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Bundesverwaltungsgericht 20.02.2012 E-719/2012

20 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·995 mots·~5 min·4

Résumé

Asyl und Wegweisung (Beschwerden gegen Wiedererwägungsentscheid) | Asyl und Wegweisung (Beschwerden gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 27. Januar 2012

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­719/2012 Urteil   v om   2 0 .   Februar   2012   Besetzung Einzelrichter Daniel Willisegger, mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;  Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli.  Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea,  vertreten durch Suzanne Stotz,  (…) Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung  (Wiedererwägungsverfahren);  Zwischenverfügung des BFM  vom 27. Januar 2012 / N (…).

E­719/2012 Sachverhalt: A.  A.a.  Die  Beschwerdeführerin  verliess  ihren  eigenen  Angaben  zufolge  Eritrea  im November 2010 und gelangte am 22. Januar 2011  illegal von  Italien herkommend in die Schweiz, wo sie am 25. Januar 2011 um Asyl  nachsuchte. Mit Verfügung vom 4. März 2011 trat das BFM gestützt auf  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31) auf das Asylgesuch nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der  Schweiz  nach  Italien  an,  und  stellte  fest,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme keine aufschiebende Wirkung zu.  A.b.  Die  Beschwerdeführerin  reichte  mit  Eingabe  vom  23.  März  2011  durch ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  4.  März  2011  ein.  Mit  Zwischenverfügung  vom  31.  März  2011  stellte  der  damals  zuständige  Instruktionsrichter  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  wieder  her, womit die Überstellungsfrist  nach  Italien bis  zum Endentscheid des  Gerichts  unterbrochen  wurde.  Mit  Urteil  vom  14. Dezember  2011  wies  das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde ab. B.  Die Beschwerdeführerin  reichte mit Eingabe vom 6. Januar 2011 (recte:  2012)  durch  ihre  Rechtsvertreterin  beim  BFM  ein  Wiedererwägungsgesuch ein. Darin beantragte sie, die Verfügung vom 4.  März 2011 sei aufzuheben. Es sei  festzustellen, dass seit Erlass dieser  Verfügung  eine  wiedererwägungsrechtlich  relevante  Änderung  der  Sachlage  eingetreten  sei.  Auf  das  Asylgesuch  sei  einzutreten.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  die  Beschwerdeführerin,  dem  Wiedererwägungsgesuch sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und  das  zuständige  Migrationsamt  sei  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  anzuweisen,  den Vollzug  auszusetzen.  Sodann  sei  auf  die  Erhebung  eines  Gebührenvorschusses  zu  verzichten  und  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren.  Zur  Begründung  des  Wiedererwägungsgesuchs  wurde  ausgeführt,  der  Vater  der  Beschwerdeführerin sei pflegebedürftig. Aufgrund von Rückenproblemen  sei  die  Mutter  nicht  mehr  in  der  Lage,  die  umfassende  Pflege  ihres  Ehemannes zu erfüllen. Die Eltern seien sowohl in pflegerischer als auch  in  psychischer  Hinsicht  auf  die  Hilfe  und  Unterstützung  der  Beschwerdeführerin  angewiesen.  Gestützt  auf  Art.  15  der  Verordnung  [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der 

E­719/2012 Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  sei  aus  humanitären  Gründen die Familie zusammenzuführen. C.  Mit Zwischenverfügung vom 27. Januar 2012 (Ausgang BFM: 30. Januar  2012)  stellte  das  BFM  fest,  der  Vollzug  der  Wegweisung  werde  nicht  ausgesetzt  und  forderte  die  Beschwerdeführerin  zur  Leistung  eines  Gebührenvorschusses in der Höhe von Fr. 600.– auf. D.  Am 8. Februar 2012 wurde der Vollzug der Wegweisung vollstreckt und  die Beschwerdeführerin nach Italien ausgeschafft. E.  Die  Beschwerdeführerin  reichte  –  vorab  per  Telefax  –  durch  ihre  Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die  Zwischenverfügung  des BFM  vom 27. Januar  2012  ein  und  beantragte,  die  angefochtene  Zwischenverfügung  sei  aufzuheben.  Das  Gesuch  um  Aussetzung  des  Vollzugs  der  Wegweisung  sei  gutzuheissen.  Auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sei  zu  verzichten  und  dieser  der  Vorinstanz  aufzuerlegen.  Die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  die  Rückführung  der  Beschwerdeführerin  von  Italien  in  die  Schweiz  zu  veranlassen. F.  Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 13. Februar 2012 durch  ihre  Rechtsvertreterin  ein  ärztliches  Zeugnis  des  Kantonsspital  B._______, vom 20. Januar 2012 ein.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls  in der Regel – wie  auch  vorliegend  –  endgültig  (vgl.  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 

