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Bundesverwaltungsgericht 24.08.2011 A-2628/2009

24 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,365 parole·~17 min·1

Riassunto

Energie (Übriges) | Kosten und Tarife 2009 für die Netznutzung Netzebene 1 und Systemdienstleistungen

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­2628/2009 Urteil   v om   2 4 .   Augus t   2011 Besetzung Richter André Moser (Vorsitz), Richter Christoph Bandli, Richterin Kathrin Dietrich, Richter  Lorenz Kneubühler, Richter Jérôme Candrian,  Gerichtsschreiber Christian Kindler. Parteien Grande Dixence S.A., Rue des Creusets 41, 1950 Sion,  Beschwerdeführerin,  gegen swissgrid ag, Dammstrasse 3, Postfach 22, 5070 Frick,  Beschwerdegegnerin,  und Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom,  3003 Bern,  Vorinstanz. Gegenstand Kosten und Tarife 2009 für die Netznutzung Netzebene 1  und Systemdienstleistungen.

A­2628/2009 Sachverhalt: A.  Mit  Datum  vom  23.  Mai  2008  veröffentlichte  die  nationale  Netzgesellschaft  swissgrid  ag  (swissgrid)  als  Betreiberin  des  schweizerischen Übertragungsnetzes für elektrische Energie (Netzebene  1) die Kosten und Tarife 2009 für die Netzebene 1. B.  Am  26.  Juni  2008  gab  die  Eidgenössische  Elektrizitätskommission  (El­ Com)  bekannt,  sie  überprüfe  die  Tarife  des  Übertragungsnetzes  von  Amtes wegen. Vorgängig hatten bereits verschiedene Netzbetreiber und  Endverbraucher  gegen  diese  Tarife  Gesuche  um  Absenkung  bei  der  ElCom eingereicht. C.  In  der  Folge  legte  die  ElCom  mit  Verfügung  vom  6.  März  2009  insbesondere  die  Tarife  2009  für  die  Netznutzung  der  Netzebene  1  (Dispositiv­Ziff. 1),  für  allgemeine  Systemdienstleistungen  (SDL)  für  Netzbetreiber  und  direkt  am  Übertragungsnetz  angeschlossene  Endverbraucher (Dispositiv­Ziff. 2) und für allgemeine SDL für Kraftwerke  mit einer elektrischen Leistung von mindestens 50 MW (Dispositiv­Ziff. 3)  neu fest. Die Verfügung wurde der swissgrid und den übrigen beteiligten  Parteien  (Übertragungsnetzeigentümer,  Netzbetreiber  und  Endverbraucher  mit  Ausspeisepunkten  vom  Übertragungsnetz  sowie  Betreiber von Kraftwerken mit einer elektrischen Leistung von mindestens  50 MW) eröffnet. D.  Mit  Eingabe  vom  23.  April  2009  erhebt  die  Grande  Dixence  S.A.  (Beschwerdeführerin)  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  stellt  den  Hauptantrag,  es  seien  der  2.  Satz  von  Ziff.  2  und  Ziff. 3  des  Dispositivs  der  Verfügung  der  ElCom  vom 6. März  2009  (angefochtene  Verfügung)  ganz  aufzuheben,  und  es  sei  der  1.  Satz  von  Ziff. 2  des  Dispositivs der angefochtenen Verfügung zu ergänzen mit "und wird den  Endverbrauchern  entsprechend  der  bezogenen  elektrischen  Energie  angelastet".  Zur  Begründung  bringt  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen vor, die Vorinstanz stütze Ziff. 2 und 3 des Dispositivs der  angefochtenen  Verfügung  auf  die  auf  den  1.  Januar  2009  überaus  kurzfristig  in  die  Stromversorgungsverordnung  vom  14. März  2008  (StromVV, SR 734.71) eingefügten Art. 31b, Art. 31c und Art. 31d sowie  den geänderten Art. 15 Abs. 2 Bst. a StromVV. Diese während laufendem 

A­2628/2009 Verwaltungsverfahren  bei  der  Vorinstanz  vorgenommenen  Änderungen  hätten  keine  Grundlage  im  übergeordneten  Recht.  Gemäss  dem  Stromversorgungsgesetz vom 23. März 2007 (StromVG, SR 734.7) seien  die  Kosten  der  allgemeinen  SDL  für  das  Übertragungsnetz  von  den  Endverbrauchern zu tragen. Für eine Umverteilung fehle eine gesetzliche  Grundlage. Bezüglich Anlastung dieser SDL­Kosten auf Unternehmen der  Elektrizitätswirtschaft hätten somit weder der Verordnungsgeber noch die  Vorinstanz  einen  Spielraum.  Infolge  Bundesrechtswidrigkeit  seien  die  neuen  bzw.  geänderten  Bestimmungen  der  StromVV  deshalb  nicht  anzuwenden  und  die  darauf  gestützten  Anordnungen  der  Vorinstanz  aufzuheben.  E.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  3.  Juli  2009  beantragt  die  ElCom  (Vorinstanz)  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Nachfrager  nach  einem  sicheren,  leistungsfähigen  und  effizienten  Netz  seien  nicht  nur  die  Endverbraucher. Auch die Kraftwerke seien für die Elektrizitätsverteilung  auf  dieses  Netz  angewiesen  und  hätten  mit  der  Einspeisung  bzw.  Nichteinspeisung einen Einfluss  auf  die Netzstabilität.  Zu Verordnungen  des Bundesrates existierten in der Regel wenige Gesetzesmaterialien, so  auch zur Revision der StromVV vom 12. Dezember 2008. Daraus könne  jedoch  nach  Auffassung  der  ElCom  nicht  geschlossen  werden,  dass  ernsthafte und sachliche Gründe für Art. 31b StromVV fehlten und dieser  willkürlich  sei.  Im  Übrigen  werde  diesbezüglich  auf  die  entsprechenden  Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen.  F.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  19.  Februar  2010  bezieht  das  Bundesverwaltungsgericht  die  swissgrid  als  Beschwerdegegnerin  ins  vorliegende Verfahren ein und gibt ihr Gelegenheit, die Akten einzusehen  und eine allfällige Stellungnahme einzureichen.  G.  Die  swissgrid  hält  in  ihrer  Stellungnahme  vom  19.  April  2010  fest,  die  Mehrheit  der  Beschwerdeführenden  in  diesem  bzw.  in  den  anderen  Verfahren  bringe  im  Wesentlichen  gleiche  oder  ähnliche  Rügen  vor,  wobei diese  in weiten Teilen auch den Einwänden entsprächen, welche  sie  selbst  in  ihrer  eigenen  Beschwerde  vom  21.  April  2009  gegen  die  Verfügung der ElCom vom 6. März 2009 vorgebracht habe. 

A­2628/2009 H.  Auf  die  übrigen  Ausführungen  der  Beteiligten  wird  –  soweit  entscheidrelevant  –  im  Rahmen  der  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Die  ElCom  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  Bst.  f  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine Ausnahme nach Art. 32  VGG, was  das Sachgebiet  angeht,  ist  nicht  gegeben. Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der erhobenen Beschwerde  zuständig (vgl. auch Art. 23 StromVG). 2.  Zur  Beschwerde  ist  berechtigt,  wer  vor  der  Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung  hat  (Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Die  Beschwerdeführerin  hat  als  beteiligte  Partei  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen  und  ist  als  Betreiberin von mehreren Kraftwerken mit einer elektrischen Leistung von  mindestens  50 MW  (vgl.  Art.  31b  Abs.  2  StromVV  und  Anhang  2  der  angefochtenen  Verfügung)  von  der  Verfügung  besonders  betroffen.  Sie  ist damit zur Beschwerde legitimiert.  3.  Auf  die  im  Übrigen  form­  und  fristgerecht  eingereichte  Beschwerde  (Art. 50 und Art. 52 VwVG) ist einzutreten.  Anzufügen  ist  an  dieser  Stelle,  dass  die  Beschwerdeführerin  mit  ihren  Rechtsbegehren  in  der  Beschwerde  vom  23.  April  2009  lediglich  die  Ziff. 2 und 3 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 6. März  2009 angefochten hat. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist somit  einzig  die  Überprüfung  des  Tarifs  2009  für  allgemeine  SDL.  Nicht  Streitgegenstand bilden dagegen die Tarife 2009 für die Netznutzung der  Netzebene  1  (vgl.  ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, 

