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Bundesverwaltungsgericht 15.09.2011 E-7818/2008

15 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,615 mots·~13 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. November 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­7818/2008 Urteil   v om   1 5 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Jean­Pierre Monnet,    Gerichtsschreiberin Anna Poschung. Parteien A._______, Äthiopien,   vertreten durch (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz Gegenstand Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM  vom 5. November 2008 / N (…).

E­7818/2008 Sachverhalt: A.  Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatort  Addis  Abeba  (Äthiopien)  im  Jahr  2002/2003  (europäische  Zeitrechnung)  und gelangte auf  dem Landweg nach Khartoum  (Sudan),  wo er  sich bis  zum 9. September  2007 aufhielt. Über Ägypten  reiste  er  danach  mit  einem  gefälschten  sudanesischen  Reisepass  auf  dem  Luftweg nach Italien und gelangte schliesslich am 12. September 2007 in  einem  Lieferwagen  illegal  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Vallorbe  (EVZ)  um  Asyl  ersuchte.  Anlässlich  der  Befragung  zur  Person  vom  27.  September  2007  im  Transitzentrum  B._______  und  der  einlässlichen  Anhörung  vom  22.  Oktober  2007  zu  den  Asylgründen  durch  das  BFM  machte  er  im  Wesentlichen Folgendes geltend.  Er  sei  mütterlicherseits  tigrinischer  und  väterlicherseits  amharischer  Ethnie,  amharischer Muttersprache und  in Addis Abeba geboren, wo er  bis  zu  seinem  sechzehnten  Lebensjahr  gelebt  habe.  Sein  Vater  sei  im  Jahr 1994/1995 infolge eines Autounfalles gestorben, und 1998/1999 sei  seine  Mutter  nach  Eritrea  ausgewiesen  und  der  Besitz  der  Familie  beschlagnahmt  worden,  worauf  er  bei  seiner  Tante  mütterlicherseits  gewohnt habe. Seit der Deportation seiner Mutter habe er mit den Leuten  in seinem Wohnquartier Probleme gehabt und sei als Eritreer beschimpft  worden.  Zudem  sei  er  von  der  Schule  gewiesen worden,  nachdem  der  Schuldirektor  von  der  Ausweisung  seiner  Mutter  erfahren  habe.  Seine  Tante habe versucht, mittels einer von seiner Mutter vor ihrem Weggang  ausgestellten  Vollmacht  zwei  Transportbusse,  welche  seinen  Eltern  gehört  hätten  und  von  der  äthiopischen  Regierung  beschlagnahmt  worden  seien,  beziehungsweise  das  Hab  und  Gut  seiner  deportierten  Mutter für ihn zurückzuerlangen. Infolge dieser Besitzesstreitigkeit sei die  Tante öfters vor Gericht gegangen und  inhaftiert  gewesen. Drei Monate  vor  seiner  Ausreise  aus  dem  Heimatland  seien  er  und  seine  Tante  in  einem  Schreiben  von  Unbekannten  unter  Morddrohung  aufgefordert  worden,  die  Streitigkeit  aufzugeben.  Aus  diesem  Grund  habe  ihn  die  Tante zusammen mit einer Freundin von ihr in den Sudan geschickt. Dort  habe  er  einige  Monate  später  erfahren,  dass  seine  Tante  von  der  Regierung  getötet  worden  sei.  Er  befürchte,  bei  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien das gleiche Schicksal wie seine Tante zu erleiden, weshalb er  um Asyl in der Schweiz ersuche.

