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Bundesverwaltungsgericht 12.12.2011 E-8574/2007

12 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,747 mots·~14 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Verfügung des BFM vom 14. November 2007 i.S. Asyl und Wegweisung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­8574/2007 Urteil   v om   1 2 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,    Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______,  geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic.iur. Susanne Sadri, Asylhilfe Bern, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 14. November 2007 / N (…).

E­8574/2007 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer – ein aus Kandy (Zentralprovinz) stammender sri­ lankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  und  muslimischen  Glaubens  –  verliess  gemäss  eigenen  Angaben  seinen  Heimatstaat  am  13.  April  2007  und  reiste  mit  einem  vom  Schlepper  besorgten  beziehungsweise  mit  seinem  eigenen  Pass  auf  dem  Luftweg  von  Colombo  via  Qatar  nach  Rom  und  gelangte  von  dort  aus  auf  dem  Landweg  illegal  in  die  Schweiz,  wo  er  am  16. April  2007  einreiste  und  gleichentags um Asyl nachsuchte. Er wurde im Centro di Registrazione e di Procedura di B._______ (EVZ)  am 26. April 2007 summarisch befragt und durch den Kanton C._______,  dem er mit Verfügung vom 10. Mai 2007 zugewiesen wurde, am 24. Juli  2007 eingehend zu seinen Asylgründen angehört. Dabei  brachte  er  im  Wesentlichen  vor,  er  habe  von  zirka  2004  bis  Februar 2007 Grosshandel mit [Waren] betrieben und dabei gelegentlich  illegal  Batterien  für  Taschenlampen  und  teilweise  bewilligungspflichtige  Medikamente  transportiert und verkauft, um damit Profit zu machen und  auch den Leuten zu helfen. Der Batterie­ und Medikamentenverkauf sei  wegen des "Terroristenproblems" verboten gewesen. Einmal sei er Ende  2006,  auf  dem  Weg  von  Kandy  nach  Puttalam,  in  D._______  mit  Batterien  erwischt  und  registriert  worden.  Die Ware  sei  beschlagnahmt  worden,  er  habe  aber  weiterfahren  können,  weil  einer  der  Armeeangehörigen, dessen Namen er nicht  kenne, Tamile gewesen sei  und  sich  beim  neuen  Chef  des  Armeecheckpoints  für  seine  freie  Weiterfahrt  eingesetzt  habe.  Nach  dem  Attentat  auf  den  Verteidigungsminister  und  zugleich  Bruder  des  sri­lankischen  Präsidenten,  welches  am  Anfang  des  Jahres  2007  stattgefunden  habe  beziehungsweise dessen Datum er nicht wisse, sei ein neues Gesetz  in  Kraft  getreten,  welches  die  Behörden  ermächtige,  alle  verdächtigen  Personen  festzunehmen.  Das  erste  Mal  seien  singhalesische  Militärs  beziehungsweise  die  Armee  und  die  Polizei  zu  ihm  nach  Hause  gekommen,  hätten  seinen  Chauffeur  festgenommen  und  seinen  Lieferwagen  beschlagnahmt;  dies  habe  sich  Ende  März  2007  beziehungsweise 10 bis  15 Tage nach dem Attentat  zugetragen. Er  sei  glücklicherweise  nicht  zuhause  gewesen  und  seine  Familie  habe  der  Armee/Polizei  beim  ersten  Besuch  gesagt,  er  befinde  sich  auf  dem  Marktplatz.  Später  seien  ein  weiteres  Mal  die  Armee  und  die  Polizei 

