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Bundesverwaltungsgericht 19.12.2011 E-4982/2009

19 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,607 mots·~8 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Juni 2009 / N

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4982/2009 Urteil   v om   1 9 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Walter Lang;   Gerichtsschreiberin Anna Poschung. Parteien A._______, Libanon,   vertreten durch (…), Rechtsanwalt,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom  30. Juni 2009 / N (…).

E­4982/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  Libanon  eigenen  Angaben zufolge am 11. Oktober 2008 verliess und via Syrien, die Türkei,  Italien und Frankreich am 20. Oktober 2008 in die Schweiz gelangte, wo  er am darauffolgenden Tag im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ)  B._______ um Asyl ersuchte, dass er anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 29. Oktober 2008  im  EVZ  und  der  einlässlichen  Anhörung  vom  3.  Juni  2009  zu  seinen  Asylgründen im Wesentlichen Folgendes ausführte, dass er aus Tripolis stamme und seit 2003 bis im Mai 2008 in C._______  (Distrikt  D._______)  gewohnt  und  als  Sekretär  in  einer  Arztklinik  gearbeitet habe, dass  er  seit  2003  der Syrisch Nationalen Sozialistischen Partei  (SSNP)  angehöre, welche zur Trennung von Religion und Staat aufrufe, dass  er  2007  beziehungsweise  im  Juli  2008  während  zweier  Stunden  festgehalten  worden  und  dabei  von  einem  Offizier  unter  Druck  gesetzt  worden sei, die Partei zu verlassen beziehungsweise aufgefordert worden  sei,  über  seine  Aktivitäten,  Intimitäten  und  seine  (…)  Schwester  zu  berichten, dass an Mitgliedern der SSNP im Mai 2005 beziehungsweise am 10. Mai  2008  in  C._______  ein  Massaker  durch  eine  "wahabitische  fanatische  Gruppe" verübt worden sei,  dass  diese Gruppe  vom  libanesischen Staat  und  der  Armee  unterstützt  worden sei beziehungsweise die libanesische Polizei die Islamisten hätte  gewähren lassen, dass  er  Zeuge  dieses Massakers  gewesen  sei,  weshalb  gegen  ihn  am  (…) 2008 ein Haftbefehl ausgestellt und ihm vorgeworfen worden sei, ein  Spion Syriens zu sein, dass er am 10. Mai 2008 aus dem Libanon nach Syrien geflohen und sich  anschliessend bei  seiner Grossmutter  in Tripolis  versteckt  habe, worauf  ihn die Polizei dreimal bei seiner Familie zu Hause gesucht habe,

E­4982/2009 dass  er  am  (…)  2008  in  Abwesenheit  wegen  Kooperation  und  Waffenbeförderung  zwischen  Libanon  und Syrien  zu  sechs  Jahren Haft  verurteilt worden sei, dass  er  zudem  seit  Anfang  2007  aufgrund  seiner  Zugehörigkeit  zur  Partei,  seiner  laizistischen Überzeugung und  seiner Anwesenheit  in  der  Gegend  von  islamischen  Gruppierungen,  welche  zur  Salafetin­Gruppe  (Jund  El­Sham)  gehörten  beziehungsweise  von  zwei  Gruppierungen  (Afwaj  Darabolus  und  Ikhwan  Muslimin)  mit  dem  Tod  bedroht  und  aufgefordert worden sei, seine politischen Aktivitäten einzustellen, dass  er  als  Beweismittel  (im  Original)  einen  Auszug  aus  dem  Familienregister,  einen Wählerausweis,  einen  Universitätsausweis,  eine  Arbeitgeberbescheinigung, eine selbstverfasste schriftliche Aufzeichnung  sowie  (in  Kopie)  ein  Gerichtsdokument  und  einen  Totenschein  seiner  Schwester zu den Akten reichte, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  30.  Juni  2009  –  eröffnet  am  8.  Juli  2009 – das Asylgesuch ablehnte und die Wegweisung sowie den Vollzug  anordnete, dass  es  zur  Begründung  im Wesentlichen  anführte,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) nicht genügen, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft  nicht erfülle, dass  er  unterschiedliche  Angaben  zum  Ausreiseanlass  gemacht  und  wichtige  Ereignisse  nachgeschoben  habe,  indem  er  anlässlich  der  BzP  angegeben habe, ausgereist  zu sein, nachdem er mit dem Tod bedroht  worden  sei,  während  er  an  der  Anhörung  als  Ausreisegründe  eine  Verurteilung  zu  einer  langjährigen  Haftstrafe,  einen  Haftbefehl  und  Behelligungen durch Islamisten genannt habe, dass  er  als  Urheber  der  Todesdrohungen  unterschiedliche  Gruppierungen bezeichnet habe, dass  er  anlässlich  der  BzP  die  Verurteilung  zu  einer  langjährigen  Haftstrafe  nicht  angegeben  habe,  weshalb  dieses  Vorbringen  als  nachgeschoben zu beurteilen sei,

