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Bundesverwaltungsgericht 09.01.2012 E-4996/2008

9 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,609 mots·~8 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Juni 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4996/2008 Urteil   v om   9 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,  Gerichtsschreiber Jan Feichtinger. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch Dominik Heinzer, (…) Beschwerdeführer,  Gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung, Verfügungen des BFM vom 25. Juni 2008 / N (…).

E­4996/2008 Sachverhalt: A.  A.a  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Volkszugehörigkeit  aus  B._______  (Disrikt  C._______,  Nordprovinz),  seinen  Heimatstaat  am  26. Mai 2000 nach D._______, bevor er am 6. Juli 2002 nach E._______  reiste und dort um Asyl nachsuchte. Nach Ablehnung dieses Asylgesuchs  verliess  er  E._______   am  16. Dezember 2006,  gelangte  am  selben  Abend  in die Schweiz und suchte noch gleichentags um Asyl nach. Am  16. Ja­nuar 2007  fand  (…)  die  Kurzbefragung  statt,  und  am  22. März 2007  erfolgte  die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  durch  die  kantonale Migrationsbehörde.  Im  Wesentlichen  machte  der  Beschwerdeführer  dabei  geltend,  Ende  1999 / Anfang 2000 habe er gemeinsam mit F.______ und G.______ an  einem  drei  Monate  dauernden  Selbstverteidigungskurs  der  Rebellenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) teilnehmen  müssen. Aus Furcht, er könne von der LTTE rekrutiert werden, habe ihn  (…) deshalb Anfang 2000 nach D._______  gebracht.  Während  dies  seinerzeit  der  einzige  Grund  für  das  Verlassen  des  Heimatstaates  gewesen  sei,  drohten  ihm  aktuell  Reflexverfolgungsmassnahmen  seitens  der  Regierung  respektive  durch  "Organisationen, welche gegen diese Organisation  [LTTE] sind"  (A18 S.  7). Diese Gefahr gehe von dem Umstand aus, dass sein (…) H._______  unter dem Namen I._______ einen hohen Rang innerhalb (…) der LTTE  (…) bekleide.  A.b  Mit  Verfügung  vom  18. Juli 2007  verfügte  das  BFM  gestützt  auf  Art. 42 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  die  vorsorgliche  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  E._______   und erklärte seinen Entscheid als sofort vollstreckbar. A.c    Einer  gegen  diese  Verfügung  gerichteten  Beschwerde  vom  18. Juli 2007  billigte  der  damals  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  mit  "Zwischenverfügung"  vom  23. Juli 2007  die  aufschiebende  Wirkung  zu  und  stellte  fest,  der  Beschwerdeführer  könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. A.d  Mit  Vernehmlassung  vom  25. Juli 2007  hielt  das  BFM  an  seinen  Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

E­4996/2008 A.e  Mit  Eingabe  seines  (vormaligen  und  aktuellen  [vgl.  Bst.  E])  Rechtsvertreters  vom  14. Januar 2008  liess  der  Beschwerdeführer  das  BFM  darüber  in  Kenntnis  setzen,  dass  sein  für  die  LTTE  tätiger  (…)  H._______   alias  I._______  am  (…) 2007  getötet  worden  sei,  welcher  Umstand  mit  einem  Beweismittel  in  tamilischer  Sprache  untermauert  wurde. A.f  Mit  der  erfolgten  Revision  des  Asylgesetzes  wurden  die  Bestimmungen  über  die  vorsorgliche  Wegweisung  im  Sinne  von  Art.  42 Abs.  2  und  3  AsylG  aufgehoben.  Aufgrund  dieser  Sachlage  forderte  der damalige  Instuktionsrichter das BFM mit prozessleitender Verfügung  vom 15. Januar 2008 zur Stellungnahme auf.  A.g Mit Verfügung  vom 8. Februar 2008 hob das BFM seine Verfügung  vom  18. Juli 2007  wiedererwägungsweise  auf  und  stellte  fest,  das  Asylverfahren werde wieder aufgenommen. A.h Mit  Abschreibungsentscheid  E­4888/2007  vom  3. März 2008  wurde  das Beschwerdeverfahren  (betreffend die  vorsorgliche Wegweisung des  Beschwerdeführers) als gegenstandslos geworden abgeschrieben. A.i Mit Eingabe vom 12. Juni 2008 wurden ein Ausländerausweis und ein  Todesschein,  jeweils  lautend  auf  (…)  des  Beschwerdeführers,  zu  den  Akten gereicht. B.  Mit  Verfügung  vom  25. Juni 2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  ab,  verfügte  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  schob  deren  Vollzug  infolge  Unzumutbarkeit  zugunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme auf. C.  Mit  gemeinsamer,  auch  F._______   sowie  (…)  G._______   und  K._______  betreffender   Eingabe  vom  28. Juli 2008  erhob  der  Beschwerdeführer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, wobei er  in  materieller  Hinsicht  beantragte,  die  Verfügung  des  BFM  vom  25. Juni 2008  sei  aufzuheben,  es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen und  ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei  die  Sache  zur  hinreichenden  Abklärung  des  Sachverhaltes  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurden  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 

