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Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 E-5854/2006

7 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,995 mots·~10 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Verfügung vom 21. März 2006 in Sachen Wegweisung und deren Vollzug

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5854/2006 Urteil   v om   7 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Maurice Brodard,    Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan,   vertreten durch (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. März  2006 / N (…).

E­5854/2006 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  im  Alter  von  16  Jahren  beziehungsweise  im  Jahre  1990  und  begab sich in den Iran, wo er sich bis 2001 aufhielt. Im Jahre 2001 sei er  über  die  Türkei  nach  Deutschland  gereist,  wobei  er  fast  ein  Jahr  lang  unterwegs gewesen sei, und reichte am 22. Juli 2002 dort ein Asylgesuch  ein,  welches  abgelehnt  wurde.  Er  habe  damals mit  seiner  Ehefrau  und  seinem  (erstgeborenen) Kind zusammen gelebt. Nach drei  Jahren habe  sich  seine  Ehefrau  von  ihm  getrennt.  Er  sei  am  22.  Juni  2005  nach  Afghanistan  abgeschoben  worden  und  über  Kabul  in  sein  Heimatdorf  B._______ gereist. Nach drei Tagen sei er via Mazar­i­Sharif nach Kabul  gelangt und habe Afghanistan am 1. Juli 2005 erneut verlassen. Am 15.  Februar 2006 sei er in die Schweiz eingereist, wo er am gleichen Tag um  Asyl  nachsuchte.  Am  28.  Februar  2006  wurde  er  im  Empfangszentrum  (heute:  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum)  C._______  summarisch  befragt. Am 14. März 2006 folgte eine Direktanhörung durch das BFM. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei in Mazar­ i­Sharif (Provinz Balkh) geboren und habe bis zu seinem 16. Lebensjahr  im Dorf B._______ (Provinz Jowzjan) gewohnt. Sein Schwiegervater, der  aus demselben Dorf wie er gestammt habe, habe ihn vor einer Rückkehr  in  den  Iran  im Jahre 2001 nach Afghanistan gewarnt,  da dort  ein Streit  um das Erbe seines Onkels ausgebrochen sei, in deren Folge der Bruder  des  Beschwerdeführers  getötet  worden  sei. Wegen  dieses  Konflikts  sei  der Beschwerdeführer  zusammen mit  seiner Ehefrau  nach Deutschland  gereist.  Er  sei  nach  seiner  Ausschaffung  im  Juni  2006  in  seinem  Heimatdorf von zwei usbekischen Polizisten  festgenommen und bedroht  worden, da man geglaubt habe, der Beschwerdeführer wolle wegen den  früheren  Streitigkeiten  um  Ländereien  Ärger  machen.  Er  sei  ihm  daraufhin die Flucht aus dem Toilettenhäuschen gelungen. Da er sich vor  dem  einflussreichen  Cousin  sowie  weiteren  Cousins  gefürchtet  habe,  habe er sich zur erneuten Ausreise entschlossen. Anlässlich  der  Befragung  wurde  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör zu seinen anderslautenden Aussagen im deutschen Asylverfahren  gewährt. So sollen er und seine Ehefrau dort andere Asylgründe geltend  gemacht  haben  (Reflexverfolgung  wegen  Bruder  durch  Taliban,  wiederholte  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  in  Mazar­i­Sharif  im 

E­5854/2006 Jahre 1998). Insbesondere habe er dort die in der Schweiz vorgebrachten  Erbstreitigkeiten nicht erwähnt. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. B.  Abklärungen des Bundesamtes ergaben, dass der Beschwerdeführer mit  Urteil  des  Amtsgerichtes  D._______  (D)  vom  23.  Oktober  2003  wegen  einer  in  Deutschland  begangenen  Straftat  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  neun Monaten  auf Bewährung  verurteilt worden war. Am 18. Dezember  2004 wurde sein Asylantrag  in Deutschland  rechtskräftig abgelehnt. Der  Beschwerdeführer  wurde  am  22.  Juni  2005  nach  Afghanistan  zurückgeführt. C.  Das  Bundesamt  stellte  mit  gleichentags  eröffneter  Verfügung  vom  21. März  2006  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  und  lehnte  das Asylgesuch  ab. Gleichzeitig  ordnete es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz an.  Die  Vorinstanz  begründete  die  Verfügung  im Wesentlichen  damit,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit nicht standhalten würden, so dass ihre Asylrelevanz nicht  geprüft werden müsse. Den Vollzug  der Wegweisung  nach Afghanistan  befand die Vorinstanz für zulässig, zumutbar und möglich. D.  Mit  Eingabe  vom  10.  April  2006  an  die  vormals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  beantragte  der  Beschwerdeführer,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  hinsichtlich  des  Vollzugs  der  Wegweisung  aufzuheben  und  dessen  Unzumutbarkeit  festzustellen.  Gleichzeitig  sei  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sowie  die  Bezahlung  von  Verfahrenskosten  zu  verzichten. Auf die Begründung  im Einzelnen wird, soweit wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen.  Gleichzeitig  wurden  Auszüge aus dem Update des UNHCR zur Situation in Afghanistan vom  Juni 2005 sowie eine Fürsorgebestätigung eingereicht. E.  Mit  verfahrensleitender  Verfügung  der  damals  zuständigen  Instruktionsrichterin vom 19. März 2006 (recte: 19. April 2006) wurde das 

