai 2010  und ASTRA Referenzkarte ADMAS). Wie  oben  dargelegt  (vgl.  oben  E. 3.3)  kann  auch  eine  Widerhandlung  gegen  Strassenverkehrsvorschriften,  die  jemand  als  privater  Verkehrsteilnehmer  begangen  hat,  gegen  die  vom  STUG  geforderte  Zuverlässigkeit  sprechen.  Vorliegend  lässt  insbesondere  der  zweite  Fahrausweisentzug  wegen  Führen  eines  Motorfahrzeugs  trotz  Entzugs/Verbot  im  Jahr  2006/2007  ernsthafte  Zweifel  an  der  Zuverlässigkeit  von  B._______  aufkommen.  Wer  nämlich  als  Privatperson  wissentlich  trotz  Fahrausweisentzug  ein  Motorfahrzeug 

A­3913/2010 führt, hält sich offensichtlich nicht an die grundlegendsten Vorschriften im  Strassenverkehr  (vgl.  auch  Art.  16c  Abs.1  Bst.  f  des  Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 [SVG, SR 741.01]). 4.4.  Zusammenfassend  ist  daher  festzuhalten,  dass  B._______  im  Zeitraum von Januar 2009 bis März 2009 schwerwiegend und mehrfach  gegen die ARV 1 und somit gegen die in Art. 5 Abs. 1 Bst. b Ziff. 1 STUG  genannten Vorschriften verstossen hat, womit bereits die Zuverlässigkeit  ausschliessende Gründe gegeben sind. Zudem sprechen weitere Gründe  gegen  seine  Zuverlässigkeit,  nämlich  das  Fehlen  der  erforderlichen  Zulassungsbewilligung  der  Beschwerdeführerin  und  sein  sonstiges  Verhalten als Strassenverkehrsteilnehmer.  5.  5.1.  Zur  Dauer  des  Ausschlusses  wegen  Unzuverlässigkeit  macht  die  Beschwerdeführerin geltend, selbst wenn B._______ wider Erwarten als  unzuverlässig  betrachtet  würde,  so  käme  auf  ihn  die  zehnjährige  Ausschlussfrist  nicht  zur Anwendung. Die Frist  von Art. 5 Abs.  1 STUG  sei  nämlich  nur  dann  anzuwenden,  wenn  erstmals  die  Zuverlässigkeit  einer  Person  zu  prüfen  sei.  Der  Fall  liege  jedoch  anders,  wenn  wie  vorliegend  eine  Person  seit  Jahren  die  Voraussetzungen  der  Zuverlässigkeit erfülle.  5.2.  Entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  wird  nach  dem  klaren  Wortlaut  des  Gesetzes  die  Zuverlässigkeit  der  verantwortlichen  Person  bei  Widerhandlungen  gegen  die  in  Art. 5 Abs. 1 Bst. b  STUG  genannten Vorschriften  in  jedem Fall  für  zehn  Jahre  seit Begehung der  Widerhandlung ausgeschlossen. Zu dieser Regelung wurde damals beim  Erlass des dem STUG vorhergehenden und bezüglich der Zuverlässigkeit  gleichlautenden  aPBG  festgehalten,  dass  Jugendsünden  nicht  ewig  nachwirken sollten, weswegen man die Ausschlussfrist bewusst auf zehn  Jahre  festlegte  (vgl.  Botschaft  über  das  Folgeprogramm  nach  der  Ablehnung des EWR­Abkommens vom 24. Februar 1993, BBl 1993 I 805  ff,  859).  Abgesehen  von  der  Tatsache,  dass  B._______  nicht  als  seit  Jahren zuverlässig gelten kann (vgl. oben E. 4), ist zur Argumentation der  Beschwerdeführerin  festzuhalten, dass es keinen Grund gibt, weswegen  erfahrene  Personen  besser  gestellt  werden  sollten  als  "Anfänger".  Im  Gegenteil  sollten  sich  erfahrene  Personen  umso  mehr  ihrer 