E­4996/2008 gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  der  Verzicht  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. D.  D.a  Mit  Zwischenverfügung  vom  8. August 2008  wies  die  zuständige  Instruktionsrichterin  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ab. Zugleich wurde ein  solcher  in  der Höhe  von Fr.  600.– erhoben. D.b Mit – wiederum auch seine Angehörigen betreffender – Eingabe vom  25. August 2008  reichte  der  Beschwerdeführer  einen  tamilischen  Internetausdruck  zu  den  Akten,  stellte  eine  deutsche  Übersetzung  hiervon  in Aussicht  und ersuchte um Wiedererwägung der Verfügungen  vom 8. August 2008. D.c Mit Zwischenverfügung vom 10. September 2008 wies die zuständige  Instruktionsrichterin das Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung vom  8. August 2008 ab und setzte dem Beschwerdeführer eine Nachfrist  zur  Bezahlung  des  einverlangten  Kostenvorschusses,  welcher  am  11. Sep­ tember 2008 fristgerecht einging. E.  Mit  Eingabe  vom  22.  September  2008  zeigte  der  Rechtsvertreter  dem  Bundesverwaltungsgericht  die  Mandatsübernahme  an  und  reichte  namens  des  Beschwerdeführers  (sowie  seiner  Angehörigen)  eine  Übersetzung  des  am  25.  August  2008  eingereichten  tamilischen  Internetausdrucks zu den Akten. F.  Mit Vernehmlassung  vom 30. September 2008 hielt  das BFM an  seinen  Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. G.  Mit  Eingaben  seines  Rechtsvertreters  vom  9. Oktober 2008  und  vom  23. Februar 2009  liess  der  Beschwerdeführer  weitere  Beweismittel  zu  den Akten reichen. H.  Mit  Vollzugs­  und  Erledigungsmeldung  vom  (…) 2011  brachte  die  kantonale  Ausländerbehörde  dem  Bundesverwaltungsgericht  zur 

E­4996/2008 Kenntnis,  dass  dem  Beschwerdeführer  an  diesem  Tag  eine  Aufenthaltsbewilligung B erteilt wurde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht;  der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art.  105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1, Art. 108 Abs. 1 AsylG  und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 

E­4996/2008 3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  Entscheides  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht genügen.  Die  von  ihm geltend  gemachte Vertreibung,  sowie  der Kurs,  den  er  bei  der  LTTE  habe  absolvieren  müssen,  stellten  aufgrund  ihrer  Art  und  Intensität  keinen  einsthaften  Nachteil  im  Sinne  des  Asylgesetzes  dar.  Sodann ergäben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass er  bis zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka seitens der heimatlichen  Behörden asylrelevante Nachteile erlitten habe oder  ihm solche gedroht  hätten.  Zwar  seien  die  Bedenken  vor  Übergriffen  infolge  der  LTTE­ Mitgliedschaft  des  (…)  nachvollziehbar,  indessen  müsse  eine  aktuelle  und akute Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG verneint werden, zumal  keine  konkreten  Anhaltspunkte  für  eine  Verfolgungsabsicht  der  Heimatbehörden  vorlägen.  So  sei  die  Wahrscheinlichkeit,  Opfer  einer  Reflexverfolgung höchstens dann gegeben, wenn nach einem flüchtigen  Familienmitglied  gefahndet  werde  und  Anlass  zur  Vermutung  bestehe,  dass  jemand  mit  dem  Gesuchten  in  engem  Kontakt  stehe.  Diese  Voraussetzung  sei  vorliegend  nicht  gegeben,  da  der  erwähnte  (…) 

