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Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 E-8032/2009

31 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,239 mots·~11 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. November 20099

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­8032/2009 Urteil   v om   3 1 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Pietro Angeli­Busi, Richter Markus König,    Gerichtsschreiberin Valerie Kaeser. Parteien A. _______, geboren (…), Irak,   vertreten durch Reto Leiser, Rechtsanwalt,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 27. November 2009 / N (…).

E­8032/2009 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  den  Irak  am  10. Februar  2007  und  gelangte  über  die  Türkei  und  ihm  unbekannte  Länder am 12. März 2007 in die Schweiz, wo er gleichentags im (…) um  Asyl  nachsuchte.  Am  15. März  2007 wurde  er  summarisch  befragt  und  am  1.  Juni  2007  vom  Migrationsamt  des  Kantons  (…)  zu  seinen  Asylgründen angehört.  B.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  sei  sunnitischer  Kurde  und  stamme  aus  (…)  in  der  (…).  Im  Jahre  (…)  hätten  seine Eltern  den Wohnsitz  nach  (…)  verlegt,  wo  sein  Vater im (…) tätig gewesen sei. Der Vater sei im Dezember 2006 und im  Januar  2007  von  arabischen  Terroristen  insgesamt  dreimal  brieflich  aufgefordert worden, ihnen (…) US Dollar zu geben. Nachdem der Vater  die  Zahlung  verweigert  habe,  sei  er  am  (…)  2007  von  den  Terroristen  getötet  worden.  In  der  Folge  habe  auch  seine  Familie  eine  Zahlungsaufforderung  über  (…)  US  Dollar  erhalten,  verbunden  mit  der  Drohung,  dass  dem  Beschwerdeführer  bei  Nichtbezahlen  das  gleiche  Schicksal  drohe  wie  seinem  Vater.  Er  habe  dann  den  Irak  verlassen.  Seine Mutter und seine beiden Schwestern seien beim Geschäftspartner  des Vaters in (…) untergekommen. C.  Der  Beschwerdeführer  reichte  am  26.  März  2007  eine  irakische  Identitätskarte  zu  den  Akten.  Die  vom  BFM  am  13.  November  2009  vorgenommene Analyse ergab, dass es sich hierbei um eine Fälschung  handelt.  Das  Bundesamt  gewährte  dem  Beschwerdeführer  zum  Abklärungser­ gebnis das rechtliche Gehör, worauf dieser in seiner Stellungnahme vom  23.  November  2009  ausführte,  er  könne  sich  zu  den  festgestellten  Fälschungsmerkmalen  nicht  äussern  und  werde  sich  diesbezüglich  Beweismittel schicken lassen, wofür er eine Fristerstreckung bis zum 14.  Dezember 2009 benötige.  D.  Mit  Verfügung  vom  27.  November  2009  –  eröffnet  am  30.  November  2009 –  stellte  die  Vorinstanz  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 

E­8032/2009 Flüchtlingseigenschaft nicht,  lehnte dessen Asylgesuch ab, wies  ihn aus  der Schweiz weg und ordnete den Vollzug an.  Für die entsprechende Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, auf  die nachfolgenden Erwägungen verwiesen.  E.  Mit  Rechtsmitteleingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  22.  Dezember 2009 beantragte der Beschwerdeführer  in materieller Hinsicht  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die Gewährung  von  Asyl.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  er  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  unter  gleichzeitiger  Beiordnung  des  unterzeichnenden  Rechtsanwalts  als  amtlichen  Rechtsbeistand.  Gleichzeitig  reichte  er  mehrere  Beweismittel  in  Kopie  samt  deutscher  Übersetzung zu den Akten.  Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidwesentlich, in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. F. Das  Bundesverwaltungsgericht  hielt  in  seiner  Zwischenverfügung  vom  30. Dezember 2009  fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des  Rechtsmittelverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  wies  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  ab  und  verlangte  die  Überweisung  eines  Kostenvorschusses  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­,  welcher am 12. Januar 2010 fristgerecht geleistet wurde.  G. In  seiner  Vernehmlassung  vom 27.  Januar  2010  führte  das Bundesamt  aus,  die Beschwerde  enthalte  keine  neuen  erheblichen Tatsachen  oder  Beweismittel  und  äusserte  sich  zu  dem  im  Zusammenhang  mit  der  Beibringung neuer Beweismittel geäusserten Vorwurf der Verletzung des  rechtlichen Gehörs und zu den neu eingereichten Dokumenten. An den  Erwägungen  werde  vollumfänglich  festgehalten  und  die  Abweisung  der  Beschwerde beantragt. H. Mit Replik vom 11. Februar 2010 hielt der Beschwerdeführer an der Rüge  der Verletzung des rechtlichen Gehörs fest und bemängelte insbesondere 