E­5854/2006 Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses verzichtet. F.  Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 17. Mai 2006 die  Abweisung der Beschwerde. G.  In  seiner  Replik  vom  29.  Mai  2006  nahm  der  Beschwerdeführer  dazu  Stellung. H.  Am  1.  Januar  2007  übernahm  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verfahren der ARK. I.  Mit  verfahrensleitender  Verfügung  vom  23.  Juni  2011  wurde  dem  Beschwerdeführer  Gelegenheit  gegeben,  Beweismittel  zum  Strafverfahren  in  Deutschland  und  eine  diesbezügliche  Stellungnahme  einzureichen. J.  Am 28. Juni 2011 ersuchte der Beschwerdeführer um Akteneinsicht und  wies  darauf  hin,  dass  er  von  Herrn  (…)  vertreten  werde.  Gleichzeitig  ersuchte  er  für  die  Einreichung  einer  Stellungnahme  um  Fristverlängerung. K.  Mit  Zwischenverfügung  vom  5.  Juli  2011 wurde  dem Beschwerdeführer  Einsicht in die wesentlichen Beschwerdeakten gegeben und das Gesuch  um Einsicht  in  die  vorinstanzlichen  Akten  zur  Behandlung  an  das  BFM  weitergeleitet.  Das  Gesuch  um  Erstreckung  der  Frist  zur  Einreichung  einer Stellungnahme wurde gutgeheissen. L.  Mit Eingabe vom 31. August 2011 reichte der Beschwerdeführer folgende  sein Strafverfahren in Deutschland betreffende Unterlagen ein: – Urteil des Amtsgerichts D._______ vom 23. Oktober 2003, – Schreiben an das Amtsgericht D._______ vom 28. Juni 2011, – Schreiben an die Staatsanwaltschaft E._______ vom 25. Juli 2011, 

E­5854/2006 – Schreiben der Staatsanwaltschaft E._______ vom 17. August 2011, – Stammbaum der Familie F._______, – Referenzschreiben von (…) vom August 2011. M.  Am 8. September 2011 wurde die Vorinstanz unter Hinweis auf die neue  Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgericht  (vgl. das zur Publikation  vorgesehene  Urteil  vom  16.  Juni  2011,  E­7625/2008)  ersucht,  eine  ergänzende Vernehmlassung einzureichen. N.  Die  Vorinstanz  beantragte  in  ihrer  ergänzenden  Vernehmlassung  vom  16. September 2011 die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  übernahm  bei  gegebener  Zuständigkeit am 1. Januar 2007 die bei der ARK am 31. Dezember 2006  hängig gewesenen Rechtsmittel. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde.  Die  Beurteilung  erfolgt  nach  neuem  Verfahrensrecht  (vgl.  Art.  53  Abs.  2  VGG).