E­4996/2008 verstorben sei und überdies überhaupt keine Anzeichen dafür bestünden,  dass  die  srilankischen  Sicherheitskräfte  überhaupt  Kenntnis  von  seiner  Zugehörigkeit zur LTTE hätten.  4.2. Aus der Rechtsmitteleingabe ergibt sich als Rüge die Verletzung von  Bundesrecht, indem zu Unrecht auf fehlende Asylrelevanz der Vorbringen  geschlossen worden sei. 4.2.1. Vorab  ist mit  dem BFM  festzustellen,  dass der Beschwerdeführer  bis zum Zeitpunkt seiner Ausreise keine asylrelevanten Nachteile erlitten  hat.  Sowohl  beim  zwangsweisen  Umzug  seiner  Familie  von  der  C._______  in  den  Distrikt  L._______   im  Jahr  1996  als  auch  bei  der  Rekrutierung  des  Beschwerdeführers  zu  einem  LTTE­Kurs  1999/2000  handelt  es  sich  um  Auswüchse  des  damaligen  Bürgerkriegs,  unter  welchen  ein  Grossteil  der  tamilischen  Bevölkerung  im  ganzen  Land  zu  leiden  hatte.  Diesen  Vorkommnissen  kommt  aufgrund  mangelnder  Intensität  indessen  kein Verfolgungscharakter  im Sinn  von Art.  3  AsylG  zu.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  zum  Zeitpunkt  der  Ausreise  begründete  Furcht  vor  künftigen Verfolgungsmassnahmen hatte. Massgeblich für die Beurteilung  des  rechtserheblichen Sachverhalts  ist  jedoch die Situation  im Zeitpunkt  des Urteils (vgl. zum Ganzen EMARK 2006 Nr. 15 E. 3.3, EMARK 1997  Nr.  27,  E.  4b  sowie  u.a.  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­ 1318/2008  vom  18.  Oktober  2010,  mit  weiteren  Hinweisen).  Die  zwischenzeitlichen  Veränderungen  der  Sachlage  –  namentlich  der  Tod  des  (…)  2007  und  die  Beendigung  des  bewaffneten  Konflikts  2009 –  werden deshalb in die nachstehenden Erwägungen einzubeziehen sein.  4.2.2. Nach dem Gesagten  ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer zum  heutigen Zeitpunkt zu Recht begründete Furcht geltend macht, bei einer  Rückkehr nach Sri  Lanka Verfolgungsmassnahmen  im Sinne  von Art.  3  AsylG  gewärtigen  zu  müssen.  Die  Furcht  vor  künftigen  Verfolgungsmassnahmen ist dann im Sinne von Art. 3 AsylG asylrelevant,  wenn  glaubhaft  gemacht  wird,  dass  begründeter  Anlass  zur  Annahme  besteht,  die  Verfolgung  werde  sich  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen.  Ob  in  casu  eine  solche  Wahrscheinlichkeit  besteht,  ist  aufgrund  einer  objektivierten  Betrachtungsweise  zu  beurteilen.  Diese  ist  zusätzlich  durch  das  vom  Betroffenen  bereits  Erlebte  und  das  Wissen  um  Konsequenzen  in 

