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Bundesverwaltungsgericht 02.12.2011 A-1134/2011

2 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,337 parole·~12 min·1

Riassunto

Zölle | Leistungspflicht im landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsverkehr

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung I A­1134/2011 Urteil   v om   2 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Markus Metz (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, Richter Michael Beusch, Gerichtsschreiber Jürg Steiger. Parteien A._______, Beschwerdeführer, gegen Oberzolldirektion (OZD), Hauptabteilung Recht und  Abgaben, Monbijoustrasse 40, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Leistungspflicht im landwirtschaftlichen  Bewirtschaftungsverkehr.

A­1134/2011 Sachverhalt: A.  A._______,  Landwirt,  war  im  Jahr  2007  Pächter  des  Grundstücks  (…),  Gemarkung  D­Schwaningen.  Er  hinterlegte  am  23.  April  2007  bei  der  Zollstelle  Schleitheim  den  Ertragsausweis  und  deklarierte,  er  beabsichtige,  im  Jahr  2007  auf  dem  Grundstück  (…)  Körnermais  anzubauen; er erhoffe einen Ernteertrag von 59 Tonnen. Am 27. Oktober  2007 meldete A._______ bei der Zollstelle Schleitheim an, er werde eine  Sendung  von  30  Tonnen  Körnermais  einführen.  Die  Zollkreisdirektion  Schaffhausen  stellte  in  der  Folge  fest,  dass  A._______  stattdessen  74'466 Kilogramm (kg) Körnermais eingeführt hatte. In den Einvernahmen  vom 5. und 8. November 2007 machte A._______ geltend, er habe sich  verschätzt  und  sei  der  Meinung  gewesen,  das  Trockengewicht  sei  massgeblich.  Im Weiteren  habe  er  eine  Fuhre  nicht  berücksichtigt,  die  sein Bruder für ihn gefahren habe. B.  Gemäss  dem  Schlussprotokoll  der  Zollkreisdirektion  Schaffhausen  vom  5. Dezember 2007 lasteten auf den nicht zur ordentlichen Zollbehandlung  angemeldeten  Waren  (Tarifnummer  1005.9029,  Körnermais  zur  menschlichen  Ernährung)  ein  Zollbetrag  von  Fr.  20'613.70  und  eine  Mehrwertsteuer von Fr. 852.70. Ebenfalls am 5. Dezember 2007 verfügte  die Zollkreisdirektion Schaffhausen deshalb über die Leistungspflicht von  A._______ im Umfang von insgesamt Fr. 21'466.40. C.  Am 14. Januar 2008 erhob A.______ Beschwerde gegen die Verfügung  der  Zollkreisdirektion  Schaffhausen  vom  5. Dezember  2007  bei  der  Oberzolldirektion (OZD). Diese wies mit Entscheid vom 14. Januar 2011  die Beschwerde ab und auferlegte A._______ Verfahrenskosten von Fr.  2'100.­­.  Zur  Begründung  führte  die  OZD  insbesondere  aus,  die  Voraussetzungen  für  eine  Zollbefreiung  im  Rahmen  des  landwirtschaftlichen  Bewirtschaftungsverkehrs  seien  für  die  nicht  deklarierte Menge Mais nicht erfüllt.  Im Weiteren unterscheide sich Mais  für  Lebensmittelzwecke  und  solcher  für  Futterzwecke  einzig  durch  die  Angabe  des  Verwendungszwecks  in  der  Einfuhrzollanmeldung.  Vorliegend seien 44'466 kg Körnermais nicht zur Einfuhr angemeldet und  damit  unkontrolliert  in  den  freien Verkehr  gesetzt worden. Daher  sei  für  diese  Ware  der  höchste  in  Frage  kommende  Ansatz  anwendbar,  d.h. 

A­1134/2011 derjenige  für  Mais  für  Lebensmittelzwecke  gemäss  der  Tarifnummer  1005.9029. D.  Am 16. Februar 2011 reichte A._______ (Beschwerdeführer) gegen den  Entscheid  der  OZD  vom  14.  Januar  2011  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht ein mit den folgenden Anträgen: "(1) Es sei die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben.  (2)  Es  sei  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  am 27. Oktober  2007 74'466  kg Futtermais,  geerntet  ab  dem  Feld  (…),  Gemarkung  Schwaningen  (Deutschland),  in  die  Schweiz eingeführt hat, und dass der im Ertragsausweis für das fragliche  Grundstück prognostizierte Ertrag mit 59'000 kg deklariert worden ist. (3)  Es  sei  mangels  einer  Zollverkürzung  von  einer  Zollnacherhebung  abzusehen.  (4)  Eventuell  sei  eine  allfällige  Zollnacherhebung  auf  jene  Menge  zu  beschränken,  die  der  Differenz  zwischen  den  eingeführten  74'466  kg  (Nassgewicht)  und  den  im  Ertragsausweis  als  erwarteten  Ertrag deklarierten 59'000 kg (Trockengewicht) entspricht und zwar zum  Zolltarif für Futtermais. (5) Unter Kosten­ und Entschädigungsfolge". Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, bei  der  Einfuhr  des  Körnermais  am  27.  Oktober  2007  habe  er  30'000  kg  deklariert.  Bei  der  Schätzung  dieser  Menge  seien  ihm  zwei  Fehler  unterlaufen.  Zum  einen  habe  er  einen  Kipper,  den  sein  Bruder  für  ihn  gefahren habe, nicht mitgezählt und zum anderen habe er das Trocken­  und  nicht  das  Nassgewicht  angegeben.  Die  Schweizerische  Eidgenossenschaft habe vorliegend keinen Schaden erlitten, da in jenem  Zeitraum  die  Einfuhr  ohnehin  für  die  gesamte  Menge  zollfrei  habe  erfolgen können. Zudem sei seit 2006 die ordnungsgemässe Einfuhr von  landwirtschaftlichen Produkten  über  das  Zollamt Schleitheim  nicht mehr  gewährleistet.  Im  Übrigen  habe  er  noch  nie  Körnermais  zu  Lebensmittelzwecken,  sondern  ausschliesslich  zu  Futterzwecken  eingeführt.  Es  sei  unbestritten,  dass  er  auch  die  vorliegend  eingeführte  Menge  als  Futtermais  an  den  landwirtschaftlichen  Genossenschaftsverband  Schaffhausen  verkauft  habe.  Für  eine  "ermessensweise  Festlegung"  der  eingeführten  Waren  im  Sinn  des  höchsten  Zollansatzes  sei  damit  kein  Platz  mehr.  Wenn  überhaupt  ein  Zolltarif herangezogen werden könne, so sei es derjenige für Futtermais  und  nicht  derjenige  für  Körnermais  für  die  menschliche  Ernährung.  Im  Weiteren  würde  eine  Zollnachforderung  seinen  Anspruch  auf  rechtsgleiche Behandlung  im Unrecht  verletzen.  Landwirte  von  anderen 