E­8032/2009 den summarischen Charakter der vorinstanzlichen Ausführungen zu den  neu eingereichten Unterlagen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.    Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im  Sinne  von        Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst.  d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom         17. Juni 2005 [BGG, SR  173.110]).  1.2.    Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.    Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung. Er  ist  daher  zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art.  105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf  die Beschwerde ist einzutreten.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.    Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 

E­8032/2009 oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).  3.2.    Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1.  Das BFM führt zur Begründung seiner Verfügung vom 27. November  2009  aus,  der  Beschwerdeführer  mache  geltend,  im  Jahre  (…)  als  Neunjähriger mit seiner Familie von (…) nach (…) gezogen und dort bis  zu seiner Flucht in die Schweiz (…) Jahre wohnhaft gewesen zu sein. Er  spreche  nur wenig Arabisch  (Akten BFM A1/11 S.  3,  A16/16 S.  4)  und  habe lediglich in (…) – von (…) bis (…) – die (…) besucht (A16/16 S. 4).  Dass der Beschwerdeführer in (…) keine Schule besucht habe, erscheine  aber  ausgesprochen  unwahrscheinlich,  kenne  er  sich  doch  mit  dem  dortigen schulischen Benotungssystem gut aus (A1/11 S. 2). Es sei auch  kein Grund ersichtlich, weshalb seine in (…) offensichtlich gut integrierten  Eltern  ihn am neuen Wohnort nicht mehr  in die Schule geschickt haben  sollten.  Weiter  sei  wenig  nachvollziehbar,  weshalb  er  über  nur  geringe  Kenntnisse  der  arabischen  Sprache  verfüge,  wolle  er  doch  seit  seinem  (…) Lebensjahr in (…) gewohnt haben.  Bis  zum  (vorinstanzlichen)  Entscheid  habe  der  Beschwerdeführer  bezeichnenderweise  keine  Beweismittel  eingereicht,  welche  die  Geschehnisse  in Mosul seit Ende Dezember 2006 belegen könnten. Die  Begründung für deren Nichteinreichen sei nicht stichhaltig.  Bei  der  nachträglich  zu  den Akten  gegebenen  irakischen  Identitätskarte  handle es sich offenkundig um ein gefälschtes Dokument (A21/2, A22/2). 

E­8032/2009 Wäre  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  seit  (…)  in  (…)  wohnhaft  gewesen,  hätte  er  mit  Sicherheit  über  eine  von  den  Behörden  in  (…)  ausgestellte und somit authentische Identitätskarte verfügt.  Gesamthaft betrachtet könne dem Beschwerdeführer dessen langjähriger  Aufenthalt in (…) nicht geglaubt werden; es sei anzunehmen, dass er aus  dem kurdisch kontrollierten Teil Nordiraks stamme.  Demzufolge  erfülle  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht, weshalb sein Asylgesuch abzulehnen sei.  4.2.    Der  Beschwerdeführer  macht  in  seiner  Beschwerde  vom  22.  Dezember  2009  insbesondere  geltend,  die  Vorinstanz  habe  dadurch,  dass sie  ihm die für die Einreichung weiterer Beweismittel benötigte Zeit  nicht  gewährt  habe,  das  rechtliche  Gehör  verletzt.  Schon  allein  aus  diesem Grunde sei der Entscheid des BFM aufzuheben.  In  der  Zwischenzeit  seien  die  bei  Freunden  im  Irak  eingeforderten  Dokumente eingetroffen. Die Lebensmittel­Couponkarte aus  (…) sei  auf  den  Namen  der  Mutter  des  Beschwerdeführers  ausgestellt  und  dessen  Name  sei  ebenfalls  aufgeführt.  Der  beigelegte  Auszug  aus  dem  Zivilregister  belege,  dass  der  Beschwerdeführer  in  "(…)  zur  Welt  gekommen"  sei  (Beschwerde  Ziff.  3)  und  die  Mutter  den  Namen  (…)  trage; ein Identitätsausweis liege ebenfalls bei. In der Zwischenzeit habe  auch der Totenschein des Vaters erhältlich gemacht werden können; er  mache ersichtlich, dass dieser erschossen worden sei. Aufgrund der neu eingegangenen und mit der Beschwerde eingereichten  Dokumente  sei  erstellt,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  nur  glaubhaft  machen,  sondern  nachweisen  könne,  dass  er mit  seiner  Familie  in  (…)  gewohnt  habe  und  sein  Vater  dort  ermordet  worden  sei.  Die  Flüchtlingseigenschaft sei damit glaubhaft dargetan. Zur  angeblich  gefälschten  Identitätskarte  könne  sich  der  Beschwerdeführer  nicht  weiter  äussern.  Er  sei  immer  davon  ausgegangen,  dass  es  sich  um  eine  echte  Karte  handle.  Er  habe  die  Behörden  keinesfalls  täuschen  wollen.  Die  Angaben  des  Beschwerdeführer seien wahr, er habe in (…) gelebt und nach dem Tode  seines  Vaters  flüchten  müssen.  Eine  Rückkehr  in  den  Irak  sei  nicht  zumutbar  beziehungsweise  lebensgefährlich.  Die  Familie  sei  schon  in  den neunziger Jahren aus dem kurdischen Teil des Irak geflüchtet, da sie 