E­8574/2007 erschienen,  um  ihn  zu  verhaften.  Beim  dritten  Mal  sei  nur  die  Polizei  beziehungsweise nur die Armee bei  ihm zu Hause erschienen und habe  ihn  gesucht.  Beides  habe  sich  im  März  2007  zugetragen  beziehungsweise sie seien nach dem zweiten Mal nochmals zweimal bei  ihm  zuhause  gewesen  beziehungsweise  sie  hätten  ihn  insgesamt  drei  Mal  gesucht.  Bei  den  ersten  beiden  Besuchen  habe  er  sich  in  der  Moschee  und  das  dritte  Mal  in  der  Stadt  befunden,  um  Einkäufe  zu  tätigen  beziehungsweise  das  erste  Mal  habe  er  sich  in  der  Moschee  befunden und das zweite und dritte Mal in Kandy. Seine Familie habe ihm  mitgeteilt, dass die Armee und die Polizei ihm ausrichten liessen, er solle  sich auf dem Polizeiposten melden. Er denke, sie hätten ihn verdächtigt,  die  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  durch  Schmuggel  zu  unterstützen, beziehungsweise weil er Batterien verkauft habe, habe dies  bedeutet,  er  unterstütze die LTTE. Er  habe sich nie nach dem Verbleib  seines  Chauffeurs  und  des  Lieferwagens  erkundigt,  weil  ihm  geraten  worden sei, dies zu unterlassen. Er habe die Batterien und die Medizin für  die Tamilen  transportiert. Aus diesem Grund habe er sich am (…) 2007  nach  E._______  (Anmerkung  des  Gerichts:  Ortschaft  in  der  Nähe  von  F._______)  begeben.  Nach  dem  ersten  Besuch  der  Sicherheitskräfte  habe  er  sich  zu  seinem  Bruder  und  nach  zwei  Tagen  zu  Kollegen  in  Kandy begeben, wo er sieben bis acht Tage geblieben sei. Danach sei er  nach Hause zurückgekehrt und am (…) 2007 nach F._______ abgereist  beziehungsweise er habe sich während des zweiten und dritten Besuchs  in Kandy befunden, habe sich nach dem dritten Besuch nochmals zirka  für eine Stunde nach Hause begeben, bevor er am  (…) 2007 sein Dorf  verlassen habe und nach F._______ gereist sei. Seine Familie habe ihm  geraten,  nicht  mehr  nach  Hause  zurückzukehren.  Er  habe  weggehen  müssen,  ohne  seinen  Kindern  auf  Wiedersehen  sagen  zu  können.  Ab  dem (…) 2007 habe er mit seiner Familie keinen Kontakt mehr gepflegt,  aus Angst, dass sie Probleme bekommen könnten. Daher wisse er auch  nicht, ob noch weiter nach ihm gesucht worden sei.  B.  Mit  Verfügung  vom  14. November  2007  –  eröffnet  am  15. September   2007  –  wies  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete  dessen  Wegweisung  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung  führte  es  im  Wesentlichen  an,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführer  seien nicht glaubhaft gemacht worden. C.  Am  17. Dezember  2007  (Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer 

E­8574/2007 gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Asylgewährung, eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit oder der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  die  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme.  In  formeller Sicht ersuchte er um die Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses. Er  reichte  verschiedene  Beweismittel,  namentlich  eine  "polizeiliche  Vorladung"  (Personal Warrant  issued  by District  Courts)  vom  (…)  2007  für  den  District  Court  Kandy  für  den  (…)  2007,  eine  "Vorladung  des  Dorfvorstehers"  (Grama  Niladhari  aus  G._______,  H._______  )  vom  (…)  2007,  ein  Schreiben  der  [Name  des  Moschee]  in  H._______  (nachfolgend: Moschee) vom (…) 2007 und ein Schreiben des European  Court  of  Human  Rights  (ECHR)  vom  (…)  2007,  allesamt  in  Kopie  inklusive  Übersetzung  ins  Englische,  sowie  einen  englischsprachigen  Internetbericht  über  das  Attentat  auf  den  sri­lankischen  Verteidigungsminister  vom  Dezember  2006  ein.  Bezüglich  der  in  Kopie  eingereichten  Dokumente  hielt  er  fest,  die  entsprechenden  Originale  befänden sich auf dem Postweg und würden in den nächsten Tagen bei  ihm eintreffen. D.  Mit  Verfügung  vom  27. Dezember  2007  hiess  die  zuständige  Instruktionsrichterin  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  forderte  sie  den  Beschwerdeführer  auf,  die  in  Aussicht  gestellten Originale  der  in  Kopie  eingereichten  Dokumente  (polizeiliche  Vorladung  vom  (…)  2007,  Vorladung des Dorfvorstehers vom (…) 2007 und Schreiben der Moschee  vom  (…) 2007) innert 30 Tagen ab Eröffnung der Verfügung nachzureichen. E.  Mit  Schreiben  vom  21.  Januar  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  fristgerecht  die  fraglichen Dokumente  im Original  inklusive Übersetzung  ins Englische und Briefumschlag ein. Zusätzliche wurde ein Internetartikel  zur Situation in Sri Lanka vom 17. Januar 2008 zu den Akten gereicht. 

E­8574/2007 F.  Mit Verfügung vom 12. Februar 2008  lud das Bundesverwaltungsgericht  die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. G.  In seiner Vernehmlassung vom 15. Februar 2008 würdigte das BFM die  eingereichten  Beweismittel  eingehend  und  beantragte  weiterhin  die  Abweisung der Beschwerde.  H.  Mit  Eingabe  vom  6. März  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  seine  diesbezügliche Stellungnahme ein. I.  Auf  den  detaillierten  Inhalt  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  der  Beschwerdeschrift,  der  vorinstanzlichen  Vernehmlassung,  der  diesbezüglichen Stellungnahme des Beschwerdeführers und der von ihm  eingereichten  Beweismittel  wird  –  soweit  urteilsrelevant  –  in  den  nachstehenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Ein  solches Auslieferungsersuchen liegt nicht vor. 

E­8574/2007 1.2. Das Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  soweit  das  VGG  und  das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG,  Art. 48  Abs. 1,   Art.  50  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4. 