A­1134/2011 Gemeinden  ohne  Zollamt  könnten  ihre  landwirtschaftlichen  Produkte  völlig unkontrolliert über die grüne Grenze bringen. E.  Die  OZD  beantragt  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  18.  Mai  2011,  die  Beschwerde  sei  unter  Kostenfolge  abzuweisen.  Sie  legt  insbesondere  dar,  der  Beschwerdeführer  sei  seit  vielen  Jahren  Bewirtschafter  im  landwirtschaftlichen  Bewirtschaftungsverkehr  und  wisse  bestimmt,  dass  nur die rohen Bodenerzeugnisse zollfrei in die Schweiz eingeführt werden  dürften;  das  Trocknen  von  Mais  sei  ein  Vorgang,  der  dem  Mais  die  Eigenschaft  eines  rohen  Erzeugnisses  nehme.  Er  habe  einfach  ein  Gewicht  von  30'000  kg  angegeben,  obwohl  der  landwirtschaftliche  Genossenschaftsverband Schaffhausen 74'466 kg  festgestellt habe. Der  Beschwerdeführer  habe  lediglich  die  abgabefreie Zulassung  von  30'000  kg Mais beantragt. Die zusätzlich eingeführte Menge könne deshalb nicht  von den Abgaben befreit werden. F.  Am  25.  Mai  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  unaufgefordert  eine  Replik zur Vernehmlassung der OZD vom 18. Mai 2011 ein. Darin legt er  insbesondere  dar,  von  einer  willentlichen  Nichtbeachtung  der  formellen  Voraussetzungen könne keine Rede sein. Er habe sich bloss verschätzt  und  –  irrtümlicherweise  –  eine  Nachmeldung  unterlassen.  Im Weiteren  habe er erst  im Jahr 2007 den Hof von seinem Vater übernommen. Die  fraglichen  Vorgänge  hätten  sich  mithin  praktisch  im  ersten  Jahr  seiner  Betätigung als selbständiger Landwirt abgespielt. Vor der Übernahme des  Hofes  habe  sich  sein  Vater  um  die  zollrechtlichen  Formalitäten  gekümmert. Auf  die  Eingaben  der  Parteien  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  im  Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art.  31  des Bundesgesetzes  vom 17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine 

A­1134/2011 Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor und  die  OZD  ist  eine  Behörde  im  Sinn  von  Art.  33  VGG.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist daher  für die Beurteilung der vorliegenden  Beschwerde zuständig. Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet  sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG. 1.2. Gemäss  Art.  25  Abs.  2  VwVG  ist  dem  Begehren  um  Erlass  einer  Feststellungsverfügung  zu  entsprechen,  wenn  der  Gesuchsteller  ein  entsprechendes  schutzwürdiges  Interesse  nachweist.  Laut  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  ist  der  Anspruch  auf  Erlass  einer  Feststellungsverfügung  subsidiär  gegenüber  rechtsgestaltenden  Verfügungen (BGE 119 V 13 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 1C_6/2007  vom 22. August 2007 E. 3.3; BVGE 2010/12 E. 2.3; RENÉ RHINOW/BEAT  KRÄHENMANN,  Schweizerische  Verwaltungsrechtsprechung,  Ergänzungsband, Basel 1990, Nr. 36, S. 109 f.). Dem Beschwerdeführer  fehlt bei seinem formellen Feststellungsbegehren, d.h. beim Antrag Nr. 2,  folglich ein schutzwürdiges Interesse an der Behandlung, weil bereits das  negative  Leistungsbegehren,  der  Antrag  auf  Aufhebung  der  angefochtenen  Nachbelastung  (durch  Aufhebung  des  Entscheids  der  OZD),  gestellt  worden  ist.  Damit  kann  anhand  eines  konkreten  Falls  entschieden  werden,  ob  die  fragliche  Nachbelastung  zu  Recht  besteht,  was  das  Feststellungsinteresse  hinfällig  werden  lässt  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_726/2009  vom  20.  Januar  2010  E. 1.3;  BVGE  2007/24 E. 1.3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­7819/2008 vom  31. Januar 2011 E. 1.3, A­3198/2009 vom 2. September 2010 E. 1.4.2).  Auf  das  Rechtsbegehren  Nr.  2  ist  somit  nicht  einzutreten.  Mit  dieser  Einschränkung  ist auf die  im Übrigen  frist­ und  formgerecht eingereichte  Beschwerde einzutreten. 1.3. Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Entscheid  grundsätzlich  in vollem Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann  neben  der  Verletzung  von  Bundesrecht  (Art.  49  Bst.  a  VwVG)  und  der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art.  49  Bst.  b  VwVG)  auch  die  Rüge  der  Unangemessenheit  erheben  (Art.  49  Bst.  c  VwVG;  vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  Rz.  2.149;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 1758 ff.).  2. 