E­5854/2006 1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  vorliegende  Beschwerde  richtet  sich,  wie  bereits  mit  Zwischenverfügung vom 19. April 2006 festgestellt worden ist, gegen den  von  der  Vorinstanz  angeordneten  Wegweisungsvollzug.  Damit  ist  die  Verfügung  des  BFM  vom  21.  März  2006,  soweit  sie  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft,  des  Asyls  und  die  Anordnung  der  Wegweisung  betrifft,  rechtskräftig  geworden.  Zu  prüfen  bleibt  somit  im  Rahmen  des  vorliegenden  Verfahrens  einzig  das  Bestehen  allfälliger  Wegweisungsvollzugshindernisse. 4.  4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). In  Bezug  auf  die  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 

E­5854/2006 WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 4.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 4.3. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da­ rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus­ schaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand­ lung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen Gerichtshofes  für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nach­

E­5854/2006 weisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127, mit  weiteren Hinweisen).  Auch  die  allgemeine Menschenrechtssituation  im Heimatstaat  lässt  den Weg­ weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.  Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 4.4.  Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  insbesondere  dann  nicht  zumutbar,  wenn  die  beschwerdeführende  Person  bei  einer  Rückkehr  in  ihren  Heimatstaat  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Diese  Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das  heisst  bei  Ausländerinnen  und  Ausländern,  die  mangels  persönlicher  Verfolgung  weder  die  Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  noch  jene  des  völkerrechtlichen  Non­Refoulement­Prinzips  erfüllen,  jedoch  wegen  der  Folgen  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  nicht  in  ihren Heimatstaat  zurückkehren  können.  Im Weiteren  findet  sie  Anwendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr  ebenfalls  einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige  medizinische  Versorgung  nicht  erhalten  könnten  oder  –  aus  objektiver  Sicht  –  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich  in völlige Armut gestossen würden,  dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  ihres  Gesundheitszustandes,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert  wären  (BVGE 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1,  je mit  weiteren  Hinweisen).  Den  Asylbehörden  kommt  im  Rahmen  der  Anwendung  von  Art. 83  Abs.  4  AuG  ein  Ermessensspielraum  zu  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001 Nr.  16 E.  6b S.  123 mit weiteren  Hinweisen,  wobei  zu  berücksichtigen  ist,  dass  die  dort  zitierte  Bestimmung  von  Art.  14a  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und Niederlassung der Ausländer vom 26. März 1931 [ANAG, BS 1 121]  in  das  heute  geltende  AuG  überführt  wurde).  Insgesamt  gilt  es  die  humanitären Aspekte im Zusammenhang mit der Situation, in der sich die  betroffenen  Person  bei  einer  Rückkehr  ins  Heimatland  befinden würde,  gegen  das  öffentliche  Interesse  an  ihrer  Wegweisung  abzuwägen  (vgl.  EMARK 2006 Nr. 4 E. 5.1 S. 46, mit weiteren Hinweisen). 4.5. 

E­5854/2006 4.5.1.  Das  Bundesamt  führte  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  21. März  2006  zur  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  aus,  in  Afghanistan  herrsche  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt.  Demnach  könne  nicht  von  einer  konkreten  Gefährdung  der  Bevölkerung  in  Afghanistan  ausgegangen  werden.  Sie  wies  darauf  hin,  dass  mit  der  Bestätigung  von  Hamid  Karzaj  zum  ersten  demokratisch  gewählten  Präsidenten,  der  Stabilisierung  Afghanistans  und  der  Einbindung  eines  Grossteils  der  lokalen  Machthaber  die  Regierung  ihren  Einflussbereich  über  Kabul  hinaus  habe  auszudehnen  vermocht.  Zudem  werde  die  Regierung  zur  Gewährleistung  der  Sicherheit  der  Bevölkerung  von  der  internationalen  Schutztruppe  ISAF  unterstützt  und  auch  die  Wiederaufbauteams  seien  weiterhin  operationell.  Ferner  stünden  dem  Wegweisungsvollzug  auch  keine  individuellen  Gründe  entgegen,  zumal  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  mit  jahrelangen  beruflichen  Erfahrungen  als  Bildhauer  handle.  Zudem  verfüge  er  gemäss  seinen  eigenen  Angaben  über  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz  in  B._______  (Provinz  Jowzjan)  und Mazar­i­Sharif (Provinz Balkh). 4.5.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  machte  der  Beschwerdeführer  demgegenüber  geltend,  er  sei  zwar  in  Mazar­i­Sharif  geboren,  habe  jedoch  mit  seinen  Eltern  bis  zu  seinem  16.  Lebensjahr  in  B._______  gelebt. Er habe in Mazar­i­Sharif und auch andernorts in Afghanistan nur  entfernte Verwandte. Entgegen der Argumentation der Vorinstanz, habe  die ARK  in  ihrer  angepassten Rechtsprechung  (vgl. EMARK 2006 Nr. 9  E. 7.8) eine Rückkehr in die Provinz Jowzjan, wo er gelebt habe, generell  als  unzumutbar  bezeichnet.  Es  treffe  zwar  zu,  dass  er  in  Afghanistan  Verwandte  habe,  jedoch  handle  es  sich  dabei  um  ein  loses  Beziehungsnetz,  da  seine  Eltern  gestorben  seien.  Seine  Ehefrau  und  Kinder  hielten  sich  in  Deutschland  auf.  Im  Übrigen  gehöre  er  einer  schiitischen Minderheit in Afghanistan an. 4.5.3. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Mai 2006 hielt die Vorinstanz an  ihrem Standpunkt fest und wies darauf hin, der Beschwerdeführer verfüge  nicht  nur  in  B._______,  Provinz  Jowzjan,  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz,  sondern  auch  in  Mazar­i­Sharif,  Provinz  Balkh.  Eine  Rückkehr  in  diese  Provinz  werde  auch  nach  Auffassung  der  ARK  als  grundsätzlich  zumutbar  erachtet.  Zudem  hätte  die  Anwesenheit  des  Beschwerdeführers aufgrund seiner  in Deutschland begangenen Straftat  allenfalls  auch  eine  Personengefährdung  in  der  Schweiz  zur  Folge. 

