Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 07.09.2011 A-101/2011

7 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,765 parole·~9 min·1

Riassunto

Militärische Landesverteidigung (Übriges) | Lärm- und Schadstoffimmissionen durch Flugbewegungen der FA-18- und Tiger-Kampfjets im Gebiet von Meiringen und Umgebung

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­101/2011 Urteil   v om   7 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Beat Forster (Vorsitz), Richter Christoph Bandli, Richter Lorenz Kneubühler,    Gerichtsschreiberin Nina Dajcar. Parteien 1. Stiftung A._______,   2. B._______ AG,    3. C._______,   4. D. _______,   5. E. _______,   6. F. _______,   7. G. _______,   8. H. _______,   9. I. _______,   10. J. _______,   11. K. _______,   12. L. _______,   13. M. _______,   alle vertreten durch Rechtsanwalt Rudolf Schaller,  Boulevard Georges ­ Favon 13, 1204 Genève,  Beschwerdeführende,  gegen

Eidgenössisches Departement für Verteidigung,  Bevölkerungsschutz und Sport VBS, Maulbeerstrasse 9,  3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Lärm­ und Schadstoffimmissionen durch Flugbewegungen  der FA­18­ und Tiger­Kampfjets im Gebiet von Meiringen  und Umgebung.

A­101/2011 Sachverhalt: A.  Der Flugplatz Meiringen  ist  einer  von heute  noch  vier Militärflugplätzen.  Gestützt auf das Stationierungskonzept 2005 wurde die Fliegerstaffel 11,  die F/A­18 Kampfflugzeuge fliegt, auf den 1. Januar 2006 von Dübendorf  nach  Meiringen  verlegt,  wodurch  die  Flugaktivitäten  zunahmen.  Das  Verfahren  zur  Änderung  des  entsprechenden  Sachplans  ist  noch  nicht  abgeschlossen.  B.  Die  Stiftung  A.  _______,  die  B._______  AG,  C._______,  D._______,  E._______,  F._______,  G  _______  und  H._______  richteten  mit  Schreiben  vom  10. Mai  2010  ein  Begehren  an  das  Eidgenössische  Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Sie  beantragten,  es  sei  gemäss  Art. 25a  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20. Dezember  1968  (Verwaltungsverfahrensgesetz,  VwVG; SR 172.021)  festzustellen,  die  in  den  Jahren  2006–2009  durch  Flugbewegungen  der  F/A­18  und  Tiger­ Kampfjets verursachten Lärm­ und Schadstoffimmissionen im Gebiet von  Meiringen und Umgebung seien widerrechtlich.  C.  Das VBS (nachfolgend: Vorinstanz) trat mit Verfügung vom 23. November  2010  nicht  auf  dieses  Feststellungsbegehren  ein,  da  es  ein  schutzwürdiges Interesse daran verneinte. D.  Mit  Schreiben  vom  6. Januar  2011  erhoben  die  in  Sachverhalt/B  genannten  juristischen  und  natürlichen  Personen  sowie  I._______,  J._______,  K._______,  L._______  und  M._______  (nachfolgend:  Beschwerdeführende) gegen die Verfügung des VBS vom 23. November  2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragen,  die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  aufzuheben;  sodann  wiederholen  sie  das  vor  der  Vorinstanz  vorgebrachte  Feststellungsbegehren,  wobei  sie  neu  den Zeitraum bis 2010 beurteilt haben möchten. E.  Mit  Schreiben  vom  28. Februar  2011  verzichtet  die  Vorinstanz  auf  eine  Vernehmlassung.

