Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 19.01.2012 E-6517/2011

19 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,137 mots·~6 min·1

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 1. November 2011 / N

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6517/2011 Urteil   v om   1 9 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Kurt Gysi,    Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, Eritrea, vertreten durch (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 1. November 2011 / N (…).

E­6517/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Cousin  und  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit   Eingabe  vom  19.  Mai  2011  beim  Bundesamt  ein  Asylgesuch  stellte,  darum  ersuchte,  dem  Beschwerdeführer  sei  die  Einreise  zwecks  Durchführung  des  Asylverfahrens  zu  bewilligen,  und  gleichzeitig  eine  Vollmacht des Beschwerdeführers zu den Akten reichte, dass  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausgeführt  wurde,  der  Beschwerdeführer habe den Heimatstaat Eritrea am (…) 2008 verlassen,  sei  im  letzten Schuljahr der High School  in den Militärdienst eingezogen  worden und habe sich bei seinem Vorgesetzten erkundigt, weshalb er als  Studierender  das Militärtraining  besuchen müsse, woraufhin  er  zu  einer  bestimmten Militärdivision entsandt und dort verhaftet worden sei, dass  der Beschwerdeführer  in  der  Folge  eine  sechsmonatige Haftstrafe  wegen  Stellens  unangemessener  Fragen  habe  absitzen  müssen  und  anschliessend beim Bau von Strassen und Dämmen für das Militär habe  mithelfen müssen, dass er von (…) 2006 bis (…) 2008 im Militär gewesen sei, bevor es ihm  gelungen sei, dem Militärdienst durch Flucht zu entkommen, dass  er  nach  Libyen  gereist  sei,  wo  er  im  (…)  2009  angekommen  und  kurz  nach  der  Ankunft  durch  libysche  Sicherheitskräfte  festgenommen  und bis (…) 2009 im B._______ festgehalten worden sei, dass  er  am  (…)  2011 Libyen wegen des Bürgerkrieges  verlassen  habe  und  nach  Tunesien  geflohen  sei,  wo  er  sich  seither  im  Flüchtlingslager  Choucha aufhalte, dass er ausserhalb von Eritrea Verwandte in (…) und in (…) habe, dass ihm in Eritrea jahrelange Haft und Folter oder sogar der Tod drohe,  es  ihm ausserdem nicht zumutbar sei, den Asylentscheid  in Libyen oder  in Tunesien abzuwarten, dass  das  BFM  mit  Zwischenverfügung  vom  31.  August  2011  –  unter  Verweis auf ein Schreiben der Schweizer Vertretung  in Tunis – mitteilte,  aus  kapazitätsmässigen  und  sicherheitstechnischen  Gründen  sei  eine  persönliche  Anhörung  des  Beschwerdeführers  nicht  möglich,  weshalb  das Verfahren schriftlich durchzuführen sei,

E­6517/2011 dass es weiter ausführte, das vorliegende Asylgesuch  lasse noch einige  Fragen  offen,  die  im  Rahmen  der  Sachverhaltsabklärung  schriftlich  zu  beantworten seien,  dass  das  BFM  daher  unter  Fristansetzung  den  Beschwerdeführer  dazu  aufforderte,  zum  Aufenthalt  in  Eritrea,  zu  Familienangehörigen  und  Verwandten  in Drittstaaten,  zu  den Ereignissen,  die  zum Verlassen  der  Heimat  geführt  hätten,  zur  Ausreise  aus  Eritrea  und  zum  Aufenthalt  in  (…) ergänzende Angaben zu machen, dass  der  Beschwerdeführer  am  19.  September  2011  fristgerecht  seine  Stellungnahme  (datierend  vom  4.  September  2011)  zu  den  einzelnen  Fragen einreichen liess, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  1.  November  2011  –  eröffnet  am  2. November  2011  –  die  Einreise  des  Beschwerdeführers  verweigerte  und das Asylgesuch aus dem Ausland ablehnte, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der  Beschwerdeführer  habe  zwar  offenbar  im  Heimatstaat  Eritrea  ernstzunehmende  Schwierigkeiten  mit  den  heimatlichen  Behörden  gehabt, dass er sich jedoch nun in Tunesien im Flüchtlingslager Choucha befinde,  wobei  im  aktuellen  Zeitpunkt  keine  konkreten  Anhaltspunkte  für  die  Annahme bestünden, ein weiterer Verbleib in diesem Drittstaat sei für ihn  nicht zumutbar oder nicht möglich, dass  schliesslich  auch  die  Voraussetzungen  für  eine  Familienzusammenführung im Sinn von Art. 51 Abs. 2 des Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) vorliegend nicht erfüllt seien, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe  vom 1. Dezember 2011 gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  dabei  beantragen  liess,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben,  ihm  sei  die  Einreise  in  die  Schweiz  zur  Fortsetzung  des  Asylverfahrens  zu  bewilligen,  zudem  sei  ihm  zufolge  Fürsorgeabhängigkeit  ein  "kostenloses  Beschwerdeverfahren"  zu  gewähren, und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