E­4982/2009 dass  somit  der  von  ihm  geltend  gemachte  Zusammenhang  zwischen  seiner  Parteizugehörigkeit  und  den  Schwierigkeiten  mit  den  Behörden  und Dritten zu bezweifeln sei, dass er zudem seine Mitgliedschaft bei der SSNP nicht belegt habe und  unsubstanziierte und tatsachenwidrige Angaben zur Partei, insbesondere  zu deren Wahlverhalten, Parlamentsabgeordneten und Koalitionspartnern  gemacht habe,  dass  von  einem  Parteiangehörigen  jedoch  korrekte  Angaben  erwartet  werden könnten und sein politisches Engagement deshalb nicht glaubhaft  sei, dass  seine  Glaubwürdigkeit  erheblich  angeschlagen  sei,  da  er  seinen  Deutschlandaufenthalt verschwiegen habe, dass  ihm  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  zum  Resultat  des  Fingerabdruckvergleichs mit  Deutschland  gewährt  worden  sei,  wobei  er  den dortigen Aufenthalt zwar bestätigt, weitere Angaben aber verweigert  habe, dass  er  in  Deutschland  am  (…)  2005  und  am  (…)  2005  wegen  gemeinrechtlicher Delikte erkennungsdienstlich erfasst worden sowie am  (…) 2008 während einer Kontrolle in Deutschland geflüchtet sei, dass er dort unter einer anderen Identität aufgetreten sei, weshalb Zweifel  an seiner Identität bestünden, dass  aufgrund  der  erkannten Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  auf  eine  eingehende  Würdigung  der  eingereichten  Dokumente  verzichtet  werde  könne,  zumal  das  eingereichte  Gerichtsdokument  lediglich  in  Kopie  vorliege, so dass es nicht auf seine Echtheit überprüft werden könne, dass  die  Wegweisung  die  Regelfolge  der  Ablehnung  des  Asylgesuchs  darstelle  und  keine  Gründe  ersichtlich  seien,  die  auf  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  eines  Wegweisungsvollzuges  schliessen  lassen  könnten,  zumal Art.  5 Abs.  1 AsylG  nicht  anwendbar  und  keine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) erkennbar sei,