A­1134/2011 2.1. Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden,  sind zollpflichtig und müssen nach dem Zollgesetzes vom 18. März 2005  (ZG,  SR  631.0)  sowie  nach  dem  Zolltarifgesetz  vom  9. Oktober  1986  (ZTG,  SR  632.10)  veranlagt  werden  (Grundsatz  der  allgemeinen  Zollpflicht,  vgl.  Art. 7  ZG). Der Zollbetrag  bemisst  sich  nach Art, Menge  und  Beschaffenheit  der  Ware  im  Zeitpunkt,  in  dem  sie  der  Zollstelle  angemeldet wird  (Art. 19 Abs. 1 Bst.  a ZG),  und nach den Zollansätzen  und  Bemessungsgrundlagen,  die  im  Zeitpunkt  der  Entstehung  der  Zollschuld gelten (Art. 19 Abs. 1 Bst. b ZG). Ein­ und Ausfuhrzölle werden  nach dem Generaltarif  festgesetzt  (Art. 1 Abs. 1  i.V.m. den Anhängen 1  und 2  des ZTG). Der Generaltarif wird  in  der Amtlichen Sammlung des  Bundesrechts  (AS)  nicht  veröffentlicht.  Seine  Veröffentlichung  erfolgt  durch  Verweis  (Art.  5  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  18.  Juni  2004  über  die  Sammlungen  des  Bundesrechts  und  das  Bundesblatt  [Publikationsgesetz, PublG, SR 170.512]). Der Generaltarif kann mitsamt  seinen  Änderungen  bei  der  OZD  eingesehen  oder  im  Internet  unter  www.ezv.admin.ch  bzw.  www.tares.ch  abgerufen  werden  (statt  vieler:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­7046/2010  vom  1. April  2011  E. 2.2.3, A­3151/2008 vom 26. November 2010 E. 2.1). Ausnahmen vom  Grundsatz  der  allgemeinen  Zollpflicht  müssen  sich  ergeben  aus  Staatsverträgen,  besonderen  Bestimmungen  von  Gesetzen  sowie  Verordnungen  des  Bundesrates,  die  sich  auf  dieses  Gesetz  abstützen  (Art. 1  Abs.  2  ZTG;  vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2925/2010 vom 25. November 2010 E. 2.1). 2.2. Art. 8 Abs. 2 Bst. j in Verbindung mit Art. 43 ZG erteilt dem Bundesrat  (unter  anderem)  die  Kompetenz,  Waren  des  Grenzzonenverkehrs  für  zollfrei zu erklären, was dieser mit Erlass von Art. 23 der Zollverordnung  vom  1. November  2006  (ZV,  SR 631.01)  auch  getan  hat.  Damit  eine  Tätigkeit als  landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsverkehr qualifiziert wird  und  folglich  die  entsprechenden  Einfuhren  zollbefreit  sind,  müssen  kumulativ  grundsätzlich  folgende Voraussetzungen erfüllt  sein  (vgl.  zum  Ganzen: Art. 8 Abs. 2 Bst. j und Art. 43 ZG in Verbindung mit Art. 23 ZV,  Art. 118 ZV; Urteil des Bundesgerichts 2C_53/2011 vom 2. Mai 2011 E.  2.3;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2925/2010  vom  25. November  2010  E. 2.3;  ROLF  WÜTHRICH,  in  Kocher/Clavadetscher  [Hrsg.],  Zollgesetz,  Bern  2009  [nachfolgend:  Stämpflis  Handkommentar  Zollgesetz], Art. 43 N 8 ff.): – diejenige Person, die Anspruch auf Zollbefreiung erhebt, muss  ihren  Wohnsitz in der schweizerischen Grenzzone haben,

