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Bundesverwaltungsgericht 29.02.2012 E-994/2012

29 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·816 mots·~4 min·1

Résumé

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Februar 2012 /

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­994/2012 Urteil   v om   2 9 .   Februar   2012   Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli; Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler. Parteien A._______, Mongolei, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Februar 2012 / N (…).

E­994/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die Beschwerdeführerin  eigenen Angaben  zufolge  im Herbst  2011  ihren  Heimatstaat  verliess  und  daraufhin  mit  der  Transsibirischen  Eisenbahn  in Russland unterwegs war, ein Mongole  ihre Weiterreise  im  Auto  nach  Westeuropa  organisierte  und  sie  illegal  in  die  Schweiz  einreiste und am 19. Oktober 2011 im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte, dass sie im EVZ zu ihren Personalien, dem Reiseweg sowie summarisch  zu ihren Ausreisegründen befragt wurde, dass das BFM sie am 16. Januar 2012 einlässlich zu  ihren Asylgründen  anhörte, dass sie dabei angab, mit  ihrem Mann und  ihren zwei Söhnen  in  ihrem  Haus in Ulan Bator gelebt zu haben, dass einer der Söhne (…) 2010 aus  dem Gefängnis entlassen worden sei und dass  ihr  (…) Mann  (…) 2010  verstorben sei, dass sie selber gesundheitlich angeschlagen sei und sich nach dem Tod  des Ehemannes elf Tage lang in Spitalpflege habe begeben müssen, dass  sich  derweilen  die  beiden Söhne  um  das Erbe,  insbesondere  das  elterliche Haus gestritten hätten, wobei der jüngere Sohn den älteren (…)  habe, dass  der  Täter  seither  im Gefängnis  eine  lebenslange Haft  absitze,  die  Beschwerdeführerin jedoch das Gefängnis nicht kenne und ihn auch nicht  besuchen wolle, dass  sie  das  Haus  verkauft  und  mit  dem  Erlös  die  Schulden  für  die  medizinische Pflege des Mannes  zurückbezahlt  habe und sie darauf  im  Herbst 2011 ausgereist sei, dass  die  Beschwerdeführerin  gesundheitliche  Beschwerden  (Gallensteine,  Leberbeschwerden  und  psychische  Probleme)  geltend  machte und sich von der Schweiz eine bessere medizinische Versorgung  verspreche,

E­994/2012 dass  die  Beschwerdeführerin  dem  BFM  keine  Identitätspapiere  oder  Reisepapiere  aushändigte  und  trotz  entsprechender  Aufforderung  keine  solchen nachreichte, dass das BFM am 17. Januar 2012 einen medizinischen Bericht bei der  Beschwerdeführerin anforderte, dass  im  Arztzeugnis  vom  25.  Januar  2012  die  Diagnosen  hoher  Blutdruck,  somatisierte  Depression  und  persistierend­chronische  Hepatitis  B  gestellt  wurden  und  der  Arzt  ausführte,  eine  Therapie  der  Hepatitiserkrankung  sei  bei  normalen  Leberwerten  nicht  notwendig  und  könnte auch in der Mongolei durchgeführt werden, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  13.  Februar  2012  –  eröffnet  am  14. Februar  2012  –  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  es  würden  keine  entschuldbaren Gründe  vorliegen,  die  es  der  Beschwerdeführerin  verunmöglicht hätten, Identitäts­ oder Reisepapiere beizubringen, und sie  offenbar nicht gewillt sei, solche Dokumente einzureichen, dass  die  Asylvorbringen  unglaubhaft  seien  und  die  Beschwerdeführerin  deshalb  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  und  7  AsylG  nicht  erfülle, dass  aufgrund  der  Akten  auch  keine  zusätzlichen  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungshindernisses erforderlich seien, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 21. Februar 2012 gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  dabei  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  "in  den  Wegweisungspunkten",  die  vorläufige Aufnahme  infolge Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und,  in  prozessualer  Hinsicht,  die  unentgeltliche  Rechtspflege  und  die  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht beantragte, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  23.  Februar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG),

E­994/2012 E­994/2012 und das Bundesverwaltungsgericht erwägt, dass  es  auf  dem Gebiet  des  Asyls  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des Bundesgesetzes  vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem die  beschwerdeführende Person Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG  i. V. m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art.  6 AsylG), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde,

E­994/2012 dass  die  Verfügung  des BFM  vom  13.  Februar  2012  nicht  angefochten  worden ist, soweit darin auf das Asylgesuch nicht eingetreten worden ist,  und  die  Dispositivziffern  1  und  2  mit  Ablauf  der  Beschwerdefrist  rechtskräftig geworden sind, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (vgl. Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht und vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3  AuG)  und  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden  darf,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben oder  ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3  Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder  in dem sie Gefahr  läuft,  zur Ausreise  in  ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso  Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung  der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  der  Beschwerdeführerin  angesichts  des  rechtskräftigen  Nichteintretensentscheids  gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  AsylG  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

E­994/2012 1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind,  die  der  Beschwerdeführerin  im  Heimat­  oder  Herkunftsland  drohen  würde, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass im Heimatstaat der Beschwerdeführerin keine Situation allgemeiner  Gewalt herrscht, dass  die  konkreten  Gesundheitsbeschwerden  der  Beschwerdeführerin  gemäss  Akten  nicht  geeignet  sind,  den  Vollzug  der  Wegweisung  unzumutbar erscheinen zu lassen, und in der Mongolei behandelt werden  könnten, dass  es  der  Beschwerdeführerin  zudem  frei  stehen  würde,  beim  BFM  einen  Antrag  auf  medizinische  Rückkehrhilfe  gemäss  Art.  75  der  Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 (AsylV 2, SR 142.312) zu stellen,  beispielsweise  für  einen  Vorrat  an  denjenigen  Tabletten,  die  sie  in  der  Schweiz verschrieben erhalten hat und die ihr Linderung verschafft hätten  (vgl. Protokoll vom 17. Januar 2012 S. 4), dass  auch  das  Alter  und  die  persönlichen  Lebensumstände  der  Beschwerdeführerin  den  Vollzug  nicht  unzumutbar  erscheinen  lassen,  zumal  sie  in  der Mongolei  eigenen Angaben  zufolge Anspruch auf  eine  kleine Altersrente hat und die Aussagen zu den familiären Verhältnissen  vom  BFM  mit  überzeugender  Begründung  als  unglaubhaft  qualifiziert  worden sind (vgl. angefochtene Verfügung S. 3 f.), dass sich der Vollzug der Wegweisung damit als zumutbar erweist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83  Abs. 2  AuG),  und  es  der  Beschwerdeführerin  obliegt,  bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.),

E­994/2012 dass auch der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung damit  zu bestätigen ist, dass  es  der  Beschwerdeführerin  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  angesichts  der  Aussichtslosigkeit  der  Rechtsbegehren  im  Sinn  von  Art.  65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG), dass  das  Gesuch  um  Befreiung  von  der  Vorschusspflicht  mit  dem  vorliegenden Entscheid in der Sache gegenstandslos wird. (Dispositiv nächste Seite)

E­994/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Rudolf Bindschedler Versand:

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