E­719/2012 Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105  AsylG).  1.2. Die Beschwerde richtet sich gegen die Zwischenverfügung des BFM  vom  27. Januar  2012.  Eine  Zwischenverfügung,  mit  der  in  einem  Wiedererwägungsverfahren – wie hier – gestützt auf Art.  17b AsylG ein  Gebührenvorschuss  erhoben  und  gleichzeitig  das  Gesuch  um  Aussetzung des Wegweisungsvollzugs abgewiesen wird, ist in Bezug auf  die  Gebührenvorschusserhebung  nicht  anfechtbar,  wohl  aber  in  Bezug  auf die Verweigerung der Vollzugsaussetzung, weil sie im Sinne von Art.  107  Abs.  2  Bst. a  AsylG  einen  nicht  wieder  gutzumachenden  Nachteil  bewirken  kann  (BVGE  2007/18  E.  4,  mit  Hinweisen).  Mit  vorliegender  Beschwerde  wird  einzig  die  Aussetzung  des  Vollzugs  der Wegweisung  angefochten, was zulässig ist.  1.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  als  Verfügungsadressatin  zur  Beschwerdeführung  legitimiert  (Art.  48  VwVG).  Aus  der  Rechtsmittelbelehrung, die fälschlicherweise eine Beschwerdefrist von 30  Tagen angibt, ist der Beschwerdeführerin kein Rechtsnachteil erwachsen.  Die Beschwerde ist innerhalb der gesetzlichen Frist von zehn Tagen (Art.  108 Abs. 1 AsylG, 2. Halbsatz) und formgerecht eingereicht worden. Auf  die Beschwerde ist einzutreten.  2.  2.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  die  angefochtene  Verfügung  auf  Verletzung  von  Bundesrecht,  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  2.2. Die Beschwerde erweist  sich  als  offensichtlich  unbegründet  und  ist  im  Verfahren  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  (Art.  111  Bst.  e  AsylG)  ohne  Weiterungen  und  mit  summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).  3.  3.1. Gemäss  Art.  112  AsylG  hemmt  die  Einreichung  ausserordentlicher  Rechtsmittel  und  Rechtsbehelfe  (wie  Wiedererwägungsgesuche)  den  Vollzug  nicht,  es  sei  denn,  die  für  die  Behandlung  zuständige  Behörde  entscheide anders. Der Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung oder  der  Aussetzung  des  Vollzuges  kommt  funktionell  die  Bedeutung  einer  vorsorglichen  Massnahme  gleich.  Voraussetzung  ist,  dass  konkrete 

