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Bundesverwaltungsgericht 02.11.2011 E-8213/2010

2 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,384 mots·~12 min·5

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland, Familienzusammenführung und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 27. Oktober 2010

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­8213/2010 Urteil   v om   2 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Markus König,    Gerichtsschreiberin Anna Poschung. Parteien A._______,   B._______,   C._______,   D._______,   E._______,  Eritrea, alle vertreten durch (…), Freiplatzaktion Zürich, Rechtshilfe  Asyl und Migration,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland, Familienzusammenführung  und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 27.  Oktober 2010 / N (…).

E­8213/2010 Sachverhalt: A.  Der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin 1  (F._______  N  (…))  stellte  am  8. Juli 2007 ein erstes Asylgesuch in der Schweiz, welches vom BFM mit  Verfügung  vom  15. April  2008  abgewiesen  wurde.  Gleichzeitig  ordnete  das  BFM  dessen  Wegweisung  an.  Der  Wegweisungsvollzug  wurde  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  aufgeschoben. Auf die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde trat  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  19. Juni  2008  wegen  Nichtbezahlens des Kostenvorschusses nicht ein. B.   Ein  von  F._______  am  15. Oktober  2008  gestelltes  Begehren  um  wiedererwägungsweise  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  Gewährung  des  Asyls,  eventualiter  der  vorläufigen  Aufnahme  als  Flüchtling, wurde vom BFM als zweites Asylgesuch entgegengenommen.  Mit Verfügung  vom 28. Oktober  2008  lehnte  das Bundesamt  dieses ab,  stellte  hingegen  fest,  er  erfülle  infolge  subjektiver  Nachfluchtgründe  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  gewährte  ihm  wegen  Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme. Eine  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde  ist  aktuell  beim  Bundesverwaltungsgericht hängig (Verfahren (…)). C.  Am 6. April 2009 reichte die Rechtsvertreterin beim BFM ein Gesuch um  Einbezug  der  Beschwerdeführenden  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihres  Ehemannes beziehungsweise Vaters gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG  i.V.m.  Art. 39  Abs. 1  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  sowie  Asylgesuche  ein.  Zur  Begründung  wurde  ausgeführt,  die  Beschwerdeführerin 1  sei  seit  der  Ausreise  ihres  Ehemannes  aus  Eritrea  von  den  heimatlichen  Behörden  unter Druck gesetzt worden. Ständig sei sie zu Hause und an öffentlichen  Orten  von  der  Polizei  verfolgt,  beschimpft  und  erniedrigt  worden.  Die  Polizei  habe  ihr  mit  Folter  sowie  dem  Tod  gedroht,  sie  mehrmals  vorgeladen und einvernommen, um den Aufenthaltsort des Ehemannes in  Erfahrung  zu  bringen.  Im  Januar  2007  sei  sie  eine Woche  lang  in Haft  gewesen.  Unter  diesem  Druck  hätten  insbesondere  auch  die  Kinder  gelitten,  so  dass  sie  die  Flucht  ergriffen  hätten  und  illegal  nach  Sudan  gelangt seien. Aufgrund ihrer illegalen Ausreise müssten sie nun bei einer 

E­8213/2010 Rückkehr nach Eritrea mit einer behördlichen Bestrafung rechnen. Hinzu  komme  die  Gefahr  einer  Reflexverfolgung  wegen  des  Ehemannes,  welcher  in  der  Schweiz  als  anerkannter  Flüchtling  lebe.  Zum  aktuellen  Aufenthaltsland  hätten  sie  keinerlei  Beziehungen  und  ein  längerer  Verbleib  dort  sei  ihnen  nicht  zumutbar.  Hingegen  sei  eine  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  gegeben.  Unter  Berücksichtigung  des  Familienlebens  und  des  Kindeswohls  könne  den  Beschwerdeführenden  ein  Leben  in  einem Drittstaat,  getrennt  vom Ehemann beziehungsweise  Vater,  nicht  zugemutet  werden.  Hinzu  komme  die  Gefahr  einer  Rückschiebung  durch  die  sudanesischen  Behörden  nach  Eritrea.  Im  Weiteren  seien  die  Voraussetzungen  zum  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Ehemannes  erfüllt.  Die  Aussprechung  einer  Wartefrist von drei Jahren sei nicht gerechtfertigt. D.  Das  BFM  ersuchte  die  Beschwerdeführenden  am  6. Mai  2009  um  ergänzende  Angaben  und  Beweismittel  bezüglich  der  Beschwerdeführerin 1. Am  21. Juli  2009  reichte  die  Rechtsvertreterin  eine  Kopie  der  Identitätskarte der Beschwerdeführerin 1 zu den Akten. E.  Das BMF ersuchte die Beschwerdeführenden am 2. September 2009 um  Mitteilung  des  Geschlechts  und  der  Geburtsdaten  der  Beschwerdeführenden 2 bis 5,  welche  Angaben  dem  BFM  von  der  Rechtsvertreterin am 17. September 2009 mitgeteilt wurden.  F.  Das  BFM  ersuchte  die  Botschaft  in  Khartum  am  29. Januar  2010  um  Anhörung der Beschwerdeführerin 1 zu ihren Asylgründen. G.  Am 15. Mai 2010 retournierte die Vertretung das ihnen für eine Befragung  zugestellte Dossier. H.  Das  BFM  teilte  den  Beschwerdeführenden  am  27. Mai  2010  mit,  die  Vertretung in Khartum sei aufgrund eines begrenzten Personalbestandes  sowie  fehlender  Voraussetzungen  im  sicherheitstechnischen  und  räumlichen Bereich  nicht  in  der  Lage,  Befragungen  von Asylsuchenden 