A­2628/2009 Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  Rz. 2.8).  In  diesem  Zusammenhang  ist  auf  die  bloss  in  einem Eingangssatz  der  Beschwerde erwähnte angebliche Anfechtung  von Dispositiv­Ziff. 13  der  angefochtenen  Verfügung  nicht  weiter  einzugehen.  Diese  die  Kostenverteilung  beinhaltende  Anordnung  der  Vorinstanz  wird  weder  in  den  Rechtsbegehren  der  Beschwerdeführerin  noch  in  den  (weiteren)  Ausführungen irgendwie erwähnt, weshalb von einem Schreibfehler oder  Missverständnis auszugehen ist. Da die ElCom die Gebührenverteilung in  Dispositiv­Ziff. 13  offensichtlich  einzig  nach  den  Resultaten  ihrer  Überprüfung  der  Tarife  für  die  Netznutzung  der  Netzebene  1  vorgenommen hat und kein Zusammenhang zur hier zu besprechenden  SDL­Problematik  besteht,  wäre  ein  entsprechendes  Begehren  der  Beschwerdeführerin, sofern überhaupt darauf eingetreten werden könnte,  ohnehin  abzuweisen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 2606/2009 vom 11. November 2010 E. 16.3).  4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  die  bei  ihm  angefochtenen  Verfügungen  und  Entscheide  grundsätzlich  mit  uneingeschränkter  Kognition, das heisst auch auf eine allfällig unrichtige oder unvollständige  Feststellung  des Sachverhalts  hin,  ebenso auf Angemessenheit  (Art. 49  VwVG). Die  Vorinstanz  ist  keine  gewöhnliche  Vollzugsbehörde,  sondern  eine  verwaltungsunabhängige  Kollegialbehörde  mit  besonderen  Kompetenzen. Als Fachorgan ist sie Regulierungsinstanz mit besonderer  Verantwortung.  Dies  rechtfertigt  eine  gewisse  Zurückhaltung  des  Bundesverwaltungsgerichts  bei  der  Überprüfung  des  vorinstanzlichen  Entscheides. Es befreit das Bundesverwaltungsgericht aber nicht davon,  die  Rechtsanwendung  auf  ihre  Vereinbarkeit  mit  Bundesrecht  zu  überprüfen.  Sodann  amtet  die  Vorinstanz  in  einem  höchst  technischen  Bereich,  in dem Fachfragen sowohl  im Bereich der Stromversorgung als  auch  ökonomischer  Ausrichtung  zu  beantworten  sind.  Ihr  steht  dabei –  wie  anderen  Behördenkommissionen  auch  –  ein  eigentliches  "technisches  Ermessen"  zu.  In  diesem  Rahmen  darf  der  verfügenden  Behörde  bei  der  Beurteilung  von  ausgesprochenen  Fachfragen  ein  gewisser  Ermessens­  und  Beurteilungsspielraum  belassen  werden,  soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und  die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat  (vgl. BGE 133  II 35 E. 3, BGE 132  II 257 E. 3.2, BGE 131  II 13 E. 3.4, 

A­2628/2009 BGE  131  II  680  E.  2.3.2  mit  Hinweisen;  BVGE  2009/35  E.  4;  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.155).  5.  Als  einzige  formelle  Rüge  im  Zusammenhang  mit  der  Festsetzung  der  SDL­Kosten durch die ElCom bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe  vom  Gutachten  "Ermittlung  des  Regelleistungsbedarfs  der  Regelzone  Schweiz  ab  01.01.2009"  vom  2.  Dezember  2008  der  Technischen  Universität Dortmund (Gutachten Regelleistungsbedarf) erstmals mit dem  Verfügungsentwurf  vom  15.  Januar  2009  erfahren.  Sie  habe  weder  die  Möglichkeit  gehabt,  sich  vorgängig  zur  Person  der  Gutachterin  zu  äussern  noch  zu  den  ihr  gestellten  Fragen.  Damit  sei  das  genannte  Gutachten nicht nach den Regeln des VwVG bzw. des Bundesgesetzes  vom  4. Dezember  1947  über  den  Bundeszivilprozess  (BZP,  SR 273)  zustande  gekommen  und  die  Vorinstanz  habe  den  Anspruch  der  Beschwerdeführerin  auf  rechtliches  Gehör  nach  Art. 29  VwVG  verletzt.  Mit  ihrem Vorgehen habe die ElCom auch Art.  28 VwVG verletzt,  denn  sie  habe  zum  Nachteil  der  Beschwerdeführerin  auf  ein  Aktenstück  abgestellt, dessen wesentlichen Inhalt sie vor Letzterer geheim halte.  5.1.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör,  welcher  als  selbständiges  Grundrecht  in  der  Bundesverfassung  verankert  ist  (Art.  29  Abs. 2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  [BV,  SR  101])  und  sich  für  das  Bundesverwaltungsverfahren  aus  den  Art.  29  ff.  VwVG  ergibt,  umfasst  unter  anderem  das  Recht  der  Parteien auf vorgängige Anhörung und Äusserung (Art. 30 Abs. 1 VwVG)  sowie das Recht, dass die verfügende Behörde von diesen Äusserungen  auch  Kenntnis  nimmt,  sich  damit  auseinandersetzt  (Art.  32  VwVG)  und  ihre Verfügung begründet (Art. 35 Abs. 1 VwVG).  5.2. Die Vorinstanz  führt  in  ihrer Vernehmlassung vom 3. Juli 2009 aus,  das  Gutachten  Regelleistungsbedarf  habe  sie  zur  Überprüfung  des  Umfangs  der  Vorhaltung  von  Regel­  und  Blindleistung  (Mengengerüst)  eingeholt.  Sie  habe  sich  im  Verlaufe  des  Verfahrens  entschieden,  betreffend Mengengerüst  keine  Anordnungen  zu  treffen.  Die  Frage  des  Mengengerüsts  und  damit  das  Gutachten  würden  sich  also  für  das  Dispositiv als nicht entscheidrelevant erweisen. Zudem sei der Einbezug  der  Kraftwerke  in  das  Verfahren  erst  nach  der  Änderung  der  StromVV  vom  12. Dezember  2008  erfolgt,  weil  diese  vorher  vom  laufenden  Verfahren  gar  nicht  betroffen  gewesen  seien.  Im  Januar  2009  sei  das  erwähnte Gutachten aber bereits erstellt gewesen. Diese Umstände habe 