E­7818/2008 Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  zwei  Fotos  in  Kopie,  welche seine Eltern zeigten, zu den Akten. B.  Mit Verfügung vom 5. November 2008 – eröffnet am 7. November 2008 –  stellte  das  BFM  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  genügten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht, weshalb er die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der  Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Auf den detaillierten  Inhalt wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. C.  Mit  Beschwerdeeingabe  vom  5.  Dezember  2008  beantragte  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  damaligen  Rechtsvertreter  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl  sowie  eventualiter  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzuges.  Subeventualiter  sei  die  Staatenlosigkeit  des  Beschwerdeführers  festzustellen.  In  prozessualer Hinsicht  beantragte  er  die unentgeltliche Rechtspflege und den Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses. Als Beweismittel wurde ein Ausweis der Commission  for Eritrean Refugee Affairs (CERA), lautend auf (…) ausgestellt am (…)  1999,  eingereicht.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  und  das  eingereichte  Beweismittel  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen. D.  Mit Zwischenverfügung der vormals zuständigen Instruktionsrichterin vom  16.  Dezember  2008  wurde  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  und  festgehalten,  über  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden.  Weiter  wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  innert  Frist  gültige  Reise­  oder  Identitätspapiere  einzureichen  und  sich  zum  Vorwurf  der  Einreichung  gefälschter  Dokumente  sowie  zur  allfälligen  Weiterführung  des  Verfahrens  als  Asylsuchender  unbekannter  Staatsangehörigkeit  zu  äussern.  Zur  Begründung  des  Fälschungsvorwurfes  wurde  im 

E­7818/2008 Wesentlichen  ausgeführt,  dass  die  CERA  gemäss  gesicherten  Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichtes  im Januar 1996 mit  der  Eritrean Relief and Rehabilitation Agency (ERRA) zur Eritrean Relief and  Refugee Commission  (ERREC)  zusammengeschlossen worden  sei  und  nach  diesem  Zeitpunkt  nicht mehr  als  eigenständige  Institution  existiert  habe,  weshalb  es  sich  beim  eingereichten  Dokument  offensichtlich  um  eine Fälschung handle. E.  Am 13.  Januar  2009  reichte  der Beschwerdeführer  eine Stellungnahme  zu  den  Akten.  Auf  deren  wesentlichen  Inhalt  wird  in  den  Erwägungen  eingegangen. F.  Mit Schreiben vom 17. August 2010, 3. September 2010, 22. November  2010 und 25. Februar 2011 erkundigte sich der Beschwerdeführer nach  dem  Verfahrensstand  beziehungsweise  ersuchte  er  um  rasche  Behandlung seiner Beschwerde. Am 25. November 2010 und 28. Februar 2011 wurden die Schreiben von  der Instruktionsrichterin entsprechend beantwortet. G.   Am  26.  April  2011  informierte  der  Rechtsvertreter  über  ein  Telefongespräch  des  Beschwerdeführers mit  seiner Mutter.  Gleichzeitig  wurde  darauf  hingewiesen,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  langen Verfahrensdauer mittlerweile einen depressiven Eindruck mache.  H.  Mit  Telefonanruf  vom  3.  August  2011  sowie mit  Schreiben  vom  4.  und  16. August  2011 ersuchte  der Beschwerdeführer  abermals  um Auskunft  nach dem Verfahrensstand und baldigen Abschluss. Am 18. August 2011 teilte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer  mit, das Verfahren sei spruchreif und aktuell in Bearbeitung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

E­7818/2008 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  somit  –  vorbehältlich  nachfolgender Einschränkung – einzutreten. 1.4. Für die Anerkennung der Staatenlosigkeit nach dem Übereinkommen  vom  28.  September  1954  über  die  Rechtsstellung  der  Staatenlosen  (SR 0.142.40)  und  die  daran  anknüpfende  Ausstellung  von  Reisedokumenten ist erstinstanzlich das BFM zuständig (vgl. Art. 59 Abs.  1 und Abs. 2 Bst.  b  sowie Art.  98 Abs.  1 des Bundesgesetzes  vom 16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20];  Art.  1  der  Verordnung  vom  27.  Oktober  2004  über  die  Ausstellung von Reisedokumenten für ausländische Personen [RDV, SR  143.5];  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­1055/2006  vom  23.  Februar  2007  E.  5.2).  Da  im  Falle  des  Beschwerdeführers  kein  diesbezüglicher  erstinstanzlicher  Entscheid  des  BFM  vorliegt,  der  beim  Bundesverwaltungsgericht  angefochten  werden  könnte,  ist  auf  den  betreffenden Subeventualantrag mangels funktioneller Zuständigkeit nicht  einzutreten. 