E­4982/2009 dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  5.  August  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  in materieller Hinsicht  beantragt,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben,  ihm  sei  unter  Gewährung  des  Asyls  die  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen  und  eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  die  unentgeltliche Prozessführung  und  Rechtsverbeiständung und entsprechend den Verzicht auf die Erhebung  eines  Kostenvorschusses  beantragt,  eventualiter  sei  die  aufschiebende  Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen und die zuständige Behörde  vorsorglich  anzuweisen,  die  Kontaktnahme  mit  den  heimatlichen  Behörden  sowie  jegliche Datenweitergabe  an  dieselben  zu  unterlassen,  im  Falle  erfolgter  Datenweitergabe  sei  er  in  einer  separaten  Verfügung  darüber zu orientieren, dass er  zur Begründung  im Wesentlichen anführt,  seine Bisexualität  sei  publik geworden, nachdem sein Freund seiner Schwester (…) gespendet  habe, dass es ihm nicht möglich sei, nach Libanon zurückzukehren, weil er dort  von  der  Gesellschaft  und  seiner  Familie  nicht  akzeptiert  werde,  verschiedene  salafistische Gruppen  ihn  töten wollten  und  die Behörden  ihn nicht beschützen würden, dass  der Sitz  der SSNP  zerstört worden  sei  und  von  der  libanesischen  Armee kontrolliert werde, weshalb es schwierig sei, einen Parteiausweis  zur erlangen, dass sein Ausweis sich in der Klinik, an seinem Arbeitsort, befunden habe  und  N._______  aus  Angst  alles  zerstört  habe,  was  auf  ihn  (den  Beschwerdeführer) hingewiesen habe, dass  er  angegeben  habe,  die  SSNP  sei  politisch  mit  verschiedenen  Gruppen verbunden, was der Dolmetscher nicht korrekt übersetzt habe, dass  er  die  Hizbollah  und  die  Amal  nicht  erwähnt  habe,  weil  diese  aufgrund ihrer Geschichte für ihn tabu seien, dass sein Kontakt zu den Mitgliedern der SSNP mehr  freundschaftlicher  und sexueller als politischer Natur gewesen sei, 

E­4982/2009 dass er bei der Vorinstanz versucht habe, wenig über seine Sexualität zu  berichten, diese aber viel mit seinen Problemen in Libanon zu tun habe, dass  er  sich  aufgrund  seiner  Bisexualität  und  der  libanesischen  Gesellschaftsstruktur gezwungen gesehen habe, sich diskret zu verhalten  und nichts über die schlimmen Erfahrungen zu erzählen, dass  ihn  die  Anhörung  aufgewühlt  habe,  weshalb  er  unkoordiniert  und  unkonzentriert  erzählt  habe,  und  der  Dolmetscher  aus  diesem  Grund  nicht alles verstanden habe,  dass  er  über  seinen  Deutschlandaufenthalt  keine  Auskunft  gegeben  habe, weil er nach acht Stunden Befragung psychisch erschöpft gewesen  sei, dass  er  sich  2003  und  2004  in  Europa  aufgehalten  habe,  um  (…)  für  seine Schwester zu organisieren, dass  er  als  Beweismittel  zwei  Dokumente  in  Kopie  betreffend  die  Erkrankung seiner Schwester sowie eine von ihm verfasste summarische  Übersetzung einreichte, dass  die  Instruktionsrichterin  mit  Zwischenverfügung  vom  18.  August  2009  den  legalen  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  während  des  Verfahrens  festhielt,  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  abwies  und  dem  Beschwerdeführer  Frist  zur  Leistung  eines  Kostenvorschusses setzte, dass  sie  die  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerdebegehren  feststellte  und  zur  Begründung  argumentierte,  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  im  angefochtenen Entscheid seien nach Durchsicht der Akten als zutreffend  zu beurteilen und die Vorbringen in der Beschwerde voraussichtlich nicht  geeignet,  diese  umzustossen,  zumal  der  Beschwerdeführer  darauf  verzichte, zu den vorinstanzlichen Vorhalten konkret Stellung zu nehmen, dass  insbesondere  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  betreffend  seine angebliche Bisexualität als nachgeschoben zu bezeichnen seien, dass  der  eingeforderte  Kostenvorschuss  am  1.  September  2009  fristgerecht geleistet wurde,