E­4996/2008 vergleichbaren  Fällen  zu  ergänzen.  Somit  sind  vorliegendenfalls  die  obgenannten Behelligungen des Beschwerdeführers  von Bedeutung,  da  sie  als  objektive  Elemente  eine Grundlage  für  die  erhöhten  subjektiven  Befürchtungen des Beschwerdeführers bilden. 4.2.2.1  Als  zentrales  Element  seiner  Rechtsmitteleingabe  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,   aufgrund  des  politischen Profils  seines  (…)  H._______   alias  I._______  habe  er  begründete  Furcht,  künftig  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  zu  sein.  Damit  ist  die  Gefahr  künftiger  Reflexverfolgungsmassnahmen  angesprochen.  Wie  im  Verlauf  des  Beschwerdeverfahrens  glaubhaft  dargelegt  und mit  entsprechenden  Beweismitteln  untermauert  wurde,  handelt  es  sich  bei  I._______  zweifellos  um  ein  höheres  Kadermitglied  der  LTTE.  So  bekleidete der (…) des Beschwerdeführers den Rang eines (…) bei den  (…).  Insbesondere  der  – mit  Eingabe  vom  25. August 2008  im Original  und  am  9. Oktober 2008  in  beglaubigter  Übersetzung  eingereichte –  Bericht  "(…)",  lässt  vermuten,  dass  der  Genannte  innerhalb  der  LTTE  einen  relativ  hohen  Bekanntheitsgrad  genoss.  Auch  ist  vor  diesem  Hintergrund davon auszugehen, dass der srilankische Nachrichtendienst  CID  (Criminal  Investigation  Department)  Kenntnis  von  seiner  oppositionellen Tätigkeit hatte. Indessen  besteht  –  entsprechend  den  zutreffenden  Ausführungen  des  BFM – die Gefahr, Opfer einer Reflexverfolgung zu werden, insbesondere  für  Personen,  die  verdächtigt  werden,  mit  einem  flüchtigen  und  zur  Fahndung  ausgeschriebenen  Familienmitglied  in  nahem  Kontakt  zu  stehen. Mithin zielen Reflexverfolgungsmassnahmen in aller Regel darauf  ab,  eines  Angehörigen  der  reflexverfolgten  Person,  welcher  das  eigentliche  Verfolgungsinteresse  gilt,  habhaft  zu  werden.  Dieses  Interesse  der  Sicherheitskräfte  kommt  vorliegend  klarerweise  nicht  zum  Tragen, wurde doch I._______ anlässlich eines (…) im (…) 2007 getötet,  wie dem vorgenannten Bericht und den Eingaben des Beschwerdeführers  zu entnehmen ist. Auch  die  Befürchtung,  die  singhalesischen  Behörden  würden  dem  Beschwerdeführer  allein  aufgrund  des  Profils  seines  verstorbenen  (…)  eine  LTTE­freundliche  Gesinnung  unterstellen  und  ihn  deshalb  in  unverhältnismässiger  respektive  völkerrechtswidriger  Weise  bestrafen,  kann  nicht  geteilt  werden.  Zwar  müssen  bestimmte  Risikogruppen –  darunter  Personen,  welche  auch  nach  Beendigung  des  Krieges 

E­4996/2008 verdächtigt  würden,  mit  der  LTTE  in  Verbindung  zu  stehen  beziehungsweise  gestanden  zu  sein  –  nach  wie  vor  mit  Verfolgung  rechnen,  jedoch  hat  sich  die  Situation  vor  Ort  insgesamt  erheblich  verbessert  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  BVGE  E­ 6220/2006 vom 27. Oktober 2011). Demgemäss führt allein die Tatsache,  dass  sein  (…)  zu  Lebzeiten  in  die  Aktivitäten  der  LTTE  involviert  war,  nicht  automatisch  dazu,  dass  der  Beschwerdeführer  in  den  Augen  der  staatlichen  Behörden  selber  eine  Gefahr  für  die  Sicherheit  des  srilankischen  Staates  darstellen  würde  und  er  deshalb  mit  Verfolgung  rechnen müsste. Dies  umso weniger,  als  er  nicht  geltend  gemacht  hat,  selber  am  bewaffneten  Kampf  der  LTTE  beteiligt  oder  sogar  deren  Mitglied  gewesen  zu  sein.  Hinzu  tritt  die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  Sri  Lanka  bereits  im  Jahr  2000  im  Alter  von  (…)  Jahren  verlassen  hat.  Damit  weist  er  trotz  der  aufgezeigten  verwandtschaftlichen  Verbindung  kein  besonderes  Risikoprofil  auf,  das  ihn aktuell aus objektiver Sicht als gefährdet erscheinen liesse. Der in der  Beschwerdeschrift kolportierte Verdacht, die Behörden würden ihm mit an  Sicherheit  grenzender  Wahrscheinlichkeit  eine  LTTE­freundliche  Gesinnung  unterstellen,  mag  zwar  zutreffen,  allerdings  gilt  dies  für  nahezu  die  gesamte  Bevölkerung  der  ehemals  von  der  LTTE  regierten  Provinzen im Norden und Osten des Landes.   4.2.2.2 Was die  geltend  gemachte Gefahr  einer Rekrutierung  durch  die  LTTE  anbelangt,  ist  der  aktuellen,  seit  dem  Zeitpunkt  der  Beschwerdeeingabe  wesentlich  veränderten  Situation  in  Sri  Lanka  Rechnung zu tragen. Seit der Krieg zwischen der srilankischen Regierung  und der separatistischen LTTE im Mai 2009 mit der Niederlage der LTTE  beendet  wurde,  befindet  sich  das  gesamte  Land  wieder  unter  Regierungskontrolle,  auch  ist  es  zu  keinen  terroristischen  Aktivitäten  mehr  gekommen.  Die  LTTE  wurde  vernichtend  geschlagen  und  weist  keine  handlungsfähigen  Strukturen  mehr  auf  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  BVGE  E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 7.1.). Eine Rekrutierung durch die  heute faktisch inexistente LTTE ist deshalb auszuschliessen.  4.2.3.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  in  der  Rechtsmitteleingabe geltend gemachte Furcht vor Übergriffen seitens der  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  respektive  der  LTTE  in  Anbetracht  der  damaligen  Situation  in  subjektiver  Hinsicht  wohl  nicht  gänzlich  unbegründet  gewesen  sein  mag.  Hingegen  hat  der  Beschwerdeführer,  wie vorangehend erwogen, keine konkreten Umstände glaubhaft machen 

