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Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 E-6356/2011

16 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,404 mots·~7 min·2

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgsuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung:

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6356/2011 Urteil   v om   1 6 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Walter Lang;  Gerichtsschreiber Simon Thurnheer. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______,  geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), Eritrea,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 19. September 2011 / N (…).

E­6356/2011 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden  beantragten  mit  englischsprachiger  Eingabe  vom 26. August 2010 (bei der Botschaft eingegangen) sinngemäss, ihnen  sei  zwecks  Durchführung  eines  Asylverfahrens  die  Einreise  in  die  Schweiz zu bewilligen. Mit Schreiben vom 19. November 2010 klärte das  BFM die Beschwerdeführenden über die anwendbaren Rechtsgrundlagen  und  seine  strenge  Bewilligungspraxis  auf  und  teilte  ihnen mit,  dass  die  Aussichten auf eine Einreisebewilligung gering seien. Weiter forderte das  BFM  die  Beschwerdeführenden  dazu  auf,  gegenüber  der  Schweizer  Vertretung im Sudan bis spätestens dem 19. Dezember 2010 zu erklären,  ob sie an ihren Gesuchen festhalten wollten. Im Unterlassungsfall würden  ihre  Gesuche  als  zurückgezogen  abgeschrieben.  Mit  Eingabe  vom  16. Dezember  2010  (bei  der  Botschaft  eingegangen)  bekräftigten  die  Beschwerdeführenden  ihre Absicht, an den Gesuchen  festzuhalten. Das  BFM  teilte  ihnen  mit  Schreiben  vom  13. Mai  2011  mit,  dass  im  Asylverfahren  eine  asylsuchende  Person  in  der  Regel  zwar  durch  die  Schweizerische Vertretung vor Ort zu befragen sei,  im vorliegenden Fall  jedoch aus kapazitätsbedingten und sicherheitstechnischen Gründen die  Schweizer  Vertretung  im  Sudan  nicht  in  der  Lage  sei,  eine  Befragung  durchzuführen. Da jedoch bezüglich der Asylgesuche noch einige Fragen  offen  seien,  ersuche  das  BFM  die  Beschwerdeführenden  zur  Vervollständigung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  um  eine  ergänzende Stellungnahme zu verschiedenen Punkten. Am 14. Juni 2011  reichten  die  Beschwerdeführenden  auf  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartoum ein Antwortschreiben ein. Zur  Begründung  ihrer  Gesuche  machten  die  Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  folgende  Gründe  geltend:  Der  Beschwerdeführer,  A._______, sei zunächst orthodoxer Christ und die Beschwerdeführerin,  B._______,  seine Ehefrau, Katholikin gewesen.  In der Folge seien aber  beide  als  "(…)"  Christen  der  (…)  beigetreten.  Deshalb  seien  sie  gesellschaftlich  diskriminiert  worden  und  die  Beschwerdeführerin  habe  sogar  ihre  Arbeitsstelle  verloren.  Anhänger  der  (…)  würden  überdies  auch  von  staatlicher  Seite  verfolgt.  Der  Beschwerdeführer,  A._______,  habe  von  1998  bis  zu  seiner  Ausreise  im  Jahre  2009  Militärdienst  geleistet,  wobei  er  unter  anderem  in  verschiedenen  (…)  als  (…)  gearbeitet  habe,  während  der  Grenzkonflikte  mit  Äthiopien  aber  an  die  Front  geschickt  worden  sei.  Als  Armeeangehöriger  habe  er  kein  genügendes  Einkommen  generieren  können.  Wegen  seiner  grossen 