E­8213/2010 durchzuführen.  Die  eingereichten  schriftlichen  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  liessen  jedoch  noch  einige  entscheidrelevante  Fragen offen, welche im Rahmen der Sachverhaltsabklärung schriftlich zu  beantworten  seien.  Unter  Fristgewährung  forderte  das  BFM  die  Beschwerdeführenden  zu  ergänzenden  Angaben  auf,  insbesondere  zu  ihrem  vormaligen  Aufenthalt  in  Eritrea,  zu  Familienangehörigen  und  Verwandten in Drittstaaten, zu den Ereignissen, welche zur Ausreise aus  Eritrea geführt hätten, zur Ausreise aus Eritrea sowie zu ihrem Aufenthalt  in Sudan. I.  Die Rechtsvertreterin nahm am 27. Juli 2010 zu den Fragen Stellung. J.  Das  BFM  verweigerte  den  Beschwerdeführenden  mit  Verfügung  vom  27. Oktober 2010 die Einreise  in die Schweiz und wies die Asylgesuche  aus dem Ausland ab. K.  Die  Beschwerdeführenden  erhoben  am  25. November  2010  durch  ihre  Rechtsvertreterin Beschwerde  gegen  diese Verfügung  und  beantragten,  es  sei  ihnen gestützt  auf Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG die Einreise  in die  Schweiz zu gestatten, ihre Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und es  sei  ihnen  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  seien  sie  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufzunehmen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  der  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  der  Erlass  der  Verfahrenskosten  sowie  die  Ausrichtung  einer  angemessenen  Parteientschädigung  beantragt.  Überdies  ersuchten  sie  um  prioritäre  Behandlung  der  Beschwerde.  Auf  die  Begründung  wird  – soweit  entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. L.  Mit  Zwischenverfügung  vom  6. Dezember  2010  forderte  die  Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts die Rechtsvertreterin  zur Einreichung einer schriftlichen Vollmacht auf. M.  Am  10. Januar  2011  reichten  die  Rechtsvertreterin  eine  von  der  Beschwerdeführerin 1  unterzeichnete  Vollmacht  sowie  eine  Kopie  ihres  Flüchtlingsausweises zu den Akten.

E­8213/2010 N.  Das  BFM  hielt  mit  Vernehmlassung  vom  26. Januar  2011  an  der  angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde. O.  Mit Eingabe vom 5. Juli 2011 ersuchten die Beschwerdeführenden unter  anderem um prioritäre Behandlung ihrer Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021).  Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und  ist daher eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 

