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Bundesverwaltungsgericht 16.08.2011 A-1271/2011

16 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,416 parole·~7 min·1

Riassunto

Staatshaftung (Bund) | Staatshaftung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­1271/2011 Urteil   v om   1 6 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Salome Zimmermann (Vorsitz), Richter Christoph Bandli, Richterin Claudia Pasqualetto Péquignot, Gerichtsschreiber Toni Steinmann. Parteien A._______, Beschwerdeführer, gegen Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, Vorinstanz. Gegenstand Staatshaftung.

A­1271/2011 Sachverhalt: A.  Mit  Schreiben  vom  23.  März  2010  stellte  A._______  ein  Schadenersatzbegehren  an  das  Schadenzentrum  des  Eidgenössischen  Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Er  machte  sinngemäss  geltend,  dass  der  Entscheid  der  sanitarischen  Untersuchungskommission  vom  3.  November  1993,  mit  welchem  er  wegen Schizophrenie als dienstuntauglich erklärt wurde, willkürlich erfolgt  sei.  Der  Entscheid  habe  zu  einer  Langzeitarbeitslosigkeit,  zum  Führerausweisentzug  und  zu  einer  Invalidenrente  geführt,  was  das  Schadenzentrum  VBS  zu  verantworten  und  zu  entschädigen  habe.  Mit  einer  weiteren  Eingabe  vom  20.  April  2010 machte  A._______  sodann  geltend, der Erwerbsersatz für die Rekrutenschule im Jahre 1970 sei ihm  nie ausbezahlt worden, was nachzuholen sei. B.  Während  A._______  in  der  Folge mit  zahlreichen  Eingaben  an  seinem  Schadenersatzbegehren  und  dem  Begehren  um  Auszahlung  des  Erwerbsersatzes  festhielt,  lehnte  das  VBS  mit  Schreiben  vom  26. Mai  2010  und  5.  Januar  2011  die  Forderung  betreffend  Schadenersatz  hauptsächlich aufgrund der eingetretenen Verjährung und jene betreffend  des  Erwerbsersatzes  wegen  Unzuständigkeit  ab.  Es  stellte  ihm  eine  anfechtbare  Verfügung  in  Aussicht,  falls  er  mit  der  Abweisung  seiner  Begehren nicht einverstanden sei. Mit Eingaben vom 7., 8. und 10. Januar 2011 teilte A._______ dem VBS  sinngemäss mit, er akzeptiere die Ablehnung seiner Forderungen nicht. C.  Mit  Verfügung  vom  21.  Februar  2011  verwies  das  VBS  bezüglich  des  Erwerbsersatzes  auf  seine  Unzuständigkeit,  verneinte  die  Haftung  des  Bundes  und  wies  die  Schadenersatzforderung  von  A._______  vollumfänglich ab. Zur  Begründung  führte  es  im  Wesentlichen  aus,  das  erstmals  mit  Schreiben  vom  23.  März  2010  geltend  gemachte  Schadenersatzbegehren  sei  mehr  als  sechzehn  Jahre  nach  dem  Entscheid  über  die  Dienstuntauglichkeit  und  damit  nicht  innerhalb  der  Verjährungsfrist  von  fünf  Jahren  erfolgt.  Mangels  aktenkundiger  Unterbrechung der Verjährung sei das Begehren auf Schadenersatz als  verjährt  abzuweisen.  Selbst  wenn  aber  die  Verjährung  noch  nicht 

