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Bundesverwaltungsgericht 20.02.2012 E-866/2012

20 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·684 mots·~3 min·4

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (kein Asylgesuch gemäss AsylG) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Februar 2012 / N

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­866/2012 Urteil   v om   2 0 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, Marokko,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 3. Februar 2012 / N (…).

E­866/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 25. Oktober 2011 in der Schweiz um Asyl  ersuchte, dass  er  am  7.  November  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Chiasso sowie am 3. Februar 2012 in einer direkten Anhörung durch das  BFM  zu  seinem  Asylgesuch  befragt  wurde  und  er  im  Wesentlichen  erklärte, er habe am 7. Mai 2010 sein Heimatland verlassen, da er keine  Arbeit  gefunden  habe,  die  es  ihm  erlaubt  hätte,  seine  Familie  zu  unterstützen, dass er sich mehrere Monate in Griechenland aufgehalten habe, bevor er  zirka ein Jahr lang auf Sizilien (Italien) gelebt habe, dass er  in der Schweiz auf  der Suche nach einer besseren Zukunft  ein  Asylgesuch eingereicht habe, dass er in seinem Heimatland keine Probleme mit Behörden oder Dritten  gehabt habe, dass bezüglich der Vorbringen  im Einzelnen auf die Akten zu verweisen  ist, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  3.  Februar  2012  ­  eröffnet  am  10.  Februar 2012 ­  in Anwendung von Art. 32 Abs. 1 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR  142.31)  auf  das Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug anordnete, dass das BFM zur Begründung des Nichteintretensentscheides anführte,  auf ein Gesuch werde nicht eingetreten, wenn kein Asylgesuch im Sinne  von Art. 18 AsylG gestellt werde, dass gemäss Art. 18 AsylG ein Asylgesuch erst dann vorliege, wenn eine  Person in irgendeiner Weise zu erkennen gebe, dass sie die Schweiz um  Schutz  vor  Verfolgung  ersuche,  was  bedeute,  dass  eine  Verfolgung  im  Sinne von Art. 3 AsylG oder Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,             SR 0.101) geltend gemacht werden müsse, dass  der  Beschwerdeführer  rein  wirtschaftliche  Gründe  geltend mache,  weshalb auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei,

E­866/2012 dass  die  Regelfolge  eines  Nichteintretensentscheides  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sei  und  sich  aus  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  ergeben  würden,  die  auf  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit eines Wegweisungsvollzuges schliessen lassen würden, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  15.  Februar  2012  gegen  diesen Entscheid Beschwerde erhob und beantragt, die Verfügung sei in  den  Wegweisungspunkten  aufzuheben  und  ihm  sei  infolge  Unzumutbarkeit  der  Wegweisung  gemäss  Art.  83  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer (AuG,       SR 142.20) die vorläufige Aufnahme zu gewähren, dass er  in prozessualer Hinsicht beantragt,  ihm sei die Bezahlung eines  Kostenvorschusses  sowie  der  Verfahrenskosten  zu  erlassen  und  eine  angemessene Parteientschädigung auszurichten, dass  er  zur  Begründung  seiner  Beschwerde  vorbringt,  seine  jetzige  finanzielle Situation lasse es nicht zu, die Schweiz zu verlassen und eine  Rückkehr  nach  Marokko  komme  für  ihn  nicht  in  Frage,  da  er  mangels     finanzieller Mittel dort nicht überleben könne, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  17.  Februar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  ­  so  auch  vorliegend  ­  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 

E­866/2012 Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und   Art.  105 AsylG  i.V.m. Art  37  VGG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  mit  vorliegender  Beschwerde  der  Entscheid  des  BFM,  auf  das  Asylgesuch nicht einzutreten, nicht angefochten wird und die Verfügung  vom 3. Februar 2012 insoweit in Rechtskraft erwuchs,  dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  der  Wegweisung  materiell  prüfte,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich volle Kognition zukommt, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733),  weshalb  die  verfügte Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 

E­866/2012 Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3 Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5 Abs. 1 AsylG), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  keine Anhaltspunkte  für  eine menschenrechtswidrige Behandlung  im  Sinne  von  Art. 3  EMRK  oder  Art.  1  des Übereinkommens  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe vom 10. Dezember 1984 (FoK, SR 0.105) ersichtlich sind, die  dem Beschwerdeführer in seinem Heimatland drohen würden, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage in Marokko noch individuelle Gründe auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass  insbesondere  die  geltend  gemachten  finanziellen  Schwierigkeiten  des Beschwerdeführers keine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83  Abs. 4 AuG zu begründen vermögen, dass  es  in  der  Verantwortung  des  Beschwerdeführers  liegt,  sich  in  seinem Heimatland um eine Erwerbstätigkeit zu bemühen, um sich eine  existenzielle Grundlage zu sichern, dass  es  ihm  auch  freisteht,  sich  bei  den  landwirtschaftlichen  Arbeiten,  wovon seine Familie im Heimatland lebe (vgl. Akten BFM A19/9 F20), zu  beteiligen, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  schliesslich  möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG)  und es  ihm obliegt, bei der Beschaffung der erforderlichen Reisepapiere  mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG),

E­866/2012 dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass sich die Rechtsbegehren der Beschwerde als aussichtlos erweisen,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG), dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG)  und  die  Ausrichtung  einer  Parteientschädigung  ausser  Betracht  fällt (Art. 64 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­866/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger Versand:

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