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Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 E-5776/2008

28 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,717 mots·~14 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. September 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­5776/2008 Urteil   v om   2 8 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Kongo (Kinshasa), vertreten durch Alfred Ngoyi wa Mwanza, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung  des BFM vom 2. September 2008 / N (…).

E­5776/2008 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  in  (...)  geborener,  verheirateter  Staatsangehöriger  der  Demokratischen  Republik  Kongo  mit  letztem  Wohnsitz  in  Kinshasa,  (...),  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  seinen  Heimatstaat am 15. Mai 2008 und reiste per Piroge sowie Flugzeug über  den  Kongo,  die  Elfenbeinküste  und  Frankreich  am  17. Mai  2008  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  am  darauffolgenden  Tag  um  Asyl  nachsuchte.  Anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  [EVZ] (...) vom 28. Mai 2008 und der einlässlichen Anhörung vom 4. Juni  2008  zu  seinen Ausreise­  und Asylgründen machte  er  im Wesentlichen  Folgendes geltend: [Mord  in  politisch  brisantem  Kontext  beobachtet].  In  der  Folge  hätten  Mitarbeitende einer NGO  (…),  Informationen  zum Vorfall  gesammelt;  er  habe  ihnen  geschildert,  was  er  gesehen  habe.  Daraufhin  habe  ihn  die  Polizei  (…)  zu  Hause  aufgesucht,  ihn  auf  den  Polizeiposten  mitgenommen und befragt. Etwa einen Monat später habe das Militär ihn  sodann  festgenommen  und  an  einen  unbekannten  Ort  gebracht.  Aufgrund gesundheitlicher Probleme sei er ein paar Tage später aber ins  Militärkrankenhaus  (...)  gebracht worden,  von wo  aus  er mit Hilfe  eines  Soldaten  der  gleichen  Ethnie  die  Flucht  habe  ergreifen  können.  Anschliessend habe er den Entschluss zur Ausreise getroffen und hierzu  die  Dienste  eines  Schleppers  in  Anspruch  genommen,  welcher  für  ihn  einen  gefälschten  Reisepass  besorgt  habe,  mit  welchem  er  habe  ausreisen  können.  Im  Übrigen  leide  er  auch  weiterhin  an  gesundheitlichen  Beeinträchtigungen  (Rheuma  (…),  Bluthochdruck,  Magen­ und Rückenschmerzen). Zur  Erklärung, weshalb  er  keine  rechtsgenüglichen  Identitätsdokumente  beigebracht  habe  und  einer  schriftlichen  Aufforderung  zur  Papierbeschaffung  innert  48 Stunden  nicht  nachgekommen  sei, machte  er insbesondere geltend, er habe nie einen Reisepass besessen, jedoch  habe  er  eine  zairische  Identitätskarte  gehabt,  welche  allerdings  durch  eine  "carte  d`électeur"  ersetzt  worden  sei;  diese  sei  ihm  aber,  als  er  damals  festgenommen  worden  sei,  abgenommen  worden  (A4/10  S.  4  sowie Beschwerdeschrift). Zudem habe er seinen Führerschein zu Hause  gelassen;  er  versuche  jedoch,  diesen zu beschaffen;  dies  sei  allerdings  nicht  einfach,  weil  seine  Familie  sich  verteilt  habe  und  vermutlich  überwacht  werde.  In  seinem  Heimatstaat  habe  er  auch  Kopien  von 

E­5776/2008 seinen  Identitätspapieren  angefertigt.  Eine  Kopie  seiner  "attestation  de  naissance"  reichte  er  anlässlich  der  EVZ­Befragung  zu  den  Akten  (vgl.  A4/10 S. 4). B.  Für die Dauer des Verfahrens wurde er dem Kanton B._______ zugeteilt. C.  Mit  Verfügung  vom  2.  September  2008  –  Versand  der  Verfügung  am  darauffolgenden  Tag;  frühestens  eröffnet  am  4.  September  2008;  ein  Rückschein  befindet  sich  nicht  in  den  Akten  –  trat  das  BFM  auf  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht  ein,  verfügte  seine  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  der  Wegweisung  unter  Ansetzung  einer  Ausreisefrist  ("am Tag  nach Eintritt  der  Rechtskraft")  an,  wobei  es  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte. D.  Mit  Eingabe  vom  10. September  2008  (Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen  den  vorinstanzlichen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  dabei  sinngemäss,  die  Beschwerde  sei  als  zulässig  zu  erachten,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben,  er  sei  als  Flüchtling  anzuerkennen;  eventualiter  sei  die  vorläufige Aufnahme  anzuordnen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR 172.021)  sowie  um  Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ersucht.  Zudem  sei  der  Wegweisungsvollzug  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme auszusetzen. Zur  Stützung  seiner  geltend  gemachten  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  seinen  kongolesischen  Führerschein  sowie  zwei  Arztberichte  von Dr. C._______, AA Urologie,  (...),  beide datierend vom  2. September 2008, zu den Akten. E.  Mit  Verfügung  vom  16. September  2008  hielt  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  das  Gesuch  um 