E­8213/2010 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Vernehmlassung  des  BFM  vom  26. Januar  2011  wurde  den  Beschwerdeführenden  bisher  noch  nicht  zur  Kenntnis  gebracht,  wird  jedoch diesem Urteil beigelegt. 4.  4.1. Nicht bestritten und gestützt auf die Aktenlage ist davon auszugehen,  dass  mit  der  Eingabe  vom  6. April  2009  auch  um  Beurteilung  der  Verfolgungslage  der  sich  in  Sudan  aufhaltendenden  Beschwerdeführenden  2 bis 5  (A._______  sowie  deren  Kinder  B._______,  C._______,  D._______  und  E._______)  in  Eritrea  ersucht  wurde.  4.2.  Dazu  ist  vorab  festzustellen,  dass  die  Ehe  zwischen  der  Beschwerdeführerin 1  mit  dem  in  der  Schweiz  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommenen  F._______  vom  BFM  nicht  bestritten  wurde.  Das  Bundesverwaltungsgericht  sieht  sich  aufgrund  der  Aktenlage  nicht  veranlasst,  zu  einer  anderen  Erkenntnis  zu  gelangen  und  erachtet  die  Ehe  unter  anderem  aufgrund  der  beim  BFM  eingereichten  Dokumente  (Kopie  der  Identitätskarte  der  Beschwerdeführerin 1  sowie  der  Taufscheine  der  Beschwerdeführenden 2 bis 5)  als  erstellt.  Aus  den  Akten ergibt sich ferner, dass F._______ sowohl anlässlich seiner beiden  Asylverfahren  als  auch  im  Rahmen  des  vorliegenden  Verfahrens  übereinstimmende  Aussagen  zu  Anzahl,  Namen  und  Alter  der  Beschwerdeführenden machte.  Die  von  ihm  vorgebrachten  Erklärungen  zu  den  vom  BFM  im  Verlauf  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  festgestellten Abweichungen in seinen Aussagen im Vergleich zum Alter  der Beschwerdeführenden gemäss deren Taufurkunden erscheinen dem  Bundesverwaltungsgericht  plausibel.  Es  ist  somit  nach  Auffassung  des  Gerichts  als  erstellt  zu  erachten,  dass  es  sich  bei  der  Beschwerdeführerin 1  um  die  Ehefrau  und  den  Beschwerdeführenden   2 bis 5 um ihre gemeinsamen Kinder handelt. Somit ist F._______ befugt,  für seine Kinder als gesetzlicher Vertreter zu handeln, mithin  für sie um  Asyl nachzusuchen. Soweit die Beschwerdeführerin 1 betreffend geht das  Bundesverwaltungsgericht  gestützt  auf  die  Ehe  mit  F._______,  der  Nachreichung  einer  Ausweiskopie  sowie  der  Bevollmächtigung  der 

E­8213/2010 Rechtsvertreterin ebenfalls von der Einreichung eines Asylgesuchs sowie  eines Gesuchs um Bewilligung der Einreise aus. 4.3.  Der  Umstand,  dass  die  Gesuche  nicht  bei  einer  schweizerischen  Vertretung  im Ausland, sondern direkt beim BFM eingereicht wurden,  ist  unbeachtlich (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 226).  5.  5.1. Hinsichtlich des Verfahrens bei einer schweizerischen Vertretung im  Ausland  sieht  Art. 10  AsylV  1  vor,  dass  diese  mit  der  asylsuchenden  Person  in der Regel eine Befragung durchführt  (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10  Abs. 2  AsylV 1).  Gemäss  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  kann  sich  die  Unmöglichkeit  einer  Befragung  aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen  Gründen  bei  der  jeweiligen  Vertretung,  aus  faktischen  Hindernissen  im  betreffenden  Land  oder  aus  bei  der  asylsuchenden  Person  liegenden  persönlichen  Gründen  ergeben  (vgl.  BVGE  2007/30  E. 5.2  und  5.3).  Da  die  Anhörung  der  Sachverhaltserstellung  sowie  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  dient  (vgl.  BVGE,  a.a.O.  E. 5.5),  ist  die  asylsuchende  Person  bei  gegebener  Unmöglichkeit  einer  Anhörung  unter  Hinweis  auf  ihre  Mitwirkungspflicht  in einem  individualisierten Schreiben mittels konkreter  Fragen  aufzufordern,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten;  ein  standardisiertes Schreiben  vermag  diesen Anforderungen  in  aller Regel  nicht  zu  genügen  (vgl.  BVGE,  a.a.O.  E. 5.4).  Allerdings  kann  sich  eine  Befragung  beziehungsweise  eine  schriftliche  Sachverhaltsabklärung  erübrigen,  wenn  der  Sachverhalt  bereits  aufgrund  des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der  asylsuchenden  Person  ist  aber  diesfalls  immerhin  im  Sinn  des  rechtlichen  Gehörs  die  Gelegenheit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid  zumindest  schriftlich  zu äussern  (vgl. BVGE, a.a.O. E. 5.7). Schliesslich  ist  das  Bundesamt  in  jedem  Fall  gehalten,  das  Absehen  von  einer  Befragung  in  der  Verfügung  über  das  Asylgesuch  zu  begründen  (vgl.  BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7). 5.2. Die  Beschwerdeführenden  machen  in  ihrer  Eingabe  geltend,  dass  nicht alle die Flüchtlingseigenschaft begründenden Punkte zu Tage treten 

