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Bundesverwaltungsgericht 23.09.2011 E-5037/2011

23 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,217 mots·~6 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. September 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­5037/2011 Urteil   v om   2 3 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Markus König, Mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima; Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, geboren am (…), Pakistan,  vertreten durch lic. iur. Stephanie Motz, (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. September 2011 / N._______

E­5037/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge  im  Mai  2011  verliess  und  (…)  am  1.  Juli  2011  illegal  in  die  Schweiz  gelangte, dass  der  Beschwerdeführer  am  5.  Juli  2011  in  der  Wohnung  (…)  verhaftet  –  der  Anfang  der  (…)  hierzulande  ein  Asylverfahren  (N._______) erfolglos durchlaufen hatte und seither in der Schweiz lebt –  und  mit  Strafbefehl  vom  (…)  wegen  Widerhandlungen  gegen  das  Bundesgesetz  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  mit  einer  bedingten  Geldstrafe  bestraft  wurde, dass  er  gleichentags  aus  der  Haft  entlassen  und  dem  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ zugewiesen wurde, wo er am 8. Juli  2011 ein Asylgesuch stellte, dass er  in der Folge wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung des  Kinds  einer  Asylbewerberin  ins  EVZ  C._______  transferiert  werden  musste, dass  am  21.  Juli  2011  im EVZ C._______  die  summarische Befragung  und am 6. September 2011 die Anhörung des Beschwerdeführers zu den  Asylgründen stattfand, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  im  Wesentlichen angab, er liebe seit etwa zehn Jahren eine Cousine, deren  Mutter vor etwa einem Jahr von dieser Beziehung erfahren habe, dass er danach die Cousine nicht mehr gesehen habe und sie nur noch  telefonischen Kontakt gehabt hätten, dass  die  Cousine mit  einem  anderen Mann  aus  einflussreicher  Familie  hätte  verheiratet  werden  sollen,  weshalb  sie  zum  Beschwerdeführer  gekommen  sei  und  die  Mutter  telefonisch  darüber  informiert  habe,  sie  werde beim Beschwerdeführer bleiben, dass  die Mutter  sie  gewarnt  habe,  ihre Verwandten würden  sie  suchen  und töten,

E­5037/2011 dass  der  Beschwerdeführer  daher  sofort  weggezogen  sei  und  sich  versteckt habe, dass er nach drei Tagen einen Bekannten bei der Polizei angerufen und  von diesem erfahren habe, dass gegen ihn Anzeige erstattet worden sei, dass der Beschwerdeführer daraufhin allein nach D._______ gefahren sei  und sich dort versteckt habe, bevor er etwa zwei Monate später – ohne  seine Freundin – aus Pakistan ausgereist sei, dass er sich zudem früher als "Supporter" für die Partei von Nawaz Sharif  engagiert  habe  und  in  diesem  Zusammenhang  wiederholt  zu  Unrecht  angezeigt worden sei, dass er  im Frühjahr (…) einmal verhaftet und dabei misshandelt worden  sei, dass  es  auch  später  Anzeigen  gegen  ihn  gegeben  und  die  Polizei  ihn  mehrmals zu Hause gesucht habe; er sei jeweils nicht daheim gewesen,  weshalb er in der Heimat als flüchtig ausgeschrieben sei, dass das BFM mit Verfügung vom 6. September 2011 – am selben Tag  mündlich  eröffnet  –  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der  Beschwerdeführer  habe  ohne  entschuldbare  Gründe  keinerlei  Reise­  oder Identitätspapiere abgegeben, dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  den  Fluchtgründen  unsubstanziiert,  detailarm  und  nicht  nachvollziehbar  ausgefallen  und  deshalb als unglaubhaft zu qualifizieren seien, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 13. September 2011 gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  dabei  unter  anderem  beantragte,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  vollumfänglich  aufzuheben  und  zur  materiellen  Prüfung  an  das  Bundesamt zurückzuweisen,