E­5776/2008 Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne des Art. 65 Abs. 1  VwVG  werde  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  werde  verzichtet.  Im  Übrigen  wurde  die  Vorinstanz  zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. F.  Das BFM liess sich am 30. September 2008 vernehmen und beantragte  dabei  die  Abweisung  der  Beschwerde,  zumal  die  Rechtsmitteleingabe  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  welche  eine  Änderung  des  vorinstanzlichen  Standpunktes  zu  rechtfertigen  vermöchten. Diese  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  zur  Kenntnisnahme zugestellt. G.  Mit Verfügung vom 20. Juli 2011 forderte das Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführer  auf,  eine  Stellungnahme  in  Bezug  auf  seine  aktuelle  Verfolgungssituation  im  Heimatstaat  sowie  einen  aktuellen  Arztbericht, seinen Gesundheitszustand betreffend, nachzureichen. H.  Mit Eingabe vom 8. August 2011 an das Bundesverwaltungsgericht zeigte  der  vom  Beschwerdeführer  neu  zugezogene  Rechtsvertreter  seine  Mandatierung  an.  Gleichzeitig  wurden  zwei  Vorladungen  des  kongolesischen nationalen Geheimdienstes  vom  (…) Mai 2008 und  (…)  Juni 2008 (in Kopie) und ein ärztliches Zeugnis sowie ein Austrittsbericht  von Dr. med. D._______, Oberarzt Urologie, (...), beide datierend vom 20.  Juli 2011, als Beweismittel zu den Akten gereicht. I.  Mit  Verfügung  vom  7.  September  2011  forderte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführer  auf,  einen  weiteren  Arztbericht  einzureichen,  welchem  eine  Prognose  über  den  wahrscheinlichen Verlauf seiner Krankheit sowie Angaben zu den künftig  absehbaren  erforderlichen  Therapien  zu  entnehmen  seien,  sowie  die  Originalvorladungen des kongolesischen nationalen Geheimdienstes vom  (…). Mai 2008 und (…). Juni 2008 nachzureichen.  J.  Mit Eingabe vom 22. September 2011 an das Bundesverwaltungsgericht  reichte  der  Rechtsvertreter  einen  Arztbericht  des  behandelnden  Arztes 

E­5776/2008 Dr. med.  E._______,  Arzt  für  Allgemeine  Medizin  FMH,  vom  14.  September 2011 zu den Akten. Im Übrigen wurde ausgeführt, dass die in  Kopie  eingereichten  Vorladungen  nach  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers  erlassen  worden  seien.  Ein  Bekannter  habe  sich  anstelle  des  Beschwerdeführers  beim  Sicherheitsdienst  vorgestellt  und  bei  dieser  Gelegenheit  seien  die  Originale  eingezogen  worden.  Seither  werde  das  Umfeld  des  Beschwerdeführers  vom  Sicherheitsdienst  schikaniert. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt in casu nicht vor; somit ist das  Bundesverwaltungsgericht vorliegend letztinstanzlich zuständig.  1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Folglich  ist  er  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 2  AsylG,  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.3. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

E­5776/2008 1.4.  Gemäss  Art.  33a  Abs.  2  VwVG  ist  im  Beschwerdeverfahren  die  Sprache  der  angefochtenen  Verfügung  massgebend,  weshalb  der  vorliegende Entscheid in deutscher Sprache ergeht. 2.  Mit Beschwerde  können die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen  (Art. 32 ­ 35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist.  Die  Beschwerdeinstanz  enthält  sich  demnach  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen  materiellen  Prüfung,  hebt  die  angefochtene  Verfügung  auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.). Im Falle  des Nichteintretens  auf  ein Asylgesuch gemäss Art.  32 Abs.  2  Bst.  a  und  Abs.  3  AsylG  ist  über  das  Nichtbestehen  der  Flüchtlingseigenschaft  abschliessend  materiell  zu  entscheiden,  soweit  dies  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  möglich  ist  (vgl. BVGE  2007/8 E. 2.1 und 5, insbesondere E. 5.6.5 S. 90 f.). Die Vorinstanz hat die Frage der Wegweisung und des Vollzugs materiell  geprüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle  Kognition zukommt. Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu.  Das  Gesuch  des  Beschwerdeführers  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  erwies  sich  demnach  von  Anfang  an  als  gegenstandslos und obsolet.  4.  4.1. Gemäss Art.  32 Abs.  2 Bst.  a AsylG wird auf  ein Asylgesuch nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden  nicht  innerhalb  von  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise­  oder  Identitätspapiere 

