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Bundesverwaltungsgericht 18.07.2011 A-119/2011

18 luglio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,751 parole·~14 min·1

Riassunto

Energie (Übriges) | Definition und Abgrenzung Übertragungsnetz

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­119/2011 Urteil   v om   1 8 .   Juli   2011 Besetzung Richter Christoph Bandli (Vorsitz), Richter Markus Metz, Richter Jérôme Candrian,    Gerichtsschreiberin Yvonne Wampfler Rohrer. Parteien Energie Electrique du Simplon SA, 3907 Gondo,   Beschwerdeführerin,  gegen swissgrid ag, Dammstrasse 3, Postfach 22, 5070 Frick,   Beschwerdegegnerin,  und  Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom,  3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Definition und Abgrenzung Übertragungsnetz.

A­119/2011 Sachverhalt: A.  Am  1.  Juni  2010  stellte  die  swissgrid  ag  bei  der  Eidgenössischen  Elektrizitätskommission  (ElCom)  ein  Feststellungsbegehren  betreffend  Defini­tion und Abgrenzung des Übertragungsnetzes. Sie beantragte, es  sei  festzustellen,  dass  das  gesamte  220/380­kV­Netz  als  Übertragungsnetz gelte  (mit den von swissgrid  in den Beilagen 3 und 7  definierten Abgrenzungen und Ausnahmen) und das Eigentum daran auf  die nationale Netzgesellschaft (swissgrid ag) zu übertragen sei. B.  Das Fachsekretariat der ElCom eröffnete am 5. Juli 2010 das Verfahren  und lud als weitere Verfahrensbeteiligte alle Übertragungsnetzeigentümer  zur Stellungnahme ein. C.  Am  9.  Juli  2010  reichte  die Nordostschweizerische Kraftwerke Grid  AG  (nachfolgend:  NOK  Grid  AG)  ebenfalls  ein  Feststellungsbegehren  betreffend  Definition  und  Abgrenzung  Übertragungsnetz  bei  der  ElCom  ein.  Sie  beantragte,  dass  das Übertragungsnetz  aufgrund  einer  an  den  Funktionen  ausgerichteten  Betrachtungsweise  vom  Verteilnetz  abzugrenzen  sei.  Das  Feststellungsbegehren  der  swissgrid  ag  mit  der  spannungsbasierten Zuordnung sei abzuweisen. D.  Die Anträge der swissgrid ag und der NOK Grid AG zeigten, dass bei der  Abgrenzung  des  Übertragungsnetzes  vom  Verteilnetz  grundsätzlich  entweder  ein  spannungsbasierter  Ansatz  oder  ein  funktionaler  Ansatz  verfolgt  werden  konnte.  Von  den  weiteren  Verfahrensbeteiligten  unterstützten einige die Ansicht der swissgrid ag, andere schlossen sich  der  Auffassung  der  NOK  Grid  AG  an.  Einige  Verfahrensbeteiligte  brachten  in  Bezug  auf  ihre  Leitungen  in  ihrem  Eigentum  eigene  Vorschläge  vor.  Mehrere  Verfahrensbeteiligte  reichten  zu  den  Feststellungsbegehren  der  swissgrid ag  und  der  NOK  Grid  AG  keine  Stellungnahme ein. E.  Mit Verfügung vom 11. November 2010 erklärte die ElCom grundsätzlich  den  spannungsbasierten  Ansatz  als  gesetzeskonform  und  bestimmte,  dass  alle  vermaschten  Leitungen  mit  Nebenanlagen  auf  der  Spannungsebene  220/380  kV  zum  Übertragungsnetz  gehörten.  Nebst 

A­119/2011 hier  nicht  interessierenden  weiteren  Präzisierungen  schloss  sie  die  Stichleitungen als nicht zum Übertragungsnetz gehörend aus. F.  Mit  Eingabe  vom  7.  Januar  2011  erhebt  die  Energie  Electrique  du  Simplon SA (nachfolgend: Beschwerdeführerin) gegen die Verfügung der  ElCom  (nachfolgend: Vorinstanz)  vom 11. November  2010 Beschwerde  beim Bundesverwaltungsgericht  und beantragt,  unter Verzicht  auf  einen  Kosten­  und  Entschädigungsantrag  und  Überantwortung  der  Kostenverlegung  in  das  Ermessen  des  Gerichts,  Ziffer  10  der  angefochtenen Verfügung sei aufzuheben und die Eigentumsgrenze des  Höchstspannungsnetzes,  das  an  die  swissgrid  übertragen  werden  soll,  sei  generell  beim  Transformator  beim  Übergang  zu  einem  Kraftwerk  (Trafoklemme  oberspannungsseitig)  festzulegen.  Eventualiter  beantragt  sie,  Ziffer  10  der  angefochtenen  Verfügung  sei  dahingehend  zu  präzisieren,  dass  die  Leitung  Serra­Gondo  nicht  als  Stichleitung  gelte,  zum  Übertragungsnetz  gehöre  und  somit  an  die  swissgrid  ag  zu  übertragen sei. Zur  Begründung  führt  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  an,  es  fehle  eine  gesetzliche  Grundlage  für  eine  Ausnahmeregelung  für  die  Nicht­Übertragung  von  Stichleitungen.  Die  Einführung  der  Stichleitungsdefinition  durch  die  Vorinstanz  werde  zu  Diskriminierungen  zwischen den verschiedenen Kraftwerksbetreibern  führen. Abhängig von  der Topologie des Übertragungsnetzes müsse ein Kraftwerksbetreiber für  seinen Netzzugang die Kosten einer Stichleitung übernehmen oder nicht.  Diese  Qualifikation  von  Stichleitungen  sei  deshalb  arbiträr,  entspreche  nicht  dem  Gleichbehandlungsgrundsatz  und  erfülle  den  Grundsatz  der  Diskriminierungsfreiheit nicht. Der Netzzugang müsse gemäss Art. 1 Abs.  1  des  Bundesgesetzes  über  die  Stromversorgung  vom  23.  März  2007  (Stromversorgungsgesetz,  StromVG,  SR  734.7)  Dritten  diskriminierungsfrei  gewährt  werden.  Dies  bedeute,  dass  für  alle  Endverbraucher,  Elektrizitätserzeuger  und  Netzbetreiber  die  gleichen  Regeln  für  den  Netzzugang  gültig  sein  müssten.  Erzeuger  mit  Stichleitungen  und  Erzeuger  ohne  Stichleitungen  würden  damit  unterschiedlichen Regelungen und unterschiedlichen Belastungen, für die  es  keine  Gesetzesgrundlage  gebe,  unterliegen.  Aus  wirtschaftlichen  Gründen seien eine gemeinsame Planung und der gemeinsame Betrieb  der 220/380­kV­Leitungen und Anlagen erforderlich. Eine Abtrennung des  Eigentums von gewissen 220/380­kV­Leitungen/Anlagen werde zu einer  getrennten  Verantwortung  für  Planung  und  Betrieb  dieser  Leitungen 