A­101/2011 F.  Die  Beschwerdeführenden  bekräftigen  ihren  Standpunkt  in  ihrer  Stellungnahme  vom  11. April  2011.  Sie  reichen  eine  Expertise  ein,  beantragen die Edition verschiedener Akten und nennen Zeugen, die zur  Klärung des Sachverhalts beitragen könnten.  G.  Mit  Verfügung  vom  12. Mai  2011  ersucht  der  Instruktionsrichter  das  Bundesamt  für  Umwelt  (BAFU)  um  eine  Stellungnahme  zu  den  Fragen  von umweltrechtlicher Bedeutung. Dieses weist  in seiner Stellungnahme  vom  10. Juni  2011  auf  die  noch  nicht  an  die  Verlegung  der  Fliegerstaffel 11  erfolgte  Anpassung  des  Sachplans  und  das  vorgesehene  Plangenehmigungsverfahren  hin.  Zum  Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) habe es sich im Zusammenhang mit  dem  Stationierungskonzept  der  Armee  bereits  am  11. September  2008  geäussert; eine weitere behördliche Beurteilung der Umweltauswirkungen  sei bisher nicht durchgeführt worden, weil das für die Durchführung einer  Umweltverträglichkeitsprüfung  (UVP)  notwendige  Plangenehmigungsverfahren noch nicht eröffnet worden sei. H.  Die Vorinstanz teilt mit Schreiben vom 21. Juni 2011 mit, sie habe keine  Bemerkungen zur Stellungnahme des BAFU. Sodann  informiert sie über  den aktuellen Verfahrensstand.  I.  Die Beschwerdeführenden verweisen  in  ihrer Stellungnahme vom 8. Juli  2011  zur  Begründung,  weshalb  die  Flugbewegungen  widerrechtlich  seien, auf die Darlegungen des BAFU.  J.  Auf  weitergehende  Ausführungen  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  im  Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Die  Beschwerde  richtet  sich  gegen  eine  Verfügung  des  VBS.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gemäss  Art. 31  des 

A­101/2011 Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Gemäss  Art. 5  Abs. 1  Bst. c  VwVG  gilt  auch  das  Nichteintreten  auf  Begehren  um  Feststellung  von  Rechten  und  Pflichten  als  Verfügung.  Da  hier  zudem  keine  Ausnahme  nach  Art. 32  VGG  vorliegt  und  mit  dem  VBS  eine  Vorinstanz  im  Sinne  von  Art. 33  Bst. d  VGG  verfügt  hat,  ist  das  Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.  1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG).  1.3. Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der  Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen  hat  oder  keine  Möglichkeit  zur  Teilnahme  erhalten  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung  hat.  Die  Beschwerdeführenden  nahmen  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teil;  dies  gilt  auch  für  die  fünf  in  Bst.  D  des  Sachverhalts  genannten  Personen,  die  am  3. Juni  2010  dem  Verfahren  beigetreten  sind und die  in der vorinstanzlichen Verfügung vom 23. November 2010  nicht  genannt  werden.  Als  Adressaten  der  Verfügung  sind  sie  von  ihr  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Aufhebung  der  Nichteintretensverfügung, damit ihr Anspruch materiell überprüft wird. Die  Beschwerdeführenden sind somit zur Beschwerde berechtigt.  1.4. Zum Streitgegenstand  ist  Folgendes  festzuhalten:  Zu  beurteilen  ist  vorliegend nicht die materielle Frage der Widerrechtlichkeit, sondern nur,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  nicht  auf  das  Feststellungsbegehren  eingetreten  ist  (vgl.  MARKUS  MÜLLER,  Rechtsschutz  gegen  Verwaltungsrealakte,  in:  Pierre  Tschannen  (Hrsg.),  Neue  Bundesrechtspflege,  Berner  Tage  für  die  juristische  Praxis  2006,  Bern  2007,  S. 313 ff., 359 f.).  Es  ist  somit  hier  nicht  von  Bedeutung,  ob  die  Beschwerdeführenden  den  Zeitraum  von  2006–2009  oder  von  2006–2010  beurteilt  haben  möchten.  Soweit  die  Beschwerdeführenden  die  materielle  Beurteilung  der  Angelegenheit  durch  die  Rechtsmittelbehörde  beantragen,  ist  auf  ihre  Beschwerde  nicht  einzutreten. 1.5. Auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde  (vgl. Art. 50  und Art. 52 VwVG) ist – vorbehältlich der Ausführungen in Erwägung 1.4  – einzutreten. 