E­4982/2009 dass  der  rubrizierte  Rechtsvertreter  am  21.  Oktober  2009  seine  Mandatsübernahme  anzeigte  sowie  um  Gewährung  der  Akteneinsicht  und  Ansetzung  einer  Nachfrist  zur  Einreichung  einer  Beschwerdeergänzung im Sinne von Art. 53 VwVG ersuchte, dass mit Zwischenverfügung vom 27. Oktober 2009 dem Rechtsvertreter  die  entscheidwesentlichen  Akten  zur  Einsicht  zugestellt  und  das  Begehren  um  Gewährung  einer  Nachfrist  im  Sinne  von  Art.  53  VwVG  abgewiesen wurde, dass  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  am  3.  Dezember 2009 eine ergänzende Eingabe machte, dass  er  darin  im  Wesentlichen  ausführt,  es  treffe  zu,  dass  er  seine  Mitgliedschaft  bei  der  SSNP  nicht  mit  Dokumenten  belegen  könne,  hingegen lasse sich der Umstand, dass die Parteizentrale niedergebrannt  worden sei, belegen, dass  in  Anbetracht  der  politischen  Unruhen  nachvollziehbar  erscheine,  dass  ein  Mitglied  der  Minderheitspartei  seinen  Parteiausweis  nicht  auf  sich habe, um unangenehmen Fragen und Kontrollen zu entgehen, dass  sich  bezüglich  seines  Ausreisegrundes  keine  Widersprüche,  sondern allenfalls Missverständnisse ergeben hätten, dass  er  sich  in  Deutschland  und  Polen  aufgehalten  habe,  um  (…)  für  seine  Schwester  zu  finden,  wobei  er  in  finanzielle  Schwierigkeiten  geraten  sei,  sich  bei  kriminellen  libanesischen  Organisationen  verschuldet  habe  und  von  diesen  gezwungen  worden  sei,  sich  an  kriminellen  Handlungen  zu  beteiligen,  wobei  er  sich  dazu  einen  Aliasnamen gegeben habe, dass weiter  Bi­  und Homosexualität  im  Libanon  Tabuthemen  seien  und  die Betroffenen von der  libanesischen Gesellschaft verfolgt und mit dem  Tod bedroht würden, dass  ihm  nicht  zuletzt  wegen  seiner  Bisexualität,  welche  in  streng  muslimischen  Kreisen mit  dem  Tod  zu  bestrafen  sei,  die  Tötung  durch  Fundamentalisten drohe,  dass  Homosexualität  und  dementsprechend  Bisexualität  in  der  libanesischen  Strafprozessordnung  mit  Gefängnis  bis  zu  einem  Jahr 

E­4982/2009 bestraft  werde,  womit  ihm  aufgrund  seiner  sexuellen  Ausrichtung  auch  Verfolgung durch den Staat drohe, dass  es  demzufolge  in  der  Natur  der  Sache  liege,  dass  er  erst  zum  Schluss  seine  Bisexualität  offengelegt  habe  und  seine  Zurückhaltung  erkläre, dass die  Instruktionsrichterin die Vorinstanz am 18. Dezember 2009 zur  Einreichung einer Vernehmlassung einlud, dass  die  Vorinstanz  mit  Vernehmlassung  vom  4.  Januar  2010,  welche  dem Beschwerdeführer zusammen mit  vorliegendem Urteil  zur Kenntnis  gebracht wird, die Abweisung der Beschwerde beantragte, dass  der  Beschwerdeführer  am  (…)  Oktober  2010  eine  französische  Staatsangehörige mit Niederlassungsbewilligung heiratete, dass die Instruktionsrichterin ihn mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober  2010 um Mitteilung ersuchte, ob er die Beschwerde zurückziehe und ihn  – im  Falle  des  Festhaltens  –  zur  Einreichung  eines  Belegs  über  die  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  beziehungsweise  über  das  Einreichen  eines  entsprechenden  Gesuchs  bei  der  kantonalen  Migrationsbehörde aufforderte, dass der Beschwerdeführer am 8. November 2010 einen diesbezüglichen  Beleg  einreichte  und  ihm  am  (…)  November  2010  eine  Aufenthaltsbewilligung "B" erteilt wurde, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,