A­119/2011 führen.  Diese  Abtrennung  führe  zu  Zielkonflikten  in  der  Planung  und  damit  zu  suboptimalen  technischen  und  wirtschaftlichen  Lösungen.  Die  Anwendung dieser Regel schwäche weiter auch eine optimale Gestaltung  des Schutzkonzeptes für das gesamte Übertragungsnetz. Es liege in der  Natur eines Kraftwerkstandortes, dass dieser höchstens ausnahmsweise  an  einer  Trasse  einer  Übergangsleitung  liege.  Der  produzierte  Strom  müsse  im  Normalfall  aus  einem  Bergtal  bis  zum  Anschluss  an  das  bestehende  Netz  mit  einer  Höchstspannungsleitung  geführt  werden.  Wenn  bei  einzelnen  Kraftwerken  Stichleitungen  als  zum  Kraftwerk  gehörend  bezeichnet würden,  verletze  das  die Rechtsgleichheit  und  sei  willkürlich. In  verschiedenen  Ausbauprojekten  seien  die  Projektanten  davon  ausgegangen,  dass  der  Eigentumsübergang  zum Übertragungsnetz  der  Legaldefinition  folge.  Wenn  nun  unvermittelt  von  diesem  Grundsatz  abgewichen werde, werde der gute Glaube des Projektanten verletzt. Zu  erwähnen  seien  in  diesem  Zusammenhang  das  Pumpspeicherkraftwerk  Nant  de  Drance  oder  die  Leistungserhöhung  Forces  Motrices  Hongrin  Léman.  Der  Netzbetreiber  sei  darauf  angewiesen,  dass  er  die  Energieeinspeisung  und  Leistungsbereitstellung  direkt  in  sein  Netz  absichern  könne.  Deshalb  habe  der  Gesetzgeber  wohl  auch  die  Eigentumsabgrenzung  bei  der  Trafoklemme  des  Produzenten  gewählt.  Dieser  Grundsatz  sei  generell  für  alle  Kraftwerke  gültig.  Eine  Unterscheidung  von  Produktionsstandorten  mit  einer  Stichleitung,  die  nicht dem Übertragungsnetz zugerechnet werden, würde den Netzbetrieb  einschränken. G.  Die  Beschwerdegegnerin  beantragt  in  der  Beschwerdeantwort  vom  19. April 2011 die Abweisung der Beschwerde.  Zur  Begründung  bringt  sie  im  Wesentlichen  vor,  sie  habe  bereits  im  vorinstanzlichen  Verfahren  die  Auffassung  vertreten,  dass  solche  Stichleitungen  –  im  Gegensatz  zu  Stichleitungen  mit  Versorgungscharakter  –  nicht  zum  Übertragungsnetz  gehören  (Gesuchsbeilage  3).  Es  sei  kein  Grund  ersichtlich,  um  von  diesem  Standpunkt abzuweichen. Die streitbetroffene Leitung Serra – Gondo der  Beschwerdeführerin  werde  von  der  Beschwerdegegnerin  in  der  vorstehend  genannten  Gesuchsbeilage  ausdrücklich  als  Netzelement  aufgeführt, das nicht zum Übertragungsnetz gehöre. Hinzu komme, dass  diese  Leitung  auch  nicht  als  T­Anbindung mit  der  Leitung Mörel­Serra­

A­119/2011 Pallanzeno betrachtet werden könne. Die Vorinstanz habe entsprechend  ihrem  Ansinnen  zutreffend  festgestellt,  dass  das  Übertragungsnetz  grundsätzlich auf Basis der Spannungsebene zu definieren sei und nicht  aufgrund eines funktionalen Ansatzes. Das bedeute, dass Netze auf der  Spannungsebene  220/380  kV  in  der  Regel  zum  Übertragungsnetz  gehören würden  (vgl.  Art.  4  Abs.  1  lit.  h  StromVG).  Entsprechend  dem  Gesetzeswortlaut  gehöre  aber  nicht  zwingend  jedes  Netz  auf  dieser  Spannungsebene  zum Übertragungsnetz.  Es  widerspreche  damit  Art.  4  Abs.  1  lit.  h StromVG und  der  gesetzlichen Aufgabenumschreibung  der  Beschwerdegegnerin,  eine  Stichleitung,  welche  wie  vorliegend  ausschliesslich  dem  Abtransport  der  durch  das  Kraftwerk  der  Beschwerdeführerin  erzeugten  Energie  in  das  eigentliche  Übertragungsnetz diene,  ins Eigentum nehmen zu müssen. Eine solche  Stichleitung  habe  weder  eine  Übertragungs­  noch  eine  Versorgungsfunktion. H.  Die Vorinstanz beantragt  in  ihrer Stellungnahme vom 19. April 2011 die  Abweisung der Beschwerde.  Zur  Begründung  führt  sie  im Wesentlichen  an,  da  sie  in  einem  höchst  technischen Bereich amte, verfüge sie über einen gewissen Ermessens­  und Beurteilungsspielraum, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen  Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und  umfassend durchgeführt habe.  Die streitgegenständliche Leitung Serra­Gondo sei auch nach der Ansicht  der  Beschwerdegegnerin  als  Kraftwerksstichleitung  zu  betrachten,  die  nicht zum Übertragungsnetz gehöre.  Als Stichleitung im Sinn der angefochtenen Verfügung würden Leitungen  gelten,  die  nur  mit  einem  Anschlusspunkt  des  vermaschten  Übertragungsnetzes verbunden seien. Dies sei ein sachliches Kriterium,  welches  für  das  gesamtschweizerische  Übertragungsnetz  zur  Anwendung komme. Es sei demgemäss nicht einzusehen,  inwiefern die  Qualifikation  als  Stichleitung  arbiträr  und  diskriminierend  sein  solle.  Ebenfalls  sei  unklar,  wie  die  Beschwerdeführerin  im  vorliegenden  Zusammenhang  Rechte  aus  dem  Anspruch  auf  Netzzugang  ableiten  wolle.