A­1271/2011 eingetreten  wäre,  müsste  das  Begehren  abgewiesen  werden,  weil  es  sowohl  an  einem  natürlichen  und  adäquaten Kausalzusammenhang  als  auch an der Widerrechtlichkeit fehlen würde. D.  Gegen  diesen  Entscheid  reicht  A._______  (nachfolgend:  Beschwerdeführer)  am  23.  Februar  2011  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  ein.  Er  beantragt  sinngemäss,  der  Entscheid  vom 21.  Februar  2011  sei  aufzuheben  und  die Haftung  des Bundes  zu  bejahen.  Zudem  verlangt  er  für  das  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht die unentgeltliche Rechtspflege. E.  Mit  Verfügung  vom  3.  März  2011  wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  das  Formular  "Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege"  ausgefüllt  und  mit  den  nötigen  Beweismitteln  versehen  dem  Bundesverwaltungsgericht einzureichen. Dem kam der Beschwerdeführer  am 4. März 2011 nach; am 5. März 2011 reichte er weitere Beilagen ein. F.  In  der  Vernehmlassung  vom  2.  März  2009  schliesst  das  VBS  (nachfolgend: Vorinstanz) auf Abweisung der Beschwerde. G.  Am 19. Juli 2011 schickte der Beschwerdeführer eine SMS an das Fax­ Gerät des Bundesverwaltungsgerichts. H.  Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  und  die  sich  bei  den  Akten  befindlichen  Schriftstücke  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  im  Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Weil  keine  Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt und das VBS eine Vorinstanz nach 

A­1271/2011 Art.  33  Bst.  d  VGG  ist  (vgl.  auch  Art. 142  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  3.  Februar  1995  über  die  Armee  und  die  Militärverwaltung  [MG,  SR 510.10],  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  zur  Beurteilung  der  vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der  Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen  oder  keine  Möglichkeit  zur  Teilnahme  erhalten  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung  hat.  Der  Beschwerdeführer  ist  als  Adressat  des  Entscheids  vom  21.  Februar  2011,  mit  welchem  sein  Schadenersatzbegehren  abgewiesen worden ist, zur Beschwerde legitimiert. 1.3 Auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde  (Art. 50 und  52 VwVG) ist daher einzutreten. 1.4  Im  Verfahren  der  nachträglichen  Verwaltungsrechtspflege  gilt  als  Streitgegenstand  das  Rechtsverhältnis,  das  Gegenstand  der  angefochtenen  Verfügung  bildet,  soweit  es  im  Streit  liegt.  Im  Rechtsmittelverfahren  kann  der  Streitgegenstand  grundsätzlich  nur  eingeschränkt,  jedoch nicht ausgeweitet werden (BGE 133  II 200 E. 3.2  mit  Hinweisen).  Was  Streitgegenstand  ist,  bestimmt  sich  nach  dem  angefochtenen Entscheid  und  den Parteibegehren  (BGE 133  II  35 E.  2  mit Hinweis). Die  vorinstanzlich  verfügte  Unzuständigkeit  bezüglich  des  Erwerbsersatzes  blieb  in  der  Beschwerde  unbeanstandet  und  bildet  deshalb nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens. 1.5  Schadenersatz­  bzw.  Genugtuungsforderungen  gegenüber  dem  Gemeinwesen  weisen  regelmässig  einen  vermögensrechtlichen  Charakter auf und fallen deshalb unter die Schutzgarantien von Art. 6 der  Konven­tion  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), welche unter anderem ein Recht  auf  Öffentlichkeit  des  Verfahrens  einräumen  (vgl.  JOST  GROSS,  Schweizerisches  Staatshaftungsrecht,  2.  Auflage,  Bern  2001,  S. 371).  Der Beschwerdeführer hat jedoch keine öffentliche Verhandlung verlangt,  so dass ein Verzicht darauf anzunehmen ist. 2.  Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf  Verletzungen  von  Bundesrecht  –  einschliesslich  der  unrichtigen  oder 

