Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 26.09.2011 A-1344/2011

26 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,325 parole·~17 min·2

Riassunto

Mehrwertsteuer | Mehrwertsteuer (Schlussabrechnung per 31. Dezember 2008)

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­1344/2011 und A­3285/2011 Urteil   v om   2 6 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Markus Metz (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, Richter Michael Beusch, Gerichtsschreiber Jürg Steiger. Parteien A._______, Beschwerdeführerin,  gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung  Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Mehrwertsteuer (Schlussabrechnung per 31. Dezember  2008; Einlageentsteuerung).

A­1344/2011 und A­3285/2011 Sachverhalt: A.  Die  A._______  bezweckt  insbesondere  den  Vertrieb  sowie  die  Herstellung  elektronischer Medien,  v.a.  Fernsehprogramme  im  (…).  Sie  war  vom  1. Januar  bis  31.  Dezember  2008  im  Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen  bei  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  (ESTV)  eingetragen.  Diese  bewilligte  ihr  am  5.  November  2007  die  Abrechnung der Mehrwertsteuer nach vereinnahmten Entgelten. B.  Mit Schreiben vom 30. Oktober 2009  teilte die A._______ mit,  sie habe  ihren  Betrieb  seit  längerem  eingestellt.  Im  Fragebogen  der  ESTV  betreffend  die  Abklärung  für  eine  Löschung,  datiert  vom  6.  November  2009,  bestätigte  die  A._______,  sie  habe  ihren  Geschäftsbetrieb  per  31. Dezember 2008 aufgegeben. Am 12. Januar 2010 teilte ihr die ESTV  mit,  sie  habe  sie  per  31.  Dezember  2008  aus  dem  Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen gelöscht. Im Weiteren führte die ESTV aus, die  beiliegende  Schlussabrechnung  müsse  zwingend  ausgefüllt  werden.  Angaben über das Ausfüllen könnten der Anleitung entnommen werden. C.  Mit Ergänzungsabrechnung (EA) Nr. 564920 vom 22. Juni 2010 stellte die  ESTV der A._______ eine provisorische Steuerforderung von Fr. 15'000.­ ­  Mehrwertsteuer  in  Rechnung.  Es  handelte  sich  um  eine  ermessensweise  Schätzung,  da  die  Schlussabrechnung  trotz  Mahnung  nicht eingereicht worden sei. D.  Mit  E­Mail  vom  27.  Juli  2010  reichte  die  A._______  das  Abrechnungsformular  für das 4. Quartal 2009 ein, wobei  sie darauf u.a.  den  Vermerk  "Schlussabrechnung"  anbrachte.  Sie  deklarierte  Fr.  0.­­  Steuern und Fr. 0.­­ Vorsteuern.  Im Weiteren  reichte die A._______ am  gleichen Tag die Bilanz per 31. Dezember 2008 ein. E.  Mit  E­Mail  vom  27.  August  2010  sandte  die  A._______  der  ESTV  die  Erfolgsrechnung per 31. Dezember 2008 zu. Im Weiteren reichte sie eine  eingescannte  und  nicht  unterzeichnete  Schlussabrechnung  per  31. Dezember  2008  ein.  Im  E­Mail  bat  sie  die  ESTV  um  Hilfe  bei  der  korrekten Ausfüllung. Bei den Positionen "Betriebsmittel/Investitionsgüter"  und "Dienstleistungen" setzte sie Fragezeichen.

A­1344/2011 und A­3285/2011 F.  Mit E­Mail vom 10. September 2010  teilte die A._______ der ESTV mit,  ein Vorsteuerjournal habe sie nicht. Es seien aber sämtliche Rechnungen  alphabetisch geordnet. Die eingescannten Rechnungen mit den grössten  Beträgen befänden sich  im Anhang des E­Mails.  Im Weiteren  führte sie  aus,  sie  könne  sämtliche  Rechnungen  so  zustellen  und  bat  die  ESTV  mitzuteilen, welche benötigt würden. G.  Am 21. September 2010 erliess die ESTV einen anfechtbaren Entscheid.  Darin  bestätigte  sie  für  die Schlussabrechnung per  31. Dezember  2008  die Steuerforderung in der Höhe von Fr. 15'000.­­ zuzüglich Verzugszins  gemäss  der  EA  Nr.  564920.  Gegen  diesen  Entscheid  erhob  die  A._______ am 23. Oktober  2010 Einsprache. Sie machte  insbesondere  geltend, sie weise ein Mehrwertsteuerguthaben von Fr. 98.63 auf. H.  Mit  Einspracheentscheid  vom  27.  Januar  2011  hiess  die  ESTV  die  Einsprache teilweise gut. Sie erkannte, die A._______ schulde ihr für die  Schlussabrechnung per 31. Dezember 2008 Fr. 1'358.80 Mehrwertsteuer  zuzüglich Verzugszins. Zur Begründung  führte sie  im Wesentlichen aus,  sie  habe  erst  mit  dem  in  der  Einsprache  enthaltenen  Buchungsjournal  eine  Korrektur  ihrer  Ermessenseinschätzung  vornehmen  können.  Der  Abgleich der in den eingereichten Abrechnungen (1. bis 4. Quartal 2008)  deklarierten Umsätze und Vorsteuern mit dem Buchhaltungsjournal habe  ergeben,  dass  die  A._______  für  die  Schlussabrechnung  per  31. Dezember  2008  noch  Fr. 1'358.80  schulde.  In  der  Folge  stellte  die  ESTV  die  Gutschriftsanzeige  (GS)  Nr.  680341  vom  27. Januar  2011  in  der Höhe des Differenzbetrags von Fr. 13'641.20 aus. I.  Mit  Eingabe  vom  25.  Februar  2011  führte  die  A._______  (Beschwerdeführerin)  Beschwerde  gegen  den  Einspracheentscheid  der  ESTV  vom  27.  Januar  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  mit  den  folgenden Anträgen: "(1) Der Entscheid ist partiell, soweit er zum Nachteil  der  Einsprecherin  gereicht,  aufzuheben.  (2)  Die  Betreibung  ist  zurückzuziehen  und  im  Betreibungsregister  zu  löschen.  (3)  Es  ist  festzustellen,  dass  die  Einsprecherin  keine  Mehrwertsteuer  mehr  schuldet. (4) Alles ist unter Kosten­ und Entschädigungsfolgen zu Lasten  der  ESTV  zu  beurteilen".  Zur  Begründung  brachte  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  vor,  ihr  Ziel  sei  es  gewesen,  die 