A­119/2011 Die  Leitung  Serra­Gondo  sei,  wie  auf  dem  beigelegten  Netzschema  ersichtlich,  nur  an  einem  Anschlusspunkt,  nämlich  in  Serra,  mit  dem  vermaschten Übertragungsnetz  verbunden  und  somit  nach  den  von  der  Vorinstanz  aufgestellten Grundsätzen  eine Stichleitung.  In Gondo  seien  keine weiterführenden 380/220­kV­Leitungen mehr vorhanden. Damit sei  der Hauptzweck der Leitung nicht der Transit bzw. die Übertragung von  Elektrizität,  sondern  die  Versorgung  der  lokalen  Verbraucher  und  der  Abtransport  der  lokal  produzierten  Elektrizität  der  angeschlossenen  Kraftwerke. Der  in  der  Beschwerde  beschriebene  Sachverhalt  bezüglich  des  Anschlusses  der  Stichleitung  in  Serra  sei  der  Vorinstanz  bei  der  Erarbeitung der angefochtenen Verfügung bereits bekannt gewesen. Die  Tatsache,  dass  in  Serra  nur  ein  Trenner  und  kein  Leistungsschalter  vorhanden sei, könne betriebliche Nachteile mit sich bringen. Durch den  vorhandenen  Trenner  sei  es  jedoch  möglich,  die  Stichleitung  durch  geeignete  Schalthandlungen  wenn  nötig  vom  Übertragungsnetz  zu  trennen.  Bei  einem  T­Anschluss  gemäss  der  Definition  in  der  angefochtenen Verfügung (z.B. Gabi) sei dies nicht möglich. Aus diesem  Grund  sei  die  Vorinstanz  zum  Schluss  gekommen,  dass  die  Leitung  Serra­Gondo als Stichleitung zu betrachten sei. Abschliessend  hält  sie  fest,  dass  die  von  ihr  in  der  angefochtenen  Verfügung  aufgestellten  Grundsätze  anhand  einer  gesamtschweizerischen  einheitlichen  Betrachtung  des  Übertragungsnetzes  zustande  gekommen  seien.  Aufgrund  dieser  gehörten  Stichleitungen,  die  nur  mit  einem  Anschlusspunkt  des  vermaschten  Übertragungsnetzes  verbunden  seien,  nicht  zum  Übertragungsnetz. I.  In  den  Schlussbemerkungen  vom  20.  Mai  2011  hält  die  Beschwerdeführerin  an  den  in  der  Beschwerde  gestellten  Anträgen  vollumfänglich fest.  J.  Auf  die  weiteren  Ausführungen  der  Beteiligten  wird  –  soweit  entscheidrelevant  –  im  Rahmen  der  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

A­119/2011 1.  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Die  ElCom  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  Bst.  f  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  Ausnahme,  was  das  Sachgebiet  angeht,  ist  nicht  gegeben  (Art.  32  VGG).  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  für  die  Beurteilung  der  am  7.  Januar  2011  erhobenen Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 23 StromVG).  2.  Zur  Beschwerde  ist  berechtigt,  wer  vor  der  Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung  hat  (Art. 48 VwVG). Die Beschwerdeführerin hat als beteiligte Partei am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen  und  ist  als  Übertragungsnetzeigentümerin  von  der  Verfügung  besonders  betroffen.  Sie ist damit zur Beschwerde legitimiert.  3.  Auf  die  im  Übrigen  form­  und  fristgerecht  eingereichte  Beschwerde  (Art. 50 und 52 VwVG) ist einzutreten.  4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  die  bei  ihm  angefochtenen  Verfügungen  und  Entscheide  grundsätzlich  mit  uneingeschränkter  Kognition, das heisst auch auf eine allfällig unrichtige oder unvollständige  Feststellung des Sachverhalts hin, ebenso auf Angemessenheit  (Art. 49  VwVG). Die  Vorinstanz  ist  keine  gewöhnliche  Vollzugsbehörde,  sondern  eine  verwaltungsunabhängige  Kollegialbehörde  mit  besonderen  Kompetenzen. Als Fachorgan ist sie Regulierungsinstanz mit besonderer  Verantwortung.  Dies  rechtfertigt  eine  gewisse  Zurückhaltung  des  Bundesverwaltungsgerichts  bei  der  Überprüfung  des  vorinstanzlichen  Entscheides. Es befreit das Bundesverwaltungsgericht aber nicht davon,  die  Rechtsanwendung  auf  ihre  Vereinbarkeit  mit  Bundesrecht  zu  überprüfen.  Sodann  amtet  die  Vorinstanz  in  einem  höchst  technischen  Bereich,  in dem Fachfragen sowohl  im Bereich der Stromversorgung als  auch  ökonomischer  Ausrichtung  zu  beantworten  sind.  Ihr  steht  dabei – 