A­101/2011 2.  Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung mit  voller Kognition (Art. 49 VwVG). 3.  Bevor darauf eingegangen werden kann, ob die Vorinstanz zu Recht nicht  auf  die Beschwerde  eingetreten  ist, werden  im Folgenden  zunächst  die  rechtlichen Rahmenbedingungen des Flugplatzes Meiringen dargelegt. 3.1.  Beim  Flugplatz  Meiringen  handelt  es  sich  um  eine  militärische  Anlage. Für die Errichtung oder Änderung der Anlage oder die Änderung  des  militärischen  Zwecks  ist  ein  Plangenehmigungsverfahren  nach  Art. 126  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  über  die  Armee  und  die  Militärverwaltung  vom  3. Februar  1995  (Militärgesetz,  MG;  SR  510.10)  durchzuführen.  Weiter  unterliegt  der  Militärflugplatz  der  Sachplanpflicht  (Art. 126  Abs. 4  MG  und  Art. 14  der  Raumplanungsverordnung  vom  28. Juni 2000  [RPV, SR 700.1]) und  ist unter anderem bei wesentlichen  Betriebsänderungen der UVP­Pflicht unterstellt, wobei das massgebende  Verfahren  das  Plangenehmigungsverfahren  ist  (Art. 2  Abs. 1  Bst. a  und  Art. 5  sowie  Anhang  Ziff. 50.3  der  Verordnung  über  die  Umweltverträglichkeitsprüfung  vom  19. Oktober  1988  [UVPV,  SR  814.011]).  3.2.  Der  Militärflugplatz  Meiringen  verfügt  über  ein  vom  Bundesrat  am  28. Februar 2001 genehmigtes Objektblatt Sachplan Militär, das gestützt  auf den Lärmbelastungskataster (LBK) vom 17. Oktober 1997 (LBK 1997)  festgesetzt  wurde.  Weiter  verfügt  der  Flugplatz  offenbar  über  ein  Betriebsreglement (vgl. UVB Militärflugplatz Meiringen vom August 2007,  S. 16).  Weil  der  Betrieb  des  Militärflugplatzes  Meiringen  gemäss  LBK  1997 zu übermässigen Lärmimmissionen  führte,  leitete die Luftwaffe ein  Sanierungsverfahren im Hinblick auf die Gewährung von Erleichterungen  nach Art. 14 der Lärmschutz­Verordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV,  SR 814.41) ein. Da sich  jedoch die Flugbewegungen wesentlich anders  entwickelten  als  angenommen,  hob  das  VBS  die  Sanierungsverfügung  (samt Gewährung von Erleichterungen) vom 20. November 2000 auf und  ordnete  am  11. März  2002  an,  die  Luftwaffe  habe  auch  unter  Berücksichtigung der durch die Armeereform XXI bedingten Änderungen  einen neuen LBK einzureichen.  3.3. Mit  der  Einführung  der  Armee  XXI  und  der  Reduktion  der  Anzahl  Militärflugplätze wurde eine Neuverteilung der Militärluftfahrzeuge auf die 