E­5776/2008 abgeben.  Diese  Bestimmung  findet  jedoch  keine  Anwendung,  wenn  Asylsuchende  geltend  machen  können,  sie  seien  dazu  aus  entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG),  aufgrund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder  sich  aufgrund  der  Anhörung  erweist,  dass  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind  (Art.  32  Abs. 3  Bst.  c  AsylG). 4.2. Das BFM  führte  zur Begründung seines Nichteintretensentscheides  im  Wesentlichen  an,  der  Beschwerdeführer  habe  den  Behörden  trotz  Aufforderung  innert  48  Stunden  keine  Identitätsdokumente  eingereicht  und  habe  hierfür  keine  entschuldbaren  Gründe  glaubhaft  zu  machen  vermocht.  Sodann  habe  er  ohne  hinreichende  Erklärung  keine  der  besagten Kopien – er habe zu Hause von all  seinen  Identitätspapieren,  darunter  auch  von  seiner  Geburtsurkunde,  Doppel  angefertigt –  eingereicht.  Zudem  sei  seine Schilderung,  er  sei mit  einem  gefälschten  Reisepass  von  der  Elfenbeinküste  nach  Paris  geflogen,  realitätsfremd  und  somit  unglaubhaft.  Des  Weiteren  genügten  die  Verfolgungsvorbringen  den  Anforderungen  gemäss  Art.  3  und  Art.  7  AsylG  an  das  Glaubhaftmachen  eines  flüchtlingsrechtlich  beachtlichen  Sachverhalts nicht, zumal sich die geltend gemachten Vorbringen zufolge  Widersprüchlichkeiten  in  der  Verfolgungsgeschichte  als  offensichtlich  unglaubhaft erweisen würden. Der Beschwerdeführer habe namentlich in  der  EVZ­Kurzbefragung  ausgeführt,  am  21.  März  2008  festgenommen  worden zu sein (vgl. A4/10 S. 6), wogegen er an der Anhörung auf dem  21. Februar 2008 beharrt habe (vgl. A8/23 S. 9 f.). Ferner habe er zuerst  angegeben, die Angehörigen des [Polizei] seien zwei Wochen nach dem  Besuch der Mitarbeitenden der NGO zu ihm nach Hause gekommen (vgl.  A4/10  S.  5);  danach  habe  er  jedoch  ausgesagt,  jene  hätten  ihn  nach  Ablauf von weiteren drei Wochen zu Hause aufgesucht (vgl. A8/23 S. 18).  Im  Übrigen  habe  er  keine  hinreichenden  Angaben  zu  den  Personen,  welche  ihn  angeblich  aufgesucht  hätten,  sowie  zu  deren  vorgebrachten  Bewaffnung  machen  können  (vgl. A8/23  S. 14  ff.).  Ferner  sei  es  nicht  nachvollziehbar,  dass ein Militärangehöriger  seine Dienstpflicht  verletze,  nur  um  einer  derselben  Ethnie  angehörenden  Person,  vorliegend  dem  Beschwerdeführer, zur Flucht zu verhelfen. Eine solche Handlungsweise  müsse  für  den  betreffenden  Militär  als  zu  riskant  qualifiziert  werden.  Schliesslich  seien  auch  die  Umstände,  unter  welchen  der  Beschwerdeführer  aus  dem  Militärkrankenhaus  geflohen  sei,  nicht 

E­5776/2008 glaubhaft,  zumal  seine  Darstellung,  der  besagte  Soldat  habe  ihm  Militärkleider verschafft, mit welchen er aus dem Camp geflohen sei, die  er aber erst draussen angezogen habe, ohne dass die Wachen ihn dabei  bemerkt hätten, unverständlich und nicht nachvollziehbar erscheine. Der  Beschwerdeführer  erfülle  daher  die  Flüchtlingseigenschaft  infolge  offensichtlicher  Haltlosigkeit  seiner  Vorbringen  nicht.  Zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses seien mithin nicht erforderlich.  4.3.  In  der  Rechtsmitteingabe  entgegnete  der  Beschwerdeführer,  seine  "attestation d`électeur" sei ihm nach seiner Verhaftung am 21. März 2008  abgenommen  worden.  Sodann  sei  es  ihm  nicht  gelungen,  die  Kopien  seiner  Dokumente  einzuholen,  zumal  sich  auch  seine  Familienangehörigen  im  Heimatland  verteilt  hätten.  Hingegen  könne  er  nun seinen kongolesischen Führerschein zu den Akten reichen (er habe  sich  nicht  vorstellen  können,  dass  ein  Führerschein  tatsächlich  ein  rechtsgenügliches  Identitätsdokument  im Sinne des Gesetzes darstelle).  Im  Übrigen  habe  er  den  hiesigen  Behörden  nicht  mutwillig  keine  Identitätsdokumente eingereicht. Des Weiteren sei den Ausführungen des  BFM,  seine  Verfolgungsvorbringen  würden  die  Anforderungen  an  das  Glaubhaftmachen  eines  flüchtlingsrechtlich  beachtlichen  Sachverhalts  nicht  erfüllen,  entgegenzuhalten,  dass  er  als Normalbürger, welcher  nie  mit Waffen zu tun gehabt habe, die unterschiedlichen Waffentypen nicht  kenne. Sodann habe sein [Kind] ihn im Militärkrankenhaus für die Summe  von 1'500 US­Dollars freigekauft. Dass sein Befreier das Geld genommen  habe, erstaune nicht, da man als Soldat wenig verdiene; zudem würden  sie beide aus derselben Region stammen, dies verbinde.  Aus den zu den Akten gereichten zwei Arztberichten von Dr. C._______,  AA Urologie,  (...), beide datierend vom 2. September 2008, geht hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  an  [Blasen­  bzw.  Prostataproblemen]  leide.  Er  sei  vom  26.  August  bis  zum  2. September  2008   (...)  hospitalisiert  worden. 4.4.  In der Eingabe vom 8. August 2011  führte der Rechtsvertreter aus,  der  Geheimdienst  der  Demokratischen  Republik  Kongo  fahnde  noch  immer  nach  dem  Beschwerdeführer,  da  [Mord  in  politisch  brisantem  Kontext]. Der Geheimdienst habe den Beschwerdeführer bereits zwei Mal  vorgeladen, was auch die beiden zu den Akten gereichten Vorladungen  bestätigen  würden.  Aus  Sicherheitsgründen  habe  er  die  Dokumente  allerdings  nicht  vorher  beschaffen  können;  ein  Bekannter  habe  die 