E­8574/2007 4.1.    Nachfolgend  ist  zu  prüfen,  ob  das  BFM  im  vorliegenden  Fall  zu  Recht  die  Glaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  verneint und sein Asylgesuch abgewiesen hat.

E­8574/2007 4.2.  4.2.1. Zur Begründung seines ablehnenden Entscheides führte das BFM  im  Wesentlichen  aus,  dass  der  Beschwerdeführer  widersprüchliche  Angaben  gemacht  habe.  Namentlich  habe  er  an  der  Kantonsbefragung  zu Protokoll gegeben, jeweils im März 2007 gesucht worden zu sein, sich  an  der  Erstbefragung  aber  auf  Nachfrage  an  die  genauen  Daten  der  behördlichen  Suche  im  Jahre  2007  nicht  mehr  erinnern  können.  Laut  seinen dortigen Angaben wolle er das zweite Mal von der Polizei gesucht  worden  sein,  während  er  an  der  Kantonsbefragung  in  diesem  Zusammenhang immer von der Armee und der Polizei gesprochen habe.  Seinen  Erläuterungen  beim  Kanton  zufolge  habe  er  bereits  nach  dem  ersten Besuch der Armee seine offizielle Adresse in Kandy verlassen und  seitdem an verschiedenen Orten bei verschiedenen Person gelebt, an der  Erstbefragung  wolle  er  indessen  erst  nach  dem  letzten  Besuch  der  Armee/Polizei  Kandy  definitiv  verlassen  haben.  An  der  Erstbefragung  habe er sodann vorgetragen, sich während der Polizeibesuche jeweils in  der Moschee aufgehalten zu haben, an der Anhörung jedoch ausgesagt,  sich  nur  einmal  dort  aufgehalten  zu  haben.  Weiter  sei  seine  Angabe  hinsichtlich  der  behördlichen  Suche  nach  ihm  im  März  2007  tatsachenwidrig. So habe er diese zeitlich nach dem Attentat auf den sri­ lankischen  Präsidenten  eingeordnet,  welches  er  im  Verlaufe  der  Anhörungen auf das Jahr 2007 datiert habe; gemäss übereinstimmenden  Presseberichten  und Newsmeldungen  habe  sich  dieses  Attentat  jedoch  mehrere Monate davor zugetragen. Da der Beschwerdeführer aber seine  Verfolgung mit einem tatsächlich vorgefallenen Ereignis verknüpfe, wäre  zu  erwarten  gewesen,  dass  er  sich  diesbezüglich  tatsachengetreu  äussere.  Der  Beschwerdeführer  vermittle  nicht  den  Eindruck,  das  Geschilderte selbst erlebt zu haben, da er sich an die genauen Daten der  Vorfälle nicht mehr habe erinnern können, diese insgesamt einen Mangel  an  Realkennzeichen  aufweisen  würden  und  zu  wenig  detailliert  geschildert worden seien, um als glaubhaft gelten zu können. 4.2.2.  In  seiner  ausführlichen  Vernehmlassung  vom  15. Februar  2008  wies  das  BFM  wiederum  darauf  hin,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  glaubhafte  Verfolgung  in  Sri  Lanka  vorgebracht  habe,  da  seine  Kernvorbringen  widersprüchlich,  tatsachenwidrig  und  wenig  detailliert  ausgefallen seien, insbesondere bezüglich der geltend gemachten Suche  nach  ihm.  Diese  Ungereimtheiten  seien  auf  Beschwerdeebene  nicht  aufgelöst  worden  und  beständen  nach  wie  vor.  Es  ergäben  sich  ferner  Unstimmigkeiten zwischen den Vorbringen im Asylverfahren und den auf 