A­101/2011 verbleibenden  Flugplätze  nötig.  Der  Bundesrat  genehmigte  am  1. Juni  2005  das  entsprechende  Stationierungskonzept  2005.  Dieses  sieht  wie  bereits erwähnt unter anderem vor, dass die Fliegerstaffel 11 mit F/A­18  Kampfflugzeugen auf den 1. Januar 2006 von Dübendorf nach Meiringen  verlegt wird.  3.4.  Als  Folge  des  neuen  Stationierungskonzepts  sollte  der  Sachplan  Militär  angepasst werden. Die neuen Lärmberechnungen  flossen  in  den  Entwurf  des  Objektblatts  ein.  Eine  öffentliche Mitwirkung  erfolgte  2007.  Angesichts  erheblicher  Vorbehalte  in  der  Öffentlichkeit  und  weil  der  Entscheid zur Beschaffung eines Teilersatzes für die Kampfflugzeuge des  Typs  Tiger  F­5  ausstand,  und  damit  die  künftige  Belegung  des  Flugplatzes  Meiringen  unklar  war,  konnte  der  geänderte  Sachplan  und  auch das Objektblatt Flugplatz Meiringen noch nicht dem Bundesrat zur  Genehmigung unterbreitet werden.  3.5.  Die  Beurteilung  der  Umweltauswirkungen  bei  Änderungen  einer  bestehenden,  UVB­pflichtigen  Anlage  erfolgt  unter  anderem  nach  den  Grundsätzen  des  Bundesgesetzes  über  den  Umweltschutz  vom  7. Oktober 1983 (USG, SR 814.01) und der LSV; so bestimmt namentlich  Art. 18  Abs. 1  USG,  dass  eine  sanierungsbedürftige  Anlage  nur  umgebaut oder erweitert werden darf, wenn sie gleichzeitig saniert wird.  Die Neustationierung auf dem Militärflugplatz Meiringen wurde vom VBS  als wesentliche Änderung einer bestehenden Anlage  im Sinn von Art. 2  Abs. 1 UVPV qualifiziert. Diese Betriebsänderung sei UVP­pflichtig und in  einem militärischen Plangenehmigungsverfahren zu bewilligen (UVB S. 5  und 11). Im Hinblick darauf wurde in Zusammenarbeit mit dem BAFU der  UVB  2007  ausgearbeitet.  Eine  Plangenehmigung  der  durch  das  Stationierungskonzept  2005  erfolgten  Betriebsänderung  respektive  die  zugrunde liegende Sachplanänderung ist offenbar noch nicht erfolgt; der  Flugbetrieb auf dem Flugplatz Meiringen wird jedoch bereits gestützt auf  das  Konzept  2005  betrieben.  Das  VBS  stellt  sich  hierbei  auf  folgenden  Standpunkt:  Sobald  Klarheit  über  die  künftige  Nutzung  des  Flugplatzes  Meiringen herrscht,  soll  der UVB überarbeitet werden und die  Luftwaffe  ein  neues  Gesuch  um  Gewährung  von  Erleichterungen  stellen.  Nach  Ansicht des VBS  läuft damit nach wie vor ein Lärmsanierungsverfahren,  das bis spätestens Ende Juli 2020 abgeschlossen sein muss (vgl. Art. 17  Abs. 6 Bst. a LSV).  3.6. Vom 22. August 2011 bis zum 21. Oktober 2011 findet die öffentliche  Mitwirkung zum neuen Objektblatt des Sachplans statt. Das VBS rechnet 

A­101/2011 damit,  dass  das  Plangenehmigungsverfahren  frühestens  im  Verlauf  der  zweiten Hälfte des Jahres 2012 eingeleitet werden kann.  4.  Die  Beschwerdeführenden  beantragten  die  Feststellung  der  Widerrechtlichkeit  des  Flugbetriebs.  Fraglich  ist,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  nicht  auf  dieses  Begehren  nach  Art. 25a  VwVG  eingetreten  ist:  Wer  ein  schutzwürdiges  Interesse  hat,  kann  nach  dieser  Bestimmung –  sofern sich eine Handlung auf öffentliches Recht des Bundes stützt und  Rechte und Pflichten berührt – von der zuständigen Behörde verlangen,  dass  sie  widerrechtliche  Handlungen  unterlässt,  einstellt  oder  widerruft  (Abs. 1 Bst. a), die Folgen widerrechtlicher Handlungen beseitigt  (Abs. 1  Bst. b)  oder  die  Widerrechtlichkeit  von  Handlungen  feststellt  (Abs. 1  Bst. c).  Vorliegend  geht  es  allein  um  eine  Feststellung  der  Widerrechtlichkeit  gemäss  Art. 25a  Abs. 1  Bst. c  VwVG;  die  Beschwerdeführenden  stellen  keine  Anträge  gemäss  Art. 25a  Abs. 1  Bst. a  oder  b VwVG,  namentlich  beantragen   sie  nicht,  den Flugbetrieb  einzustellen. 4.1. Der  Begriff  der  "Handlung"  respektive  des  "Realakts"  im  Sinn  von  Art. 25a  VwVG  wird  weit  verstanden.  Er  umfasst  eine  Vielzahl  von  Erscheinungsformen  des  tatsächlichen  Verwaltungshandelns,  denen  gemeinsam  ist,  dass  keine  formelle  Verfügung  erlassen  wurde  (vgl.  MARIANNE  TSCHOPP­CHRISTEN,  Rechtsschutz  gegenüber  Realakten  des  Bundes  [Artikel 25a  VwVG],  Diss.  Zürich,  Zürich/Basel/Genf  2009,  S. 22 ff.;  ISABELLE  HÄNER,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/Basel/Genf  2009,  Art. 25a  Rz. 6  ff.;  BEATRICE  WEBER­DÜRLER,  in:  Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich/St. Gallen  2008,  Art. 25a Rz. 6 ff.;  MÜLLER, a.a.O., S. 317 f.). Die Vorinstanz geht richtigerweise davon aus,  dass  es  sich  bei  den  Flugbewegungen  um  verfügungsfreie  Realakte  handelt.  4.2. Weiter ist zu Recht unumstritten, dass sich die Flugbewegungen auf  öffentliches  Recht  des  Bundes  stützen  (vgl.  Art. 57 f.  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  [BV,  SR  101]  und  dass  es  sich  beim  VBS  um  die  zuständige  Behörde für die Beurteilung von Handlungen der Luftwaffe handelt.

