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Bundesverwaltungsgericht 29.11.2011 E-8191/2007

29 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,781 mots·~14 min·3

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. November 2007

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l   Abteilung V E­8191/2007 Urteil   v om   2 9 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richterin Emilia Antonioni, Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Erich Leuzinger, Rechtsanwalt, Hauptstrasse  47, Postfach 532, 8750 Glarus, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 1. November 2007 / N (…).

E­8191/2007 Sachverhalt: A.  A.a.  Der  Beschwerdeführer,  ein  sri­lankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  mit  letztem  Wohnsitz  in  (…)  (Nordprovinz),  verliess  eigenen Angaben zufolge sein Heimatland am 5. Februar 2007. Er reiste  mit  seinem  eigenen  Reisepass  und  mit  einem  Flugzeug  der  Sri  Lanka  Airlines  von Colombo  nach  Kuala  Lumpur  (Malaysia)  und  gelangte  von  dort  nach  fünfmonatigem  Aufenthalt  mit  einer  Maschine  der  Singapore  Airlines nach Zürich, wo er am 15. Juli 2007 bei den Flughafenbehörden  um Asyl nachsuchte. Das BFM verweigerte ihm vorläufig die Einreise und  wies ihm für die Dauer des weiteren Verfahrens bis maximal 29. Juli 2007  den Transitbereich des Flughafens Zürich als Aufenthaltsort  zu. Am 17.  Juli 2007 ging bei der Flughafenpolizei Zürich ein vom Schweizerischen  Roten Kreuzes des Kantons Zürich aufgegebener Telefax ein, zusammen  mit  Kopien  eines  Führerscheins,  einer  nationalen  Identitätskarte,  eines  Geburtsschein  und  eines  vom  5.  Februar  2007  datierten  Unterstützungsschreiben eines Dorfvorstehers (…).  Am 17. Juli 2007 hörte die Flughafenpolizei Zürich den Beschwerdeführer  in Anwesenheit eines Dolmetschers an. Der Beschwerdeführer machte im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  in  (…)  seit  dem  6.  April  1998  einen  B._______ geführt; er habe dort auch eine Kaffeemaschine gehabt. Seit  10.  April  2004  sei  er  zudem Besitzer  einer  C._______.  Gegenüber  der  B._______   habe  er  ein  (…)  D._______  errichten  lassen  und  am  (…)  November  2005 eröffnet. Während  des Anlasses  sei  ein Polizist,  der  in  der  B._______  einen  Kaffee  konsumiert  habe,  von  einer  unbekannten  Person erschossen worden. Danach habe alles eskaliert. Er und weitere  Personen  seien  festgenommen  worden.  Am  2.  Februar  2007  habe  er  erfahren,  dass die B._______   zerstört worden  sei,  und  sei  kurz  darauf  ausgereist.  In  Malaysia  habe  er  ein  Asylgesuch  stellen  wollen  und  die  örtliche Vertretung des UNHCR kontaktiert,  die  ihn auf einen Termin  im  März  2008  vertröstet  habe.  Da  er  bis  dann  kein  gültiges  Visum  gehabt  hätte,  sei  er  aus  Malaysia  ausgereist.  Er  habe  den  Reisepass  dem  Agenten abgegeben. Die Ehefrau lebe in (…) mit den (…) Kindern. Einer  seiner  Brüder  lebe  in  der  Schweiz  und  eine  Schwester  und  ein  Bruder  befinde  sich  in  Dänemark  und  Kanada.  Die  Eltern  und  die  anderen  Geschwister seien in Sri Lanka. A.b.  Das  BFM  bewilligte  dem  Beschwerdeführer  am  18.  Juli  2007  die  Einreise  in die Schweiz zur Prüfung des Asylgesuchs und wies  ihn dem  Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen zu.