A­1271/2011 unvollständigen Feststellung  des Sachverhalts  und Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens  –  sowie  auf  Angemessenheit  hin  (Art.  49  VwVG). 3.  3.1  Das  MG  ist  am  1. Januar  1996  in  Kraft  getreten  und  hat  das  Bundesgesetz vom 12. April 1907 über die Militärorganisation (MO, BS 5,  3)  abgelöst.  Es  enthält  keine  spezifischen  Übergangsbestimmungen.  Fehlen  solche,  sind  grundsätzlich  jene  Normen  anwendbar,  die  im  Zeitpunkt  der  Verwirklichung  des  rechtlich  zu  ordnenden  oder  zu  Rechtsfolgen  führenden  Tatbestandes  in  Kraft  waren  (vgl.  BGE  130  V  445  E.  1.2.1  mit  Hinweisen;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 2761/2009  vom  23.  Oktober  2009  E.  4.1  mit  Hinweisen;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Auflage, Zürich 2010, Rz. 326). 3.2  Im  vorliegenden  Fall  erfolgte  der  Untauglichkeitsentscheid,  der  gemäss  dem  Beschwerdeführer  eine  schädigende  Handlung  darstellen  soll, am 3. November 1993 und damit noch unter der Herrschaft des MO.  Die  geltend  gemachten  Schäden  (Langzeitarbeitslosigkeit,  Führerausweisentzug und Invalidenrente) sind sowohl vor als auch nach  dem  Inkrafttreten  des  MG  entstanden.  Mangels  spezifischer  Übergangsbestimmungen im MG würde sich die Frage stellen, ob auf das  Recht  im  Zeitpunkt  des  Eintritts  des  behaupteten  schädigenden  Ereignisses oder auf  jenes bei Eintritt des Schadens abzustellen  ist. Die  Frage  kann  jedoch  offen  gelassen  werden.  Wie  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  21. Februar  2011  zutreffend  ausführte,  haben  die  vorliegend  relevanten  Verjährungsbestimmungen  mit  dem  Wechsel  vom  MO  zum  MG  nämlich  keine  materiellen  Änderungen  erfahren. Dies gilt insbesondere für die absolute Verjährungsfrist von fünf  Jahren  (Art.  29  Abs.  1  MO  in  der  bis  31. Dezember  1995  gültig  gewesenen Fassung und Art. 143 Abs. 1 MG; vgl. dazu auch Botschaft  des  Bundesrats  vom  8. September  1993  betreffend  das  Bundesgesetz  über  die  Armee  und  die  Militärverwaltung  sowie  den  Bundesbeschluss  über die Organisation der Armee [BBl 1993 IV 1 ff.]). Aus diesem Grund  werden nachfolgend lediglich die Bestimmungen des MG zitiert. 4.  Streitig  ist  vorliegend,  ob  dem  Beschwerdeführer  ein  Schadenersatzanspruch aus Staatshaftung zusteht. Die Vorinstanz ist der  Auffassung,  ein  allfälliger  Anspruch  sei  verjährt,  während  der 