E­4996/2008 können, welche die Furcht vor Behelligungen auch  in objektiver Hinsicht  begründet erscheinen lassen würden. Die damalige, allgemein schlechte  Sicherheitslage  am  Herkunftsort  wie  auch  der  Tod  des  (…)  vermögen  keinen asylrelevanten Sachverhalt zu begründen. Daraus folgt, dass der  Beschwerdeführer  die  Voraussetzungen  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt.  Die  Vorinstanz  hat  daher  das  Asylbegehren  zu  Recht  abgelehnt.  Es  erübrigt  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen in der Eingabe des Beschwerdeführers einzugehen, da sie  an  dieser  Würdigung  nichts  zu  ändern  vermögen,  weshalb  auch  der  Eventualantrag,  es  sei  die  Sache  zur  hinreichenden  Abklärung  des  Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen,  abzuweisen ist. 5.  5.1. Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder  tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 Abs. 1  AsylG). Gemäss Art.  32 Bst.  a Asylverordnung  1  vom 11. August  1999  über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) wird die Wegweisung aus  der  Schweiz  nicht  verfügt,  wenn  die  Asyl  suchende  Person  im  Besitz  einer gültigen Aufenthalts­ oder Niederlassungsbewilligung ist. 5.2.  Mit  Verfügung  vom  25. Juni 2008  nahm  das  BFM  den  Beschwerdeführer  infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges  in  der  Schweiz  vorläufig  auf.  Am  2. Dezember 2011  wurde  ihm  durch  die  zuständige  kantonale  Behörde  eine Aufenthaltsbewilligung B  erteilt.  Die  Anordnung  des  BFM  betreffend  Wegweisung  (Ziffer  3  des  Dispositivs  vom  25. Juni 2008)  ist  unter  diesen  Umständen  als  dahingefallen  zu  betrachten, da diese gegenüber dem neu erteilten Aufenthaltstitel keinen  Bestand haben  kann  (vgl. EMARK 2001 Nr.  21 E.  11c S.  178; EMARK  2000  Nr.  30  E.  4  S.  251).  Die  Beschwerde  ist  somit,  soweit  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  betreffend,  infolge  Wegfalls  des  Streitgegenstandes als gegenstandslos geworden abzuschreiben. 6.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  bezüglich der Frage der Anerkennung als Flüchtling und der Gewährung  von  Asyl  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  und  unvollständig  feststellt  und  unangemessen  ist.  Die  Beschwerde  ist  demnach  abzuweisen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos geworden abzuschreiben ist.

E­4996/2008 7.  7.1. Vorliegend sind die Verfahrenskosten betreffend die Feststellung der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl  (Dispositivziffern  1  und  2)  wegen  Unterliegens  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen (Art. 1 bis 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]). Betreffend  die  Anordnung  der  Wegweisung  (Dispositivziffer  3)  sind  sie   nach den Verfahrensaussichten vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit (hier  vor  der  Erteilung  der  Aufenthaltsbewilligung)  zu  beurteilen.  Da  die  Wegweisung die Regelfolge der Abweisung eines Asylgesuchs darstellt,  ist  nicht  ersichtlich,  auf  welche  Weise  der  Beschwerdeführer  ohne  die  seitens  der  kantonalen  Behörden  erteilte  Härtefallbewilligung  zu  einem  Aufenthaltsrecht in der Schweiz hätte kommen sollen.  Die  gesamten  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  sind  somit  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2  und 3 VGKE, Art. 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem am 11. September 2008  in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. 7.2 Eine Parteientschädigung  ist nach dem Gesagten nicht auszurichten  (vgl. Art. 64 VwVG, Art. 5, 7 und 15 VGKE).  (Dispositiv nächste Seite)

E­4996/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  am  11. September 2008  in  gleicher  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Jan Feichtinger Versand:

E-4996/2008 — Bundesverwaltungsgericht 09.01.2012 E-4996/2008 — Swissrulings