A­2628/2009 die  ElCom  berücksichtigt,  indem  sie  den  Parteien  die  Möglichkeit  gegeben habe, nach der – wegen Geschäftsgeheimnissen beschränkten  – Akteneinsicht  zum Verfügungsentwurf  Stellung  zu  nehmen.  In  diesem  Rahmen  hätte  die  Beschwerdeführerin  ihre  Bedenken  bezüglich  der  Auswahl des Auftragnehmers und der Fragestellung vorbringen können,  was sie jedoch nicht getan habe.  5.3. Für das Beweismittel der Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e  VwVG) kommen die Vorschriften von Art. 57 ff. BZP kraft Verweises von  Art. 19  VwVG  sinngemäss  zur  Anwendung.  Als  Sachverständigengutachten gelten Berichte über die Sachverhaltsprüfung  und  ­würdigung,  die  von  Dritten  aufgrund  eines  bereits  erhobenen  Sachverhalts während eines Verfahrens  und aufgrund  ihrer  besonderen  Fachkenntnisse  abgegeben  werden.  Die  Regelung  von  Art.  57  ff.  BZP  bezieht  sich  nur  auf  Gutachten,  welche  die  Verwaltungsbehörden  von  externen Fachleuten einholen. Keine Anwendung finden die Vorschriften  von Art. 57 ff. BZP nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts jedoch  dort,  wo  Behörden  aufgrund  des  Gesetzes­  und  Verordnungsrechts  Fachpersonen zur Beratung beiziehen können (Urteil des Bundesgerichts  2A.587/2003  vom  1.  Oktober  2004  E. 8.2).  Nicht  zur  Anwendung  gelangen die Vorschriften von Art. 57 BZP schliesslich in Fällen, in denen  eine  Behörde  ein  von  dritter  Seite  in  Auftrag  gegebenes  Gutachten  beizieht und verwertet. Hier ist den Parteien aber vor der entscheidenden  Behörde das rechtliche Gehör zu gewähren, was insbesondere das Recht  beinhaltet,  sich  nachträglich  zum  Gutachten  und  zur  Person  des  Gutachters  zu  äussern  und  gegebenenfalls  eine  weitere  Expertise  zu  verlangen  (BERNHARD  WALDMANN/PHILIPPE  WEISSENBERGER,  in:  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [Praxiskommentar  zum  VwVG],  Zürich  2009,  N.  49  zu  Art. 19  mit  Hinweis).  Art. 4 des Geschäftsreglements der Elektrizitätskommission vom 21. No­ vember 2007 (SR 734.74) bestimmt ausdrücklich, dass die Vorinstanz in  allen  Verfahren  Fachleute  beiziehen  kann.  Beim  Gutachten  Regelleistungsbedarf  handelt  es  sich  somit  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  nicht  um ein Sachverständigengutachten  im Sinne  von  Art. 12 Bst. e VwVG. Zu beachten  ist  indes ohnehin,  dass  sich analoge  Rechte aus Art. 29 BV ergeben  (Urteil des Bundesgerichts 2A.587/2003  vom 1. Oktober 2004 E. 8.6). Im Folgenden ist deshalb zu prüfen, ob die  Vorinstanz  das Anhörungsrecht  der Beschwerdeführerin  gemäss Art. 29  Abs. 2 BV respektiert hat. 

A­2628/2009 5.4.  Mit  Schreiben  vom  15.  Januar  2009  stellte  die  Vorinstanz  der  Beschwerdeführerin den Verfügungsentwurf vom 14. Januar 2009 zu und  gab  dieser  Gelegenheit,  sich  bis  zum  30.  Januar  2009  schriftlich  zum  Entwurf zu äussern. Bereits der Verfügungsentwurf nahm Bezug auf das  Gutachten Regelleistungsbedarf  und  nannte  die  jeweilige Aktennummer  des Dokuments. Die Beschwerdeführerin konnte denn auch innerhalb der  Frist  für  die  Stellungnahme  zum  Verfügungsentwurf  die  Akten  in  den  Räumlichkeiten  der  Vorinstanz  einsehen.  Demnach  hatte  die  Beschwerdeführerin  vor  Erlass  der  Verfügung  die  Möglichkeit,  das  genannte Gutachten einzusehen und sich nachträglich zu den Personen  der  Gutachterin  bzw.  zum Gutachten  an  sich  zu  äussern.  Somit  wurde  der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör ausreichend gewährt.  5.5. In das Gutachten Regelleistungsbedarf hatte die Beschwerdeführerin  nur  eingeschränkte  Einsicht.  Dieses  Gutachten  untersuchte  den  tatsächlich  notwendigen  Bedarf  an  Regelleistung  für  die  Regelzone  Schweiz  und  wurde  dementsprechend  auch  in  der  angefochtenen  Verfügung  unter  dem  Titel  "Umfang  der  Vorhaltung  von  Regel­  und  Blindleistung"  erwähnt.  Die  ElCom  bringt  dazu  vor,  sie  habe  sich  im  Verlaufe  des  Verfahrens  entschieden,  betreffend  Mengengerüst  keine  Anordnungen zu treffen, womit das Gutachten Regelleistungsbedarf nicht  entscheidrelevant  sei.  Tatsächlich  führt  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  lediglich  aus,  sie  erachte  das  Mengengerüst  von 8 Teravoltamperestunden (TVarh) Blindenergie als sehr hoch. In der  Folge  wird  die  Beschwerdegegnerin  in  Dispositiv­Ziff. 10  der  angefochtenen Verfügung verpflichtet, bis am 31. Juli 2009 einen Bericht  mit Angaben  zu der  pro Monat  vergüteten Blindenergie  in  den ersten 6  Monaten 2009, zur Vorhaltung überobligatorischer Blindleistung sowie zur  Einhaltung  der  Vorgaben  bezüglich  Spannungshaltung  vorzulegen.  Angesichts der Tatsache, dass die Vorinstanz die Beschwerdegegnerin in  der  Verfügung  erst  zur  Einreichung  eines  Berichts  verpflichtet  und  ihre  Untersuchung  betreffend  den  Bedarf  an  Regelleistung  mithin  im  Sinne  von Art. 27 Abs. 1 Bst. c VwVG noch nicht abgeschlossen (gehabt) hat,  erweist  sich  die  Einschränkung  des  Akteneinsichtsrechts  als  gerechtfertigt.  Weiter  hat  die  Vorinstanz  aufgrund  des  Gutachtens  Regelleistungsbedarf  die  Beschwerdegegnerin  einzig  zur  Einreichung  eines  Berichts  verpflichtet,  nicht  jedoch  weitere  –  insbesondere  für  die  Beschwerdeführerin  –  verbindliche  Anordnungen  getroffen.  Auf  das  eingeschränkt  einsehbare  Gutachten  Regelleistungsbedarf  wurde  somit  auch  nicht  zum  Nachteil  der  Beschwerdeführerin  im  Sinne  von  Art. 28 

A­2628/2009 VwVG abgestellt, weshalb weder dieser Artikel noch  ihr Anhörungsrecht  gemäss Art. 29 Abs. 2 BV verletzt worden sind.  6.  6.1. Die Beschwerdeführerin bringt in materieller Hinsicht vor, die sie mit  SDL­Kosten  belastenden  neuen  Bestimmungen  der  StromVV,  darunter  insbesondere Art. 31b Abs. 2 StromVV, seien ohne entsprechende bzw.  ausreichende  gesetzliche  Grundlage  kurzfristig  vom  Bundesrat  festgesetzt  worden,  weshalb  Dispositiv­Ziff.  3  der  Verfügung  der  Vorinstanz aufzuheben sei. Dem StromVG lasse sich keine Bestimmung  und  namentlich  auch  keine  Delegationsnorm  entnehmen,  die  es  dem  Verordnungsgeber  oder  der  Vorinstanz  erlauben  würde,  das  in  Art.  14  Abs.  2  StromVG  festgelegte  Prinzip,  wonach  das  Netznutzungsentgelt  von  den  Endverbrauchern  zu  tragen  ist,  zu  durchbrechen.  Es  liege  diesbezüglich auch  keine Unvollständigkeit  des Gesetzes  vor. Die neue  Verordnungsbestimmung,  wonach  Kraftwerke  mit  einer  elektrischen  Leistung  von mehr  als  50 MW mit  den Kosten  für SDL belastet werden  sollen, bewirke einen schweren Eingriff und bedürfte deshalb sicher einer  formellgesetzlichen  Grundlage.  Diese  Kostenregelung  sei  auch  verfassungswidrig.  6.2. Die Vorinstanz hält  in  ihrer Verfügung dagegen,  aus Art.  14 Abs. 3  Bst. d  StromVG ergebe  sich,  dass  es  zulässig  sei,  Kosten  individuell  in  Rechnung  zu  stellen.  Das  StromVG  gehe  nicht  davon  aus,  dass  die  gesamten  Betriebs­  und  Kapitalkosten  eines  Netzes  den  Endverbrauchern  angelastet  würden.  Die  individuelle  Anlastung  von  Kosten  an Kraftwerke  verstosse  demzufolge  nicht  gegen  das  in  Art.  14  Abs.  2  StromVG  vorgesehene  Ausspeiseprinzip.  Schon  Art.  15  Abs.  1  StromVV  sehe  vor,  gewisse  Kosten  individuell  in  Rechnung  zu  stellen.  Diese  individuelle  Zuordnung  der  Kosten  sei  im  Rahmen  der  Vernehmlassung  weitgehend  unbestritten  gewesen.  Die  individuelle  Anlastung  von  Kosten  an  Kraftwerke  widerspreche  auch  nicht  dem  Prinzip  der  Aufgliederung  der  Elektrizitätstarife  in  einen  Anteil  für  die  Netznutzung  und  in  einen  solchen  für  die  Energielieferung.  Kraftwerke  hätten  ebenfalls  Einfluss  auf  einen  sicheren  Netzbetrieb.  Falle  ein  Kraftwerk  aus,  müsse  Regelenergie  ins  Elektrizitätsnetz  eingespiesen  werden.  Art.  4  Abs.  1  Bst.  g  StromVG  nenne  als  SDL  zum  Beispiel  ausdrücklich die Schwarzstart­ und Inselbetriebsfähigkeit von Erzeugern.  Es entspreche dem Grundsatz der Verursachergerechtigkeit, dass diese  Kosten  individuell  angelastet  würden.  Dieser  Grundsatz  sei  in  der 

