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Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 E-922/2012

23 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,114 mots·~6 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 2. Februar 2012 /

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­922/2012 Urteil   v om   2 3 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiber Peter Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), und deren Kinder C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), E._______, geboren (…), F._______, geboren (…), Syrien, alle vertreten durch Stefan Hery, HEKS  Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen /  Appenzell, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 2. Februar 2012 / N (…).

E­922/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführenden und ihre Kinder eigenen Angaben zufolge  Syrien am (…) verliessen und über (…) und Italien am (…) in die Schweiz  gelangten, wo sie am 27. September 2011 um Asyl nachsuchten, dass  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  und  (…)  anlässlich  der  Kurzbefragungen  vom  14.  Oktober  2011  im  G._______  gestützt  auf  EURODAC­Treffer  (vom  […]  in  Italien  und  vom  […]  in  Belgien)  das  rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit  Italiens oder Belgiens  für  das  vorliegende  Asylverfahren  und  zu  einer  allfälligen Wegweisung  dorthin gewährte, dass der Beschwerdeführer anführte, er sei nach dem negativen Ausgang  seines  Asylverfahrens  in  Belgien  nach  Italien  überstellt  worden,  wo  ihn  die italienischen Behörden am (…) auf die Strasse gestellt hätten, dass ihn die "syrische Interpol" in Italien zuerst auf die syrische Botschaft  verbracht  und  später  mit  Hilfe  eines  von  den  syrischen  Behörden  ausgestellten  Laissez­Passer  nach  Syrien  überführt  habe,  bevor  er  am  (…)  seinen Heimatstaat  erneut  zusammen mit  seiner  Familie  verlassen  habe und in die Schweiz gereist sei, dass die Beschwerdeführerin die Aussagen  ihres Ehemannes bestätigte  und ergänzend anführte, sie und ihre Familie hätten von Anfang an in die  Schweiz  reisen wollen,  in  Italien hätten sie weder um Asyl nachgesucht  noch seien ihnen dort die Fingerabdrücke abgenommen worden, dass sie auf entsprechende Frage antwortete, ihr Ehemann sei vor seiner  Rückkehr  nach Syrien  auf Anraten  seiner  syrischen Ärzte  nach Belgien  gereist, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen, dass (…) ausführte,  (…) könne sich nicht vorstellen, dass Italien für das  Asylverfahren zuständig sei, (…) wolle in der Schweiz bleiben, dass die belgischen Behörden am 25. Oktober 2011 auf entsprechende  Anfrage  des  BFM  vom  19.  Oktober  2011  bestätigten,  der  Beschwerdeführer sei nach der Ablehnung seines Asylgesuchs in Belgien  am (…) nach Italien überführt worden, dass das BFM Italien am 2. November 2011 gestützt auf die Verordnung  (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die 

E­922/2012 Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin  II­VO),  um  Übernahme  der  Beschwerdeführenden ersuchte, dass die italienischen Behörden dieses Ersuchen unbeantwortet liessen, dass  die  Beschwerdeführenden  am  17.  Januar  2012  beim  Bundesamt  (…) einreichen liessen, dass das Bundesamt mit Verfügung vom 2. Februar 2012 – eröffnet am  11.  Februar  2012  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz nach Italien anordnete, dass  es  die  Beschwerdeführenden  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den Kanton  (…)  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisungsverfügung  beauftragte,  die  Aushändigung  der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  verfügte  und  festhielt,  eine  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  habe  keine aufschiebende Wirkung, dass die Überstellung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung der Frist – bis spätestens am (…) zu erfolgen habe, dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  den  vorgängigen  Aufenthalt  des Beschwerdeführers in Italien und auf die implizit erfolgte Zustimmung  der  italienischen  Behörden  zur  Überstellung  –  auf  die  Zuständigkeit  Italiens für die Behandlung des Asylgesuches verwies, dass  es  festhielt,  die  Beschwerdeführenden  hätten  keine  relevanten  Argumente  gegen  die  beabsichtigte  Überstellung  vorbringen  können,  zumal keine Belege  für die behauptete Rückreise des Ehemannes nach  Syrien eingereicht worden seien, dass es sich beim eingereichten Laissez­Passer um eine Kopie handle,  auf welcher  nachträglich Ergänzungen  angebracht worden  seien, womit  die Echtheit des Dokumentes nicht zweifelsfrei feststehe, dass  der  Beschwerdeführer  unsubstanziierte  Angaben  zu  seinem  Aufenthalt  in  Syrien  und  zu  seiner  Reiseroute  gemacht  habe,  und  die  Verhaftung  in  Italien  und  die Rückführung  nach Syrien  unglaubhaft  sei, 