A­101/2011 4.3. Zur Tragweite des Tatbestandselements, dass Rechte und Pflichten  berührt  sein  müssen,  gibt  es  in  der  Lehre  unterschiedliche  Ansichten.  Diese  stimmen  aber  dahingehend  überein,  dass  sie  dieses  Tatbestandselement  jedenfalls  als  erfüllt  ansehen,  soweit  grundrechtlich  geschützte  Positionen  berührt  sind  (vgl.  TSCHOPP­CHRISTEN,  a.a.O.,  S. 109 ff.;  HÄNER,  a.a.O.,  Art. 25a  Rz. 19;  WEBER­DÜRLER,  a.a.O.,  Art. 25a VwVG Rz. 19 ff.; MÜLLER, a.a.O., S. 350 ff.). Vorliegend  legt die  Vorinstanz überzeugend dar,  dass die Flugbewegungen die Gesundheit  und Integrität einer Person gefährden könnten, weshalb mit Art. 10 Abs. 2  BV ein Grundrecht tangiert und diese Voraussetzung erfüllt ist.  4.4. Näher einzugehen  ist auf die strittige Frage, ob ein schutzwürdiges  Interesse an einer Feststellungsverfügung besteht.  4.4.1.  Das  "schutzwürdige  Interesse"  im  Sinn  von  Art. 25a  VwVG  ist  grundsätzlich gleich zu verstehen wie in den anderen Artikeln des VwVG,  namentlich  wie  in  Art. 48  Abs. 1  Bst. c  VwVG.  Verlangt  ist  somit  ein  Sondernachteil  sowie  ein  Interesse  rechtlicher  oder  tatsächlicher  Natur,  das  aktuell  und  praktisch  sein  muss  (vgl.  TSCHOPP­CHRISTEN,  a.a.O.,  S. 125,  128 f.;  HÄNER,  a.a.O.,  Art. 25a  Rz. 34;  WEBER­DÜRLER,  a.a.O.,  Art. 25a VwVG Rz. 27 ff.; MÜLLER,  a.a.O.,  S. 347 f.).  Zu  berücksichtigen  ist dabei, dass sich bei Begehren um Feststellung der Widerrechtlichkeit  von  Handlungen  gemäss  Art. 25a  Abs. 1  Bst. c  VwVG  Eigenheiten  bezüglich  der  Aktualität  und  der  praktischen  Bedeutung  des  Interesses  ergeben können, weil diese Begehren im Unterschied zu Art. 25a Abs. 1  Bst. a  und  b  VwVG  nicht  auf  eine  Änderung  der  künftigen  Verhältnisse  hinwirken  (vgl.  TSCHOPP­CHRISTEN,  a.a.O.,  S.  126  f., 129 ff.;  HÄNER,  a.a.O.,  Art. 25a  Rz. 34;  WEBER­DÜRLER,  a.a.O.,  Art. 25a  VwVG  Rz. 27 ff.).  Ferner  ist  zu  beachten,  dass  das  Begehren  um  eine  Verfügung  über  Realakte  subsidiär  ist,  also  nur  dann  von  einem  schutzwürdigen  Interesse  auszugehen  ist,  wenn  kein  anderes  Rechtsmittel zur Verfügung steht,  respektive wenn es unzumutbar wäre,  bis  zum  Erlass  einer  anfechtbaren  Verfügung  zuzuwarten  (Urteil  des  Bundesgerichts  vom  22. April  2010  8C_699/2009  E. 4.3;  TSCHOPP­ CHRISTEN,  a.a.O.,  S. 131  ff.;  WEBER­DÜRLER,  a.a.O.,  Art. 25a  VwVG  Rz. 31).  4.4.2.  Die  Vorinstanz  geht  davon  aus,  dass  es  am  schutzwürdigen  Interesse  der  Beschwerdeführenden  fehle.  In  ihrer  Argumentation  unterscheidet  sie  hierbei  zwischen  Flugbewegungen,  die  in  direktem 