E­5854/2006 Deshalb sei das öffentliche Interesse der Schweiz, den Beschwerdeführer  wegzuweisen, höher als sein Interesse, in der Schweiz zu bleiben. 4.5.4.  In seiner Replik vom 29. Mai 2006 machte der Beschwerdeführer  dazu  geltend,  er  sei  in  Mazar­i­Sharif  geboren.  Sein  Lebensmittelpunkt  sei  jedoch  in B._______ gewesen. Er  habe  in Afghanistan  keine nahen  Verwandten  mehr  und  müsse  aufgrund  seiner  Ethnie  mit  Diskriminierungen rechnen. 4.5.5.  Am  31.  August  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  nach  Aufforderung  der  zuständigen  Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  Unterlagen  aus  dem  rechtskräftigen  Strafverfahren aus Deutschland zu den Akten. Mit Urteil des Amtsgerichts  D._______  vom  23.  Oktober  2003  war  der  Beschwerdeführer  wegen  einer  sexuellen  Nötigung  in  Tateinheit  mit  sexuellem  Missbrauch  eines  Kindes  und  vorsätzlicher  Körperverletzung  schuldig  gesprochen  und  zu  einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden.  Im Urteil wurde berücksichtigt, dass sowohl die angewandte Gewalt, als  auch die sexuelle Handlung und die Körperverletzung am unteren Rand  der  strafbaren  Tatmodalitäten  lag,  weshalb  nur  eine  Strafe  am  unteren  Rand des rechtlich zulässigen Strafrahmens in Betracht kam. In  einem Referenzschreiben  von  (…)  (bevollmächtigter  Rechtsvertreter)  vom August 2011 wies dieser darauf hin, er habe den Beschwerdeführer  im  August  2007  kennen  gelernt.  Aufgrund  dessen  schwierigen  Lebenssituation  habe  er  ihn  unterstützt  und  ihm  zu  einer  Arbeitsstelle  verholfen,  wo  dieser  auch  heute  noch  arbeite.  Im  Weiteren  habe  der  Beschwerdeführer  seine  Familie  in  Deutschland  nach  seinen  Möglichkeiten monatlich unterstützt. Zudem habe dieser zu seiner Familie  (Ehefrau und zwei Kinder geb. 1998 und 2003) regelmässigen Kontakt.  4.5.6.  In  ihrer  ergänzenden  Vernehmlassung  vom  16.  September  2011  hielt  die  Vorinstanz  fest,  trotz  der  neuen  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  (Urteil  vom  16.  Juni  2011,  E­7625/2008)  werde  dringend  zum  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach Afghanistan geraten. Dieser sei mit Urteil vom 23. Oktober 2003 von  einem  deutschen  Gericht  wegen  sexuellem  Missbrauch  von  Kindern  rechtskräftig verurteilt worden. Wie bereits in der ersten Vernehmlassung  vom  17. Mai  2006  dargelegt  worden  sei,  habe  die  Anwesenheit  des  Beschwerdeführers  allenfalls  eine  Personengefährdung  in  der  Schweiz  zur Folge. Aus diesen Gründen sei das öffentliche Interesse der Schweiz 