A­1134/2011 – sie  muss  Eigentümerin,  Nutzniesserin  oder  Pächterin  des  betreffenden Grundstücks sein, – sie muss dieses Grundstück selber bewirtschaften, – bei  den  einzuführenden  Ernteerträgen  muss  es  sich  um  rohe  Bodenerzeugnisse handeln, – das Grundstück, von welchem die einzuführenden Bodenerzeugnisse  stammen,  muss  in  der  ausländischen  Grenzzone  liegen;  die  Grenzzone erstreckt sich auf beiden Seiten der Zollgrenze auf einen  Gebietsstreifen von 10 Kilometern, – bis am 30. April  jedes Jahres muss die bewirtschaftende Person der  Zollstelle  eine  Liste  und die Verträge  über  die  zu  bewirtschaftenden  ausländischen Grundstücke und die mutmasslichen Erträge vorlegen, – jede Einfuhr muss bei der Zollstelle korrekt angemeldet werden. 2.2.1. Damit ein Bodenerzeugnis noch als "roh" im Sinne der gesetzlichen  Bestimmungen gilt,  ist  eine Bearbeitung nur  soweit  erlaubt,  als dies  zur  Gewinnung  oder  zum Abtransport  des  Erzeugnisses  notwendig  ist  (vgl.  Art. 23 Abs. 3 und 5 ZV). Mit "Abtransport" ist nur der Weg vom Feld zum  Hof  erfasst.  Die  Regelung will  lediglich  die  Nachteile  beheben,  die  den  Landwirten  aus  der  grenzüberschreitenden  Felderbewirtschaftung  entstehen. Eine Bevorzugung der Landwirte in der Grenzregion ist jedoch  nicht  beabsichtigt.  So  sollen  sie  gegenüber  anderen  keine  Wettbewerbsvorteile  geniessen,  indem sie  gewisse Bearbeitungsschritte  im  kostengünstigen  Ausland  vornehmen  lassen  und  diese  Produkte  danach abgabefrei in die Schweiz einführen (zum Ganzen vgl. Urteil des  Bundesgerichts 2A.652/2004 vom 13. September 2005 E. 2 ff.; Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2925/2010  vom  25.  November  2010  E.  2.3.3). 2.3.  2.3.1.  Das  Zollverfahren  wird  vom  Selbstdeklarationsprinzip  bestimmt  (Art. 21,  25  und  26  ZG).  Von  den  Zollmeldepflichtigen  wird  die  vollständige und richtige Deklaration der Ware gefordert. Hinsichtlich ihrer  Sorgfaltspflichten  werden  hohe  Anforderungen  gestellt  (Art.  25  ZG;  BGE 112  IV  53  E.  1a;  Urteile  des  Bundesgerichts  2A.539/2005  vom  12. April 2006 E. 4.5, 2A.1/2004 vom 31. März 2004 E. 2.1, 2A.457/2000  vom  7.  Februar  2001,  veröffentlicht  in  Archiv  für  Schweizerisches 

A­1134/2011 Abgaberecht  [ASA]  70  S.  334  E.  2c;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2293/2008  vom  18.  Mai  2010  E.  2.1.1,  A­5612/2007 vom 1. März 2010 E. 2.1.2; BARBARA SCHMID,  in: Stämpflis  Handkommentar  Zollgesetz,  a.a.O.,  Art. 18  N  2  ff.).  Von  den  Zollpflichtigen  wird  verlangt,  dass  sie  sich  vorweg  über  die  Zollpflicht  sowie  die  jeweiligen  Abfertigungsverfahren  informieren.  Unterlassen  sie  dies, haben sie dafür prinzipiell selber die Verantwortung zu tragen (Urteil  des Bundesgerichts 2A.566/2003 vom 9. Juni 2004, veröffentlicht in ASA  74 S. 246 ff. E. 3.3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­2925/2010  vom 25. November 2010 E. 2.4, A­2293/2008 vom 18. Mai 2010 E. 2.1.1,  A­1698/2006 vom 7. Februar 2007 E. 2.4). 2.3.2. Als Folge des Selbstdeklarationsprinzips bildet die Zollanmeldung  die  Grundlage  der  Zollveranlagung  (Art.  18  Abs.  1  ZG).  Die  Zollanmeldung  nimmt  im  Zollwesen  deshalb  eine  zentrale  Stellung  ein  (BARBARA SCHMID,  a.a.O.,  Art.  18 N  1). Gemäss Art.  21 Abs.  1  ZG  hat  derjenige,  der Waren  ins  Zollgebiet  verbringt,  verbringen  lässt  oder  sie  danach  übernimmt,  diese  unverzüglich  und  unverändert  der  nächstgelegenen Zollstelle zuzuführen. Dieser Artikel legt somit den Kreis  der  sogenannt  zuführungspflichtigen  Personen  fest.  Es  sind  dies  –  wie  die  bundesrätliche Verordnung  präzisierend  festlegt  –  insbesondere  der  Warenführer,  die  mit  der  Zuführung  beauftragte  Person,  der  Importeur,  der  Empfänger,  der  Versender  und  der  Auftraggeber  (Art.  75  ZV).  Zuführungspflichtige  Personen  unterliegen  der  Anmeldepflicht  (Art.  26  Bst.  a  ZG).  In  der  Zollanmeldung  müssen  zusätzlich  zu  den  sonstigen  vorgeschriebenen  Angaben  gegebenenfalls  eine  Zollermässigung,  Zollbefreiung,  Zollerleichterung,  Rückerstattung  oder  provisorische  Veranlagung  beantragt  werden  (Art.  79  ZV  i.V.m.  Art.  25  Abs.  1  und  2  ZG;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­6930/2009  vom  1.  September 2011 E. 2.5). 2.3.3.  Wenn  das  ZTG  dies  vorsieht  oder  wenn  das  Eidgenössische  Finanzdepartement  (EFD)  die  im  ZTG  festgesetzten  Zollansätze  herabgesetzt  hat,  werden  für  bestimmte  Verwendungen  von  Waren  tiefere Zollansätze angewendet  (Art.  14 Abs.  1 ZG,  "Zollerleichterungen  für Waren je nach Verwendungszweck"). Weitere Einzelheiten sind in der  ZV geregelt.  Insbesondere hat, wer für eine bestimmte Verwendung von  Waren  einen  reduzierten  Zollansatz  in  Anspruch  nehmen  will,  vor  der  ersten  Zollanmeldung  bei  der  OZD  eine  entsprechende  schriftliche  Verwendungsverpflichtung zu hinterlegen (Art. 51 Abs. 1 ZV) und auf der  Zollanmeldung den reduzierten Satz zu beantragen (Art. 52 Abs. 1 Bst. a 