E­8191/2007 A.c. Am 24. Juli 2007 wurde der Beschwerdeführer  im EVZ Kreuzlingen  zum  Reiseweg,  zu  den  Personalien  und  zu  den  Ausreisegründen  summarisch  befragt.  Gleichentags  traf  aus  (…)  als  zusätzliches  Beweismittel eine Geschäftslizenz beim BFM ein.  A.d.  Am  selben  Tag  forderte  das  Bundesamt  die  Schweizerische  Vertretung  in  Colombo  auf,  ihr  die  Visumsunterlagen  des  Beschwerdeführers  zu  übermitteln,  weil  eine  Kontrolle  von  einigen  Datenbanken  ergeben  habe,  dass  von  der  Vertretung  in  Colombo  ein  Gesuch des Beschwerdeführers um Ausstellung eines Visums abgelehnt  worden  sei.  Zwei  Tage  später  trafen  die  Visumsunterlagen  vom  November 2006 in Kopie ein.  A.e. Am 7.  August  2007  hörte  das BFM den Beschwerdeführer  zu  den  Asylgründen  an.  Am  10.  August  2007  wurde  er  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens dem Kanton Glarus zugewiesen. Das BFM führte am 29.  Oktober 2007 eine ergänzende Anhörung durch. Im Wesentlichen führte der Beschwerdeführer aus, sich in Sri Lanka nicht  politisch  betätigt  und  bis  auf  das  nachfolgend  Geschilderte  keine  Schwierigkeiten  mit  Organisationen,  Armee,  Polizei  und  sonstigen  Behörden  seines  Landes  gehabt  zu  haben.  C._______  und  B._______  habe  er  bis  zum  5.  Januar  2007  weitergeführt.  Der  am  (…)  November  2005  respektive  (…)  November  2005  in  der  B._______  von  einem  Unbekannten  mit  Pistolenschüssen  niedergestreckte  Polizist  habe  im  nahe  gelegenen  Lager  der  Eelam  People's  Democratic  Party  (EPDP)  gearbeitet (…). Auch ein Lager der Sri­lankischen Armee (SLA) habe sich  in  der  Nähe  befunden.  Er  (Beschwerdeführer)  habe  sich  zu  jenem  Zeitpunkt  in der B._______ aufgehalten. Eine halbe Stunde später seien  er, seine Mutter, zwei seiner Schwestern, die Ehefrau, die Kinder, sieben  seiner  Angestellten  und  drei  Kunden  von  Polizisten  und  sri­lankischen  Armeeangehörigen verhaftet und ins Armeelager in (…) gebracht worden.  Dort  sei  er mehrmals  verhört,  geschlagen und um selben Tag um zehn  Uhr abends unter der Auflage, sich weiterhin der Armee zur Verfügung zu  halten,  freigelassen worden.  Die  Beamten  hätten  während  des  Verhörs  versucht,  ihn  kopfüber  an  den  Füssen  aufzuhängen,  weshalb  er  laut  geschrien  habe.  Dieses  Verhalten  habe  ihm  mehrere  Fusstritte  eingetragen.  Gleichentags  seien  seine  Liegenschaften  durchsucht  worden. Die Beamten hätten nichts Belastendes gefunden. Am (…) 2005  habe die EPDP von  ihm die Zahlung einer Geldsumme von 5 Millionen  Rupien (damaliger Gegenwert zirka Fr. 63'900.–) gefordert. Am (…) 2005  habe  er  aus  Furcht  vor  Nachteilen  (…)  der  EPDP  300'000  Rupien 

E­8191/2007 übergeben. Die EPDP habe  indessen weiterhin auf der Begleichung der  Restsumme bestanden. Am 25. Dezember 2005 habe er eine Vorladung  der  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  erhalten.  Er  habe  die  Vorladung sofort  vernichtet, um nicht eines Tages Nachteile seitens der  Armee  zu  erfahren.  Zwei  Tage  später  hätten  er,  die  Ehefrau  und  die  Kinder die Forderung der LTTE befolgt. Sie seien gemeinsam nach  (…)  (Vanni­Gebiet)  (…)  gereist.  Dort  seien  sie  vom  Geheimdienstchef  der  LTTE verhört worden. Dieser habe ihm vorgehalten, Anhänger der EPDP  zu  sein. Die  LTTE  habe  ihn  verpflichtet,  ihr  täglich  fünf  Fässer  (…)  auf  Kreditbasis abzugeben und sich  ihr zur Verfügung zu halten; andernfalls  werde  er  getötet.  Dasselbe  Schicksal  sei  ihm  auch  in  Aussicht  gestellt  worden,  falls  er  die  EPDP  weiterhin  kontaktieren  oder  beliefern  werde.  Nachdem er einverstanden gewesen sei mit den Forderungen der LTTE,  habe  diese  ihn  und  seine  Angehörigen  laufen  lassen.  Er  habe  vorerst  täglich  und  später  sporadisch  (…)  an  die  LTTE  abgegeben.  Die  Angelegenheit  sei  für  ihn  gerade  noch  bewältigbar  gewesen,  weil  er  damals  mit  der  C._______   täglich  rund  25'000  Rupien  oder  den  Gegenwert  von  (…)  als  Reingewinn  erwirtschaftet  habe  und  (…).  Die  verschiedenen von der LTTE gesandten Leute hätten sich bei ihrer ersten  (…)übernahme mit  einem  Zettel  ausgewiesen,  der  einen  Stempel,  eine  Unterschrift und die erforderliche (…)mengenangabe enthalten habe. Als  es  im März oder April  2006 einen Zwischenfall  auf dem Meer  zwischen  Angehörigen der LTTE und sri­lankischen Matrosen gegeben habe, habe  ihn die EPDP beschuldigt, (…). Im Oktober 2006 sei er mit dem Flugzeug  nach  Colombo  gereist,  um  sich  heimlich  ein  Visum  zu  beschaffen.  Ein  Visum  hätte  ihm  erlaubt,  das  Land  sofort  zu  verlassen,  falls  sich  die  Situation noch mehr zuspitzen würde. Am 10. Dezember 2006 habe die  sri­lankische Armee  ein  LTTE­Mitglied mit  (…)  verhaftet  und  verhört.  In  der Folge seien Spezialeinheiten der Armee in Zivil und in Uniform vor Ort  erschienen und hätten nach ihm gesucht. Ein Angestellter habe ihn noch  rechtzeitig  darüber  orientiert.  Er  habe  sich  von  diesem  Zeitpunkt  an  versteckt,  aber  dennoch  seine  Geschäfte  weitergeführt.  Er  gehe  persönlich  nicht  davon  aus,  dass  in  diesem  Zusammenhang  ein  Verfahren  gegen  ihn  eingeleitet  worden  sei,  denn  die  Armee  habe  ihn  offensichtlich  bloss  festnehmen  wollen.  Am  5.  Januar  2007  sei  von  Armeeangehörigen  eine  Hausdurchsuchung  vorgenommen  worden,  wobei seine Ehefrau nach seinem Aufenthaltsort befragt worden sei. Die  Soldaten hätten  ihr dabei mit der Verhaftung gedroht,  falls er sich  ihnen  nicht stellen würde. Er habe am (…) 2007 seine Geschäfte geschlossen  und  sei  anschliessend  per  Schiff  mit  Frau  und  Kindern  nach  Colombo  gelangt,  wo  sie  vom  (…)  bis  5.  Februar  2007  gelebt  hätten. 