E­6356/2011 Gefolgschaft,  die  er  als  (…)  habe,  habe  man  versucht,  ihn  als  Kadermitglied  der  People's  Front  for  Democracy  and  Justice  (PFDJ)  anzuwerben. Nachdem er dies auf Grund seiner religiösen Überzeugung  verweigert habe, sei er verfolgt worden. So sei er auf eine schwarze Liste  gesetzt,  zweimal  verhaftet  und  dabei  geschlagen  und  unmenschlich  behandelt  worden.  Aus  diesen  Gründen  hätten  sie  im  Frühjahr  2009  Eritrea  illegal  verlassen  und  seien  in  den Sudan  gereist,  wo  sie  sich  in  das Flüchtlingslager G._______ begeben hätten.  Im Flüchtlingslager  sei  die Unterkunft vor Feuer und Regen nicht sicher gewesen, die Nahrung  quantitativ  und  qualitativ  ungenügend,  so  dass  die  Kinder  krank  geworden  seien  (u.a.  Malaria);  die  medizinische  Versorgung  sei  unerschwinglich  gewesen.  Für  die  Kinder  hätten  nur  ungenügende  Ausbildungsmöglichkeiten  bestanden,  die  zudem  den  religiösen  Überzeugungen  der  Eltern  widersprochen  hätten  (Koranschule).  Die  Sicherheit  sei  nicht  gewährleistet  gewesen;  insbesondere  seien  sie  vor  marodierenden  eritreischen  Stämmen,  die  unweit  vom  Lager  im  Grenzgebiet gelebt hätten, belästigt worden. Die Bedingungen  im Lager  hätten  der  Beschwerdeführerin  B._______,  die  zu  jener  Zeit  mit  ihrem  vierten  Kind  schwanger  gewesen  sei,  gesundheitlich  schwer  zugesetzt.  Aus  diesen  Gründen  hätten  sie  das  Lager  verlassen  und  seien  nach  Khartoum  gezogen,  wo  sie  zunächst  von  einer  kirchlichen  Einrichtung  beherbergt  und  versorgt  worden  seien.  Später  hätten  sie  aber  auf  eigenen Füssen stehen müssen und versucht,  ihren Lebensunterhalt mit  körperlicher  Arbeit  zu  bestreiten,  was  aber  der  Gesundheit  von  B._______,  (…),  abträglich  gewesen  sei.  Ausserdem  verfügten  sie  im  Sudan  weder  über  einen  Aufenthaltsstatus  noch  eine  Arbeitserlaubnis,  weshalb  sie  jederzeit  der  Gefahr  ausgesetzt  seien,  verhaftet  und  nach  Eritrea  deportiert  zu  werden.  Die  Beschwerdeführenden  machten  ausserdem geltend, ein Verwandter von B._______ lebe als Flüchtling in  der Schweiz. B.  Mit  Verfügung  vom  19. September  2011  (Eröffnung  unbekannt)  verweigerte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  die  Einreise  in  die  Schweiz und lehnte ihre Asylgesuche ab. C.  Mit  Eingabe  vom  3.  November  2011  (bei  der  Botschaft  eingegangen)  erhoben die Beschwerdeführenden gegen diesen Entscheid Beschwerde  und  beantragten  sinngemäss  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung, die Einreisebewilligung und die Asylgewährung.

E­6356/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Da  kein  Zustellungsdatum  ersichtlich  ist,  steht  vorliegend  der  Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung nicht fest. Weil die  Beweislast  für  die  Zustellung  an  den  Beschwerdeführer  bei  der  eröffnenden  Behörde  liegt  (vgl.  ANDRÉ MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesgericht,  Basel  2008,  Rz.  3.150. S. 166f.), ist davon auszugehen, dass die am 3. November 2011 in  der  Schweizer  Vertretung  in  Khartoum  eingegangene  Beschwerde  rechtzeitig erfolgt ist.   1.4.  Die  Beschwerde  ist  somit  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