E­8574/2007 Beschwerdeebene  eingereichten  Dokumenten.  So  habe  er  vor  der  Beschwerdeeingabe die Zustellung der "polizeilichen Vorladung vom (…)  2007" mit keinem Wort erwähnt, obwohl er sich zu diesem Zeitpunkt noch  in  Sri  Lanka  aufgehalten  haben  wolle.  Zudem  habe  er  anlässlich  der  Befragungen  keine genauen und übereinstimmenden Angaben über  die  Anzahl und Daten der Suche nach ihm machen können; vielmehr habe er  an der kantonalen Anhörung auf die explizite Frage, ob ein Strafverfahren  gegen  ihn  hängig  sei,  angegeben,  nichts  davon  zu wissen, während  er  nun  eine  Vorladung  vor  den  District  Court  von  Kandy  einreiche.  Dem  Inhalt der Vorladung des Dorfvorstehers vom (…) 2007 zufolge solle sich  der Beschwerdeführer am  (…) 2007 bei der  "H._______ Police Station"  melden, im Asylverfahren habe er aber von der "I._______ Police Station"  gesprochen.  Im Schreiben der Moschee sei  von einer Suche nach dem  Beschwerdeführer  durch  "unbekannte  tamilische  Gruppierungen"  die  Rede,  was  er  zuvor  an  den  Anhörungen  nicht  geltend  gemacht  habe.  Ebenso wenig  äussere  sich  der Beschwerdeführer  dazu,  unter welchen  Umständen letztere beide Dokumente zustande gekommen seien. Somit  würden  diese  aufgrund  ihrer  inhaltlichen  und  formalen  Ungereimtheiten  die Kernvorbringen  des Beschwerdeführers  nicht  glaubhaft  nachweisen.  Vielmehr sei der Verdacht entstanden, der Beschwerdeführer habe diese  Dokumente  von  der  Schweiz  aus  in  Auftrag  gegeben,  um  seinen  Asylbegehren mehr Nachdruck  zu  verleihen.  Zudem handle  es  sich  bei  der polizeilichen Vorladung vom (…) 2007 – welche aufführt, dass gegen  den  Beschwerdeführer  eine  Untersuchung  wegen  Transportes  von  verbotenen  Sprengstoffen  eingeleitet  worden  sei  und  sich  der  Beschwerdeführer deshalb am (…) 2007 beim "District Court" von Kandy  einzufinden  habe  –  um  ein  Blankoformular,  welches  handschriftlich  ausgefüllt worden sei.  Insoweit auf Beschwerdeebene auf die Verschlimmerung der allgemeinen  Situation  in  Sri  Lanka  hingewiesen  werde,  sei  festzuhalten,  dass  sich  aufgrund  dieser  eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Norden  und  den Osten Sri  Lankas  als  unzumutbar  erweise.  Vorliegend  sei  ihm  jedoch  eine  Rückkehr  nach  Colombo  zumutbar,  zumal  im  Süden  keine  Situation allgemeiner Gewalt herrsche, der Beschwerdeführer sich bis zu  seiner  Ausreise  in  der  Zentralprovinz  aufgehalten  habe,  er  jung  und  gesund sei,  tamilisch und singhalesisch spreche und mehrere Jahre die  Schule  besucht  habe.  Zudem  verfüge  er  über  mehrjährige  Berufserfahrung im Handel, womit es ihm möglich sein sollte, wieder eine  wirtschaftliche Lebensgrundlage zu schaffen.

E­8574/2007 4.3.  4.3.1.    Der  Beschwerdeführer  führte  in  seiner  Beschwerde  seine  Asylgründe  nochmals  aus.  Er  ergänzte  dabei,  dass  es  wohl  zutreffen  könne,  dass  er  das  genaue  Datum  des  Attentats  nicht  gewusst  oder  verwechselt habe; dieser Umstand ändere jedoch an der Tatsache nichts,  dass die Polizei  und die Armee, die  zusammenarbeiten würden,  ihn als  mutmasslichen Täter verdächtigt hätten, illegale Waren geschmuggelt zu  haben. Bei der Kontrolle hätten sie explosives Material und Medikamente  bei  ihm  entdeckt  und  beschlagnahmt  sowie  seine  Personalien  aufgenommen. Das neue Anti­Terrorismusgesetz erlaube der Regierung,  alle  verdächtigen  Personen  festzunehmen,  weshalb  sie  in  seiner  Abwesenheit  zu  Hause  eine  Razzia  durchgeführt,  sein  Auto  beschlagnahmt  und  den  Chauffeur  festgenommen  hätten.  Es  sei  eine  Haarspalterei,  dass  das BFM  seine Angaben  betreffend  den Ort, wo  er  sich  befunden  habe,  als  ihn  die  Polizei  aufgesucht  habe,  habe  falsch  verstehen wollen; er habe ausgesagt,  in der Stadt gewesen zu sein, wo  er gearbeitet habe, namentlich im Basar. Im Basar befinde sich auch eine  Moschee,  wo  er  zum  Mittagsgebet  hingehe.  Da  er  sich  bei  den  polizeilichen  Besuchen  aber  nicht  zu  Hause  befunden  habe,  sei  es  verständlich,  dass  er  auch  keine  detaillierten  Angaben  über  diese  Besuche  habe  machen  können.  Er  habe  die  diesbezüglichen  Informationen jeweils von seiner Frau erhalten. Diese habe ihm berichtet,  dass  die  Polizei/Armee  das  Haus  nach  ihm  durchsucht  und  das  Auto  beschlagnahmt  und  den Chauffeur mitgenommen  habe. Deshalb  reiche  er  nun  die  polizeiliche  Vorladung  vom  (…)  2007  (…)  ein.  Er  habe  als  Schmuggler  illegaler Materialien  ein Profil,  das  ihn  aus  staatlicher Sicht  als  potentiellen  Täter  ausweise.  Amnesty  International  und  der  Europäische Gerichtshof  für Menschenrechte  (EGMR) hätten zudem die  Sicherheitslage in Sri Lanka als sich dramatisch verschlechternd, instabil  und gefährlich bezeichnet. Anhand der eingereichten Dokumente werde  ersichtlich, dass gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet worden sei. Es sei  hierbei unwahrscheinlich, dass er ein  faires Verfahren und eine korrekte  Untersuchung erhalten würde, weshalb ihm politisches Asyl zu gewähren  sei.  Hinsichtlich  eines  Wegweisungsvollzugs  führte  der  Beschwerdeführer  aus,  dass  sich  ihm  keine  innerstaatliche  Fluchtalternative  (recte:  Aufenthaltsalternative)  bieten  würde,  da  er  von  staatlichen  Organen  gesucht werde. Ungeachtet dessen sei es für ihn äussert schwierig, sich  ohne Sicherheit  und  ohne  seine  Familie  an  anderen Orten  des  Landes 