E­5776/2008 Vorladungen  aber  nun  aus  dem  Heimatland  des  Beschwerdeführers  in  die Schweiz bringen können. Ausserdem habe er den Beschwerdeführer  darüber in Kenntnis gesetzt, dass seine Familie weiterhin bedroht werde.  Im  Übrigen  lasse  sich  dem  beigebrachten  Arztbericht  respektive  Austrittsbericht  entnehmen,  dass  er  an  Prostatabeschwerden  leide,  weshalb  er  bereits  einige  Male  habe  operiert  werden  müssen.  Derzeit  habe er regelmässig Kontrollen und benötige Medikamente. Zwar würden  in  Kinshasa  medizinische  Zentren  existieren,  auch  wenn  von  einer  geringeren  Qualität  der  medizinischen  Versorgung  als  hierzulande  ausgegangen werden müsse, jedoch habe eine Mehrheit der Kongolesen  – vorwiegend  wegen  der  zumeist  fehlenden  finanziellen Mittel  –  keinen  Zugang  zu  den  medizinischen  Behandlungen.  Der  angeschlagene  gesundheitliche  Zustand,  das  Alter  sowie  die  sozio­ökonomische  Umgebung  würden  es  dem  Beschwerdeführer  ohnehin  nicht  erlauben,  eine  anständige  Anstellung  im  Heimatland  zu  finden;  auch  seine  Arbeitserfahrung ändere an dieser Einschätzung nichts. Den Akten seien  überdies  keine  Hinweise  zu  entnehmen,  dass  sein  Umfeld  die  Finanzierung übernehmen könne.  Im Übrigen  könne sich nur die  reiche  kongolesische  Bevölkerung  eine  Krankenversicherung  leisten.  Aus  diesen  Gründen  sei  es  nicht  gesichert,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seinem  Heimatland  die  erforderliche  medizinische  Behandlung  erhalte.  Ferner führe ein möglicher Verlust der aktuell erlangten Stabilität zu einer  noch höheren Gefährdung seiner bereits angeschlagenen Gesundheit. 5.  5.1.  Vorliegend  hat  der  Beschwerdeführer  innert  48  Stunden  keine  rechtsgenüglichen  Identitätsdokumente  (Art.  1a Bst.  a  und  b  und Art.  2  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311])  eingereicht  und  offensichtlich  auch  keine  entsprechenden  Bemühungen  unternommen.  Weder  die  in  der  EVZ­ Befragung  eingereichte Kopie  seiner  "attestation  de  naissance"  –  dabei  wurde  vom  BFM  zu  Unrecht  behauptet,  diese  sei  nicht  zu  den  Akten  gereicht  worden  –  noch  der  im  Beschwerdeverfahren  eingereichte  kongolesische  Führerschein  stellen  dabei  rechtsgenügliche  Dokumente  im Sinne der AsylV 1 dar (vgl. BVGE 2007/7). Das Aussageverhalten des  Beschwerdeführers zu seinen fehlenden Identitätspapieren, die in diesem  Zusammenhang  geschilderten Umstände  sowie  die  vom BFM  zu Recht  als  realitätsfremd  gewürdigten  angeblichen  Reiseumstände  lassen  den  Schluss zu, er verweigere die Abgabe rechtsgenüglicher Ausweispapiere  in  Missachtung  seiner  Mitwirkungspflicht  bewusst.  Das 