E­7818/2008 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  Entscheides  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  als  unsubstanziiert  zu bewerten. So habe er geltend gemacht,  seine Mutter  sei  eritreischer Herkunft,  habe  jedoch weder den Herkunftsort  in Eritrea  noch den Zeitpunkt ihrer Auswanderung nach Äthiopien angeben können.  Weiter  habe  er  keine  detaillierten  Ausführungen  bezüglich  der  geltend  gemachten Streitigkeit  seiner  Tante mit  den Behörden machen  können.  Seine Angaben über die Ermordung seiner Tante nach seinem Weggang  aus  Äthiopien  seien  ebenfalls  sehr  vage  und  wenig  überzeugend 

E­7818/2008 ausgefallen.  Nebst  der  mangelnden  Substanziierung  der  Sachverhaltsschilderung  seien  seine  Vorbringen  zudem  als  unplausibel  zu  bewerten.  Es  seien  keine  Gründe  ersichtlich,  weshalb  er  nicht  ein  äthiopisches  Ausweispapier  hätte  erwerben  können,  zumal  sein  Vater  äthiopischer  Staatsangehörigkeit  gewesen  sei  und  auch  seine  Tante  mütterlicherseits  –  welche  eritreischer  Herkunft  gewesen  sei  –  über  äthiopische  Ausweispapiere  und  eine  Aufenthaltsbewilligung  verfügt  habe.  Weiter  sei  wenig  nachvollziehbar,  dass  die  Tante  anstelle  der  Mutter  die  Besitzesstreitigkeit  mit  den  Behörden  geführt  habe,  da  nicht  die  Tante,  sondern  allein  der  Beschwerdeführer  Nutzniesser  dieser  Angelegenheit gewesen sei. Überdies sei  seine Behauptung, er verfüge  über  keine  weiteren  Familien­  und  Clanangehörigen,  angesichts  des  weiten  Familienbegriffs  in  Äthiopien  als  realitätsfremd  zu  qualifizieren.  Schliesslich  habe  der  Beschwerdeführer  geltend  gemacht,  auch  seine  Tante  sei  mit  dem  Tod  bedroht  worden,  weshalb  es  wenig  nachvollziehbar sei, aus welchem Grund lediglich er und nicht auch seine  Tante Äthiopien verlassen habe. Den Vollzug der Wegweisung erachtete  das  BFM  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Insbesondere  sprächen  keine  individuellen  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Vollzuges.  Der  Beschwerdeführer  habe  unglaubhafte  Angaben  zu  seiner  familiären  Situation  gemacht,  weshalb  davon  auszugehen  sei,  dass  er  in  seinem  Heimatstaat über ein soziales Beziehungsnetz verfüge, welches  ihm bei  der Reintegration behilflich sein könne. 5.2.  Der  Beschwerdeführer  hält  dem  Vorwurf  der  Unglaubhaftigkeit  einleitend  entgegen,  die  Vorinstanz  habe  in  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes  keine  Abwägung  der  für  und  gegen  ihn  sprechenden  Sachverhaltselemente  vorgenommen  sowie  überprüfbare  Angaben nicht hinreichend abgeklärt. Hinsichtlich der von der Vorinstanz  als  ungenügend  substanziiert  bewerteten  Sachverhaltsdarstellung  argumentiert  er,  aus  dem  als  Beweismittel  eingereichten  Deportationsausweis der Mutter gehe hervor, dass sie im Jahr 1999 aus  Äthiopien  deportiert  worden  sei.  Es  sei  somit  nicht  erheblich,  dass  er  keine  Angaben  bezüglich  des  Herkunftsortes  seiner  Mutter  und  zum  Zeitpunkt  ihrer  Einwanderung  nach  Äthiopien  habe  machen  können.  Weiter sei er im Zeitpunkt der Deportation seiner Mutter ein zwölfjähriges  Kind  gewesen, weshalb  nicht  vorausgesetzt werden  könne,  dass  er  die  Besitzesstreitigkeiten  mit  den  Behörden  selber  geführt  und  sowohl  diesbezüglich  als  auch  zum  Tod  der  Tante  detaillierte  Auskünfte  hätte  geben können. Im Weiteren verkenne die Vorinstanz, dass Äthiopien kein  funktionierender  Rechtsstaat  sei.  Einschüchterungsmassnahmen  wie 

