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Bundesverwaltungsgericht 12.12.2011 E-6260/2011

12 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,466 mots·~7 min·3

Résumé

Asyl und Wegweisung (Beschwerden gegen Wiedererwägungsentscheid) | Asyl und Wegweisung (Beschwerden gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 4. November 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6260/2011 Urteil   v om   1 2 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Walter Lang,  Gerichtsschreiberin Tu­Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, vertreten durch Susanne Gnekow, Rechtsanwältin,  (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz. Gegenstand Vollzugsaussetzung (Wiedererwägungsverfahren);  Zwischenverfügung des BFM vom 4. November 2011 /  N (…).

E­6260/2011 Sachverhalt: A.  Das BFM  trat  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  vom  6.  Juni  2011 mit Verfügung vom 6. September 2011  in Anwendung von Art. 34  Abs.  2 Bst.  d  des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht  ein  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  deren  Vollzug  nach  B._______  an.  Die  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  erhobene  Beschwerde  vom  9.  September  2011  wurde  mit  Urteil  vom  22. September  2011  (E­5009/2011)  abgewiesen. B.  Die Beschwerdeführerin ersuchte mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom  17. Oktober 2011  (B1/13) um Wiedererwägung der Verfügung des BFM  vom  6. September  2011  und  beantragte  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  sowie  die  Anwendung  des  Selbsteintrittsrechts  gemäss  Art.  3  Abs.  2  der  "Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem Drittstaatangehörigen  in  einem Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist"  (Dublin­II­VO)  durch  die  Vorinstanz.  Gleichzeitig ersuchte sie um vorsorgliche Massnahmen, insbesondere um  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzuges  bis  zum  Entscheid  über  das  Wiedererwägungsgesuch,  und  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. C.  Mit  Zwischenverfügung  vom  4.  November  2011  forderte  das  BFM  die  Beschwerdeführerin  gestützt  auf  Art.  17b  AsylG  auf,  einen  Gebührenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­  zu  leisten,  nachdem  es  ihre  Vorbringen  als  aussichtslos  gewürdigt  hatte.  Gleichzeitig  hielt  das  BFM  unter  Hinweis  auf  Art.  107  AsylG  fest,  dass  diese  Zwischenverfügung  nur  mit  Beschwerde  gegen  die  Endverfügung  angefochten  werden  könne.  Das  Gesuch  um  Anordnung  einer  vollzugshemmenden vorsorglichen Massnahme blieb unbeantwortet. Das  BFM  wies  lediglich  auf  Art.  112  AsylG  hin,  wonach  das  Einreichen  ausserordentlicher  Rechtsmittel  den  Vollzug  nicht  hemme,  es  sei  denn  die für die Behandlung zuständige Behörde entscheide anders.

E­6260/2011 D.  Mit  Eingabe  vom  17.  November  2011  reichte  die  Beschwerdeführerin  durch  ihre  Rechtsvertreterin  Beschwerde  ein  gegen  die  Zwischenverfügung  des  BFM  betreffend  Gebührenvorschusserhebung.  Sie  beantragt  dabei  den  Eintritt  des  Bundesverwaltungsgerichts  auf  die  Beschwerde  gegen  den  Zwischenentscheid  der  Vorinstanz.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wird  beantragt,  der  Wegweisungsvollzug  sei  unverzüglich  auszusetzen.  Zudem  seien  die  Vorinstanz  und  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen,  von  Vollzugsmassnahmen  bis  zum  Endentscheid  des  BFM  abzusehen.  Schliesslich  sei  der  Beschwerdeführerin  die  unentgeltliche  Rechtspflege  inklusive  Verbeiständung zu gewähren. E.  Das Bundesverwaltungsgericht  verfügte  per  Telefax  vom 18. November  2011  gestützt  auf  Art.  112  AsylG  die  provisorische  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzuges  bis  über  die  beantragte  definitive  Vollzugsaussetzung nach Eingang und Prüfung der Vorakten entschieden  worden ist.  F.  Die  vorinstanzlichen  Akten  gingen  am  22.  November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:  1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105  AsylG;  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Eine  solche  Ausnahme  ist  vorliegend 