E­6517/2011 dass  es  auf  dem Gebiet  des  Asyls  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des Bundesgesetzes  vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art.   AsylG,  i. V. m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  vorab  festzustellen  ist,  dass  sich  eine  Partei,  wenn  sie  nicht  persönlich  zu  handeln  hat,  auf  jeder  Stufe  des  Verfahrens  vertreten  lassen  kann,  wobei  die  Einreichung  eines  Asylgesuches  als  sogenannt  "relativ  höchstpersönliches  Recht"  gilt,  dabei  eine  Asylgesuchseinreichung  aus  dem  Ausland  prinzipiell  als  persönlicher  Antrag  zu  erfolgen  oder  –  im  Fall  eines  vertretungsweise  erfolgten  Asylgesuchs – spätestens  im Rahmen einer mündlichen Anhörung oder  durch Einreichen einer persönlich verfassten oder, bei Verzicht auf eine  Anhörung,  mindestens  unterzeichneten  Stellungnahme  zum  Fragenkatalog  des  BFM  zu  bestätigen  ist  (vgl.  das  zur  Publikation 

E­6517/2011 vorgeschlagene Urteil E­3162/2011 des Bundesverwaltungsgerichts vom  6. Dezember 2011), dass  vorliegend  angesichts  der  vom  Beschwerdeführer  verfassten  Stellungnahme  vom  4.  September  2011  davon  auszugehen  ist,  dass  dieser sein Asylgesuch in persönlicher Rechtsausübung gestellt hat, dass die Schweiz gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG Flüchtlingen grundsätzlich  Asyl gewährt und eine ausländische Person als Flüchtling anerkannt wird,  wenn sie  in  ihrem Heimatstaat oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei als ernsthafte Nachteile  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  und  Massnahmen  gelten,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken, dass  das  BFM  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen  kann,  wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann  oder wenn ihr die Aufnahme in einen Drittstaat zugemutet werden kann,  wobei  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht  sind,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält,  und  unglaubhaft  insbesondere  Vorbringen  sind,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte Beweismittel abgestützt werden (vgl. Art. 3, 7 und 52 [Abs. 2]  AsylG), dass  das  Bundesamt  gemäss  Art.  20  Abs.  2  AsylG  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhalts  bewilligt,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet werden  kann,  im Wohnsitz­  oder Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen,  und  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  3  AsylG  das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen  kann,  Asylsuchenden,  die  glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG besteht,  die Einreise zu bewilligen, dass  bei  diesem  Entscheid  über  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  restriktive  Voraussetzungen  gelten,  den  Behörden  ein  weiter 