E­7818/2008 anonyme  Drohbriefe  und  mehrfache  Verhaftungen  gehörten  zur  Zermürbungstaktik  des äthiopischen Regimes. Auch die Tatsache,  dass  es  die  Tante  aufgrund  ihres  Alters  vorgezogen  habe,  trotz  der  gefährlichen  Situation  in  Äthiopien  zu  bleiben,  sei  keinesfalls  realitätsfremd. Weiter  entbehre  die Behauptung  der Vorinstanz, wonach  in Äthiopien wie in anderen afrikanischen Staaten der Begriff der Familie  nicht  nur  die  für  Europa  übliche  Kernfamilie,  sondern  auch  Verwandte  zweiten  Grades  umfasse,  jeglicher  Grundlage.  Zur  Verwandtschaft  väterlicherseits  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  sein  äthiopischer  Vater  sei  gestorben,  als  er  noch  ein  Kleinkind  gewesen  sei,  und  es  entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass es  für ein Kind sehr  schwierig  sei,  ein  Beziehungsnetz  zur  Familie  eines  verstorbenen  Elternteils  aufzubauen.  Zusätzlich  müsse  die  angespannte  politische  Situation  mitberücksichtigt  werden  und  der  Umstand,  dass  in  Äthiopien  gemischtethnische Beziehungen nicht  gerne gesehen würden. Aufgrund  der eritreischen Herkunft seiner Mutter sei überdies nachvollziehbar, dass  keine  Familienmitglieder  mütterlicherseits  in  Äthiopien  lebten.  Der  Argumentation  des  BFM,  er  hätte  aufgrund  seiner  äthiopischen  Staatsangehörigkeit  ein  äthiopisches  Ausweispapier  erhalten  können,  wird  entgegnet,  dass  nicht  allen  in  Äthiopien  verbliebenen  Eritreern  provisorische  Ausweise  ausgestellt  worden  seien.  Aus  dem  Deportationsausweis  seiner Mutter  gehe  hervor,  dass  sie  willkürlich  als  Gefahr für die Staatssicherheit eingestuft worden sei, und es gebe keinen  objektiv  nachvollziehbaren  Grund,  weshalb  er  nach  der  Deportation  seiner Mutter anders hätte behandelt werden sollen als  sie. Angehörige  von  Deportierten  seien  zudem  zum  Teil  massiven  Diskriminierungen  seitens  der  äthiopischen  Behörden  und  Bevölkerung  ausgesetzt  gewesen,  weshalb  er  einem  immensen  psychischen  Druck  ausgesetzt  gewesen  sei.  Im  Weiteren  halte  ein  Lagebericht  der  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  9.  November  2005  fest,  dass  Personen,  die  von  den  Behörden  als  Eritreer  betrachtet  würden,  die  Ausstellung  von  Dokumenten verweigert würde. Weiter  wird  gerügt,  die  Vorinstanz  habe  den  Sachverhalt  einseitig  und  damit  ungenügend gewürdigt  und es  insbesondere unterlassen,  anhand  einer  Botschaftsabklärung  zu  überprüfen,  ob  er  über  äthiopische  Ausweispapiere  und  weitere  Verwandte  verfüge,  womit  sie  der  Abklärungs­  und  Begründungspflicht  nicht  hinreichend  nachgekommen  sei. Ferner drohe ihm bei einer Wegweisung nach Eritrea aufgrund seiner  Flucht  ins  Ausland  und  der  Zugehörigkeit  zur  Pfingstgemeinde  eine  unverhältnismässige Bestrafung.