A­1134/2011 ZV; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­5887/2009 vom 22. Juli 2011  E.  2.1.4).  Erfolgt  die  Zollanmeldung  der  Ware  zum  ermässigten  Zollansatz  nicht  rechtmässig,  hat  die  Eidgenössische  Zollverwaltung  (EZV)  bereits  nach  dem  Grundsatz  der  allgemeinen  Zollpflicht  die  Verzollung  zum  Normalansatz  vorzunehmen.  Eine  Veranlagung  zum  ermässigten Zollansatz aufgrund einer Zollerleichterung für Waren wegen  ihres  Verwendungszwecks  im  Rahmen  von  Art. 14  ZG  kann  diesfalls  nicht  in Betracht  kommen. Für den Fall,  dass die Ware überhaupt nicht  angemeldet  worden  ist,  sieht  der  Gesetzgeber  folgerichtig  ausdrücklich  vor,  die  Ware  könne  mit  dem  höchsten  Zollansatz  belegt  werden,  der  nach  ihrer Art  anwendbar  ist  (Art. 19 Abs.  2 Bst.  b  ZG;  vgl.  auch Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­6930/2009  vom  1. September  2011  E. 2.5). 2.4.  2.4.1. Gegenstände, die gemäss Art.  7 ZG zollpflichtig  sind, unterliegen  zudem  grundsätzlich  der  Einfuhrsteuer  (Art.  50  ff.  des  Bundesgesetzes  vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer  [MWSTG; SR 641.20]). Am  1. Januar  2010  ist  das  MWSTG  in  Kraft  getreten.  Die  bisherigen  gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf  gestützt  erlassenen  Vorschriften  bleiben  grundsätzlich  weiterhin  auf  alle  während  ihrer  Geltungsdauer  eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen  Rechtsverhältnisse  anwendbar  (Art.  112  Abs.  1  MWSTG).  Auf  die  vorliegenden  Einfuhren  im  Jahr  2007  gelangen  somit  Art.  72  ff.  des  Mehrwertsteuergesetzes  vom  2. September  1999  (aMWSTG,  AS  2000  1300) zur Anwendung. 2.4.2. Das Objekt der Einfuhrsteuer  ist grundsätzlich dasselbe wie beim  Zoll. Für das Auslösen der Steuer genügt es, dass der Gegenstand über  die Zollgrenze verbracht wird. Ein (entgeltliches) Umsatzgeschäft ist nicht  erforderlich  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1612/2006  vom  9. Juli 2009 E. 3.2, A­1751/2006 vom 25. März 2009 E. 3.3.2 mit weiteren  Hinweisen). Vorbehalten bleiben Abweichungen wie Zollbefreiungen und  ­erleichterungen  sowie  Steuerbefreiungen,  die  sich  aus  Staatsverträgen  oder  besonderen  Bestimmungen  von  Gesetzen  oder  Verordnungen  ergeben  (Art. 1 Abs. 2 ZTG, Art. 72 aMWSTG). Diese Ausnahmen sind  zahlreich.  Auch  dort,  wo  kein  Zoll  erhoben  wird,  unterliegt  aber  die  Einfuhr  von  Gegenständen  der  Einfuhrsteuer,  sofern  die  Einfuhr  nicht  ausdrücklich von der Steuer befreit ist (Art. 73 Abs. 1 aMWSTG; vgl. auch  Urteil des Bundesgerichts 2A.514/2001 vom 29. Juli 2002 E. 1). Gemäss  Art. 74 Abs. 1 Ziff. 4 aMWSTG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 2 Bst. j und 

A­1134/2011 Art.  43  Abs.  1  Bst.  a  ZG  sind  zollfreie  Waren  des  landwirtschaftlichen  Bewirtschaftungsverkehrs  auch  von  der  Einfuhrsteuer  befreit  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2925/2010  vom  25.  November  2010  E. 2.5). 2.5. Eine Zollhinterziehung begeht gemäss Art.  118 Abs. 1 ZG, wer die  Zollabgaben  durch  Nichtanmeldung,  Verheimlichen  oder  unrichtige  Zollanmeldung der Waren oder  in  irgendeiner anderen Weise ganz oder  teilweise hinterzieht  (Bst.  a)  oder  sich oder einer anderen Person sonst  wie  einen  unrechtmässigen  Zollvorteil  verschafft  (Bst.  b).  Nach  Art.  85  aMWSTG  macht  sich  unter  anderem  strafbar,  wer  für  sich  eine  unrechtmässige Steuerbefreiung erwirkt. Gemäss Art. 128 ZG sowie Art.  88  Abs. 1  aMWSTG  gelangt  bei  Zollwiderhandlungen  und  Widerhandlungen  gegen  das  Mehrwertsteuergesetz  das  Bundesgesetz  vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0) zur  Anwendung.  Gemäss  Art.  12  Abs.  1  VStrR  ist  die  infolge  einer  Widerhandlung  zu  Unrecht  nicht  erhobene  Abgabe  ohne  Rücksicht  auf  die  Strafbarkeit  einer  Person  nachzuentrichten.  Art.  12  Abs.  2  VStrR  ergänzt,  dass  zur  Nachleistung  verpflichtet  ist,  wer  in  den  Genuss  des  unrechtmässigen Vorteils  gelangt  ist,  insbesondere der  zur Zahlung der  Abgabe  Verpflichtete  oder  der  Empfänger  der  Vergütung  oder  des  Beitrages. Voraussetzung für die Anwendbarkeit von Art. 12 Abs. 2 VStrR  ist  eine  objektive  Widerhandlung  gegen  die  Verwaltungsgesetzgebung  des  Bundes  (BGE  129  II  385  E.  3.4.3,  115  Ib  360  E.  3a;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts A­6977/2009 vom 29. November 2010 E. 4.1,  A­4812/2007  vom  17.  Juni  2010  E.  2.2.1;  KURT  HAURI,  Verwaltungsstrafrecht, Bern 1998, S. 36). Nicht verlangt ist insbesondere  eine  strafrechtliche  Verantwortlichkeit,  ein  Verschulden  oder  gar  die  Einleitung eines Strafverfahrens; vielmehr genügt es, dass der durch die  Nichtleistung  der  Abgabe  entstandene  unrechtmässige  Vorteil  seinen  Grund in einer Widerhandlung im objektiven Sinn hat (BGE 129 II 160 E.  3.2,  106  Ib 221 E. 2c; Urteile des Bundesgerichts 2C_132/2009 vom 7.  Januar  2010  E.  4.1,  2A.660/2006  vom  8.  Juni  2007  E.  6.2).  Nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  hat  der  unrechtmässige  Vorteil  im  Vermögensvorteil  zu  liegen,  der  durch  die  Nichtleistung  der  Abgabe  entstanden  ist, wobei ein Vermögensvorteil nicht nur  in der Vermehrung  der Aktiven, sondern auch in einer Verminderung der Passiven bestehen  kann, indem der Leistungspflichtige insofern unrechtmässig bevorteilt  ist,  als er die Leistung infolge der Widerhandlung nicht erbringen muss (BGE  114 Ib 94 E. 4a, 110 Ib 310 E. 2c; Urteil des Bundesgerichts 2A.199/2004  vom 15. November 2004 E. 2.1; Urteile des Bundesverwaltungsgericht A­