E­6517/2011 Ermessensspielraum zukommt und neben der erforderlichen Gefährdung  im Sinn von Art. 3 AsylG namentlich die Art der persönlichen Beziehung  zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen  Staat,  die  Qualität  allfälliger  persönlicher  Beziehungen  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  sind  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2 e­g S. 131  ff.; die dort  beschriebene Praxis hat angesichts der bloss  redaktionellen Anpassung  des Gesetzestexts anlässlich der beiden letzten Totalrevisionen nach wie  vor Gültigkeit), dass der Beschwerdeführer vorbringt, er sei in Eritrea zwangseingezogen  worden,  wobei  ihm  letztlich  gelungen  sei,  sich  dem  (weiteren)  Militärdienst zu entziehen, er aus Eritrea  illegal ausgereist und zunächst  nach Libyen gelangt sei, dass  vorweg  festzustellen  ist,  dass  die  schriftlichen  Aussagen  des  Beschwerdeführers gewisse Ungereimtheiten aufweisen,  dass  er  in  der  Stellungnahme  vom  19.  September  2011  beispielsweise  ausführte, bereits unmittelbar nach seiner Ankunft in Libyen im (…) 2009  vom  Amt  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der  Vereinten  Nationen  (UNHCR) als Flüchtling registriert worden zu sein, während er später nur  noch die Registrierung durch das UNHCR in Tunesien erwähnte, dass er im schriftlichen Asylgesuch vom 19. Mai 2011 noch ausführte, er  sei  kurz  nach  seiner  Ankunft  in  Libyen  im  (…)  2009  von  den  libyschen  Sicherheitskräften  inhaftiert und bis zum (…) 2009  festgehalten worden,  auch diese angebliche Festnahme in den späteren Eingaben jedoch nicht  mehr erwähnte, dass  gemäss Art.  52  (Abs.  2) AsylG  einer Person,  die  sich  im Ausland  befindet,  das Asyl  verweigert  werden  kann, wenn  es  ihr  zuzumuten  ist,  sich  in  einem  anderen  Staat  um  Aufnahme  zu  bemühen,  und  diese  Bestimmung  dabei  keine  Unterscheidung  trifft  zwischen  Asylgesuchen  aus dem Herkunftsland der asylsuchenden Person und solchen, die aus  einem Drittstaat gestellt werden, dass  bei  Asylgesuchen  aus  dem  Ausland,  bei  denen  sich  die  asylsuchende  Person  in  einem  Drittstaat  aufhält,  im  Sinn  einer 

E­6517/2011 (widerlegbaren)  Vermutung  davon  auszugehen  ist,  die  betreffende  Person  habe  im Drittstaat  bereits Schutz  vor Verfolgung  gefunden  oder  könne  ihn  dort  erlangen, weshalb  grundsätzlich  anzunehmen  ist,  es  sei  ihr zuzumuten, dort  zu verbleiben  respektive sich dort um Aufnahme zu  bemühen (vgl. hierzu und zum Folgenden EMARK 2004 Nr. 21 E. 4b.aa), dass vor diesem Hintergrund zu prüfen  ist, ob die asylsuchende Person  im  Drittstaat  tatsächlich  Schutz  vor  Verfolgung  gefunden  hat  oder  erlangen  kann  und  –  falls  dies  zu  bejahen  ist  –  ob  der  betreffenden  Person die Inanspruchnahme dieses Schutzes durch einen Drittstaat und  ein Verbleib in diesem Staat objektiv zugemutet werden kann, dass  vor  dem  Hintergrund  dieser  Rechtsprechung  mit  Bezug  auf  den  Beschwerdeführer festzuhalten ist, dass dieser in Tunesien vom UNHCR  als Schutzsuchender registriert sei,  dass zwar die Situation der Menschen vor Ort nicht einfach ist, diese sich  mit  alltäglichen  Schwierigkeiten  verschiedenster  Art  konfrontiert  sehen,  und  dem  Gericht  namentlich  auch  die  Ereignisse  vom  Mai  2011  im  Flüchtlingslager  Choucha  bekannt  sind,  wo  sich  der  Beschwerdeführer  aufhält,  dass  indessen  mit  dem  BFM  festzuhalten  ist,  dass  sich  die  Lage  in  diesem  Camp  seither  offensichtlich  beruhigt  hat  und  es  jedenfalls  zu  keinen vergleichbaren Zwischenfällen mehr gekommen ist, dass das Bundesverwaltungsgericht  in kürzlich ergangenen Urteilen den  Verbleib in diesem vom UNHCR betreuten Flüchtlingslager denn auch als  zumutbar qualifiziert hat (vgl. Urteile D­6528/2011 vom 8. Dezember 2011  und E­6559/2911 vom 15. Dezember 2011), dass  demnach  im  aktuellen  Zeitpunkt  auch  ein  weiterer  Verbleib  des  Beschwerdeführers  in  Tunesien  als  zumutbar  zu  beurteilen  ist  und  er  folglich nicht auf den (subsidiären) Schutz der Schweiz angewiesen ist, dass  ergänzend  einerseits  festzuhalten  ist,  dass  der  Beschwerdeführer    angegeben  hatte,  auch  in  Libyen,  wo  er  sich  bereits  zwei  Jahre  lang  aufgehalten hatte, vom UNHCR registriert worden zu sein, bevor er durch  den  –  bekanntlich mittlerweile  beendeten  –  Bürgerkrieg  zur Weiterreise  nach Tunesien veranlasst worden sei,