E­8191/2007 Anschliessend  habe  er  die  Flugreise  von  Colombo  nach  Malaysia  angetreten.  Für  den  Aufenthalt  in  Malaysia  habe  er  ein  Visum  für  eine  Aufenthaltsdauer  von  drei Monaten  besessen. Als  er  sich  von Malaysia  aus  auf  dem  Handy  seiner  Ehefrau  gemeldet  habe,  habe  sich  eine  fremde  Stimme  gemeldet  und  sein  Erscheinen  vor  Ort  gefordert.  Es  könne sein, dass es sich bei diesem Unbekannten um einen Angehörigen  der Paramilitärs, der Armee, der LTTE­ oder der EPDP gehandelt habe.  Seine  Frau  habe  ihm  zudem  davon  berichtet,  dass  ihr  unbekannte  Tamilen telefonisch gedroht hätten, sie und die Kinder zu liquidieren. Ein  anlässlich der Anhörung  vom 29. Oktober  2007  vorgezeigtes Schreiben  seiner Frau vom 21. Juli 2007 könne dies belegen. Sie müsse sich nun  an verschiedenen Orten verstecken. Er gehe davon aus, dass die Armee  hinter diesen Drohungen stecken könnte. A.f.  Anfragen des BFM bei den zuständigen Behörden in Frankreich, den  Niederlanden  und  Dänemark  in  Bezug  auf  einen  allfälligen  erkennungsdienstlich  oder  ausländerrechtlich  erfassten  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers wurden negativ beantwortet.  A.g.  Am  30.  Oktober  2007  wurde  die  Kopie  eines  Zeitungsberichts  betreffend  eine  Schiesserei  im  Laden  des  Beschwerdeführers  nachgereicht.  A.h. Mit  Verfügung  vom  1.  November  2007  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. B.  Der Beschwerdeführer beantragte mit Eingabe vom 3. Dezember 2007 an  das  Bundesverwaltungsgericht,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  vollumfänglich aufzuheben und in Feststellung der Flüchtlingseigenschaft  das  Asylgesuch  gutzuheissen.  Mit  der  Beschwerde  wurde  die  angefochtene  Verfügung,  eine  Vollmacht  sowie  Kopien  einer  Empfangsbestätigung der Post und eines Couvertumschlags eingereicht. C.  Mit  Zwischenverfügung  vom  7.  Dezember  2007  wurde  der  Beschwerdeführer  unter  Androhung  des  Nichteintretens  auf  die  Beschwerde  zur  Leistung  eines  Kostenvorschusses  im  Betrag  von  Fr.  600.–  aufgefordert.  Dieser  wurde  am  19.  Dezember  2007  innert  Frist  bezahlt. 

E­8191/2007 D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  3.  April  2007  lud  das  Bundesverwaltungsgericht das BFM zu einem Schriftenwechsel ein unter  Hinweis  auf  die  im  zu  veröffentlichenden  Urteil  E­2775/2007  vom  14.  Februar 2008 vorgenommen Lageanalyse bezüglich Sri Lanka.  E.  Mit  Vernehmlassung  vom 8.  April  2008,  die  dem Beschwerdeführer  am  14.  April  2008  zur  Kenntnis  gebracht  wurde,  beantragte  das  BFM  die  Abweisung der Beschwerde. F.  Am 29. September 2008 stellte die Ehefrau ein separates Asylgesuch im  EVZ Basel, nachdem sie und ihre (…) Kinder (…) ihren Angaben zufolge  von  Italien  her  kommend  am  26.  September  2008  in  die  Schweiz  eingereist  sind.  Sie  wurde  vom  BFM  am  2.  Oktober  2008  summarisch  und  9.  Januar  2009  einlässlich  zu  den  Ausreise­  und  Asylgründen  angehört. Ihr Asylverfahren ist erstinstanzlich noch hängig.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.    Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021). Das BFM gehört  zu den Behörden nach Art. 33 VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

E­8191/2007 1.3.    Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  i.V.m.  Art. 37  VGG,  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art.  50  und  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  unter  nachfolgendem  Vorbehalt  einzutreten. 1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.   3.1. Zur Begründung des abweisenden Entscheides führte das BFM aus,  die  geltend  gemachten  Verfolgungsvorbringen  genügten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht.  So  würden  die  angegebenen Schliessungstermine der Geschäfte mit den eingereichten  Angaben  des  Dorfvorstehers  (…)  vom  5.  Februar  2007  nicht  übereinstimmen.  Eine  überzeugende  Erklärung  hierfür  fehle.  Das  erwähnte  Beweismittel  enthalte  auch  keinen  Hinweis  in  Bezug  auf  allfällige  Probleme  des  Beschwerdeführers.  Weiter  sei  nicht  glaubhaft, 

