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Bundesverwaltungsgericht 19.10.2011 E-5726/2011

19 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·677 mots·~3 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5726/2011 Urteil   v om   1 9 .   O k t ob e r   2011   Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren (…), Guinea,   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2011 / N (…).

E­5726/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  am  6.  September  2011  in  die  Schweiz  gelangte und gleichentags ein Asylgesuch stellte, auf welches das BFM  gestützt  auf  Art.  34 Abs.  2  Bst.  d  des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) mit Verfügung vom 10. Oktober 2011 nicht eintrat, dass das Bundesamt dem Beschwerdeführer anlässlich der summarisch­ en  Befragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Altstätten  vom       26. September 2011 das  rechtliche Gehör bezüglich der mutmasslichen  Zuständigkeit  Belgiens  für  das  vorliegende  Asylverfahren  und  im  Falle  eines Nichteintretensentscheides zu einer Wegweisung dorthin gewährte, dass der Beschwerdeführer diesbezüglich vorbrachte, bei einer Rückkehr  nach Belgien würde er  in sein Heimatland ausgeschafft, was für  ihn den  Tod bedeuten würde (vgl. Akten BFM A8/10 S. 5), dass  das  Bundesamt  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung vom 10. Oktober 2011 – eröffnet am 12. Oktober 2011 – nicht  eintrat  und  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  die  Schweiz  habe  sich  mit  der  Umsetzung  des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA],               SR 0.142.392.689) verpflichtet, die Dublin­II­Verordnung  (Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaates,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist [Dublin­II­VO]) anzuwenden, dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  einem  Abgleich  mit  der  europäischen  Fingerabdruck­Datenbank  (Zentraleinheit  EURODAC)  am  25. November 2010 in Belgien um Asyl nachgesucht habe, dass  die  belgischen  Behörden  ein  Übernahmeersuchen  des  BFM  vom    5. Oktober 2011  im Sinne von Art.  16 Abs. 1 Bst. e Dublin­II­VO am 7.  Oktober 2011 gutgeheissen hätten, dass gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf ein Asylgesuch nicht einge­ treten werde, wenn Asylsuchende  in einen Drittstaat ausreisen könnten, 

E­5726/2011 der  für die Durchführung des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staats­ vertraglich zuständig sei, dass die Überstellung nach Belgien – vorbehältlich einer allfälligen Unter­ brechung oder Verlängerung der Überstellungsfrist  –  bis  spätestens am    7. April 2012 zu erfolgen habe, dass  vorliegend  keine  konkreten  Anhaltspunkte  vorliegen  würden,  Belgien halte sich nicht an die völkerrechtlichen Verpflichtungen und dem  Beschwerdeführer werde kein effektiver Schutz vor Rückschiebung (Non­ Refoulement­Gebot) gewährt, dass mithin auf das Asylgesuch nicht eingetreten werde, dass  die  Folge  eines  Nichteintretensentscheides  gemäss  Art.  44  Abs. 1 AsylG in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz sei und der  Beschwerdeführer  in einen Drittstaat reisen könne, in dem er Schutz vor  Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden würde, weshalb  das Non­Refoulement­Gebot nicht zu prüfen sei, und auch keine Hinwei­ se  auf  eine  Verletzung  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  Novem­ ber 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK,  SR 0.101) im Falle einer Rückkehr nach Belgien bestehen würden, dass  ein  abgeschlossenes  Asyl­  und Wegweisungsverfahren  in  Belgien  keine Änderung der Zuständigkeit zu bewirken vermöge, dass  keine  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Wegweisung  nach  Belgien sprächen, dass der Vollzug der Wegweisung auch technisch möglich und praktisch  durchführbar sei, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  17.  Oktober  2011  eine  Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. Oktober 2011 einreichte, dass er beantragt, die angefochtene Verfügung des BFM sei aufzuheben  und  die Vorinstanz  anzuweisen,  ihr Recht  zum Selbsteintritt  auszuüben  und sich für das vorliegende Asylverfahren zuständig zu erklären, dass  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen  (der  Beschwerde)  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  sei  und  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen  seien,  von  einer Überstellung  nach Belgien  abzusehen,  bis 

E­5726/2011 das  Bundesverwaltungsgericht  über  die  vorliegende  Beschwerde  entschieden habe, dass  auf  die Erhebung  eines Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  die  unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sei, dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 19. Oktober 2011 beim  Bundesverwaltungsgericht eingingen, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes über  das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021])  des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens  des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz  teilgenom­ men  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Ände­    rung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass die Beschwerde  frist­  und  formgerecht eingereicht wurde  (Art.  108  Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG), weshalb auf diese einzutreten ist, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­ wechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­ prüfen  (Art. 32­35a AsylG),  die Beurteilungskompetenz der Beschwerde­

E­5726/2011 instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu  Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  die  belgischen  Behörden  ein  Übernahmeersuchen  des  BFM  vom    5. Oktober 2011  im Sinne von Art.  16 Abs. 1 Bst. e Dublin­II­VO am 7.  Oktober  2011  gutgeheissen  haben  und  demnach  die  Zuständigkeit  für  das vorliegende Verfahren auf Belgien übergegangen ist, dass der Beschwerdeführer somit ohne weiteres  in einen Drittstaat  (vor­ liegend  Belgien)  ausreisen  kann,  welcher  für  die  Prüfung  seines  Asylantrages staatsvertraglich zuständig ist, dass  keine  Hinweise  dafür  bestehen,  Belgien  würde  sich  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten, dass Belgien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Ju­ li 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers  in der Rechtsmitteleingabe,  die  belgischen  Behörden  hätten  sein  Asylgesuch  nicht  ausreichend  geprüft, er habe  in seinem Heimatland ernsthafte Probleme und Belgien  wolle  ihn  dorthin  ausschaffen,  nicht  stichhaltig  erscheinen  und  an  der  Zuständigkeit  Belgiens  zur  Prüfung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens nichts zu ändern vermögen, dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  insbesondere  keine  Gründe  ersichtlich sind, die das BFM zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der  Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) hätten veranlassen sollen, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  demnach  in  entscheidwesentlicher  Hinsicht  nichts  vorbringt,  das  gegen  die  Rechtsbeständigkeit der angefochtenen Verfügung sprechen könnte,

E­5726/2011 dass das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss kommt, dass das BFM  zu  Recht  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Aufenthaltsbewilligung  oder  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  hat,  weshalb  die  verfügte  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  in Verfahren  nach Art. 34 Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides ist, dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von  Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG, SR 142.20)  stellt,  sondern vor  der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbstein­ trittsrechts  (Art. 3 Dublin  II­VO)  oder  gegebenenfalls  – wenn  sich Fami­ lienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zu­ sammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung  der  sogenannten  Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin II­VO), dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung zu bestätigen ist, dass  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Beschwerde  nicht  darzutun  ver­ mag,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuwei­ sen  ist und bei dieser Sachlage der Antrag um Anordnung vorsorglicher  Massnahmen  sowie  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  (der  Beschwerde) gegenstandslos werden, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.−  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG),  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 

E­5726/2011 Prozessführung abzuweisen ist und damit auch das Gesuch um Verzicht  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos wird.

E­5726/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  . Die Verfahrenskosten von Fr. 600.−  werden dem Beschwerdeführer auf­ erlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  (kantonale  Behörde). Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Christoph Berger Versand:

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