A­1134/2011 2925/2010  vom  25.  November  2010  E. 2.6,  A­4812/2007  vom  17. Juni  2010 E. 2.2.1). 3.  Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer Wohnsitz  in Schleitheim,  d.h.  in der  schweizerischen Grenzzone. Er  ist Pächter des Grundstücks  (…)  in  Schwaningen,  welches  in  der  deutschen  Grenzzone  liegt,  und  bewirtschaftet dieses selber. Er deklarierte  in seinem Ertragsausweis  für  das  Jahr  2007,  er  werde  auf  diesem  Grundstück  Körnermais  anbauen  und  erhoffe  einen  Ernteertrag  von  59'000  kg.  Diesen  Ertragsausweis  hinterlegte er am 23. April 2007 bei der Kontrollzollstelle Schleitheim. Am  27. Oktober  2007  meldete  der  Beschwerdeführer  dort  30'000  kg  Körnermais  zur  abgabefreien  Einfuhr  im  landwirtschaftlichen  Bewirtschaftungsverkehr  vom  genannten  Grundstück  an.  Effektiv  führte  er  indessen an diesem Tag unbestrittenermassen 74'466 kg Körnermais  ein.  Diese  Ware  verkaufte  der  Beschwerdeführer  gleichentags  dem  landwirtschaftlichen Genossenschaftsverband Schaffhausen als Mais  für  Futterzwecke.  Eine  Nachmeldung  der  Mengendifferenz  nahm  der  Beschwerdeführer nicht vor. 3.1.  3.1.1.  Der  Beschwerdeführer  brachte  den  Körnermais  selber  über  die  Grenze oder liess diesen von seinem Bruder über die Grenze bringen. Er  war demnach für die eingeführte Ware anmeldepflichtig (Art. 26 Bst. a ZG  i.V.m.  Art.  21  Abs.  1  ZG;  E.  2.3.2).  Für  die  angemeldeten  30'000  kg  Körnermais erfüllte er unbestrittenermassen die Voraussetzungen für die  abgabefreie  Einfuhr  im  Rahmen  des  landwirtschaftlichen  Bewirtschaftungsverkehrs gemäss Art. 8 Abs. 2 Bst.  j ZG  in Verbindung  mit  Art.  43  ZG  (vgl.  die  Voraussetzungen  in  E.  2.2).  Eine  Menge  von  44'466 kg Körnermais (Differenz zwischen 74'466 kg und 30'000 kg) hat  der  Beschwerdeführer  jedoch  nicht  rechtmässig  zur  Einfuhrzollbehandlung  angemeldet.  Für  diese  Menge  sind  die  Voraussetzungen  für  eine  Abgabebefreiung  im  Rahmen  des  landwirtschaftlichen  Bewirtschaftungsverkehrs  damit  nicht  erfüllt  (vgl.  E. 2.2,  letzte  Voraussetzung).  In  der  Folge  ist  der  nicht  rechtmässig  angemeldete Körnermais im Umfang von 44'466 kg zum Normalansatz zu  verzollen. 3.1.2.  Der  Beschwerdeführer  wendet  ein,  er  habe  das  Gewicht  falsch  geschätzt, da er vom handelsüblichen Trockengewicht ausgegangen sei  und eine Fuhre nicht berücksichtigt habe, die sein Bruder für ihn gefahren 