E­8191/2007 dass er während knapp eines Jahres derartige Mengen an (…) den LTTE  hätte ausliefern können, da gegen ihn seit (…) 2006 Verdachtsmomente  vorgelegen  seien  und  sich  die  C._______  in  unmittelbarer  Nähe  eines  Lagers  der  EPDP  befinde.  Realitätsfremd  sei,  dass  nur  er  in  die  behördlichen  Ermittlungen  einbezogen  worden  sei  und  nicht  zumindest  auch der (…), der Eigentümer dieser C._______. Weiter seien die Eltern  des  Beschwerdeführers  nach  einem  Besuch  in  der  Schweiz  im  August  2007 wieder nach Sri Lanka zurückgereist, was zweifellos auf das Fehlen  einer  Furcht  vor  ernsthaften  Nachteilen  hindeute.  Weiter  sei  nicht  glaubhaft, dass sich Ehefrau und Kinder bei dieser Sachlage fast täglich  an  verschiedenen  Orten  hätten  verstecken  müssen.  Insbesondere  entspreche  auch  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  nicht  einer  Person,  die  befürchten  müsse,  festgenommen  oder  erschossen  zu  werden. Trotz angeblicher Erschiessungsgefahr sei er im Oktober 2006 –  offenbar  problemlos  und  ohne  vorab  besondere  Vorsichtsmassnahmen  ergriffen  zu  haben  –  mit  dem  Flugzeug  nach  Colombo  gereist.  Anschliessend  sei  er  erneut  in  die Wohngegend  zurückgelangt,  wo  die  Wahrscheinlichkeit, Opfer von Übergriffen zu werden, angeblich maximal  sei.  Da  diese  Flugreisen  nur  nach  dem  Bestehen  rigoroser  Kontrollen  erhältlich  seien,  vermöchten  sie  zu  dokumentieren,  dass  der  Beschwerdeführer  seitens  sri­lankischer  Sicherheitskräfte  nichts  zu  befürchten  gehabt  habe. Das Gesagte  gelte  auch  für  die Reise mit  der  ganzen Familie nach Colombo im Jahr 2007. Das BFM gehe davon aus,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Situation  in  übersteigerter  Weise  geschildert  habe.  Aufgrund  der  realen  Gegebenheiten  im  Norden  und  Osten Sri Lankas sei davon auszugehen, dass er in Zusammenhang mit  einem  Attentat  auf  einen  Polizisten  am  (…)  2005  inhaftiert  und  verhört  worden  sei  und  als  Geschäftsmann  Ende  2005  einen  Geldbetrag  als  Schutzgeld  an  die EPDP habe  abliefern müssen.  Ein  derartiges Verhör  und  die  Schutzgeldforderung  stellten  indessen  keine  Verfolgungshandlungen im Sinne von Art. 3 AsylG dar. In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, das BFM gehe  zu Unrecht  von unglaubhaften Asylangaben aus. Der Beschwerdeführer  habe  einlässlich  und  glaubhaft  die  wesentlichen  Punkte  der  Asylbegründung  geschildert.  Es  existierten  keine  gefälschten  oder  verfälschten  Beweismittel.  Er  sei  als  Kollaborateur  verdächtigt,  sowohl  seitens  der  LTTE wie  auch  der  sri­lankischer Behörden. Die  fehlerhafte  Datierung  des  Vorfalls  sei  letztlich  nicht  relevant  und  der  Umfang  der  Bestätigung  des  Dorfvorstehers  sei  nachvollziehbar.  Die  Eigentumsverhältnisse  bei  der  C._______  seien  belanglos,  zumal  die 