E­8213/2010 würden,  wenn  anstatt  einer  mündlichen  Anhörung  der  Sachverhalt  auf  schriftlichem  Weg  erhoben  werde.  Neben  dem  Aspekt,  dass  auf  die  Asylsuchenden nicht im erforderlichen Mass eingegangen werden könne,  würden  auch  die Hintergründe weniger  berücksichtigt.  Sie  rügen  daher,  dass das BFM  in  seiner Beurteilung die Umstände einer Gefährdung  in  Eritrea und in Sudan sowie die Unzumutbarkeit des Aufenthalts in Sudan  nicht vollständig habe erfassen können (vgl. Beschwerde S. 3 f.). 5.3.  Im  vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführenden  von  der  Schweizer Botschaft  zu  ihren Asylgesuchen nicht befragt. Zwar  forderte  das  BFM  die  Botschaft  am  29. Januar  2010  auf,  die  Befragung  durchzuführen, doch  retournierte diese die  ihr überwiesenen Akten  (und  zahlreiche  weitere  Dossiers)  dem  BFM.  Am  27. Mai  2010  teilte  dieses  den  Beschwerdeführenden  mit,  dass  die  Botschaft  gemäss  einem  Schreiben  vom  23. März  2010  aus  sicherheitstechnischen,  strukturellen  (baulichen)  und  kapazitätsmässigen  Gründen  nicht  in  der  Lage  sei,  Befragungen von Asylsuchenden durchzuführen. Gleichzeitig forderte das  BFM die Beschwerdeführenden zur schriftlichen Beantwortung mehrerer  Fragen  auf,  zumal  die  schriftlichen  Asylgesuche  einige  entscheidrelevante Punkte offenliessen. 5.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  teilt  die  von  der  Vorinstanz  in  der  Verfügung  vom  27. Mai  2010  geäusserte  Einschätzung,  wonach  der  Verzicht  auf  eine  persönliche  Anhörung  der  Beschwerdeführerin 1  sachlich  begründet  und  überzeugend  erscheint.  Sodann  gab  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  Kenntnis  vom  Schreiben  der  Botschaft  vom  23. März  2010.  Mit  dem  Hinweis  in  der  Verfügung  vom  27. Mai  2010  wurde  zudem  die  Unmöglichkeit  der  Durchführung  einer  Befragung  entsprechend begründet. 5.5.  Festzustellen  ist,  dass  die  Rechtsvertreterin  im  Zeitpunkt  der  schriftlichen  Fragestellung  durch  die  Vorinstanz  im  Mai  2010  von  den  Beschwerdeführenden  (noch)  nicht  bevollmächtigt  war.  Angesichts  des  zwischen  der  Beschwerdeführerin 1  und  ihrem  Ehemann  bestehenden  Innenverhältnisses  konnte  das  Bundesamt  indessen  davon  ausgehen,  dass diese mit Letzterem in Kontakt steht und dessen Rechtsvertreterin,  welche  die  Asylgesuche  für  die  Beschwerdeführenden  eingereicht  hat,  zur Beantwortung der Fragen des BFM, allenfalls nach Rücksprache des  Ehemannes mit der Beschwerdeführerin 1,  in der Lage gewesen  ist. Die  im  Schreiben  des  BFM  vom  27. Mai  2010  enthaltenen  Fragestellungen  decken  ferner  sämtliche  für  die  Beurteilung  der  Asylgesuche  aus  dem 

E­8213/2010 Ausland  notwendigen Aspekte  ab,  namentlich  den Aufenthalt  in  Eritrea,  Familienangehörige/Verwandte  in  Drittstaaten,  Ereignisse,  die  zur  Ausreise  aus  Eritrea  führten  und  den  Aufenthalt  in  Sudan.  Sie  wurden  von  der  Rechtsvertreterin  rechtsgenüglich  beantwortet.  Schliesslich  verzichtete  das  BFM  unter  diesen  Umständen  zu  Recht  darauf,  den  Beschwerdeführenden  die  Möglichkeit  zur  Stellungnahme  zum  bevorstehenden ablehnenden Entscheid zu gewähren (vgl. E. 5.1.). Nach  dem  Gesagten  ist  davon  auszugehen,  dass  der  entscheidwesentliche  Sachverhalt  in  rechtsgenüglicher  Weise  abgeklärt  worden  und  eine  Verletzung  des  Anspruchs  der  Beschwerdeführenden  auf  rechtliches  Gehör zu verneinen ist. 6.  Der  Prüfung  eines  Anspruchs  auf  Nachzug  von  Familienangehörigen  eines  vorläufig  aufgenommenen  Flüchtlings  gestützt  auf  Art. 85  Abs. 7  des Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  geht  die  Prüfung  der  originären  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art. 3  AsylG  vor  (Art. 74  Abs. 5  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201] i.V.m. Art. 37 der Asylverordnung 1  vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Die  Frage,  ob  allenfalls  die  Voraussetzungen  eines  derivativen  Einbezugs  von  Familienangehörigen  und  eingetragenen  Partnern  in  die  vorläufige  Aufnahme  von  vorläufig  aufgenommenen  Flüchtlingen  vorliegen,  kann  mithin  erst  dann  einer  Prüfung  unterzogen  werden,  wenn  zuvor  festgestellt  wurde,  dass  die  einzubeziehende  Person  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  selbstständig  nach  Art. 3  AsylG  erfüllt  (vgl.  BVGE 2007/19). Demnach  ist  im Folgenden zunächst  zu prüfen, ob die  Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  selbstständig  erfüllen,  beziehungsweise ob ihnen gemäss den Kriterien von Art. 20 Abs. 2 und 3  AsylG die Einreise in die Schweiz zu bewilligen ist.  7.  7.1. Nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG  ist die Einreise  in die Schweiz zu  bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr  für  Leib,  Leben oder Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht wird, das  heisst  im  Hinblick  auf  die  Anerkennung  als  Flüchtling  und  die  Asylgewährung,  oder  aber  wenn  für  die  Dauer  der  näheren  Abklärung  des  Sachverhalts  ein  weiterer  Aufenthalt  im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  oder  die  Ausreise  in  einen  Drittstaat  nicht  zumutbar 