E­4982/2009 dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt  und  bereits  mit  Verfügung  vom 18. August 2009 festgehalten, um eine solche handelt, weshalb der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2  AsylG), dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), wobei diese glaubhaft gemacht ist,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit für gegeben hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden,

E­4982/2009 dass  die  Vorinstanz  mit  ausführlicher  und  zutreffender  Begründung  erkannt  hat,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  von  Art.  7  an  die  Glaubhaftmachung  eines  asylbegründenden Sachverhalts nicht genügen, dass  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung,  die  obige  zusammenfassende  Darstellung  derselben  sowie  auf  die  Erwägungen  in  der  Zwischenverfügung  vom  18. August 2009 verwiesen werden kann, dass  auf  Beschwerdeebene  hinsichtlich  des  Verbleibs  seines  Parteiausweises zudem weitere Ungereimtheiten begründet werden, dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  diesbezüglich  zu  Protokoll  gab,  der  Sitz  seiner  Partei  sei  in  Brand  gesetzt  und  alle  Dokumente  seien  vernichtet worden  (vgl.  vorinstanzliche Akten A  19/23  S.  16  F  106),  während  er  in  der  Beschwerdeeingabe  vorbrachte,  sein  Ausweis  habe  sich  an  seinem  Arbeitsort  befunden  und  sei  dort  von  N.  vernichtet worden (vgl. Beschwerdeeingabe vom 5. August 2009 S. 5), dass er weiter auf Beschwerdeebene vorbringt, seine geltend gemachten  Probleme  im  Libanon  seien  zu  einem  grossen  Teil  auf  seine  sexuelle  Ausrichtung zurückzuführen, dass  er  anlässlich  der  Anhörung  zwar  erwähnte,  er  sei  bisexuell,  seine  Schwierigkeiten mit den libanesischen Behörden sowie mit Dritten jedoch  ausschliesslich  mit  seinen  politischen  Aktivitäten  begründete  (vgl.  beispielsweise  A  19/23  S.  13  F  82),  weshalb  dieses  Vorbringen  –  wie  bereits  mit  Zwischenverfügung  vom  18.  August  2009  festgestellt  –  als  nachgeschoben und mithin unglaubhaft zu bewerten ist, dass  die  Argumentation  in  der  Beschwerdeeingabe,  er  habe  sich  aufgrund von Schamgefühlen anlässlich der Anhörung nur zurückhaltend  zu  den  mit  seiner  Bisexualität  verbundenen  Schwierigkeiten  geäussert,  nicht zu überzeugen vermag, dass er sich nämlich an der Anhörung als bisexuell bezeichnet, sich somit  gegenüber  den  anwesenden  Personen  geoutet  hatte  und  deshalb  zu  erwarten  gewesen  wäre,  dass  er  auch  allfällige  darauf  gründende  Benachteiligungen vorgebracht hätte,

E­4982/2009 dass  er  darüber  hinaus  auf  Beschwerdeebene  nicht  substanziiert  begründet,  inwiefern  er  aufgrund  seiner  Bisexualität  Nachteile  erlitten  habe oder zu befürchten hätte, dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat  und  es  sich  erübrigt,  auf  die  weiteren  Ausführungen  auf  Beschwerdeebene und die eingereichten Beweismittel näher einzugehen,  da sie am Ausgang des Verfahrens nichts zu ändern vermögen, dass  die  Beschwerde  demzufolge  hinsichtlich  der  Ziffern  1  und  2  der  angefochtenen Verfügung abzuweisen ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  solches  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat,  wobei  der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  zu  berücksichtigen  ist  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  dass  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  nicht  verfügt  wird,  falls  die  asylsuchende  Person  im  Besitze  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder  Niederlassungsbewilligung  ist  (Art.  32 Bst.  a  der Asylverordnung 1  vom  11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]),  dass  dem  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  am  (…)  Oktober  2010  erfolgten  Eheschliessung  mit  einer  in  der  Schweiz  niedergelassenen  Französin  am  (…)  November  2010  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  wurde,  dass die Anordnungen des BFM betreffend Wegweisung und Vollzug der  Wegweisung  in  der  angefochtenen  Verfügung mithin  ohne  weiteres  als  dahin gefallen zu betrachten sind, da diese gegenüber dem neu erteilten  Aufenthaltstitel  keinen Bestand haben können  (vgl. Entscheidungen und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21 E. 11c S. 178, EMARK 2000 Nr. 30 E. 4 S. 251),  dass  die  Beschwerde  deshalb  –  soweit  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit  oder  der  Unzumutbarkeit  und  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  beantragt  wird  –  zufolge  nachträglichen Wegfalls  des Anfechtungsgegenstandes und damit des Rechtsschutzinteresses als  gegenstandslos geworden abzuschreiben ist,