E­5037/2011 dass  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege unter Beigabe eines unentgeltlichen Rechtsbeistands in der  Person  seiner  Rechtsvertreterin  sowie  der  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines Kostenvorschusses beantragt wurden, dass  mit  der  Beschwerde  unter  anderem  der  Bericht  eines  irischen  Dokumentationszentrums vom 31. Juli 2009 zu den Akten gereicht wurde, und das Bundesverwaltungsgericht erwägt, dass  es  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem die  beschwerdeführende Person Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG  i. V. m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung 

E­5037/2011 aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2  AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftenwechsel  verzichtet wurde, dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den  Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs  Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  dann  keine  Anwendung  findet,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  aus  entschuldbaren  Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), oder wenn auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder  wenn  sich  auf  Grund  der  Anhörung  die  Notwendigkeit  zusätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Vollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG), dass  bei  der  am  1.  Januar  2007  in  Kraft  getretenen  Modifikation  des  Nichteintretenstatbestands von Art. 32 Abs. 2 Bst. a (und Abs. 3) AsylG,  auf  den  sich  die  hier  angefochtene  Verfügung  stützt,  die  Besonderheit  besteht,  dass  das  BFM  im  Rahmen  einer  summarischen  Prüfung  das  offenkundige Nichterfüllen der Flüchtlingseigenschaft  im Sinn  von Art.  3  AsylG  und  das  offenkundige  Fehlen  von  Wegweisungsvollzugshindernissen zu beurteilen hat  (vgl. Art.  32 Abs. 3  Bstn.  b  und  c  AsylG),  weshalb  insoweit  bei  dagegen  erhobenen  Beschwerden auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand bildet  (vgl. BVGE 2007/8 E.5),

E­5037/2011 dass vorliegend die Nichtabgabe von Reisepapieren im Sinn von Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  innerhalb  von  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Asylgesuchs unbestritten ist, dass  die  Vorinstanz  das  Vorliegen  entschuldbarer  Gründe,  die  es  dem  Beschwerdeführer  verunmöglicht  hätten,  den  Behörden  solche  Dokumente  einzureichen,  mit  überzeugender  Begründung  verneint  hat  (vgl. angefochtene Verfügung S. 19), dass der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene daran festhält, für das  Nichteinreichen  von  Reisepass  oder  Identitätsausweis  entschuldbare  Gründe im Sinn von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG zu haben, dass ihm nämlich der Reisepass in E._______ gestohlen worden sei und  er  diesen  Diebstahl  nicht  zu  verantworten  und  auch  nicht  die  Absicht  habe,  den  Aufenthalt  in  der  Schweiz  durch  Nichtabgabe  von  Reisepapieren unrechtmässig zu verlängern, dass  er  vielmehr  bei  der  Befragung  vom  21.  Juli  2011  die  korrekte  Nummer  und  das  Gültigkeitsdatum  des  Reisepasses  angegeben  habe  und  so  seine  Identität  habe  festgestellt  werden  können,  weshalb  der  Nichteintretensgrund der Papierlosigkeit hier nicht gegeben sei, dass  er  zudem  Kopien  von  Reisepass  und  Identitätskarte  nachgereicht  habe,  dass  der  Beschwerdeführer  namentlich  im  Anschluss  an  die  am  8.  Juli  2011  schriftlich  gesetzte  Frist  von  48  Stunden  zur  Einreichung  von  Ausweisdokumenten keine entsprechenden Vorkehren getroffen und bei  der  Erstbefragung  vom  21.  Juli  2011  dazu  nur  angeführt  hat,  er  habe  versehentlich nichts unternommen, werde dies aber nachholen,  dass  er  sich  danach  nochmals  drei  Wochen  Zeit  nahm,  bis  er  Kopien  seiner  Ausweise  –  für  die  er  sich  offenbar  nur  an  den  in  der  Schweiz  lebenden Vater wenden musste  –  zu  den Akten  reichte  (Eingang BFM:  11. August 2011), dass  darüber  hinaus  hinsichtlich  des  angeblichen  Verlusts  des  Reisepasses ein klarer Aussagewiderspruch festzustellen ist, dass  der  Beschwerdeführer  einerseits  darlegte,  er  sei  (…)  ausgeraubt  worden,  wobei  sein  Reisepass  und  auch  die  Identitätskarte  gestohlen 