E­6260/2011 nicht  gegeben,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Nachdem  nach  Lehre  und  Praxis  Wiedererwägungsentscheide  grundsätzlich  wie  die  ursprüngliche  Verfügung  auf  dem  ordentlichen  Rechtsmittelweg  weitergezogen  werden  können,  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  zuständig  –  unter  Vorbehalt  ihrer  Anfechtbarkeit  –  für  die  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  im  Wiedererwägungsverfahren getroffene Zwischenverfügungen.  1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht;  die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  bzw.  Änderung  und  ist  daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 sowie Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die  Beschwerde ist einzutreten.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bzw.  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst.  e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG). 3.2.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.  4.  Zunächst  stellt  sich  die  Frage  der  selbständigen  Anfechtbarkeit  einer  Zwischenverfügung,  mit  der  das  Bundesamt  einen  Gebührenvorschuss  für  die  Behandlung  eines  Wiedererwägungsgesuchs  erhebt,  nachdem 

E­6260/2011 sich  die  angefochtene  Zwischenverfügung  vom BFM  vom  4.  November  2011 auf diese Frage beschränkt. 4.1.  Die  Vorinstanz  nennt  als  gesetzliche  Grundlage  der  Gebührenvorschusserhebung zutreffend und unbestrittenerweise Art. 17b  AsylG.  Die  Frage  der  Anfechtbarkeit  der  Zwischenverfügung,  mittels  welcher der Kostenvorschuss erhoben wurde, verneint sie unter Hinweis  auf Art. 107 AsylG. 4.2. Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber unter Hinweis auf die  einschlägige  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  geltend,  bei der Zwischenverfügung vom 4. November 2011 handle es sich um ein  zulässiges  Anfechtungsobjekt,  da  eine  Zwischenverfügung,  welche  das  eingereichte  Wiedererwägungsgesuch  als  aussichtslos  bezeichne  und  über  die  beantragte  Vollzugsvoraussetzung  sozusagen  "qualifiziert  schweige", implizit – in Verbindung mit Art. 112 AsylG – als Verweigerung  der  Vollzugaussetzung  betrachtet  werden  und  somit  selbstständig  anfechtbar sein müsse (vgl. BVGE 2008/35 E. 4.2.3.). Vorliegend sei  im  Wiederwägungsgesuch  vom  17.  Oktober  2011  der  Antrag  auf  sofortige  Vollzugsaussetzung  im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme gestellt  worden  und  dieser  Antrag  habe  sich  insbesondere  auf  den  mit  dem  Gesuch  eingereichten  Arztbericht  vom  13.  Oktober  2011  gestützt,  wonach  die  behandelnden  Ärzte  eine  Ausweisung  der  Beschwerdeführerin als "aktuell für nicht verantwortbar" erachten würden.  Trotzdem  sei  die  Vorinstanz  aber  weder  im  Vorfeld  noch  in  der  angefochtenen  Zwischenverfügung  vom  4.  November  2011  auf  den  Eintrag  eingegangen  und  habe  vielmehr  in  der  Zwischenverfügung  das  Wiedererwägungsgesuch  als  aussichtslos  bezeichnet,  weshalb  davon  ausgegangen  werden  müsse,  dass  sie  über  die  beantragte  Vollzugsaussetzung  qualifiziert  schweige.  Damit  drohe  der  Beschwerdeführerin  der  sofortige Wegweisungsvollzug. Dagegen würde  gemäss BVGE 2008/35 der Beschwerdeweg offen stehen.  4.3. Die Regelung von Art. 17b Abs. 3 AsylG, wonach das BFM von einer  um  Wiedererwägung  ersuchenden  Person  einen  Gebührenvorschuss  erheben  kann,  gehört  zu  den  Bestimmungen  der  Asylgesetzänderung  vom 16. Dezember 2005, welche vorgezogen auf den 1. Januar 2007 in  Kraft  gesetzt  worden  sind  (vgl.  dazu:  AS  2006  47454767,  BBl  2002  6845). Gemäss Art. 17b Abs. 3 Bst. a i.V.m. Abs. 2 AsylG wird auf einen  Gebührenvorschuss  verzichtet,  wenn  die  gesuchstellende  Person 