E­8191/2007 betagten Eltern weder für die LTTE noch für die EPDP von Interesse sein  könnten.  Die  Rückreise  in  den  Norden  Sri  Lankas  habe  der  Beschwerdeführer  lediglich  zum  Schutz  der  Familie  unternommen.  Die  gemeinsame  Reise  in  den  Süden  Sri  Lankas  sei  mit  einem  ärztlichen  Zeugnis  unterstützt  gewesen.  Es  habe  keine  anderen  In­  und  Auslandreisen des Beschwerdeführers gegeben. Bei dieser Sachlage sei  nicht nachvollziehbar, wie das BFM zur Ansicht hat gelangen können, die  Behauptungen für eine Asylgewährung seien nicht ausreichend. Mit Vernehmlassung vom 8. April 2008 führte das BFM aus, nach der am  2.  Januar  2008  erfolgten  formellen  Aufkündigung  des  Waffenstillstandsabkommens  vom  Februar  2002  setze  die  Regierung  offenbar auf eine militärische Lösung des Konflikts. Die LTTE verlege sich  nach  dem  Verlust  ihrer  Ostprovinz  auf  Guerillataktik.  Deren  Anschlagsziele  seien  einflussreiche  Persönlichkeiten  aus  Politik  und  Armee  und  militärische  Einrichtungen.  Ein  Ende  der  gewalttätigen  Auseinandersetzungen  und  eine  substanzielle  Verbesserung  der  Menschenrechts­ und Sicherheitslage  im Norden und Osten des Landes  sei  nicht  prognostizierbar.  Die  Tamilen  müssten  generell  verschärfte  Sicherheitsbestimmungen  und  schwierigere  Lebensbedingungen  gewärtigen.  Dessen  ungeachtet  herrsche  im  Süden  und  Westen  des  Landes  keine Situation  allgemeiner Gewalt  im Sinne des Gesetzes  und  vorliegend  lägen  keine  individuellen Gründe  für  die Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs vor.  3.2. Ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Beschwerdeführers  sprechen,  überwiegen  oder  nicht,  ist  im  Sinne  einer  Gesamtwürdigung  zu  ermitteln;  dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen.  Massgaben  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Situation  zum  Zeitpunkt  des  aktuellen  Asylentscheides. Dabei  ist  einerseits  die Frage nach der  zum Zeitpunkt  der  Ausreise  vorhandene  gewesenen  Furcht  vor  Verfolgung  zu  stellen  und  andererseits  zu  prüfen,  ob  diese  im  heutigen  Zeitpunkt  (noch)  begründet  ist.  So  sind  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  zu  Gunsten  und  zu  Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4  E. 5.4). 3.2.1.    Im  Zusammenhang  mit  den  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten Behelligungen durch die LTTE seit Mitte Dezember 2005  ist  festzuhalten,  dass  am  19.  Mai  2009  der  seit  1983  bestehende 

E­8191/2007 Bürgerkrieg  zwischen  tamilischen Separatisten,  vor allem den LTTE auf  der einen und dem sri­lankischen Militär sowie diversen paramilitärischen  singhalesischen  und  tamilischen  Anti­LTTE­Einheiten  auf  der  anderen  Seite, nach dem endgültigen militärischen Sieg der sri­lankischen Armee  und  dem  Tod  Velupillai  Prabhakarans  sowie  der  Ausschaltung  der  Führungselite  der  LTTE  vom  Präsidenten  Sri  Lankas,  Mahinda  Rajapaksa, offiziell für beendet erklärt worden ist. Vor diesem Hintergrund  erweisen  sich  die  vom  Beschwerdeführer  geäusserten  Befürchtungen,  Verfolgungen durch Angehörige der LTTE bei einer Rückkehr ausgesetzt  zu sein, zum heutigen Zeitpunkt als unbegründet  (vgl. dazu aktualisierte  Länderanalyse in BVGE E­6220/2006 vom 28. Juni 2011, E. 6 und 7). Zu  seiner  angeblichen Furcht  vor  der EPDP und  dem  sri­lankischen Militär  respektive  Behördenvertretern,  weil  er  in  der  Bürgerkriegsphase  den  LTTE grössere (...)mengen verkauft habe,  ist festzustellen, dass er nicht  bei  den  LTTE Mitglied  gewesen  ist  und  diese  –  wenn  überhaupt  –  nur  unter Todesandrohung widerwillig unterstützt hat. Sein angeblich einziger  persönlicher  Kontakt  mit  der  LTTE­Führung  im  Vannigebiet  (…)  zeigt  deutlich,  dass  er  sich  als  Geschäftsmann  von  dieser  Bewegung  hat  distanzieren wollen.  In diesem Zusammenhang  ist  festzuhalten, dass es  nicht glaubhaft  ist, dass er  in unmittelbarer Nähe des Lagers der EPDP  und eines weiteren Lagers der SLA die geltend gemachte Menge an (…)  während knapp eines Jahres in regelmässiger Weise den LTTE abgeben  konnte,  ohne  dass  dies  bemerkt  worden  wäre,  zumal  ihn  die  EPDP  bereits seit März oder April 2006 wegen mutmasslicher (...)lieferungen an  die LTTE (Zwischenfall mit Matrosen) unter Verdacht gehabt haben soll.  In  Übereinstimmung  mit  der  Argumentation  der  Vorinstanz  ist  das  aus  den  Anhörungen  zu  schliessende  furchtlose  Verhalten  des  Beschwerdeführers  über  eine  lange  Zeit,  das  Fehlen  von  Fluchtvorkehr  und letztlich der vage Beschrieb der damaligen konkreten Umstände und  Ereignisse  als  starke  Argumente  gegen  die  Glaubhaftigkeit  einer  im  Zeitpunkt der Ausreise bestandenen begründeten Furcht  vor Verfolgung  zu  werten.  Dass  es  nach  dem  Erschiessen  eines  Polizisten  zu  Festnahmen  und  Verhören  der  am  Tatort  anwesend  gewesenen  Personen,  darunter  der  Beschwerdeführer,  gekommen  ist,  ist  nicht  von  der Hand zu weisen. Solche Vorkehrungen  sind allerdings ein  legitimes  Recht  eines  jeden Staates und  stellen  keine Verfolgungshandlungen  im  Sinne des Asylgesetzes dar. Der Beschwerdeführer hat somit bei dieser  Ausgangslage auch seitens sri­lankischer Behörden nichts zu befürchten.  Zudem wäre den sri­lankischen Strafverfolgungsbehörden geläufig, dass  vermögende  Familien  im  Norden  Sri  Lankas  oft  unter  Androhungen  massiver  Nachteile  Geld  oder  Waren  den  LTTE  abgeben  mussten. 

