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Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 E-590/2009

6 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,268 mots·~6 min·2

Résumé

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­590/2009 Urteil   v om   6 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter François Badoud, Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), G._______, geboren am (…), Bosnien und Herzegowina, vertreten durch Samuel Häberli, Freiplatzaktion (...), (...), Beschwerdeführende, Gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2008 / N (…).

E­590/2009 Sachverhalt: A.  Gemäss  eigenen  Angaben  verliessen  die  Beschwerdeführenden  ihren  Heimatstaat  am  20.  November  2008.  Sie  fuhren  durch  ihnen  angeblich  unbekannte Länder und gelangten am 21. November 2008  illegal  in die  Schweiz,  wo  sie  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Basel (EVZ) um Asyl nachsuchten. Anlässlich  der  Befragung  vom  27.  November  2008  im  EVZ  und  der  Anhörung vom 10. Dezember 2008 erklärten die Beschwerdeführenden,  sie seien Roma aus der Stadt H._______, hätten ab (…) mit einer (…) in  I._______ gelebt und seien (…) wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt. Das  Asylgesuch  begründete  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  damit,  dass er bei  seiner Arbeit  als Händler auf dem Markt oder  in den  umliegenden  Dörfern  seines  Wohnorts  Schwierigkeiten  mit  der  einheimischen Bevölkerung gehabt habe. Unter anderem sei er grundlos  beschimpft, bedroht und es seien auch Waren beschädigt worden. In den  Jahren  2005 oder  2006  sei  er  von mehreren Personen angegriffen  und  geschlagen  worden.  Ein  Dorfbewohner  habe  auf  ihn  zu  schiessen  versucht.  Bei  der  Polizei  habe  er  zweimal  eine  Anzeige  deponiert,  indessen  sei  diese  danach  untätig  geblieben  und  dies,  obwohl  der  alarmierte  Polizeibeamte  versprochen  habe,  zum  Beschwerdeführer  zu  kommen. Die Polizei habe  ihn auch beleidigt;  2005 oder 2006 habe  ihn  einmal ein Polizist auf dem Markt aggressiv behandelt. Ansonsten habe  er mit den Behörden keine Probleme gehabt. Die  Beschwerdeführerin  berief  sich  im Wesentlichen  auf  die  Aussagen  ihres Ehemannes. Sie ergänzte dabei, dass sie sich mehrmals vergeblich  auf  der  Gemeindeverwaltung  ihres  Wohnorts  um  die  Ausstellung  einer  Bewilligung bemüht habe, um auf dem Markt arbeiten zu dürfen. Zudem  habe die Familie keine Fürsorgeleistungen erhalten.  B.  Mit Verfügung vom 29. Dezember 2008 – eröffnet am 30. Dezember 2008  – stellte  das  BFM  im  Wesentlichen  fest,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  würden  den  Anforderungen  an  die  flüchtlingsrechtliche Relevanz im Sinne von Art. 3 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  standhalten,  weshalb  das  Asylgesuch abzuweisen sei. Das BFM verfügte die Wegweisung aus der 

E­590/2009 Schweiz  und  bezeichnete  deren  Vollzug  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich. C.  Mit  Beschwerdeeingabe  vom  28.  Januar  2009  (Postaufgabe  gleichentags)  beantragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung der  angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 3 bis 5, die Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Als  Beweismittel  gaben  die  Beschwerdeführenden  einen  die  Beschwerdeführerin  betreffenden  Kurzaustrittsbericht  des  Spitals  J._______  vom  26.  Dezember  2008  sowie  je  eine  Bestätigung  ihrer  Fürsorgeabhängigkeit vom 5. Januar 2009 zu den Akten. D.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  vom  6.  Februar  2009  wurde  unter  anderem  festgestellt,  dass  ausschliesslich  der  Vollzug  der  Wegweisung Gegenstand des Verfahrens bildet, und der Entscheid über  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  1  VwVG wurde auf später verschoben. E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  10.  März  2009  wurde  die  Vorinstanz  zur  Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 25. März 2009 aufgefordert. F.  Mit Eingabe vom 12. März 2009 gab das BFM seine Vernehmlassung zu  den Akten und beantragte die Abweisung des Rechtsmittels. G.  Am  18.  März  2009  wurde  die  Stellungnahme  des  BFM  den  Beschwerdeführenden zur Kenntnis gebracht. H.  Mit  (offenbar  rechtkräftigen)  Strafbefehlen  vom  22.  Oktober  2009  und  18. März  2011  wurde  die  Beschwerdeführerin  wegen  Diebstahls  und  wegen Fälschung von Ausweisen zu Bussen und bedingten Geldstrafen  verurteilt.