A­1344/2011 und A­3285/2011 ausgeschriebene  Konzession  für  ein  Regionalfernsehen  im  (…)  zu  erlangen. Der Sendebeginn sei am 1. Januar 2008 gewesen. Dies habe  zur  Folge  gehabt,  dass  sie  bereits  vor  diesem  Datum  Leistungen  von  ihren Vertragspartnern bezogen habe. Im Jahr 2007 habe sie Fr. 1'358.95  Vorsteuern auf solchen Leistungen bezahlt. Bestritten sei im vorliegenden  Verfahren nur noch dieser Betrag. Sie habe bereits bei  ihrer Anmeldung  vom  18.  Juni  2007  angeführt,  sie  werde  im  Jahr  2007  diverse  Investitionen vornehmen. Vorliegend seien die Voraussetzungen für eine  Einlageentsteuerung betreffend die  im Jahr 2007 bezogenen Leistungen  erfüllt. Ohne diese Vorleistungen wäre es ihr nicht möglich gewesen, den  Betrieb  am  1.  Januar  2008  aufzunehmen.  Zu  berücksichtigen  seien  Rechnungen  des Notars  in  der Höhe  von  Fr. 2'023.75  (inkl. MWST)  für  die Gründung,  der X._______  von  insgesamt Fr. 12'912.­­  (inkl. MWST)  für  Beratungsleistungen  sowie  der  Y._______  von  Fr. 4'304.­­  (inkl.  MWST) für die Erstellung von Unterlagen und Koordinationsaufgaben. J.  Am 12. Mai 2011 erliess die ESTV wiedererwägungsweise einen neuen  Einspracheentscheid.  Sie  hiess  die  Einsprache  teilweise  gut  und  erkannte, die Beschwerdeführerin schulde ihr für die Schlussabrechnung  per 31. Dezember 2008 keine Mehrwertsteuer. Zur Begründung brachte  sie  insbesondere  vor,  aufgrund  der  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  eingereichten  Rechnungen  für  die  im  Jahr  2007  bezogenen  Dienstleistungen  könnten  die  betreffenden  Vorsteuern  gewährt werden. Die ESTV habe  in  ihrem Einspracheentscheid vom 27.  Januar  2011  die  in  der  Einsprache  aufgeführten  Leistungsbezüge  2007  (Advokaturleistungen,  Treuhandleistungen  sowie  Werbung)  mangels  weiterer Angaben praxisgemäss als Dienstleistungen qualifiziert, die beim  Bezug als verbraucht gelten und deswegen nicht zur Einlageentsteuerung  zugelassen.  Erst  mit  den  von  der  Beschwerdeführerin  im  Beschwerdeverfahren  neu  eigereichten  mehrwertsteuerkonformen  Rechnungen  sei  es  für  die ESTV ersichtlich  gewesen,  dass es  sich  bei  diesen  im  Jahr  2007  bezogenen Dienstleistungen  um  solche  gehandelt  habe,  die  für  die Aufnahme  der Geschäftstätigkeit  erforderlich  gewesen  seien. K.  Am  9.  Juni  2011  führte  die  Beschwerdeführerin  –  eine  zusätzliche –  Beschwerde  gegen  den  wiedererwägungsweise  erlassenen  Einspracheentscheid  vom  12. Mai  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht.  Darin  stellte  sie  folgende  Anträge:  "(1)  Der 

A­1344/2011 und A­3285/2011 Entscheid ist, was den Sachverhalt bzw. deren Darstellung anbelangt, zu  berichtigen.  (2)  Die  Betreibung  ist  zurückzuziehen  und  im  Betreibungsregister  zu  löschen.  (3)  Es  ist  festzustellen,  dass  die  Einsprecherin  keine  Mehrwertsteuer  mehr  schuldet.  (4)  Alles  ist  unter  Kosten­ und Entschädigungsfolge zu Lasten der ESTV zu beurteilen." Zur  Begründung  legte  die  Beschwerdeführerin  insbesondere  dar,  die  ESTV  habe  den Sachverhalt  nicht  korrekt wiedergegeben. Mit  E­Mail  vom 27.  Juli 2010 habe sie die Schlussdeklaration eingereicht mit der Bemerkung,  sie  erwarte  eine  Rückantwort.  Eine  solche  sei  aber  nicht  erfolgt.  Die  ESTV  habe  sie  also  im  Glauben  gelassen,  alles  sei  in  Ordnung.  Im  Weiteren  habe  sie  der  ESTV  mit  E­Mail  vom  10.  September  2010  sämtliche  Rechnungen  und  nicht  –  wie  von  dieser  dargelegt  –  bloss  diverse  Rechnungen  eingereicht.  Entgegen  der  Behauptung  der  ESTV  habe  sie  keine  Schlussabrechnung  erhalten,  vielmehr  sei  gleich  die  Betreibung  eingeleitet  worden.  Die  ESTV  habe  die  Zustellung  der  Schlussabrechnung zu beweisen. Das Bundesverwaltungsgericht führte diese (neue) Beschwerde unter der  Aktennummer A­3285/2011. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Juni 2011  schloss  die  ESTV  auf  Nichteintreten,  da  es  sich  um  die  gleiche  Streitsache  handle  wie  bei  der  Beschwerde  vom  25.  Februar  2011  (Beschwerdeverfahren A­1344/2011) und diese rechtshängig sei. L.  Im  Beschwerdeverfahren  A­1344/2011  reichte  die  Beschwerdeführerin  am 15. Juni 2011 auf Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts eine  Stellungnahme  zum  wiedererwägungsweise  erlassenen  Einspracheentscheid  vom  12.  Mai  2011  ein.  Diese  Stellungnahme  war  inhaltlich  identisch mit  ihrer Beschwerde vom 9. Juni 2011  im Verfahren  A­3285/2011. Auf  die  Eingaben  der  Parteien  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  im  Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art.  31  des Bundesgesetzes  vom 17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen 

A­1344/2011 und A­3285/2011 Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor und  die  ESTV  ist  eine  Behörde  im  Sinn  von  Art.  33  VGG.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist daher  für die Beurteilung der vorliegenden  Beschwerden  zuständig.  Soweit  das  VGG  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG. 1.2.  Grundsätzlich  bildet  jeder  vorinstanzliche  Entscheid  ein  selbständiges Anfechtungsobjekt und ist deshalb einzeln anzufechten. Es  ist gerechtfertigt, von diesem Grundsatz abzuweichen und die Anfechtung  in einem gemeinsamen Verfahren mit einem einzigen Urteil  zuzulassen,  wenn  die  einzelnen  Sachverhalte  in  einem  engen  inhaltlichen  Zusammenhang  stehen  und  sich  in  allen  Fällen  gleiche  oder  ähnliche  Rechtsfragen stellen  (vgl. BGE 131 V 222 E. 1, 127 V 156 E. 1, 123 V  214  E.  1;  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_188/2010  und  2C_194/2010  vom  24.  Januar  2011  E.  1.1,  2C_872/2008  und  2C_873/2008  vom  7.  Dezember 2009 E. 1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­8794/2007  und  A­8755/2007  vom  18.  Oktober  2010  E.  1.2).  Unter  den  gleichen  Voraussetzungen  können  auch  getrennt  eingereichte  Beschwerden  in  einem  Verfahren  vereinigt  werden.  Ein  solches  Vorgehen  dient  der  Verfahrensökonomie  und  liegt  im  Interesse  aller  Beteiligten  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­6834/2007 und A­6835/2007 vom 14. Juni  2010  E. 1.3;  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.17).  Diese  Voraussetzungen  sind  im  vorliegenden  Fall  erfüllt,  ist  doch  in  beiden  Fällen  dasselbe  Steuersubjekt  betroffen,  entsprechen  sich  die  Sachverhalte und stellen sich gleiche Rechtsfragen (vgl. zur vorliegenden  Konstellation  AUGUST  MÄCHLER,  in  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/St. Gallen 2008, Art. 58 N. 20 mit Hinweis). Daher  rechtfertigt es  sich,  die  zwei  Beschwerdeverfahren  A­1344/2011  und  A­3285/2011  zu  vereinigen und in einem einzigen Urteil zu erledigen. 1.3.  Als  Prozessvoraussetzungen  –  auch  Sachurteilsvoraussetzungen  genannt  –  werden  die  Vorbedingungen  bezeichnet,  die  erfüllt  sein  müssen, damit die Behörde eine Beschwerde zu behandeln und darüber  materiell  zu  befinden  hat  (ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich  1998,  N. 410).  Zu  den  Prozessvoraussetzungen  gehören  unter  anderem  die  Beschwerdebefugnis  der  ein  Rechtsmittel  einlegenden 