A­2628/2009 Stromversorgungsgesetzgebung  zentral  und  werde  verschiedentlich  genannt.  Der Ausfall eines Kraftwerks mit höherer elektrischer Leistung verursache  in  der  Regel  höhere  Kosten  für  Regelenergie  als  der  Ausfall  eines  Kraftwerks mit kleinerer Leistung. Aus diesem Grund sei es angebracht,  nur grössere Kraftwerke mit SDL­Kosten zu belasten. Die Grenze von 50  MW  erscheine  damit  als  sachlich  gerechtfertigt.  Selbst  wenn  Art.  31b  Abs. 2  StromVV  gegen  den  Grundsatz  des  staatlichen  Handelns  nach  Treu  und  Glauben  verstossen  würde,  hätte  dies  nicht  zur  Folge,  dass  diese Verordnungsbestimmung nicht anwendbar wäre.  Bei  der  Festlegung  der  Rechtsetzungsstufe  (Gesetz  oder  Verordnung)  seien  die  Wichtigkeit,  das  Flexibilitätsbedürfnis  und  die  Eignung  der  rechtsetzenden  Behörde  zu  beachten.  Das  Flexibilitätsbedürfnis  lasse  eine  Regelung  auf  Verordnungsstufe  zu.  Bei  Art.  31b  Abs. 2  StromVV  handle es sich um eine Übergangsbestimmung, welche nur für die Jahre  2009 bis 2013 gelte. Betroffen seien etwa 70 Kraftwerke. Die  finanzielle  Bedeutung  sei  zwar  nicht  gering,  aber  mit  0.45  Rappen/kWh  im  Verhältnis  zu  den  aktuellen  schweizerischen  und  europäischen  Grosshandelspreisen,  den mit  der Produktion erzielten Erlösen und den  Energiepreisen  der  Endverbraucher  mit  Grundversorgung  von  durchschnittlich  8  Rappen/kWh  vertretbar.  Hinzu  komme,  dass  beim  Fehlen einer gesetzlichen Regelung die Exekutive kraft  ihrer Kompetenz  zur  Regelung  des  Inkrafttretens  auch  das  Übergangsrecht  umfassend  ordnen  könne.  Der  politische  Wille  des  Parlaments  sei  gewesen,  die  Tariferhöhungen  rückgängig  zu  machen,  insbesondere  im  Bereich  der  SDL. Um diesen politischen Willen umzusetzen, habe der Bundesrat am  12. Dezember 2008 eine Revision der StromVV verabschiedet. Art. 31b  Abs. 2 StromVV beruhe auf einem breiten Konsens.  6.3. Nach dem Grundsatz  der Gesetzmässigkeit  bedarf  jedes  staatliche  Handeln  einer  gesetzlichen  Grundlage  (Art.  5  Abs.  1  BV).  Werden  Rechtssetzungskompetenzen  des  Gesetzgebers  auf  den  Verordnungsgeber  (im  Bund  insbesondere  an  den  Bundesrat)  übertragen,  spricht  man  von  Gesetzesdelegation.  Der  Gesetzgeber  ermächtigt  damit  im  formellen  Gesetz  die  Exekutive  zum  Erlass  von  gesetzesvertretenden  Verordnungen.  Reine  Vollziehungsverordnungen  sind  dagegen  kein  Delegationsfall,  denn  für  den  Erlass  solcher  Vorschriften  verfügt  der  Bundesrat  über  eine  verfassungsunmittelbare  Kompetenz  (vgl.  Art. 182  Abs. 2  BV;  PIERRE  TSCHANNEN,  in:  Die 

A­2628/2009 schweizerische  Bundesverfassung –  Kommentar  [Kommentar  BV],  Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender  [Hrsg.],  2. Aufl.,  Zürich  2008, Rz. 34 zu Art. 164; THOMAS SÄGESSER,  in: Kommentar BV, Rz. 17  zu Art. 182).  6.3.1. Die Gesetzesdelegation gilt als zulässig, wenn sie nicht durch die  Verfassung  ausgeschlossen  ist,  in  einem  Gesetz  im  formellen  Sinn  enthalten ist, sich auf ein bestimmtes, genau umschriebenes Sachgebiet  beschränkt und die Grundzüge der delegierten Materie, d.h. die wichtigen  Regelungen,  im  delegierenden  Gesetz  selbst  enthalten  sind  (Art. 164  Abs. 1  und  2  BV;  BGE  128  I  113  E.  3c;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1751/2006  vom  25.  März  2009  E.  2.2).  Delegiert das Gesetz beispielsweise die Kompetenz zur Festlegung einer  Abgabe an den Verordnungsgeber, so muss es zumindest den Kreis der  Abgabepflichtigen, den Gegenstand und die Bemessungsgrundlagen der  Abgabe selber festlegen (Urteil des Bundesgerichts 2C_729/2008 vom 3.  März  2009  E. 3.1  mit  Hinweisen,  publiziert  in:  Schweizerisches  Zentralblatt für Staats­ und Verwaltungsrecht [ZBl] 2010, S. 280 ff.).  6.3.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  auf  Beschwerde  hin  vorfrageweise  Verordnungen  des  Bundesrates  auf  ihre  Gesetz­  und  Verfassungsmässigkeit  prüfen  (konkrete  Normenkontrolle).  Der  Umfang  der  Kognitionsbefugnis  hängt  dabei  davon  ab,  ob  es  sich  um  eine  unselbständige  oder  aber  um  eine  selbständige  Verordnung  handelt  (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  Rz.  2.177).  Bei  unselbständigen  Bundesratsverordnungen,  die  sich  wie  hier  auf  eine  gesetzliche  Delegation  stützen,  prüft  das  Bundesverwaltungsgericht,  ob  sich  der  Bundesrat an die Grenzen der  ihm  im Gesetz eingeräumten Befugnisse  gehalten hat. Soweit das Gesetz ihn nicht ermächtigt, von der Verfassung  abzuweichen  bzw.  seine  Regelung  nicht  lediglich  eine  bereits  im  Gesetzesrecht  angelegte  Verfassungswidrigkeit  übernimmt,  beurteilt  es  auch  deren  Verfassungsmässigkeit.  Wird  dem  Bundesrat  durch  die  gesetzliche Delegation ein sehr weiter Spielraum des Ermessens für die  Regelung  auf  Verordnungsebene  eingeräumt,  so  ist  dieser  Spielraum  nach Art. 190 BV  für das Bundesverwaltungsgericht verbindlich. Es darf  in  diesem  Fall  nicht  sein  Ermessen  an  die  Stelle  desjenigen  des  Bundesrates setzen, sondern hat sich auf die Kontrolle zu beschränken,  ob  dessen  Regelung  den  Rahmen  der  ihm  im  Gesetz  delegierten  Kompetenzen  offensichtlich  sprengt  oder  aus  anderen Gründen  gesetz­  oder verfassungswidrig ist. Dabei kann es namentlich prüfen, ob sich eine  Verordnungsbestimmung  auf  ernsthafte  Gründe  stützt  oder  Art.  9  BV 