A­101/2011 Zusammenhang  zum  Flugplatz  stehen  und  solchen,  die  im  gesamten  Trainingsraum in einer Höhe von 3000 Meter über Meer stattfinden:  Bezüglich  der  direkt  im  Zusammenhang  mit  dem  Flugplatz  stehenden  Flugbewegungen  fehle es an einem schutzwürdigen  Interesse, weil  das  laufende  Lärmsanierungsverfahren  für  den  Flugplatz  eine  öffentliche  Auflage  des  Erleichterungsgesuchs  beinhalte  und  es  durch  eine  anfechtbare  Verfügung  abgeschlossen werde.  Es  sei  deshalb  nach wie  vor möglich,  im Verlauf  des Verfahrens Einsprache  zu erheben und die  abschliessenden Verfügungen anzufechten. Es bestehe somit kein Raum  für subsidiäre Rechtsbehelfe nach Art. 25a VwVG. Hingegen  seien  die  Flugbewegungen  im  gesamten  Trainingsraum  nicht  Gegenstand  des  Lärmsanierungsverfahrens  und  das  Rechtsbegehren  nach  Art. 25a  VwVG  stehe  grundsätzlich  offen.  Vorausgesetzt  sei  aber  eine Betroffenheit von genügender  Intensität. Daran  fehle es vorliegend,  da die  fliegerischen Aktivitäten grundsätzlich auf über 3000 Metern über  Meer stattfänden, also in erheblicher Distanz zu den Gesuchstellern, und  die  Lärmbelastung  aus  dem  Flugplatzbetrieb  objektiv  gesehen  mit  Sicherheit  grösser  sei.  Aufgrund  des  Lärmbelastungskatasters  vom  17. Oktober  1997  sowie  der  Neuberechnung  der  Lärmbelastung  für  die  Mitwirkung  zum  Sachplan  Militär  von  2007  ergebe  sich,  dass  die  Lärmbelastung  deutlich  unterhalb  von  55 dB(A)  liege.  Diese  Werte  erreichten  nicht  einmal  den  Immissionsgrenzwert  der  Empfindlichkeitsstufe I  nach  Anhang 8  LSV;  die  Lärmimmissionen  aus  der  Nutzung  des  Trainingsraums  dürften  noch  erheblich  geringer  ausfallen,  weshalb  nicht  von  einer  genügenden  Intensität  der  Betroffenheit  gesprochen  werden  könne.  Betreffend  die  Schadstoffimmissionen  könne  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Einfluss des Flugplatzes einen grösseren Teil zur lokalen und regionalen  Belastung  beitrage  als  die  Aktivitäten  im  Trainingsraum.  Aufgrund  der  grossen  Distanz  würden  sich  diese  kaum  auswirken.  Aus  dem  Umweltverträglichkeitsbericht gehe hervor, dass die Emissionen aus dem  Betrieb  des  Flugplatzes  nicht  zu  Überschreitungen  der  massgebenden  Grenzwerte  gemäss  der  Luftreinhalte­Verordnung  vom  16. Dezember  1985 (LRV, SR 814.318.142.1) führten. Somit sei auch bezüglich dieses  Punktes keine genügende  Intensität der Betroffenheit und  infolgedessen  kein schutzwürdiges Interesse ersichtlich.  4.4.3. Die Beschwerdeführenden bringen zum schutzwürdigen  Interesse  vor,  die  Auslegung  von  Art. 25a  VwVG  durch  die  Vorinstanz  sei  nicht 