A­1344/2011 und A­3285/2011 Person  (Art.  48  VwVG),  ein  form­  und  fristgerecht  eingereichtes  Rechtsmittel  (Art.  50  und  51  ff.  VwVG)  und  das  Fehlen  anderweitiger  Rechtshängigkeit  oder  eines  rechtskräftigen  Entscheids  in  der  gleichen  Sache  (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­4166/2010 vom 17. Mai  2011 E. 1.2; KÖLZ/HÄNER,  a.a.O., N 414). Damit  die Rechtsmittelinstanz  auf  eine Beschwerde  eintritt  und  diese materiell  behandelt, müssen  die  Prozessvoraussetzungen  nachgewiesen  sein.  Die  angerufene  Behörde  prüft  sie  von  Amtes  wegen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 1276/2008 vom 1. September 2009 E. 2.1). Im vorliegenden Fall hat die ESTV ihren Einspracheentscheid im Rahmen  von Art. 58 Abs. 1 VwVG in Wiedererwägung gezogen. Gemäss Art. 58  Abs.  3  VwVG  setzt  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Behandlung  der  Beschwerde  vom  25.  Februar  2011  fort,  soweit  diese  durch  den  neuen  Einspracheentscheid vom 12. Mai 2011 nicht gegenstandslos geworden  ist.  Da  bezüglich  der  noch  streitigen  Punkte  also  weiterhin  Rechtshängigkeit  besteht,  ist  auf  die  Beschwerde  vom  9. Juni  2011  gegen den wiedererwägungsweise erlassenen Einspracheentscheid vom  12. Mai 2011 nicht einzutreten (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O.,  Rz. 3.46). 1.4.  1.4.1.  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  kann  nur  sein,  was  Gegenstand  des  Einspracheentscheids  war  oder  nach  richtiger  Gesetzesauslegung hätte sein sollen (Anfechtungsobjekt). Gegenstände,  über welche die Vorinstanz nicht entschieden hat, und über die sie nicht  zu  entscheiden  hatte,  sind  aus Gründen  der  funktionellen  Zuständigkeit  durch die zweite  Instanz nicht zu beurteilen  (Urteile des Bundesgerichts  2A.121/2004 vom 16. März 2005 E. 2.1, 2C_642/2007 vom 3. März 2008  E.  2.2;  statt  vieler:  BVGE  2010/12  E. 1.2.1).  Der  Streitgegenstand  wird  zudem  durch  die  Parteianträge  definiert  und  braucht  mit  dem  Anfechtungsobjekt  nicht  übereinzustimmen.  Er  darf  sich  im  Laufe  des  Beschwerdeverfahrens  nur  verengen,  er  kann  nicht  erweitert  oder  qualitativ verändert werden (Urteil des Bundesgerichts 2A.121/2004 vom  16. März 2005 E. 2.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­1626/2010  vom 28. Januar 2011 E. 1.2.1). Was Streitgegenstand  ist, bestimmt sich  nach dem angefochtenen Entscheid und den Parteibegehren (BGE 133 II  35 E. 2). Die  Beschwerdeführerin  beantragt  den  Rückzug  der  Betreibung  und  deren  Löschung  im  Betreibungsregister  (vgl.  Antrag  Nr.  2  ihrer 

A­1344/2011 und A­3285/2011 Beschwerde  vom  25.  Februar  2011).  Über  diesen  Punkt  hat  die  ESTV  nicht  entschieden.  Da  sich  der  Streitgegenstand  im  Laufe  des  Beschwerdeverfahrens  nicht  erweitern  darf,  ist  auf  diesen  Antrag  nicht  einzutreten. 1.4.2.  Der  Erlass  einer  Feststellungsverfügung  bedingt,  dass  das  schutzwürdige  Interesse  nicht  durch  eine  rechtsgestaltende  Verfügung  (bzw.  eine  Leistungsverfügung)  gewahrt  werden  kann  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_726/2009  vom  20.  Januar  2010 E.  1.3;  BGE  126  II  300  E.  2c;  BVGE  2010/12  E. 2.3,  2007/24  E.  1.3;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­4695/2008 vom 24. März 2011 E. 1.4). Der  Beschwerdeführerin  fehlt hinsichtlich  ihres Feststellungsbegehrens, dass  sie  keine  Mehrwertsteuer  schulde,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen  Behandlung,  weil  anhand  des  negativen  Leistungsbegehrens,  dem  Antrag  auf  Aufhebung  der  angefochtenen  Nachbelastung  (durch  Aufhebung  des  Einspracheentscheids,  soweit  er  zum  Nachteil  der  Beschwerdeführerin  sei),  entschieden  werden  kann,  ob  die  fragliche  Steuernachbelastung  zu  Recht  besteht.  Auf  das  Feststellungsbegehren  (Rechtsbegehren Nr. 3 der Beschwerde vom 25. Februar 2011) ist somit  nicht einzutreten. 1.4.3.  Unter  diesen  Vorbehalten  ist  auf  die  ansonsten  form­  und  fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 25. Februar 2011 einzutreten. 1.5.  1.5.1. Die Prozesserledigung zufolge Gegenstandslosigkeit setzt voraus,  dass  das  Rechtsschutzinteresse  an  der  materiellen  Beurteilung  nicht  mehr anerkannt werden kann. Diesem Erfordernis  ist dann bzw.  in dem  Umfang  Genüge  getan,  als  ein  im  Rahmen  von  Art.  58  Abs.  1  VwVG  pendente  lite  erlassener  Wiedererwägungsentscheid  den  Anträgen  der  beschwerdeführenden  Person  entspricht  oder  gar  darüber  hinausgeht  (statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­6995/2010 vom 29.  Juli  2011,  A­457/2010  vom  30. Juni  2010; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O., Rz. 3.46). 1.5.2.  Vorliegend  entsprach  die  ESTV  in  ihrem  wiedererwägungsweise  erlassenen  Einspracheentscheid  vom  12.  Mai  2011  den  Anträgen  der  Beschwerdeführerin  insoweit,  als  sie  erkannte,  diese  habe  ihr  für  die  Schlussabrechnung  per  31.  Dezember  2008  keine  Mehrwertsteuer  zu  bezahlen  (Ziff. 2 des Dispositivs).  Insoweit  ist das Beschwerdeverfahren  als gegenstandslos abzuschreiben.