E­922/2012 zumal  dem  Bundesamt  keine  Hinweise  darauf  vorlägen,  die  syrischen  Behörden  würden  in  Italien  eigene  Staatsbürger  festnehmen  beziehungsweise diese ohne Einbezug der  italienischen Behörden nach  Syrien zurückführen, dass  Italien dem Übernahmeersuchen stillschweigend zugestimmt habe,  weshalb  davon  auszugehen  sei,  die  italienischen  Behörden  hätten  die  Wegweisung des Beschwerdeführers nicht vollzogen, dass  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  die  Regelfolge  des  Nichteintretens auf ein Asylgesuch und deren Vollzug zulässig, zumutbar  und möglich sei, dass  die  Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  mit  Rechtsmitteleingabe  vom  17.  Februar  2012  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  mit  der  Anweisung  an  das  BFM,  sich  für  das  vorliegende  Asylgesuch  für  zuständig  zu  erachten  respektive  sein  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben,  eventualiter  die  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  Neubeurteilung  beantragen, dass sie  in prozessualer Hinsicht unter Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses die Gewährung der unentgeltliche Rechtspflege, den  Erlass  einer  vorsorglichen  Massnahme  (Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs) und die Erteilung der aufschiebenden Wirkung der  Beschwerde beantragen, dass sie zur Stützung  ihrer Vorbringen zwei  fremdsprachige Dokumente    – gemäss  Angaben  des  Rechtsvertreters  handle  es  sich  dabei  um  ein  Schreiben  eines  syrischen  Anwalts  und  um  einen  Vertrag  betreffend  Hausverkauf  in  Syrien  –  und  eine  Fürsorgeabhängigkeitserklärung  des  (…) vom (…) zu den Akten reichten, dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren  und  die  eingereichten  Dokumente,  soweit  für  den Entscheid wesentlich,  in  den nachfolgenden  Erwägungen eingegangen wird, dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 21. Februar 2012 beim  Bundesverwaltungsgericht eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt,

E­922/2012 dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des Bundesgesetzes  vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  eine  Prüfung  der  Akten  ergibt,  dass  das  BFM  den  Sachverhalt  entgegen  der  Rüge  in  der  Rechtsmitteleingabe  richtig  und  vollständig 

E­922/2012 festgestellt  hat  und  sich  auch  keine  Hinweise  auf  eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  der  Beschwerdeführenden  ergeben,  weshalb  das  eventualiter gestellte Rechtsbegehren abzuweisen ist, dass  mit  der  Vorinstanz  festzustellen  ist,  dass  die  Behauptung,  der  Beschwerdeführer sei nach seiner Überführung von Belgien nach  Italien  dort ohne Zutun der italienischen Behörden von den syrischen Behörden  verhaftet und nach Syrien überführt worden, offensichtlich haltlos ist, und  weder die eingereichte Kopie eines Laissez­Passer noch die zusammen  mit  der  Beschwerde  zu  den  Akten  gereichten  Dokumente  (Schreiben  eines  Anwalts  und  Vertrag  betreffend  Hausverkauf  in  Syrien)  geeignet  sind,  eine Rückkehr  des  Beschwerdeführers  von  Italien  nach Syrien  zu  belegen, dass  sich  vor  diesem  Hintergrund  auch  die  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  und  (…)  zur  angeblichen  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Syrien  und  die  diesbezüglichen  Ausführungen  in der Beschwerde als nicht stichhaltig erweisen, dass zudem der Aufenthalt der Beschwerdeführenden  in  Italien vor  ihrer  Einreise in die Schweiz nicht bestritten ist, dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung zu verweisen  ist –  Italien  für die Prüfung der Asylanträge  der Beschwerdeführenden zuständig ist, dass die italienischen Behörden dem Ersuchen des BFM um Übernahme  implizit  zugestimmt  haben,  womit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  und für deren Aufnahme gestützt auf Art. 18 Abs. 7 Dublin II­VO gegeben  ist, dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  als  auch  der  Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ist,  und  vorliegend  –  entgegen  den  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  –  keine  Hinweise  darauf  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtungen halten,