A­1271/2011 Beschwerdeführer  die  Meinung  vertritt,  er  habe  die  Verjährung  unterbrochen. 4.1  Nach  Art.  143  Abs.  1  MG  verjährt  der  Schadenersatzanspruch  gegenüber dem Bund ein Jahr, nachdem der Geschädigte vom Schaden  Kenntnis  erhalten  hat,  auf  alle  Fälle  fünf  Jahre  nach  dem  Tag  der  schädigenden  Handlung.  Werden  Ansprüche  aus  einem  strafbaren  Verhalten hergeleitet, für welches das Strafrecht eine längere Verjährung  vorsieht,  so  gilt  diese  auch  für  sie  (Art.  143  Abs.  3  MG).  Für  die  Unterbrechung und die Geltendmachung der Verjährung gelten nach Art.  143 Abs. 4 MG die Artikel 135 ­ 138 und 142 des Obligationenrechts vom  30.  März  1911  (OR,  SR  220)  sinngemäss.  Als  Klage  im  Sinne  dieser  Bestimmungen  gilt  auch  die  schriftliche  Geltendmachung  des  Schadenersatzanspruchs beim VBS (Art. 143 Abs. 4 MG). Gemäss  Art.  135  OR  wird  die  Verjährung  zum  einen  durch  die  Anerkennung  der  Forderung  von  Seiten  des  Schuldners,  namentlich  durch Zins­ und Abschlagszahlungen, Pfand­ und Bürgschaftsbestellung,  unterbrochen  (Ziff.  1)  und  zum  andern  durch  Schuldbetreibung,  durch  Klage oder Einrede  vor  einem Gericht  oder Schiedsgericht  sowie  durch  Eingabe im Konkurs und Ladung zu einem amtlichen Sühneversuch (Ziff.  2). Mit  der Unterbrechung  beginnt  die Verjährung  von  neuem zu  laufen  (Art. 137 Abs. 1 OR). Die neue Frist ist grundsätzlich von gleicher Dauer  wie  die  unterbrochene  Verjährungsfrist  (PETER  GAUCH/WALTER  R.  SCHLUEP,  JÖRG  SCHMID/SUSAN  EMMENEGGER,  Schweizerisches  Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, Bd.  II, 9. Auflage, Zürich/Basel/Genf  2008, Rz. 3356). Eine unterbrochene Verjährungsfrist  kann, solange sie  noch  läuft,  immer  wieder  unterbrochen  werden,  mit  der  Folge,  dass  immer  wieder  eine  neue  Frist  von  gleicher  Dauer  beginnt.  Sieht  ein  Verjährungstatbestand  mehrere  Fristen  vor  (relative  und  absolute),  so  beginnen  alle  neu  zu  laufen  (LAURENT  KILLIAS,  in:  Amstutz/Breitschmid/Furrer/Girsberger/Huguenin/  Müller­ Chen/Roberto/Rumo­Jungo/Schnyder  [Hrsg.],  Handkommentar  zum  Schweizer Privatrecht, Zürich 2007, Rz. 2 zu Art. 137 OR, mit Hinweis).  Wird die Forderung durch Ausstellung einer Urkunde anerkannt, so ist die  neue Verjährungsfrist stets die zehnjährige (Art. 137 Abs. 2 OR). 4.2  Der  Beschwerdeführer  gelangte  am  23.  März  2010  mit  einem  Schadenersatzbegehren  an  die  Vorinstanz.  Als  schädigende  Handlung  bezeichnete  er  den  Entscheid  über  die  Dienstuntauglichkeit  der  sanitarischen Untersuchungskommission vom 3. November 1993, der im 