A­1344/2011 und A­3285/2011 In  der  Folge  beschränkt  sich  der  vorliegende  Streitgegenstand  auf  die  Verteilung der Kosten des Beschwerdeverfahrens. 1.6.  1.6.1. Die ESTV beantragt, die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen,  da  diese  das  Verfahren  unnötigerweise  verursacht  habe.  Die  Beschwerdeführerin  verneint  dies  und  beantragt  die  Auferlegung  der  Kosten  an  die  ESTV.  In  diesem  Zusammenhang  verlangt  sie  in  ihrer  Stellungnahme  vom  15. Juni  2011  eine Berichtigung der Sachverhaltsdarstellung der Vorinstanz (Antrag Nr.  1  der  Stellungnahme).  Materiell  bildet  dieses  Begehren  Teil  der  Begründung ihres Antrags auf Auferlegung der Kosten an die Vorinstanz.  Zur  Bemessung  ihrer  geltend  gemachten  Parteientschädigung  hat  die  Beschwerdeführerin eine Kostennote eingereicht. 1.6.2. Nach  Art.  63  Abs.  1  VwVG  werden  die  Verfahrenskosten  in  der  Regel  der  unterliegenden  Partei  auferlegt.  Bei  gegenstandslos  gewordenen Verfahren werden die Kosten gemäss Art. 5 des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  in  der  Regel  jener  Partei  auferlegt,  deren  Verhalten  die  Gegenstandslosigkeit  bewirkt  hat.  Die Bestimmung dieser Partei erfolgt nach materiellen Kriterien. Zieht die  Vorinstanz  ihren  Entscheid  in  Wiedererwägung,  gilt  deshalb  die  Vorinstanz nur dann als im Sinn von Art. 5 VGKE unterliegend, wenn sie  ihren  Entscheid  aus  besserer  eigener  Erkenntnis  abgeändert  hat  und  nicht  dann, wenn  sie  dies  tut, weil  der Beschwerdeführer  den Umstand  beseitigt  hat,  der  Anlass  zum  Einschreiten  gegeben  hat  (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  Rz. 4.56).  Hat  der  Beschwerdeführer  das  Wiedererwägungsverfahren  unnötigerweise  und  aus  eigenem  Verschulden  verursacht,  etwa  weil  er  seinen  Mitwirkungspflichten  nicht  nachgekommen  ist  und  Beweismittel  zu  spät  eingereicht  hat,  sind  die  Kosten  demnach  ihm  aufzuerlegen  (ANDREA  PFLEIDERER,  in  Praxiskommentar,  a.a.O.,  Art. 58  N.  50;  Entscheid  der  Eidgenössischen  Steuerrekurskommission  [SRK]  vom  13. November  1998,  veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB]  63.79 E. 4; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­4417/2007  vom 10. März 2010 E. 4.2.2).

A­1344/2011 und A­3285/2011 Im  Weiteren  kann  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  Art.  64  Abs.  1  VwVG  der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden  Partei  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  ihr  erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zusprechen.  Wird  ein  Verfahren  gegenstandslos,  so  prüft  das  Gericht,  ob  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen ist. Für die Festsetzung der Parteientschädigung gilt Art. 5  VGKE sinngemäss (Art. 15 VGKE). 1.6.3. Vorliegend gilt die Beschwerdeführerin hinsichtlich der Beschwerde  vom  9.  Juni  2011  und  betreffend  die  Beschwerdeanträge  vom  25. Februar  2011,  auf  die das Bundesverwaltungsgericht  ebenfalls nicht  eingetreten  ist,  als  unterliegende  Partei.  Sie  hat  demnach  insoweit  gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten zu tragen. Mit Bezug  auf  die  Gegenstandslosigkeit  des  Beschwerdeverfahrens  ist  zu  bestimmen,  wer  diese  verursacht  hat.  Die  Gegenstandslosigkeit  trat  formell  aufgrund  des  von  der  ESTV  wiedererwägungsweise  erlassenen  Einspracheentscheids  ein,  in  dem  diese  die  Einlageentsteuerung  betreffend  die  von  der  Beschwerdeführerin  im  Jahr  2007  bezogenen  Leistungen  –  im  Unterschied  zu  ihrem  ursprünglichen  Einspracheentscheid vom 27. Januar 2011 – akzeptiert hat. In  der  Folge  ist  abzuklären,  ob  die  ESTV  bereits  in  ihrem  Einspracheentscheid vom 27. Januar 2011 die Einlageentsteuerung hätte  zulassen  müssen  und  dies  nun  (bloss)  aus  besserer  Erkenntnis  getan  hat.  In  diesem  Fall  hätte  die  ESTV  die  Gegenstandslosigkeit  dieses  Beschwerdeverfahrens  auch  materiell  verursacht  und  würde  als  unterliegende  Partei  gelten,  mit  dem  Ergebnis,  dass  der  Beschwerdeführerin  diesbezüglich  keine  Kosten  aufzuerlegen  und  ihr  eine  Parteientschädigung  auszurichten  wäre.  Hat  dagegen  die  ESTV  ihren  Einspracheentscheid  aus  Gründen  in  Wiedererwägung  gezogen,  die der Beschwerdeführerin anzulasten sind – insbesondere aufgrund der  Verletzung  von Mitwirkungspflichten  vor  der Vorinstanz  –  und hat  diese  das  Beschwerdeverfahren  damit  unnötigerweise  und  schuldhaft  verursacht, würde sie als unterliegende Partei gelten. In diesem Fall hätte  die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten zu  tragen und es wäre  ihr  keine Parteientschädigung zuzusprechen. Im  Folgenden  ist  demnach  zu  prüfen,  ob  die  ESTV  in  ihrem  Einspracheentscheid vom 27. Januar 2011 die Einlageentsteuerung hätte  zulässen  müssen.  Dazu  sind  zunächst  die  diesbezüglich  relevanten  materiell­rechtlichen Grundlagen aufzuzeigen.

A­1344/2011 und A­3285/2011 2.  2.1.  Der  Bund  erhebt  eine  allgemeine  Verbrauchssteuer  nach  dem  System der Netto­Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug  (Mehrwertsteuer;  Art. 130  der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR  101]).  Am  1.  Januar  2010  ist  das  Mehrwertsteuergesetz vom 12. Juni 2009 (MWSTG, SR 641.20)  in Kraft  getreten.  Die  bisherigen  gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf  gestützt  erlassenen Vorschriften  bleiben grundsätzlich weiterhin  auf  alle  während ihrer Geltungsdauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen  Rechtsverhältnisse  anwendbar  (Art. 112  Abs.  1  MWSTG).  Das  vorliegende Verfahren betrifft  die Schlussabrechnung per 31. Dezember  2008  und  untersteht  deshalb  in materieller  Hinsicht  dem  Bundesgesetz  vom  2.  September  1999  über  die Mehrwertsteuer  (aMWSTG,  AS  2000  1300). Demgegenüber ist das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht  im  Sinn  von  Art.  113  Abs.  3  MWSTG  auf  sämtliche  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens hängige Verfahren anwendbar. Allerdings ist Art. 113 Abs. 3  MWSTG  insofern  restriktiv  auszulegen,  als  gemäss  höchstrichterlicher  Rechtsprechung  nur  eigentliche  Verfahrensnormen  sofort  auf  hängige  Verfahren anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwendung von  neuem  materiellen  Recht  auf  altrechtliche  Sachverhalte  kommen  darf  (ausführlich: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­1113/2009 vom 23.  Februar  2010  E.  1.3;  vgl.  des  Weiteren  etwa  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­6299/2009 vom 21. April 2011 E. 2.2). Kein  Verfahrensrecht in diesem engen Sinn stellen im vorliegenden Urteil etwa  die  nachfolgend  abgehandelten  Themen  wie  das  Selbstveranlagungsprinzip  oder  die  Buchführungspflicht  dar,  so  dass  vorliegend  diesbezüglich  noch  altes  Recht  anwendbar  ist.  Keine  Anwendung  finden deshalb beispielsweise Art. 70, 71 oder 72 MWSTG,  obwohl  sie  unter  dem  Titel  "Verfahrensrecht  für  die  Inland­  und  die  Bezugsteuer"  stehen  (statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 1.2). Mehrwertsteuerpflichtig  wird  gemäss  dem  hier  anwendbaren  aMWSTG,  wer eine mit der Erzielung von Einnahmen verbundene gewerbliche oder  berufliche  Tätigkeit  selbständig  ausübt  –  auch wenn  die Gewinnabsicht  fehlt  –,  sofern  seine  Lieferungen,  seine  Dienstleistungen  und  sein  Eigenverbrauch  im  Inland  jährlich  gesamthaft  Fr.  75'000.­­  übersteigen  (Art. 21 Abs. 1 aMWSTG). 2.2.  Der  Vorsteuerabzug  stellt  ein  zentrales  Element  des  Mehrwert­ steuersystems dar. Er kann geltend gemacht werden, wenn die in Art. 38 