E­7818/2008 Hinsichtlich Wegweisungshindernisse wird geltend gemacht, er würde im  Falle  einer  Rückschaffung  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  in  Haft  genommen, wo ihm Folter und unmenschliche Haftbedingungen drohten.  Sodann  herrsche  entgegen  der  Feststellung  der  Vorinstanz  zwischen  Äthiopien  und  Eritrea  nach  wie  vor  ein  kriegsähnlicher  Zustand.  Im  Weiteren sei er  kein äthiopischer Staatsbürger und verfüge  in Äthiopien  über kein soziales Netz.  5.3. Mit  Eingabe  vom  13.  Januar  2011  hält  der  Beschwerdeführer  dem  Vorwurf  der  Einreichung  eines  gefälschten  Ausweises  der  CERA  entgegen,  dass,  auch  wenn  die  CERA  nach  dem  Januar  1996  offiziell  nicht  mehr  existiert  habe,  die  eritreischen  Behörden  die  vorgefertigten  und  auf  die  CERA  lautenden  Ausweise  auch  nach  dieser  Zeit ­  wahrscheinlich  aus  ökonomischen  Gründen  weiterhin  benutzt  hätten,  wobei der Amtsstempel aber regelmässig auf die ERREC gelautet habe.  Auch beim vom Beschwerdeführer eingereichten Ausweis  lasse sich bei  genauer Betrachtung der Amtsstempel der ERREC erkennen. Hinsichtlich  der Aufforderung,  Identitätspapiere  einzureichen, wird  ausgeführt,  durch  die  Massendeportationen  seien  viele  in  Äthiopien  lebende  ethnische  Eritreer,  insbesondere  Minderjährige  wie  er  selbst,  de  facto  staatenlos  geworden.  Ein  Anspruch  auf  die  äthiopische  Staatsbürgerschaft  habe  nicht bestanden, und eritreische Identitätsdokumente könne man erst ab  dem achtzehnten Lebensjahr  in einem förmlichen Verfahren beantragen,  weshalb er nicht in der Lage sei, Identitätspapiere einzureichen. 6.  6.1.  Glaubhaft  sind  die  Vorbringen  eines  Asylsuchenden  grundsätzlich  dann,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind.  Sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich  sein oder der  inneren Logik  entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person  persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall  ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel  abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung bedeutet  ferner –  im Gegensatz zum strikten Beweis  – ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse 

E­7818/2008 Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise abzustellen  (vgl. Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 6.2. Die Vorinstanz  kam  in  der  angefochtenen Verfügung  zum Schluss,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  als  unglaubhaft  zu  bewerten. Diese Auffassung ist wie nachfolgend dargelegt im Resultat zu  bestätigen. 6.2.1.  Vorab  ist  in  Bezug  auf  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  dem  Beschwerdeführer  insoweit  beizupflichten,  als  dass  entgegen  den  Ausführungen  der  Vorinstanz  nachvollziehbar  ist,  dass  seine  Tante  die  Besitzesstreitigkeit  mit  den  Behörden  geführt  habe,  zumal  er  zum  damaligen  Zeitpunkt  minderjährig  war.  Weiter  ist  für  den  Erhalt  einer  äthiopischen  Identitätskarte  unter  anderem  Voraussetzung,  älter  als  18  Jahre  zu  sein  (vgl.  ALEXANDRA GEISER,  Äthiopien:  Erwerb  von  "echten  Pässen",  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse,  23.  November  2009,  S.  3),  womit  auch  die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  er  habe  kein  äthiopisches  Ausweispapier  erlangen  können,  plausibel  erscheint.  Hingegen ändern diese Beanstandungen hinsichtlich der angefochtenen  Verfügungen  nichts  daran,  dass  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers im Rahmen einer Gesamtwürdigung als überwiegend  unglaubhaft zu beurteilen sind. 6.2.2.  Hinsichtlich  der  eritreischen  Herkunft  der  Mutter  des  Beschwerdeführers  ist  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  festzustellen,  dass  seine  diesbezüglichen  Ausführungen  bei  der  Vorinstanz substanzlos ausgefallen sind und er  insbesondere anlässlich  der  Anhörung  den  Herkunftsort  seiner  Mutter  und  den  Zeitpunkt  ihrer  Ausreise  aus  Eritrea  nicht  anzugeben  vermochte  (vgl.  vorinstanzliche  Akten A15/16 S. 4). Weiter hat er auf die Frage hin, was  ihm die Tante  über  die  Herkunft  seiner  Mutter  erzählt  habe,  einzig  ausgeführt,  seine  Eltern  hätten  sich  kennen  gelernt,  als  sein  Vater  mit  seinem  Auto  zwischen  Eritrea  und  Äthiopien  gependelt  sei  (vgl.  A15/16  S.  5).  Der  Beschwerdeführer  gab  zudem  zu  Protokoll,  amharischer  Muttersprache  zu  sein  und  nur  wenig  passiv  Tigrinya  zu  sprechen,  weil  seine  Eltern  immer  Amharisch  gesprochen  hätten  (vgl.  A1/10  S.  2  F8 f.).  Die 