E­719/2012 Hinweise  für  die  Begründetheit  des  Begehrens  in  der  Sache  vorliegen  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  einen  erheblichen  und  nicht  wieder  gutzumachenden Nachteil  bewirken würde  (vgl. Art.  107 Abs.  2 AsylG).  Die  Beschwerdeführerin  hat  demnach  ein  überwiegendes  privates  Interesse  am  Verbleib  in  der  Schweiz  darzutun,  welches  das  grundsätzlich  erhebliche  öffentliche  Interesse  am  rechtskräftig  verfügten  Vollzug  der  Wegweisung  überwiegt  (vgl.  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, S. 122, Rz. 335). 3.2.  Die  Vorinstanz  verweigert  die  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzuges,  da  sie  das  Wiedererwägungsgesuch  für  aussichtslos erachtet. Zur Begründung führt sie aus, Art. 15 Abs. 1 und 2  der  Dublin­II­VO  ("Humanitäre  Klausel")  seien  nicht  anwendbar.  Die  Verordnung  gelange  nur  dann  zur  Anwendung,  wenn  sich  eine  Asylsuchende in dem für die Prüfung des Asylgesuchs nach Art. 6 bis 14  Dublin­II­VO zuständigen Staat aufhalte, humanitäre Erwägungen jedoch  dafür  sprechen  würden,  das  Asylverfahren  in  einem  weiteren  Staat  durchzuführen.  Zuständig  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  der  Beschwerdeführerin  sei  Italien.  Vorliegend  sei  nicht  ersichtlich,  weshalb  nicht  die  Schwester  des  Vaters  der  Beschwerdeführerin  temporär  zur  Pflege  beigezogen werden  könne.  Zudem  sei  davon  auszugehen,  dass  die  Pflege  des  Vaters  auch  durch  einen  Pflegedienst  (z.B.  Spitex)  übernommen  werden  könne.  Es  liege  kein  Abhängigkeitsverhältnis  der  Eltern von der Beschwerdeführerin im Sinne der Verordnung vor.  3.3. Die Beschwerdeführerin setzt sich in der Rechtsmitteleingabe mit der  Begründung in der angefochtenen Zwischenverfügung nicht ansatzweise  auseinander  und  zeigt  nicht  auf,  inwiefern  die  Verfügung  Bundesrecht  verletzen  oder  aus  einem  anderen  Beschwerdegrund  mangelhaft  sein  soll. Solches  ist auch nicht ersichtlich. Die Vorinstanz erwägt zutreffend,  dass  die  Voraussetzungen  für  die  Zusammenführung  von  "anderen  abhängigen  Familienangehörigen"  vorliegend  nicht  gegeben  sind.  Den  Erwägungen  ist  beizufügen,  dass  sich  die  Eltern  bereits  über  ein  Jahr  länger  als  die  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  aufhalten  und  die  Beschwerdeführerin in den bisherigen Verfahren nie in irgend einer Form  geltend  gemacht  hat,  dass  sie  wegen  ihrer  Eltern,  namentlich  ihres  pflegebedürftigen Vaters,  in die Schweiz gekommen sei. Die Vorinstanz  hat ein Abhängigkeitsverhältnis  im Sinne der humanitären Klausel daher  zu Recht verneint. 