E­8213/2010 erscheint (BVGE 2007/19 E. 3.2 S. 224). Nach Art. 52 Abs. 2 AsylG kann  einer Person, die sich  im Ausland befindet, das Asyl verweigert werden,  wenn  es  ihr  zugemutet  werden  kann,  sich  in  einem  anderen  Staat  um  Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwendung von Art. 52 Abs. 2 AsylG ist  in einer Gesamtschau zu prüfen, ob es aufgrund der ganzen Umstände  geboten  erscheint,  dass  es  gerade  die  Schweiz  ist,  die  den  angesichts  der  bestehenden  Gefährdung  erforderlichen  Schutz  gewähren  soll  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  21  E.  4a  S.  139).  In  diese  Gesamtschau  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (EMARK  1997  Nr.  15  insb.  E.  2f  S.  131  ff.).  Damit  Art. 52  Abs. 2  AsylG  zur  Anwendung  kommen  kann,  muss  als  Grundvoraussetzung  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  vorliegen.  Nur  dann  ist  es  gerechtfertigt,  dass  überhaupt  die  Ausschlussklausel von Art. 52 Abs. 2 AsylG angewendet wird.  7.2. Das BFM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus,  das  Gesuch  vom  7. April  2009  (recte:  6. April  2009)  sei  als  eigenständiges Asylersuchen aus dem Ausland beurteilen. Die Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  erfordere  die  Anwesenheit  der  Beschwerdeführenden  in  der  Schweiz  nicht.  Ihre  Schilderungen  liessen  zwar  darauf  schliessen,  dass  sie  ernstzunehmende  Schwierigkeiten mit  den  eritreischen  Behörden  gehabt  hätten.  Es  sei  ihnen  indessen  zuzumuten,  in  Sudan,  ihrem  aktuellen  Aufenthaltsland,  zu  verbleiben.  Den subsidiären Schutz der Schweiz benötigten sie nicht. Um die nötige  Versorgung zu erhalten, könnten sie sich allenfalls in ein Flüchtlingslager  begeben.  In  diesem  Sinne  habe  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  entschieden,  dass  für  somalische  Flüchtlinge  der  Aufenthalt  in  äthiopischen  Flüchtlingslagern  grundsätzlich  zumutbar  sei.  Diese  Schlussfolgerung müsste  auch  für  die  Flüchtlinge  in  Sudan  gelten,  weil  diese  den  gleichen Aufenthaltspflichten  unterstehen würden wie  die  die  Flüchtlinge in Äthiopien. Die geäusserte Befürchtung einer Rückschaffung  durch  die  sudanesischen  Behörden  nach  Eritrea  werde  als  klar  unbegründet erachtet. Zu  keinem  anderen  Ergebnis  führe  die  Beurteilung  des  Gesuchs  im  Rahmen des Familiennachzugs. Bei vorläufig aufgenommenen Personen 