A­119/2011 wie  anderen  Behördenkommissionen  auch  –  ein  eigentliches  "technisches  Ermessen"  zu.  In  diesem  Rahmen  darf  der  verfügenden  Behörde  bei  der  Beurteilung  von  ausgesprochenen  Fachfragen  ein  gewisser  Ermessens­  und  Beurteilungsspielraum  belassen  werden,  soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und  die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat  (vgl. BGE 133  II 35 E. 3, BGE 132  II 257 E. 3.2, BGE 131  II 13 E. 3.4,  BGE  131  II  680  E.  2.3.2  mit  Hinweisen;  BVGE  2009/35  E.  4;  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.155). 5.  Der  Gesetzgeber  unterscheidet  beim  Elektrizitätsnetz  zwischen  Übertragungs­ und Verteilnetz. Nach Art.  4 Abs. 1 Bst. h StromVG wird  das  Übertragungsnetz  als  Elektrizitätsnetz,  das  der  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen  im  Inland  sowie  dem  Verbund  mit  den  ausländischen  Netzen  dient  und  in  der  Regel  auf  der  Spannungsebene 220/380 kV betrieben wird, definiert.  Art. 4 Abs. 1 Bst. i StromVG definiert das Verteilnetz als Elektrizitätsnetz  hoher, mittlerer oder niederer Spannung zum Zwecke der Belieferung von  Endverbrauchern  oder  Elektrizitätsversorgungsunternehmen.  Gemäss  Art. 4 Abs. 2 StromVG kann der Bundesrat die Begriffe nach Abs. 1 sowie  weitere  in  diesem  Gesetz  verwendete  Begriffe  näher  ausführen  und  veränderten technischen Voraussetzungen anpassen. Gemäss  Art.  2  Abs.  2  der  Stromversorgungsverordnung  vom  14.  März  2008  (StromVV,  SR  734.71)  gehören  zum  Übertragungsnetz  insbesondere  auch:  a.  Leitungen  inklusive  Tragwerke;  b.  Kuppeltransformatoren,  Schaltanlagen,  Mess­,  Steuer­  und  Kommunikationseinrichtungen;  c.  gemeinsam  mit  anderen  Netzebenen  genutzte  Anlagen,  die  mehrheitlich  im  Zusammenhang  mit  dem  Übertragungsnetz  genutzt  werden  oder  ohne  die  das Übertragungsnetz  nicht sicher oder nicht effizient betrieben werden kann; d. Schaltfelder vor  dem Transformator beim Übergang zu einer anderen Netzebene oder zu  einem Kraftwerk. 6.  In Auslegung dieser Bestimmungen hat die Vorinstanz entschieden, dass  Stichleitungen  nicht  zum  Übertragungsnetz  gehören,  da  sie  mit  dem  Übertragungsnetz  nicht  vermascht,  sondern  nur  mit  einem 

A­119/2011 Anschlusspunkt  des  vermaschten  Übertragungsnetzes  verbunden  sind.  Sie  definiert  Stichleitungen  als  Leitungen  auf  der  Spannungsebene  380/220 kV,  die  nur  mit  einem  Anschlusspunkt  des  vermaschten  Übertragungsnetzes verbunden sind, also Leitungen von einem Kraftwerk  zu  einem  Anschlusspunkt  an  das  Übertragungsnetz  (Kraftwerks­ Stichleitung)  oder  vom  Übertragungsnetz  zu  einem  Verbraucher  respektive  zu  einem  Verteilnetz  (Versorgungs­Stichleitung).  Im  Gegensatz  zu  den  T­Anschlüssen  sind  Stichleitungen  über  eine  Schaltanlage  oder  über  ein  Schaltfeld  mit  dem  Übertragungsnetz  verbunden, und somit auch von diesem abtrennbar. Weiter  würden  nach  der Definition  der  Vorinstanz  Stichleitungen  primär  dem  Abtransport  der  lokal  produzierten  Elektrizität  oder  der  lokalen  Versorgung  dienen.  Stichleitungen  werden  nicht  zur  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen  geplant  und  gebaut,  müssten  nicht  für mögliche Transitflüsse dimensioniert werden und seien somit vielmehr  als  Anschluss  denn  als  Teil  des  vermaschten  Verbundnetzes  zu  betrachten.  Bei  doppelt  geführten  Stichleitungen  seien  je  nach  Schaltzustand  der  Sammelschienen  zwar  theoretisch  Transitflüsse  denkbar. Stichleitungen würden aber nicht zu diesem Zweck gebaut. Sie  seien  über  eine  Schaltanlage  oder  über  ein  Schaltfeld  mit  dem  Übertragungsnetz verbunden und somit auch von diesem abtrennbar. Sie  seien  für  den  sicheren  Betrieb  des  Übertragungsnetzes  nicht  zwingend  notwendig.  Dabei  sei  nicht  relevant,  ob  eine  solche  Leitung  auf  der  Spannungsebene 220 kV oder 380 kV betrieben werde. 7.  Streitig  und  zu  prüfen  ist  somit,  ob  die  Vorinstanz  Art.  4  Abs.  1  lit.  h  StromVG und Art. 2 Abs. 2 lit. c StromVV richtig ausgelegt hat. Ausgangspunkt  jeder  Auslegung  ist  der  Wortlaut  einer  Gesetzesbestimmung.  Ist  dieser  nicht  klar,  so  ist  auf  die  übrigen  Auslegungselemente  zurückzugreifen;  abzustellen  ist  insbesondere  auf  die  Entstehungsgeschichte  einer  Rechtsnorm,  ihren  Sinn  und  Zweck  sowie  die Bedeutung,  die  ihr  im Kontext mit  anderen Normen  zukommt  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­6086/2010  vom  16.  Juni  2011  E.  4;  PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  3. Aufl.,  Bern  2009,  §  25  Rz.  3  f.;  ULRICH  HÄFELIN/WALTER  HALLER/HELEN  KELLER,  Schweizerisches  Bundesstaatsrecht, 7. Aufl., Zürich 2008, Rn. 80 ff.).