E­4982/2009 dass  der  Beschwerdeführer  mit  seinen  Begehren  um  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  Gewährung  von  Asyl  unterlegen  ist  und  insoweit kostenpflichtig wird (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),  dass  bei  einem  (partiell)  gegenstandslos  gewordenen  Verfahren  die  Kosten  jener  Partei  aufzuerlegen  sind,  deren  Verhalten  die  Gegenstandslosigkeit bewirkt hat sowie für den Fall, dass das Verfahren  ohne  Zutun  der  Parteien  gegenstandslos  geworden  ist,  die  Kosten  auf  Grund der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrunds festgelegt werden  (Art.  5  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]),  dass  vorliegend  die  partielle  Gegenstandslosigkeit  infolge  der  dem  Beschwerdeführer  von  der  kantonalen  Behörde  erteilten  Aufenthaltsbewilligung  und  somit  ohne  das  Zutun  der  Parteien  eingetreten ist,  dass  deshalb  mit  Bezug  auf  die  Begehren  um  Feststellung  der  Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Vollzugs und um  Anordnung der vorläufigen Aufnahme über die Kostenverlegung nach der  Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrundes zu befinden ist,  dass  vorliegend  aufgrund  der  Aktenlage  vor  Eintritt  der  Gegenstandslosigkeit davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer  auch  mit  seinem  Begehren  um  vorläufige  Aufnahme  unter  Feststellung  der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Vollzugs der  Wegweisung, nicht durchgedrungen wäre, zumal die Instruktionsrichterin  mit  Zwischenverfügung  vom 18.  August  2009  die Aussichtslosigkeit  der  Beschwerdebegehren festgestellt hatte, dass  die  Kosten  des  Verfahrens  somit  vollumfänglich  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), auf insgesamt Fr.  600.­  festzusetzen (Art. 1­3 VGKE) und mit dem am 1. September 2009  in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen sind, dass die Ausrichtung einer Parteientschädigung bei diesem Ausgang des  Verfahrens  nicht  in  Betracht  fällt  (vgl.  Art.  64  Abs.  1  VwVG  sowie  Art. 15 i.V.m. Art. 5 zweiter Satz VGKE), dass  die  Begehren,  die  Kontaktnahme  mit  den  heimatlichen  Behörden  sowie  jegliche  Datenweitergabe  an  dieselben  sei  zu  unterlassen  und 

E­4982/2009 eventualiter sei der Beschwerdeführer – bei erfolgter Datenweitergabe –  in  einer  separaten  Verfügung  darüber  zu  orientieren,  mit  vorliegendem  Entscheid hinfällig werden, wobei gemäss Akten keine Kontaktaufnahme  mit den Behörden stattgefunden hat. (Dispositiv nächste Seite)

E­4982/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird hinsichtlich der Ziffern 1 und 2 der vorinstanzlichen  Verfügung abgewiesen. 2.  Die  Beschwerde  betreffend  die  Ziffern  3  bis  5  der  vorinstanzlichen  Verfügung wird zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Anna Poschung Versand:

E-4982/2009 — Bundesverwaltungsgericht 19.12.2011 E-4982/2009 — Swissrulings