E­8574/2007 langfristig  aufzuhalten  und  eine  Existenz  aufzubauen,  weshalb  ein  Wegweisungsvollzug unzumutbar sei.  4.3.2.  In  seiner  Stellungnahme  zur  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  betonte der Beschwerdeführer, dass er sich – entgegen der Auffassung  des  BFM  –  unmissverständlich  ausgedrückt  habe.  So  habe  er  klar  und  deutlich  erwähnt,  dass  die Polizei,  als  sie  ihn  zu Hause  nicht  gefunden  habe,  sein Auto und den Chauffeur mitgenommen habe. Die Polizei  sei  insgesamt drei Mal gekommen, er könne sich aber an die genauen Daten  nicht  erinnern.  Er  habe  deren  (mündlichen)  Vorladungen  jedoch  keine  Folge  geleistet  und  von  einem  Strafverfahren  nichts  gewusst.  Sinngemäss  führt er aus, erst nach der kürzlich erfolgten Zustellung der  entsprechenden Dokumente durch seine Ehefrau von dem Strafverfahren  Kenntnis erhalten zu haben. Er habe erst nach dem negativen Entscheid  des  BFM  zu  Hause  angerufen  und  nach  einer  allfälligen  (schriftlichen)  Vorladung  gefragt.  Zudem  leuchte  es  ein,  dass  er  nicht  wisse,  wie  die  Gerichte in Sri Lanka organisiert seien. Er könne daher die Aussagen des  BFM nicht überprüfen. Hinsichtlich eines Wegweisungsvollzuges erstaune es ihn, dass das BFM  die  Situation  im  Westen  des  Landes  und  im  Grossraum  Colombo  als  friedlich  bezeichne,  obwohl  zuletzt  im  Hauptbahnhof  Colombo  ein  Selbstmordanschlag zu vielen Toten geführt habe. Zudem empfehle das  deutsche Auswärtige Amt, von einer Reise nach Sri Lanka abzusehen. 5.  Das  BFM  qualifizierte  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  als  unglaubhaft.  Es  rügt  zunächst,  es  sei  widersprüchlich,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  an  der  Erstbefragung  nicht mehr  an  das Datum  der  behördlichen  Suche  habe  erinnern  können.  Diese  Erwägung  ist  unzutreffend,  da  der  Beschwerdeführer  an  der  Erstanhörung  erwähnt  hatte, diese Suche habe  im März 2007 stattgefunden  (A1 S. 5). Ebenso  nicht  gefolgt  werden  kann  der  vorinstanzlichen  Erwägung,  es  sei  tatsachenwidrig, dass der Beschwerdeführer die behördliche Suche nach  ihm  im  März  2007  mit  dem  versuchten  Attentat  auf  den  sri­lankischen  Verteidigungsminister  begründet  und  dieses  auf  das  Jahr  2007  datiert  habe,  da  dieses  Attentat  bereits  mehrere  Monate  davor  stattgefunden  habe. Erstens hat der Beschwerdeführer das Datum des Attentats nicht  behauptet,  sondern  lediglich  gesagt,  er  wisse  es  nicht  genau  beziehungsweise es habe sich anfangs 2007 zugetragen ("non mi ricordo  era comunque gia nel 2007"  [A1 S. 5] und  "Am Anfang des Jahres war 

