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Bundesverwaltungsgericht 28.11.2011 E-6281/2011

28 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,611 mots·~8 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. November 2011 / N

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6281/2011 Urteil   v om   2 8 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima;   Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, B._______, C._______, D._______, Eritrea,   alle vertreten durch E._______, Anlaufstelle Baselland, Oberfeldstrasse 11a, 4133 Pratteln,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin);  Verfügung des BFM vom 11. November 2011 / N (…).

E­6281/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden  gemäss  eigenen  Angaben  am  6.  September  2011  illegal  in  die  Schweiz  einreisten  und  hier  gleichentags  Asylgesuche stellten,  dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  3.  Oktober  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  F._______  zunächst das Datum der Ausreise aus ihrem Heimatstaat mit dem 7. Juli  2010  angab  und  sämtliche  Fragen  nach  allfälligen  früheren  Auslandaufenthalten  und  Asylverfahren  verneinte,  ihre  Angaben  auf  Vorhalt  daktyloskopischer Auswertungen  in  Italien  (Eurodac­Treffer  vom  […] August 2006) und Schweden (Eurodac­Treffer vom […] Januar 2007  und vom […] Januar 2008) jedoch im Sinne nachstehender Ausführungen  berichtigte, dass sie das Asylgesuch für sich und ihre Kinder im Wesentlichen mit der  langen  Dauer  des  Militärdienstes  in  Eritrea,  ihrer  im  Militärdienst  eingetretenen ersten Schwangerschaft und der Inhaftierung ihres religiös  angetrauten  Mannes  begründete,  welche  Umstände  das  Paar  im  Juli  2006 zur Ausreise bewogen hätten, dass  sie  am  (…)  Juli  2006  in  Italien  aufgegriffen  worden  seien,  in  der  Folge  Asylgesuche  eingereicht  und  eine  einstweilen  einjährige  Aufenthaltsbewilligung  erhalten  hätten,  jedoch  im  Januar  2007  weiter  nach  Schweden  gereist  seien,  wo  sie  und  ihr  Partner  um  Asyl  ersucht  hätten und sie ihr erstes Kind geboren habe, dass sie im September 2007 von Schweden nach Italien zurückgeschickt  worden  seien,  wo  sie  jedoch  unter  den  schlimmen  Zuständen  gelitten  hätten, dass die Familie  im Januar 2008 erneut nach Schweden gereist sei, um  dort ein zweites Mal um Asyl nachzusuchen und ihre schwierige Lage in  Italien geltend zu machen, dass sie  im September 2008  (…) von Schweden wiederum nach  Italien  zurückgeschickt worden seien und dort ohne Zukunftsperspektiven erneut  auf  der  Strasse  beziehungsweise  mit  Unterstützungsleistungen  der  Caritas  gelebt  hätten,  wobei  sich  ihr  Mann  während  ihrer  dritten  Schwangerschaft aus Verdruss von der Familie getrennt habe und seither  unauffindbar sei,

E­6281/2011 dass  sie  sich  in  dieser  Situation  (…)  zur  Weiterreise  in  die  Schweiz  entschieden habe, da hier die Menschenrechte beachtet würden, dass der Beschwerdeführerin im Rahmen der Kurzbefragung im EVZ das  rechtliche  Gehör  zu  einem  allfälligen  Nichteintretensentscheid  aufgrund  der  mutmasslichen  Verfahrenszuständigkeit  Italiens  oder  Schwedens  in  Anwendung  der  Schengen/Dublin­Vertragsgrundlagen  mit  Wegweisung  dorthin gewährt wurde, dass  sie  dabei  erklärte,  keine  Einwände  gegen  eine  Verfahrenszuständigkeit Schwedens zu haben,  jedoch mit  ihren Kindern  nicht nach  Italien zurückkehren wolle, weil  sie dort wieder Obdach­ und  Perspektivlosigkeit erwarteten, dass das BFM am 18. Oktober 2011 ein auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­ II­Verordnung (Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat)  gestütztes  Übernahmeersuchen  an  Italien  richtete,  welches  die  italienischen Behörden unbeantwortet liessen, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  11.  November  2011  –  eröffnet  am  14. November  2011  –  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  vom  6.  September  2011  nicht  eintrat,  deren  Wegweisung  nach  Italien  und  den  Vollzug  anordnete  und  ferner  feststellte,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  komme  keine aufschiebende Wirkung zu, dass  es  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (unter  anderem:  Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [Dublin­Assoziierungsabkommen, SR 0.142.392.68]; Dublin­ II­Verordnung;  Verordnung  [EG] Nr.  1560/2003  der Kommission  vom 2.  September  2003 mit Durchführungsbestimmungen  zur Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  [DVO  Dublin])  sei  Italien  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig,  zumal  die  den  italienischen  Behörden 