E­5776/2008 Bundesverwaltungsgericht  kommt  somit  –  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz – zum Schluss, dass er nicht glaubhaft darzulegen vermag, er  sei  durch  nicht  selbst  zu  verantwortende  Umstände  an  der  unverzüglichen Einreichung von Reise­ oder  Identitätspapieren  im Sinne  von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gehindert worden (Art. 32 Abs. 3 Bst. a  AsylG). 5.2.  Die  soeben  festgestellte  Missachtung  der  dem  Beschwerdeführer  obliegenden  Mitwirkungspflicht  ist  seiner  persönlichen  Glaubwürdigkeit  insofern  abträglich,  als  sie  die  Annahme  einer  allfälligen  Verfolgungssituation bereits  in den Hintergrund  rücken  lässt. Gleichwohl  ist zu prüfen, ob im vorliegenden Fall aufgrund der Aktenlage, wie sie sich  nach  den  Befragungen  darbot,  vom  BFM  im  Rahmen  einer  summarischen Prüfung  zu Recht  der Schluss gezogen wurde,  dass der  Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und auch keine  zusätzlichen  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses nötig seien (Art. 32 Abs. 3  Bst. b und c AsylG; vgl. BVGE 2007/8 E. 5.5 und 5.6). 5.2.1.  Insgesamt  ist  die  vom  Beschwerdeführer  geschilderte  Verfolgungsgeschichte geprägt von einer Häufung von Zufällen, was als  höchst  unwahrscheinlich  bezeichnet  werden  kann  und  auf  einen  konstruierten Sachverhalt hindeutet. So fällt insbesondere eine Zunahme  der Ereignisse und Probleme auf:  [Ereignisse  in Bezug auf den politisch  brisanten  Mord];  bei  der  besagten  NGO  habe  es  sich  um  den  Sicherheitsdienst  oder  um  eine  Organisation,  welche  mit  diesem  zusammenarbeite,  gehandelt;  obwohl  das  Militär  ihn  festgenommen  habe,  sei  er  aufgrund  seiner  gesundheitlichen  Beeinträchtigung  in  ein  Militärkrankenhaus gebracht worden, wo ihm ein Soldat derselben Ethnie  Militärkleider verschafft habe, welche er auf der Toilette – und nicht wie  von der Vorinstanz behauptet erst draussen – angezogen habe, und mit  denen er aus dem Krankenhaus geflohen sei, ohne dass die Wachen ihn  dabei bemerkt hätten. Des  Weiteren  lassen  die  im  Verlauf  des  Verfahrens  entstandenen  Unstimmigkeiten  in  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  erhebliche  Zweifel an der Richtigkeit der geltend gemachten Vorbringen zu. Wie das  BFM richtig  feststellte, gab der Beschwerdeführer  in der EVZ­Befragung  zuerst an, am 21. März 2008 verhaftet worden zu sein (vgl. A4/10 S. 6),  hingegen  äusserte  er  anlässlich  der  Anhörung,  am  21. Februar  2008  festgenommen  worden  zu  sein  (vgl. A8/23  S.  9).  Auf  diesen  Umstand 

E­5776/2008 angesprochen,  führte er  lediglich an, er sei am 21. März 2008 verhaftet  worden (vgl. A 8/23 S. 10). Ferner schilderte er in der EVZ­Befragung, die  Polizei habe ihn zwei Wochen nach dem Besuch der Mitarbeitenden der  NGO zu Hause aufgesucht (vgl. A4/10 S. 5), während er in der Anhörung  angab,  jene  seien  nach  Ablauf  von  drei  Wochen  zu  ihm  nach  Hause  gekommen  (vgl. A8/23  S. 19).  Die  Erklärung,  weshalb  er  sich  vor  der  NGO als Zeuge zu erkennen gab – er habe Mitleid gehabt, weil  (…) –,  vermag  ebenfalls  nicht  zu  überzeugen,  zumal  er  zu  Protokoll  gab,  er  habe, bereits als er den Mord beobachtet habe, sehr grosse Angst gehabt  (vgl. A4/10 S. 5). Folglich erscheint es nicht nachvollziehbar, weswegen  er  der  NGO  den  politisch  brisanten  Mord  von  sich  aus  schilderte.  Unplausibel  ist  ferner  die  Darlegung  der  zeitlichen  Ereignisse  während  der  Gefangenschaft:  Der  Beschwerdeführer  erörterte  die  Tage  in  Gefangenschaft  –  beginnend  vom  Freitag,  den  21.  März  2008  –  zwar  vergleichsweise  detailliert,  in  seiner  chronologischen  Aufzählung  fehlen  allerdings die Ereignisse vom Montag sowie Dienstag gänzlich. Falls an  diesen beiden Tagen keine Befragung erfolgte,  ist es nicht einleuchtend,  dass  der  Mittwoch  wiederum  ausdrücklich  als  derjenige  Tag  genannt  wird, an welchem keine Befragung stattgefunden habe (vgl. zum Ganzen  A8/23  S. 10 f.).  Äusserst  unwahrscheinlich  erscheint  sodann  der  Umstand, dass sein  [Kind]  ihn  im Militärkrankenhaus –  trotz angeblicher  Hilfe des besagten Soldaten – habe besuchen können (vgl. A8/23 S. 11  f.), denn schliesslich war der Beschwerdeführer zu jener Zeit immer noch  inhaftiert.  Im  Übrigen  gab  er  anlässlich  der  Anhörung  an,  sein  [Kind]  F._______  habe  den  Soldaten  im  Krankenhaus  bestochen,  damit  der  Beschwerdeführer mittels dessen Hilfe fliehen könne (vgl. A8/23 S. 12). In  der  EVZ­Befragung  führte  er  demgegenüber  aus,  F._______  habe  ihm  lediglich geholfen, die Grenze zu überschreiten und nach Brazzaville zu  gelangen  (vgl. A4/10  S.  5);  dass  er  ihm  auch  bei  der  Flucht  aus  dem  Krankenhaus behilflich gewesen sei, erwähnte er dabei nicht  (vgl. A4/10  S.  6).  Aufgrund  dieser  divergierenden Sachverhaltsdarstellung  geht  das  Gericht  von  einem  im  Laufe  des  Verfahrens  unbegründet  nachgeschobenen Vorbringen aus. An diesen Feststellungen vermögen auch die nachträglich eingereichten  Vorladungen, datierend vom (…). Mai 2008 sowie (…). Juni 2008, nichts  zu  ändern.  Einerseits  liegen  sie  nur  in  Form  von  Kopien  vor,  welche  grundsätzlich  keinen  Beweis  für  das  Bestehen  von Originaldokumenten  liefern und denen infolge der leichten Manipulierbarkeit bloss ein äusserst  geringer  Beweiswert  beigemessen  werden  kann;  andererseits  erscheint  das  Vorgehen  des  Geheimdienstes  –  der  Beschwerdeführer  sei  mittels 