A­1344/2011 und A­3285/2011 ff. aMWSTG genannten Bedingungen eingehalten sind. Er bewirkt, dass  der  Unternehmer  per  Saldo  nur  seinen  Nettoumsatz,  d.h.  den  Umsatz  abzüglich  der  Vorsteuern,  versteuern  muss,  obgleich  die  Bemessungsgrundlage  das  Gesamtentgelt  ohne  Umsatzsteuer  ist  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_653/2008  vom  24.  Februar  2009  E.  6.3;  ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. VALLENDER, Handbuch zum  Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG],  Bern  2003,  2.  Aufl.,  Rz.  1360).  Der  gesetzliche Normalfall ist dabei die Abrechnung der steuerbaren Umsätze  unter  Berücksichtigung  der  zulässigen  Vorsteuerabzüge.  Der  Vorsteuerabzug  ist  prinzipiell  nichts  anderes  als  das  Gegenstück  zur  Ausgangsumsatzsteuer.  Infolge  der  Trennung  zwischen  Ausgangsumsatzsteuer  und  Vorsteuer  sind  beim  steuerpflichtigen  Unternehmer die beiden Bereiche grundsätzlich unabhängig voneinander  zu  ermitteln  (sog.  effektive  Methode;  vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts A­6602/2010 vom 11. Januar 2011 E. 3.1, A­ 6198/2009  vom  22.  Juli  2010  E.  2.2,  A­5620/2008  vom  11.  November  2009 E. 2.2; CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, a.a.O., Rz. 1362). 2.3.  Nach  konstanter  Lehre  und  Rechtsprechung  müssen,  damit  der  Vorsteuerabzug  beansprucht  werden  kann,  folgende  Voraussetzungen  erfüllt  sein  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_45/2008  vom  16.  Dezember  2008  E.  3.2,  2A.650/2005  vom  15.  August  2006  E.  3.2  mit  Verweis  auf  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.348/2004  vom  1.  Dezember  2004 E. 3.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­6198/2009 vom 22.  Juli 2010 E. 2.4): a) Die Berechtigung zum Vorsteuerabzug besteht nur für Steuerpflichtige  (Art. 38 Abs. 1 aMWSTG); b)  Der  Vorsteuerabzug  ist  nur  für  solche  Leistungen  möglich,  die  von  einem  anderen  Unternehmer  mit  der  Mehrwertsteuer  belastet  erbracht  wurden (Art. 38 Abs. 1 und 2 aMWSTG); c)  Die  Leistungen  müssen  zudem  für  einen  geschäftlich  begründeten  Zweck oder  für  den Export  erbracht werden  (Art.  38 Abs.  2  aMWSTG),  wobei  die  zulässigen  Zwecke  in  Art.  38  Abs.  2  und  3  aMWSTG  abschliessend umschrieben sind; d) Der Abzug darf nicht ausdrücklich ausgeschlossen sein (Art. 38 Abs. 5  und  39  aMWSTG)  oder  zur  Erzielung  eines  von  der  Besteuerung  ausgenommenen  Umsatzes  (Art.  18  aMWSTG)  bzw.  eines 

A­1344/2011 und A­3285/2011 Nichtumsatzes  (Art. 38  Abs.  4  aMWSTG;  ebenso  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.650/2005  vom  15.  August  2006  E.  3.5)  eingesetzt  werden; e) Es muss ein genügender Nachweis in Form einer Rechnung bestehen  (Art. 38 Abs. 1 Bst. a in Verbindung mit Art. 37 aMWSTG). 2.4. Waren die Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs  im Zeitpunkt des  Empfangs  der  Lieferung,  der  Dienstleistung  oder  bei  der  Einfuhr  nicht  gegeben, treten sie aber später noch ein, kann der Vorsteuerabzug unter  Vorbehalt  von  Art.  42  Abs.  2  und  3  aMWSTG  in  der  Abrechnung  über  diejenige  Steuerperiode  vorgenommen  werden,  in  welcher  die  Voraussetzungen hierfür eingetreten sind (Art. 42 Abs. 1 aMWSTG; sog.  Einlageentsteuerung;  zum  Begriff  vgl.  TOBIAS  FELIX  ROHNER,  Der  nachträgliche Vorsteuerabzug  [Einlageentsteuerung]  im schweizerischen  MWSTG und nach der 6. MwSt.­Richtlinie der EU, Bern 2007, S. 3 ff. mit  Hinweisen).  Gemäss  Art.  42  Abs.  2  aMWSTG  kann  bei  einer  Veränderung  der  Verhältnisse  im  erwähnten  Sinne  die  früher  bezahlte  Steuer  u.a.  auf  im  Inland  gegen  Entgelt  erbrachten  Lieferungen  von  Gegenständen und  im Inland gegen Entgelt erbrachten Dienstleistungen  als Vorsteuer in Abzug gebracht werden, sofern diese im Zusammenhang  mit  einem künftigen steuerbaren Zweck stehen. Wurde der Gegenstand  in  der  Zeit  zwischen  dem Empfang  der  Lieferung  oder  der  Einfuhr  und  dem  Eintritt  der  Voraussetzungen  für  den  Vorsteuerabzug  in  Gebrauch  genommen,  so  vermindert  sich  die  abziehbare  Vorsteuer  für  jedes  in  dieser  Zeitspanne  abgelaufene  Jahr  bei  beweglichen  Gegenständen  linear  um  einen  Fünftel,  bei  unbeweglichen  Gegenständen  linear  um  einen  Zwanzigstel.  Bei  Dienstleistungen,  die  vor  dem  Eintritt  der  Voraussetzungen  für  den  Vorsteuerabzug  teilweise  genutzt  wurden,  berechnet  sich  die  abziehbare  Vorsteuer  vom  Wert  des  noch  nicht  genutzten  Teils  (Art.  42  Abs.  3  aMWSTG;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts A­7712/2009 vom 21. Februar 2011 E. 9, A­ 5885/2009 vom 27. September 2010 E. 3.1). 3.  3.1. Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt  nach  dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art.  46  f.  aMWSTG;  ERNST  BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts,  6. Aufl., Zürich 2002, S. 421 ff.). Der Leistungserbringer ist bereits für die  Feststellung  seiner  Mehrwertsteuerpflicht  selbst  verantwortlich  und  hat  sich  gegebenenfalls  unaufgefordert  anzumelden  (Art.  56  Abs.  1 