E­6356/2011 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1. Nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG  ist die Einreise  in die Schweiz zu  bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr  für  Leib,  Leben oder Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird, das heisst  im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und Asylgewährung, oder  aber  wenn  für  die  Dauer  der  näheren  Abklärung  des  Sachverhalts  ein  weiterer Aufenthalt im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise  in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint. 4.2.  Gemäss  Art.  3  AsylG  wird  ein  Ausländer  als  Flüchtling  anerkannt,  wenn  er  in  seinem  Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  er  zuletzt  wohnte,  wegen  seiner  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  seiner  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 4.3. Nach Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich  im Ausland  befindet,  das  Asyl  verweigert  werden,  wenn  es  ihr  zugemutet  werden  kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwendung von Art. 52 Abs. 2 AsylG ist in einer Gesamtschau zu  prüfen, ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es  gerade die Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung  erforderlichen  Schutz  gewähren  soll  (vgl.  EMARK  2004  Nr. 21  E. 4a  S. 139).  Dabei  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die 

E­6356/2011 Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  der  Schweiz in Betracht zu ziehen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 ff.). 4.4. Ehegatten, eingetragene Partnerinnen und Partner von Flüchtlingen  und  ihre  minderjährigen  Kinder  werden  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen (Art.  51 Abs. 1 AsylG). Andere nahe Angehörige von in der Schweiz lebenden  Flüchtlingen  können  in  das  Familienasyl  eingeschlossen  werden,  wenn  besondere Gründe  für die Familienvereinigung sprechen  (Art. 51 Abs. 2  AsylG). Andere nahe Angehörige im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG sind  insbesondere dann zu berücksichtigen, wenn sie behindert sind oder aus  einem anderen Grund auf die Hilfe einer Person, die in der Schweiz lebt,  angewiesen  sind  (Art.  38  der  Asylverordnung  1  vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311]).  Wurden  die  anspruchsberechtigten Personen nach Art. 51 Abs. 1 und 2 AsylG durch  die Flucht getrennt und befinden sie sich im Ausland, so ist ihre Einreise  auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG).  Besondere Gründe, die für eine Familienvereinigung im Sinne von Art. 51  Abs.  2  AsylG  sprechen,  liegen  nach  der  Praxis  vor,  wenn  die  einzubeziehenden  nahen  Angehörigen  einer  besonderen  Unterstützung  im Sinne  einer  persönlichen  Fürsorge  ­  nicht  lediglich  einer  finanziellen  Unterstützung  ­  bedürfen,  die  nur  die  in  der  Schweiz  lebenden,  asylberechtigten Familienangehörigen zu erbringen in der Lage sind (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 2001 Nr. 24 E. 3, EMARK 2000 Nr. 27  E. 5 f., EMARK 2000 Nr. 21 E. 6.c). Bei der Gewährung von Familienasyl  im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG wird zudem vorausgesetzt,  dass die  betreffende  Person  mit  dem  in  der  Schweiz  anerkannten  Flüchtling  im  Moment  der  Flucht  in  einem  gemeinsamen  Haushalt  gelebt  hat,  eine  Wiederherstellung  dieser  Gemeinschaft  unentbehrlich  ist  und  in  der  Schweiz  auch  tatsächlich  angestrebt  wird  (vgl.  EMARK  2000  Nr.  11,  EMARK 2001 Nr. 24 E. 3, EMARK 2006 Nr. 8).  5.  5.1.  Zur  Begründung  seiner  Verfügung  hielt  das  BFM  im Wesentlichen  fest,  wenn  der  Sachverhalt  bereits  aufgrund  der  schriftlichen  Eingaben  entscheidreif  erstellt  sei,  könne  auf  eine  Anhörung  des  http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/8