E­7818/2008 spärlichen  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zur  Herkunft  seiner  Mutter  und  seine  fehlenden  Tigrinyakenntnisse  erstaunen,  zumal  nach  dem Tod des Vaters im Jahr 1994/95 – als der Beschwerdeführer sieben  Jahre alt war – seine Mutter und seine Tante gemäss seinen Aussagen  seine einzigen Bezugspersonen gewesen seien und er sonst niemanden  gekannt  habe  (vgl.  A15/16  S.  4).  Es  scheint  nicht  plausibel,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  zwei  Frauen  tigrinischer  Muttersprache  aufgewachsen  sein  will,  ohne  Tigrinyakenntnisse  zu  erlangen.  Im  Weiteren  hat  der  Beschwerdeführer  widersprüchliche  sowie  unsubstanziierte  Angaben  zu  den  Umständen  der  angeblichen  Deportation der Mutter nach Eritrea gemacht. Er gab einerseits an, seine  Mutter hätte  ihn zu den Nachbarn gebracht und dort versteckt, während  er gleich darauf ausführte, er sei draussen gestanden und plötzlich sei ein  Nachbarskind gekommen und hätte ihn mit nach Hause genommen (vgl.  A15/16 S. 9). Den diesbezüglichen Schilderungen fehlen darüber hinaus  Realkennzeichen  wie  Detailreichtum  (vgl.  beispielhaft  A15/16  S.  9:  "Erzählen Sie genau, was geschehen ist, als Ihre Mutter (…) nach Eritrea  ausgewiesen  wurde."  "Weil  sie  Eritreerin  war.").  Der  auf  Beschwerdeebene  eingereichte  Deportationsausweis  der  Mutter  des  Beschwerdeführers  vermag  an  der  Unglaubhaftigkeit  seiner  Vorbringen  nichts zu ändern. Zwar ist dem Beschwerdeführer insoweit zuzustimmen,  dass  nicht  auszuschliessen  ist,  dass  anfangs  1999  weiterhin  Ausweise  mit  dem  Aufdruck  "CERA"  verwendet  wurden.  Hingegen  weist  das  eingereichte  Dokument  deutliche  Fälschungsmerkmale  auf.  So  fällt  insbesondere  auf,  dass  sich  die  beiden  Amtsstempel  unter  den  handschriftlichen Eintragungen befinden. Zudem  ist erkennbar, dass die  Jahrzahl  "1985",  welche  gemäss  beigelegter  Übersetzung  angibt,  seit  wann sich die deportierte Person am Herkunftsort – im vorliegenden Fall  Addis  Abeba  –  aufgehalten  hat,  korrigiert  wurde.  Weiter  hat  sich  der  Beschwerdeführer  auf  den  Hinweis  beschränkt,  er  habe  das  Dokument  nur  unter  grossen  Schwierigkeiten  erlangen  können,  während  Ausführungen zum Zeitpunkt der Erlangung des Dokumentes und zur Art  von dessen Übermittlung gänzlich fehlen. Schliesslich ist in keiner Weise  belegt, dass es sich bei der  im Dokument erwähnten Person  tatsächlich  um  die  Mutter  des  Beschwerdeführers  handelt.  Das  eingereichte  Beweismittel  vermag  keinerlei  Beweiskraft  zu  entfalten.  Zusammenfassend  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht gemischtethnischer, sondern amharischer Herkunft und äthiopischer  Nationalität  ist,  womit  dem  eigentlichen  Asylvorbringen,  der  Bedrohung  infolge der Besitzesstreitigkeit der Tante mit den äthiopischen Behörden  nach der Deportation der Mutter nach Eritrea, die Grundlage entzogen ist. 