A­3913/2010 Verantwortung bewusst sein, worauf auch die Botschaft mit dem Begriff  "Jugendsünden" anspielt.  5.3.  Die  zeitlich  jüngsten  Ereignisse,  welche  die  Zuverlässigkeit  von  B._______ ausschliessen, erfolgten von Januar 2009 bis März 2009 (vgl.  dazu oben E. 4.1.2 und 4.2). B._______ kommt gemäss der gesetzlichen  Regelung  in  Art. 5  Abs. 1 STUG  somit  während  der  ganzen  Gültigkeitsdauer  der  widerrufenen  Zulassungsbewilligung  (bis  3. August 2014) nicht als zuverlässige Person in Frage. 6.  6.1.  Zudem  rügt  die  Beschwerdeführerin  im  Zusammenhang  mit  der  zehnjährigen  Ausschlussfrist,  der  Führerausweisentzug  vom  Jahr  2006/2007  habe  den  Behörden  schon  seit  5 Jahren  bekannt  sein  müssen,  weshalb  die  nun  so  lange  zurückliegende  Berücksichtigung  dieses Ausweisentzugs offensichtlich willkürlich erscheine.  6.2. Ein Verstoss gegen das Willkürverbot  (Art. 9 der Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 1999 [BV,  SR 101]),  in  der  Form  einer  willkürlichen  Rechtsanwendung  liegt  dann  vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der  tatsächlichen  Situation  in  klarem  Widerspruch  steht,  eine  Norm  oder  einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz  krass  verletzt  oder  in  stossender  Weise  dem  Gerechtigkeitsgedanken  zuwiderläuft  (BGE  136  I  316  E. 2.2.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­6154/2010  vom  21. Oktober 2011 E. 5.3; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 524 ff.). 6.3.  Wie  oben  dargelegt  (vgl.  E. 5.2),  ergibt  sich  aufgrund  von  Art. 5  Abs. 1 STUG, dass bei Widerhandlungen gegen die in Art. 5 Abs. 1 Bst. b  STUG  genannten  Vorschriften  die  Zuverlässigkeit  für  die  Dauer  von  10 Jahren  seit  deren Begehung  ausgeschlossen  ist.  Das Gesetz macht  den  Ausschluss  bzw.  die  Dauer  des  Ausschlusses  der  Zuverlässigkeit  aber  nicht  davon abhängig, wann diese Ausschlussgründe der Behörde  bekannt  werden.  Zudem  ist  vorliegend  die  Zuverlässigkeit  ohnehin  in  erster  Linie  aufgrund  der  von  Januar 2009  bis  März 2009  begangenen  Verstösse gegen die ARV 1 zu verneinen, die der Vorinstanz zur Zeit der  Bewilligungserteilung  noch  gar  nicht  bekannt  sein  konnten,  da  die  Strafverfügung  des  Bezirksamts  X._______  erst  im  November 2009  erging.  Die  Vorinstanz  hat  folglich  nicht  gegen  das  Willkürverbot  verstossen,  als  sie  B._______'s  Zuverlässigkeit  in  Anwendung  von 

A­3913/2010 Art. 5 STUG im Anschluss an die Kenntnisnahme der Strafverfügung des  Bezirksamts  X._______  vom  5. November 2009  in  ihrer  Widerrufsverfügung vom 28. April 2010 verneinte.  7.  Aufgrund  der  obigen  Erwägungen  ist  daher  festzuhalten,  dass  die  der  Vorinstanz  von  der  Beschwerdeführerin  gemeldete  verantwortliche  Person die Zulassungsvoraussetzung der Zuverlässigkeit weder zur Zeit  der Erteilung der Zulassungsbewilligung am 4. August 2009 noch zur Zeit  der Widerrufsverfügung vom 28. April 2010 erfüllt hat und diese aufgrund  der  zehnjährigen  Ausschlussfrist  auch  bis  zum Ablauf  der widerrufenen  Zulassungsbewilligung am 3. August 2014 nicht wird erfüllen können. Die  Vorinstanz  hat  daher  die  Zulassungsvoraussetzung  der  Zuverlässigkeit  zu Recht verneint und die Zulassungsbewilligung der Beschwerdeführerin  widerrufen.  Der  Antrag  der  Beschwerdeführerin,  B._______  solle  als  zuverlässige  Person angesehen werden, sofern er bis zum Tag der Neubeantragung  am  3. Dezember 2012  keine  neuen  Verstösse  gegen  das  Strassenverkehrs­ oder Strafgesetz begehe und der Beschwerdeführerin  sei  folglich  bei  Vorliegen  aller  weiteren  Voraussetzungen  die  Zulassungsbewilligung als Strassentransportunternehmen zu erteilen,  ist  daher abzuweisen. 8.  8.1.  Die  Vorinstanz  beantragt  in  ihrer  Eingabe  vom  20. April 2011  in  Abänderung  der  angefochtenen  Widerrufsverfügung,  der  Beschwerdeführerin  eine  Zulassungsbewilligung  bis  auf  den  3. Dezember 2012 zu gewähren. Als Begründung führt sie aus, seit dem  Strafbescheid vom 1. Oktober 2010 seien  ihr weder neue Verstösse von  Seiten  der  Beschwerdeführerin  noch  von  B._______  bekannt.  Zudem  habe  sich  im  Verlauf  des  Beschwerdeverfahrens  ergeben,  dass  der  finanzielle  Nachweis  im  Sinne  von  Art. 4 Abs. 1  Bst. b STUG  weiterhin  (auch für 15 Fahrzeuge) erfüllt sei. Aus diesem Grunde erachte sie es als  verhältnismässig,  der  Beschwerdeführerin  eine  Übergangsfrist  von  höchstens  18 Monaten  einzuräumen.  Dies  ermögliche  es  der  Beschwerdeführerin,  anstelle  des  die  Voraussetzungen  der  Zuverlässigkeit nicht erfüllenden B._______ sogar eine Person im Betrieb  anzustellen,  die  den  Fachausweis  zuerst  noch  erwerben  müsse.  Eine  Dauer von 18 Monaten erscheine auch verhältnismässig im Vergleich mit 