E­6260/2011 bedürftig  ist  und  ihre  Begehren  nicht  von  vornherein  aussichtslos  erscheinen. 5.  5.1. Die Frage, ob seit dem 1. Januar 2007 gestützt auf Art. 17b AsylG  ergangene  Zwischenverfügungen  des  BFM,  in  welchen  die  Erhebung  eines  Gebührenvorschusses  angeordnet  wird,  selbständig  mit  Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar sind, wurde vom  Bundesverwaltungsgericht  in  seinem  Grundsatzurteil  vom  16.  August  2007 verneint  (vgl. BVGE 2007/18 E. 4), wobei es sich  in diesem Urteil  allerdings  nicht  um  ein  Wiedererwägungs­  sondern  um  ein  zweites  Asylverfahren  handelte,  weshalb  sich  damals  die  Frage  der  allfälligen  Anordnung  von  vorsorglichen  Massnahmen  (Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs)  nicht  stellte  –  da  sich  in  solchen  Verfahren  Beschwerdeführende  gemäss  Art. 42  AsylG  bis  zu  deren  Abschluss  in  der  Schweiz  aufhalten  dürfen  –  und  folglich  auch  nicht  geprüft  wurde.  Deshalb  gilt  die  Feststellung  des  Bundesverwaltungsgerichts,  dass  die  Zwischenverfügung gemäss Art. 17b AsylG nicht selbstständig anfechtbar  ist,  nur  soweit  sich  die  Verfügung  auf  den  Kostenpunkt,  d.h.  die  Vorschusspflicht, beschränkt. 5.2. Es ist im Lichte von BVGE 2007/18 somit festzustellen, dass die auf  Art.  17b  Abs.  3  AsylG  gestützte  Zwischenverfügung  des  BFM  vom  4.  November 2011 betreffend die Erhebung des Gebührenvorschusses nicht  selbständig  anfechtbar  ist,  was  die  Beschwerdeführerin  zu  Recht  auch  nicht beantragt.  6.  6.1. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist hingegen die Frage der  Vollzugsaussetzung des Wegweisungsentscheides. Nach Art. 112 AsylG  hemmt  die  Einreichung  eines  ausserordentlichen Rechtsmittels  wie  das  vorliegende Wiedererwägungsgesuch den Vollzug nicht, es sei denn, die  für  die  Behandlung  zuständige  Behörde  entscheide  anders.  Über  einen  entsprechenden  Antrag  zur  Anordnung  einer  vorsorglichen Massnahme  hat  die  Behörde  somit  zwingend  zu  befinden.  Eine  entsprechende  vorsorgliche  Massnahme  soll  indes  nur  angeordnet  werden,  falls  die  Begründetheit  des  Begehrens  klar  vorliegt  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  einen  erheblichen  und  nicht  wieder  gutzumachenden  Schaden  mit  sich  bringen  würde.  Der  Gesuchsteller  hat  demnach  ein  gegenüber dem öffentlichen Interesse am rechtskräftig verfügten Vollzug  der  Wegweisung  überwiegendes  privates  Interesse  am  Verbleib  in  der  Schweiz darzutun.