E­5776/2008 zweimaliger  Vorladung  aufgefordert  worden,  sich  zu melden,  obwohl  er  aus  dem  Militärkrankenhaus  respektive  aus  der  Haft  geflohen  sei –  realitätsfremd.  Ausserdem  erscheint  es  nicht  einleuchtend,  dass  er  bereits Ende März 2008 entkommen sei und erst etwa anderthalb Monate  später  vorgeladen werde.  Im Übrigen  ist  es  nicht  nachvollziehbar,  dass  die Vorladungen – obwohl den Angaben des Beschwerdeführers zufolge  sein  Bekannter  jene  seit  2008  gehabt  haben  solle  –  zuvor  nicht  eingereicht  wurden.  Schliesslich  fehlt  das  Zustellcouvert  aus  Kinshasa;  insofern ist unklar, wie er die Vorladungen erhalten hat.  5.2.2.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  aufgrund  einer  summarischen  Prüfung  überwiegende  Umstände  gegen  die  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachte  Darlegung  sprechen,  zumal  seine  Vorbringen  angesichts  der  aufgetretenen  Tatsachenwidrigkeiten  und  ­ defizite insbesondere einer plausiblen Grundlage entbehren. Nach Art. 32  Abs. 3 Bst. c AsylG ist auf ein Asylgesuch jedoch auch dann einzutreten,  wenn sich aufgrund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen  zur  Feststellung  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind.  Gemäss  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  gelten  dabei  nur  Hinweise,  die  sich  auf  die  Zulässigkeit  des Vollzugs  auswirken  können,  nicht aber solche, welche die Zumutbarkeit oder Möglichkeit des Vollzugs  betreffen, als "Wegweisungshindernisse"  im Sinne der Norm (vgl. BVGE  2009/50).  Da  im  Falle  des  Beschwerdeführers  –  wie  sich  aus  den  nachfolgenden Erwägungen zur Frage des Wegweisungsvollzuges ergibt  – keine  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorliegt  und  entsprechend diesbezüglich keine zusätzlichen Abklärungen nötig waren,  ist die Vorinstanz zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf  das Asylgesuch nicht eingetreten. 6.  6.1. Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder  tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).  6.2.  Der  Beschwerdeführer  besitzt  keine  Aufenthalts­  oder  Niederlassungsbewilligung  oder  einen  entsprechenden  Anspruch,  weshalb die Vorinstanz gestützt auf Art. 44 Abs. 1 AsylG zu Recht seine  Wegweisung verfügt hat (vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 7. 

E­5776/2008 7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation Schweizerische Asylrekurskommission  (ARK) der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist und andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl. WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel 2009,  Rz. 11.148).  Demgegenüber  genügen  Hinweise  auf  blosse  Eventualitäten und vage Möglichkeiten von Vollzugshindernissen nicht. 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG).  So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art.  33  Abs.  1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25 Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies  in  ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im 

E­5776/2008 vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  sein  Heimatland  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in das Heimatland dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK  verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der  Demokratischen  Republik  Kongo,  wohin  die  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  erfolgen  soll,  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl  2002  3818). 7.3.1.  Dem  aktuellsten  Arztbericht  von  Dr.  med.  E._______  vom  14.  September  2011  zufolge  leidet  der  (…)­jährige  Beschwerdeführer  an  [Blasen­bzw.  Prostataproblemen].  Die  Lebensqualität  sei  dadurch  deutlich eingeschränkt und eine Besserung im Krankheitsverlauf sei sehr  unwahrscheinlich.  Medikamentöse  Therapien  und  auch  ein  operativer  Eingriff  hätten die Lage nicht  verbessert. Einzig  [eine  Injektionstherapie]  würden helfen, denn die Situation beruhige sich nach der Einspritzung für  einige Wochen. Die Injektionstherapie sei in mehrmonatlichen Abständen  notwendig. 