A­2628/2009 widerspricht,  weil  sie  sinn­  oder  zwecklos  ist,  rechtliche  Unterscheidungen  trifft,  für  die  ein  vernünftiger  Grund  in  den  tatsächlichen Verhältnissen  fehlt,  oder Unterscheidungen  unterlässt,  die  richtigerweise  hätten  getroffen  werden  sollen.  Für  die  Zweckmässigkeit  der angeordneten Massnahme trägt der Bundesrat die Verantwortung; es  ist  nicht  Aufgabe  des  Bundesverwaltungsgerichts,  sich  zu  deren  wirtschaftlicher oder politischer Sachgerechtigkeit zu äussern (Urteile des  Bundesgerichts  2C_246/2009  vom  22. März  2010 E.  7.1,  2C_735/2007  vom  25. Juni  2008  E.  4.2  und  2A.142/2005  vom  24.  November  2005  E. 3.1;  BGE  130  I  26  E.  2.2.1,  je  mit  weiteren  Hinweisen;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­1751/2006 vom 25. März 2009 E. 2.4). 6.4.  6.4.1. Der Strompreis  für die Stromabnehmer setzt sich aus den Kosten  für  die  Stromproduktion,  für  die  Netznutzung  hinsichtlich  der  Stromübertragung,  Stromverteilung  und  Stromeinspeisung  (Stromtransport),  den  Abgaben  an  die  Gemeinwesen  sowie  dem  Unternehmensgewinn  zusammen  (ROLF  H.  WEBER/ANNJA  MANNHART,  Neues  Strompreisrecht  Kontrollkriterien  und  Kontrollmethoden  für  Elektrizitätstarife sowie Netznutzungstarife und ­entgelte, in: ZBl 2008, S.  457).  Das  Netznutzungsentgelt  ist  demnach  ein  Bestandteil  des  Strompreises. Die Stromgesetzgebung bestimmt, dass das Entgelt für die  Netznutzung  die  anrechenbaren  Kosten  sowie  die  Abgaben  und  Leistungen  an  Gemeinwesen  nicht  übersteigen  darf  (Art.  14  Abs.  1  StromVG; sog. Kostendeckungsprinzip). Es ist von den Endverbrauchern  je  Ausspeisepunkt  zu  entrichten  (Art.  14  Abs. 2  StromVG;  sog.  Ausspeiseprinzip).  Endverbraucher  sind  Kunden,  welche  Elektrizität  für  den  eigenen  Verbrauch  kaufen.  Ausgenommen  hiervon  ist  der  Elektrizitätsbezug  für  den  Eigenbedarf  eines  Kraftwerks  sowie  für  den  Antrieb  von  Pumpen  in  Pumpspeicherkraftwerken  (Art.  4  Abs. 1  Bst. b  StromVG). Für die Festlegung der Netznutzungstarife  ist gemäss Art. 14  Abs. 3 StromVG Folgendes zu beachten:  – Die  Netznutzungstarife  haben  einfache  Strukturen  aufzuweisen  und  sollen  die  von  den  Endverbrauchern  verursachten  Kosten  widerspiegeln (Bst. a). – Die Netznutzungstarife müssen unabhängig von der Distanz zwischen  Ein­ und Ausspeisepunkt ermittelt werden (Bst. b).

A­2628/2009 – Pro Spannungsebene und Kundengruppe im Netz des Netzbetreibers  ist der Netznutzungstarif einheitlich zu gestalten (Bst. c).  – Die  Einrechnung  individuell  in  Rechnung  gestellter  Kosten  ist  nicht  zulässig (Bst. d).  – Netznutzungstarife haben zu einer effizienten Elektrizitätsverwendung  beizutragen (Bst. e). Als anrechenbare Kosten im Sinne von Art. 14 Abs. 1 StromVG gelten die  Betriebs­  und  Kapitalkosten  eines  sicheren,  leistungsfähigen  und  effizienten Netzes. Sie beinhalten einen angemessenen Betriebsgewinn.  Als Betriebskosten gelten die Kosten  für  die mit  dem Betrieb der Netze  direkt  zusammenhängenden  Leistungen. Dazu  zählen  insbesondere  die  Kosten  für SDL sowie  für den Unterhalt der Netze (Art. 15 Abs. 1 und 2  StromVG).  SDL  sind  die  für  den  sicheren  Betrieb  der  Netze  notwendigen  Hilfsdienste.  Diese  umfassen  insbesondere  Systemkoordination,  Bilanzmanagement,  Primärregelung,  Schwarzstart­  und  Inselbetriebsfähigkeit  von  Erzeugern,  Spannungshaltung  (inkl.  Anteil  Blindenergie),  betriebliche  Messungen  und  Ausgleich  der  Wirkverluste  (Art.  4  Abs.  1  Bst.  g  StromVG).  Gemäss  Medienmitteilung  des  Bundesamtes  für  Energie  (BFE)  vom  5. Dezember  2008  zur  revidierten  StromVV handelt es sich bei den SDL vor allem um Energiereserven, die  für Kraftwerksausfälle oder Konsumschwankungen bereitgehalten werden  müssen.  6.4.2.  Für  eine  transparente  Zuweisung  der  Netzkosten  werden  die  Übertragungs­  und  Verteilnetze  in  vier  Spannungs­  und  drei  Transformationsebenen  und  damit  in  sieben Netzebenen  aufgeteilt  (vgl.  VERBAND  SCHWEIZERISCHER  ELEKTRIZITÄTSUNTERNEHMEN  [VSE],  Branchenempfehlung  Strommarkt  Schweiz,  Marktmodell  für  die  elektrische  Energie –  Schweiz,  Grundsatzdokument  zur  Regelung  der  zentralen Aspekte der Organisation des Strommarktes Schweiz, Ausgabe  2009  [MMEE–CH  2009],  Ziff.  4.1.2  [1]  und  [2],  abrufbar  unter  www.strom.ch). Das Übertragungsnetz umfasst die Netzebene 1 und wird  als  Elektrizitätsnetz  definiert,  das  der  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere Distanzen im Inland sowie dem Verbund mit den ausländischen  Netzen  dient  und  in  der  Regel  auf  der  Spannungsebene  220/380  kV  betrieben wird (Art. 4 Abs. 1 Bst. h StromVG). Das Verteilnetz umfasst die 