E­6260/2011 6.2. Diese Prüfung hat  das BFM vorliegend –  trotz  dem ausdrücklichen  und  ausführlich  begründeten  Antrag  der  Beschwerdeführerin  in  ihrem  Wiedererwägungsgesuch  vom  17.  Oktober  2011  um  Aussetzung  des  Vollzugs der Wegweisung (vgl. Wiedererwägungsgesuch S. 12, Ziff. 63) –  unterlassen.  Das  BFM  hat  in  seiner  Zwischenverfügung  über  den  Gebührenvorschuss  vom  4.  November  2011  das  Wiedererwägungsgesuch indessen als aussichtslos bezeichnet. Es hat in  dieser Zwischenverfügung zudem unter Hinweis auf den Art. 112 AsylG  festgestellt,  dass  das  Einreichen  ausserordentlicher  Rechtsmittel  den  Vollzug  nicht  hemme,  es  sei  denn  die  für  die  Behandlung  zuständige  Behörde entscheide anders. Das Bundesverwaltungsgericht geht deshalb  vorliegend  davon  aus,  dass  das  BFM  damit  gleichzeitig  mit  der  Gebührenvorschusserhebung  implizit  dem  Antrag  der  Beschwerdeführerin  um  Wegweisungsvollzugsaussetzung  (vgl.  Wiedererwägungsgesuch  S.  2  Ziff.  2)  nicht  statt  gab,  da  es  damit  zu  verstehen gab,  dass es  der Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  sei,  ein  gegenüber dem öffentlichen Interesse am rechtskräftig verfügten Vollzug  der  Wegweisung  überwiegendes  privates  Interesse  am  Verbleib  in  der  Schweiz  darzutun,  ansonsten  ihr  Wiedererwägungsgesuch  nicht  als  aussichtslos qualifiziert worden wäre. 6.3.  An  dieser  Stelle  ist  festzuhalten,  dass  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  in  dem  von  der  Beschwerdeführerin  angeführten  publizierten  Urteil  BVGE 2008/35  bereits  ausführlich  zur  selbständigen  Anfechtbarkeit  von  Zwischenverfügungen  im  Wiedererwägungsverfahren  geäussert  hat. Es  hat  dabei  einerseits  in E.  4.2.3 – wie von der Beschwerdeführerin  richtig ausgeführt –  festgestellt,  dass  eine  Zwischenverfügung,  welche  das  eingereichte  Wiedererwägungsgesuch  als  aussichtslos  bezeichne  und  über  die  beantragte Vollzugsaussetzung sozusagen "qualifiziert schweige", implizit  – in  Verbindung  mit  Art.  112  AsylG  –  als  Verweigerung  der  Vollzugsvoraussetzung  betrachtet  werden  und  deshalb  selbstständig  anfechtbar  sein  müsse.  Zudem  hat  es  andererseits  ausdrücklich  in  E. 4.2.4  das  BFM  angewiesen,  es  müsse  ad  futurum  in  Wiedererwägungsverfahren  über  ein  ausdrücklich  oder  sinngemäss  gestelltes  Gesuch  um  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzuges  mittels  Zwischenverfügung entscheiden,  es  sei  denn,  es entscheide  verzugslos  über das Wiedererwägungsgesuch.  6.4.  Damit  hat  die  Vorinstanz  in  offensichtlicher  Missachtung  der  einschlägigen  Rechtsprechung  verfügt,  weshalb  die  Verfügung  vom  4. 

E­6260/2011 November  2011  wegen  Verletzung  des  Anspruchs  der  Beschwerdeführerin  auf  Erhalt  einer  anfechtbaren  Zwischenverfügung,  die  sich  explizit  mit  der  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzuges  auseinandersetzt,  oder  alternativ  eines  direkten  Wiedererwägungsentscheids  zu  kassieren  wäre.  Aus  prozessökonomischen  Gründen  erscheint  es  dem  Bundesverwaltungsgericht  vorliegend  indessen  angezeigt,  auf  eine  Rückweisung zu verzichten, und stattdessen nach dem Gesagten und in  Anlehnung  an  BVGE  2008/35  selber  zu  entscheiden,  zumal  der  Beschwerdeführerin kein Nachteil daraus erwächst. 7.  7.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  damit  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  das  Gesuch  um  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs  in  ihrer Zwischenverfügung zu Recht (implizit) abgewiesen hat. 7.2. Der Behörde, die über die Anordnung der aufschiebenden Wirkung  einer Beschwerde beziehungsweise über den Erlass einer vorsorglichen  Massnahme  zu  befinden  hat,  steht  bei  der  Interessenabwägung  ein  gewisser  Beurteilungsspielraum  zu.  Im  Allgemeinen  wird  sie  ihren  Entscheid  auf  den  Sachverhalt  stützen,  der  sich  aus  den  vorhandenen  Akten  ergibt,  ohne  zeitraubende  weitere  Erhebungen  anzustellen  (vgl.  BGE  124  V  82  E.  6A  S.  88f.).  Vorsorgliche  Massnahmen  beruhen  auf  einer bloss summarischen Prüfung der Sach­ und Rechtslage (vgl. BGE  130 II 149 E. 2.2 S. 155). 7.3.  Vorliegend  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  –  wie  nachstehend  aufgezeigt  –  nach  summarischer  Prüfung  der  im  Wiedererwägungsverfahren  eingereichten  Beweismittel  zum  Schluss,  dass  der  Vollzug  der  rechtskräftig  verfügten Wegweisung  offensichtlich  nicht ohne Weiteres durchführbar erscheint.  Der  auf  Wiedererwägungsebene  eingereichte  Arztbericht  vom  13. Oktober  2011  bedarf  aufgrund  seines  Inhalts  und,  weil  sich  die  Beschwerdeführerin  in  ihrem  Wiedererwägungsgesuch  auf  zentrale  Weise  auf  ihn  stützte,  um  die  Vollzugsaussetzung  zu  begründen,  einer  näheren  Betrachtung.  Danach  beurteilen  die  behandelnden  Ärzte  die  Ausweisung  der  Beschwerdeführerin  nach  B._______  zum  gegenwärtigen Zeitpunkt aus medizinischer Sicht als nicht verantwortbar,  da  aufgrund  der  komplexen  psychosozialen  Belastungssituation  mit  anamnestisch  bereits  zweimaligem  Suizidversuch  und  einem  aktuellen  erneuten  Suizidversuch  die  Beschwerdeführerin  extrem  stark  gefährdet 