E­5776/2008 Im Nachfolgenden  ist  deshalb  zu  prüfen,  ob  es  dem Beschwerdeführer  trotz der gesundheitlichen Beschwerden zugemutet werden kann, in sein  Heimatland zurückzukehren.  7.3.2. Wie in der Eingabe vom 8. August 2011 vom Rechtsvertreter richtig  ausgeführt wurde, ist nach der Praxis der ARK (vgl. EMARK 2004 Nr. 33)  und der vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführten Rechtsprechung  (vgl.  insbesondere  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­1356/2008  vom  1.  Februar  2011  sowie  E­790/2009  vom  20. Dezember  2010)  die  Rückkehr  von Personen aus der Demokratischen Republik Kongo unter  bestimmten  Umständen  zumutbar,  nämlich  dann,  wenn  der  letzte  Wohnsitz der betroffenen Person  insbesondere die Hauptstadt Kinshasa  war,  oder  wenn  die  Person  dort  über  ein  gefestigtes  Beziehungsnetz  verfügt; trotz Vorliegens der vorstehend genannten Kriterien erscheint der  Vollzug  der  Wegweisung  jedoch   –  nach  sorgfältiger  Prüfung  und  Abwägung  der  individuellen  Umstände  –  in  aller  Regel  nicht  zumutbar,  wenn  die  zurückzuführende  Person  sich  namentlich  bereits  in  einem  vorangeschrittenen  Alter  oder  in  einem  schlechten  gesundheitlichen  Zustand befindet, da die medizinische Versorgung in der Demokratischen  Republik  Kongo  Lücken  aufweist.  Auch  in  den  vergangenen  Jahren  haben  sich  weder  die  medizinische  Versorgung  noch  die  sozio­ ökonomische  Lage  wesentlich  verbessert.  Mehrere  UN­Organisationen,  die Weltbank und andere internationale Geldgeber finanzieren zwar einen  Grossteil  des  kongolesischen  Gesundheitssektors,  und  mehr  als  50  internationale NGOs sind  im dortigen Gesundheitsbereich  tätig. Projekte  von  internationalen  NGOs  haben  allerdings  oft  eine  Laufzeit  von  nur  wenigen Jahren. Eine entsprechende Behandlungsmöglichkeit ist deshalb  abhängig von der  jeweiligen Projektdauer. Des Weiteren  ist der Zustand  der meisten öffentlichen Krankenhäuser des Landes desolat und selbst in  Kinshasa fehlen in öffentlichen Spitälern wichtige technische Geräte. Auf  eine  Bevölkerung  von  60  Millionen  Menschen  kommen  lediglich  5800  Ärzte.  Zwar  ist  die Situation  in  privaten Kliniken  vergleichsweise  besser  als in öffentlichen, dennoch sind auch hier die Möglichkeiten beschränkt.  Der  Zugang  zu  den  öffentlichen  Einrichtungen  gestaltet  sich  jedoch  schwierig  angesichts  der  generell  im  Land  herrschenden  Armut.  Ein  Krankenversicherungssystem  existiert  nicht,  weshalb  Patienten  für  die  Behandlungskosten  stark  auf  familiäre  Unterstützung  angewiesen  sind.  Für den Grossteil der Bevölkerung Kongos, inklusive Kinshasa, bedeutet  eine medizinische Behandlung aber eine hohe  finanzielle Last  (vgl. zum  Ganzen  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­790/2009  a.a.O.,  E. 4.6.4, mit weiteren Hinweisen, sowie das Update der Schweizerischen  http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/33 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/33 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/33 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/33 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/33 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/33 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/33