E­719/2012 3.4.  Die  Beschwerdeführerin  bringt  vor  Bundesverwaltungsgericht  neu  vor, sie sei  in der fünften Woche schwanger. Die Schwangerschaft habe  sie  in  der  Ausschaffungshaft  festgestellt.  Der  Vater  des  Nasciturus,  C._______, lebe als anerkannter Flüchtling in der Schweiz und werde das  Kinder anerkennen, weshalb Art. 7 Dublin­II­VO zur Anwendung komme.  Weiter sei Art. 9 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes (SR  0.107) zu beachten, wonach das Kind das Recht auf eine  regelmässige  persönliche Beziehung und unmittelbaren Kontakt zu beiden Elternteilen  habe. Die Vorbringen sind aus nachfolgenden Gründen unbehelflich. 3.4.1.  Entgegen  der  Behauptung  der  Beschwerdeführerin  wird  die  Schwangerschaft  durch  den  nachgereichten  Arztbericht  des  Kantonsspital  B._______  vom  20.  Januar  2012  nicht  belegt.  Darin  wird  festgestellt: "Aufgrund der nur vagen Angaben zum Zeitpunkt der letzten  Periode  und  der  noch  nicht  sichtbaren  embryonalen  Strukturen  ist  eine  sicherer  Nachweis  einer  intakten  intrauterinen  Schwangerschaft  noch  nicht  zu  erbringen.".  Bei  dieser  Sachlage  kann  die  Frage,  ob  die  Beschwerdeführerin  tatsächlich schwanger  ist, offen bleiben. Denn auch  eine bestehende Schwangerschaft würde nichts daran ändern, dass die  Beschwerdeführerin  aus  Art.  7  Dublin­II­VO  nichts  zu  ihren  Gunsten  ableiten kann.  Nach Art. 7 Dublin­II­VO ist ein (anderer) Mitgliedstaat für die Prüfung des  Asylantrags zuständig, falls der Asylbewerber einen Familienangehörigen  hat, dem das Recht auf Aufenthalt  im Mitgliedstaat  in seiner Eigenschaft  als  Flüchtling  gewährt  wurde,  und  die  betroffenen  Personen  dies  wünschen.  Der  Begriff  der  "Familienangehörigen"  setzt  unter  anderem  voraus, dass die Familie bereits im Heimatland bestanden hat (Art. 2 Bst.  i Dublin­II­VO). Der nicht verheiratete Partner des Asylbewerbers, der mit  diesem  eine  dauerhafte  Beziehung  führt,  wird  dem  Ehegatten  gleichgestellt,  sofern  gemäss  den  Rechtsvorschriften  und  den  Gepflogenheiten  des  betreffenden  Mitgliedstaates  nach  dessen  Ausländerrecht  ähnlich behandelt werden wie verheiratete Paare  (Art.  2  Bst. i Dublin­II­VO, al. I).  Diese  Voraussetzungen  sind  hier  klar  nicht  erfüllt.  Selbst  wenn  eine  Schwangerschaft  ärztlich  bestätigt  wäre,  wäre  damit  noch  nicht  belegt,  dass C._______ auch  tatsächlich der Kindsvater  ist.  Im Übrigen hat die  Beschwerdeführerin  im  bisherigen  Verfahren  nie  geltend  gemacht,  eine  Beziehung  zu  C._______  zu  unterhalten,  namentlich  auch  nicht  im  Wiedererwägungsgesuch  vom  6.  Januar  2012.  Es  besteht  somit  weder 

E­719/2012 ein  ausgewiesenes  zivilrechtliches  Eheverhältnis  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  C._______  noch  ein  Kindesverhältnis  zum  Nasciturus.  Ebenso  wenig  ist  aufgrund  der  Akten  von  einer  genügend  gefestigten,  familienähnlichen  und  dauerhaften  Beziehung  der  Beschwerdeführerin zu C._______ auszugehen. Demnach gelangt Art. 7  Dublin­II­VO nicht zur Anwendung.  3.4.2.  Die  Beschwerdeführerin  kann  aufgrund  der  behaupteten  Schwangerschaft auch nichts aus Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­VO (Regel der  Familienzusammenführung)  zu  ihren  Gunsten  ableiten,  setzt  doch  die  Anwendung  dieser  Klausel  voraus,  dass  bereits  im  Herkunftsland  eine  familiäre Beziehung bestanden hat.  Im Weiteren geht  auch der Hinweis  auf Art. 9 des Übereinkommen über die Rechte des Kindes fehl, solange  kein  Kindesverhältnis  besteht.  Schliesslich  beruft  sich  die  Beschwerdeführerin  zu  Recht  nicht  auf  Art.  8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101). 4.  Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vorinstanz  den Vollzug der Wegweisung zu Recht nicht ausgesetzt hat. Damit liegen  auch keine Gründe vor, die Beschwerdeführerin von Italien in die Schweiz  rücküberführen zu  lassen. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass  Italien sich nicht an die massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK,  halten  würde.  Zudem  werden  nach  den  Erkenntnissen  des  Gerichts  Dublin­Rückkehrende  und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  und  nehmen  sich  –  neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen  an.  Demnach  hat  die  Vorinstanz  den Vollzug der Wegweisung zu Recht nicht ausgesetzt und liegen keine  Gründe  für eine Rücküberführung der Beschwerdeführerin  von  Italien  in  die Schweiz vor. 5.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der  Beschwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da sich die  Beschwerdeführerin  mit  unbekanntem  Aufenthalt  im  Ausland  befindet,  wird  aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  auf  die  Erhebung  der  Verfahrenskosten  verzichtet  (vgl.  63  Abs.  1  in  fine  VwVG  i.V.m.  Art  4a 

E­719/2012 Abs. 1 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­719/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Daniel Willisegger Barbara Balmelli Versand:

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