E­8213/2010 richte  sich  der  Familiennachzug  nach  Art. 85  Abs. 7  AuG.  Danach  könnten  Ehegatten  und  minderjährige  Kinder  solcher  Personen  frühestens  drei  Jahre  nach  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  nachgezogen  und  in  diese  eingeschlossen  werden.  Beim  Ehemann  beziehungsweise  Vater  der  Beschwerdeführenden  sei  diese  minimale  Wartefrist  von  drei  Jahren  indessen  noch  nicht  vollumfänglich  erfüllt.  Infolgedessen  könne  die  Frage,  ob  die  weiteren  Voraussetzungen  von  Art. 85 Abs. 7 AuG erfüllt seien, offen gelassen werden. 7.3. Die Beschwerdeführenden rügten in ihrer Rechtsmitteleingabe, dass  das  BFM  ihre  Gefährdung  und  die  Unzumutbarkeit  ihres  Aufenthalts  in  Sudan  mangels  Durchführung  einer  mündlichen  Anhörung  nicht  vollständig habe erfassen können. Entgegen den Ausführungen des BFM  könne  ihnen der weitere Aufenthalt dort Sudan nicht zugemutet werden.  Überdies sei  ihre Gefährdung dort nicht ausreichend gewürdigt und  ihre  besondere Beziehungsnähe zur Schweiz ausser Acht  gelassen worden.  Die Gefährdung, welcher die Beschwerdeführenden in Eritrea ausgesetzt  gewesen sei, sei aus ihren Eingaben vom 6. April 2009 und 27. Mai 2010  einlässlich dargelegt. Sowohl die Vorkommnisse  in Eritrea als auch  ihre  illegale Ausreise begründeten ihre Schutzbedürftigkeit. Weiter hätten die Beschwerdeführenden dargelegt, inwiefern sie in Sudan  nicht  ausreichend  geschützt  seien  und  auch  dort  unter  Verfolgungsmassnahmen zu  leiden hätten. Der Status als asylsuchende  Personen biete ihnen keine Sicherheit vor einer Rückschiebung durch die  sudanesische Regierung. Die Ausführungen des BFM, wonach aufgrund  der  Sachverhaltsabklärungen  keine  unmittelbare  Gefährdung  ersichtlich  sei, würden nicht den Tatsachen entsprechen und vermöchten aufgrund  der minimalen Begründung ihre Ausführungen nicht zu wiederlegen. Ihre  Schutzbedürftigkeit  sei  demnach  nicht  ausreichend  geprüft  worden.  Weiter verweisen die Beschwerdeführenden auf die schwierige Situation  eritreischer Flüchtlinge in Sudan und machen geltend, das BFM beziehe  sich  zu  Unrecht  auf  ein  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts,  in  welchem sich Letzteres zum Aufenthalt von somalischen Flüchtlingen  in  äthiopischen Flüchtlingslagern äussere. Überdies verweisen die Beschwerdeführenden darauf, dass sie und  ihre  Ehemann  beziehungsweise  Vater  sehr  unter  ihrer  Trennung  leiden  würden.  F._______  habe Mühe,  sich  bei  seiner Arbeit  zu  konzentrieren  und  könne  nachts  nicht  schlafen,  da  er  in  ständiger  Sorge  um  seine  Familie  lebe.  Die  Beschwerdeführenden  befänden  sich  aufgrund  der 

E­8213/2010 mehrjährigen  Trennung  ebenfalls  in  einer  labilen  Situation.  Ihre  Beziehungsnähe zur Schweiz sei naheliegend, und es könne nicht davon  ausgegangen  werden,  dass  sie  zu  irgendeinem  anderen  Staat  über  nähere  Beziehung  oder  die  tatsächliche  Möglichkeit  verfügten,  dort  um  Schutz zu ersuchen. 8.  8.1. Das BFM hat es gemäss seiner Verfügung vom 28. Oktober 2008 als  erstellt  erachtet,  dass  F._______  sein  Heimatland  illegal  und  im  militärdienstpflichtigen Alter  verlassen habe. Weiter hat es argumentiert,  dass  die  eritreischen  Behörden  solchen  Personen  grundsätzlich  eine  regierungsfeindliche Haltung  unterstellten  und  diese  bei  einer Rückkehr  sehr streng bestraften, wobei sich die Strafmassnahmen durch ein hohes  Mass an Brutalität auszeichneten. Damit habe er begründete Furcht, bei  einer Rückkehr  nach Eritrea  ernsthaften Nachteilen  im Sinne  von Art. 3  AsylG ausgesetzt zu werden, womit er die Flüchtlingseigenschaft erfülle. 8.2. Gemäss verschiedenen Lageberichten zu Eritrea werden Angehörige  von  im  Ausland  lebenden  Dissidenten,  Wehrdienstpflichtigen  und  Deserteuren  oder  Personen,  welche  die  von  Eritreern  im  Ausland  erhobene  zweiprozentige  Einkommenssteuer  nicht  bezahlt  haben,  von  den  Sicherheitsorganen  befragt  und  häufig  inhaftiert,  damit  sie  den  Aufenthaltsort der gesuchten Person preisgeben (vgl. US Department of  State,  2010  Human  Rights  Report,  Eritrea,  8.  April  2011,  Section  1f;  UNHCR,  Eligibility  Guidelines  for  Assessing  the  International  Protection  Needs of Asylum­seekers from Eritrea, 20. April 2011, S. 17 f.; Alexandra  Geiser,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  [SFH],  Eritrea  Update  vom  Februar 2010, 8. Februar 2010, S. 14). Vor diesem Hintergrund erscheint  es  durchaus  plausibel,  dass  die  eritreischen  Behörden  ein  Interesse  daran  haben,  den  Verbleib  von  F._______  in  Erfahrung  zu  bringen,  weshalb  die  dargelegte  Reflexverfolgung  der  Beschwerdeführenden  als  nachvollziehbar  bezeichnet  werden  kann.  Auch  das  BFM  geht  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  27. Oktober  2010  davon  aus,  dass  die  Beschwerdeführenden  "ernstzunehmende  Schwierigkeiten  mit  den  eritreischen Behörden" gehabt hätten.  8.3.  Ohne  abschliessende  Beurteilung  der  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  gelangt  das  Gericht  demnach  – in  Übereinstimmung  mit  dem  BFM –  zum  Schluss,  dass  konkrete  Anhaltspunkte dafür vorliegen, wonach sie  landesweit einer asylrechtlich 