E­590/2009 Mit (offenbar rechtkräftigem) Strafbefehl vom 11. August 2011 wurde der  Beschwerdeführer  wegen  Widerhandlungen  gegen  das  Bundesgesetz  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  und  wegen  Strassenverkehrsdelikten  zu  einer  Busse  und  einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  vorliegende Beschwerde  richtet  sich  formal  gegen  die Wegweisung 

E­590/2009 sowie gegen den von der Vorinstanz angeordneten Wegweisungsvollzug.  Da die Wegweisung die übliche Folge der Ablehnung eines Asylgesuchs  darstellt,  ist über diesen Punkt – wie bereits mit Zwischenverfügung vom  6. Februar 2009 festgestellt – praxisgemäss nicht mehr zu befinden (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21).  Damit  ist  die  Verfügung  des  Bundesamtes  vom  29.  Dezember  2008,  soweit  sie  die  Fragen  der  Flüchtlingseigenschaft, des Asyls sowie die Anordnung der Wegweisung  als  solche  betrifft  (Ziffern  1  bis  3  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung), rechtskräftig geworden.  Zu  prüfen  bleibt  somit  im  Rahmen  des  vorliegenden  vereinigten  Verfahrens  einzig  die  Frage  des  Vorliegens  allfälliger  Wegweisungsvollzugshindernisse. 4.  4.1.  Ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  möglich,  nicht  zulässig  oder  nicht zumutbar,  regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG, Art. 83 Abs. 1 AuG). Der Vollzug  ist nicht möglich, wenn der Ausländer oder die Ausländerin  weder in den Herkunfts­ oder in den Heimatstaat noch in einen Drittstaat  verbracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). Er  ist nicht zulässig, wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  in  den  Heimat­, Herkunfts­ oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3  AuG). Der Vollzug  kann  insbesondere  nicht  zumutbar  sein, wenn er  für  die  ausländische  Person  eine  konkrete  Gefährdung  darstellt  (Art.  83  Abs. 4 AuG). 4.2.  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 5.  5.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 

E­590/2009 den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). 5.1.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.1.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für den Fall einer Ausschaffung  in den Heimatstaat dort mit beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien, Urteil  vom 28. Februar  2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine 

E­590/2009 Menschenrechtssituation  im Heimatstaat  lässt  den Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.2.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 5.2.1. Das BFM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, der Bundesrat  habe  Bosnien  und  Herzegowina  mit  Beschluss  vom  25.  Juni  2003  als  verfolgungssicheren  Staat  bezeichnet,  und  weder  die  allgemeine  politische Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit  der Rückführung der Beschwerdeführenden in den Heimatstaat sprechen.  Die  Vorinstanz  wies  darauf  hin,  dass  die  Beschwerdeführenden  nach  ihrer  Rückkehr  aus  I._______  (…)  Jahre  lang  in  Bosnien  und  Herzegowina  gelebt  hätten,  wo  sie  nach  wie  vor  über  ein  soziales  Beziehungsnetz verfügen würden, zumal ein Teil  ihrer Familie dort  lebe.  Zudem  würden  die  Beschwerdeführenden  über  Berufserfahrung  als  Händler  verfügen;  dieser  Tätigkeit  seien  sie  denn  auch  bis  zu  ihrer  Ausreise  nachgegangen.  Insgesamt  seien  auch weiterhin Möglichkeiten  zur Existenzsicherung vorhanden. 5.2.2. Die Beschwerdeführenden  berufen  sich  in  ihrer Beschwerde  vom  28. Januar 2009 im Wesentlichen auf Art. 83 Abs. 4 AuG und machen mit  Verweis  auf  entsprechende  Lageanalysen  und  Länderberichte  geltend,  die  ökonomische,  soziale  und  kulturelle  Situation  der  Roma  in  Bosnien  und  Herzegowina  sei  als  prekär  zu  beurteilen.  Zudem  könne  zum  heutigen Zeitpunkt der gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin  nicht  definitiv  abgeschätzt  werden  (vgl.  Beschwerde  S.  3  ff.).  Die  siebenköpfige  Familie  wäre  bei  einer  Rückkehr  in  ihren  Heimatstaat  mangels  einer  existenzsichernden  Perspektive  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  unzumutbar  sei. In Bosnien und Herzegowina könnten die ökonomischen und sozialen  Bedürfnisse  der minderjährigen Kinder  nicht  gedeckt werden, weil  auch 