E­8191/2007 Dasselbe  gilt  auch  für  Schutzgeldforderungen  militanter  Kreise.  Aus  dieser  Optik  hat  der  Beschwerdeführer  seitens  ehemaliger  Angehöriger  der  LTTE  und  der  EDPD  und  der  sri­lankischen  Armee  nichts  zu  befürchten. 3.2.2.  Die  vom  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  aufgelisteten  übrigen  Unglaubhaftigkeitselemente  werden  auch  vom  Bundesverwaltungsgericht  als  überzeugend  erachtet.  Der  Beschwerdeführer  konnte  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahren  der  diesbezüglichen  Argumentation  des  BFM  nicht  Erhebliches  entgegenhalten.  Zur  Vermeidung  von Wiederholungen wird  deshalb  auf  die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen.  Aus  den  beiden  Anhörungen  der  Ehefrau  in  ihrem  Asylverfahren  (die  Akten  befinden  sich  im  gleichen  vorinstanzlichen  Dossier  N  […])  –  sie  habe Probleme mit Karuna­Leuten gehabt – kann nichts Entscheidendes  zu Gunsten des Beschwerdeführers abgeleitet werden. 3.2.3. Eine  so  wohlhabende  und  sowohl  familiär  wie  auch  geschäftlich  bestens in verschiedenen Provinzen des Landes vernetzte Persönlichkeit  wie  der  Beschwerdeführer  würde  bei  einer  tatsächlich  existierenden  Verfolgungsgefahr  seitens  einer  der Bürgerkriegsparteien  kaum den Ort  seiner  grössten  Probleme  freiwillig  aufsuchen  und  sich  dort  selbst  bei  grösster  Gefahr  aufhalten  wollen,  um  die  Geschäfte  etwas  länger  aus  dem Versteckten heraus weiterführen zu können. Zum Mindesten hätte er  angesichts  der  behaupteten  Gefahr  einen  durchdachten  Notfallplan  für  sich,  die  Familie  und  den  Erhalt  seiner  Vermögenswerte  entwickelt.  Einmal kurz nach Colombo zu reisen, um für sich allein ein Visum für den  Notfall  zu  beschaffen,  widerspiegelt  nicht  eine  begründete  Furcht  vor  einer  tatsächlich  drohenden  Verfolgung.  Auffallend  ist  letztlich  auch  die  Tatsache,  dass  er  als  Geschäftsmann  angeblich  (…)  Angestellte  unter  Vertrag gehabt habe, aber nur dürftig und vage über die Art und Weise  seiner  Geschäftsführung  und  widersprüchlich  über  die  Geschäftsbeendigung  –  er  habe  von der Zerstörung der B._______ am  (…) 2007 erfahren (A9 S. 8) beziehungsweise er habe am (…) 2007 die  beiden Geschäfte aufgegeben (A32 S. 3) – berichtet hat. Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  das  BFM  den  geltend  gemachten  Sachverhalt  rechtsgenüglich  festgestellt  hat.  Die  eingereichten  Beweismittel  vermögen  zu  keinem  anderen  Ausgang  dieses Verfahrens beizutragen. Der Beschwerdeführer konnte Umstände  nachweisen oder glaubhaft machen, die im Sinne von Art. 3 AsylG seine 

E­8191/2007 Flüchtlingseigenschaft zu begründen vermöchten. Die Vorinstanz hat das  Asylgesuch nach dem Gesagten zu Recht abgelehnt. 4.  4.1.   Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder  tritt es darauf nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG,  Art.  32  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311). 5.  5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen. 5.2.  Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). 5.2.1.  So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5    Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  [FK, SR 0.142.30] und Art. 25 Abs. 2  der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18.  April  1999  [BV,  SR  101]).  Unter  das  flüchtlingsrechtliche  Rückschiebungsverbot  fallen  somit  nur  Flüchtlinge.  Da  der 

E­8191/2007 Beschwerdeführer  die Voraussetzungen  zur Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt, kommt der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs.  1  AsylG,  wie  vom  BFM  richtig  festgestellt,  vorliegend  nicht  zur  Anwendung. 5.2.2.    Das  menschenrechtliche  Rückschiebungsverbot  (Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  [EMRK,  SR  0.101],  Art.  25  Abs.  3  BV),  wonach  niemand in einen Staat ausgeschafft werden darf, in dem ihm Folter oder  eine  andere  Art  grausamer  und  unmenschlicher  Behandlung  oder  Bestrafung  drohen,  ist  dagegen  auf  alle  Menschen  ohne  Rücksicht  auf  ihren  Status  anzuwenden.  Diesbezüglich  ist  zu  bemerken,  dass  sich  weder  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  den  übrigen  Akten  und  Beweismittenl,  auch  nicht  den  Befragungen  seiner  Ehefrau,  Anhaltspunkte  für  eine  konkrete  Bedrohung  des  Beschwerdeführers  durch  Folter  oder  eine  andere  Art  grausamer  und  unmenschlicher  Behandlung  oder  Bestrafung  entnehmen  lassen.  Aussergewöhnliche  Umstände, die gestützt auf die Praxis des Europäischen Gerichtshofs für  Menschenrechte  (EGMR)  zu  Art.  3  EMRK  zur  Feststellung  der  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzuges  aus  gesundheitlichen  Gründen führen könnten (vgl. Urteil des EGMR Emre gegen die Schweiz  vom  22.  Mai  2008,  Verfahren  Nr.  42034/04),  sind  aufgrund  der  Akten  nicht ersichtlich. 5.2.3. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka erweist sich  demnach  im  Sinne  der  erwähnten  asyl­  und  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen als zulässig. Unter dem Aspekt von Art. 8 EMRK (Recht  auf Achtung des Familienlebens des Beschwerdeführers in der Schweiz)  und  dem  2.  Halbsatz  von  Art.  44  Abs.  1  AsylG  ist  der  Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  allerdings  nur  beziehungsweise erst zulässig, wenn über das Asylgesuch der sich in der  Schweiz  aufhaltenden  Ehefrau  und  der  minderjährigen  Kinder  –  es  ist  erstinstanzlich  hängig  –  im  Wegweisungspunkt  rechtskräftig  negativ  entschieden würde.  5.3.   5.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 