E­8032/2009 aufgrund einer Fehde im kurdisch kontrollierten Teil Nordiraks nicht leben  könne.  4.3.  In der Vernehmlassung vom 27. Januar 2010 wird vom Bundesamt  zum Vorwurf der rechtlichen Gehörsverletzung ausgeführt, der Beschwer­ deführer  habe  zu  den  Erkenntnissen  bezüglich  der  Echtheit  seiner  Identitätskarte Stellung nehmen können und dies mit Stellungnahme vom       23.  November  2009  auch  getan.  Er  habe  dabei  an  der  Echtheit  der  eingereichten Identitätskarte festgehalten und um Fristerstreckung für die  Beschaffung weiterer, nicht näher bezeichneter Dokumente ausgerechnet  durch denjenigen Freund seines Vaters ersucht, der  ihm bereits die sich  als gefälscht erweisende Karte beschafft habe. Bei dieser Sachlage habe  das  Bundesamt  keinen  Anlass  gesehen,  dem  Beschwerdeführer  eine  entsprechenden Nachfrist einzuräumen. Zu den neu eingereichten Doku­ menten sei  festzuhalten, dass es sich bei der Lebensmittel­Couponkarte  um eine überaus schlecht leserliche Kopie handle. Beim ebenfalls nur als  Kopie vorliegenden Ausweisdokument der Mutter des Beschwerdeführers  handle  es  sich  nicht  um  eine  irakische  Identitätskarte,  sondern  um  ein  Dokument  des  "Informationsamtes"  mit  unbestimmtem  Zweck,  das  manipuliert  worden  sein  dürfte.  Beim  Totenschein  des  Vaters  falle  auf,  dass  sich  der  angegebene  Todeszeitpunkt  auffallenderweise  exakt  mit  dem  Autopsiezeitpunkt  decke;  hinzu  kämen  weitere  Auffälligkeiten.  Solche  Dokumente  beziehungsweise  Blankovorlagen  dürften  im  Irak  leicht  käuflich  zu  erhalten  sein.  Im Übrigen  habe  der Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  ausgeführt,  seine  Familie  habe  keinen  behördlichen Totenschein erhalten. Die auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumente vermöchten nicht zu  überzeugen. Insbesondere könnten sie die Einreichung einer gefälschten  Identitätskarte und ebenso die unsubstanziierten Angaben zu (…) und die  bescheidenen  Arabisch­Kenntnisse  des  Beschwerdeführers  nicht  erklären, weshalb die Abweisung der Beschwerde beantragt werde.  4.4.   Der Beschwerdeführer  führt  in seiner Replik vom 10. Februar 2010  aus,  die  ihm  vom  BFM  in  seiner  Verfügung  vom  16.  November  2009  angesetzte Frist sei viel zu kurz gewesen  ("maximal neun Arbeitstage").  Es sei ihm nicht möglich gewesen, die Beweismittel  innert so kurzer Zeit  aus dem Ausland zu beschaffen. Deshalb habe er eine Fristerstreckung  beantragt,  welche  vom  BFM  unbeachtet  geblieben  und  erst  in  dessen  Entscheid  thematisiert  worden  sei.  Damit  habe  das  Bundesamt  das  rechtliche Gehör verletzt. 