E­6356/2011 Beschwerdeführenden  verzichtet  werden,  sofern  ihnen  das  rechtliche  Gehör gewährt werde. Unter Einbezug des Schreibens vom 14. Juni 2011  erachte es die Aktenlage als rechtsgenüglich erstellt.  5.2.  Aufgrund  der  Schilderungen  der  Beschwerdeführenden  im  Asylgesuch vom 26. August 2010 und den ergänzenden Stellungnahmen  vom 16. Dezember 2010 und dem 14. Juni 2011 sei davon auszugehen,  dass  ihre  Schwierigkeiten mit  den  eritreischen  Behörden  asylbeachtlich  seien.  Das  BFM  prüfte  sodann,  ob  aufgrund  des  Aufenthalts  im  Sudan  einer  Asylgewährung  durch  die  Schweiz  Art.  52  Abs.  2  AsylG  entgegenstehe. Es räumte ein, es sei nicht zu verkennen, dass die Lage  für die eritreischen Flüchtlinge  im Sudan nicht einfach sei; zugleich hielt  es  aber  fest,  dass  keine  konkreten  Anhaltspunkte  zur  Annahme  bestünden,  dass  ein  weiterer  Verbleib  im  Sudan  den  Beschwerdeführenden  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  sei.  Die  von  ihnen  geäusserte  Befürchtung,  nach  Eritrea  verschleppt  zu  werden,  erachtete es als  klar  unbegründet. Das BFM verfüge mit  der Schweizer  Botschaft  im Sudan über sehr gute Informationen über die Lage vor Ort.  Gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko einer Deportation oder  Verschleppung für Eritreer, die  im Sudan lebten, sehr gering. In  jüngster  Vergangenheit  seien  auch  keine  Rückführungen  nach  Eritrea  bekannt  geworden. Mit Verweis auf die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zu  ähnlich gelagerten Fällen stellte das BFM fest, dass der weitere Verbleib  im  Sudan  für  die  Beschwerdeführenden  zumutbar  sei,  wobei  ihnen  insbesondere  zugemutet  werden  könne,  ins  Flüchtlingslager  zurückzukehren, wo sie die nötige Versorgung erhielten. Demnach seien  gemäss  Art.  20  i.V.m.  Art.  3  und  52  Abs.  2  AsylG  die  Einreise  zu  verweigern und die Asylgesuche abzulehnen. 5.3. Das BFM prüfte alsdann, ob die Einreise gemäss Art. 51 Abs. 2 und  4  AsylG  auf  Grund  der  Beziehungsnähe  der  Beschwerdeführenden  zu  ihrem  in  der Schweiz  als  Flüchtling  lebenden Verwandten  zu  bewilligen  sei. Es verneinte dies mit der Begründung, es lägen keine Hinweise vor,  wonach  es  sich  bei  jenem  Verwandten  um  einen  nahen  Verwandten  handle, so dass eine enge Beziehung nicht vermutet werden könne. Aus  den  Schreiben  der  Beschwerdeführenden  seien  keine  besonderen  Umstände ersichtlich, die dazu führen würden, dass ausnahmsweise von  einer  engen Beziehung  zwischen B._______  und  ihrem  in  der  Schweiz  lebenden Verwandten auszugehen sei.