E­8574/2007 das Attentat", "Also im Januar 2007", "Das weiss ich nicht" [A10 S. 8]); es  ist alleine schon verfehlt, eine Vermutung als  tatsachenwidrige Aussage  zu  bezeichnen.  Zweitens  hat  sich  das  Attentat  im  Dezember  2006  zugetragen,  folglich  beträgt  die  Abweichung  vom  Monat  Januar  2007  nicht "mehrere Monate".  Indes  erweisen  sich  die  übrigen  vom  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung aufgezeigten Widersprüchlichkeiten  insgesamt als  zutreffend:  So  ist es  in der Tat widersprüchlich, dass der Beschwerdeführer an der  Erstbefragung  aussagte,  er  sei  bei  zweien  der  Besuche  von  Polizei/Armee jeweils in der Moschee gewesen, an der Anhörung  jedoch  angab,  er  sei  nur  einmal  dort  gewesen.  Die  diesbezügliche  Argumentation  des  Beschwerdeführers,  wonach  das  BFM  in  haarspalterischer  Weise  Moschee  und  Marktplatz  auseinanderhalte,  obwohl  sich  beides  auf  dem  Basar  –  also  in  der  Stadt  –  befinde,  überzeugt nicht, zumal er zuvor zu Protokoll gegeben hatte, die Moschee  befinde  sich  "nicht  weit  entfernt  von  unserem Haus"  (A10  S. 9);  seinen  Schilderungen zufolge befindet  sich sein Haus  im Dorf H._______  (A10  S. 4, 9), der Marktplatz aber in der Stadt Kandy ("Marktplatz von Kandy"  [A10  S.  4]).  Weiter  qualifizierte  das  BFM  es  zutreffend  als  widersprüchlich,  dass  der  Beschwerdeführer  an  der  Erstbefragung  zu  Protokoll gegeben hat, das zweite  (recte: dritte) Mal nur von der Polizei  gesucht worden zu sein (A1 S. 5), an der Anhörung dann aber stets von  der Armee gesprochen hat (A10 S. 10,11,14). Sodann erweist sich auch  die vorinstanzliche Erwägung hinsichtlich des definitiven Weggehens des  Beschwerdeführers  im  Endeffekt  als  richtig,  auch  wenn  die  einzelnen  Aspekte teilweise unzutreffend sind: So hat der Beschwerdeführer an der  Erstbefragung  nicht  –  wie  vom  BFM  behauptet  –  explizit  erwähnt,  erst  nach  dem  letzten  Besuch  der  Armee/Polizei  definitiv  von  Kandy  weggegangen  zu  sein,  sondern  lediglich  gesagt,  er  sei  aufgrund  der  polizeilichen  Suche  am  (…)  2007  nach  E._______  gegangen  ("Per  questo  motivo  mi  sono  trasferito  a  E._______.";  A1  S. 5).  Die  Widersprüchlichkeiten zeigen sich vielmehr anlässlich der Anhörung beim  Kanton. Dort  gab  der  Beschwerdeführer  zunächst  an,  nach  dem ersten  Besuch der Sicherheitskräfte zuerst für zwei Tage zu seinem Bruder und  danach  für  acht  Tage  zu  Kollegen  in  Kandy  gegangen  zu  sein  (A10  S. 10), dann indes ein paar Sätze weiter, er habe sich nach dem zweiten  Besuch von Polizei und Armee zu seinem Bruder begeben  (A10 S. 11).  Schliesslich  gab er  zu Protokoll,  er  habe  sich  nach dem dritten Besuch  der  Sicherheitskräfte  zu  Kollegen  nach  Kandy  begeben  und  sei  dort  sieben bis acht Tage geblieben (A10 S. 11); diese Ausführungen sind  in 

E­8574/2007 sich  nicht  stimmig.  Der  in  ihrer  Vernehmlassung  angeführten  Argumentation der Vorinstanz – wonach es dem Beschwerdeführer nicht  gelungen  sei,  hinsichtlich  der  Suche  nach  ihm  übereinstimmende  Angaben zu machen – kann somit  insgesamt gefolgt werden. So sprach  er auch an der Anhörung einmal von vier Polizeibesuchen, dann wieder  von  insgesamt drei  (A10 S. 4). Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte  Rüge, er habe diese Ereignisse nicht detailliert schildern können, weil er  nicht  selbst  dabei  gewesen  sei  und  diese  jeweils  von  seiner  Frau  berichtet  erhalten  habe,  erweist  sich  vor  dem  Hintergrund  der  aufgezeigten Widersprüche als unbehelflich. Was  bei  Durchsicht  der   Akten  sodann  auschlaggebend  auffällt,  ist  folgender  Punkt:  Der  Beschwerdeführer  sprach  anlässlich  der  Erstbefragung und der Anhörung lediglich vom Transport von "Batterien"  beziehungsweise  von  "Batterien  für  Taschenlampen"  (A10  S. 6)  und  davon, dass er wegen dieser Batterien verdächtigt worden sei, die LTTE  zu  unterstützen.  Dieses  Vorbringen  überzeugt  nicht,  da  es  nicht  einleuchtet,  weshalb  ausschliesslich  LTTE­Mitglieder  Batterien  verwenden  sollten.  Erst  auf  Beschwerdeebene  erwähnt  der  Beschwerdeführer erstmals, er habe "explosives Material" geschmuggelt.  Da  es  sich  hierbei  um  sein  wesentlichstes  Asylvorbringen  handelt,  ist  davon auszugehen, dass dieser Umstand zu Beginn des Asylverfahrens  hätte  vorgetragen  werden  müssen.  Somit  entsteht  –  weil  erst  auf  Beschwerdeebene  vorgetragen  –  der  Eindruck,  das  Einbringen  des  "Sprengstoffes"  sei  ein  Versuch,  den  Sachverhalt  nachträglich  asylrelevant  anzupassen.  Somit  ist  dieses  Vorbringen  als  offensichtlich  nachgeschoben zu qualifizieren.  Zur Würdigung der eingereichten Beweismittel ist Folgendes festzuhalten:  Gemäss  dem  sri­lankischen  Code  of  Criminal  Procedure  ist  es  zwar  möglich, dass der Dorfvorsteher Vorladungen aushändigt. Diesbezüglich  ist  aber  die  vorinstanzliche  Argumentation  zu  stützen,  wonach  der  Beschwerdeführer  im  Asylverfahren  von  der  "I._______  Police  Station"  gesprochen  hatte,  die  Vorladung  aber  die  Aufforderung,  sich  bei  der  "H._______  Police  Station"  zu  melden,  beinhaltet.  Aufgrund  dieser  Unstimmigkeit  und  der  unangezweifelt  leichten  Erhältlichkeit  solcher  Dokumente  in  Sri  Lanka  kann  dieser  Vorladung  kein  Beweiswert  zugemessen  werden.  Hinsichtlich  des  Schreibens  der  Moschee  ist  festzuhalten,  dass  dieses  ebenfalls  angesichts  der  dargelegten  leichten  Erhältlichkeit  und der  vom BFM aufgezeigten Auffälligkeit  – wonach der  Beschwerdeführer  durch  "unbekannte  tamilische  Gruppen"  gesucht 