E­5854/2006 höher zu werten als die individuellen Interessen des Beschwerdeführers,  in der Schweiz zu verbleiben. 5.  5.1. Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan hat sich die vormalige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  in  ihrer  Rechtsprechung  mehrmals  eingehend  mit  der  Lage  in  Afghanistan  auseinandergesetzt,  wobei  sie  sich  zu  verschiedenen  Provinzen  des  Landes  äusserte  und  namentlich die Unterschiede zwischen der Hauptstadt Kabul und anderen  Regionen Afghanistans dargestellt hat. Dabei erkannte die ARK im Jahre  2003 den Wegweisungsvollzug nach Kabul – infolge der vergleichsweise  günstigeren  Situation  –  unter  bestimmten  strengen  Voraussetzungen,  insbesondere  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes,  der  Möglichkeit  der  Sicherung  des Existenzminimums  und  einer  gesicherten Wohnsituation,  als  zumutbar  (vgl.  EMARK  2003  Nr.  10  und  Nr.  30).  Im  Jahre  2006  bestätigte die ARK ihre Rechtsprechung (vgl. EMARK 2006 Nr. 9), wobei  – zusätzlich  zu  Kabul  –  der  Wegweisungsvollzug  in  weitere,  abschliessend  aufgeführte  Provinzen  (Parwan,  Baghlan,  Takhar,  Badakhshan,  Kunduz,  Balkh,  Sari  Pul,  Herat  und  die  Gegend  von  Samangan, die nicht zum Hazarajat zu zählen  ist) unter den  in EMARK  2003  Nr.  10  erwogenen  strengen  Bedingungen  als  zumutbar  erklärt  wurde.  Betreffend  die  übrigen  östlichen,  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen  stellte  die  ARK  demgegenüber  fest,  dass  dort  weiterhin  eine  allgemeine  Gewaltsituation  herrsche,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  dorthin nach wie vor als unzumutbar zu betrachten sei (vgl. EMARK 2006  Nr.  9  E.  7.5.3  und  7.8).  Diese  Rechtsprechung  der  ARK  wurde  vom  Bundesverwaltungsgericht bis anhin im Wesentlichen weitergeführt.  Schliesslich  ist  auf  die  zwei  kürzlich  ergangenen  Länderurteile  des  Bundesverwaltungsgerichts (vgl. die zur Publikation vorgesehenen Urteile  E­7625/2008 vom 16. Juni 2011 und D­2312/2009 vom 28. Oktober 2011)  zu  verweisen.  Im  Urteil  E­7625/2008  führte  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  eingehender  Länderanalyse  die  Rechtsprechung  der  ARK  (vgl.  EMARK  2003  Nr. 20  und  30  sowie  EMARK 2006 Nr. 6) zur Sicherheitslage und der humanitären Situation in  Afghanistan weiter und hat diese aktualisiert. Dabei kam es zum Schluss,  dass  im  Verlauf  der  letzten  Jahre  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Afghanistan über alle Regionen hinweg –  inklusive der urbanen Zentren  und  der Hauptstadt  Kabul  –  deutlich  schlechter  geworden  ist  (a.a.O. E.  9.1  –  9.7).  Parallel  zur  allgemeinen Sicherheitslage  hat  sich  namentlich 