E­6517/2011 dass er im Schreiben vom 4. September 2011 zwei Brüder erwähnte, die  als Asylsuchende in den USA leben würden, womit – jedenfalls bezüglich  des Verwandtschaftsgrads – eine nähere Beziehung zu diesem weiteren  Drittstaat  als  zur  Schweiz  zu  bestehen  scheint  (in  der  Beschwerde  ist  demgegenüber  ohne weitere Erklärung nur  noch  von einem  in  die USA  geflohenen  Bruder  die  Rede,  dessen  Asylantrag  zudem  abgelehnt  worden sei), dass dem Cousin (und Rechtsvertreter) des Beschwerdeführers offenbar  Anfang  2010  unter  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  in  der  Schweiz Asyl gewährt worden ist, dass  gemäss Art.  51 AsylG Ehegatten,  eingetragene Partnerinnen  oder  Partner  von  Flüchtlingen  und  ihre  minderjährigen  Kinder  ebenfalls  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden,  wenn  keine  besonderen  Umstände  dagegen sprechen (Abs. 1), andere nahe Angehörige von in der Schweiz  lebenden  Flüchtlingen  in  das  Familienasyl  eingeschlossen  werden  können,  wenn  besondere Gründe  für  die  Familienvereinigung  sprechen  (Abs.  2)  und  die  Einreise  von  im  Ausland  befindlichen  anspruchsberechtigten Personen gemäss Absätzen 1 und 2 auf Gesuch  hin  zu  bewilligen  ist,  wenn  sie  durch  die  Flucht  getrennt worden waren  (Abs. 4), dass besondere Gründe gemäss Art.  51 Abs.  2 AsylG nach Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  insbesondere  bei  einem  besonderen  persönlichen  Abhängigkeitsverhältnis,  beispielsweise  aufgrund  einer  Erkrankung, anzunehmen sind, dass  vorliegend  keine  solchen  besonderen  Umstände  geltend  gemacht  worden sind, dass  der  Beschwerdeführer  und  sein  Cousin  (der  offenbar  im  Sommer  2008 in die Schweiz eingereist war) soweit feststellbar, auch nicht geltend  machen,  sie  seien  im  Sinn  von  Art.  51  Abs.  4  AsylG  durch  die  Flucht  getrennt worden, dass  bei  dieser  Aktenlage  die  Einreise  des  Beschwerdeführers  auch  unter  dem  Blickwinkel  des  Familienasyls  (Art.  51  AsylG)  nicht  bejaht  werden kann, dass  das  BFM  daher  in  Würdigung  aller  Umstände  das  Gesuch  um  Einreise und Asylgewährung zu Recht abgelehnt hat,

E­6517/2011 dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten grundsätzlich dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen wären  (Art. 63 Abs. 1 VwVG),  jedoch  in  Gutheissung  des  sinngemässen  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  (vgl.  Art.  63  Abs.  1  letzter  Satz  VwVG und Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite)

E­6517/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die Schweizer  Botschaft in Tunis. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand:

E-6517/2011 — Bundesverwaltungsgericht 19.01.2012 E-6517/2011 — Swissrulings