E­8574/2007 werde, dies aber zuvor nie geltend machte – als Gefälligkeitsschreiben zu  qualifizieren  ist.  Aufgrund  seines  nur  allgemeinen  Inhalts  zur  Sicherheitslage in Sri Lanka kann dem Schreiben des EGMR sowie dem  eingereichten  Internetartikel über das Attentat nichts konkret Relevantes  für  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  entnommen  werden.  Die  eingereichte  polizeiliche  Vorladung  beinhaltet  einen  anberaumten  Gerichtstermin  beim  "District  Court"  und  führt  den  Verdacht  des  Tatbestandes "transportation of unauthorized explosives" auf. Neben der  Tatsache  –  wie  die  Vorinstanz  festhielt  –  dass  es  ungereimt  erscheint,  dass  der  Beschwerdeführer  diese  polizeiliche  Vorladung  bisher  mit  keinem Wort erwähnt hatte, obwohl er vorgab, sich zu diesem Zeitpunkt  in Sri  Lanka befunden zu haben,  fällt  Folgendes auf: Gemäss öffentlich  zugänglichen Berichten handelt es sich beim "District Court" in Sri Lanka  um  ein  erstinstanzliches  Bezirksgericht,  das  sich  mit  zivilrechtlichen  Fragen  befasst  (Schweizerische  Flüchtlingshilfe,  Sri  Lanka  unter  Notstandsrecht,  12.2007,  S. 4­5,  http://www.ecoi.net/file _upload/1002_1200065076_sri­lanka­notstandsrecht.pdf,  abgerufen  am  6. September 2011 und International Crisis Group, Sri Lanka's Judiciary;  Politicised  Courts,  Compromised  Rights,  30.06.2009,  S. 4,  http:// www.ecoi.net/file_upload/2107_1307514989_neu.pdf.,  abgerufen  am  6.  September  2011).  Mit  strafrechtlichen  Delikten  befassen  sich  die  erstinstanzlichen  "Magistrate  Courts",  mit  schweren  Strafrechtsdelikten  die  Obergerichte  ("High  Courts").  Aufgrund  der  Tatsache,  dass  der  "District Court" für diesen Tatbestand des "transportation of unauthorized  explosives" nicht zuständig ist, wird klar, dass die vom Beschwerdeführer  zu  den  Akten  gereichte  Vorladung  nicht  geeignet  ist,  die  behaupteten  Vorbringen  zu  belegen.  Das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hinsichtlich  dieses  Vorwurfes  und  des  gegen  ihn  hängigen  Strafverfahrens  muss  daher  abschliessend  als  nachgeschoben  und  unglaubhaft  qualifiziert  werden.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  die  diesbezüglichen  Rechtfertigungsversuche  des  Beschwerdeführers  in  seiner Stellungnahme – er habe von einem Strafverfahren nichts gewusst  und sinngemäss, er habe erst durch die Zustellung der Dokumente durch  seine  Ehefrau  davon  erfahren  und  wisse  nicht,  wie  die  Gerichte  in  Sri  Lanka organisiert seien – nichts zu ändern.  6.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  glaubhaft gemacht hat, er habe ernsthafte Nachteile  im Sinne von Art. 3  AsylG erlebt oder befürchten müssen oder müsse solche für die Zukunft  http://www.ecoi.net/file_upload/1002_1200065076_sri-lanka-notstandsrecht.pdf http://www.ecoi.net/file_upload/1002_1200065076_sri-lanka-notstandsrecht.pdf http://www.ecoi.net/file_upload/2107_1307514989_neu.pdf http://www.ecoi.net/file_upload/2107_1307514989_neu.pdf

E­8574/2007 in  begründeter  Weise  befürchten.  Die  Vorinstanz  hat  somit  zu  Recht  seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgewiesen.