E­590/2009 die Beschwerdeführenden nach einer Rückkehr mit Sicherheit ein Leben  in absoluter Armut fristen müssten.  5.2.3.  In  Bosnien  und  Herzegowina  herrscht  seit  längerer  Zeit  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  mehr;  der  Staat  wurde  vor  mehr  als  acht  Jahren in die Liste der so genannten Safe Countries gemäss Art. 6 Abs. 2  Bst.  a  AsylG  aufgenommen.  Die  allgemeinen  Lebensbedingungen  der  Roma  sind  in  Bosnien  und  Herzegowina  (wie  in  vielen  Staaten  insbesondere Ost­  und Südosteuropas) unbestrittenermassen schwierig.  Die  Diskriminierungen,  denen  Roma  im  bosnisch­herzegowinischen  Lebensalltag  ausgesetzt  sind  –  und  auch  die  häufig  belastete  ökonomische  Situation  –  erreichen  nach  konstanter  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  jedoch  nicht  eine  Intensität,  die  eine  Rückkehr  abgewiesener  Asylsuchender  dieser  Ethnie  als  generell  unzumutbar  erscheinen  lassen  würde  (vgl.  statt  vieler  die  Urteile  D­ 5514/2011  vom  25.  November  2011  S.  9,  D­5686/2011  vom  14.  November 2011 S. 8 f., E­4721/2007 vom 7. Juni 2011 E. 5, D­3280/2010  vom  23.  Mai  2011  S.  9  f.,  D­2520/2010  vom  21.  April  2010  S.  11,  D­ 5675/2010 vom 25. August 2010 S. 7 f., D­7013/2009 vom 16. November  2009 S. 8 ff.; die meisten der zitierten Entscheide betreffen Familien mit  mehreren Kindern).  5.2.4.  Die  Beschwerdeführenden  bringen  auch  keine  massgebenden  individuellen Hindernisse gegen den Wegweisungsvollzug vor. Sie haben  nach  ihrer  (…)  erfolgten Rückkehr  aus  I._______  bis  zu  ihrer  erneuten  Ausreise 2008 (…) Jahre lang in ihrem Heimatstaat verbracht, was darauf  schliessen lässt, dass sie dort trotz schwieriger Lebensbedingungen über  eine  Existenzmöglichkeit  verfügen.  Im  Heimatstaat  sind  sie  auch  nicht  völlig  auf  sich  allein  gestellt,  besteht  doch  dort  zumindest  ein  gewisses  familiäres  Beziehungsnetz  (Eltern  und  eine  Schwester  des  Beschwerdeführers, vgl. Beschwerde S. 4).  Zur  medizinischen  Untersuchung  der  Beschwerdeführerin  wegen  geringgradiger  Hämoptysis  (Bluthusten),  die  im  Kurzaustrittsbericht  des  Spitals J._______ vom 26. Dezember 2008 geschildert wird, wird  in der  Beschwerde ausgeführt, es werde sich erweisen, ob eine weiterführende  Behandlung  nötig  sein  werde,  und  es  würden  genauere  medizinische  Erkenntnisse  nachgereicht.  Bis  heute  haben  die  (durch  einen  spezialisierten  Rechtsvertreter)  verbeiständeten  Beschwerdeführenden  keine  weiteren  Unterlagen  nachgereicht,  weshalb  davon  ausgegangen 

E­590/2009 werden  darf,  dass  auch  in  medizinischer  Hinsicht  keine  relevanten  Vollzugshindernisse vorliegen. Insgesamt  ist  nach  dem  Gesagten  davon  auszugehen,  dass  sich  die  Beschwerdeführenden in Bosnien und Herzegowina wieder eine Existenz  werden aufbauen können. 5.2.5.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  damit  im  heutigen  Zeitpunkt als zumutbar. 5.3.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  BVGE 2008/34  E. 12  S. 513 ff.),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.4. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  bezeichnet.  Die  Anordnung  einer  vorläufigen Aufnahme  fällt  damit  ausser Betracht  (Art. 83 Abs. 1­4  AuG). 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Dem  in  der  Beschwerde  gestellten  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  kann  entsprochen  werden,  nachdem  die  prozessuale  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden  belegt  war,  nach  wie  vor  als  gegeben  erscheint  und  ihre  Beschwerdebegehren  im  Zeitpunkt  der  Einreichung  des  Rechtsmittels  nicht  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  waren.  Somit  sind  keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite)

E­590/2009 E­590/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Rudolf Bindschedler Versand:

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