A­1134/2011 habe. Dieser Einwand  ist nicht stichhaltig. Der Beschwerdeführer  ist auf  das  Selbstdeklarationsprinzip  hinzuweisen.  Von  ihm  als  Zollmeldepflichtigem  wird  die  vollständige  und  richtige  Deklaration  der  Ware gefordert  (E. 2.3.1). Damit überbindet  ihm das Zollgesetz die volle  Verantwortung  und  stellt  hohe  Anforderungen  an  seine  Sorgfaltspflicht.  Es  spielt  deshalb  grundsätzlich  keine  Rolle,  weshalb  er  eine  falsche  Mengenangabe  gemacht  hat.  Gemäss  Art.  19  Abs.  1  Bst.  a  ZG  richtet  sich der Zollbetrag nach der Art, Menge und Beschaffenheit der Ware im  Zeitpunkt,  in dem sie der Zollstelle angemeldet wird  (E. 2.1). Vorliegend  war der Körnermais bei der Anmeldung ungetrocknet. Aus diesem Grund  war für die Zollbemessung das Bruttogewicht im ungetrockneten Zustand  massgebend.  Im  Übrigen  stellt  das  Trocknen  von  Mais  eine  Bearbeitungsform dar,  die  zur  Folge  hätte,  dass  es  sich  nicht mehr  um  ein rohes Erzeugnis im Sinn von Art. 23 Abs. 3 und 5 ZV handeln würde  (E.  2.2.1).  Eine  Abgabebefreiung  im  Rahmen  des  landwirtschaftlichen  Bewirtschaftungsverkehrs  wäre  bei  der  Einfuhr  von  getrocknetem  Körnermais demnach bereits aus diesem Grund ausgeschlossen. 3.1.3.  Als  anmeldepflichtige  Person  hat  der  Beschwerdeführer  für  die  nicht  rechtmässig  deklarierte  Menge  Körnermais  eine  Abgabebefreiung  erwirkt,  ohne  dass  die  Voraussetzungen  dafür  erfüllt  gewesen  wären.  Damit hat er objektiv eine Zollhinterziehung begangen. In der Folge ist die  aufgrund  der  Widerhandlung  nicht  erhobene  Abgabe  gemäss  Art.  12  Abs. 1  VStrR  nachzuentrichten.  Nicht  verlangt  wird  eine  strafrechtliche  Verantwortlichkeit,  ein  Verschulden  oder  gar  die  Einleitung  eines  Strafverfahrens (E. 2.5). Die Frage, ob der Beschwerdeführer die Menge  vorsätzlich  nicht  korrekt  angegeben  hat, muss  deshalb  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  beantwortet  werden.  Als  Zollschuldner  gemäss  Art.  70  Abs.  2  Bst.  a  ZG  ist  der  Beschwerdeführer  in  den  Genuss  eines  unrechtmässigen Vorteils gelangt und  ist  für die nicht erhobene Abgabe  gemäss Art. 12 Abs. 2 VStrR nachleistungspflichtig. 3.2.  Hinsichtlich  der  Bemessung  der  Nachforderung  legt  der  Beschwerdeführer  dar,  der  von  ihm  eingeführte  Körnermais  sei  nachweislich  zu  Futterzwecken  verwendet  worden.  Es  müsse  deshalb  nicht der Zolltarif des Körnermais für die menschliche Ernährung, sondern  derjenige für Futtermais zur Anwendung kommen. Zu beachten ist, dass  sich die beiden Produkte (Futtermais und Körnermais für die menschliche  Ernährung) nach der unbestritten gebliebenen Darstellung der Vorinstanz  nicht durch ihre Art und Beschaffenheit, sondern sich lediglich durch ihre  unterschiedliche Verwendung unterscheiden. Hinsichtlich des Zolltarifs für 

A­1134/2011 Futtermais  (Zolltarifnummer  1005.9030)  von  Fr. 0.­­  handelt  es  sich  im  Unterschied  zum Zolltarif  für Körnermais  für  den menschlichen Konsum  (Zolltarifnummer 1005.9029) von Fr. 45.90 pro 100 kg demnach um eine  Zollerleichterung aufgrund des Verwendungszwecks  im Sinn von Art. 14  Abs. 1 Bst. a ZG (bezüglich der Tarife vgl. den  im Zeitpunkt der Einfuhr  am  27.  Oktober  2007  geltenden  Generaltarif,  E. 2.1).  Da  der  Beschwerdeführer  für die  in Frage stehende Einfuhr keine  rechtmässige  Anmeldung  zum  ermässigten  Zollansatz  –  unter  Einhaltung  der  diesbezüglichen formellen Anforderungen wie u.a. die Hinterlegung einer  Verwendungsverpflichtung (vgl. Art. 51 Abs. 1 ZV) – gestellt hat, kann der  Zollansatz  für Futtermais  von  vornherein nicht  zur Anwendung  kommen  (E. 2.3.3).  Der  EZV  steht  bei  der  Beurteilung  der  Frage,  welche  Rechtsfolge  einzutreten  hat,  wenn  keine  rechtmässige  Zollanmeldung  zum ermässigten Satz erfolgt, kein Ermessen zu (E. 2.3.3). Die EZV hat  demnach  zu Recht  den  Zolltarif  Nr. 1005.9029  angewendet.  An  diesem  Ergebnis vermag auch die Behauptung des Beschwerdeführers nichts zu  ändern, er habe noch nie Körnermais zu Lebensmittelzwecken eingeführt.  Selbst  wenn  dies  zutreffen  sollte,  vermag  dies  die  rechtmässige  Anmeldung zum ermässigten Zollansatz nicht zu ersetzen. Im  Weiteren  ist  –  entgegen  der  Ansicht  des  Beschwerdeführers  (vgl.  seinen  Eventualantrag)  –  für  die  Berechnung  des  Zollnachbezugs  nicht  die Differenz zwischen der tatsächlich eingeführten Menge von 74'466 kg  und  dem gemäss Ertragsausweis  erwarteten Ernteertrag  von  59'000  kg  relevant.  Massgebend  ist  die  Höhe  der  nicht  rechtmässig  deklarierten  Menge  Körnermais.  Diese  beträgt  unbestrittenermassen  44'466  kg  (vgl.  E. 3.1.1). In der Folge hat der Beschwerdeführer für die nicht rechtmässig  angemeldeten  44'466  kg  Körnermais  Abgaben  von  Fr. 20'613.70  Zoll  (Fr. 45.90  mal  449.10  [inkl.  1%  Tarazuschlag])  sowie  Fr. 852.70  Mehrwertsteuer  (Einfuhrsteuern  von  2,4%  auf  dem  Warenwert  inkl.  Zollabgaben  von  Fr.  35'529.­­)  nachzuentrichten.  Die  konkrete  Berechnung  wird  im  Übrigen  vom  Beschwerdeführer  nicht  bestritten.  In  diesem  Umfang  liegt  demnach  eine  widerrechtliche  Zollverkürzung  vor,  welche die Nachleistungspflicht auslöst (E. 2.5). 3.3.  3.3.1.  Schliesslich  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  die  Zollstelle  Schleitheim sei verschiedentlich unbesetzt gewesen oder das anwesende  Zollpersonal nicht bereit gewesen, seine Ladung zu wägen oder ihm das  Ausfüllen  des  Ertragsausweises  zu  ermöglichen.  Im  Übrigen  könnten  Landwirte  aus  Gemeinden  ohne  Zollamt  ihre  landwirtschaftlichen 