A­2628/2009 Netzebenen  2  bis  7  und  ist  gemäss  Art.  4  Abs.  1  Bst.  i  StromVG  ein  Elektrizitätsnetz hoher, mittlerer oder niederer Spannung zum Zwecke der  Belieferung  von  Endverbrauchern  oder  Elektrizitätsversorgungsunternehmen.  Art.  14  und  Art. 15  StromVG  enthalten  Bestimmungen  zur  Berechnung  der  Netznutzungsentgelte  sämtlicher Netzebenen  (wenn  der Gesetzgeber  von  den Netzbetreibern  spricht,  sind  damit  sowohl  die  Verteilnetzbetreiber  wie  auch  die  Übertragungsnetzbetreiberin  gemeint;  vgl.  Botschaft  zur  Änderung  des  Elektrizitätsgesetzes  und  zum  Stromversorgungsgesetz  vom  3.  Dezember  2004  [Botschaft  StromVG],  BBl  2005  1646  i.V.m.  BBl  2005  1651  und  ROLF  H.  WEBER/BRIGITTA  KRATZ,  Stromversorgungsrecht,  Ergänzungsband Elektrizitätswirtschaftsrecht, Bern 2009, § 4 Rz. 25).  Nach  Art. 15  Abs. 4  Bst.  a  und  b  StromVG  legt  der  Bundesrat  die  Grundlagen fest zur Berechnung der Betriebs­ und Kapitalkosten und zur  einheitlichen  und  verursachergerechten  Überwälzung  der  Kosten  sowie  der  Abgaben  und  Leistungen  an  Gemeinwesen.  Dabei  ist  der  Einspeisung von Elektrizität auf unteren Spannungsebenen Rechnung zu  tragen.  6.4.3. Die  Anlastung  von  Kosten  des  Übertragungsnetzes  ist  in  Art. 15  StromVV geregelt. Grundsätzlich werden die Kosten gemäss Abs. 1 bis 3  auf  drei  Arten  überwälzt  (vgl.  Erläuternder  Bericht  des  BFE  zum  Vernehmlassungsentwurf  der StromVV vom 27.  Juni  2007  [Erläuternder  Bericht  StromVV]):  Abs.  1  regelt  die  individuell  in  Rechnung  gestellten  Kosten  (individueller  SDL­Tarif)  und  Abs.  2  die  von  allen  rund  900  Netzbetreibern  in  der  Schweiz  getragenen  Kosten  für  die  SDL  (allgemeiner  SDL­Tarif).  Abs. 3  ist  Grundlage  für  die  Überwälzung  der  Kosten  an  die  rund  40  direkt  am  Übertragungsnetz  angeschlossenen  Verteilnetzbetreiber  und  an  die  Endverbraucher.  Die  Beschwerdegegnerin  stellt  den  überwälzten  Kostenblock  den  einzelnen  Netzbetreibern  und  den  am  Übertragungsnetz  direkt  angeschlossenen  Endverbrauchern  gestützt  auf  einen  für  die  Regelzone  Schweiz  einheitlichen Netznutzungstarif in Rechnung (Netznutzungstarif).  Von  Interesse  ist  im  vorliegenden  Fall  die  Überwälzung  der  Kosten  für  allgemeine SDL gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. a StromVV (vgl. Ziff. 2 und 3  des  Dispositivs  sowie  E.  4.3.4.3  und  4.3.4.4  der  angefochtenen  Verfügung) –  im Gegensatz zur Überwälzung der Kosten  für  individuelle  SDL gemäss Art. 15 Abs. 1 Bst. a StromVV. Für die Jahre 2009 bis 2013  wurde  bezüglich  der  Überwälzung  der  allgemeinen  SDL  die 

A­2628/2009 Übergangsbestimmung von Art. 31b StromVV geschaffen. Die fraglichen  Bestimmungen lauten wie folgt:  ­  Art. 15  Abs. 2  Bst.  a  StromVV,  "Anlastung  von  Kosten  des  Übertragungsnetzes" (in der Fassung vom 12. Dezember 2008, AS 2008  6467, in Kraft seit 1. Januar 2009):  2Sie  [Anm.:  die  nationale  Netzgesellschaft,  d.h.  die  Beschwerdegegnerin]  stellt  den  Netzbetreibern  und  den  am  Übertragungsnetz  direkt  angeschlossenen  Endverbrauchern  entsprechend  der  bezogenen  elektrischen  Energie  der  Endverbraucher folgende Kosten in Rechnung: a.  die  Kosten  für  Systemmanagement,  Messdatenmanagement,  Schwarzstart­  und  Inselbetriebsfähigkeit  von  Erzeugern,  Spannungshaltung,  Primärregelung  und die Anteile  der Leistungsvorhaltung  für  die Sekundär­  und Tertiärregelung,  welche  nicht  einer  Bilanzgruppe  zugeordnet  werden  können.  Die  ElCom  legt  jährlich den Höchstbetrag fest; ­ Art. 31b StromVV, "Systemdienstleistungen" (eingefügt mit der Revision  vom 12. Dezember 2008, AS 2008 6467, in Kraft seit 1. Januar 2009):  1Die  nationale  Netzgesellschaft  stellt  in  den  Jahren  2009­2013  den  Netzbetreibern  und  den  am  Übertragungsnetz  direkt  angeschlossenen  Endverbrauchern  entsprechend  der  bezogenen  elektrischen  Energie  der  Endverbraucher  die  Kosten  für  Systemmanagement,  Messdatenmanagement,  Schwarzstart  und  Inselbetriebsfähigkeit  von  Erzeugern,  Spannungshaltung,  Primärregelung  und  die  Anteile  der  Leistungsvorhaltung  für  die  Sekundär­  und  Tertiärregelung, welche nicht einer Bilanzgruppe zugeordnet werden können, zu  höchstens 0,4 Rappen pro kWh in Rechnung. 2Sie  stellt  in  den  Jahren  2009­2013  den  Betreibern  von  Kraftwerken mit  einer  elektrischen  Leistung  von  mindestens  50  MW  den  Teil  der  Kosten  der  Systemdienstleistungen,  der  mit  dem  nach  Absatz  1  festgelegten  Tarif  von  0,4 Rappen  pro  kWh  nicht  gedeckt  werden  kann,  gemäss  ihrem  Anteil  an  der  Bruttoenergieerzeugung individuell in Rechnung.  7.  Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass ihr gestützt auf die per 1. Januar  2009  neu  eingefügten  Bestimmungen  der  StromVV  –  im  Wesentlichen  Art. 31b Abs. 2 – Kosten für allgemeine SDL angelastet werden können.  Das  StromVG  (insbes.  dessen  Art. 14)  biete  hierfür  keine  genügende  gesetzliche  Grundlage.  Die  diesbezüglich  erforderlichen  Abklärungen,  wer  in  Bezug  auf  das  Netznutzungsentgelt  Zahlungspflichtiger  ist,  was 

A­2628/2009 unter  den  individuell  in  Rechnung  gestellten  Kosten  gemäss  Art. 14  Abs. 3 Bst. d StromVG zu verstehen ist und was die Gesetzesdelegation  gemäss  Art. 15  Abs. 4  Bst. b  StromVG  umfasst,  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  bereits  angestellt:  In  seinem  1.  Piloturteil  (A­ 2607/2009)  zu  den  Strompreisen  2009  vom  8.  Juli  2010,  welches  rechtskräftig geworden und amtlich publiziert  ist (BVGE 2010/49), hat es  die  vorstehend  aufgeworfenen  Rechtsfragen  als  materieller  Hauptteil  in  den  E. 8  bis  12  schon  beantwortet.  Es  liegen  hier  keine  zusätzlichen  Gesichtspunkte  vor,  die  noch  einer  separaten  Prüfung  bedürften.  Nachfolgend  werden  der  Vollständigkeit  halber  und  mit  Blick  auf  den  Kostenteil  und  das  Dispositiv  einzig  die  auf  die  vorliegende  Situation  angepassten  Schlussfolgerungen  des  Bundesverwaltungsgerichts,  wie  sie im erwähnten Grundsatzurteil gezogen worden sind, wiedergegeben.  7.1. Die  fragliche  Gesetzesdelegation  ist  in  einem Gesetz  im  formellen  Sinn enthalten  (Art. 15 Abs. 4 Bst. b StromVG), beschränkt sich auf die  Überwälzung  der  Kosten  und  damit  auf  ein  bestimmtes,  genau  umschriebenes Sachgebiet. Sodann sind die wichtigen Regelungen – wie  insbesondere  die  Bestimmung  des  grundsätzlich  zahlungspflichtigen  Endverbrauchers  –  im  StromVG  selber  enthalten  (Art.  14  und  Art. 15  StromVG). Der Gesetzgeber hat somit nicht etwa  in verfassungswidriger  Weise dem Verordnungsgeber die Kompetenz übertragen, betreffend die  nicht  individuell  anrechenbaren  Kosten  neue  Zahlungspflichtige  einzuführen,  sondern  an  ihn  lediglich  die  Aufgabe  delegiert,  die  Überwälzung  der  Kosten  auf  den  Endverbraucher  zu  regeln.  Diese  Gesetzesdelegation  ist  zulässig  (vgl.  nebst  vorne  E. 6.3.1 f.  auch  Botschaft  StromVG,  BBl  2005  1681).  Das  Bundesverwaltungsgericht  kann deshalb Art. 31b StromVV uneingeschränkt auf  seine Gesetz­ und  Verfassungsmässigkeit überprüfen.  7.2. Art. 31b Abs. 2 StromVV belastet die Betreiber von Kraftwerken mit  einer  elektrischen  Leistung  von  mindestens  50  MW  mit  dem  Teil  der  Kosten der SDL, der mit dem nach Art. 31b Abs. 1 StromVV festgelegten  Tarif  nicht  gedeckt  werden  kann.  Art.  31b  Abs.  1  StromVV  betrifft  die  allgemeinen SDL, weshalb  den Betreibern  von Kraftwerken mit Art. 31b  Abs. 2 StromVV Kosten für allgemeine SDL auferlegt werden. Diese sind  als nicht  individuell anrechenbare Kosten Teil des Netznutzungsentgelts.  Auch wenn Art. 31b Abs. 2 StromVV bestimmt, dass den Kraftwerken die  Kosten  für  allgemeine  SDL  gemäss  ihrem  Anteil  an  der  Bruttoenergieerzeugung  individuell  in  Rechnung  zu  stellen  sind,  ändert  dies nichts daran, dass es sich bei den Kosten für allgemeine SDL nicht 