E­8032/2009 Die Adresse auf der eingereichten Lebensmittel­Couponkarte sei korrekt  ("…").  Bei  der  früher  angegebenen  Adresse  ("…")  müsse  es  sich  um  einen Schreibfehler handeln.  Auf  den  irakischen  Zivilregisterauszügen  seien  immer  nur  die  noch  lebenden  Personen  aufgeführt.  Die  verstorbenen  Personen  seien  dort  nicht mehr erwähnt.  Das Lichtbild im Identitätsausweis seiner Mutter sei ein aktuelles. Die da­ rauf angegebene Adresse sei falsch, was aber nichts Ungewöhnliches bei  irakischen  Dokumenten  sei  und  beweise,  dass  diese  Dokumente  echt  seien.  Würden  gefälschte  Dokumente  eingereicht,  so  würde  sicherlich  darauf geachtet, dass sich keine Fehler eingeschlichen hätten.  Der  Totenschein  seines  Vaters  enthalte  nicht  den  richtigen  Todeszeitpunkt. Jedoch sei als Wochentag nicht der Montag angegeben  worden, wie von der Vorinstanz behauptet.  Zusammenfassend  könne  festgehalten  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  seinen  letzten  Wohnsitz  vor  der  Ausreise  in  (…)  gehabt habe und sein Vater erschossen worden sei. Die Vorbringen seien  glaubhaft,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  und  das Asylgesuch sei gutzuheissen.  5. Wie  bereits  dargelegt  (s.  vorstehend  E.  3.2.)  muss,  wer  um  Asyl  nachsucht, die Flüchtlingseigenschaft zumindest glaubhaft machen (Art. 7  Abs. 1 AsylG).  Im Gegensatz zum strikten Beweis genügt es, wenn der  Richter  das  Vorhandensein  der  zu  beweisenden  Tatsache  für  wahrscheinlich  hält,  selbst  wenn  er  noch  mit  der  Möglichkeit  rechnet,  dass  sie  sich  nicht  verwirklicht  haben  könnte  (WALTER KÄLIN, Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel  1990,  S.  302  f.).  Die  wahrheitsgemässe  Schilderung  einer  tatsächlichen  Verfolgung  ist  dabei  durch  Korrektheit,  Originalität,  hinreichende  Präzision  und  innere  Übereinstimmung  gekennzeichnet  (vgl.  Entscheidungen  und Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1996  Nr.  28  S.  270).  Unglaubhaft  wird  eine  Schilderung  von  Erlebnissen  insbesondere  bei  wechselnden,  widersprüchlichen,  gesteigerten  oder  nachgeschobenen  Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine  Gesamtbeurteilung  aller  Elemente  (Übereinstimmung  bezüglich  des  wesentlichen  Sachverhaltes,  Substanziiertheit  und  Plausibilität  der 