E­6260/2011 für  weitere  suizidale  Handlungen  erscheine,  und  dadurch  insbesondere  auch  die  grosse  Wahrscheinlichkeit  einer  vitalen  Gefährdung  für  das  ungeborene  Kind  bestehen  würde.  Folglich  kann  festgestellt  werden,  dass  aufgrund  der  medizinisch  attestierten  offensichtlichen  Reiseunfähigkeit  der  Beschwerdeführerin  die  von  der  Vorinstanz  rechtskräftig  verfügte  Wegweisung  zum  Zeitpunkt  der  summarischen  Prüfung  des  Wiedererwägungsgesuchs  vom  4. November  2011  nicht  ohne weiteres durchführbar war. Demnach bestand  im vorliegenden Fall  ein  erhebliches  privates  Interesse  an  der  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs der Beschwerdeführerin (Schutz ihres Lebens und  demjenigen des ungeborenen Kindes), welches das öffentliche Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung  überwog,  weshalb  das  Gesuch  um  Aussetzung  des  Vollzuges  der  Wegweisung  im  Rahmen  einer  vorsorglichen Massnahme (Art. 112 AsylG) gutzuheissen gewesen wäre. Damit kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das BFM  offensichtlich  zu  Unrecht  implizit  die  Aussetzung  des  Vollzugs  verweigerte, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist. 8.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  den  Vollzug  gestützt  auf  Art.  112  AsylG  auszusetzen,  bis  es  über  das  Wiedererwägungsverfahren  entschieden  hat.  9.  Die  vom  Bundesverwaltungsgericht  angeordnete  provisorische  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs  vom  18.  November  2011  bleibt  aufrecht erhalten, bis das BFM entweder den Vollzug nach Art. 112 AsylG  aussetzt oder über das Wiedererwägungsgesuch entscheidet. 10.  10.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin  keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  10.2.  Mit  vorliegendem  Urteil  erweisen  sich  damit  die  Gesuche  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  sowie  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  2  VwVG  als  gegenstandslos.  10.3.  Die  Beschwerdeführerin  hat  vollumfänglich  obsiegt.  Es  ist  ihr  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  eine  Parteientschädigung  für  ihr  erwachsene notwendige Vertretungskosten zuzusprechen. 

E­6260/2011 Die Rechtsvertreterin weist  in der Beschwerde vom 17. November 2011  für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Aufwand von 10 Stunden  (à  Fr.  150.­­)  sowie  Auslagen  von  Fr.  53.80  und  einen  Gesamtbetrag  (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) von Fr.1'678.80 aus, welcher als  angemessen zu erachten  ist  (vgl. Art.  8  ff. VGKE). Das BFM wird nach  dem Gesagten angewiesen, der obsiegenden Beschwerdeführerin für ihr  Obsiegen eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'678.80 (inklusive  Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) 

E­6260/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Das BFM wird angewiesen den Wegweisungsvollzug nach Art. 112 AsylG  auszusetzen, bis es über das Wiedererwägungsgesuch entschieden hat.  3.  Der  vom  Bundesverwaltungsgericht  angeordnete  provisorische  Vollzugsstopp bleibt aufrecht erhalten.  4.  Der Beschwerdeführerin werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5.  Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  infolge  vollumfänglichen  Obsiegens  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  1'678.80  (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu entrichten.  6.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu­Binh Truong Versand:

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