A­1344/2011 und A­3285/2011 aMWSTG;  vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_356/2008  vom  21.  November  2008  E.  3.2,  2A.109/2005  vom  10.  März  2006  E.  2.1,  2A.304/2003  vom  14.  November  2003  E.  3.5;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 4,  A­7083/2008  und  A­7084/2008  vom  29.  November  2010  E.  3.1  je  mit  zahlreichen Hinweisen). 3.2. Bei festgestellter Steuerpflicht hat der Steuerpflichtige sodann selbst  und  unaufgefordert  über  seine  Umsätze  und  Vorsteuern  abzurechnen  und  innerhalb  von  60  Tagen  nach  Ablauf  der  Abrechnungsperiode  den  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrag  (Steuer  vom  Umsatz  abzüglich  Vorsteuern)  an  die  ESTV  abzuliefern  (Art.  46  aMWSTG).  Die  ESTV  ermittelt die Höhe des geschuldeten Mehrwertsteuerbetrags nur dann an  Stelle  des  Steuerpflichtigen,  wenn  dieser  seinen  Pflichten  nicht  nachkommt  (BGE  137  II  136  E.  6.3;  vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 2.4,  A­7083/2008  und  A­7084/2008  vom  29.  November  2010  E.  3.1).  Der  Steuerpflichtige  hat  seine  Mehrwertsteuerschuld  selbst  festzustellen;  er  ist allein für die vollständige und richtige Versteuerung seiner steuerbaren  Umsätze  und  für  die  korrekte  Ermittlung  der  Vorsteuer  verantwortlich  (BGE 137  II 136 E. 6.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_486/2009 vom 1.  Februar  2010  E. 2.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 6602/2010  vom 11. Januar  2011 E.  2.1,  A­7083/2008  und A­7084/2008  vom 29. November 2010 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 3.2.1.  Die  Verwendung  des  offiziellen  Formulars  der  ESTV  ist  für  die  Erfüllung  der  Abrechnungspflicht  nicht  zwingend  erforderlich.  Die  Einreichung der Abrechnung  "in der vorgeschriebenen Form" durch den  Steuerpflichtigen gemäss Art. 46 aMWSTG ist grundsätzlich in dem Sinn  zu  verstehen,  als  dieser  der  ESTV  die  geforderten  Informationen  (materiell)  zur  Verfügung  zu  stellen  hat,  wobei  dies  ebenfalls  eine  Aufschlüsselung  der  Informationen  nach  bestimmten  Kriterien  miteinschliesst.  Wenn  der  Steuerpflichtige  das  offizielle  Formular  der  Verwaltung jedoch nicht verwendet, muss er dennoch seine Abrechnung  gemäss Aufbau und Gliederung entsprechend diesem offiziellen Formular  gestalten (vgl. Entscheid der SRK vom 25. August 1998, veröffentlicht in  VPB 63.27 E. 5c/bb). 3.3. Vom Steuerpflichtigen wird verlangt, dass er über die erforderlichen  Kenntnisse betreffend seinen gesetzlichen Pflichten verfügt und sich über  die  geltende  Praxis  zum  Mehrwertsteuergesetz  hinreichend  informiert 

A­1344/2011 und A­3285/2011 (Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts  A­6642/2008  vom  8. November  2010 E. 2, A­1618/2006 vom 27. August 2008 E. 4.3). Bei Zweifeln hat er  die Möglichkeit,  sich  bei  den Steuerbehörden  zu  erkundigen. Unterlässt  er dies, kann er sich im Folgenden nicht auf die mangelnden Kenntnisse  oder  auf  eine  Verletzung  des  Grundsatzes  von  Treu  und  Glauben  berufen,  um  sich  gegen  einen  rückwirkenden  Steuerbezug  zu  wehren  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5312/2008  und  A­ 5321/2008 vom 19. Mai 2010 E. 2, A­1634/2006 vom 31. März 2009 E.  3.1, A­1544/2006 vom 11. September 2008 E. 3.1, A­1618/2006 vom 27.  August 2008 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 2A.191/2002 vom 21. Mai  2003 E. 3.1 zur Warenumsatzsteuer). 3.4.  Die  ESTV  ist  nicht  verpflichtet,  die  Steuerpflichtigen  von  sich  aus  über ihre Pflichten zu informieren (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts  A­1618/2006 vom 27. August 2008 E. 4.3). Die Verwaltung unterliegt  im  Bereich  der  Mehrwertsteuer  also  keiner  allgemeinen  Informations­,  Aufklärungs­  oder  gar  Beratungspflicht  gegenüber  dem  Mehrwertsteuerpflichtigen.  Ebenso  wenig  besteht  eine  absolute  Pflicht  der  ESTV,  bei  Auskünften  den  Sachverhalt  nach  Eventualitäten  zu  durchforschen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­4896/2007 vom  10. Januar 2008 E. 2.1, A­5449/2007 vom 10. Januar 2008 E. 2.1) oder  zu überprüfen, ob die vom Steuerpflichtigen gemachten Angaben korrekt  und  vollständig  sind  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_382/2007  vom  23.  November  2007  E.  4.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5751/2009 vom 17. März 2011 E. 2.4.3). 3.5. Gemäss  Art.  58  Abs.  1  aMWSTG  hat  der Mehrwertsteuerpflichtige  seine Geschäftsbücher ordnungsgemäss zu  führen und so einzurichten,  dass  sich  aus  ihnen  die  für  die  Feststellung  der  Mehrwertsteuerpflicht  sowie  für  die  Berechnung  der  Steuer  und  der  abziehbaren  Vorsteuern  massgebenden  Tatsachen  leicht  und  zuverlässig  ermitteln  lassen.  Die  ESTV  kann  über  die  Buchführungspflicht  nähere  Bestimmungen  aufstellen.  Von  dieser  Befugnis  hat  sie  mit  dem  Erlass  der  vorliegend  einschlägigen "Wegleitung 2001 zur Mehrwertsteuer" (Wegleitung 2001),  gültig  ab  1.  Januar  2001,  Gebrauch  gemacht.  Dort  sind  genauere  Angaben enthalten, wie eine Buchhaltung auszugestalten ist (Rz. 878 ff.).  Alle  Geschäftsfälle  müssen  fortlaufend,  chronologisch  und  lückenlos  aufgezeichnet  werden  (Rz.  884)  und  alle  Eintragungen  haben  sich  auf  entsprechende  Belege  zu  stützen,  so  dass  die  einzelnen  Geschäftsvorfälle  von  der  Eintragung  in  die Hilfs­  und Grundbücher  bis  zur  Steuerabrechnung  und  bis  zum  Jahresabschluss  sowie  umgekehrt 

A­1344/2011 und A­3285/2011 leicht  und  genau  verfolgt  werden  können  ("Prüfspur";  vgl.  Rz.  890  und  893 ff. der Wegleitung 2001; vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_356/2008  vom 21. November 2008 E. 3.3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom 11. November  2010 E.  2.5.1  und  2.5.3,  A­7083/2008  und A­7084/2008 vom 29. November 2010 E. 3.2, A­5460/2008 vom 12.  Mai 2010 E. 2.5.2). 4.  Die Beweiswürdigung endet mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob  eine rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der  Beweis  ist  geleistet,  wenn  das  Gericht  gestützt  auf  die  freie  Beweiswürdigung  zur  Überzeugung  gelangt  ist,  dass  sich  der  rechtserhebliche Sachumstand  verwirklicht  hat  (BGE 130  III  321 E.  3.2;  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.110/2000  vom  26.  Januar  2001  E.  3c).  Gelangt  das  Gericht  nicht  zu  diesem  Ergebnis,  so  fragt  sich,  ob  zum  Nachteil der Steuerbehörde oder des Steuerpflichtigen zu entscheiden ist,  wer  also  die  Folgen  der  Beweislosigkeit  zu  tragen  hat.  Nach  der  objektiven  Beweislastregel  ist  bei  Beweislosigkeit  zu  Ungunsten  desjenigen  zu  urteilen,  der  die  Beweislast  trägt  (statt  vieler:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1479/2006  vom  10.  September  2008  E.  1.3, A­1469/2006 vom 7. Mai 2008 E. 1.4, je mit weiteren Hinweisen). Die  Steuerbehörde  trägt  die  Beweislast  für  Tatsachen,  welche  die  Steuerpflicht  als  solche  begründen  oder  die  Steuerforderung  erhöhen,  das  heisst  für  die  steuerbegründenden  und  ­erhöhenden  Tatsachen.  Demgegenüber  ist  der Steuerpflichtige  für  die  steueraufhebenden  und  ­ mindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst  für solche Tatsachen,  welche  Steuerbefreiung  oder  Steuerbegünstigung  bewirken  (statt  vieler:  Urteil  des Bundesgerichts  vom 14.  Juli  2005,  veröffentlicht  in Archiv  für  Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 75 S. 495 ff. E. 5.4; BVGE 2009/60  E. 2.1.3;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3409/2010  vom  4.  April  2011  E. 4.3,  A­8017/2009  vom  2.  September  2010  E. 2.8,  A­1418/2006 vom 14. Mai 2008 E. 5.1). 5.  5.1.  Im  vorliegenden  Fall  wurde  die  Beschwerdeführerin  per  1. Januar  2008  steuerpflichtig.  Um  die  Vorsteuern  der  im  Jahr  2007  bezogenen  Leistungen geltend zu machen, hat sie deshalb insbesondere zu belegen,  dass diese Bezüge nach dem 1. Januar 2008 einem steuerbaren Zweck  gedient  haben  (E. 2.4).  Dies  hat  die  Beschwerdeführerin  bis  im  Beschwerdeverfahren  nicht  getan.  In  der  Einsprache  vom  23.  Oktober  2010  machte  sie  zwar  ebenfalls  die  Vorsteuern  für  die  betreffenden 