E­5854/2006 auch die humanitäre Situation  in Afghanistan verschlechtert, wobei aber  erhebliche  Unterschiede  zwischen  ländlichen  und  städtischen  Gebieten  festzustellen sind. Erweisen sich zum heutigen Zeitpunkt die Verhältnisse  in  ländlichen  Gebieten  grossmehrheitlich  als  absolut  prekär,  so  ist  zumindest  in  Kabul  eine  deutlich  bessere  Situation  anzutreffen,  zumal  sich  dort  nach  den  letzten  Jahren  auch  die  Sicherheitslage  wieder  stabilisiert  hat  (vgl.  a.a.O.,  E.  9.8  –  9.9).  Zudem  hielt  das  Bundesverwaltungsgericht  im  hievor  erwähnten Urteil D­2312/2009  vom  28. Oktober 2011  fest, die Lage  in der Stadt Herat sei mit derjenigen  in  Kabul  vergleichbar,  weshalb  es  nicht  gerechtfertigt  sei,  von  einer  Situation allgemeiner Gewalt auszugehen.  5.2.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  vorliegend  die  Situation  des  Beschwerdeführers  zu  beurteilen.  Eigenen  Angaben  zufolge  ist  der  Beschwerdeführer in der Stadt Mazar­i­Sharif geboren. Zwar hielt er dazu  weiter fest, seit seiner Geburt in B._______ in der Provinz Jowzjan gelebt  zu haben und im Alter von 16 Jahren in den Iran ausgereist zu sein, wo er  während über zehn Jahren gelebt habe (vgl. A1 S. 1, A11 S. 3). Indessen  kann  aufgrund  der  Aktenlage  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Stadt  Mazar­i­Sharif  und  in  anderen  Teilen  Afghanistans  über  ein  grösseres  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz  verfügt. So machte er in der Empfangsstelle geltend, er habe in Mazar­i­ Sharif einen zweiten Wohnsitz gehabt (vgl. A1, S. 1). Sein Onkel habe in  Mazar­i­Sharif  ein Haus besessen,  in  dem  "sie"  gewohnt  hätten  (A1, S.  6).  Anlässlich  der  direkten  Anhörung  erwähnte  er  zudem  verschiedene  Onkel  und  Cousins,  wobei  die  meisten  seiner  Verwandten  in  Mazar­i­ Sharif wohnen würden (vgl. A11, S. 3). Ferner ist aktenkundig, dass er im  deutschen Asylverfahren eine Wohnadresse in Mazar­i­Sharif angegeben  hat.  Zudem  gab  er  dort  an,  seine  Ehefrau  vor  fünf  Jahren  (2001)  in  Mazar­i­Sharif geheiratet zu haben (Akte A9).  Obwohl die Situation  in der Stadt Mazar­i­Sharif mit derjenigen  in Kabul  und  Herat  zu  vergleichen  sein  dürfte,  kann  im  vorliegenden  Fall  die  Frage, ob der Vollzug der Wegweisung dorthin als generell zumutbar zu  bezeichnen  ist,  jedoch  offen  bleiben.  So  fällt  die  im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  vorzunehmende  Güterabwägung  zwischen  der  persönlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  und  dem  öffentlichen  Interesse  an  dessen Wegweisung  zuungunsten  des Beschwerdeführers  aus. Wie aus den Akten hervorgeht, hat sich der Beschwerdeführer in der  Vergangenheit  nämlich der  sexuellen Handlung an einer Minderjährigen  schuldig  gemacht.  Er  ist  deshalb  mit  Entscheid  des  Amtsgerichts 

E­5854/2006 D._______ (D) vom 23. Oktober 2003 zu einer Gefängnisstrafe von neun  Monaten mit Bewährung verurteilt worden. Angesichts der Schwere des  ihm  zur  Last  gelegten  Straftatbestands  (sexueller  Missbrauch  von  Kindern)  muss  das  öffentliche  Interesse  der  Schweiz  am  Vollzug  der  Wegweisung des Beschwerdeführers als gewichtiger bezeichnet werden  als dessen Interesse an einem weiteren Verbleib  in der Schweiz. Weiter  ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer noch  relativ  jung  ist  und  über  gewisse  Berufserfahrungen  im  Heimatland  sowie  in  der  Schweiz  verfügt  und  an  keinen  schwerwiegenden  gesundheitlichen  Beeinträchtigungen leidet. Zudem ist gestützt auf seine hievor erwähnten  Aussagen davon auszugehen, dass er in Mazar­i­Sharif sowie allenfalls in  anderen  Teilen  Afghanistans  über  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz  verfügt  (vgl.  A11,  S.  3),  woraus  geschlossen  werden  kann,  dass  er  auf  die  Unterstützung  seiner  Verwandten  sowohl  hinsichtlich  der  Existenzsicherung  als  auch  der  Wohnungssituation  zählen kann. Immerhin ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass der  Beschwerdeführer nach einem dreijährigen Aufenthalt in Deutschland und  der  Trennung  von  seiner  Ehefrau  im  Juni  2005  nach  Afghanistan  zurückgekehrt ist (vgl. A1, S. 2) und sich bei Verwandten aufhielt (vgl. A1,  S. 6).  Insgesamt  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat in Würdigung  sämtlicher  Umstände  und  unter  Berücksichtigung  der  Aktenlage  als  zumutbar. 5.3.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 5.4. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

E­5854/2006 vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Nachdem  aufgrund  der  Akten  nicht  von  der  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist,  ist  das  in  der  Beschwerde  vom  10. April  2006  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  abzuweisen.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­5854/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen.  3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand:

E-5854/2006 — Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 E-5854/2006 — Swissrulings