A­119/2011 7.1.  Art.  4  Abs.  1  lit.  h  StromVG  definiert  das  Übertragungsnetz  als  Elektrizitätsnetz,  das  der  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen  im  Inland sowie dem Verbund mit den ausländischen Netzen  dient  und  in  der  Regel  auf  der  Spannungsebene  220/380  kV  betrieben  wird.  Aus dem Gesetzeswortlaut  von Art. 4 Abs. 1  lit.  h StromVG ergibt  sich,  dass  nach  dem Willen  des  Gesetzgebers  das  Übertragungsnetz  in  der  Regel auf der Spannungsebene 220/380 kV betrieben wird. Der Wortlaut  des Gesetzes  lässt mithin aufgrund der grammatikalischen Stellung des  "in  der  Regel"  in  der  Definition  – wie  die  Beschwerdeführerin  zu Recht  vorbringt  –  einzig  Ausnahmen  in  Bezug  auf  die  Spannungsebene  220/380 kV  zu  und  nicht  etwa  auch  in  Bezug  auf  das  Kriterium  der  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen  im  Inland  sowie  dem Verbund mit den ausländischen Netzen. Dass einzig eine Ausnahme  in  Bezug  auf  die  Spannungsebene  220/380  kV  möglich  ist,  ergibt  sich  noch  deutlicher  aus  den  französisch­  und  italienischsprachigen  Gesetzestexten,  in  denen  der  2.  Teilsatz  in  Bezug  auf  die  Spannungsebene mit  einem Semikolon abgetrennt wird:  "par  réseau de  transport on entend le réseau électrique qui sert au transport d'électricité  sur de grandes distances à  l'intérieur du pays ainsi qu'à  l'interconnexion  avec  les  réseaux  étrangers;  il  est  généralement  exploité  à  220/380  kV"  und  "per  rete  di  trasporto  s'intendono  rete  elettrica  per  il  trasporto  di  energia  elettrica  su  lunghe  distanze  all'interno  del  Paese  e  per  l'interconnessione  con  le  reti  estere;  di  regola  funziona  al  livello  di  tensione  220/380  kV").  Hätte  der  Gesetzgeber  eine  Ausnahmeformulierung auch in Bezug auf die anderen zwei Kriterien der  Definition gewollt, hätte er "in der Regel" der Definition vorangestellt  ("In  der  Regel  gilt  als  Übertragungsnetz  …  ").  Aufgrund  dieses  klaren  Wortlauts  kommt  der  Vorinstanz  diesbezüglich  auch  kein  technisches  Ermessen zu. Wenn  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  festhält,  dass  Stichleitungen nicht zum Übertragungsnetz gehören, da sie nicht mit dem  Übertragungsnetz vermascht, sondern nur mit einem Anschlusspunkt des  vermaschten  Übertragungsnetzes  verbunden  sind,  kann  jedenfalls  aus  dem  Wortlaut  von  Art.  4  Abs.  1  lit.  h  StromVG  das  Kriterium  der  Vermaschung nicht abgeleitet werden. Nach Art. 4 Abs. 2 StromVG kann  zwar der Bundesrat die Begriffe nach Absatz 1 (…) näher ausführen und  veränderten  technischen Voraussetzungen anpassen. Das Kriterium der  Vermaschung  hätte  demnach  mindestens  in  der  StromVV  geregelt 

A­119/2011 werden  müssen.  Es  findet  sich  jedoch  auch  nicht  in  Art. 2  Abs.  2  StromVV, welcher das Übertragungsnetz näher definiert. In  der  angefochtenen Verfügung wird  zu Recht  darlegt,  dass nach dem  Wortlaut  der  Legaldefinition  für  die  Abgrenzungsfrage  primär  eine  spannungsbasierte  Betrachtung  (220/380  kV)  zur  Anwendung  gelangen  soll.  Dem  primär  spannungsbasierten  Ansatz  widerspricht  die  Ausklammerung  einer  ganzen  Kategorie  von  Leitungen.  Mit  der  Begründung,  dass  Stichleitungen  primär  dem  Abtransport  der  lokal  produzierten Elektrizität oder der  lokalen Versorgung dienen, obwohl sie  auf  der  Spannungsebene  380/220  kV  betrieben  werden,  stellt  die  Vorinstanz gerade auf ein funktionales Kriterium ab.  Nach  dem  Wortlaut  von  Art.  4  Abs.  1  lit.  h  StromVG  gehören  Stichleitungen  (mit  oder  ohne  Versorgungscharakter)  somit  zum  Übertragungsnetz.  Diesen  an  sich  klaren  Wortlaut  bestätigen  auch  die  weiteren Auslegungsmethoden. 7.2. Die Legaldefinition des Übertragungsnetzes von Art. 4 Abs. 1 Bst. h  StromVG findet sich im 1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen unter Art. 4  Begriffe.  Neben  dem  Begriff  des  Übertragungsnetzes  hat  der  Gesetzgeber  den  Begriff  des  Elektrizitätsnetzes  (lit.  a)  und  des  Verteilnetzes  (Bst. i)  definiert.  Neben  dem  Übertragungsnetz  und  dem  Verteilnetz  hat  der Gesetzgeber  keine weiteren Kategorien  vorgesehen.  Daraus  folgt,  dass  Stichleitungen,  die  weder  im  StromVG  noch  in  der  StromVV  definiert  werden,  entweder  zum  Übertragungs­  oder  zum  Verteilnetz gehören müssen. Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung als Fachbehörde zu  Recht festhält, können die zwei Begriffe Übertragung und Verteilung nicht  in  jedem  Fall  trennscharf  abgegrenzt  werden.  Es  ist  damit  nicht  ausgeschlossen, dass ein Übertragungsnetz Versorgungsaufgaben oder  umgekehrt  ein  Verteilnetz  Übertragungsaufgaben  wahrnimmt:  Die  französische  Fassung  übersetzt  den  Begriff  Übertragungsnetz  mit  "réseau  de  transport",  die  italienische  Fassung  spricht  von  "rete  di  trasporto".  Das  Übertragungsnetz  kann  damit  auch  als  "Transportnetz"  betrachtet werden. Es ist dabei davon auszugehen, dass mit Übertragung  auch  der  Transport  von  Elektrizität,  und  zwar  von  (grossen)  Produktionsanlagen  über  grössere  Distanzen  zu  den  Verteilnetzbetreibern  und  den  am  Übertragungsnetz  direkt  angeschlossenen  Endverbrauchern  gemeint  ist.  Auch  ein  Verteilnetz 