A­1271/2011 Zeitpunkt  des  Begehrens  bereits  mehr  als  sechzehn  Jahre  zurücklag.  Damit  sich  der  geltend  gemachte  Anspruch  nicht  als  verjährt  erweisen  würde, müsste der Beschwerdeführer somit darlegen, dass die absolute  Verjährungsfrist  von  fünf  Jahren  vor  dem  4.  November  1998  unterbrochen  worden  ist.  Anhaltspunkte  dafür,  dass  ein  strafrechtlich  relevantes  Verhalten  gegeben  sein  könnte,  aufgrund  dessen  sich  die  Verjährungsfristen  nach  Art.  143  Abs.  3 MG  verlängern  würden,  liegen  nicht  vor  und  Entsprechendes  wird  auch  nicht  behauptet.  Eine  Unterbrechung vor dem ob­genannten Datum alleine würde jedoch noch  nicht  genügen,  weil  eine  entsprechende  neue  Verjährungsfrist  –  von  wiederum  fünf  Jahren  –  wieder  hätte  unterbrochen  werden  müssen.  Entsprechendes  würde  noch weitere Male  gelten.  Den  Akten  lässt  sich  aber  gar  kein  Hinweis  auf  irgendeine  verjährungsunterbrechende  Handlung  vor  dem  23.  März  2010  entnehmen,  weshalb  ein  allfälliger  Schadenersatzanspruch des Beschwerdeführers in jedem Fall verjährt ist. 4.3  Was  der  Beschwerdeführer  dagegen  vorbringt,  vermag  an  diesem  Ergebnis nichts zu ändern. 4.3.1 Soweit er mit Verweis auf Art. 29 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom  6.  Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts  (ATSG,  SR  830.1)  eine  Verjährungsunterbrechung geltend macht, kann ihm nicht gefolgt werden.  Die Bestimmungen des ATSG sind auf die bundesgesetzlich geregelten  Sozialversicherungen – nur – anwendbar, wenn und soweit die einzelnen  Sozialversicherungsgesetze  dies  vorsehen  (Art. 2  ATSG).  Da  das  MG  kein  Sozialversicherungsgesetz  und  die  zur  Frage  stehende  Staatshaftung  keine  sozialversicherungsrechtliche  Angelegenheit  darstellt, kommen – entsprechend den Ausführungen der Vorinstanz – die  Bestimmungen  des  ATSG  und  mithin  auch  Art.  29  Abs.  3  ATSG  vorliegend nicht zur Anwendung. 4.3.2 Sodann  lässt  sich den Akten – wie bereits  erwähnt  (vgl. E.  4.2) –  kein  Hinweis  auf  eine  andere  verjährungsunterbrechende  Handlung  im  Sinn von Art. 143 Abs. 4 MG entnehmen. Zwar hat der Beschwerdeführer  zahlreiche  Verwaltungs­  und  Gerichtsverfahren  eingeleitet.  Zur  Verjährungsunterbrechung  genügt  aber  nicht  die  Einleitung  irgendeines  Verfahrens. Vielmehr muss derjenige Anspruch geltend gemacht werden,  dessen Verjährung unterbrochen werden soll. Die vom Beschwerdeführer  eingeleiteten Verfahren standen jedoch allesamt nicht im Zusammenhang  mit  einer  allfälligen  Haftung  der  Eidgenossenschaft  für  die  nun  geltend 

A­1271/2011 gemachten Schäden. Keine  verjährungsunterbrechende Wirkung  kommt  insbesondere  den  verschiedenen  Eingaben  zu,  mit  denen  der  Beschwerdeführer  eine  Revision  des  Untauglichkeitsentscheides  erwirken wollte. 4.3.3  Schliesslich  kann  der  Beschwerdeführer  auch  aus  dem Umstand,  dass  der  militärärztliche  Dienst  die  dem  Untauglichkeitsentscheid  zugrunde  liegenden  Akten  nicht  mehr  auffinden  konnte  und  die  Vorinstanz  diese  deshalb  vergeblich  einzuholen  versuchte,  nichts  zu  seinen Gunsten ableiten. Denn es  ist weder behauptet,  noch dargelegt,  noch  überhaupt  anzunehmen,  in  diesen  sei  ein  Schriftstück  enthalten  gewesen, das die Unterbrechung der Verjährungsfrist bewiesen hätte. Bei  den Akten handelt es sich vorwiegend um medizinische Unterlagen, die  sich  mit  dem  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  befassten.  Dass  in  ihnen  ein  Schadenersatzbegehren  enthalten  war,  ist  weder  behauptet,  noch  belegt.  Zudem  ist  zu  beachten,  dass  die  Aufbewahrungspflicht  für  sanitätsdienstliche Daten  nach  der  Entlassung  aus  der  Militärdienstpflicht  nur  während  zehn  Jahren  andauert  (Art.  29  Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 3. Oktober 2008 über die militärischen  Informationssysteme  [MIG,  SR  510.91])  und  somit  im  Zeitpunkt  der  Einreichung  des  Schadenersatzbegehrens  vom  23.  März  2010  längst  nicht mehr bestanden hatte. 4.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz das am 23. März  2010 gestellte Schadenersatzbegehren zu Recht als verjährt abgewiesen  hat.  Die  Folgen  der  behaupteten,  jedoch  unbewiesen  gebliebenen  Verjährungsunterbrechung  hat  der  Beschwerdeführer  zu  tragen.  Denn  auch  im Bereich des öffentlichen Rechts gilt  in Anlehnung an Art. 8 des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuchs  vom  10.  Dezember  1907  (ZGB,  SR  210)  der  allgemeine  Rechtsgrundsatz,  dass  diejenige  Partei  das  Vorhandensein einer Tatsache  zu beweisen hat, welche aus  ihr Rechte  ableitet  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­962/2009  vom  23.  Juli  2009  E. 6.3;  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.150;  PATRICK L. KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER, in: Praxiskommentar VwVG,  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  Zürich  2009,  Rz.  207  zu  Art. 12;  HÄFELIN/  MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  1623).  Ob  das  Schadenersatzbegehren  auch  bei  einer  materiellen  Prüfung  hätte  abgewiesen werden müssen, wie die Vorinstanz geltend macht, braucht  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  geprüft  zu  werden.  Die  Beschwerde  erweist sich damit als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.