E­6281/2011 gesetzte Frist zur Stellungnahme zum Übernahmeersuchen (Art. 20 Abs.  1 Bst. c Dublin­II­Verordnung) am 2. November 2011 unbenützt ablief, dass  die  Überstellung  nach  Italien  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung  –  bis  spätestens  am  2. Mai  2012  zu  erfolgen habe, dass  die  Wegweisung  die  Regelfolge  des  Nichteintretensentscheides  darstelle  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Italien  mangels  zureichender gegenteiliger Anhaltspunkte zulässig, zumutbar und möglich  sei  und  insbesondere  weder  dem  Non­Refoulement­Gebot  noch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) widerspreche, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich des ihr gewährten  rechtlichen  Gehörs  keine  Unzumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzuges  nach  Italien  begründeten,  da  gemäss  Dublin­II­Verordnung  alle  Dublin­ Staaten  eine  adäquate  Unterbringung  von  Asylsuchenden  zu  gewährleisten  hätten,  Italien  die  Aufnahmerichtlinie  2003/9/EG  vom  27.  Januar  2003  (mit  zahlreichen  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylsuchenden)  unterzeichnet  und  beanstandungslos  umgesetzt  habe,  und  im  Übrigen  nebst  den  staatlichen  Strukturen  zahlreiche  Hilfsorganisationen Betreuungsdienste leisteten, dass gemäss Art. 107a AsylG einer allfälligen Beschwerde gegen diese  Verfügung keine aufschiebende Wirkung zukomme, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  18.  November  2011  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  dabei  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Anweisung  an  die  Vorinstanz  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  beziehungsweise  zur  Anhandnahme  des  Asylgesuchs  zuständigkeitshalber sowie in prozessualer Hinsicht die Anordnung einer  vollzugshemmenden  vorsorglichen  Massnahme  beziehungsweise  die  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  wie  auch  die  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  für die Verfahrenskosten  inklusive Verzicht  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragen, dass sie  in der Begründung den bislang geltend gemachten Sachverhalt  bekräftigen und ihn insofern ergänzen, als das erstgeborene Kind "durch  die  Fluchtgeschichte  der  Familie  und  die  Umstände  in  Italien  traumatisiert"  sei  und  womöglich  an  "frühkindlichen 

E­6281/2011 Entwicklungsstörungen"  leide, welche Umstände vertiefter ärztlicher und  psychiatrischer Abklärungen in der Schweiz bedürften, die in Italien nicht  durchführbar seien und deren Ergebnis somit abzuwarten sei, dass  ebenso die  alleinstehende Beschwerdeführerin  einer  sehr  grossen  Anspannung  und  Belastung  ausgesetzt  sei,  was  sich  auch  auf  das  "Familiensystem" auswirke, dass die Unterbringungs­, Betreuungs­ und Erwerbssituation  in  Italien  in  Anbetracht  zahlreicher  Berichte  (insb.  SFH,  Pro­Asyl,  jussbuss  Norwegen,  Tageszeitung  "Junge  Welt")  und  einzelner  Verwaltungsgerichtsurteile  aus Deutschland  ungenügend,  unhaltbar  und  teilweise menschenunwürdig sei, dass  darunter  vorab  besonders  verletzliche  Personen  wie  die  Beschwerdeführenden  in  erhöhtem  Masse  zu  leiden  hätten  und  die  Rückführungsfolgen  verheerend  sein  könnten,  zumal  keine  staatliche  Existenzsicherung  geboten  werde  und  weder  Unterstützungsleistungen  für  Nahrung  und  Unterkunft  noch  Integrationsmassnahmen  noch  ein  gesicherter Zugang zum Gesundheitswesen gewährleistet seien, dass  somit  für  die  Familie  eine  konkrete  und  unmittelbare  Gefährdung  bestehe  und  –  vorab  in  Berücksichtigung  des  Kindeswohls  –  eine  Rückführung nach  Italien unzumutbar, wenn nicht gar völkerrechtswidrig  sei,  weshalb  vorliegend  das  BFM  vom  Selbsteintrittsrecht  Gebrauch  zu  machen habe, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  21.  November  2011  den  Vollzug  der Wegweisung  gestützt  auf  Art.  56  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  antragsgemäss  vorsorglich  aussetzte, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  22.  November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 

E­6281/2011 entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass keine derartige Ausnahme vorliegt, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),  dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides stellen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2),