E­8191/2007 Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.3.2.  Die Vorinstanz stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den  Standpunkt,  ein  Wegweisungsvollzug  sei  vorliegend  zumutbar.  Es  bestehe  für  den  aus  dem  Norden  Sri  Lankas  stammenden  Beschwerdeführer  eine  zumutbare  Aufenthaltsalternative  für  den  Beschwerdeführer  sowohl  im Westen  wie  auch  im  Süden  des  Landes,  namentlich  im Grossraum Colombo. Der Beschwerdeführer  und  dessen  Vater seien erfolgreiche, wohlhabende Geschäftsleute. Ersterer habe sich  bereits  im Oktober 2006 vorübergehend  in  (…) aufgehalten und dessen  Familienangehörige seien dort wohnhaft. In (…) würden ferner die Eltern  des  Beschwerdeführers  und  viele  Freunde  des  Vaters  wohnen.  Zudem  habe  der  Beschwerdeführer  mehrere  Geschwister  in  diversen  Ländern,  die ihn allenfalls aus dem Ausland unterstützen könnten.  5.3.3.    Der  Beschwerdeführer  vertritt  demgegenüber  die  Haltung,  das  Bundesamt  verkenne  die  Lage  völlig.  Da  er  nachweislich  Flüchtling  sei  und  ihm  Asyl  gewährt  werden  müsse,  sei  ohnehin  von  einem  Wegweisungsvollzug  abzusehen.  Er  verzichtete  in  der  Folge,  sich  im  Wegweisungspunkt  differenziert  mit  den  Erwägungen  des  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung auseinanderzusetzen.  5.3.4.  Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Urteil BVGE E­6220/2006  vom  27.  Oktober  2011  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  abgewiesener  Asylsuchender  tamilischer  Ethnie  eine Neubeurteilung der Lageanalyse vor. Nachdem es im Jahr 2008 die  Rückkehr  abgewiesener  sri­lankischer  Asylsuchender  tamilischer  Ethnie  im Norden und Osten des Landes im Regelfall aufgrund des Bürgerkriegs  als  nicht  zumutbar  bezeichnet  hat  (BVGE  2008/2),  hat  es  in  seinem  neuen  Entscheid  festgestellt,  dass  seit  Beendigung  des  militärischen  Konflikts zwischen der sri­lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009  die Sicherheitslage in Sri Lanka sich erheblich verbessert und stabilisiert  hat. Die LTTE wurden militärisch vernichtend geschlagen; von den LTTE  geht  heute  keine  Verfolgung  mehr  aus.  Gemäss  diesem  Urteil  ist  der  Wegweisungsvollzug  grundsätzlich  zumutbar  hinsichtlich  des  gesamten  Gebiets  der  Ostprovinz  und  auch  hinsichtlich  der  Nordprovinz,  dort  allerdings  mit  Ausnahme  des  Vanni­Gebiets  (geografisch  definiert  im  genannten  Urteil  in  E.  13.2.2.),  wobei  namentlich  bei  Personen,  deren  letzter  Aufenthalt  in  der  Nordprovinz  längere  Zeit  zurückliegt,  die  aktuellen  Lebens­  und  Wohnverhältnisse  und  das  Vorhandensein  begünstigender Faktoren  (Existenz eines  tragfähigen Beziehungsnetzes, 