A­2628/2009 um  individuelle  Kosten  handelt.  Gemäss  dem  Konzept  des  StromVG  können  aber  nur  direkt  am  Übertragungsnetz  angeschlossene  Endverbraucher oder in einem ersten Schritt Verteilnetzbetreiber, welche  die Möglichkeit  haben,  die Kosten der  allgemeinen SDL auf  nicht  direkt  am  Übertragungsnetz  angeschlossene  Endverbraucher  (ev.  über  einen  weiteren  Verteilnetzbetreiber)  zu  überwälzen, mit  Kosten  für  allgemeine  SDL  belastet  werden.  Mit  andern  Worten  ist  eine  Überwälzung  der  Kosten  für  allgemeine  SDL  jeweils  nur  dort  gewährleistet  und  zulässig,  wo  vertragliche  Beziehungen  zwischen  den  einzelnen  Akteuren  betreffend  die  Netznutzung  bestehen  (Übertragungsnetzbetreiber  und  direkt  am  Übertragungsnetz  angeschlossene  Endverbraucher,  Übertragungsnetzbetreiber  und  Verteilnetzbetreiber,  Verteilnetzbetreiber  und Verteilnetzbetreiber sowie Verteilnetzbetreiber und Endverbraucher).  Die  Betreiber  von  Kraftwerken  können  die  Kosten  für  die  allgemeinen  SDL  –  im  Gegensatz  zu  den  Verteilnetzbetreibern  –  nicht  an  die  Endverbraucher  überwälzen,  da  zwischen  den  Betreibern  von  Kraftwerken  und  den  Endverbrauchern  keine  vertragliche  Beziehung  betreffend  die  Netznutzung  besteht  (vgl.  MMEE­CH  2009,  Ziff.  2.3,  insbesondere  Ziff. 2.3.2).  Indem  Art.  31b  Abs.  2  StromVV  neu  auch  Betreiber von Kraftwerken mit einer elektrischen Leistung von mindestens  50 MW mit  Kosten  für  allgemeine  SDL  individuell  belastet,  verstösst  er  somit gegen das Ausspeiseprinzip von Art.  14 Abs. 2 StromVG. Zudem  ist  die Bestimmung, wer  das Netznutzungsentgelt  letztlich  zu  entrichten  hat, eine wichtige rechtsetzende Bestimmung im Sinne von Art. 164 Abs.  1 BV und muss bzw. müsste (bei einer abweichenden Neuformulierung)  zwingend im formellen Gesetz verankert sein. Art. 31b Abs. 2 StromVV ist  demnach gesetz­ und verfassungswidrig und kann nicht zur Anwendung  gelangen.  7.3. Das  Argument  der  Vorinstanz,  es  sei  aufgrund  von  Art.  14  Abs. 3  Bst. d StromVG zulässig, den Kraftwerken individuell Kosten anzulasten,  ist nicht stichhaltig. Diese Aussage  ist zwar korrekt, verkennt aber, dass  es im vorliegenden Fall nicht um die Anlastung von individuellen Kosten,  sondern um die Belastung der Kraftwerke mit allgemeinen SDL im Sinne  von Art. 15 Abs. 2 Bst. a bzw. Art. 31b StromVV geht. Diese allgemeinen  SDL  sind  als  Betriebskosten  Teil  des  Netznutzungsentgelts  (Art.  14  Abs. 1  i.V.m.  Art. 15  Abs.  1  und  2  StromVG).  Die  von  der  Vorinstanz  angeführten  individuell  in  Rechnung  gestellten  Kosten  gemäss  Art.  14  Abs. 3  Bst. d  StromVG  sind  dagegen  gerade  nicht  Bestandteil  des  Netznutzungsentgelts.

A­2628/2009 7.4. Weiter bringt die Vorinstanz vor, dass auch Kraftwerke einen Einfluss  auf  den  sicheren  Netzbetrieb  hätten.  Falle  ein  Kraftwerk  aus,  müsse  Regelenergie  ins  Elektrizitätsnetz  eingespeist  werden.  Es  entspreche  dem  Grundsatz  der  Verursachergerechtigkeit,  dass  diese  Kosten  individuell  angelastet  würden.  Werde  die  Regelleistung  ausschliesslich  von  den Endverbrauchern  bezahlt,  habe  der Kraftwerksbetreiber  keinen  Anreiz, Ausfälle zu vermeiden. Auch das Flexibilitätsbedürfnis lasse eine  Regelung  auf  Verordnungsstufe  zu.  Da  es  sich  bei  Art.  31b  Abs.  2  StromVV  um  eine  befristete  Übergangsbestimmung  handle,  sei  der  Eingriff weniger intensiv. Zudem beruhe er auf einem breiten Konsens.  Diese Ausführungen der Vorinstanz  sind  zwar allesamt nachvollziehbar.  So trifft es insbesondere zu, dass Sinn und Zweck von Art. 31b StromVV  sein sollte, die Kosten für SDL verursachergerecht zu verrechnen, damit  die angekündigten Strompreiserhöhungen gedämpft werden könnten (vgl.  Medienmitteilung  des  BFE  vom  5.  Dezember  2008).  Sie  ändern  jedoch  nichts  an  der  Tatsache,  dass  für  neue  Zahlungspflichtige  bzw.  die  Einführung  einer  neuen  Kategorie  von  Zahlungspflichtigen  des  Netznutzungsentgelts gestützt auf Art. 164 Abs. 1 BV eine Grundlage im  formellen Gesetz erforderlich  ist  (vgl. vorne E. 7.2). Ein Abweichen vom  Erfordernis  der Gesetzmässigkeit  aus Gründen  der Praktikabilität  –  das  BFE  hält  in  seiner  Medienmitteilung  vom  5.  Dezember  2008  fest,  die  Massnahmen gemäss  revidierter StromVV  seien  "einfach  zu  vollziehen"  und würden zu einer "kurzfristig wirksamen Strompreisreduktion" führen –  ist  nicht  zulässig.  Wie  bereits  erwähnt,  hat  der  Gesetzgeber  in  Art.  15  Abs. 4  Bst. b  StromVG  nicht  etwa  den  Verordnungsgeber  in  verfassungswidriger  Weise  ermächtigt,  in  Bezug  auf  das  Netznutzungsentgelt  zusätzliche  Zahlungspflichtige  neben  den  Endverbrauchern gemäss Art. 14 Abs. 2 StromVG festzulegen. Die ElCom bringt mit Betonung auf den Charakter von Art. 31b StromVV  als  Übergangsbestimmung  schliesslich  noch  vor,  die  Exekutive  könne  beim  Fehlen  einer  gesetzlichen  Regelung  kraft  ihrer  Kompetenz  zur  Regelung des Inkrafttretens auch das Übergangsrecht umfassend ordnen  und  verweist  dazu  auf  BGE  106  Ia  256  f.  Auch  daraus  kann  die  Vorinstanz  jedoch  nichts  zu  ihren  Gunsten  ableiten,  da  der  Verordnungsgeber  im  vorliegenden  Fall  über  seine  ihm  übertragene  Kompetenz zur Regelung der Überwälzung der Kosten  in Art. 15 Abs. 4  Bst.  b  StromVG  hinausgegangen  ist  und  mit  den  Betreibern  von  Kraftwerken  in  der  StromVV  neue  Zahlungspflichtige  bzw.  eine  neue  Kategorie  von  Zahlungspflichtigen  betreffend  das  Netznutzungsentgelt 