E­5776/2008 Flüchtlingshilfe  [SFH],  Demokratische  Republik  Kongo:  Aktuelle  Entwicklungen, Bern, vom 6. Oktober 2011 S. 21 f.). 7.3.3.  Diesen  Erwägungen  entsprechend  ist  zu  schliessen,  dass  die  medizinische  Versorgung  in  der  Demokratischen  Republik  Kongo  nicht  lückenlos  gewährleistet  ist  und  auch  die  Qualität  der  Behandlung  nicht  derjenigen  in  europäischen  Ländern  entspricht.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist  allerdings  nicht  deshalb  bereits  unzumutbar,  wenn  die  Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland vergleichsweise weniger gut  sein mögen; immerhin ist dann auf einen Vollzug zu verzichten, wenn die  ungenügende  Möglichkeit  der  Weiterbehandlung  eine  drastische  und  lebensbedrohende  Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes  nach  sich  zieht  (vgl. EMARK  2004  Nr.  7  E.  5d).  Dem  Arztbericht  vom  14.  September  2011  ist  zu  entnehmen,  dass  die  Lebensqualität  des  Beschwerdeführers  durch  seine  gesundheitliche  Beeinträchtigung  deutlich  eingeschränkt  und  eine  Besserung  im  Krankheitsverlauf  sehr  unwahrscheinlich sei; einzig die Injektion beruhige die Situation für einige  Wochen.  Nach  dem  Gesagten  kann  zwar  nicht  zweifelsohne  davon  ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatland  eine  unbeschränkt  auf  ihn  zugeschnitte  Behandlung  erhält;  immerhin  kann  eine  konkrete  (Lebens­)Gefährdung,  falls  er  dort  im  Bedarfsfall  die  notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnte, beziehungsweise die  Gefahr  einer  ernsthaften  Verschlechterung  seines  Gesundheitszustandes  ausgeliefert zu sein (vgl. EMARK 1995 Nr. 5 S. 47 E. 6e, EMARK 1994 Nr. 18  S. 139 ff., EMARK 1994 Nr. 19 S. 145 ff.), ausgeschlossen werden. Im Übrigen  ist  in Übereinstimmung mit dem BFM  festzuhalten, dass er –  freilich  für  die  Behandlung  seiner  damaligen  gesundheitlichen  Beeinträchtigungen  (Rheuma,  Magenschmerzen  sowie  Bluthochdruck)  –  in  seinem  Heimatland  bereits  Zugang  zu  Medikamenten  hatte  (vgl.  A8/23  S.  19).  Sodann kann aufgrund der Akten zwar nicht angenommen werden, dass  der  Beschwerdeführer  selber  finanziell  für  seine  benötigte  Behandlung  wird  aufkommen  können,  zumal  in  seinem  Alter  auch  die  Chancen  auf  dem  ohnehin  von  hoher  Arbeitslosigkeit  gezeichneten  Arbeitsmarkt  praktisch  aussichtslos  wären;  allerdings  ist  davon  auszugehen,  dass  er  im Falle einer Rückkehr nach Kinshasa wieder Kontakt zu seiner Familie  – auch wenn geltend gemacht wurde, seine Angehörigen hätten sich  im  Land  verteilt  –  aufnehmen  kann  und  insofern  über  ein  tragfähiges  soziales  Beziehungsnetz  verfügen  dürfte,  welches  pekuniäre  Unterstützung  bieten  und  für  seine  medizinischen  Belange  aufkommen  kann.  Schliesslich  steht  dem  Beschwerdeführer  die  Möglichkeit  offen,  medizinische  Rückkehrhilfe  zu  beantragen,  wenn  auch  festzuhalten  ist, 

E­5776/2008 dass  diese  gemäss Art.  75  der Asylverordnung  2  vom 11. August  1999  über  Finanzierungsfragen  (AsylV  2,  SR  142.312)  auf  maximal  sechs  Monate befristet ist.  7.3.4.  In  einer  Gesamtwürdigung  aller  Umstände  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  demnach  zum Schluss,  dass  kein Grund  zur  Annahme besteht,  der Beschwerdeführer  geriete  im Falle  der Rückkehr  aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation,  welche  den  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzumutbar  erscheinen  liesse.  Der  Vollzug  der  Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich als zumutbar.  7.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch  BVGE 2008/34  E. 12),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 ­ 4 AuG). 7.6.  Hinsichtlich  der  angemessenen  Ausreisefrist  setzt  das  Gericht  die  diesbezügliche Praxis der damaligen ARK fort (vgl. EMARK 2004 Nr. 27);  es  übt  Zurückhaltung  bei  der  Bestimmung  der  angemessenen  Ausreisefrist,  hält  aber  das  Faktum  fest,  falls  eine  Ausreisefrist  offensichtlich unangemessen  ist. Angesichts des Zeitablaufs seit dem 2.  September  2008  –  dem  Zeitpunkt  der  Verfügung  des  BFM  –  ist  die  damals  angesetzte  kurze  Ausreisefrist  ("am  Tag  nach  Eintritt  der  Rechtskraft")  nicht  mehr  angemessen.  Die  Dispositiv­Ziffer  3  der  angefochtenen  Verfügung  ist  daher  aufzuheben,  und  das  BFM  ist  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  eine  angemessene  Ausreisefrist  anzusetzen. 8.  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  nach  dem  Gesagten  nicht  gelungen  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist.

E­5776/2008 9.  9.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten  in der Höhe  von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  9.2. Nachdem  indessen  das Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  mit  Verfügung  vom  16. September  2008  gutgeheissen  hat  und  aus  den  Akten  hervorgeht,  dass  der  Beschwerdeführer  auch  heute  weiterhin  als  bedürftig  gelten  muss, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.  (Dispositiv nächste Seite)

E­5776/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  mit  Dispositiv­Ziffer  3  der  angefochtenen  Verfügung  angesetzte  Ausreisefrist  wird  aufgehoben  und  die  Vorinstanz  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer eine angemessene Ausreisefrist anzusetzen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand:

E-5776/2008 — Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 E-5776/2008 — Swissrulings