A­119/2011 transportiert Elektrizität. Bei der Verteilung steht hingegen die Versorgung  von  Elektrizitätsversorgungsunternehmen  und  Endverbrauchern  mit  Elektrizität über kleinere Distanzen im Vordergrund.  Aus  der  Gesetzessystematik  ergibt  sich,  dass  der  Begriff  der  Stichleitungen  nicht  definiert  ist  und  die  Stichleitungen  entweder  zum  Übertragungs­  oder  zum  Verteilnetz  gehören  müssen.  Aufgrund  des  Ausgeführten  kann  das  Kriterium  der  Versorgung  jedenfalls  nicht  als  Abgrenzungskriterium  dienen.  Ebensowenig  ergibt  sich  das  Abgrenzungskriterium der Vermaschung mit  dem Übertragungsnetz  aus  der systematischen Auslegung von Art. 4 Bst. h und i StromVG. Auch die  Gesetzessystematik  legt  demnach  nahe,  dass  Stichleitungen  zum  Übertragungsnetz gehören. 7.3. Die historische Auslegung stellt auf den Sinn und Zweck ab, den man  einer  Norm  zur  Zeit  ihrer  Entstehung  gab.  Insbesondere  bei  jungen  Erlassen  muss  dem  Willen  des  Gesetzgebers  ein  grosses  Gewicht  beigemessen werden (BGE 133 III 278 E. 3.2.2; 132 V 215 E. 4.5.2 und  BGE  131  II  710  E. 4.1;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2606/2009 vom 11. November 2010 E. 9.4). Bereits die Vorlage zum Elektrizitätsmarktgesetz vom 15. Dezember 2000  (EMG;  BBl  2000,  S.  6189  ff.)  definierte  das  Übertragungsnetz  als  Elektrizitätsnetz  hoher  Spannung  zur  Übertragung  von  Elektrizität  über  grössere  Distanzen.  Der  Entwurf  der  Elektrizitätsmarktverordnung  vom  27. März 2002 (abrufbar unter www.bfe.admin.ch) führte in Art. 14 Abs. 1  weiter  aus,  dass  die  Schweizerische  Netzgesellschaft  das  Übertragungsnetz  der  Spannungsebene  220/380  kV  betreibt.  Soweit  Netze  oder  Netzteile  unterer  Spannungsebenen  ausschliesslich  der  Übertragung von Elektrizität über grössere Distanzen dienen, gelten auch  solche Netze als Teil des Übertragungsnetzes. In der Botschaft zum EMG  (BBl  1999  7434  f.)  sind  auch  die  Spannungsebenen  220  und  380  kV  explizit  erwähnt.  Zudem geht  aus der Botschaft  zum EMG hervor,  dass  die  Bezeichnung  des  Übertragungsnetzes  nicht  nur  auf  Grund  der  Spannungsebene (in der Regel 380/220 kV), sondern auch nach dessen  Funktion  (Übertragung  von  Strom  über  grosse Distanzen)  erfolgen  soll.  Damit sollte  jedoch die Option offen gelassen werden, dass auch Netze  der  unteren  Spannungsebenen  in  die  Netzgesellschaft  eingebracht  werden können.  http://www.bfe.admin.ch

A­119/2011 Aus den Protokollen der parlamentarischen Debatte zum StromVG geht  sodann  hervor,  dass  die  Themen  Übertragungsnetz  und  Übertragungsnetzbetreiber  bei  der  Erarbeitung  des  Gesetzes  wichtige  Punkte gewesen waren. Beim Übertragungsnetz war man sich einig, dass  dieses  eine  wesentliche  Grundlage  für  die  sichere  Versorgung  in  der  Schweiz  darstellt  (vgl.  u.a.  Votum  von  Ständerat  Rolf  Schweiger,  Amtliches  Bulletin  2006  [Ständerat],  S. 848 ff.).  Beim  Übertragungsnetzbetreiber  drehte  sich  die  Diskussion  vor  allem  um  die  Unabhängigkeit  der  nationalen  Netzgesellschaft  und  um  die  Frage,  ob  diese  das Netz  nur  betreiben  soll  oder  dieses  auch  in  ihr  Eigentum  zu  übertragen  sei. Wie  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht festhält, hat hingegen die Formulierung der Legaldefinition ("in der  Regel  auf  der  Spannungsebene  220/380  kV")  im  Parlament  zu  keinen  Diskussionen geführt. Auch  die  Botschaft  zum  StromVG  erwähnt  die  zentrale  Bedeutung  des  Übertragungsnetzes  für  die  Schweiz.  Sie  versprach  sich  mit  der  Zusammenführung  des  Betriebs  des  gesamtschweizerischen  Übertragungsnetzes eine Erhöhung der Transparenz (BBl 2004 1633 f.).  Im Weiteren ging der Bundesrat davon aus, dass das Übertragungsnetz  auf den Spannungsebenen (der Begriff wird an dieser Stelle noch in der  Mehrzahl  verwendet)  220  –  380  kV  sowie  das  Verteilnetz  auf  den  Spannungsebenen  400  V  –  160  kV  betrieben  werden  soll  (BBl  2004  1642). Das  von  der  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  eingeführte  Kriterium  der  Vermaschung  ist  weder  in  der  Botschaft  zum  EMG,  zum  StromVG,  noch  in  den  parlamentarischen  Debatten  zum  StromVG  erwähnt. Ebenso wenig  hat  sich  der  historische Gesetzgeber  zur Frage  geäussert,  ob  Stichleitungen  zum  Übertragungsnetz  gehören  sollen.  Dazu kommt, dass parallel zu den Gesetzgebungsarbeiten der Sachplan  Übertragungsleitungen  (SÜL)  (Aufnahme  der  strategischen  Übertragungsleitungsnetze 50 Hz der allgemeinen Stromversorgung und  16,7  Hz  der  Bahnstromversorgung  in  den  Sachplan,  Sachplan  Übertragungsleitungen  –  12.04.2001,  Anpassung  2008,  13.  Februar  2009,  Bundesamt  für  Energie  BFE)  (nachfolgend:  SÜL),  das  Netznutzungsmodell für das schweizerische Übertragungsnetz (VSE/AES  NNMÜ­CH  Ausgabe  2005,  Revision  2007;  MERKUR  Access  Branchenempfehlung  Strommarkt  Schweiz)  (nachfolgend:  NNMÜ­CH)  sowie  der  Rahmenvertrag  über  die  Übertragung  der  Betriebsverantwortung  für  das  Schweizer  Übertragungsnetz  an  die 