E­6356/2011 6. 6.1. Vorweg  ist  festzustellen, dass das BFM  in casu den Sachverhalt  in  Beachtung  der  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  BVGE 2007/30) festgestellt hat. 6.2.  Ob  die  Beschwerdeführenden  in  ihrem  Heimatstaat  in  asylbeachtlicher  Weise  verfolgt  werden,  kann  offen  gelassen  werden,  weil,  wie  nachfolgend  aufzuzeigen  ist,  ihnen  der  weitere  Verbleib  im  Sudan im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG zugemutet werden kann und sie  dort nicht an Leib und Leben oder der Freiheit nach einem Grund gemäss  Art. 3 AsylG unmittelbar gefährdet sind. Die  Vorinstanz  hat  mit  Verweis  auf  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  29. April  2010  (D­2047/2010)  zu Recht  festgehalten, dass Deportationen nach Eritrea zwar vorgekommen seien,  aber  nicht  flächendeckend  erfolgten,  dass  das  Risiko  einer  Verschleppung  oder  Deportation  der  Beschwerdeführenden  sehr  gering  sei,  zumal  keine  konkreten  Hinweise  auf  eine  drohende  Deportation  vorlägen  und  die  Befürchtung  der  Beschwerdeführenden,  verschleppt  oder  deportiert  zu  werden,  somit  unbegründet  sei.  Mit  Blick  auf  das  zitierte  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  der  Vorinstanz  darin  zuzustimmen,  dass  der  Verbleib  im  Sudan  bzw.  die  Rückkehr  ins  Flüchtlingslager  aufgrund  der  dortigen  Situation  entgegen  ihren  Ausführungen zumutbar ist. Die Auffassung des BFM, wonach die Asylgesuche abzulehnen und die  Einreise  zu  verweigern  sei,  ist  auch  deshalb  zu  bestätigen,  weil  die  Voraussetzungen  für  eine  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  2  und  3  AsylG  nicht  erfüllt  sind,  zumal  den  Beschwerdeführenden  im  Sudan  keine  unmittelbare  asylrelevante  Gefährdung  droht  und  sie  somit  nicht  auf  den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen sind. Auf  Beschwerdeebene  korrigieren  sie  die  Ausreisedaten,  wiederholen  ihre  Vorbringen  aus  dem  erstinstanzlichen  Verfahren,  machen  Ergänzungen  zur  allgemeinen  Lage  der  Eritreer  im  Sudan  und  bringen  weitere  Asylgründe  bezüglich  der  politischen  Verfolgung  in  Eritrea  vor.  Sie  machen  aber  nichts  geltend,  was  geeignet  wäre,  die  Einschätzung  des Bundesverwaltungsgerichts zu ändern, zumal, wie oben festgehalten, 

E­6356/2011 offen  gelassen werden  kann,  ob  sie  in Eritrea  politisch  verfolgt werden.  Daher erübrigt es sich, darauf näher einzugehen.  Es  liegen  keine  konkreten  Hinweise  vor,  welche  die  Lagebeurteilung  in  Frage  stellen  würden.  Insbesondere  substanziieren  die  Beschwerdeführenden  das  Vorbringen,  die  Kinder  und  Ehefrau  bzw.  Mutter seien auf Grund der dortigen Lebensbedingungen im Lager krank  geworden,  nicht.  So  wird  das  in  der  Eingabe  vom  16. Dezember  2010  gemachte  Vorbringen,  die  Kinder  hätten  sich  mit  Malaria  angesteckt,  weder  in  der  Eingabe  vom  14. Juni  2011  noch  auf  Beschwerdeebene  erwähnt. 6.3.  Das  BFM  verneinte  den  Anspruch  auf  Familiennachzug  gemäss  Art. 51 Abs. 2 und 4 AsylG zu Recht und mit zutreffender Begründung, so  dass an dieser Stelle auf die Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen  ist.  Auf  Beschwerdeebene  halten  die  Beschwerdeführenden  dem  nichts  entgegen,  was  geeignet  wäre,  die  von  der  Vorinstanz  vertretene  Auffassung  umzustossen.  Insbesondere  können  sie  weder  die  Verwandtschaftsgrade bezeichnen noch  substanziieren, worin  ihre enge  Beziehung zum  in der Schweiz  lebenden Verwandten bestehen soll. Es  ist  lediglich  davon  die  Rede,  eine  Person  in  der  Schweiz  zu  ihrem  Sponsor zu nominieren. 7. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Einreise in die Schweiz zur  Abklärung  des  Sachverhalts  nicht  erforderlich  ist  und  ein  Asylausschlussgrund gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG vorliegt. Das BFM hat  demnach  den  Beschwerdeführenden  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz verweigert beziehungsweise deren Asylgesuch abgelehnt. 8. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  den  Beschwerdeführenden  die  Kosten  des  Verfahrens  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen und  in Anwendung von Art. 63 Abs. 

E­6356/2011 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  allerdings  auf  die  Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

E­6356/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  Schweizerische Vertretung in Khartoum. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Simon Thurnheer

E-6356/2011 — Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 E-6356/2011 — Swissrulings