E­8574/2007 7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  BVGE  2009/50  E.  9   S. 733;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21). 8.  8.1.  8.1.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 8.1.2. Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2.  8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 

E­8574/2007 einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerde­ führers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig.

E­8574/2007 8.3.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1. Das Bundesverwaltungsgericht  nahm  im publizierten Urteil  BVGE  2008/2  vom  14.  Februar  2008  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  abgewiesener  Asylsuchender  tamilischer  Ethnie  eine Lageanalyse vor. Gemäss der diesbezüglich festgelegten Praxis galt  der Vollzug der Wegweisung in die Nordprovinz und in die Ostprovinz als  unzumutbar  (a.a.O.  E.  6).  Eine  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative  im  Süden  des  Landes  konnte  für  Sri­Lanker  tamilischer  Ethnie  indes  als  zumutbar  erachtet  werden,  wenn  besonders  begünstigende  Faktoren –  wie  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  und  eine  konkrete  Unterkunftsmöglichkeit – vorlagen, wobei mitzuberücksichtigen war, dass  je kürzer die vorangegangene Aufenthaltsdauer in Colombo und je länger  der  Auslandaufenthalt  was,  desto  höhere  Anforderungen  an  das  Vorliegen der obgenannten Kriterien galten (a.a.O. E. 7.6.1 und E.7.6.2).  8.3.2.  Mit  Grundsatzurteil  E­6220/2006  vom  27.  Oktober  2011  aktualisierte  das Bundesverwaltungsgericht  die  letztmals mit  erwähntem  BVGE  2008/2  definierte  Lageanalyse  Sri  Lankas  und  passte  die  Wegweisungspraxis  an.  Hinsichtlich  des Wegweisungsvollzugs  hält  das  Gericht  fest,  dass  dieser  in  das  gesamte  Gebiet  der  Ostprovinz  grundsätzlich  zumutbar  ist  (a.a.  O.  E.  13.1).   Auch  der  Wegweisungsvollzug  in  die  Nordprovinz  –  mit  Ausnahme  des  Vanni­ Gebiets  –  ist  grundsätzlich  zumutbar,  wobei  sich  eine  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  sowie  eine  Berücksichtigung  des  zeitlichen Elementes  aufdrängt  (a.a.O.  E.  13.2.1).  Weiterhin  als  unzumutbar  muss  der  Wegweisungsvollzug,  übereinstimmend mit dem BFM, für das Vanni­Gebiet gelten, welches zu  Beginn  des  Jahres  2008  noch  von  den  LTTE  kontrolliert  wurde  und  in  welchem sich  in der Folge bis zum endgültigen Sieg über die LTTE die  Kriegshandlungen abgespielt haben (a.a.O. E. 13.2.2). Für Personen, die  aus  dem  übrigen  Staatsgebiet  Sri  Lankas  (d.h.  die  Provinzen  North  Central,  North  Western,  Central,  Western  [namentlich  der  Grossraum  Colombo], Southern, Sabarugamuwa und die Uva­Provinz) stammen und  dorthin  zurückkehren,  ist  der  Wegweisungsvollzug  grundsätzlich  zumutbar (a.a.O. E.13.3). http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/2 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/2 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/2

E­8574/2007 8.3.3.  Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  Kandy  (Zentralprovinz)  und  lebte und arbeitete gemäss seinen Aussagen dort bis zum Februar 2007.  Eine  Rückkehr  dorthin  ist  sowohl  nach  bisheriger  Rechtsprechung  (vgl.  E.8.3.1) als auch nach neuer Rechtsprechung unverändert als zumutbar  zu  betrachten  (vgl.  E.  8.3.2).  Die  Vorinstanz  hat  in  ihren  Zumutbarkeitserwägungen  zutreffend  darauf  hingewiesen,  dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handle,  der  über  mehrere  Jahre  Schuldbildung  und  Berufserfahrung  im  Handel  verfügt und zudem  tamilisch und singhalesisch spricht. Zudem befinden  sich seine Ehefrau und Kinder und weitere Verwandte  in Sri Lanka (A 1  S. 2, A10 S. 2). Daher ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  und  die  notwendigen  Voraussetzungen  verfügt,  die  ihm  eine  soziale  und  berufliche  Wiedereingliederung in seinem Heimatstaat und die damit einhergehende  Existenzsicherung ermöglichen.  8.3.4.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  demnach auch als zumutbar. 8.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens wären  dem Beschwerdeführer  die  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG).  Da  dem  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  vom  27. Dezember  2007  die 

E­8574/2007 unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde  und  aufgrund  der  vorliegenden  Aktenlage  von  einer  aktuellen  Bedürftigkeit  auszugehen  ist,  sind  ihm  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen.

E­8574/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand:

E-8574/2007 — Bundesverwaltungsgericht 12.12.2011 E-8574/2007 — Swissrulings