E­8032/2009 Angaben,  persönliche  Glaubwürdigkeit  etc.),  die  für  oder  gegen  den  Beschwerdeführer  sprechen.  Glaubhaft  ist  eine  Sachverhaltsdarstellung  nur, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung  reicht  es  demnach  nicht  aus,  wenn  der  Inhalt  der  Vorbringen  zwar  möglich  ist,  aber  in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche oder  überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte  Sachverhaltsdarstellung sprechen.  5.1.  5.1.1. Vorab  ist zu prüfen, ob die  formelle Rüge des Beschwerdeführers  zutrifft,  wonach  das  BFM  den  rechtlichen  Gehörsanspruch  dadurch  verletzt  habe,  dass  es  ihm  die  Fristverlängerung  zur  Einreichung  von  Beweismitteln nicht gewährte.  Das BFM ist, falls es Lücken oder Unklarheiten im Sachverhalt oder das  Fehlen  von Beweismitteln  feststellt,  verpflichtet,  diese mittels  konkretem  Nachfragen beziehungsweise Einfordern der Beweismittel zu schliessen.  Dies hat  es mit  seiner Verfügung  vom 16. November 2009 auch getan,  indem es dem Beschwerdeführer Gelegenheit gab, sich zur Feststellung,  dass die eingereichte Identitätskarte eine Fälschung sei, zu äussern und  allfällige  Gegenbeweismittel  einzureichen.  In  der  Folge  ging  beim  BFM  fristgerecht  eine  Stellungnahme  des  Beschwerdeführers  ein,  in  welcher  dieser um eine Fristverlängerung (weitere zwei Wochen) zur Beschaffung  und  Einreichung  der  Beweismittel  ersuchte.  Auf  dieses  Schreiben  reagierte die Vorinstanz mit  ihrer Verfügung vom 27. November 2009, in  welcher sie darlegte, weshalb es nicht als nötig erachtet werde, die Frist  zu erstrecken. Die  vom  Bundesamt  angesetzte  kurze  Frist  und  die  verweigerte  Fristerstreckung  können  zwar  ungewöhnlich  anmuten,  sie  sind  aber  nachvollziehbar.  Der  Beschwerdeführer  wurde  schon  zu  Beginn  des  Asylverfahrens auf seine Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht, und es  ist  ihm mitgeteilt  worden,  dass  er  verpflichtet  sei,  allfällige  Beweismittel  einzureichen.  Daraufhin  reichte  er  einzig  seine  Identitätskarte  zu  den  Akten,  und  erst  auf  die  abermalige  Aufforderung  hin,  er  sei  gehalten,  allfällige  Beweismittel  dem  BFM  zukommen  zu  lassen,  reagierte  er  in  Form eines Fristverlängerungsgesuches. Es  liegt auf der Hand, dass es  dem  Beschwerdeführer  mit  diesem  Vorgehen  einzig  darum  ging,  seine  ungünstige prozessuale Situation zu verbessern. Die Reaktion des BFM  auf das Fristerstreckungsgesuch war denn auch unmissverständlich.

E­8032/2009 Dem Beschwerdeführer  ist  durch  das  Vorgehen  des  Bundesamtes  kein  Schaden erwachsen, er konnte seine prozessualen Recht ungeschmälert  wahrnehmen. Das Bundesverwaltungsgericht stellt keine Verletzung des  rechtlichen Gehörs fest, die – wie vom Beschwerdeführer beantragt – zu  einer  Aufhebung  des  vorinstanzlichen  Entscheides  und  zu  einer  Rückweisung an die Vorinstanz führen müsste.  5.1.2.  Die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  im  vorinstanzlichen  Verfahren zeichnen sich in ihrer Gesamtheit weitgehend durch inhaltliche  Blässe  und  Unsubstanziiertheit  aus,  was  insbesondere  für  die  –  im  vorliegenden  Verfahren  eine  zentrale  Rolle  spielende  –  Identitätskarte  beziehungsweise  die  diesbezüglich  vom  BFM  festgestellten  Fälschungsmerkmale gilt. Der  Freund  des  Vaters  (des  Beschwerdeführers),  so  wird  in  der  Stellungnahme  vom  23.  November  2009  argumentiert,  habe  für  die  Beschaffung der  Identitätskarte gesorgt,  er  selber  habe deswegen nicht  nach  (…)  gehen müssen.  Er  könne  sich  zu  den  Fälschungsmerkmalen  nicht  äussern  und  habe  sich  nie  Gedanken  gemacht  um  allfällige  Fälschungs­merkmale. In  der Beschwerde wird  auf  den Vorhalt,  den Behörden eine gefälschte  Identitätskarte  eingereicht  zu  haben,  im  Kern  nicht  einmal  ansatzweise  eingegangen.  Einzig  wird  dazu mit  dem  Vorwurf  der  Verweigerung  der  anbegehrten  Fristerstreckung  argumentiert,  als  ob  dieser  die  Fakten  ändern  könnte.  Für  das  Gericht  steht  fest  und  wiegt  schwer,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Behörden  mit  einer  gefälschten  Identitätskarte  täuschen  wollte,  auch  wenn  dies  in  der  Beschwerde  bestritten  wird:  "Keinesfalls wollte  der BF die Behörden  täuschen."  (S.  6). Und dass  er  ausgerechnet von jenem Freund seines Vaters, der ihm die als gefälscht  erkannte Identitätskarte zugestellt haben soll, nunmehr ein authentisches  Dokument erwarte, widerspricht jeder Logik. 5.1.3. Vor diesem Hintergrund sind auch die nachgereichten Dokumente  zu werten.  Die  nur  in  einer  schlechten  Kopie  vorliegende  Lebensmittel­ Couponkarte  weist  als  Adresse  eine  andere  aus  als  diejenige,  die  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  angegeben  hatte.  In  der  Beschwerde  wird  dazu  lapidar  angemerkt,  es  müsse  sich  um  einen  Verschrieb handeln.