E­5037/2011 worden seien (vgl. Protokoll EVZ S. 4 und 6), er andererseits behauptete,  der Reisepass sei ihm in (…) gestohlen worden (vgl. a.a.O. S. S. 11),  dass  das  BFM  bei  dieser  Aktenlage  zu  Recht  das  Vorliegen  entschuldbarer  Gründe  für  das  Nichteinreichen  von  gültigen  Ausweisdokumenten verneint hat, dass  das  BFM  in  seinen  weiteren  Erwägungen  ausführt,  die  Flüchtlingseigenschaft sei offensichtlich nicht gegeben und aufgrund der  Akten bestehe keine Notwendigkeit  zur Vornahme weiterer Abklärungen  zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, dass der Beschwerdeführer  in der Beschwerdeeingabe daran  festhalten  lässt, dass seine Asylgründe – die Furcht vor der Familie seiner Freundin  – sehr  wohl  substanziiert  seien,  zumal  Rachemorde  in  Pakistan  und  besonders F._______ öfters vorkämen, dass  er  seine  politischen  Tätigkeiten  zudem  mittels  eingereichter  Polizeirapporte substanziiert und dokumentiert habe, weshalb auch diese  Ausführungen glaubhaft ausgefallen seien, dass  die  diesbezüglichen  Vorbringen  in  der  Beschwerdeschrift  nicht  zu  überzeugen vermögen, dass  der  Beschwerdeführer  die  angeblichen  Probleme  wegen  seiner  Beziehung zu einer Cousine unsubstanziiert und lebensfremd geschildert  hat, und diese Vorbringen auch sonst von einem auffälligen Mangel an so  genannten Realitätskennzeichen  geprägt  sind  und  daher  nicht  geglaubt  werden können, dass auch die Aussagen zu den angeblichen politischen Tätigkeiten, wie  vom BFM zu Recht festgestellt, mit erheblichen Zweifeln behaftet sind, dass  kaum  davon  auszugehen  ist,  nach  dem  Beschwerdeführer  sei  tatsächlich während längerer Zeit gefahndet worden, zumal sein Wohnort  den Behörden bekannt gewesen sei, dass  zudem  ungeachtet  der  Frage  der  Glaubhaftigkeit  festzuhalten  ist,  dass  die  in  diesem  Zusammenhang  geltend  gemachte  Festnahme  im  Frühjahr  (…)  erfolgt  sein  soll  und  ein  kausaler  Zusammenhang  zur  Ausreise im Mai 2011 offensichtlich nicht gegeben wäre, 

E­5037/2011 dass  der  Beschwerdeführer  sich  im  Übrigen  gegen  ungerechtfertigte  Anzeigen  in der Heimat – nötigenfalls mit Hilfe eines Anwalts – auf dem  Rechtsweg zur Wehr setzen könnte, dass auch die Aussage des Beschwerdeführers in der EVZ­Befragung, es  spreche nichts dagegen dass er sich auf der pakistanischen Botschaft in  der Schweiz Identitätspapiere beschaffe (vgl. Protokoll EVZ S. 7 f.), nicht  auf  eine  staatliche  Verfolgung  oder  auf  eine  diesbezügliche  Furcht  des  Beschwerdeführers schliessen lässt, dass bei der vorliegenden klaren Aktenlage keine weiteren Abklärungen  im Sinn von Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG vorzunehmen waren, dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a  AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet  wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

E­5037/2011 dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinn  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer im Heimat­ oder Herkunftsland drohen würde, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimat­  bzw.  Herkunftsstaat  des  Beschwerdeführers  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dem  Beschwerdeführer  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist,

E­5037/2011 dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG), das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im  Sinn  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG  bereits  aufgrund  der  Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren abzuweisen ist, dass  das  Gesuch  um  Befreiung  von  der  Vorschusspflicht  beim  vorliegenden Direktentscheid in der Sache gegenstandslos wird. (Dispositiv nächste Seite)

E­5037/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinn  von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen.  3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil  geht an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, das  BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand:

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