E­7818/2008 Wie  nachfolgend  dargelegt  wird,  sind  zudem  die  Asylvorbringen  auch  darüber hinaus als unglaubhaft zu qualifizieren. 6.2.3. Die freien Erzählungen zu den Asylgründen sowohl anlässlich der  Befragung zur Person als auch der Anhörung sind nur knapp ausgefallen  (vgl. A1/10 S. 4  und A15/16 S.  8  f.).  Selbst  auf Nachfragen hin  hat  der  Beschwerdeführer  in  kurzen,  allgemein  gehaltenen  Sätzen  geantwortet,  welche  den  objektiven  Eindruck  von  tatsächlich  Erlebtem  vermissen  lassen.  Wie  die  Vorinstanz  zu  Recht  festgestellt  hat,  war  der  Beschwerdeführer  insbesondere  nicht  in  der  Lage,  zur  geltend  gemachten Besitzesstreitigkeit der Tante mit den äthiopischen Behörden  detailliert  Auskunft  zu  geben  (vgl.  A15/16  S.  10).  Der  diesbezügliche  Erklärungsversuch  in  der  Beschwerde,  der  Beschwerdeführer  sei  zum  Zeitpunkt der Deportation der Mutter ein zwölfjähriges Kind und deshalb  nicht in der Lage gewesen, darüber eingehend zu berichten, vermag nicht  zu überzeugen, da er zum Zeitpunkt der Ausreise aus Äthiopien gemäss  seinen Angaben 15­jährig und somit  in einem Alter war, wo zu erwarten  gewesen  wäre,  dass  er  sich  mit  der  Besitzesstreitigkeit  auseinandergesetzt  hätte,  zumal  er  sein Heimatland  aus  diesem Grund  verlassen  haben  will.  Auch  das  Argument  der  Vorinstanz,  die  Ausführungen  zum  Tod  der  Tante  seien  vage  und  wenig  überzeugend  ausgefallen, vermag durch den Einwand, er sei ein Kind gewesen, nicht  entkräftet  werden.  Der  Vorinstanz  ist  weiter  beizupflichten,  dass  nicht  nachvollziehbar ist, weshalb nur er, und nicht auch seine Tante Äthiopien  verlassen  hat,  zumal  beide  mit  dem  Tod  bedroht  worden  seien.  Die  blosse Gegenbehauptung  in der Beschwerde, ein  solches Verhalten  sei  keinesfalls  realitätsfremd,  erweist  sich  als  unbehelflich.  Schliesslich  scheint  es  wenig  plausibel,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  erst  drei  Monate nach der gegen ihn und seine Tante gerichteten Morddrohungen  zur  Flucht  entschlossen  und  während  dieser  Zeit  keine  konkreten  Probleme gehabt habe (vgl. A15/16 S. 12).  6.2.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  betreffend  seine  gemischtethnische  Herkunft  wie  auch  die  Asylvorbringen  an  sich  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7  AsylG  nicht  genügen. Die Vorinstanz  hat  demnach  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  verneint  und  dessen  Asylgesuch  abgelehnt.  Es  erübrigt  sich,  auf  die  weiteren Ausführungen in der Beschwerdeeingabe einzugehen, da sie an  dieser Würdigung nichts zu ändern vermögen.

E­7818/2008 6.3. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.4. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 

E­7818/2008 Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Äthiopien  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Äthiopien  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig erscheinen. Vor diesem Hintergrund kann der Einwand in der  Beschwerde,  dem  Beschwerdeführer  drohe  die  Gefahr  von  willkürlicher  Verhaftung  und  Belästigungen  durch  die  Sicherheitskräfte  sowie  einer  Kettenabschiebung  nach  Eritrea,  nicht  gehört  werden.  Nach  dem  Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ als  auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 