E­8032/2009 In Bezug auf den Zivilregisterauszug stellte die Vorinstanz  fest, es wäre  zu  erwarten,  dass  dieser  nicht  nur  Angaben  zur  Mutter  und  zum  Beschwerdeführer,  sondern  auch  ausführliche  Personalien  des  Vaters  enthalten  würde.  Dem  BFM  wird  dazu  vom  Beschwerdeführer  ohne  nähere  Begründung  der  pauschale  Vorwurf  gemacht,  es  handle  mit  dieser Einschätzung wider besseres Wissen. Beim  ebenfalls  nur  in  Kopie  vorgelegten  Ausweisdokument  der  Mutter  handelt es sich entgegen der Angabe  in der Beschwerde nicht um eine  Identitätskarte, sondern – wie vom BFM festgestellt – um ein Dokument  unbestimmten  Zwecks  des  "Informationsamtes".  Auch  diesbezüglich  richtet  der Beschwerdeführer ohne nähere und vor allem überzeugende  Begründung  Vorwürfe  an  das  Bundesamt,  die  nicht  haltbar  sind.  Ähnliches gilt schliesslich für den Totenschein des Vaters.  5.1.4.  Gesamthaft  ist  festzustellen,  dass  die  eingereichten  Unterlagen  nicht  als  überzeugende  Beweismittel  qualifiziert  werden  können  und  insbesondere die Ausführungen in der Beschwerde sich im Wesentlichen  in  pauschalen  Vorwürfen  erschöpfen  und  am  Rande  der  mutwilligen  Prozessführung  bewegen,  kann  doch  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  leichtsinnige  oder  mutwillige  Prozessführung  dann  vorliegen,  "wenn  die  Partei  ihre  Stellungnahme  auf  einen  Sachverhalt  abstützt, von dem sie weiss oder bei der  ihr zumutbaren Sorgfaltspflicht  wissen müsste, dass er unrichtig ist" (vgl. BGE 112 V 333 E. 5a S. 334f.).  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  zum  Schluss,  dass  keine  Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt. 5.2.  Sodann  ist  auf  die  geltend  gemachte  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  einzugehen.  Aufgrund  vorstehender  Ausführungen,  die  insbesondere  zum  Schluss  führen,  er  versuche  die  Behörden  zu  täuschen,  beschränkt  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  exemplarische Vorbringen und Auffälligkeiten.  5.2.1  In  der  Befragung  und  ebenso  in  der  Anhörung  gab  der  Beschwerdeführer an, sein Vater sei ermordet worden, nachdem er sich  geweigert  habe,  Terroristen  (…)  US  Dollar  zu  zahlen.  Da  man  diesen  Betrag danach auch von seiner Familie verlangt habe, verbunden mit der  Drohung, ihn bei Verweigerung der Zahlung ebenfalls umzubringen, habe  er das Land verlassen. Er habe mit Behörden niemals Probleme gehabt,  sei niemals  inhaftiert gewesen und habe sich auch niemals religiös oder 

E­8032/2009 politisch betätigt. Er habe Angst,  nach Hause zurückzukehren; wenn es  dort gut gewesen wäre, wäre er nicht ausgereicht. Diese  Angaben  werden  in  der  Beschwerde  in  dem  Sinne  präzisiert  beziehungsweise  ergänzt,  als  angegeben wird,  eine Rückkehr  sei  nicht  zumutbar, da eine schon lang andauernde Fehde seiner Familie mit einer  anderen  Familie  es  dem  Beschwerdeführer  verunmögliche,  im  kurdisch  kontrollierten Teil Nordiraks leben zu können. 5.2.2.  Wie  unter  Erwägung  5.1.  ausgeführt,  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Auffassung,  der  Beschwerdeführer  versuche  die  Behörden  zu  täuschen.  Auch  bezüglich  der  Verfolgungsmotive  ist  festzustellen,  dass  keinerlei  auch  nur  einigermassen  überzeugende  Beweismittel  vorliegen  und  die  Aussagen  des Beschwerdeführers in ihrer Gesamtheit ausweichend und konstruiert  wirken.  Sowohl  die  Bedrohung  durch  Terroristen  als  auch  die  Familienfehde  werden  nicht  durch  Beweismittel  erhärtet.  Die  Frage,  ob  allenfalls der Sachverhalt vor diesem Hintergrund nicht genügend erstellt  ist,  erübrigt  sich.  Bei  Annahme  der  Täuschungsabsicht  des  Beschwerdeführers  kann  es  nicht  Sache  des  Gerichts  sein,  irgendwelchen  hypothetischen  Geschehnissen  nachzugehen.  Die  Behörde ist zwar verpflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuches  relevanten Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Dieser Grundsatz  gilt  indes  nicht  uneingeschränkt,  er  findet  sein  Korrelat  in  der  Mitwirkungspflicht  der  asylsuchenden Person  (Art.  13  VwVG  und Art.  8  AsylG), und dieser ist der Beschwerdeführer in der zu erwartenden Weise  nicht nachgekommen. 5.3. Es ist mit der Vorinstanz einigzugehen, dass die Asylvorbringen des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  genügen.  Die  Ausführungen  zu  seinem Aufenthalt  in  Mosul und zur Ermordung seines Vaters und die daran anschliessenden  Vorkommnisse wirken konstruiert und lebensfremd.   5.4.  Nach  dem Gesagten  gelingt  es  dem  Beschwerdeführer  nicht,  eine  asylrelevante  Verfolgung  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen, weshalb die Vorinstanz das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat.  6. 6.1.  Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 