E­8213/2010 relevanten  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  ausgesetzt  sind  und  ihnen  der  Verbleib  in  Eritrea  objektiv  nicht  zugemutet  werden  kann  beziehungsweise konnte. 9.  9.1.  Im Weiteren  ist zu prüfen, ob den Beschwerdeführenden zugemutet  werden kann,  sich – prioritär  vor der Schweiz – bei den sudanesischen  Behörden  um Aufnahme  respektive  um die  Legalisierung  ihres  dortigen  Aufenthalts zu bemühen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). Wie das BFM in der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  ausführt,  sind  in  diesem  Rahmen  praxisgemäss  die  Kriterien  zu  prüfen,  welche  die  Zufluchtnahme  in  diesem  Drittstaat  als  zumutbar  erscheinen  lassen,  und  diese  sind  mit  einer  allfälligen  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  abzuwägen  (vgl.  angefochtene  Verfügung  E. 2  in  fine,  S. 3  sowie  EMARK  2004  Nr.  21  E. 4). 9.2. Das BFM erachtet in der angefochtenen Verfügung vom 27. Oktober  2010  das  Vorliegen  des  Asylausschlussgrundes  gemäss  Art. 52  Abs. 2  AsylG  als  gegeben.  Dazu  führt  es  aus,  die  Beschwerdeführenden  benötigten  den  zusätzlichen  subsidiären  Schutz  der  Schweiz  nicht,  und  es  sei  ihnen  zumutbar,  vorderhand  in  Sudan  zu  bleiben.  Um  die  notwendige  Versorgung  zu  erhalten,  könnten  sie  sich  in  ein  Flüchtlingslager  begeben.  Die  geltend  gemachte  Angst  vor  einer  Rückführung  durch  die  sudanesischen  Behörden  nach  Eritrea  wird  als  klar unbegründet erachtet.  9.3. Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführenden in Sudan  nicht  über  ein  tragfähiges  soziales  Netz  verfügen,  und  dass  sie  mit  diesem  Staat  auch  keine  besondere  kulturelle  oder  sprachliche  Nähe  verbindet.  Zwar  würden  sie  sich  in  Sudan  offenbar  nicht  in  einem  Flüchtlingslager,  sondern  bei  einem  Freund  von  F._______  in  Khartum  aufhalten  (vgl.  vorinstanzliche  Akten  C 30  S. 3),  lebten  dort  aber  – gemäss  eigenen  Angaben –  von  den  Unterstützungsleistungen  von  F._______ aus der Schweiz. Zudem dürfte  es  sich dabei  nicht  um eine  dauerhafte Lösung handeln (vgl. Beschwerde S. 6). Eine besonders enge  Beziehung  besteht  hingegen  zur  Schweiz,  wo  sich  ihr  Ehemann  beziehungsweise  Vater,  welcher  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen  worden  ist,  seit  mehreren  Jahren  aufhält.  Diese  enge  Beziehung  zur  Schweiz  ist  von  der  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Unrecht  nicht  berücksichtigt  worden.  Es  erscheint  bei  dieser 

