252 RVJ / ZWR 2013 Zivilprozessrecht – Vertretungsbefugnis - KGE (Zivilkammer) vom 1. Februar 2013, X. AG u.a. c. Y. AG - TCV C3 12 44 Vertretungsbefugnis des Rechtsanwalts vor Gericht nach vorprozessualen Vergleichsverhandlungen - Ein Anwalt, welcher für seine Mandantin mit der Gegenpartei eine Vereinbarung zur Streitbeilegung aushandelt, darf, sofern er dabei klarstellt, dass er keine gemeinsame Beratung anbietet und ausschliesslich die Interessen der eigenen Partei wahrnimmt, diese später grundsätzlich auch vor den Gerichtsbehörden vertreten (E. 4.1 – 4.3). - Die ZPO schliesst die Zeugenaussage des Anwalts bei gleichzeitiger Parteivertretung nicht aus (Art. 160 Abs. 1 lit. a, Art. 166 Abs. 1 lit. b und Art. 169 ZPO). Ein solcher Ausschluss kann jedoch im Standesrecht bzw. in Art. 12 BGFA begründet sein (E. 4.3.1). - Im vorliegenden Fall rechtfertigt sich ein Ausschluss nicht, da die rechtserheblichen und umstrittenen Tatsachenbehauptungen in den Akten klar ausgewiesen sind und der Rechtsvertreter bei einer allfälligen Zeugenaussage nicht Gefahr läuft, seine anwaltlichen Pflichten zu verletzen (E. 4.3.2). Représentation en justice par l’avocat qui a mené des pourparlers antérieurs au procès - Un avocat qui a négocié avec la partie adverse, au nom de sa mandante, une convention en vue de régler le litige avant procès, peut en principe aussi représenter celle-ci devant les autorités judiciaires, dans la mesure où il n’a pas fourni de conseils communs et défend exclusivement les intérêts de cette dernière (consid. 4.1-4.3). - Le CPC n’exclut pas le témoignage d’un avocat en cas de représentation simultanée (art. 160 al. 1 let. a CPC ; art. 166 al. 1 let. b CPC et art. 169 CPC). Une telle exclusion peut toutefois se fonder sur les usages professionnels, respectivement sur l’art. 12 LLCA (consid. 4.3.1). - En l’espèce, l’exclusion ne se justifie pas, car les faits relevants litigieux ressortent clairement du dossier et les déclarations éventuelles du mandataire ne risquent pas de porter atteinte aux devoirs professionnels de l’avocat (consid. 4.3.2).
Verfahren (gekürzt)
Die Y. AG, vertreten durch Rechtsanwalt Z., reichte am 17. November 2011 beim Bezirksgericht Visp Klage gegen die X. AG und weitere Personen ein und verlangte in erster Linie, "[d]ie Beklagten seien zu verpflichten, ihre Zustimmung zur Vereinbarung 'Regelung der Parkplatzsituation Q.' mit der Gemeinde I. zu erteilen, sowie die weitere Umsetzung des Vertrags vom 08.03.2011 zu gewährleisten". Nachdem der damalige Rechtsanwalt der Beklagten sein Mandat nieder-
RVJ / ZWR 2013 253 gelegt hatte, reichte ihr neuer Rechtsvertreter am 9. Februar 2012 eine Klageantwort samt Widerklage ein; er beantragte zudem unter Berufung auf Art. 12 BGFA, Rechtsanwalt Z. sei wegen eines Interessenkonflikts als Parteivertreter der Klägerin vom Verfahren auszuschliessen. Mit Verfügung vom 24. Februar 2012 wies das Bezirksgericht den Antrag der Beklagten auf Verfahrensausschluss von Rechtsanwalt Z. ab. Hiergegen gelangten die Beklagten mittels Beschwerde an das Kantonsgericht und beantragten, Rechtsanwalt Z. anzuweisen, sein Mandat im Zivilverfahren unverzüglich niederzulegen.