A­1271/2011 5.  5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich  dem  unterliegenden  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Dieser  hat  jedoch  ein  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gestellt, über das noch zu entscheiden ist. 5.2 5.2.1 Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG kann eine Partei, die nicht über die  erforderlichen  Mittel  verfügt  und  deren  Begehren  nicht  als  aussichtslos  erscheinen,  auf Antrag  von  der Bezahlung  der Verfahrenskosten  befreit  werden.  Als  aussichtslos  sind  Prozessbegehren  anzusehen,  bei  denen  aufgrund einer  summarischen Prüfung nach den Verhältnissen  zur Zeit,  zu  der  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gestellt  wird,  die  Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und  die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Massgebend  ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger  Überlegung  zur  Einlegung  des  Rechtsmittels  entschliessen  oder  aber  davon absehen würde, soll doch eine Partei einen Prozess, den sie auf  eigene  Rechnung  und  Gefahr  nicht  führen  würde,  nicht  deshalb  anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 129 I 129 E. 2.3.1 mit  Hinweis; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 4.111). 5.2.2 Mit  Blick  auf  die  zutreffende  und  angesichts  des  klaren Wortlauts  der  massgebenden  Bestimmungen  ohne  Weiteres  nachvollziehbare  Begründung  in  der  angefochtenen  Verfügung  enthielt  die  Beschwerde  keine ausreichenden Anhaltspunkte für Aussicht auf Erfolg. Das Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  ist  folglich  wegen  Aussichtslosigkeit  abzuweisen. 5.3 Vorliegend  ist  indessen aus prozessökonomischen Gründen und mit  Rücksicht  auf  die  persönlichen  und  finanziellen  Verhältnisse  des  Beschwerdeführers auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten  (Art.  63  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  6  Bst.  b  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 6.  Weder  der  unterliegende  Beschwerdeführer  noch  die  obsiegende  Vorinstanz haben Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1  VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE e contrario).

A­1271/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird  abgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 5.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. 2010.01173; Gerichtsurkunde; Beilage: Kopie  der SMS­Eingabe vom 19. Juli 2011) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Salome Zimmermann Toni Steinmann

A­1271/2011 Rechtsmittelbelehrung: Entscheide  des  Bundesverwaltungsgerichts  auf  dem  Gebiet  der  Staatshaftung  können  beim  Bundesgericht  angefochten  werden,  wenn  der  Streitwert  mindestens  Fr. 30'000.­­  beträgt  oder  wenn  sich  eine  Rechtsfrage  von  grundsätzlicher  Bedeutung  stellt  (Art. 85  Abs. 1  Bst. a  und  Abs. 2  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Steht  die  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten offen, kann sie  innert 30 Tagen nach Eröffnung dieses  Entscheides  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  erhoben  werden  (Art. 82 ff.,  90 ff.  und  100  BGG).  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die Begehren,  deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  die  beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG). Versand:

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