A­1344/2011 und A­3285/2011 Leistungsbezüge  im Jahr 2007 geltend und  führte diese  in dem  in  ihrer  Eingabe  enthaltenen  Journal  auf.  Dort  vermerkte  sie  jedoch  bloss,  sie  habe  im  Jahr  2007  Leistungen  von  den  Auftragnehmern  "Z._______",  "X._______"  und  "Y._______"  erhalten.  Unklar  blieb,  um  was  für  Leistungen  es  sich  gehandelt  hat.  Sie  erbrachte  auch  sonst  keinen  Nachweis, dass sie diese Bezüge – ab dem Zeitpunkt  ihrer Steuerpflicht  per 1. Januar 2008 – für steuerbare Zwecke verwendet hat. Insbesondere  reichte sie die entsprechenden Rechnungsbelege nicht ein. Erst mit der  Beschwerde vom 25. Februar 2011 legte die Beschwerdeführerin dar, um  was für Leistungen es sich gehandelt habe und dass und wie diese dem  Geschäftsbetrieb ab dem Jahr 2008 gedient hätten (vgl. Beschwerde vom  25. Februar 2011 Rz. 41 bis 44). Zudem reichte sie zum Nachweis  ihrer  Ausführungen  die  entsprechenden  Rechnungen  ein.  Die  Beschwerdeführerin  hat  demnach  das  Wiedererwägungsverfahren  vor  der  Vorinstanz  und  damit  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  unnötigerweise und aus eigenem Verschulden verursacht. Sie hätte den  Nachweis  für  die  Berechtigung  zur  Einlageentsteuerung  bereits  im  Einspracheverfahren  bzw.  zu  einem  noch  früheren  Zeitpunkt  erbringen  können,  indem  sie  den  Zusammenhang  mit  dem  späteren  steuerbaren  Zweck  aufgezeigt  und  die  Rechnungsbelege  eingereicht  hätte.  Daran  ändern auch die nachfolgenden Ausführungen nichts. 5.2.  Die  Beschwerdeführerin  wendet  zwar  ein,  sie  habe  die  Einlageentsteuerung bereits vor dem ersten Entscheid der ESTV geltend  gemacht.  Sie  nimmt  damit  Bezug  auf  ihre  elektronisch  übermittelte  Anmeldung vom 18. Juni 2007, in der sie der ESTV sinngemäss mitteilte,  es  würden  bereits  diverse  Investitionen  getätigt.  Sie  wolle  sich  sofort  anmelden,  um  bereits  im  Jahr  2007  Vorsteuerabzüge  vornehmen  zu  können. Dieser Einwand ist aber nicht stichhaltig. Er ändert nichts daran,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Voraussetzungen  für  die  Einlageentsteuerung  erst  im  Beschwerdeverfahren  nachgewiesen  hat.  Erst hier zeigte sie auf, welche Leistungsbezüge im Jahr 2007 (späteren)  steuerbaren Zwecken gedient haben und belegte dies mit Rechnungen.  Im  Übrigen  trifft  die  ESTV  nach  der  Rechtsprechung  keine  Beratungspflicht  (E.  3.4).  Sie musste  der  Beschwerdeführerin  demnach  im Zeitpunkt der Anmeldung nicht aufzeigen, ob und gegebenenfalls wie  sie später allenfalls eine Einlageentsteuerung vornehmen kann. 5.3. Die Beschwerdeführerin  legt zudem dar, sie habe bereits mit E­Mail  vom  27.  Juli  2010  eine  Schlussdeklaration  eingereicht  mit  der  Bemerkung,  dass  sie  eine Rückmeldung  erwarte.  Eine  solche  habe  sie 

A­1344/2011 und A­3285/2011 aber nicht erhalten. Die ESTV habe sie im Glauben gelassen, es sei alles  in Ordnung.  Hier  ist  zu  beachten,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  27.  Juli  2010  keine  offizielle  Schlussabrechnung  eingereicht  hat,  sondern  eine Quartalsabrechnung für das 4. Quartal 2009, die sie handschriftlich  in eine "Schlussabrechnung" abgeändert und mit Fr. 0.­­ Steuern und Fr.  0.­­  Vorsteuern  ausfüllt  hat  (amtl.  Akten  Nr.  11).  Zwar  muss  nicht  zwingend  das  offizielle  Formular  verwendet  werden,  doch  sind  die  geforderten  Informationen der ESTV (materiell) zur Verfügung zu stellen  und der Aufbau sowie die Gliederung ist einzuhalten (E. 3.2.1). Dies war  bei  dieser  Eingabe  nicht  der  Fall,  da  sich  eine  Quartalsabrechnung  grundsätzlich  von  einer  Schlussabrechnung  unterscheidet.  Bei  letzterer  sind  nicht  die  im  betreffenden  Quartal  getätigten  Umsätze  und  Leistungsbezüge  massgebend,  sondern  insbesondere  die  Höhe  der  ausgeführten  aber  noch  nicht  fakturierten  Arbeiten,  der  Debitoren,  der  Vorräte  und  der  Betriebsmittel  bzw.  Investitionsgüter  sowie  der  Immobilien  bei  Ende  der  Steuerpflicht.  Aufgrund  dieser  Eingabe  konnte  die  ESTV  deshalb  von  vornherein  keine  Korrektur  ihrer  Schätzung  vornehmen.  Im  Übrigen  ist  zwar  störend,  dass  die  ESTV  die  Beschwerdeführerin  offenbar  nicht  umgehend  über  die  fehlerhafte  Schlussdeklaration  informiert  hat.  Aufgrund  des  Selbstveranlagungsprinzips  liegt  jedoch  die  Verantwortung  zur  richtigen  und  rechtzeitigen  Abrechnung  bei  der  Beschwerdeführerin  (E.  3.1  und  3.2).  Aus  diesem  Grund  kann  die  Beschwerdeführerin  auch  aus  dem  Umstand, dass die ESTV ihren Ersuchen um Rückruf am 24. August und  3. September 2010 – gemäss Angaben der Beschwerdeführerin  – nicht  umgehend Folge gegeleistet hat, nichts zu  ihren Gunsten ableiten. Eine  Auskunftsverweigerung  auf  Seiten  der  ESTV  war  im  Übrigen  nicht  gegeben.  Gemäss  den  Akten  fanden  zumindest  zwei  telefonische  Kontakte statt. Einerseits Ende August 2010, bei dem die ESTV gemäss  ihren  unwidersprochen  gebliebenen  Ausführungen  im  Einspracheentscheid  vom  12.  Mai  2011  die  Einreichung  der  Schlussabrechnung  und  des  Vorsteuerjournals  verlangt  hat  und  andererseits  anfangs September  2010. Auch  damals  forderte  die ESTV  die Beschwerdeführerin wiederum zur Einreichung des Vorsteuerjournals  auf (vgl. E. 5.5). 5.4.  Im  Weiteren  macht  die  Beschwerdeführerin  geltend,  sie  habe  nie  eine  Schlussabrechnung  erhalten.  Vielmehr  habe  die  ESTV  gleich  die  Betreibung  eingeleitet.  Die  ESTV  sei  anzuweisen,  die  Zustellung  der  Schlussabrechnung  zu  beweisen.  Entgegen  der  Ansicht  der  Beschwerdeführerin  kann  offenbleiben,  ob  bzw.  wann  sie  eine 