E­6281/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  die  italienischen  Behörden  dem  Ersuchen  des  BFM  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst. c Dublin­II­Verordnung (Wiederaufnahmepflicht und Zuständigkeit  des  Landes  mit  bereits  bestehender  Asylantragshängigkeit)  am  2.  November 2011 durch Stillschweigen (Verfristung nach Art. 20 Abs. 1  Bst.  c  Dublin­II­Verordnung)  zugestimmt  haben  und  Italien  für  die  Durchführung  der  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  der  Beschwerdeführenden zuständig ist, dass die erwähnte gesetzliche Grundlage der Zuständigkeit vom BFM  zutreffend  erkannt  und  von  Italien  auch  akzeptiert  wurde  und  deren  grundsätzliche  Anwendbarkeit  im  Übrigen  seitens  der  Beschwerdeführenden nicht bestritten wird,  dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der  EMRK  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  Verpflichtungen  und  vorab  das  Non Refoulement­Gebot halten, dass  Italien  ferner  die  Mindestnormen  der  EU  für  die  Aufnahme  von  Asylsuchenden  anwendet,  demzufolge  Aufnahmestrukturen  zur  Verfügung  stellt  und  die  medizinische  Grundversorgung  dort  grundsätzlich gewährleistet ist, dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar  gewissen  Schwierigkeiten 

E­6281/2011 ausgesetzt sein können, zumal die italienischen Behörden seit geraumer  Zeit  mit  einer  grossen  Anzahl  von  Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten konfrontiert sind, was immer wieder zu Kapazitätsengpässen bei  den Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  –  eine  Betreuung  durch  die  italienischen Behörden oder durch die privaten karitativen Organisationen  ist nicht  in  jedem Fall gewährleistet – nicht zum Schluss gelangt,  Italien  verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr. 2003/9/EG, dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  aber  insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­ Rückkehrende  und  verletzliche  Personen,  zu  denen  die  Beschwerdeführenden  (alleinstehende  Mutter  mit  drei  Kindern  im  Vorschulalter)  zu  zählen  sind,  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private Hilfsorganisationen  der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass  beispielsweise  die  Organisation  "Arci  con  Fraternità"  seit  dem  1.  Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino (Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechtsberatung  anbietet, womit der Beschwerdeführerin auch die Möglichkeit offen steht,  allenfalls  rechtliche  Beratung  zur Weiterführung  ihres  Asylverfahrens  in  Italien zu erhalten, dass  vor  diesem  Hintergrund  die  allgemeine  Kritik  am  italienischen  Asylverfahren  sowie  das  pauschale  Vorbringen,  es  fehle  ihnen  an  staatlicher  Unterstützung  und  ausreichender  medizinischer  Versorgung,  nicht zu überzeugen vermögen, dass  die Beschwerdeführenden  auch  keine  anderen Gründe  vorbringen  können,  die  die  Zuständigkeit  der  Schweiz  zur  Durchführung  des  Asyl­  und Wegweisungsverfahrens nach sich ziehen würden beziehungsweise  die der Ausreise in den Drittstaat entgegen stünden,

E­6281/2011 dass  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  des  erstgeborenen  Kindes  in  ihrem  Bestehen  und  jedenfalls  in  der  behaupteten Schwere  erheblich  in  Frage  zu  stellen  sind,  da  im  ganzen  bisherigen  Verfahren  entsprechende  Vollzugshindernisse  auch  nicht  ansatzweise  (vgl.  im  Gegenteil  Aktenstück  A1  Rückseite  am  Ende),  sondern  erst  als  Reaktion  auf  den  vor  wenigen  Tagen  ergangenen  Nichteintretensentscheid  des  BFM  geltend  gemacht  wurden  und  auf  blossen vagen Vermutungen beruhen, dass  auch  die  schwedischen  Behörden  bei  ihren  Rückführungsanordnungen  nach  Italien  keine  zureichenden  medizinischen  oder  anderweitigen  Hindernisse  bei  den  Beschwerdeführenden festgestellt haben, dass  die  in  der  Beschwerde  als  wesentliche  Ursache  der  behaupteten  Traumatisierung  und  Entwicklungsstörung  beim  erstgeborenen  Kind  erwähnte "Fluchtgeschichte" erheblich anzuzweifeln  ist, da es die Flucht  aus dem Heimatland mangels eigener Existenz gar nicht erleben konnte, dass  selbst  unter  hypothetischer Annahme  von  psychischen Problemen  und Entwicklungsstörungen beim erstgeborenen Kind die Ausübung des  Selbsteintrittsrechts  dennoch  nicht  angezeigt  wäre,  da  nach  Erkenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  medizinische  und  psychotherapeutische  Versorgung  in  Italien  durchaus  zureichend  gewährleistet ist, dass  der  blosse  Umstand  einer  in  der  Schweiz  womöglich  ebenso  gut  oder besser verfügbaren Behandlung nicht die Anrufung des Kindeswohls  im Hinblick auf den weiteren Verbleib in der Schweiz rechtfertigt, solange  das Wohl  des Kindes wie  vorliegend  auch  im Zuständigkeitsland  Italien  erreicht und beibehalten werden kann, dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  weder  angesichts  der  Verhältnisse  in  Italien  noch  zufolge  der  individuellen  Situation  der  Beschwerdeführerin  und  ihrer  Kinder  Anlass  zur  Annahme  einer  existenziellen Notlage  im Falle einer Rückführung dorthin und mithin zur  Ausübung des Selbsteintrittsrechts  im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­ VO besteht, dass auch die mit  der Rechtsmittelschrift  angerufenen Berichte und  (für  die  Schweiz  nicht  präjudiziellen)  ausländischen  Gerichtsurteile  nicht  zu  einer anderen Betrachtungsweise zu führen vermögen,