E­8213/2010 Ausgangslage  nicht  geboten,  die  Beschwerdeführenden,  eine  alleinstehende Frau mit vier Kindern, gestützt auf Art. 52 Abs. 2 AsylG auf  einen sich fernab der nächsten Bezugsperson entfaltenden Schutz durch  die sudanesischen Behörden zu verweisen. Zu berücksichtigen ist ferner,  dass der Sudan zwar die Flüchtlingskonvention unterzeichnet hat, aber in  der  Praxis  keinen  zuverlässigen  Schutz  vor  Rückschiebung  in  Verfolgerstaaten  gewährt  und  Flüchtlinge  in  vielfacher  Hinsicht  diskriminiert  (vgl.  UNHCR,  Brief  Background  Note  on  the  Situation  of  Eritrean  Asylum­Seekers  and  Refugees  in  Sudan;  U.S.  Department  of  State,  2010  Country  Reports  on  Human  Rights  Practices  ­  Sudan,  Section  2  d,  11.  April  2011).  Angesichts  der  geschilderten  engen  Beziehung  der  Beschwerdeführenden  zur  Schweiz  – welche  das  BFM  mangels  Mitberücksichtigung  bei  der  vorzunehmenden  Abwägung  fälschlicherweise  offensichtlich  als  unbeachtlich  erachtete –  ist  es  demnach angezeigt, ihnen die Einreise zu ihrem in der Schweiz lebenden  Ehemann und Vater zu gestatten und zu ermöglichen. 9.4. Demnach  ist  den Beschwerdeführenden  gestützt  auf  Art. 20 Abs. 2  AsylG die Einreise in die Schweiz zur Durchführung der Asylverfahren zu  bewilligen. 10.  Da die Beschwerdeführenden bereits aufgrund ihrer eigenen Gefährdung  in  Eritrea  sowie  der  Aufenthaltssituation  in  Sudan  die  Voraussetzungen  für  eine  Bewilligung  der  Einreise  nach  Art. 20  Abs. 2  AsylG  erfüllen,  erübrigen  sich  im  vorliegenden  Verfahren  nähere  Ausführungen  hinsichtlich  der  derivativen  Flüchtlingseigenschaft  beziehungsweise  des  Einbezugs  gemäss  Art. 85  Abs. 7  AuG  in  die  dem  Ehemann  beziehungsweise  Vater  gewährte  vorläufige  Aufnahme.  Diese  Fragen  werden  allenfalls  im  Nachgang  der  in  der  Schweiz  durchzuführenden  Asylverfahren  der  Beschwerdeführenden  zu  prüfen  sein.  Demnach  erweist  sich  das  Beschwerdeverfahren  hinsichtlich  der  Frage  der  Familienzusammenführung als gegen­standslos. Bloss der Vollständigkeit  halber  ist  dazu  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Beschwerdeführenden  infolge Ablaufs der dreijährigen Wartefrist um Aufnahme  in der Schweiz  gemäss  Art. 51  Abs. 4  i.V.m.  Art. 85  Abs. 7  AuG  ersuchen  können  und  dass dabei insbesondere auch das Kindeswohl der minderjährigen Kinder  zu berücksichtigen wäre (vgl. Art. 3, 9 und 10 des Übereinkommens vom  20. November 1989 über die Rechte des Kindes [SR 0.107]).

E­8213/2010 11.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  Beschwerde  vom  25. November  2010  im  Sinne  der  vorstehenden  Erwägungen  gutzuheissen  und  die  Verfügung  des BFM vom 27. Oktober 2010 aufzuheben. Das BFM  ist  anzuweisen,  den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und  nach deren Einreise die Asylverfahren fortzusetzen. 12.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl.  Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 13.  13.1.  Den  obsiegenden  und  vertretenen  Beschwerdeführenden  ist  in  Anwendung  von  Art.  64  VwVG  und  Art. 7  Abs. 1  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für  die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. 13.2. Seitens der Rechtsvertreterin wurde keine Kostennote zu den Akten  gereicht,  jedoch  wurde  auf  Seite  2  der  Beschwerde  ausgeführt,  den  Beschwerdeführenden  seien  für  das  Beschwerdeverfahren  bisher  Fr. 760.–  in  Rechnung  gestellt  worden,  so  dass  ihnen  eine  Parteientschädigung  in  diesem  Umfang  zu  entrichten  sei.  Eine  Kostennote über die gesamten Aufwendungen werde vor Abschluss des  Verfahrens eingereicht. 13.3.  Der  von  der  Rechtsvertreterin  in  Rechnung  gestellte  Betrag  erscheint  aufgrund  der  Aktenlage  als  angemessen.  Da  sich  die  im  Nachgang  zur  Beschwerdeeinreichung  vorgenommenen  Rechtshandlungen (insbesondere Gesuch vom 5. Juli 2011 um prioritäre  Behandlung)  als  nicht  notwendig  im  Sinne  der  zu  beachtenden  Bestimmungen  erweisen,  erübrigt  es  sich,  den  Beschwerdeführenden  Gelegenheit  zur  Einreichung  einer  aktualisierten  Kostennote  zu  gewähren.  Die  vom  BFM  zu  entrichtende  Parteientschädigung  ist  demnach auf Fr. 760.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite)

E­8213/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2.  Die Verfügung des BFM vom 27. Oktober 2010 wird aufgehoben. 3.  Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden die Einreise in die  Schweiz zwecks Durchführung der Asylverfahren zu bewilligen. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5.  Die  Vorinstanz  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  in der Höhe von Fr 760.– (inklusive Auslagen) zu entrichten. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Anna Poschung Versand:

E-8213/2010 — Bundesverwaltungsgericht 02.11.2011 E-8213/2010 — Swissrulings