KGE (Zivilgerichtshof I) vom 30. März 2006 i.S. EnAlpin AG c. Aletsch AG. Kraftloserklärung von Beteiligungspapieren nach Börsengesetz (Art. 33 BEHG; Art. 54 und 55 BEHV). – Verfahren und Zuständigkeit (Art. 33 Abs. 1 BEHG; E. 1). – Verfügt der Anbieter nach Ablauf der Angebotsfrist über 98 % der Stimmrechte der Zielgesellschaft, kann er mittels Klage gegen dieselbe binnen drei Monaten verlangen, dass die restlichen Beteiligungspapiere kraftlos erklärt werden (Art. 33 Abs. 1 und 27 Abs. 2 BEHG; Art. 55 BEHV; E. 3a/b). – Berechnung der Stimmrechte (Art. 54 BEHV; E. 3c). Annulation de titres selon la loi sur les bourses (art. 33, 54 et 55 LBVM). – Procédure et compétence (art. 33 al. 1 LBVM ; consid. 1). – Si l’offrant détient, à l’expiration de l’offre, plus de 98 pour cent des droits de vote de la société visée, il peut, dans un délai de trois mois, introduire action 199 ceg Texte tapé à la machine KGVS C1 06 3 ceg Texte tapé à la machine
contre celle-ci et demander au juge d’annuler les titres restants (art. 33 al. 1 27 al. 2 et 55 LBVM; consid. 3a/b). – Détermination des droits de vote (art. 54 LBVM ; consid. 3c). Aus den Erwägungen 1. a) Bei der Klage auf Kraftloserklärung handelt es sich gemäss Art. 33 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Börsen und den Effektenhandel vom 24. März 1995 (Börsengesetz, BEHG; SR 954.1) um ein Zweiparteienverfahren mit dem Anbieter als Kläger und der Zielgesellschaft als Beklagte. Es ist eine Gestaltungsklage, die im ordentlichen Verfahren beurteilt wird. Auf das Verfahren finden Art. 55 BEHV (Börsenverordnung; SR 954.11) sowie die jeweiligen kantonalen Zivilprozessvorschriften Anwendung (Schildknecht, in: Vogt/Watter (Hrsg.), Kommentar zum Schweizerischen Kapitalmarktrecht, Basel/Genf/München 1999, N. 14 zu Art. 33 BEHG). b) Die Zuständigkeit betreffend fehlen für die börsenrechtliche Kraftloserklärung besondere Vorschriften, so dass sich diese nach dem Streitwert bestimmt. Das Kantonsgericht erkennt in aller Regel über geldwerte Streitigkeiten, deren Streitwert Fr. 8’000.— oder mehr beträgt (Art. 23 Abs. 1 lit. b ZPO; vgl. Art. 46 aOG). Diesbezüglich ist bei der Gestaltungsklage auf den aus der Rechtsgestaltung für den Kläger erwachsenden Vermögensvorteil abzustellen (Vogel/Spühler, Grundriss des Zivilprozessrechts, 8. A., Bern 2006, 4. Kap. N. 95). Dieser beträgt nach den Schlussbegehren Fr. 334’750.— (65 x 5’150.—), so dass das Kantonsgericht sachlich zuständig ist. Die örtliche Zuständigkeit ist aufgrund des Sitzes der Beklagten in Mörel ebenfalls gegeben (Art. 30 GestG, 3 Abs. 1 ZPO). 2. a) Die EnAlpin AG (Anbieterin) ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Visp. Die Aletsch AG (Zielgesellschaft) ist eine an der SWX Swiss Exchange kotierte schweizerische Aktiengesellschaft, mit Sitz in Mörel, deren Zweck in der Erzeugung und Verwertung von Energie und Wasserkräften insbesondere derjenigen der Massa und der Mattervispe liegt. Sie verfügt über ein Aktienkapital von Fr. 20’000’0000.–, eingeteilt in 20’000 Inhaberaktien mit einem Nennwert von je Fr. 1’000.–; sie hat kein Partizipationsscheinkapital (Handelsregisterauszug vom 16. Juni 2004). b) Die EnAlpin AG hielt per 31. Mai 2004 97.55 % sämtlicher Aktien der Aletsch AG. Im Publikum befanden sich noch 491 Aktien. Sie beschloss, den verbliebenen gruppenexternen Aktionären ein öffentli- 200