E­8032/2009 ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).  6.2.  Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormals  zuständigen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.1. 7.1.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz  eine Weiterreise  der Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).  So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 

E­8032/2009 (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.  7.1.2. Das Prinzip des flüchtlingsrelevanten Non­Refoulement schützt nur  Personen,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers in den Irak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5  AsylG rechtmässig.  Weder  aus  den Aussagen  des Beschwerdeführers  noch  aus  den Akten  ergeben  sich  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer nämlich eine konkrete  Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde,  was  er  nicht  tut  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Irak  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  7.2. 7.2.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 

E­8032/2009 7.2.2. Der Beschwerdeführer gibt an, aus (…) (Provinz […]) zu stammen,  jedoch im Jahre (…) mit seiner Familie nach (…) umgezogen zu sein, wo  er  bis  zu  seiner  Ausreise  gelebt  habe.  Diesbezüglich  hat  das  BFM  im  angefochtenen  Entscheid  festgestellt,  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  könne  –  nicht  zuletzt  wegen  seiner  spärlichen  Arabischkenntnisse  –  kein  Glaube  geschenkt  werden.  Es  sei  davon  auszugehen, dass der Beschwerdeführer aus einer der (…) stamme, wo  aufgrund  der  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrsche,  weshalb  der Wegweisungsvollzug  dorthin  grundsätzlich zumutbar sei (vgl. dazu BVGE 2008/5 und BVGE 2008/12). 7.2.3.  Dieser Meinung  ist  auch  das  Bundesverwaltungsgericht.  Es  geht  davon  aus,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  in  dem  vorliegend  interessierenden Zeitraum nicht – jedenfalls nicht ausschliesslich – in (…)  aufgehalten  hat.  Bezeichnenderweise  leben  nun  auch  der  Geschäftspartner  seines  Vaters,  seine  Mutter  und  seine  Geschwister  wieder in (…). Die angebliche, nicht belegte und schon lang andauernde  Fehde mit einer anderen Familie vermag die Einschätzung des Gerichts  bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges ebenfalls nicht zu  ändern.  7.2.4.  Schliesslich  sind  auch  keine  individuellen  Gründe  ersichtlich,  welche  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sprechen.  Beim  Beschwerdeführer  handelt  es  sich  um  einen  jungen,  alleinstehenden  und  offenbar  gesunden  Mann,  welcher  in  seinem  Heimatstaat  mit  seiner  Mutter  und  seinen  beiden  Schwestern  noch  engste Familienangehörige hat.  7.2.5.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  demnach als zumutbar.  7.3.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art.  8  Abs.  4  AsylG  und  dazu  auch BVGE 2008/34 E.  12 S.  513­515), weshalb  der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art.  83  Abs.  2  AuG).  7.4.  Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 

E­8032/2009 fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG).  8. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.  9. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr.  600.­  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Sie  sind  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.­  gedeckt  und  werden  mit  diesem verrechnet. (Dispositiv nächste Seite)

E­8032/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  sind  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  gedeckt  und  werden mit diesem verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  das  Migrationsamt des Kantons (…). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Valerie Kaeser Versand:

E-8032/2009 — Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 E-8032/2009 — Swissrulings