A­101/2011 richtig. Insbesondere sei sich die Doktrin darin einig, dass sich die Frage  der Subsidiarität  im Falle des Art. 25a VwVG nicht stelle, da dieser eine  andere Zielrichtung als Art. 5 VwVG habe. Zudem gehe es hier nicht um  künftige  Flugbewegungen,  welche  vom  Sanierungsverfahren  betroffen  seien, sondern um Flugbewegungen von 2006–2010; das Argument, die  Beschwerdeführenden  könnten  sich  am  laufenden  Verfahren  beteiligen,  greife deshalb nicht. Zur von der Vorinstanz vorgebrachten mangelnden  Intensität  der  Flugbewegungen  im  Trainingsraum  Meiringen  sei  zu  bemerken,  dass  gemäss  Art. 25a  VwVG  eine minimale  Eingriffswirkung  genüge und keine besondere Betroffenheit verlangt werde. 4.4.4.  Im Folgenden  ist  darauf  einzugehen,  ob  im  vorliegenden Fall  ein  schutzwürdiges Interesse gegeben ist. Die  Ausführungen  der  Vorinstanz  zum  fehlenden  Sondernachteil  hinsichtlich  der  Flugbewegungen  im  Trainingsraum  überzeugen  nicht:  Soweit es um Beschwerden gegen Fluglärm geht, ist generell anerkannt,  dass  ein  sehr  weiter  Kreis  von  Betroffenen  zur  Beschwerde  legitimiert  sein  kann,  ohne  dass  bereits  eine  Popularbeschwerde  vorliegt  (Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts A­6536/2010 vom 23. August 2011 E. 2;  A­1899/2006  vom  11. Februar  2010  E. 2.3;  A­1936/  2006  vom  10. Dezember  2009  E. 3.1;  A­1985/2006  vom  14. Februar  2008  E. 2.1).  Kein ausschlaggebendes Abgrenzungskriterium stellt die Überschreitung  von  Lärmgrenzwerten  dar  (vgl.  BGE  110  Ib  99  E. 1c  und  124  II  293  E. 3b).  Vorliegend  ist  davon  auszugehen,  dass  grosse  Teile  der  Anwohner,  darunter  auch  die  Beschwerdeführenden,  die  Flugbewegungen,  selbst  wenn  diese  in  einer  grossen Höhe  stattfinden,  akustisch  wahrnehmen  können  sowie  durch  die  Schadstoffe  mehr  belastet  werden  als  Personen,  die  in  grösserer  Entfernung  vom  Trainingsraum  leben.  Dies  gilt  umso  mehr  für  die  vom  Flugplatz  ausgehenden  Flugbewegungen,  weshalb  bezüglich  beider  Aspekte  ein  Sondernachteil vorliegt.  Ein  rechtliches  oder  tatsächliches  Interesse  an  einer  die  Widerrechtlichkeit  feststellenden  Verfügung  kann  zum  einen  in  einer  "moralischen  Kompensation"  oder  allenfalls  in  einer  Präventivwirkung  bestehen  (MÜLLER,  a.a.O.,  S. 359).  Vorliegend  ist  den  Beschwerdeführenden  jedenfalls  ein  Interesse  bezüglich  der  Flugzeugbewegungen  im  Luftraum  zuzugestehen.  Mit  ihrem  Begehren  können  sie  erreichen,  dass  diese  überprüft  werden.  Auch  wenn  sie  grundsätzlich  lediglich  die  Überprüfung  eines  in  der  Vergangenheit 