A­3913/2010 Art. 9 STUG, wonach im Falle des Todes oder der Handlungsunfähigkeit  der  verantwortlichen  Person  das  Strassentransportunternehmen  für  die  Dauer eines Jahres weitergeführt werden dürfe.  8.2.  Die  Beschwerdeführerin  beantragt  mit  Eingabe  vom  3. Juni 2011  ebenfalls,  ihr  für  eine  Übergangsfrist  bis  zum  3. Dezember 2012  die  Zulassungsbewilligung zu erhalten bzw. wieder zu erteilen.  8.3.  8.3.1. Was die  im Gesetz  geregelten Modalitäten  des Widerrufs  betrifft,  so  hält  Art. 8 Abs. 2 STUG  fest,  dass  die  Zulassungsbewilligung  entschädigungslos  widerrufen  wird  und  eine  Übergangsfrist  sieht  Art. 8 STUG  nicht  vor.  Dies  im  Gegensatz  zu  Art. 9 STUG,  wonach  im  Falle  des Todes oder  der Handlungsunfähigkeit  der  natürlichen Person,  welche  die  Voraussetzungen  der  Zuverlässigkeit  und  der  fachlichen  Eignung  erfüllt,  das  Strassentransportunternehmen  für  die  Dauer  eines  Jahres oder in begründeten Fällen sogar 1,5 Jahre weitergeführt werden  darf  (vgl.  Art. 9 Abs. 1 STUG).  Die  in  Art. 8  STUG  und  Art. 9 STUG  geregelten Fälle  unterscheiden  sich  denn auch wesentlich  voneinander.  Während  dem  Widerruf  der  Zulassungsbewilligung  in  Art. 8 STUG  ein  vom Bewilligungsinhaber verschuldetes Ereignis wie der Verstoss gegen  Vorschriften  zugrunde  liegt,  sind  Tod  und  Handlungsunfähigkeit  unverschuldete  Ereignisse.  Es  kann  also  nicht  einfach  eine  Übergangsfrist  für den Widerruf  in Art. 8 STUG mit dem Hinweis auf die  Übergangsfrist in Art. 9 STUG begründet werden. Weiter ist zu bemerken,  dass  selbst  im  Falle  von  Tod  oder  Handlungsunfähigkeit  das  Gesetz  verlangt,  dass die  ständige und  tatsächliche Leitung des Unternehmens  von  einer  Person  übernommen  werden  muss,  die  neben  einer  bereits  mindestens  18­monatigen  Tätigkeit  in  der  Geschäftsleitung  im  Betrieb  zuverlässig  sein  muss  (Art. 9 Abs. 2 STUG).  Wenn  also  keine  zuverlässige leitende Person vorhanden ist, darf selbst in diesem Fall von  Gesetzes  wegen  keine  Übergangsfrist  zugestanden  werden,  was  umso  mehr  für  den  Fall  eines  Widerrufs  der  Zulassungsbewilligung  wegen  Unzuverlässigkeit gelten muss. Die Gewährung einer Übergangsfrist trotz  Unzuverlässigkeit  der  verantwortlichen  Person  wäre  daher  gesetzeswidrig. 8.3.2.  Diese  gesetzliche  Regelung  betreffend  fristlosen  Widerruf  der  Zulassungsbewilligung  im  Falle  fehlender  Zuverlässigkeit  der  verantwortlichen  Person  hält  im  Übrigen  auch  vor  dem 