A­1344/2011 und A­3285/2011 Schlussabrechnung  erhalten  hat.  Der  Nichterhalt  des  entsprechenden  Abrechnungsformulars  hätte  ohnehin  nicht  zur  Folge  gehabt,  dass  die  Beschwerdeführerin  von  der  Abrechnungspflicht  entbunden  gewesen  wäre.  Die  Beschwerdeführerin  ist  wiederum  auf  das  Selbstveranlagungsprinzip  hinzuweisen,  wonach  sie  für  die  rechtzeitige  Abrechnung selber verantwortlich ist (E. 3.1 und 3.2). Bei Nichterhalt des  Formulars  hätte  sie  dieses  deshalb  bei  der  ESTV  rechtzeitig  verlangen  müssen.  Da  die  Beschwerdeführerin  mit  E­Mail  vom  27.  August  2010  eine  eingescannte  Schlussabrechnung  –  wenn  auch  unvollständig  ausgefüllt – eingereicht hat (vgl. E. E), verfügte sie im Übrigen zumindest  ab diesem Zeitpunkt über eine solche. 5.5. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin  versuchte die  ESTV  noch  vor  dem  Einspracheverfahren  ihre  ermessensweise  Schätzung  zu  korrigieren,  indem  sie  von  der  Beschwerdeführerin  insbesondere  das  Vorsteuerjournal  einverlangt  hat  (vgl.  E.  5.3).  Die  Einforderung  des  Vorsteuerjournals  war  zweckmässig,  um  die  teilweise  mit Fragezeichen ausgefüllte Schlussabrechnung (vgl. amtl. Akten Nr. 15)  zu  überprüfen  bzw.  zu  korrigieren.  Die  Beschwerdeführerin  ist  darauf  hinzuweisen, dass sie gemäss Art. 58 Abs. 1 aMWSTG gehalten ist, ihre  Geschäftsbücher  so  einzurichten,  dass  sich  aus  ihnen  die  für  die  Berechnung der Steuer und der abziehbaren Vorsteuern massgebenden  Tatsachen  leicht  und  zuverlässig  ermitteln  lassen  (E. 3.5).  Zum  damaligen  Zeitpunkt  hat  die  Beschwerdeführerin  nicht  über  ein  Vorsteuerjournal  verfügt  und  auch  sonst  die  von  ihr  geltend  gemachten  Vorsteuern nicht in einer Weise dokumentiert, die eine solche leichte und  zuverlässige  Ermittlung  zuliess.  Sie  beschränkte  sich  darauf,  der  ESTV  am 27.  Juli  bzw.  27. August  2010  die Bilanz  bzw. Erfolgsrechnung  des  Jahres  2008  (inkl.  Abschlussbuchungen)  und  am  10. September  2010  diverse  Eingangsrechnungen  einzureichen.  Sie  ist  damit  ihren  Buchführungspflichten  nicht  genügend  nachgekommen  bzw.  hat  ihre  Mitwirkungspflichten  verletzt.  Aufgrund  der  mangelhaften  Unterlagen  konnte  die  ESTV  zu  diesem  Zeitpunkt  keine  Korrektur  der  Schätzung  vornehmen.  Insbesondere  ging  aus  den  eingereichten  Unterlagen  nicht  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Voraussetzungen  zur  Einlageentsteuerung erfüllt hätte. 5.6.  Schliesslich  hat  die  Beschwerdeführerin  –  entgegen  ihren  Behauptungen  in der Beschwerde – gemäss  ihrem eigenen E­Mail  vom  10.  September  2010  der  ESTV  nicht  sämtliche  Rechnungsbelege  eingereicht, sondern nur diejenigen mit den "grössten Beträgen"  (vgl. E. 

A­1344/2011 und A­3285/2011 F).  Ob  die  ESTV  damals  die  vorliegend  relevanten  Rechnungen  hinsichtlich  der  Leistungsbezüge  des  Jahres  2007  erhalten  hat,  bleibt  offen. Da die Beschwerdeführerin die Beweislast für die Voraussetzungen  zur  Vornahme  der  Einlageentsteuerung  als  steuermindernde  Tatsachen  trägt  (E. 4), hat das Bundesverwaltungsgericht nicht davon auszugehen.  Im  Übrigen  war  die  ESTV  nicht  verpflichtet,  diese  Rechnungen  einzufordern,  da  sie  den Sachverhalt  nicht  nach Eventualitäten,  d.h.  ob  vorliegend allenfalls eine Einlageentsteuerung möglich  ist,  nachzugehen  hat  (E.  3.4).  Dies  muss  vorliegend  umso  mehr  gelten,  da  die  Beschwerdeführerin ihre Buchhaltungspflichten verletzt hat. 6.  Nach  dem  Gesagten  hat  die  Beschwerdeführerin  das  Wiedererwägungsverfahren vor der Vorinstanz und damit das vorliegende  Beschwerdeverfahren  unnötigerweise  und  aus  eigenem  Verschulden  verursacht.  Sie  gilt  deshalb  auch  mit  Bezug  auf  das  gegenstandslos  gewordene Verfahren als unterliegende Partei (vgl. oben E. 1.6). Ihr sind  somit  sämtliche  Verfahrenskosten,  die  auf  insgesamt  Fr. 3'000.­­  festgesetzt werden, aufzuerlegen und mit den in insgesamt gleicher Höhe  geleisteten Kostenvorschüssen zu verrechnen. Aus dem gleichen Grund  ist ihr keine Parteientschädigung zuzusprechen. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Verfahren A­1344/2011 und A­3285/2011 werden vereinigt. 2.  Auf die Beschwerde vom 9. Juni 2011 wird nicht eingetreten. 3.  Das  Beschwerdeverfahren  betreffend  die  Beschwerde  vom  25.  Februar  2011 wird als gegenstandslos abgeschrieben,  soweit  darauf eingetreten  wird. 4.  Die  Gerichtskosten  von  insgesamt  Fr.  3'000.­­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt  und  mit  den  in  insgesamt  gleicher  Höhe  geleisteten Kostenvorschüssen verrechnet.

A­1344/2011 und A­3285/2011 5.  Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 6.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. ..; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus Metz Jürg Steiger Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

A-1344/2011 — Bundesverwaltungsgericht 26.09.2011 A-1344/2011 — Swissrulings