A­2628/2009 eingeführt  hat.  Dagegen  enthält  die  Übergangsregelung  in  BGE  106  Ia  254  E.  2c  keine  grundsätzlichen  Rechtssätze  im  Sinne  von  Art.  164  Abs. 1 BV.  7.5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  zum  Schluss,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Eigenschaft  als  Betreiberin  mehrerer  Kraftwerke mit einer elektrischen Leistung von mindestens 50 MW nicht  mit Kosten  für allgemeine SDL belastet werden kann. Deshalb  ist Ziff. 3  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung,  soweit  sie  betreffend,  aufzuheben.  8.  8.1.  Die  Beschwerdeführerin  beantragt  auch  die  Aufhebung  von  Ziff. 2  Satz 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung und bestreitet somit  den von der Vorinstanz  für allgemeine SDL  festgelegten Tarif  2009 von  0.77 Rappen/kWh (Ziff. 2 Satz 1 des Dispositivs) nicht. Sie rügt lediglich,  dass  von  diesen  0.77  Rappen/kWh  bloss  0.4  Rappen/kWh  den  Netzbetreibern  und  den  direkt  am  Übertragungsnetz  angeschlossenen  Endverbrauchern  angelastet  werden  dürfen  (Ziff.  2  Satz  2  des  Dispositivs). Nur  insofern  ist  Ziff. 2  des Dispositivs  deshalb nachfolgend  auf ihre Rechtmässigkeit zu überprüfen. Eingangs ist (auch mit Bezug auf  einen entsprechenden Teil des Hauptbegehrens der Beschwerdeführerin)  anzumerken,  dass  Ziff.  2  Satz  2  des  Dispositivs  die  "Endverbraucher"  aufführt,  welchen  die  0.4  Rappen/kWh  entsprechend  der  "bezogenen  elektrischen Energie" angelastet werden sollen. Dabei handelt es sich um  einen  Redaktionsfehler.  Gemeint  sind  Art. 31b  Abs. 1  StromVV  folgend  die Netzbetreiber und die direkt am Übertragungsnetz angeschlossenen  Endverbraucher,  welchen  die  0.4  Rappen/kWh  entsprechend  der  "bezogenen Energie der Endverbraucher" angelastet werden.  8.2. Art. 31b Abs. 1 StromVV bestimmt, dass den Netzbetreibern und den  am  Übertragungsnetz  direkt  angeschlossenen  Endverbrauchern  die  Kosten  für allgemeine SDL zu höchstens 0.4 Rappen/kWh  in Rechnung  gestellt werden.  Die  Beschränkung  der  Belastung  der  Netzbetreiber  und  der  am  Übertragungsnetz  direkt  angeschlossenen  Endverbraucher  auf  0.4  Rappen/kWh  erfolgte  erst  mit  der  Revision  der  StromVV  vom  12.  Dezember 2008 (vgl. vorne E. 6.4.3) und im Hinblick auf die Bestimmung  von Art. 31b Abs. 2 StromVV, wonach auch Betreiber von Kraftwerken mit  Kosten  für  allgemeine  SDL  belastet  werden  sollten.  Wie  bereits 

A­2628/2009 festgehalten,  ist Art. 31b Abs. 2 StromVV gesetz­ und verfassungswidrig  und  kann  nicht  angewendet  werden.  Das  StromVG  sieht  vor,  dass  das  gesamte Netznutzungsentgelt  und  damit  auch  die  gesamten Kosten  für  allgemeine SDL von den Endverbrauchern zu tragen sind (Art. 14 Abs. 2  StromVG). Zur Beschränkung der Belastung der Endverbraucher hat der  Gesetzgeber im Gegenzug verbindliche Vorschriften zur Berechnung des  Netznutzungsentgelts, insbesondere der anrechenbaren Kosten, erlassen  (Art.  14  Abs. 1  i.V.m.  Art. 15  StromVG).  Die  Vorinstanz  hat  die  Kompetenz, zu überprüfen, welche Kosten anrechenbar im Sinne von Art.  15 Abs. 1 StromVG sind (Art. 22 Abs. 2 Bst. b StromVG).  Die  von  der  Vorinstanz  anerkannten  Kosten  für  allgemeine  SDL  entsprechen einem Tarif  von 0.77 Rappen/kWh. Diese Kosten  sind den  Netzbetreibern  und  den  am  Übertragungsnetz  direkt  angeschlossenen  Endverbrauchern entsprechend der bezogenen elektrischen Energie der  Endverbraucher  vollumfänglich  in  Rechnung  zu  stellen.  Art.  31b  Abs. 1  StromVV  ist  somit  insofern gesetzwidrig und kann nicht zur Anwendung  gelangen,  als  er  bestimmt,  dass  den  Netzbetreibern  und  den  am  Übertragungsnetz direkt angeschlossenen Endverbrauchern nur ein Tarif  für allgemeine SDL zu höchstens 0.4 Rappen/kWh  in Rechnung gestellt  werden kann. In diesem Sinne ist auch Ziff. 2 Satz 2 des Dispositivs der  angefochtenen  Verfügung  mit  Bezug  auf  die  Beschwerdeführerin  aufzuheben.  9.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  die  Verfahrensrechte  der  Beschwerdeführerin  bezüglich  des  Gutachtens  Regelleistungsbedarf nicht verletzt hat. Jedoch verstösst Art. 31b Abs. 2  StromVV gegen Art. 164 Abs. 1 BV und Art. 14 Abs. 2 StromVG,  ist mit  andern  Worten  verfassungs­  und  gesetzwidrig  und  kann  damit  nicht  angewendet  werden.  Art. 31b  Abs. 1  StromVV  ist  insofern  gesetzwidrig  und  kann  nicht  zur  Anwendung  gelangen,  als  er  bestimmt,  dass  den  Netzbetreibern  und  den  am  Übertragungsnetz  direkt  angeschlossenen  Endverbrauchern  nur  ein  Tarif  für  allgemeine  SDL  zu  höchstens  0.4  Rappen/kWh  in  Rechnung  gestellt  werden  kann.  Weil  sich  einzig  eine  Rüge im formellen Bereich als unbegründet erwiesen hat, welche zudem  von  untergeordneter  Bedeutung  ist,  ist  die  Beschwerde  der  Beschwerdeführerin somit (trotzdem vollständig) gutzuheissen und Ziff. 2  Satz 2 sowie Ziff. 3 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom 6.  März  2009  sind  –  soweit  die  Beschwerdeführerin  betreffend –  aufzuheben. 

A­2628/2009 10.  Das  Bundesverwaltungsgericht  auferlegt  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich  der  unterliegenden  Partei  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Da  die  Beschwerdeführerin  wie  auch  die  Beschwerdegegnerin  obsiegen,  während der unterliegenden Vorinstanz nach Art. 63 Abs. 2 VwVG keine  Verfahrenskosten  auferlegt  werden  können,  werden  keine  Verfahrenskosten erhoben. Demnach ist der von der Beschwerdeführerin  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr. 2'000.­­  ihr  nach  Eintritt  der  Rechtskraft dieses Urteils vollumfänglich zurückzuerstatten.  Parteientschädigungen  werden  mangels  anwaltlicher  Vertretung  aller  Parteien keine ausgerichtet.  Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird  gutgeheissen,  und Ziff.  2 Satz 2  sowie  Ziff. 3  des  Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom 6. März 2009 werden mit  Bezug auf die Beschwerdeführerin aufgehoben.  2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der  von  der  Beschwerdeführerin  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr. 2'000.­­  wird  ihr  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  dieses  Urteils  vollumfänglich  zurückerstattet.  Hierzu  hat  sie  dem  Bundesverwaltungsgericht einen Einzahlungsschein zuzustellen oder ihre  Kontonummer bekannt zu geben.  3.  Parteientschädigungen werden keine zugesprochen. 

A­2628/2009 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. 952­08­005; Gerichtsurkunde) – das Generalsekretariat UVEK (Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: André Moser Christian Kindler Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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