A­3913/2010 verfassungsrechtlichen Grundsatz  der Verhältnismässigkeit  stand  (Art. 5  Abs. 2 BV, Art. 190 BV; vgl. zum Verhältnismässigkeitsprinzip BGE 136 I  87  E. 3.2;  HÄFELIN/  MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz. 581  ff.;  zum  blossen  Anwendungsgebot  von  Bundesgesetzen  BGE 136 I 49  E. 3.1;  YVO  HANGARTNER,  in:  Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender  [Hrsg.], Die schweizerische  Bundesverfassung, Kommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2008, Art. 190,  Rz. 8).  Ein fristloser Widerruf der Zulassungsbewilligung ist nämlich geeignet, die  Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Zudem gibt es keine milderen Mittel  als  der  sofortige  Entzug  der  Bewilligung,  um  zu  verhindern,  dass  gewerbsmässige  Güterbeförderungen  mit  Lastwagen  oder  Sattelmotorfahrzeugen  von  unzuverlässigen  Personen  durchgeführt  und  damit  die  Verkehrssicherheit  gefährdet  wird. Was  die  Zumutbarkeit  des  fristlosen  Widerrufs  betrifft,  so  stellt  das  Interesse  des  Privaten,  das  Unternehmen ohne Unterbruch fortführen zu können zwar ein nicht bloss  geringes  Interesse  dar.  Gleichzeitig  ist  aber  auch  zu  berücksichtigen,  dass  dem  Unternehmen  nicht  für  immer  der  gewerbsmässige  Gütertransport verboten wird, sondern nur bis zum Zeitpunkt, in welchem  eine  andere  zuverlässige  Person  in  der  Unternehmensleitung  tätig  ist.  Das  Interesse an Verkehrssicherheit  ist  jedoch ein äusserst gewichtiges  öffentliches  Interesse,  das  gerade  im  Fall  von  Unzuverlässigkeit  besonders gefährdet ist. Das öffentliche Interesse wiegt daher in diesem  Fall schwerer als das private Interesse, weshalb auch die Voraussetzung  der  Zumutbarkeit  erfüllt  ist  und  sich  ein  fristloser  Widerruf  mangels  Zuverlässigkeit als verhältnismässig erweist. Dies gilt umso mehr, als die  Beschwerdeführerin mit diesem Ergebnis seit Hängigkeit des Verfahrens  rechnen musste und die Möglichkeit hatte, entsprechende Vorkehren zu  treffen.  8.4.  Zusammenfassend  ist  daher  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  zu  Recht  mit  Verfügung  vom  28. April 2010  die  Zulassungsbewilligung  der  Beschwerdeführerin  wegen  fehlender  Zuverlässigkeit  der  verantwortlichen  Person  mit  sofortiger  Wirkung  gestützt  auf  Art. 8 Abs. 2 STUG widerrufen hat. Die Anträge der Vorinstanz sowie der  Beschwerdeführerin, der Beschwerdeführerin eine Zulassungsbewilligung  bis am 3. Dezember 2012 zu gewähren, sind daher abzuweisen. 9.  Betreffend  die  vorinstanzlichen  Kosten  gilt,  dass  nach  der  hier  zur 