A­1134/2011 Produkte  aus  dem  Ausland  völlig  unkontrolliert  über  die  grüne  Grenze  bringen. Alle diese Ungereimtheiten hätten  sowohl bei  ihm als auch bei  anderen  Landwirten  im Grenzgebiet  den Eindruck  hinterlassen,  seit  der  Annäherung  der  Schweiz  an  Europa würden  die  Verfahrensvorschriften  von  der  EZV  nicht mehr  strikt,  sondern mit  Augenmass  eingehalten.  In  der  Folge  habe  er  seiner  Nachmeldungspflicht  der  Mengendifferenz  zu  geringe  Beachtung  geschenkt.  Er  verlange  eine  Gleichbehandlung  im  Unrecht mit den anderen Landwirten aus Gemeinden ohne Zollamt. 3.3.2.  Hinsichtlich  der  Einfuhrdeklaration  ist  der  Beschwerdeführer  zunächst wiederum auf das Selbstdeklarationsprinzip hinzuweisen. Er ist  dafür  verantwortlich,  dass  seine  Einfuhren  korrekt  angemeldet  werden.  Gemäss  den  Ausführungen  der  OZD  wurde  der  Grenzübergang  Schleitheim per 1. April 2006 für den Handelswarenverkehr geschlossen.  Für die Entgegennahme der Einfuhrzollanmeldungen,  das Abwägen der  Ernten  oder  die  Erteilung  von  Auskünften  sei  neu  die  Zollstelle  Trasadingen oder das Zollinspektorat Schauffhausen zuständig gewesen.  Die Ertragsausweise hätten  jedoch – entgegenkommenderweise – noch  beim  Grenzübergang  Schleitheim  abgegeben  werden  können.  Gemäss  den  von  der  OZD  mit  der  Vernehmlassung  eingereichten  Unterlagen  wurden  insbesondere  die  landwirtschaftlichen  Bewirtschafter  über  die  Schliessung  der  Zollstelle  für  den  Handelswarenverkehr  informiert  (vgl.  amtl.  Akten  Nr.  1).  Da  der  Grenzübergang  Schleitheim  im  vorliegend  relevanten  Zeitraum  demnach  für  den  Handelswarenverkehr  bereits  geschlossen  und  der  Beschwerdeführer  darüber  offenbar  informiert  worden  war,  kann  dieser  aus  seinen  Ausführungen  hinsichtlich  der  mangelnden  Verfügbarkeit  und  Bereitschaft  des  dortigen  Zollpersonals  von vornherein nichts zu seinen Gunsten ableiten. 3.3.3.  Im  Weiteren  ist  der  Einwand  des  Beschwerdeführers  betreffend  andere Landwirte aus Gemeinden ohne Zollamt, die ihre Einfuhren völlig  unkontrolliert  über  die  Grenze  bringen  könnten,  und  der  in  diesem  Zusammenhang  von  ihm  geltend  gemachte  Anspruch  auf  Gleichbehandlung  im  Unrecht,  unbegründet.  Ein  Anspruch  auf  Gleichbehandlung  im  Unrecht  wird  nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung nur ausnahmsweise anerkannt  (BGE 132  II 485 E. 8.6,  mit Hinweis); dann nämlich, wenn eine rechtsanwendende Behörde eine  gesetzwidrige  Praxis  pflegt  und  überdies  zu  erkennen  gibt,  dass  sie  davon  auch  in  Zukunft  nicht  abweichen  werde  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­5751/2009 vom 17. März 2011 E. 2.5). Ein  solches  Verhalten  der  Zollbehörden  mit  Bezug  auf  die  von  ihm 

A­1134/2011 behauptete  fehlende  Kontrolle  anderer  Landwirte  hat  der  Beschwerdeführer  in  keiner  Art  und  Weise  nachgewiesen.  Es  erübrigt  sich deshalb, auf diesen Einwand näher einzugehen. 4.  Die Beschwerde  ist demnach abzuweisen, soweit darauf einzutreten  ist.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  3'000.­­  sind  ausgangsgemäss  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit  Art. 4  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  zu  verrechnen.  Eine  Parteientschädigung  ist  nicht  zuzusprechen  (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 VGKE e contrario).

A­1134/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  3'000.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 3'000.­­ verrechnet. 3.  Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. …; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus Metz Jürg Steiger Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

A-1134/2011 — Bundesverwaltungsgericht 02.12.2011 A-1134/2011 — Swissrulings