A­119/2011 Beschwerdegegnerin  ausgearbeitet  wurden.  Sowohl  der  SÜL  als  auch  das  NNMÜ­CH  haben  die  Stichleitungen  dem  Übertragungsnetz  zugeordnet (vgl. E. 7.4), was ebenfalls nicht zu Diskussionen Anlass gab.  Es  ist  somit  davon  auszugehen,  dass  der  historische  Gesetzgeber  grundsätzlich  das  Eigentum  am  gesamten  220/380  kV  Netz  auf  die  Beschwerdegegnerin überführen wollte.  7.4. Im Rahmen der teleologischen Auslegung sind Sinn und Zweck und  die  dem  Begriff  des  Übertragungsnetzes  (Art.  4  Bst.  h  StromVG)  zu  Grunde liegende Wertung zu ermitteln.  Zunächst ist auf den Zweck des StromVG näher einzugehen: Nach Art. 1  StromVG bezweckt dieses Gesetz, die Voraussetzungen für eine sichere  Elektrizitätsversorgung  sowie  für  einen  wettbewerbsorientierten  Elektrizitätsmarkt  zu  schaffen.  Es  soll  ausserdem  die  Rahmenbedingungen  festlegen  für  eine  zuverlässige  und  nachhaltige  Versorgung mit  Elektrizität  in  allen  Landesteilen  und  die  Erhaltung  und  Stärkung  der  internationalen Wettbewerbsfähigkeit  der  schweizerischen  Elektrizitätswirtschaft. Ziel  des  StromVG  ist  somit,  die  Grundversorgung  und  die  Versorgungssicherheit  auch  in  einem  liberalisierten  Umfeld  mit  Rechtssicherheit  für  Investitionen  zu  gewährleisten  (BBl  2004  1617).  Nach  Art.  1  StromVG  sollen  die  Rahmenbedingungen  für  eine  sichere  und  nachhaltige Versorgung  der Endverbraucher mit Elektrizität  in  allen  Landesteilen  verankert  werden.  Die  sichere  Versorgung  umfasst  namentlich  die  konstante  Lieferung  von  elektrischer  Energie  und  das  Gewährleisten  von  genügend  Kapazitäten  bei  der  Erzeugung,  Übertragung  und  Verteilung  (BBl  2004  1640).  Die  Gesetzgebung muss  den wirtschaftlichen  und  technischen Entwicklungen  angepasst werden.  Die  Stromversorgung  soll  auch  mit  der  beantragten  Neuregelung  weiterhin auf dem Grundsatz der Subsidiarität und Kooperation aufbauen  (Art.  3  StromVG).  Das  bedeutet,  dass  primär  diejenigen  Aufgaben  hoheitlich  geregelt  werden  sollen,  welche  durch  die  Energiewirtschaft  nicht selber im Gesamtinteresse wahrgenommen werden. Vor dem Erlass  neuer Bestimmungen  sollen  bestehende Vereinbarungen  geprüft  und  in  Zusammenarbeit  mit  betroffenen  Organisationen  praxisnahe  Lösungen  erarbeitet  werden  (BBl  2004  1617,  1629,  1642;  zum Ganzen  vgl.  auch  ROLF  H.  WEBER/BRIGITTA  KRATZ,  Stromversorgungsrecht, 

A­119/2011 Ergänzungsband  Elektrizitätswirtschaftsrecht,  Bern  2009,  S. 5  f.  und  17  ff.). Den  Zielen  der  Versorgungssicherheit,  einer  starken,  unabhängigen  nationalen Netzgesellschaft  (vgl. E. 7.3) und der Erhöhung der Effizienz  beim Netzbetrieb durch den Wegfall von Schnittstellen und komplizierten  Vertragswerken  kamen  in  der  parlamentarischen  Debatten  ein  grosses  Gewicht  zu  (vgl.  u.a.  Votum  von  Ständerat  Rolf  Schweiger,  Amtliches  Bulletin  2006  [Ständerat],  S. 848 ff.;  Votum  Inderkum, S.  825  ff.;  Votum  Bundesrat Leuenberger, S. 852).  Aus der Botschaft des Bundesrates zum StromVG geht in Bezug auf die  nationale  Netzgesellschaft  zudem  hervor,  dass  die  heutige  Struktur  im  schweizerischen Übertragungsnetz mit mehreren  rechtlich selbständigen  Überlandwerken als Betreiber mehrerer Regelzonen  in der Schweiz den  Anforderungen  eines  im  europäischen  Umfeld  stark  angestiegenen  Stromhandels  und  zur  Aufrechterhaltung  der  Versorgungssicherheit  im  Inland nicht mehr genügt (BBl 2004 1858; vgl. auch WEBER/KRATZ, a.a.O.,  S. 73). Daraus kann geschlossen werden, dass es somit auch Bestandteil  der  ratio  legis  ist,  dass  ein  paralleler  Betrieb  von  Höchstspannungsleitungen  durch  mehrere  Unternehmen  zu  verhindern  ist,  weil  dies  eine  unnötige  Duplizierung  von  Leit­  und  Verwaltungssystemen  und  eine  Erschwerung  der  operativen  Betriebsführung zur Folge hätte. Auf  diesem  Hintergrund  hat  auch  die  Definition  und  Abgrenzung  des  Übertragungsnetzes  zu  erfolgen:  Diese  gesetzgeberische  Absicht  zur  Erreichung  der  dargelegten  Ziele  des  StromVG  spricht  daher  für  eine  weite Auslegung des Begriffs des Übertragungsnetzes.  Für eine weite Auslegung des Begriffs des Übertragungsnetzes und der  Zugehörigkeit der Stichleitungen zum Übertragungsnetz spricht ebenfalls  das  bisherige  Branchenverständnis:  Die  Übertragungsnetzeigentümer  haben  sich  in  der  Vergangenheit  darauf  geeinigt,  was  zum  Übertragungsnetz  gehört.  So  hat  die  Beschwerdegegnerin  mit  den  sogenannten  Verbundunternehmen  im  Jahr  2006  einen  Rahmenvertrag  über  die  Übertragung  der  Betriebsverantwortung  für  das  Schweizer  Übertragungsnetz an die Beschwerdegegnerin, einschliesslich der von ihr  im  Rahmen  dieser  Verantwortung  zu  übernehmenden  Aufgaben,  Pflichten und Kompetenzen, abgeschlossen. Dieser Rahmenvertrag sieht  in Beilage 1 vor, dass das Übertragungsnetz "sämtliche Netzelemente für 