A­3913/2010 Anwendung  kommenden  Verordnung  vom  25. November 1998  über  die  Gebühren  und  Abgaben  des  Bundesamtes  für  Verkehr  (GebV­BAV,  SR 742.102)  eine  Gebühr  bezahlen  muss,  wer  eine  Verfügung  der  Aufsichts­  und  Verwaltungsbehörde  im  Bereich  Automobile  veranlasst  (Art. 1 Bst. a  i.V.m.  Art. 2  GebV­BAV).  Die  Kostenverlegung  folgt  demnach  dem  Verursacherprinzip,  das  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung durch das Unterliegerprinzip konkretisiert wird (vgl. BGE  132 II 47 E. 3.3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­825/2011 vom  24. Oktober 2011 E. 9.2 und A­8389/2010 vom 21. Juli 2011 E. 11.3). Die  Höhe  der  Gebühren  im  Zusammenhang  mit  der  Zulassung  als  Strassentransportunternehmen sind genau festgelegt, wobei am 28. April  2010  für  die  Änderung  bzw.  den  Entzug  der  Zulassungsbewilligung  Fr. 500.–  zu  erheben  waren  (Art. 27a  GebV­BAV  in  der  Fassung  vom  26. November 2008,  in Kraft getreten am 1. Januar 2009, AS 2008 5993  f.). Da  die  Vorinstanz  zu  Recht  die  Zulassungsbewilligung  der  Beschwerdeführerin am 28. April 2010 mit  sofortiger Wirkung widerrufen  hat  (vgl.  oben  E. 8.4)  und  die  Beschwerdeführerin  daher  als  vollumfänglich  unterliegend  zu  betrachten  ist,  erweist  sich  auch  die  Auferlegung  von  vorinstanzlichen  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 500.– als rechtmässig. Der Antrag der Beschwerdeführerin betreffend  die Kostenfolge im vorinstanzlichen Verfahren ist daher abzuweisen. 10.  Die  Verfahrenskosten  für  das  Verfahren  vor  Bundesverwaltungsgericht  werden  in  der Regel  der  unterliegenden  Partei  auferlegt  (Art. 63  Abs. 1  VwVG;  ANDRÉ  MOSER  /  MICHAEL  BEUSCH  /  LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 4.39).  Eine  Partei  unterliegt,  wenn  ihren  Begehren  aus  formellen  oder  materiellen  Gründen  nicht  entsprochen  wird.  Verglichen  werden  die  Anträge  der  beschwerdeführenden  Partei  und  das  Ergebnis  der  Anfechtung  des  vorinstanzlichen  Entscheids  (MARCEL  MAILLARD,  in:  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  VwVG  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/Basel/Genf 2009,  Art. 63, Rz. 14).  Die  Spruchgebühr  richtet  sich  nach  Umfang  und  Streitwert  der  Streitsache,  Art  der  Prozessführung  und  finanzieller  Lage  der  Parteien.  Sie  beträgt  bei  einer  Streitigkeit  mit  Vermögensinteresse  Fr. 100.–  bis  50'000.–    (Art. 63  Abs. 4bis  Bst.  b  VwVG  und  Art. 2  Abs.  1  des 

A­3913/2010 Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Für  eine  Qualifikation  als  Streitigkeit  mit  Vermögensinteresse  ist  es  dabei  unerheblich, ob ein Anspruch in Geld ausgedrückt ist oder nicht und aus  welchem Rechtsgebiet ein Anspruch entspringt. Massgeblich ist vielmehr,  ob  der  Rechtsgrund  des  streitigen  Anspruchs  letzten  Endes  im  Vermögensrecht  ruht,  mit  dem  Begehren  letztlich  und  überwiegend  ein  wirtschaftlicher  Zweck  verfolgt  wird  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts A­8389/2010 vom 21. Juli 2011 E. 12 und A­ 7154/2008  vom  18. Februar 2010 E. 3;  BEAT  RUDIN,  in:  Niggli/Uebersax/Wiprächtiger  [Hrsg.],  Basler  Kommentar  zum  Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl., Basel 2008, Art. 51, Rz.12). 10.1.  Vorliegend  ist  von  einer  Streitigkeit  mit  Vermögensinteresse  und  einem  Streitwert  von  Fr. 50'000.–  bis  100'000.–  auszugehen.  Die  Verfahrenskosten  sind  anhand  der  oben  genannten  Kriterien  auf  insgesamt Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 4 VGKE). 10.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt die Beschwerdeführerin als  vollumfänglich unterliegend, weshalb  ihr die gesamten Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 1'500.–  aufzuerlegen  und  mit  dem  bezahlten  Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.– zu verrechnen sind. 11.  Der  unterliegenden  Beschwerdeführerin  ist  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario).  Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Der  Beschwerdeführerin  werden  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 1'500.– auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in  der Höhe von Fr. 1'500.– verrechnet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

A­3913/2010 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. 751.1/2010­04­26/121; Einschreiben) – das Generalsekretariat UVEK (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus Metz Beatrix Schibli Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

A-3913/2010 — Bundesverwaltungsgericht 02.12.2011 A-3913/2010 — Swissrulings