E­922/2012 dass  Italien  verpflichtet  ist,  über  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden zu befinden, und nichts darauf hindeutet, dort sei  der Zugang zu einem funktionierenden Asylverfahren nicht gewährleistet, dass auch kein Grund zur Annahme besteht, die  italienischen Behörden  würden  die  Beschwerdeführenden  ohne  korrekte  Prüfung  ihrer  in  der  Schweiz eingereichten Asylanträge in deren Heimatland zurückführen, dass  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nachzuweisen,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  ihnen  drohe  in  Italien  eine  unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, dass sich vor diesem Hintergrund der Vollzug der Wegweisung entgegen  den  Beschwerdevorbringen  als  zulässig  erweist  (Art.  83  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  die  Beschwerdeführenden  auch  nichts  vorbringen,  was  das  BFM  hätte veranlassen können, aus humanitären Gründen (Art. 29a Abs. 3 der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR 142.311]) auf ihre Asylgesuche einzutreten, dass  gemäss  Erkenntnissen  des  Gerichts  Dublin­Rückkehrende  und  verletzliche  Personen  betreffend  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  neben  den  staatlichen  Strukturen auch zahlreiche private Hilfsorganisationen der Betreuung von  Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass die Beschwerdeführenden – soweit aktenkundig – gesund sind und  sich keine Hinweise auf ernsthafte gesundheitliche Probleme psychischer  oder physischer Natur ergeben, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten  Einzelfall  auch  sonst  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  eine  Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  als  unangemessen  erscheinen  lassen (vgl. BVGE 2011/9), dass  das  vorliegende  Urteil  in  Übereinstimmung  mit  der  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts zum Wegweisungsvollzug nach Italien ergeht  (vgl.  BVGE  2010/45,  im  Sinne  von  Beispielen  auch  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­375/2012  vom  27.  Januar  2012,  E­ 6669/2009 vom 8. Dezember und E­6448/2011 vom 7. Dezember 2011),

E­922/2012 dass sich angesichts dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den  weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe erübrigt, dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  der  Beschwerdeführenden  nach  Italien  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin  II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt  und  folglich  das BFM  zu Recht  in  Anwendung  von  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9.  S.  733),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  nach  Italien  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  der  Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  2010/45 E. 10.2), dass  deshalb  allfällige  völkerrechtliche  und  humanitäre  Vollzugshindernisse vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der  Anwendung der  sogenannten Souveränitätsklausel  (Art. 3 Abs. 2 Dublin  II­VO)  oder  gegebenenfalls  –  wenn  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung  der  Humanitären  Klausel  (Art. 15  Dublin II­VO) zu prüfen sind, weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG besteht, dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung zu bestätigen ist, dass  es  den  Beschwerdeführenden  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist,

E­922/2012 dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache ohne vorgängige  Instruktion  die  prozessualen  Anträge  (auf  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  auf Erlass  einer  vorsorglichen Massnahme und auf  Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde) hinfällig werden, dass  sich  die  Beschwerde  aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  als  aussichtslos  erweist,  weshalb  der  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  unbesehen  der  belegten  prozessualen  Bedürftigkeit  abzuweisen  ist,  und  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 1 – 3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführen­den aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­922/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Der  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und (…). Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Peter Jaggi Versand:

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