E­6281/2011 dass  in  der  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  betreffend  Dublin­ Rückführungen  vulnerabler  Personen  (insbesondere  alleinstehende  Mütter mit Kindern; ferner gesundheitliche Angeschlagenheit) nach Italien  die  Anforderungen  für  einen  Vollzugsverzicht  regelmässig  hoch  gesetzt  und  auf  Fälle  mit  ausgewiesenen  komplexen  Krankheitsbildern  und  Behandlungserfordernissen,  kombiniert  mit  weiteren  Verletzlichkeitselementen,  beschränkt  sind  (vgl.  beispielsweise  die  letzthin  ergangenen  Urteile  E­4053/2011  vom  12.  Oktober  2011  [dort  betreffend  einen  nach  Art.  34  Abs. 2  Bst.  a  AsylG  getroffenen  Nichteintretensentscheid,  jedoch  mit  ausführlicher  Auseinandersetzung  mit medizinischen Rückkehrhindernissen  in E. 7.2.4.], D­5341/2011 vom  3.  Oktober  2011,  D­4974/2011  vom  14. September  2011,  D­2872/2011  vom 25. Mai 2011), dass es  im Übrigen  im Rahmen der Zumutbarkeitsfrage nicht Sache der  schweizerischen  Asylbehörden  ist,  im  Hinblick  auf  eine  Dublin­ Rückführung  den  konkreten  Nachweis  einer  Integrations­  und  Erwerbssicherung mit  garantierter Gesundheitsversorgung und positiven  Zukunftsperspektiven für die Beschwerdeführenden in Italien zu leisten,  dass der Nachweis einer nicht existenzsichernden Situation  im Drittland  von  den  Beschwerdeführenden  individuell  zu  erbringen  ist,  was  ihnen  vorliegend offensichtlich nicht gelungen ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), dass  bei  dieser  Sachlage  für  die  schweizerischen  Asylbehörden  insgesamt  keine  Veranlassung  besteht,  in  Abweichung  von  der  festgestellten  Zuständigkeitsordnung  vom Selbsteintritt  gemäss Art.  3  Abs. 2 Dublin­II­Verordnung i.V.m. Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung  1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)  Gebrauch  zu  machen,  das  BFM  die  Überstellung  der  Beschwerdeführenden  nach  Italien  in  diesem  Sinne  zu  Recht  als  zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat und die vom Bundesamt  verfügte Wegweisung samt ihrem Vollzug zu bestätigen ist,  dass  das BFM demzufolge  zu Recht  in  Anwendung  von Art.  34 Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten ist, dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Wegweisung aus der Schweiz zu Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG) und  vorliegend keine Ausnahme von diesem Grundsatz ersichtlich  ist  (vgl. 

E­6281/2011 BVGE 2008/34 E. 9.2), weshalb diese zu Recht angeordnet wurde, dass  –  wie  bereits  angeführt  –  die  Frage  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  in Verfahren  nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG bereits Voraussetzung (und nicht erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  2010/45  E. 10.2), weshalb  allfällige Vollzugshindernisse  systembedingt  bereits  im  Rahmen  der  eventuellen  Anwendung  der  sogenannten  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­Verordnung)  geprüft  wurden,  dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist  und  es  sich  erübrigt,  auf  deren  Inhalt  und  die  eingereichten  Beweismittel näher einzugehen, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG), dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  ungeachtet  der  ausgewiesenen  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden  abzuweisen  ist,  da  die  Beschwerdebegehren  nach  dem  Gesagten  als  aussichtslos  zu  bezeichnen sind, dass  mit  dem  instruktionslosen  Direktentscheid  in  der  Hauptsache  die  Gesuche um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um  Erteilung der aufschiebenden Wirkung hinfällig geworden sind. (Dispositiv nächste Seite)

E­6281/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand:

E-6281/2011 — Bundesverwaltungsgericht 28.11.2011 E-6281/2011 — Swissrulings