E­8191/2007 Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation)  in Betracht zu  ziehen sind. Für die aus dem Vanni­Gebiet stammenden Personen ist die  Wohnsitzverlegung in einen der anderen Landesteile Sri Lankas, welche  allesamt  grundsätzlich  als  zumutbare  Aufenthaltsalternative  gelten,  zu  prüfen. 5.3.5. Gemäss  dem  erwähnten  Urteil,  mit  welchem  die  Praxisänderung  eingeleitet wurde (BVGE E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011, E. 13.2.1),  sind die aktuellen Lebens­ und Wohnverhältnisse und das Vorhandensein  begünstigender Faktoren  (Existenz eines  tragfähigen Beziehungsnetzes,  Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation) zu prüfen.  Der Beschwerdeführer  hat  eigenen Angaben  zufolge  von Geburt  an bis  Mitte  Januar  2007  in  der  Region  (…)  (Nordprovinz)  gelebt,  wo  er  mit  seiner  Familie  und  vielen  Angestellten  seit  (…)  1998  einen  B._______­  und  (…)  und  seit  (…)  2004  eine  C._______  –  letztere  nicht  als  Eigentümer – geführt habe. Er habe zusätzlich ein D._______ gebaut und  Ende November 2006 eröffnet. Er gelangte vor knapp fünf Jahren  in die  Schweiz.  Er  hat  als  langjährig  erfolgreicher  Geschäftsmann  in  der  Nordprovinz  offenbar  ein  dichtes  geschäftliches  und  soziales  Beziehungsnetz  unterhalten. Die Geschäfte, zumindest der Laden und die C._______, mit  insgesamt  (…)  Angestellten,  wurden  vom  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  am  (…)  2007  aufgegeben  (vgl.  A32  S.  3;  beziehungsweise wurde die B._______ zerstört und die C._______ hat er  selber  geschlossen, wobei  er  von  der  Zerstörung  der B._______  am 2.  Februar  2007  erfahren  habe  [A9  S.  8]  beziehungsweise  wurden  Laden  am 5. Januar 2006 und die C._______ am 3. Oktober 2006 geschlossen  [vgl. Brief  des Dorfvorstehers A11/6  und Protokoll A32 S.12]). Was aus  dem neu eröffneten D._______ geworden  ist,  geht  aus den Akten nicht  hervor.  Der  Beschwerdeführer  besitzt  seinen  Angaben  zufolge  sehr  wohlhabende  Eltern.  Der  Vater  sei  ein  erfolgreicher  und  sehr  wohlhabender  Geschäftsmann  und  sei  Inhaber  diverser  (…)geschäfte  und  der  C._______  und  sei  als  Händler  respektive  Verkäufer  von  (…)  tätig. Er handle mit Produkten (…). Der Beschwerdeführer kann sich auf  ein  grösseres  Verwandtschafts­  und  Bekanntschaftsnetz  in  der  Nordprovinz  Sri  Lankas  (ausserhalb  des  für  eine  Rückkehr  weiterhin  problematischen  Vanni­Gebiets)  stützen.  Er  hat  sich  vor  der  Ausreise  wiederholt,  auch  während  längerer  Zeit  und  teilweise  zusammen  mit  seiner  Familie,  in  Colombo  aufgehalten,  wo  er  im  Haus  eines  guten 

E­8191/2007 Bekannten  seines  Vaters  wohnen  konnte.  Er  kennt  dort  auch  weitere  Bekannte  beziehungsweise  "enge  Freunde",  die  ihn  respektive  seine  Angehörigen unterstützt haben und die zum Teil über eigene Geschäfte  verfügen.  Weiter  sollen  sich  viele  weitere  Freunde  seines  Vaters  im  Grossraum Colombo befinden (vgl. zu diesen Angaben A32 S. 2 und 4).  Aus  den  Angaben  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  geht  zusätzlich  hervor,  dass  dieser  weitere,  bisher  noch  nicht  von  ihm  angegebene  Verwandte oder Bekannte in der Ostprovinz (…) habe.  Es  ist  dem  Beschwerdeführer  bei  dieser  Sachlage  ohne  Weiteres  zuzumuten,  diese  Beziehungsnetze,  sei  es  nun  in  der  Nord­   oder  der  Ostprovinz  oder  im  Grossraum  Colombo  zu  reaktivieren  und  am  Ort  seiner Wahl  beruflich  Fuss  zu  fassen.  In  finanzieller  Hinsicht  ist  davon  auszugehen,  dass  ihn  seine  vermögenden  Eltern,  die  übrigen  Verwandten  und  Bekannten  in  Sri  Lanka  und  die  im  Ausland  sich  aufhaltenden  Geschwister  zumindest  vorübergehend  unterstützen  können.  Bei  dieser  Sachlage  besteht  bei  einer  Rückkehr  keine  Gefahr  einer Existenzgefährdung.  Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch nach  über  vier  Jahren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  als  zumutbar,  wobei  beim  Vollzug  der  Wegweisung,  wie  bereits  erwähnt,  in  Anbetracht  des  noch  hängigen Asylverfahrens seiner Familienangehörigen der Grundsatz der  Einheit  der  Familie  zu  berücksichtigen  ist  (Art.  44  Abs.  1,  2.  Halbsatz  AsylG). 5.4.    Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  seines  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  BVGE 2008/34  E. 12),  weshalb  der  Vollzug  der Wegweisung  auch  möglich ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.5.   Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1­4  AuG).  Jedoch  ist  ein  allfälliger  Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  mit  dem  erstinstanzlich  hängigen  Verfahren  der  Ehefrau und deren minderjährigen Kinder zu koordinieren. 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 

E­8191/2007 Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  abzuweisen,  soweit  darauf  einzutreten ist. 7.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  des  Beschwerdeverfahrens  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  mit  dem  am  19.  Dezember  2007  geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen.  (Dispositiv nächste Seite)

E­8191/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  am  19.  Dezember  2007  geleisteten  Kostenvorschuss in der gleichen Höhe verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand:

E-8191/2007 — Bundesverwaltungsgericht 29.11.2011 E-8191/2007 — Swissrulings