A­119/2011 den Transport  von Elektrizität  in der Schweiz und zum Ausland, welche  beidseitig  mit  einer  Spannung  von  380/220  kV  (ausnahmsweise  auch  Netzelementen  tieferer  Spannungsebenen)  betrieben  werden."  Wie  die  Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu Recht festhält, basiert die  Abgrenzung  des  Übertragungsnetzes  nach  diesem  Rahmenvertrag  auf  einem spannungsbasierten Ansatz ohne funktionale Kriterien. Auch  das  NNMÜ­CH  sieht  unter  Punkt  6,  S.  17  (Netzabgrenzung  und  Kostenermittlung) vor, dass zum schweizerischen Übertragungsnetz alle  Leitungen inklusive Schaltfelder des 380/220 kV­Höchstspannungsnetzes  und  die  380/220  kV­Kuppeltransformatoren  in  der  Schweiz  gehören,  wobei  diese  Elemente  in  der  Netzführungsverantwortung  der  Beschwerdegegnerin liegen müssen. Netzteile, die mit einer Spannung <  220 kV betrieben werden, können nach NNMÜ­CH ausnahmsweise unter  gewissen Bedingungen ins Übertragungsnetz aufgenommen werden. Das  NNMÜ­CH  geht  somit  im  Grundsatz  davon  aus,  dass  380/220  kV­ Leitungen  zum  Übertragungsnetz  gehören,  unter  gewissen  Voraussetzungen aber auch Ausnahmen betreffend eine Spannung von  weniger als 220 kV zulässt, was vorliegend  jedoch für die Kategorie der  Stichleitungen nicht zutrifft. In  diesen  beiden  Branchendokumenten  finden  sich  keine  zusätzlichen  funktionalen  Kriterien  wie  Versorgungscharakter  oder  Vermaschung,  welche  einzuhalten  sind,  damit  eine  220/380  kV  Leitung  als  Teil  des  Übertragungsnetzes  zu  gelten  hat.  Somit  gehören  nach  dem  Branchenverständnis Stichleitungen zum Übertragungsnetz. Schliesslich  sind  die  streitgegenständlichen  Leitungen  auch  im  SÜL  enthalten.  Gemäss  diesem  Sachplan  sind  die  Leitungen  "Serra­Gondo"  Teil  des  strategischen  220/380  kV­Übertragungsleitungsnetzes.  Die  Stichleitungen  wurden  vom  Bundesrat  vorbehaltlos  in  den  SÜL  aufgenommen. Auch  hier war weder  vom Erfordernis  der Vermaschung  noch vom Ausschlusskriterium der Versorgung die Rede. Aufgrund des Dargelegten ergibt sich somit auch aus der teleologischen  Auslegung, dass Stichleitungen zum Übertragungsnetz gehören und auf  die Beschwerdegegnerin zu übertragen sind. 8.  Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  Stichleitungen  (mit  oder  ohne  Versorgungscharakter),  die  auf  der  Spannungsebene 

A­119/2011 220/380 kV  betrieben  werden,  zum  Übertragungsnetz  gehören.  Vorliegend ist unbestritten, dass die streitgegenständliche Leitung Serra­ Gondo eine Stichleitung ist, womit sie zum Übertragungsnetz gehört und  ins  Eigentum  der  Beschwerdegegnerin  zu  überführen  ist.  Die  Beschwerde  ist  damit  gutzuheissen  und  Ziffer  10  des  Dispositivs  der  Verfügung vom 11. November 2010 ist in diesem Sinn aufzuheben. Damit  erübrigt  es  sich, die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin  zu prüfen.  9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  gilt  die  Beschwerdegegnerin  als  unterliegend, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind (Art. 63  Abs. 1 VwVG und Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Diese  sind  auf  Fr.  6'000.­  festzusetzen.  Der  Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von  Fr.  6'000.­   nach  Eintritt  der  Rechtskraft  dieses  Urteils  zurückerstattet.  Hierzu  hat  sie  dem  Bundesverwaltungsgericht  einen  Einzahlungsschein  zuzustellen oder ihre Kontonummer bekannt zu geben. 10.  Der  nicht  vertretenen,  obsiegenden  Beschwerdeführerin  ist  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen,  da  ihr  lediglich  verhältnismässig  geringe  Kosten  durch  die  Beschwerdeführung  erwachsen  sind  (Art.  7  Abs. 4 VGKE). 

A­119/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen  und  Ziffer  10  des  Dispositivs  der  Verfügung vom 11. November 2010 aufgehoben. 2. Es  wird  festgestellt,  dass  Stichleitungen  (mit  oder  ohne  Versorgungscharakter)  zum  Übertragungsnetz  gehören  und  in  das  Eigentum der Beschwerdegegnerin zu überführen sind.  3. Es  wird  festgestellt,  dass  die  Stichleitung  Serra­Gondo  zum  Übertragungsnetz gehört und  in das Eigentum der Beschwerdegegnerin  zu überführen ist. 4. Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  6'000.­  werden  der  Beschwerdegegnerin  auferlegt. Dieser Betrag  ist  innert 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft  des  vorliegenden Urteils  zu Gunsten  der Gerichtskasse  zu  überweisen.  Die  Zustellung  des  Einzahlungsscheins  erfolgt  mit  separater  Post.  Der  Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von  Fr.  6'000.­  der  Beschwerdeführerin  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  dieses  Urteils  zurückerstattet.  Hierzu  hat  sie  dem  Bundesverwaltungsgericht  einen Einzahlungsschein zuzustellen oder ihre Kontonummer bekannt zu  geben. 5. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 6. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Einschreiben) – das Generalsekretariat UVEK (Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

A­119/2011 Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Christoph Bandli Yvonne Wampfler Rohrer Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000 Lausanne 14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Die  Frist  steht  still  vom 15.  Juli  bis und mit  dem 15. August  (Art.  46 Abs. 1  Bst. b BGG). Die Rechtsschrift  ist  in einer Amtssprache abzufassen und  hat  die Begehren,  deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat,  beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

A-119/2011 — Bundesverwaltungsgericht 18.07.2011 A-119/2011 — Swissrulings