E­7818/2008 Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.1.  In  Äthiopien  herrscht  zurzeit  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  in  konstanter Praxis  von der  grundsätzlichen Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs nach Äthiopien ausgegangen wird  (vgl. Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­2097/2008  vom  7.  Juli  2011).  Der  zweieinhalb  Jahre  dauernde Grenzkrieg  zwischen Äthiopien  und Eritrea  wurde im Juni 2000 mit einem von der Organisation für die Einheit Afrikas  (OAU)  vermittelten  Waffenstillstand  und  einem  von  beiden  Staaten  am  12. Dezember 2000 unterzeichneten Friedensabkommen beendet. Trotz  des Abzugs der UN­Friedenstruppen aus Eritrea  im März 2008 und aus  Äthiopien  im  August  2008  ist  im  heutigen  Zeitpunkt  entgegen  der  Auffassung  des Beschwerdeführers  nicht  von  einem offenen Konflikt  im  Grenzgebiet  zwischen  diesen  beiden  Staaten  auszugehen,  wenn  auch  gleichzeitig zu bemerken ist, dass eine Lösung der Grenzproblematik und  eine Normalisierung zwischen den beiden Staaten nach wie vor nicht  in  Sicht  ist  (zur Entwicklung der Lage  in Äthiopien siehe: PETER K. MEYER,  SFH, Äthiopien, Update: Aktuelle Entwicklungen bis Juni 2009, Bern, 11.  Juni  2009,  S. 6 ff.;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­1724/2007  vom 5. Mai 2011 und E­5432/2006 vom 13. Januar 2011).  7.4.2.  Vorliegend  sind  den  Akten  auch  keine  Hinweise  zu  entnehmen,  wonach  ein  Wegweisungsvollzug  in  individueller  Hinsicht  unzumutbar  wäre.  Es  ist  nicht  in  Abrede  zu  stellen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  aufgrund  seiner  mehrjährigen  Landesabwesenheit  mit  gewissen  Schwierigkeiten  konfrontiert  werden  könnte.  Indes hat der  junge und – soweit dies den Akten zu entnehmen  ist – gesunde Beschwerdeführer sieben Jahre lang eine Schule  in Addis  Abeba besucht  und  verfügt  nebst  seiner Muttersprache Amharisch über  mittelmässige Englisch­, wenig Arabisch­ und Tigrinyakenntnisse. Zudem  hat  er  im  Sudan  als  (…)  und  in  der  Schweiz  sporadisch  als  (…)  gearbeitet, womit  er  über  eine  gewisse Berufserfahrung  verfügt, welche  ihm  die  wirtschaftliche  Integration  in  Äthiopien  erleichtern  dürfte.  Im  Übrigen  ist  aufgrund  der  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  die  Frage,  ob  er  –  wie  von  ihm  geltend  gemacht –  tatsächlich  keine  nahen Verwandten  und  damit  ein  tragfähiges  soziales  Netz  in  Äthiopien  hat,  letztlich  nicht  geklärt  und  vom  Bundesverwaltungsgericht  praxisgemäss  auch  nicht  weiter  abzuklären,  da die Untersuchungspflicht nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der  Mitwirkungspflicht der beschwerdeführenden Person findet (Art. 8 AsylG).

E­7818/2008 7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 7.6.  Die  Vorinstanz  hat  somit  den  Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4  AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  abzuweisen,  soweit  auf  diese  einzutreten ist. 9.  Das mit Zwischenverfügung vom 16. Dezember 2008 auf einen späteren  Zeitpunkt verschobene Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  ist  gutzuheissen.  Der  aktuell  erwerbslose  Beschwerdeführer  war  zwar  in  den  Jahren  2010  und  2011  verschiedentlich  als  (…)  tätig.  Es  ist  jedoch  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  dadurch  Einkünfte  erzielte,  die  über  den  für  Alleinstehende  geltenden  Grundbetrag  von  Fr.  1'100.­  hinausgehen.  Der  Beschwerdeführer  ist  somit  als  prozessual  bedürftig  einzustufen.  Seine  Rechtsbegehren sind zudem nicht als aussichtslos zu bezeichnen, womit  die  materiellen  Voraussetzungen  zur  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt sind. Demzufolge sind  dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

E­7818/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2.  Das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Anna Poschung Versand:

E-7818/2008 — Bundesverwaltungsgericht 15.09.2011 E-7818/2008 — Swissrulings