A­101/2011 liegenden Zeitraums verlangen, so ist dies dennoch auch für die Zukunft  von Bedeutung, da präventiv eine Änderung bewirkt werden könnte. Weil  die Flugbewegungen im Trainingsraum bis anhin nicht in einem laufenden  Verfahren  beurteilt  werden,  stellt  sich  die  Frage  der  Subsidiarität  nicht,  und  es  besteht  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Überprüfung  der  Rechtmässigkeit der Flugbewegungen im Trainingsraum.  Die  Situation  bezüglich  des  direkt  mit  dem  Flugplatz  verbundenen  Flugbetriebs stellt sich demgegenüber anders dar. Seit mehreren Jahren  ist ein Verfahren im Gang, in dem überprüft wird, in welchem Rahmen der  Flugbetrieb aufrecht erhalten werden soll, und das mit einer anfechtbaren  Verfügung  abgeschlossen  werden  wird.  Zwar  dauert  dieses  Verfahren  schon  relativ  lange an,  da die  zuständigen Behörden  zunächst wichtige  politische Entscheide  abwarteten. Offensichtlich  ist  ihnen  aber  bewusst,  dass  der  Betrieb  auf  die  Vereinbarkeit  mit  dem  geltenden  Recht  zu  überprüfen und zunächst ein neues Objektblatt als Grundlage zu schaffen  ist,  bevor  die  weiteren  Verfahrensschritte  eingeleitet  werden.  Mit  einer  Feststellungsverfügung  über  den  bisherigen  Betrieb  kann  somit  weder  erreicht  werden,  dass  ein  Verfahren  angestossen  wird,  noch  ist  ein  Interesse  an  einer  "moralischen  Kompensation"  ersichtlich,  da  die  erforderlichen  Schritte  zur  Klärung  der  Rechtslage  bereits  eingeleitet  worden waren, als die Beschwerdeführenden  ihre Beschwerde erhoben.  Weil die Beschwerdeführenden sodann keine Begehren mit unmittelbaren  praktischen Folgen (wie beispielsweise ein Begehren um die Einstellung  des  Flugbetriebs)  stellen,  ist  es  ihnen  zudem  zumutbar,  das  Ergehen  einer  anfechtbaren  Verfügung  abzuwarten.  Es  besteht  somit  kein  schutzwürdiges  Interesse  an  einer  Feststellungsverfügung  über  die  Rechtskonformität des Flugplatzbetriebs.  4.4.5.  Zusammenfassend  kann  somit  festgehalten  werden,  dass  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Überprüfung  der  Flugbewegungen  im  Trainingsraum  besteht,  nicht  aber  an  der  Überprüfung  des  Flugplatzbetriebs. 4.5.  Die  Vorinstanz  ist  somit  zu  Unrecht  nicht  auf  das  Feststellungsbegehren eingetreten,  soweit  der Betrieb  im Trainingsraum  betroffen ist. Bezüglich des Flugplatzbetriebs ist sie zu Recht nicht darauf  eingetreten. Die Beschwerde ist daher – soweit darauf einzutreten ist (vgl.  Erwägung  1.4)  –  teilweise  gutzuheissen  und  die  Sache  zur  materiellen  Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

A­101/2011 5.  Vorliegend  hat  die  Vorinstanz  trotz  teilweisem  Unterliegen  keine  Verfahrenskosten  zu  tragen  (Art. 63  Abs. 2  VwVG).  Den  teilweise  obsiegenden Beschwerdeführenden ist die Hälfte des Kostenvorschusses  von Fr. 1'500.– zurückzuerstatten, also Fr. 750.–.  Gemäss  Art. 64  Abs. 1  VwVG  kann  einer  teilweise  obsiegenden  Partei  von Amtes wegen oder auf Begehren für ihr erwachsene notwendige und  verhältnismässig  hohe  Kosten  eine  Parteientschädigung  zugesprochen  werden.  Die  Beschwerdeführenden  sind  anwaltlich  vertreten;  eine  Kostennote  reichten  sie  nicht  ein.  Die  Parteientschädigung  wird  somit  ausgehend  von  einem  hälftigen  Obsiegen  aufgrund  der  Akten  (Art. 14  Abs. 2  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  auf  Fr. 1'500.–  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festgesetzt.

A­101/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird  im Sinne der Erwägungen  teilweise gutgeheissen,  soweit darauf einzutreten ist, und die Sache wird mit der Aufforderung zur  materiellen Beurteilung des Gesuchs an die Vorinstanz zurückgewiesen.  2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Der  von  den  Beschwerdeführenden  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr. 1'500.– wird nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zur  Hälfte  (Fr. 750.–)  zurückerstattet.  Hierzu  haben  die  Beschwerdeführenden  dem  Gericht  ihre  Kontonummer  bekannt  zu  geben.  4.  Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung  von Fr. 1'500.– auszurichten.  5.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. 51­4.13/10.003064/10.031908; Einschreiben) – das Generalsekretariat VBS (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Beat Forster Nina Dajcar Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen 

A­101/2011 Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführenden in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: