Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 E-4409/2007

1 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·4,827 mots·~24 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Mai 2007

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4409/2007 E­4410/2007 Urteil   v om   1 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Emilia Antonioni, Gerichtsschreiberin Tu­Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), sowie E._______, geboren am (…) (E­4410/2007) Serbien,  alle vertreten durch Dieter Roth, Rechtsanwalt,  (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom  29. Mai 2007 / N (…).

E­4409/2007 E­4410/2007 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden,  eigenen  Angaben  zufolge  ethnische  Roma  aus  F._______  (Serbien),  haben  in  der  Schweiz  bereits  mehrere  Asylverfahren durchlaufen. Am 27. März 2000 reisten die Beschwerdeführenden zusammen mit ihren  drei gemeinsamen minderjährigen Kindern das erste Mal  in die Schweiz  ein.  Sie  reichten  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  G._______  ihr  erstes  Asylgesuch  ein,  wobei  sie  als  fluchtauslösende  Gründe  die  Verweigerung  des  Beschwerdeführers  wiederum  in  den  Militärdienst  einberufen  zu  werden,  eine  allfällige  diesbezügliche  Bestrafung  des  Beschwerdeführers  sowie  vereinzelte  Schikanen,  denen  sie  aufgrund  ihrer  Ethnie  ausgesetzt  seien,  nannten.  Das  damals  zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF;  heute  BFM)  lehnte  mit  Verfügung  vom  25.  April  2000  das  Asylgesuch  ab  und  begründete  seinen  Entscheid  im  Wesentlichen  mit  der  fehlenden  Asylrelevanz  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden.  Die  dagegen  erhobene  Beschwerde  vom  29.  Mai  2000  wurde  von  der  vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK),  welche  die  vorinstanzliche  Argumentation  vollumfänglich  stützte,  mit  Urteil  vom  7.  Juli 2000 abgewiesen. Auf die am 25. und 30. August 2000 respektive am  22.  Mai  2001  eingereichten  Fristerstreckungs­  bzw.  Wiedererwägungsgesuche  hin,  verlängerte  das  BFM  jeweils  antragsgemäss die Frist zur Ausreise; auf das Wiedererwägungsgesuch  vom 22. Mai 2001 trat es sodann nicht ein. Die am 14. März 2002 erfolgte  Abweisung  eines  am  20. Februar  2002  beim  BFF  eingereichten  Wiedererwägungsgesuches wurde letztinstanzlich von der ARK mit Urteil  vom 23. April 2002 bestätigt. Das aufgrund eines zweiten Asylgesuches vom 10. Juli 2002 eingeleitete  Asylverfahren  wurde  wegen  der  Rückzugserklärung  der  Beschwerdeführenden  vom  22.  Juli  2002  als  gegenstandslos  abgeschrieben  und  die  Familie  reiste  am  24.  Juli  2002  kontrolliert  auf  dem Luftweg nach Belgrad aus.  Auf  das  am  27.  April  2004  nur  vom  Beschwerdeführer  A._______  eingereichte (dritte) Asylgesuch trat das BFF am 12. Mai 2004 nicht ein.  Eine  dagegen  erhobenen  Beschwerde  lehnte  die  ARK  mit  Urteil  vom  24. Mai 2004 ab. Er  kehrte eigenen Angaben zufolge Ende Mai 2004  in  sein Heimatland Serbien zurück.

E­4409/2007 E­4410/2007 B.  Gemäss  eigenen  Angaben  verliessen  die  Beschwerdeführenden  –  mit  den drei gemeinsamen Kindern – ihr Heimatland am 21. Juni 2005 erneut  und gelangten am 23. Juni 2005  in die Schweiz, wo sie gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  H._______  ein  drittes  respektive  viertes  (A._______)  Asylgesuch  stellten.  Am  8.  Juli  2005  wurden  der  Beschwerdeführer  und  sein Sohn E._______  sowie  am  13.  Juli  2005  die  Beschwerdeführerin  B._______  im  Transitzentrum  J._______  summarisch  befragt.  Am  3.  Mai  2007  wurden  sie –  einschliesslich  der  (minder)­jährigen  Tochter  D._______  –  in  einer  direkten  Befragung  des  Bundesamtes  für  Migration  (BFM)  zu  ihren  Asylgründen angehört. B.a.  Zur  Begründung  ihres  Gesuches  machten  sie  im  Wesentlichen  Folgendes geltend:  Sie  seien  ethnische  Roma  aus  F._______.  Sie  hätten  da  ein  eigenes  Haus besessen, in dem die ganze Familie gewohnt habe, und auf dessen  Hof  der  Beschwerdeführer  eine  Autowerkstatt  betrieben  habe.  Es  sei  ihnen  finanziell  verhältnismässig  "gut"  gegangen.  Wegen  ihrer  Ethnie  seien sie aber  in Serbien generell  behördlichen und privaten Schikanen  ausgesetzt  gewesen.  Der  Beschwerdeführer  im  Speziellen  sei  –  seit  seiner  Rückkehr  aus  der  Schweiz  Ende Mai  2004  –  immer  wieder  von  einer  Gruppe  von  glatzköpfigen  Personen  –  gemäss  seinen  Angaben  Mitglieder  der  "serbischen  Mafia"  –  auf  der  Strasse  angehalten,  beschimpft und geschlagen worden. Schliesslich hätten sie immer wieder  Geldzahlungen  von  ihm  verlangt,  da  sie  aufgrund  des  Hauses  und  der  Werkstatt  auf  vermögende  Verhältnisse  der  Beschwerdeführenden  geschlossen  hätten,  und  grundsätzlich  weil  der  Beschwerdeführer  Rom  sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  die  Zahlungen  jedoch  jeweils  nicht  geleistet,  da  er  mit  dem  Erwerb  aus  der  Garage  den  gesamten  Lebensunterhalt  der  Familie  habe  bestreiten  müssen.  Er  habe  diese  Vorgänge  mehrere  Male  bei  der  Polizei  gemeldet,  diese  hätten  aber  nichts  unternommen.  Am 1. Mai  2005  sei  er  von  dieser Gruppe wegen  weiterer  Geldzahlungen  angegangen  worden,  und  sie  hätten  gedroht  seiner Familie  "etwas anzutun",  sollte  er  nicht  innert Monatsfrist  5000.­­  Euro  zahlen.  Weil  der  Beschwerdeführer  Angst  um  die  Kinder  gehabt  habe, habe er  sie nach K._______ zu  ihren Grosseltern gebracht. Mitte  Juni  2005  seien  zwei  Männer  –  gemäss  Angaben  der  Beschwerdeführenden  die  vorgenannten  "Erpresser"  –  während  der  Abwesenheit  des  Beschwerdeführers  in  das  Haus  eingedrungen  und  hätten  die  Beschwerdeführerin  B._______  angegriffen,  da  ihr  Ehemann 

E­4409/2007 E­4410/2007 nicht – wie gefordert – Zahlungen geleistet habe; einer der Männer habe  sie  anschliessend  vergewaltigt.  Am  nächsten  Tag  hätten  sie  diesen  Vorfall  bei  der  Polizei  gemeldet  und  die  Beschwerdeführerin  habe  sich  am  darauf  folgenden  Tag  beim  Gynäkologen  untersuchen  lassen.  Insgesamt  habe  dieses  einschneidende Erlebnis  dazu  geführt,  dass  die  Beschwerdeführenden Angst gehabt hätten in ihr Haus zurückzukehren –  zumal  sie  aufgrund  der  vorherigen  Vorsprechen  bei  der  Polizei  den  Eindruck gewonnen hätten, diese könne oder wolle  ihnen nicht helfen –  so dass sie den Entschluss gefasst hätten, zu fliehen.  Die Kinder der Beschwerdeführenden (E._______ und D._______) gaben  an,  sie  seien  von  ihren  Eltern  über  diese  Geschehen  nicht  konkret  informiert worden. Sie hätten die letzten 1 – 1½ Monate vor ihrer Ausreise  aus  Serbien  in  K._______  bei  ihren  Grosseltern  verbracht.  Zu  persönlichen Schwierigkeiten  in Serbien befragt, gaben sie an, dass sie  aufgrund  ihrer  ethnischen  Zugehörigkeit  in  der  Schule  schikaniert  und  benachteiligt  worden  seien.  Auf  eine  Rückkehr  nach  Serbien  angesprochen,  machte  E._______  ausserdem  geltend,  dass  er  sich  in  Serbien nicht sicher fühle und dort keine berufliche Zukunft sehe.  B.b.  Als  Beweismittel  –  für  die  geltend  gemachte  Vergewaltigung –  reichten die Beschwerdeführenden am 12. Juli 2005 eine Vorladung der  Polizei  von  F._______  vom  16. Juni  2005  und  einen  Arztbericht  des  Gynäkologen Dr. L._______ aus F._______ vom 17. Juni 2005 ein. C.  Am  19.  Mai  2007  wurden  die  Beschwerdeführenden  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens dem Kanton M._______ zugeteilt. D.  Mit Verfügungen vom 29. Mai 2007 (wobei dieses Datum vom BFM wohl  versehentlich  falsch gesetzt wurde, da der Ausgang der Dokumente auf  den  25.  Mai  2007  datiert  ist)  –  welche  gleichentags  eröffnet  wurden –  lehnte  das  BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ab  und  ordnete deren Wegweisung und den Vollzug der Wegweisung an. Zur Begründung  ihrer Abweisung  im Asylpunkt  führte  die Vorinstanz  im  Wesentlichen  an,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  in  Bezug  auf  die  fluchtauslösenden  Gründe  –  die  geltend  gemachte  Vergewaltigung  der  Beschwerdeführerin  und  die  dieser  vorangegangen  Erpressungen des Beschwerdeführers durch die "serbische Mafia" – den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  insgesamt  nicht  standhielten,  da  sich  insbesondere  die  Beschwerdeführerin – 

E­4409/2007 E­4410/2007 anlässlich  der  ersten  Anhörung  im  EVZ  und  dann  anlässlich  der  Bundesanhörung – in zahlreiche Widersprüche verstrickt habe, wobei es  sich  bei  diesen  nach  Ansicht  der  Vorinstanz  um  diametral  entgegengesetzte  Aussagen  handle.  Die  eingereichten  Beweismittel  erachtete  die  Vorinstanz  als  ohne  Beweiswert,  da  erfahrungsgemäss  solche  Dokumente  im  Herkunftsland  der  Beschwerdeführenden  leicht  käuflich  erwerbbar  seien  und  diese  orthographische  Mängel  enthalten  würden, weshalb  von Fälschungen  auszugehen  sei. Die Vorbringen  zur  Vergewaltigung und zu den Erpressungen wurden deshalb nicht auf  ihre  Asylrelevanz geprüft. Die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführenden  – allgemeine  Schikanen  durch  unbekannte  Dritte  wegen  ihrer  Ethnie –  würden  aufgrund  mangelnder  Verfolgungsintensität  und  des  Vorhandenseins  des  Schutzwillens  und  der  Schutzfähigkeit  des  serbischen  Staates  sowie  einer  inländischen  Fluchtalternative  den  Anforderungen  an  die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art.  3 AsylG  nicht  standhalten.  Den  Wegweisungsvollzug  erachtete  das  Bundesamt  als  zulässig  und  möglich  sowie  –  unter  Hinweis  auf  die  herrschende  politische  Situation  in  Serbien  und  auf  das  tragfähige  Beziehungsnetz  sowie  auf  das  eigene  Haus  und  die  Autowerkstatt  als  sichere  Einkommensquelle  –  als  zumutbar.  Auf  die  ausführliche  Begründung  wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D.a. Die  Vorinstanz  behandelte  das  Asylgesuch  des  mittlerweile  (voll)­ jährigen  E._______  getrennt.  Die  Ablehnung  seines  Asylgesuches  begründete sie im Wesentlichen wie folgt: Seine Vorbringen – Schikanen  in  der  Schule  und  berufliche  Perspektivlosigkeit  in  Serbien  aufgrund  seiner  Ethnie  –  würden  die  asylrelevante  Verfolgungsintensität  nicht  erreichen  und  würden  folglich  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Den  Wegweisungsvollzug  erachtete  das  Bundesamt  als  zulässig  und  möglich sowie – unter Hinweis einerseits auf die herrschende politische  Situation in Serbien und anderseits auf die Möglichkeit der gemeinsamen  Rückkehr mit der Familie – als zumutbar. E.  Mit  Eingabe  vom  28.  Juni  2007  (Poststempel)  erhoben  die  Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  Beschwerde  gegen  die Verfügungen des BFM vom 29. Mai 2007. E.a. Die Beschwerdeführenden beantragten, es seien die Entscheide des  BFM  vollumfänglich  aufzuheben  und  die  Asylgesuche  der 

E­4409/2007 E­4410/2007 Beschwerdeführenden  seien  gutzuheissen;  eventualiter  seien  die  Entscheide des BFM aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen;  subeventualiter  seien  sie  wegen  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.  Aus  verfahrensrechtlicher  Sicht  beantragten  sie,  dass  ihnen  infolge  Bedürftigkeit und Nichtaussichtslosigkeit sowie Komplexität des Asyl­ und  Ausländerrechts  die  unentgeltliche  Rechtspflege  und  die  Rechtsverbeiständung  zu  gewähren  seien.  Ferner  wurde  beantragt,  es  sei  ihnen  zu  gestatten  sich  für  die Dauer  des Beschwerdeverfahrens  in  der Schweiz aufzuhalten und ihnen sei das Replikrecht zu allen allfälligen  Stellungnahmen des BFM einzuräumen.  Mit  Hinweis  auf  die  Minderjährigkeit  von  E._______  zur  Zeit  des  Asylgesuches  und  mit  Bezugnahme  auf  Art.  51  AsylG  wurde  ferner  beantragt, er sei  in das Asylverfahren seiner Familie mit einzubeziehen.  Mit eingereichter Beschwerde vom 28. Juni 2007 wurden deshalb beide  Verfügungen des BFM vom 29. Mai 2007 angefochten.  Die  Beschwerdeführenden  rügten  "die  unrichtige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  Ermessensfehler  in  der  Beurteilung  der  Wegweisung"  durch  die  Vorinstanz  (vgl.  Beschwerdeeingabe  vom  28.  Juni  2007  S.  3).  Ferner  monierten  die  Beschwerdeführenden,  der  Umstand  allein,  dass  verschiedene  Dokumente  im Heimatland der Beschwerdeführenden  käuflich erworben  werden  könnten,  genauso  wenig  wie  einzelne  Grammatik­  oder  Rechtschreibefehler,  könne  ausreichen,  um  an  der  Echtheit  der  eingereichten Beweismittel zu zweifeln.  Im Zweifel hätte das Bundesamt  amtliche  Erkundigungen  vor  Ort  einholen  müssen.  Schliesslich  sei  von  Amtes  wegen  ein  ärztliches  Gutachten  die  Beschwerdeführerin  B._______ betreffend anzuordnen und diese erneut zu befragen.  E.b. Hinsichtlich der Asylvorbringen erkannten die Beschwerdeführenden  an, dass sich zwischen den Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  (13.  Juli  2005)  und  anlässlich  der  Bundesanhörung  (3. Mai  2007)  verschiedene  Widersprüche  ergeben  hätten.  Indessen würden  sich  die  Aussagen  der  Ehefrau  anlässlich  der  Erstbefragung  mit  jenen  des  Ehemannes  in  den  wesentlichen  Punkten  decken.  Im  weiteren  habe  die  Beschwerdeführerin  viele  Einzelheiten  geschildert.  Die  Beschwerdeführenden  zählten  anschliessend  einige  Elemente  auf,  welche  für  ihre  Glaubwürdigkeit  sprächen.  Insbesondere  seien die widersprüchlichen Aussagen der Ehefrau aber auch Folge eines 

E­4409/2007 E­4410/2007 bei ihr durch die Vergewaltigung ausgelösten Traumas. Der Beschwerde  lagen  ein  entsprechendes Arztzeugnis  von Dr. med. N._______  vom 4.  Juni  2007  sowie  zwei  Internetausdrucke  von  www.asyl.net  und  der  Vereinigung  "aufrecht"  zum  Thema  der  posttraumatischen  Belastungsstörung  bei.  Ferner  wurde  eine  allgemeine  Verfolgungssituation der Roma in Serbien geltend gemacht: Es gäbe eine  landesweite Kollektivverfolgung der Roma in Serbien durch sowohl Dritte  (mit  Hinweis  auf  dokumentierte  brutale  Übergriffe  der  serbischen Mafia  auf die Roma) als auch den schutzunfähigen und schutzunwilligen Staat  (mit Hinweis  auf  das unkooperative  und  rassistisch motivierte Verhalten  der  serbischen  Polizeikräfte).  Folglich  würde  auch  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  nicht  zur  Verfügung  stehen.  Zum  Beleg  dieser  Vorbringen  reichten  sie  Berichte  von  "Augenauf"  vom  Dezember  2001  bzw.  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  vom  März 2004  und  einen  fremdsprachigen  Zeitungsbericht  (angeblich  entnommen  aus  der  Zeitschrift "Kurir" vom 29. Januar 2007) ein.  E.c.  Den  Eventualantrag  auf  vorläufige  Aufnahme  begründeten  die  Beschwerdeführenden  mit  der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges,  weil  ganz  allgemein  Roma  in  Serbien  in  allen  Lebensbereichen mit Diskriminierungen zu rechnen hätten. Ferner sei der  Vollzug der Wegweisung nach Serbien auch aus medizinischen Gründen  nicht  zumutbar,  namentlich  aufgrund  fehlender  entsprechender  medizinischer  Behandlungsmöglichkeiten  der  posttraumatischen  Belastungsstörung der Beschwerdeführerin.  Auf die ausführliche Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den  Erwägungen eingegangen. F.  Mit Verfügungen vom 5. Juli 2007 hiess das Bundesverwaltungsgericht in  beiden  Verfahren  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs.  1  VwVG  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  2  VwVG  wurde abgewiesen.  Ferner  wurde  entschieden,  die  beiden  Verfahren  soweit  möglich  koordiniert zu behandeln. Überdies wurde Frist zum Einreichen aktueller  und  ausführlicher  medizinischer  Berichte  der  die  Beschwerdeführerin  B._______ behandelnden Ärzte,  insbesondere Dr. med. O._______ und  http://www.asyl.net

E­4409/2007 E­4410/2007 Dr.  med.  N._______,  sowie  Berichte  der  behandelnden  Psychotherapeuten und Psychiater angesetzt.  G.  Mit  Eingabe  vom  6.  August  2007  reichte  der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden Arztberichte von Dr. med. N._______ vom 21. Juli  2007 sowie Dr. med. O._______ vom 26. Juli 2007 zu den Akten.  H.  Mit Vernehmlassungen vom 16. November 2007 schloss die Vorinstanz  auf  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Beschwerdeschrift  würde  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalten,  welche  eine  Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnte.  Als  reine  Schutzbehauptung  sei  zu  werten,  dass  die  vom  Bundesamt  aufgezeigten Ungereimtheiten  in den Aussagen der Beschwerdeführerin  auf  das  Bestehen  einer  dissoziativen  Amnesie  zurückzuführen  sei.  Das  eingereichte Arztzeugnis sei zu wenig ausführlich und der Umstand, dass  die  Diagnose  nicht  von  einem  Spezialarzt  für  Psychiatrie  und  Psychotherapie, sondern von einem Allgemeinarzt gestellt wurde, würde  die  Aussagekraft  des  Dokuments  zusätzlich  schmälern.  Die  Vorinstanz  hielt an ihren Erwägungen der Verfügung vom 29. Mai 2007 fest, dass die  von  der  Beschwerdeführerin  dargelegte  Ursache  nicht  für  die  diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung – sollte sie in der Tat  vorliegen – verantwortlich gemacht werden könne.  Sie  wies  ferner  darauf  hin,  dass  die  ambulante  Betreuung  psychisch  kranker Menschen generell in Serbien sichergestellt sei. Weiter dürfte das  familiäre  Beziehungsnetz  der  Behandlung  förderlich  sein,  auf  das  die  Beschwerdeführerin  in K._______  zurückgreifen  könne,  und  schliesslich  sei  auch  der  Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Muttersprache  betreut  werden  könne,  ein  nicht  zu  unterschätzender  Faktor für die Behandlung.  I.  Mit  Replik  vom  20.  Dezember  2007  legten  die  Beschwerdeführenden  einen Familienausweis  vom 23. November 2007  ins Recht, wonach der  Beschwerdeführer  A._______  am 23. November  2007 Frau P._______,  eine  serbische  Staatsangehörige  mit  einer  Niederlassungsbewilligung,  geheiratet  habe,  wobei  er  sich  vorgängig  von  der  Beschwerdeführerin  B._______  habe  scheiden  lassen.  Ferner  ersuchten  sie  um  die  Gewährung  einer  Fristerstreckung  zur  Einreichung  eines  aktuellen 

E­4409/2007 E­4410/2007 Arztberichtes  betreffend  die  Beschwerdeführerin  und wiederholten  ihren  Antrag,  es  sei  von Amtes wegen ein medizinisches Gutachten erstellen  zu  lassen.  Im Weiteren  führten sie an, als Roma würden sie  in Serbien  niemals  in  den  Genuss  der  adäquaten  medizinischen  Behandlung  kommen können.  J.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  15.  Januar  2008  wurden  die  Beschwerdeführenden  aufgefordert,  eine  Kopie  ihres  Scheidungsurteils  einzureichen;  gleichzeitig  wurde  ihnen  antragsgemäss  die  Frist  für  das  Einreichen der  in Aussicht gestellten aktuellen ärztlichen Berichte sowie  von Entbindungserklärungen der ärztlichen Schweigepflicht verlängert. K.  Mit Eingabe vom 30. Januar 2008 reichten die Beschwerdeführenden ein  Arztzeugnis des Psychiaters Dr. Q._______ vom 26. Januar 2008 – die  Beschwerdeführerin  B._______  betreffend  –  und  eine  Kopie  ihres  Scheidungsurteils  vom  26.  April  2002  des  Amtsgerichts  in  F._______  samt  deutscher  Übersetzung  ein.  Die  Beschwerdeführenden  gaben  an,  sie hätten sich schon im Jahr 2002 scheiden lassen, hätten sich aber der  widrigen  politischen  und  gesundheitlichen  Umstände  sowie  des  Wohlergehens der Kinder wegen wieder  zusammen getan,  bis es Ende  2007 wieder zur Trennung gekommen sei. L.  Mit  Verfügung  vom  22.  Dezember  2010  forderte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerdeführenden  auf,  aktuelle  Informationen  zum  Zivilstand  von  A._______  und  Angaben  zu  seiner  aktuellen  Ehefrau,  zur  Wohnsituation  der  Familie,  zur  allfälligen  Arbeitstätigkeit  der  Beschwerdeführenden  sowie  zur  schulischen  Situation  von  C._______  und  D._______  einzureichen.  Ebenso  einzureichen  sei  ein  aktueller  Arztbericht  B._______  betreffend  sowie  eine Erklärung von ihrer Seite über die Entbindung der sie behandelnden  Ärzte von der Schweigepflicht gegenüber den Asylbehörden. M.  Mit Eingabe vom 21. Januar 2011 legten die Beschwerdeführenden durch  ihren Rechtsvertreter folgende Informationen ins Recht:  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  von  Frau  P._______  vor  dem  Richteramt  R._______  scheiden  lassen,  da  es  zwischen  ihm  und  der  Beschwerdeführerin B._______ wieder zu einer Annäherung gekommen 

E­4409/2007 E­4410/2007 sei.  Die  beiden  seien mittlerweile  wieder  ein  Paar.  Für  die  Einreichung  des Scheidungsurteils wurde  um Fristerstreckung  ersucht.  Die  gesamte  Familie wohne an der (…) in S._______. Der Beschwerdeführer und der  Sohn E._______ seien beide selbstständig und unabhängig voneinander  im  [Beruf]  tätig.  Mit  dem  generierten  Einkommen  finanziere  sich  die  Familie  ihren  Unterhalt  mittlerweile  selber.  Beigelegt  wurden  die  Handelsregisterauszüge  beider  Einzelunternehmen  und  die  Bestätigung  der  Koordinationsstelle  für  soziale  Leistungen  des  Kantons M._______.  Die  Tochter  C._______  besuche  gegenwärtig  die  [Zahl]  Primarschulklasse in S._______. Die ältere Tochter D._______ habe eine  Lehre  im  (Name Geschäft)  in  T._______  angefangen,  diese  jedoch  vor  kurzem  abgebrochen,  damit  sie  der  mit  dem  Haushalt  überforderten  Mutter  helfen  könne. Sie  sei  zum Zeitpunkt  der Eingabe  auf  der Suche  nach  einer  Lehrstelle  in  S._______  gewesen,  damit  sie  ihre  Lehre  dennoch  abschliessen  könne,  wobei  sie  bereits  zu  Vorstellungsgesprächen  eingeladen  worden  sei.  Beigelegt  wurden  eine  Bestätigung von C._______'s Primarschullehrerin, Frau U._______, eine  Bestätigung  von  Frau  V._______  des  (Name  Geschäft)  sowie  die  Lehrzeugnisse  der  Tochter  D._______.  Die  Beschwerdeführerin  B._______ sei seit mehr als 3 Jahren im "(psychiatrische Klinik)" (CCPP)  in  T._______  in  regelmässiger  Behandlung.  Für  die  Einreichung  eines  aktuellen Arztberichtes wurde um Fristerstreckung ersucht. N.  Mit  Eingabe  vom  26.  Januar  2011  reichten  die  Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  das  Scheidungsurteil  des  Richteramtes  R._______ vom 1. Dezember 2009 ein. O.  Die Beschwerdeführenden legten sodann durch ihren Rechtsvertreter, mit  Eingabe vom 24. Februar 2011, den Arztbericht von Dr. W._______ des  CCPP vom 23. Februar 2011 ins Recht.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 

E­4409/2007 E­4410/2007 des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerden  sind  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtenen  Verfügungen  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1,  Art. 50 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich der  Überschreitung  oder  des  Missbrauchs  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Beschwerdeführenden  hatten  in  ihren  Beschwerden  beantragt,  E._______  sei  gestützt  auf  Art.  51  AsylG  in  das  Asylverfahren  seiner  Familie  mit  einzubeziehen,  da  er  zum  Zeitpunkt  der  Einreichung  des  Asylgesuches  minderjährig  gewesen  sei  (vgl.  Prozessgeschichte  Bst.  E.a).  Gemäss  Art.  51  Abs.  1  AsylG  werden  Ehegatten  von  Flüchtlingen  und  deren minderjährige  Kinder  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  erhalten  Asyl  (sofern  keine  besonderen  Umstände  dagegen  sprechen).  Die  Prüfung  eines solchen – derivativen – Anspruchs setzt indessen die Anerkennung  der Flüchtlingseigenschaft der Eltern (beziehungsweise Ehegatten) nach  Art. 3 AsylG voraus. Für die Anerkennung des Familienasyls ist nach der  Praxis die Minderjährigkeit des Kindes zum Zeitpunkt der Einreise  in die  Schweiz  entscheidend  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 

E­4409/2007 E­4410/2007 Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 18 E. 14. e.).  Folglich ist die Minderjährigkeit von E._______ zur Zeit der Einreise in die  Schweiz nur relevant, falls seinen Eltern Asyl gewährt wird; sein Einbezug  in das Asylverfahren seiner Familie kann sich hingegen nicht auf Art. 51  Abs. 1 AsylG stützen.  Angesichts  des  engen  persönlichen  Zusammenhanges  der  beiden  Verfahren  erscheint  dem  Bundesverwaltungsgericht  ihre  Vereinigung  allerdings  angezeigt.  Es  ergeht  vorliegend  betreffend  beider  Verfahren  somit ein einziger Entscheid. 4.  Die  Beschwerdeführenden  rügen  in  formeller  Hinsicht  vorab  eine  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes  durch  das  BFM  sowie  ihres  rechtlichen Gehörs (vgl. Prozessgeschichte Bst. E).  4.1.  Im  Verwaltungsverfahren  gelten  der  Untersuchungsgrundsatz  und  die  Pflicht  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art. 12  VwVG;  vgl.  auch  Art. 49  Bst. b  VwVG;  für  das  Asylverfahren  ausserdem  Art. 6  AsylG).  Die  zuständige  Behörde  ist  demnach  verpflichtet,  den  für  die  Beurteilung  eines  Asylgesuchs  relevanten  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  festzustellen.  Dieser Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat  in  der Mitwirkungspflicht  der  asylsuchenden  Person  (Art. 13  VwVG  und  Art. 8 AsylG). Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV,  Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt dabei, dass die verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig  und  ernsthaft  prüft  und  in  der  Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung  niederschlagen  muss  (EMARK 2004 Nr. 38 E. 6.3 S. 264). Die Begründungsdichte richtet sich  dabei nach den Verfahrensumständen, dem Verfügungsgegenstand und  den  Interessen  der  Betroffenen,  wobei  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  der  Betroffenen  –  was  bei  der  Frage  der  Gewährung  des Asyls  immer  der  Fall  ist  –  eine  sorgfältige Begründung  verlangt  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichtes  [BVGE]  2008  Nr.  47  E. 3.2  S.  674  f.;  EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1 S. 256 f.). Die Abfassung der Begründung soll  ferner  dem  Betroffenen  ermöglichen,  den  Entscheid  gegebenenfalls  sachgerecht  anzufechten,  was  nur  der  Fall  ist,  wenn  sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite  des  Entscheides ein Bild machen können, wobei sich die verfügende Behörde 

E­4409/2007 E­4410/2007 allerdings nicht ausdrücklich mit  jeder  tatbeständlichen Behauptung und  jedem  rechtlichen Einwand  auseinander  setzen muss,  sondern  sich  auf  die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann. 4.2.  Soweit  vorliegend  vorgebracht  wird,  die  Vorinstanz  habe  den  Sachverhalt  unrichtig  festgestellt,  weil  sie  die  geltend  gemachte  Vergewaltigung  der  Beschwerdeführerin  unter  Ignorierung  der  Anhaltspunkte,  die  für  die  Richtigkeit  ihrer  Angaben  sprächen,  als  unglaubhaft erachtet und die von den Beschwerdeführenden am 12. Juli  2005 offerierten Beweismittel – ein Arztzeugnis und eine Polizeivorladung  – mit  dem  pauschalen  Hinweis  auf  einen  möglichen  käuflichen  Erwerb  derartiger  Dokumente  in  deren  Heimatland  und  orthographische  und  grammatikalische  Mängel  als  Fälschungen  qualifiziert,  ist  festzustellen,  dass  den  Akten  keine  Hinweise  zu  entnehmen  sind,  wonach  das  BFM  den  Sachverhalt  ungenügend  festgestellt  beziehungsweise  sich  mit  diesem nicht auseinandergesetzt hätte. Es hat vielmehr  im Rahmen der  Glaubhaftigkeitsprüfung  nach  Art.  7  AsylG  sowohl  die  Vorbringen  zur  Vergewaltigung wie  auch die  eingereichten Beweismittel  geprüft. Hierzu  ist  festzuhalten,  dass  die  vorgenannten  Beweismittel  im  Original  vom  BFM  entgegengenommen  und  in  einem  paginierten  Beweismittelumschlag (vgl. D6/1)  im Dossier abgelegt wurden. Es  findet  sich  des  Weiteren  eine  handschriftliche  deutsche  Übersetzung  der  Dokumente  im  Briefumschlag,  welche  zeigt,  dass  die  Vorinstanz  eine –  wenn  auch  rudimentäre  –  inhaltliche  Prüfung  der  Unterlagen  vorgenommen  hat.  Schliesslich  ist  sie  der  ihr  obliegenden  Begründungspflicht  mit  dem  Hinweis  auf  die  festgestellten  Fälschungsmerkmale nachgekommen. Damit beschlägt die Einschätzung  der  Vorinstanz  zur  Echtheit  der  Beweismittel  beziehungsweise  der  Glaubhaftigkeit der angeblichen Vergewaltigung nicht die Abklärung des  Sachverhalts,  sondern  dessen  rechtliche  Würdigung.  Der  Sachverhalt  wurde  von  der  Vorinstanz  somit  nicht  ungenügend  festgestellt  und  der  vorinstanzliche Entscheid konnte von den Beschwerdeführenden sodann  sachgerecht angefochten werden. 4.3. Zusammenfassend steht fest, dass keine Verletzung des rechtlichen  Gehörs zu erkennen ist, also kein Verfahrensmangel vorliegt.  5.  5.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 

E­4409/2007 E­4410/2007 wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.3. Glaubhaftmachung  im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet –  im  Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend  ist,  ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  gesuchstellerischen  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Entscheide  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  1  E.  5a).  Eine  wesentliche  Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist  eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte,  im Wesentlichen  widerspruchsfreie  und  konkrete  Schilderung  der  dargelegten  Vorkommnisse.  Die  wahrheitsgemässe  Schilderung  einer  tatsächlich  erlittenen  Verfolgung  ist  gekennzeichnet  durch  Korrektheit,  Originalität,  hinreichende  Präzision  und  innere  Übereinstimmung.  Unglaubhaft  wird  eine  Schilderung  von  Erlebnissen  insbesondere  bei  wechselnden,  widersprüchlichen,  gesteigerten  oder  nachgeschobenen Vorbringen.  Bei  der  Beurteilung  der  Glaubhaftmachung  geht  es  um  eine  Gesamtbeurteilung  aller  Elemente  (Übereinstimmung  bezüglich  des  wesentlichen  Sachverhaltes,  Substantiiertheit  und  Plausibilität  der  Angaben,  persönliche  Glaubwürdigkeit  usw.),  die  für  oder  gegen  den  Gesuchsteller  sprechen.  Glaubhaft  ist  eine  Sachverhaltsdarstellung,  wenn  die  positiven  Elemente  überwiegen.  Für  die  Glaubhaftmachung  reicht  es  demnach  nicht  aus,  wenn  der  Inhalt  der  Vorbringen  zwar  möglich  ist,  aber  in Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und  überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte  Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a).

E­4409/2007 E­4410/2007 5.4. Gemäss der Praxis sind Widersprüche nur der Glaubwürdigkeit einer  Person  abträglich,  wenn  sie  wesentliche  Punkte  der  Asylbegründung  betreffen, d.h. gravierend sind insbesondere abweichende Darstellungen  bezüglich  Zeitpunkt,  Umfang  und  Ursache  der  geltend  gemachten  Verfolgung, mithin  solche die der Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft  dienen;  eine  untergeordnete  Rolle  spielen  gemäss  der  Rechtsprechung  deshalb Ungereimtheiten bezüglich Reiseweg und Umstände der Flucht  (vgl.  hierzu  EMARK  1993  Nr.  6).  Ferner  dürfen  Widersprüche,  die  zwischen  Befragungen  bei  der  Empfangsstelle  und  beim  Bund  entstanden  sind,  nur  dann  für  die  Beurteilung  der  Glaubwürdigkeit  herangezogen  werden,  wenn  klare  Aussagen  diametral  voneinander  abweichen  oder  wenn  bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen,  die  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  im  EVZ  zumindest  ansatzweise  erwähnt  werden.  Keine  entscheidrelevante  Bedeutung haben  in der Empfangsstellenbefragung gemachte Angaben,  welche  sich  im  Vergleich  zu  späteren  Vorbringen  als  blosse  Unvollständigkeiten  und  unwesentliche  Abweichungen  erweisen  (vgl.  EMARK 1993 Nr. 3).  6.  6.1.  Die  Vorinstanz  begründete  die  Unglaubhaftigkeit  des  letztlich  fluchtauslösenden Ereignisses, die geltend gemachte Vergewaltigung der  Beschwerdeführerin,  im  Wesentlichen  damit,  dass  insbesondere  die  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  widersprüchlich  ausgefallen  seien.  Dabei  würde  es  sich  nicht  um  kleine  Unterschiede,  die  sich  bei  der  mehrmaligen  Schilderung  ein  und  desselben  Ereignisses  durchaus  ergeben könnten, sondern um ganz und gar entgegengesetzte Aussagen  handeln. Diese würden einerseits den Zeitpunkt der Vergewaltigung – im  EVZ  habe  sie  ausgesagt,  sie  sei  am  15.  Juni  2005  um  ca.  23  Uhr  vergewaltigt  worden,  wohingegen  sie  an  der  Bundesanhörung  angab,  diese  sei  am 17.  Juni  2005 am Nachmittag  geschehen –  anderseits  ihr  Vorgehen nach der geltend gemachten Vergewaltigung betreffen. Im EVZ  habe die Beschwerdeführerin angegeben, sie habe sich nach dem Vorfall  zum Nachbarn  begeben,  um  von  dort  aus  die  Polizei  zu  avisieren.  Die  Polizei  habe  ihr  sodann mitgeteilt,  sie  solle  zwecks  Anzeigenerstattung  am  nächsten  Tag  auf  dem Polizeiposten  vorbeikommen.  Anlässlich  der  Bundesanhörung  habe  die  Beschwerdeführerin  hingegen  zu  Protokoll  gegeben, sie habe sich noch am selben Tag – vor der Dämmerung – auf  den Polizeiposten begeben.  Im Widerspruch dazu habe  ihr Ehemann zu  Protokoll  gegeben,  er  habe  von  zu  Hause  aus  telefonisch  die  Polizei  avisiert; die Polizei sei am selben Tag zu  ihnen nach Hause gekommen  und habe ein Protokoll aufgenommen. Die Vorinstanz stellte  ferner  fest, 

E­4409/2007 E­4410/2007 dass  die  Beschwerdeführerin  bei  der  Bundesanhörung  –  bei  der  Schilderung  des  Ablaufes  der  Vergewaltigung  –  ein  vorgängig  im  EVZ  erwähntes  Detail  (Verletzung  eines  Angreifers  mit  einem Messer)  nicht  erwähnt habe. Die Beschwerdeführenden hätten sich auch  in Bezug auf  ihre daraufhin angetretene Reise nach K._______ widersprochen. 6.2.  Demgegenüber  machen  die  Beschwerdeführenden  auf  Beschwerdeebene  geltend,  zu  Gunsten  der  Glaubhaftigkeit  ihrer  Vorbringen  spräche  zum  Einen,  dass  sie  den  Zeitpunkt  der  Vergewaltigung (am 15. Juni 2005 um ca. 23 Uhr) und deren Meldung bei  der Polizei  (am nächsten  Tag)  anlässlich  der  ersten Befragung  im EVZ  wesentlich  übereinstimmend  angegeben  hätten.  Zum  Anderen  spräche  zu  Gunsten  der  persönlichen  Glaubwürdigkeit  der  Beschwerdeführerin,  dass  sie  die  Vergewaltigung  jeweils  detailliert  geschildert  habe,  "was  jemandem bei einer erfundenen Geschichte wohl kaum einfallen würde".  Die  Bundesanhörung  habe  ferner  rund  zwei  Jahre  nach  der  ersten  Anhörung  im  EVZ  stattgefunden,  so  dass  Abweichungen  in  den  Aussagen  aufgrund  des  natürlich  eingeschränkten  Erinnerungsvermögens  unvermeidlich  seien.  Insbesondere  seien  die  widersprüchlichen  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  aber  auf  ihre  psychische  Erkrankung  zurückzuführen,  aufgrund  derer  allfällige  Wahrnehmungsprobleme  (im EVZ habe sie ausgesagt,  sie sei nach der  Vergewaltigung  "nicht  gleich  zu  sich  gekommen",  vgl.  D2/10  S.  6)  und/oder  Realitätsverdrängungen möglich  seien.  Es  sei  erwiesen,  dass  traumatisierte  Personen  sich  nicht  mehr  konkret  an  den  genauen  Geschehensablauf und die Umstände des traumatisierenden Ereignisses  erinnern  könnten.  Bei  der  Beschwerdeführerin  sei  eine  diesbezügliche  posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert worden. Diese  Diagnose und der Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin über einen  so  langen  Zeitraum  in  Therapie  befände,  sprächen  dafür,  dass  sie  die  geltend  gemachte  Vergewaltigung  erlebt  habe.  In  der  Replik  vom  20.  Dezember  2007  (vgl.  Prozessgeschichte  Bst. I.)  wiesen  die  Beschwerdeführenden  zusätzlich  darauf  hin,  dass  verschiedene  Personen  ein  Ereignis  unterschiedlich  wahrnehmen,  verarbeiten  und  verbalisieren würden. Es sei daher als  Indiz  für  ihre Glaubwürdigkeit  zu  werten,  dass  "innerhalb  einer  Familie  nicht  alle  Mitglieder  formelhaft  dieselben  Angaben  machen,  sondern  die  erlebten  Sachverhalte  so  wiedergäben, wie  sie  sie  in Erinnerung hätten". Schliesslich würden bei  der  Protokollierung  und  der  damit  verbundenen  Übersetzung  der  Originalaussagen gewisse bedeutungsmässige Abweichungen entstehen,  welche nicht den Beschwerdeführenden angelastet werden dürften. 

E­4409/2007 E­4410/2007 6.3.  Nach  Prüfung  der  Akten  sind  tatsächlich  Ungereimtheiten  in  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden  festzustellen,  welche  nicht  als  unwesentlich  bezeichnet  werden  können,  zumal  sie  einen wesentlichen  Punkt der Asylbegründung, nämlich die fluchtauslösende Vergewaltigung  betreffen.  Zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  ist  dabei  auf  die  diesbezüglich  zutreffenden Erwägungen  des BFM zu  verweisen  (vgl.  E.  6.1).  Dabei  vermögen  die  auf  Beschwerdeebene  dagegen  gehaltenen  Erklärungen  der  Beschwerdeführenden,  Personen  würden  Ereignisse  unterschiedlich wahrnehmen und verbalisieren, bei Protokollierungen und  nachfolgender  Übersetzung  fremdsprachiger  Aussagen  könnten  bedeutungsmässige  Abweichungen  entstehen  sowie  nach  einer  2­ jährigen  Zeitspanne  würden  natürlicherweise  Erinnerungslücken  auftauchen,  die  diametral  entgegengesetzten  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  nicht  zu  erklären,  zumal  sie  nicht  konkretisiert  werden. Ferner  vermag auch die eingereichte Polizeivorladung  vom 16.  Juni  2005  (vgl.  Prozessgeschichte  oben  Bst.  B.b)  nichts  zu  belegen.  Dieser  ist  lediglich  zu  entnehmen,  dass  in  das  Haus  der  Beschwerdeführenden  eingedrungen  und  die  Beschwerdeführerin  von  zwei Unbekannten attackiert worden sei. Eine Vergewaltigung wird nicht  erwähnt.  Indessen  spricht  zugunsten  der  Sachverhaltsdarstellung  der  Beschwerdeführerin,  dass  sie  die  angeblich  erlittene Vergewaltigung  im  EVZ  in  detaillierter  Weise  geschildert  hat,  was  in  der  Regel  für  die  Glaubwürdigkeit einer Person spricht (vgl. Ausführungen oben in E. 5.3.).  Im  Weiteren  ist  den  Arztberichten  von  Dr.  med.  N._______  vom  21. Juli 2007,  von  Dr.  Q._______  vom  26.  Januar  2008  und  von  Dr.  W._______  vom  23.  Februar  2011  zu  entnehmen,  dass  die  Beschwerdeführerin aufgrund der angeblich erlittenen Vergewaltigung an  einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Hierzu muss  festgehalten werden,  dass Ausführungen der Fachärzte,  soweit  sie  sich  zur  Ursächlichkeit  der  festgestellten  Krankheitsbilder  äussern, –  notgedrungen  –  alleine  auf  die  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin  abstützen.  Die  übereinstimmenden  Aussagen  der  Sachverständigen,  dass die posttraumatische Belastungsstörung von der geltend gemachten  Vergewaltigung  herrühre,  sind  ein  starkes  Indiz  für  die  Glaubhaftigkeit  dieses erlittenen Nachteils, zumal auch dem serbischen Arztzeugnis vom  17.  Juni  2005  Feststellungen  von  Verletzungen  im  Schambereich  der  Beschwerdeführerin  zu  entnehmen  sind.  Das  Zeugnis  attestiert  Quetschungen  und  Schwellungen  im  äusseren  vaginalen  Öffnungsbereich,  welche  gemäss  Angaben  der  Beschwerdeführerin  auf  nicht­gewollten  Geschlechtsverkehr  zurückzuführen  sei.  Zur 

E­4409/2007 E­4410/2007 Einschätzung  des  BFM,  dieses  sei  angesichts  der  notorischen  Käuflichkeit  solcher  Dokumente  sowie  orthographischer  und  grammatikalischer Mängel als offensichtlich gefälscht zu erachten,  ist zu  bemerken,  dass  Dr.  L._______–  der  im  Ärztezeugnis  genannte  Gynäkologe  aus  F._______  –  im  Internet  unter  der  im  Zeugnis  aufgeführten  Adresse  und  Telefonnummer  zu  finden  ist,  er  mithin  zu  existierten  scheint.  Somit  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  das  vorgelegte  Artzeugnis  als  authentisch  und  als  Indiz  dafür,  dass  eine  Vergewaltigung stattgefunden hat.  6.4.  Nach  dieser  Gesamtwürdigung  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  den  sexuellen  Übergriff  auf  die  Beschwerdeführerin als glaubhaft gemacht.  Ob  die  Vergewaltigung  allerdings  im  Zusammenhang  steht  mit  den  geltend  gemachten  Erpressungen  des  Beschwerdeführers  und,  ob  sie  sich  tatsächlich  in  der  geschilderten  Weise  ereignet  hat,  kann  letztlich  offen  bleiben,  denn  die  diesbezüglichen  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden sind – wie nachfolgend aufgezeigt wird – als nicht  asylrelevant zu erachten.  7.  7.1.  Nach  Lehre  und  Praxis  ist  für  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  erforderlich,  dass  die  asylsuchende  Person  ernsthafte  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat,  beziehungsweise solche  im Falle einer Rückkehr  in den Heimatstaat mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten  muss.  Die  Nachteile  müssen  der  asylsuchenden  Person  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  drohen  oder  zugefügt  worden  sein  (vgl.  W.  STÖCKLI,  §11  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hug  Yar/Geiser  (Hrsg.), Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, S. 521 – 588, S. 525 ff.).  Nach der sogenannten Schutztheorie  (vgl. EMARK 2006 Nr. 18 S. 180)  kann eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG von staatlichen  und  nichtstaatlichen  Akteuren  ausgehen.  Danach  ist  nichtstaatliche  Verfolgung als Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes zu erachten, wenn  der Staat  unfähig oder nicht willens  ist, Schutz  vor besagter Verfolgung  zu  bieten.  Es  ist  dabei  nicht  eine  faktische  Garantie  für  langfristigen  individuellen  Schutz  der  von  nichtstaatlicher  Verfolgung  bedrohten  Person  zu  verlangen, weil  es  keinem Staat  gelingen  kann,  die  absolute  Sicherheit  seiner  Bürgerinnen  und  Bürger  jederzeit  und  überall  zu  garantieren. Erforderlich ist aber, dass eine funktionierende und effiziente  Schutzinfrastruktur  zur  Verfügung  steht,  wobei  in  erster  Linie  an 

E­4409/2007 E­4410/2007 polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts­ und  Justizsystem zu denken ist, das eine effektive Strafverfolgung ermöglicht.  Die  Inanspruchnahme  dieses  Schutzsystems  muss  der  betroffenen  Person  zudem  objektiv  zugänglich  und  individuell  zumutbar  sein,  was  jeweils  im  Rahmen  einer  Einzelfallprüfung  unter  Berücksichtigung  des  länderspezifischen Kontexts zu beurteilen ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 18 E.  10.2 S. 202f.; EMARK 2006 Nr. 32 E. 6.1 S. 340 f.). Die Anerkennung der  Flüchtlingseigenschaft  setzt  ferner  voraus,  dass  die  betroffene  Person  einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und nicht in einem anderen  Teil  ihres  Heimatstaates  um  effektiven  Schutz  nachsuchen  kann  (vgl.  EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.3.1. f. S. 203 mit weiteren Hinweisen). 7.2. Da es sich im vorliegenden Fall bei den Verfolgern gemäss Angaben  der  Beschwerdeführenden  um Mitglieder  der  "serbischen Mafia",  mithin  um Privatpersonen handelt, kann die asylrechtliche Relevanz der geltend  gemachten Übergriffe – vorausgesetzt die andern Voraussetzungen von  Art.  3  AsylG  sind  erfüllt  –  nur  bejaht  werden,  wenn  die  Behörden  im  entsprechenden  Staat  um  Schutz  ersucht  wurden,  diese  einen  solchen  allerdings nicht zur Verfügung stellten. 7.2.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  verkennt  nicht,  dass  Roma  in  Serbien  vereinzelt  unter  diskriminierendem  Verhalten  von  Behördenmitgliedern  zu  leiden  haben.  Demgegenüber  muss  aber  beachtet  werden,  dass  der  serbische  Staat  –  wie  von  der  Vorinstanz  richtig  festgestellt  –  sowohl  über  polizeiliche  Aufgaben  wahrnehmende  Organe  als  auch  über  ein  Rechts­  und  Justizsystem  verfügt. Weiter  ist  festzuhalten,  dass  der  Bundesrat  mit  Beschluss  vom  6.  März  2009  (in  Kraft seit dem 1. April 2009) Serbien zum "safe country" im Sinne von Art.  6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  erklärt  hat,  in  welchem  nach  seinen  Feststellungen  somit  Sicherheit  vor  Verfolgung  besteht.  Die  vorinstanzliche Feststellung,  die  geltend gemachten Vorfälle  seien auch  in  Serbien  strafrechtlich  geahndet  und  hätten  auf  Anzeige  hin  auch  strafrechtlich  verfolgt  werden  können,  ist  zu  bestätigen.  Ebenso  ist  der  Vorinstanz insoweit zuzustimmen, als bei Unterlassen der Einleitung von  notwendigen  Untersuchungsmassnahmen  durch  Beamte  grundsätzlich  die Möglichkeit besteht gegen diese auf dem Rechtsweg vorzugehen.  7.2.2.  Vorliegend  haben  die  Beschwerdeführenden  zwar  wegen  der  geltend  gemachten  Vergewaltigung  Anzeige  bei  der  Polizei  erstattet.  Allerdings  haben  sie  dann  der  Aufforderung,  nochmals  auf  dem  Polizeiposten  zu  erscheinen,  um  die  Anzeige  zu  konkretisieren,  keine  Folge geleistet. Auch  soll  sich die Polizei  bei  der  ersten Protokollierung 

E­4409/2007 E­4410/2007 des Vorfalls gemäss den Angaben der Beschwerdeführenden zwar nicht  unbedingt zuvorkommend verhalten haben (vgl. D19/11 S. 9 und D18/10  S.  7),  hingegen wurden  keine  gegen  sie  gerichtete Schikanen  oder  gar  Drohungen  durch  die  Polizei  angeführt.  Es  sind  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden also keine Hinweise zu entnehmen, dass sie sich  mit  einer  Strafanzeige  der  konkreten  Gefahr  weiterer  (oder  anderer)  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  hätten.  Folglich  konnten  sie  nicht  glaubhaft  darlegen,  inwiefern  es  ihnen  nicht  zuzumuten  gewesen wäre,  das innerstaatliche Schutzsystem in Anspruch zu nehmen.  7.2.3. Es ist demnach der Vorinstanz zuzustimmen, dass im vorliegenden  Fall  vom  Schutzwillen  und  der  weitgehenden  Schutzfähigkeit  der  serbischen Behörden auszugehen ist und die asylrechtliche Relevanz der  geltend  gemachten  Übergriffe  somit  nicht  bejaht  werden  kann.  Auch  hinsichtlich  der  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  allgemeinen  Schikanen  und  Benachteiligungen  aufgrund  ihrer  Zugehörigkeit  zur  Ethnie  der  Roma  hat  die  Vorinstanz  zu  Recht  festgestellt, diese seien mangels Verfolgungsintensität nicht asylrelevant.  Angesichts  dieser  Sachlage  kann  die  Frage  offen  bleiben,  ob  den  Beschwerdeführenden  –  wie  von  der  Vorinstanz  erwogen –  beispielsweise  in  K._______,  dem  Wohnsitz  der  Eltern  der  Beschwerdeführerin, eine  innerstaatliche Fluchtalternative zur Verfügung  gestanden hätte.  7.3.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  relevante  Verfolgung  glaubhaft  zu  machen.  Somit  sind  die  angefochtenen  Verfügungen vom 29. Mai 2007 insoweit zu bestätigen, als die Vorinstanz  gestützt  auf  Art.  7  und  Art. 3 AsylG  das  Bestehen  der  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden  verneint  und  deren  Asylgesuche abgelehnt hat.  7.4.  Angesichts  dieser  Sachlage  ist  der  Antrag  der  Beschwerdeführenden, E._______ sei gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG  "in das Verfahren seiner Familie mit einzubeziehen" (vgl. dazu E. 3.) als  gegenstandslos geworden zu erachten.  8.  8.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu  berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

E­4409/2007 E­4410/2007 Nachdem  die  Ablehnung  des  Asylgesuches  zu  bestätigen  ist  und  die  Beschwerdeführenden – abgesehen vom bisherigen Asylbewerberstatus  – keinen  ausländerrechtlichen  Aufenthaltstitel  besitzen  oder  beanspruchen  können  (Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung  1  vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311])  –  dies  gilt  auch  für  A._______,  der  durch  die  Heirat  mit  P._______  keinen  gefestigten  Aufenthaltstitel  erwarb  –,  ist  auch  die  Anordnung  der  Wegweisung rechtmässig erfolgt.  8.2.  Ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  möglich,  nicht  zulässig  oder  nicht  zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG,  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2006 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 8.3.  Der  Vollzug  ist  nicht  möglich,  wenn  die  Ausländerin  oder  der  Ausländer weder in den Herkunfts­ oder in den Heimatstaat noch in einen  Drittstaat  ausreisen  oder  dorthin  gebracht  werden  kann.  Er  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­ oder in einen Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann für  Ausländerinnen oder Ausländer unzumutbar sein, wenn sie in Situationen  wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  konkret  gefährdet  sind  (Art.  83  Abs.  2  ­  4  AuG). 8.4. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug  der  Wiedererwägung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind  alternativer Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009  Nr.  51  E.  5.4.  mit  weiteren Hinweisen). Bei der Prüfung der drei genannten Kriterien ist auf  die im Entscheidzeitpunkt bestehenden Verhältnisse abzustellen (EMARK  1997 Nr. 27 E. 4 f. S. 211). 8.5. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 

E­4409/2007 E­4410/2007 die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). Art. 83 Abs. 4 AuG stellt eine Kodifizierung der bisherigen Praxis  zur konkreten Gefährdung nach Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom  26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG,  BS 1 121) dar (vgl. P. BOLZI, in: SPESCHA/THÜR/ZÜND/BOLZLI, Kommentar  Migrationsrecht,  Zürich  2008,  Nr.  15  zu  Art.  83  AuG,  mit  Hinweisen).  Dieser Praxis  zufolge wird  aus  humanitären Gründen,  nicht  in Erfüllung  völkerrechtlicher Pflichten der Schweiz, auf den Vollzug der Wegweisung  verzichtet,  wenn  die  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  für  die  betroffene  Person eine konkrete Gefährdung darstellt. Eine solche Gefährdung kann  angesichts  der  im  Heimatland  herrschenden  allgemeinen  politischen  Lage,  die  sich  durch  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  durch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  kennzeichnet,  oder  aufgrund  anderer  Gefahrenmomente, wie beispielsweise einer notwendigen, aber dort nicht  durchführbaren medizinischen Behandlung, angenommen werden. 8.6. Angesichts  der  heutigen  Lage  in  Serbien  kann  gemäss  konstanter  Praxis  nicht  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  oder  kriegerischen  respektive bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen werden. Zur  Lage  der  Roma  in  Serbien  hat  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Urteil  E­4115/2006  vom  18.  September  2009  ausführlich  geäussert.  Es  stellte unter anderem fest, aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit seien  Roma  generell  unterschiedlichsten  Schikanen  und  Diskriminierungen  ausgesetzt  und  ihre  Lage  in  wirtschaftlicher  und  sozialer  Sicht  sei  allgemein  schwierig  (vgl.  BVGE  2009  Nr.  51  E.  5.7.2.).  Auch  wenn  Übergriffe  von  Privatpersonen  auf  Angehörige  der  Roma  und  teilweise  behördliche  Schikanen  sowie  Diskriminierungen  also  nicht  völlig  ausgeschlossen  werden  können,  erreichen  diese  hingegen  im  Allgemeinen  nicht  ein  Ausmass,  welches  den  Wegweisungsvollzug  in  jedem  Fall  als  unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  statt  vieler  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichtes D­5714/2009 vom 13. November 2009). Die  Rückkehr  der  Beschwerdeführerenden  nach  Serbien  ist  somit  grundsätzlich als zumutbar zu betrachten.  8.7. Vor diesem Hintergrund gilt es den Wegweisungsvollzug der Familie  im  Allgemeinen  und  insbesondere  denjenigen  der  heute  (voll)  und  (minder) ­jährigen gemeinsamen Kinder näher zu betrachten.  8.7.1.  Im  Zusammenhang  mit  der  persönlichen  Situation  der  Beschwerdeführenden  fällt nicht zuletzt deren  lange Anwesenheitsdauer 

E­4409/2007 E­4410/2007 in  der  Schweiz  ins Gewicht.  Die  Beschwerdeführenden  halten  sich  seit  ihrer zweiten Einreise vom 23. Juni 2005, mithin seit bald 6 Jahren, in der  Schweiz  auf.  C._______  gelangte  im  Alter  von  (Alter)  Jahren  in  die  Schweiz  und  ist  heute  fast  (Alter)  Jahre  alt;  ihre  Schwester  D._______  war  im  Zeitpunkt  der  zweiten  Einreise  (minder)  ­jährig  und  ihr  Bruder  E._______  (minder)  ­jährig.  Zuvor  hatte  sich  die  ganze  Familie  aber  bereits fast zwei Jahre, nämlich vom 27. März 2000 bis 24. Juli 2002 (vgl.  Prozessgeschichte Bst. A. oben), in der Schweiz aufgehalten. 8.7.2. Sind  von  einem  allfälligen Wegweisungsvollzug  Kinder  betroffen,  so  bildet  im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen  Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zuletzt  aus einer  völkerrechtskonformen Auslegung  von Art.  83 Abs.  4 AuG  im  Lichte von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die  Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls  sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die  im  Hinblick  auf  eine Wegweisung  wesentlich  erscheinen.  In  Bezug  auf  das  Kindeswohl  können  für  ein  Kind  namentlich  folgende  Kriterien  im  Rahmen  einer  gesamtheitlichen  Beurteilung  von  Bedeutung  sein:  Alter,  Reife,  Abhängigkeiten,  Art  (Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit)  seiner  Beziehungen,  Eigenschaften  seiner  Bezugspersonen  (insbesondere  Unterstützungsbereitschaft und ­fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich  Entwicklung  bzw.  Ausbildung,  sowie  der  Grad  der  erfolgten  Integration  bei  einem  längeren Aufenthalt  in  der Schweiz. Gerade  letzterer Aspekt,  die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung  der  Chancen  und  Hindernisse  einer  Reintegration  im  Heimatland  bei  einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten  Grund  aus  einem  einmal  vertrauten  Umfeld  herausgerissen  werden  sollten.  Dabei  ist  aus  entwicklungspsychologischer  Sicht  nicht  nur  das  unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu  berücksichtigen,  sondern  auch  dessen  übrige  soziale  Einbettung.  Die  Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke  Integration  in der Schweiz mithin eine Entwurzelung  im Heimatstaat  zur  Folge  haben  kann,  welche  unter  Umständen  die  Rückkehr  dorthin  als  unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009 Nr. 51 E. 5.6, BVGE 2009  Nr. 28 E. 9.3.2 S. 367 f., EMARK 2006 Nr. 24 E. 6.2.3, EMARK 2005 Nr.  6 E. 6 S. 55 ff.). Das  vorliegend  vom Wegweisungsvollzug  betroffene minderjährige Kind  C._______  hat  einen  Lebensabschnitt  in  der  Schweiz  verbracht,  der  seine  Persönlichkeit  nachhaltig  geprägt  haben  dürfte.  Im 

E­4409/2007 E­4410/2007 Bestätigungsschreiben  ihrer  Grundschulerin  Frau  U._______  vom  10.  Januar  2011  –  wonach  C._______  seit  dem  23.  Januar  2006  ununterbrochen  die  Primarschulde  in  S._______  besucht  habe  –  wird  C._______  als  höfliche,  angenehme  und  sorgfältige  Schülerin  beschrieben.  Sie  partizipiere  am  Unterricht  und  sei  immer  bereit  ihren  Kammeraden  oder  ihrer  Lehrerin  auszuhelfen.  Dieses  Bestätigungsschreiben zeigt klar auf, dass die Integration von C._______  seit  der  Einreise  im  23.  Juni  2005  stetig  fortgeschritten  ist  und  sich  unterdessen  eine  Adaptation  an  tragende  Vorstellungen  der  schweizerischen  Kultur  und  Lebensweise  vollzogen  hat.  Hinweise,  wonach  ihre  Eltern  eine  derartige  Entwicklung  zu  verhindern  versucht  hätten, sind nicht aktenkundig. Gerade der Besuch der Schule über einen  Zeitraum  von  mehreren  Jahren  hinweg,  die  natürliche  Interaktion  mit  Klassenkameradinnen  und  ­kameraden  sowie  das  sukzessive  Erlernen  der  französischen  Sprache  dürfte  bei  C._______  eine  weitreichende  Anpassung an die  schweizerische Lebensweise bewirkt  haben,  so dass  die  abrupte  und  künstliche  Trennung  vom  gewohnten  Umfeld  sich  zwangsläufig  als  schwere  Hypothek  für  ihre  individuelle  Entwicklung  auswirken würde. Auch angesichts  der  kulturellen Differenzen  zwischen  der  Schweiz  und Serbien wäre  ihre Reintegration  in  Frage  gestellt.  Für  C._______ dürfte der Umgang mit den in Serbien verbreiteten kulturellen  Gepflogenheiten  klar  in  den  Hintergrund  getreten  sein.  Es  besteht  bei  dieser Sachlage für sie die erhebliche Gefahr, dass die mit einem Vollzug  der  Wegweisung  verbundene  Entwurzelung  aus  dem  gewachsenen  sozialen  Umfeld  in  der  Schweiz  einerseits  und  die  sich  gleichzeitig  abzeichnende  Problematik  einer  Reintegration  in  die  ihr  weitgehend  fremde respektive  fremdgewordene Kultur und Umgebung anderseits zu  starken Belastungen in ihrer jugendlichen Entwicklung führen würden, die  mit  dem  Schutzanliegen  des  Kindeswohls  nicht  vereinbar  wären  (vgl.  BVGE 2009 Nr. 28 E. 9.3.4 S. 368 f., BVGE 2009 Nr. 51 E. 5.6 und 5.8.2,  EMARK 2005 Nr. 6 E. 7.1 S. 58 f.). 8.7.3. Auf die mittlerweile volljährigen Geschwister von C._______ ist die  KRK  nicht  anwendbar.  Die  Frage  der  Entwurzelung  kann  sich  aber  ebenso bei im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens volljährig gewordenen  Beschwerdeführern  stellen  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­7880/2006  vom  8.  Dezember  2010  E.  6.4.,  E­2236/2008  vom  7.  September 2010 E. 7.3.1., E­5901/2008 vom 5. August 2010 E. 7.5., D­ 4043/2006  vom 3. März  2010 E.  8.2.2.2., D­4571/2006  vom 1.  Februar  2010  E.  7.2.2.2.  und  E­5066/2006  vom  4.  Dezember  2009  E.  7.7.).  Abzuwägen sind dabei insbesondere die besonderen Bindungen, welche  die betreffende Person  im Aufenthaltsstaat eingegangen  ist,  in welchem 

E­4409/2007 E­4410/2007 die  massgebliche  Sozialisation  stattgefunden  und  in  welchem  sie  ihre  eigene Identität entwickelt hat. Die Gewichtung der Aufenthaltsdauer hat  sodann  der  Identität  und Prägung  des  Aufenthalts  Rechnung  zu  tragen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­7880/2006  vom  8.  Dezember 2010 E. 6.4). So  gilt  es  einerseits  zu  berücksichtigen,  dass  sie  zur  Zeit  der  ersten  Einreise  in  die  Schweiz  im  Jahre  2000  noch  minderjährig  waren –  E._______ war (Alter) und D._______ war (Alter) Jahre alt – und sie sich  (für  die  Dauer  des  ersten  Asylverfahrens)  in  dieser  für  sie  als  Kinder  prägenden  Zeit  mehr  als  2  Jahre  in  der  Schweiz  aufgehalten  hatten.  Während  dieses  Zeitraumes  besuchten  sie  gemäss  Aktenlage  ordnungsgemäss  den  Primarschulunterricht  an  den  Z._______  Stadtschulen  und  erlernten  in  dieser  Zeit  die  deutsche  Sprache  (vgl.  D  20/6 S. 4). Weiter gilt  es zu berücksichtigen, dass sie seit  ihrer zweiten  Einreise  in die Schweiz  (Mai 2005) bald sechs Jahre – und damit einen  erheblichen  Teil  ihrer  Adoleszenz  und  jungen  Erwachsenenlebens  –  in  der Schweiz verbracht haben. Die Lehrzeugnisse von D._______ und der  Umstand, dass E._______ selbstständig ein (Unternehmen) betreibt (mit  dessen  Umsatz  er  zum  Familienunterhalt  beiträgt),  zeugen  von  der  Tatsache,  dass  beide  in  der  Schweiz  vollumfänglich  integriert  sind.  Sie  sind beide mittlerweile des Französischen mächtig, wobei bei E._______  anzunehmen  ist,  dass  er  die  bereits  erworbenen  Deutschkenntnisse,  wenn nicht verbessern, so doch zumindest erhalten konnte (vgl. D20/6 S.  4). Der Umstand, dass die gesamte Familie gemeinsam in der Wohnung  in  S._______  lebt,  zeugt  davon,  dass  die  beiden  jungen  Erwachsenen  eine  enge  Beziehung  mit  ihren  Eltern  und  ihrer  jüngeren  Schwester  pflegen. Dies geht auch aus den Akten hervor (vgl. z.B. die Ausführungen  im  Arztzeugnis  von  Dr. Q._______  vom  26.  Januar  2008  in  Bezug  auf  D._______)  bzw.  erklärt  den  Umstand,  dass  D._______  ihre  Lehrstelle  kürzlich aufgegeben hat, um ihrer mit dem Haushalt überforderten Mutter  zu  helfen. Gemäss Angaben des Rechtsvertreters  sei  sie  allerdings  auf  der  Suche  nach  einer  neuen  Lehrstelle  –  in  der Nähe  ihres Wohnortes  S._______  –  um  die  angefangene  Lehre  beenden  zu  können.  Aus  den  Akten  geht  indessen  nicht  hervor,  dass  E._______  oder  D._______  in  den sechs Jahren ihres Aufenthaltes in der Schweiz eine mit den hiesigen  Bindungen  vergleichbare  Beziehung  mit  Bezugspersonen  ihres  Heimatlandes haben unterhalten können. Es ist folglich daraus zu schliessen, dass sie in erheblichem Mass durch  das hiesige kulturelle und soziale Umfeld geprägt worden sind und – nicht  anders  als  ihre  jüngere  Schwester  –  die  schweizerische  Lebensweise 

E­4409/2007 E­4410/2007 weitgehend adaptiert  haben. Sie würden heute  im Falle  einer Rückkehr  somit  aus  einer  Lebensstruktur  herausgerissen,  welche  sich  in  bedeutender Weise  von derjenigen  in Serbien unterscheiden dürfte  und  welche  während  der  letzten  Jahre  ihre  Persönlichkeitsentwicklung  und  ihren Alltag geprägt  hat. Die Verwurzelung  in der Schweiz  kann  folglich  auch  bei  im  Verlaufe  des  Beschwerdeverfahrens  volljährig  gewordenen  Beschwerdeführern  eine  reziproke  Wirkung  auf  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  haben,  indem  eine  starke  Integration  in  der  Schweiz  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat  zur  Folge  haben  kann,  welche  unter  Umständen  die  Rückkehr  dorthin  als  unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  statt  vieler  BVGE  2009 Nr.  28 E.  9.3.2.).  Zufolge  ihrer bald sechsjährigen Abwesenheit von ihrem Heimatstaat – zuzüglich  der vorgängig zwei verbrachten prägenden Kinderjahre  in der Schweiz –  müssten  sie  im  Falle  einer  erzwungenen  Rückkehr  dorthin  mit  beträchtlichen Reintegrationsschwierigkeiten rechnen.  8.7.4. Gemäss Aktenlage sind die Beschwerdeführenden A._______ und  B._______ schon seit mindestens 1½ Jahren wieder ein Paar und leben  zusammen mit  ihren gemeinsamen Kindern  in der Familienwohnung. Es  kann  angesichts  ihrer  Vorgeschichte  –  Ehe,  gemeinsame  Kinder,  langjähriges  Konkubinat  –  davon  ausgegangen  werden,  dass  sie  nun  wieder in dauerhafter eheähnlicher Gemeinschaft zusammen leben.  8.7.5. Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG ist beim Vollzug einer angeordneten  Wegweisung der "Grundsatz der Einheit der Familie" zu berücksichtigen.  In  personeller  Hinsicht  umfasst  der  Begriff  der  Familie  dabei  den  Ehepartner  und  die  minderjährigen  Kinder,  wobei  der  in  dauerhafter  eheähnlicher  Gemeinschaft  lebende  Partner  dem  Ehepartner  gleichzustellen ist (vgl. BVGE 2008 Nr. 47 E. 4.1.1. und EMARK 1993 Nr.  24).  Unter  dem  Begriff  der  "Einheit  der  Familie"  ist  zu  verstehen,  dass  Mitglieder  der  Kernfamilie  nicht  voneinander  getrennt  werden,  sondern  faktisch zusammen leben können, und dass der Familie nach Möglichkeit  ein einheitlicher Rechtsstatus eingeräumt wird  (vgl. P. ZIMMERMANN, Der  Grundsatz  der Familieneinheit  im Asylrecht  der Bundesrepublik  und der  Schweiz, Berlin 1991, S.  94; S. WERENFELS, Der Begriff  des Flüchtlings  im schweizerischen Asylrecht, Bern u.a. 1987, S. 141, 377). Art. 44 Abs.  1  AsylG  kommt  in  diesem Zusammenhang  eine  Tragweite  zu,  die  über  die  aus  Art.  8  EMRK  abgeleiteten  Rechtsansprüche  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  hinausgeht,  indem  die  vorläufige  Aufnahme  des  einen Familienmitglieds in der Regel auch zur vorläufigen Aufnahme der  anderen Familienangehörigen führt (vgl. hierzu EMARK 1998 Nr. 31 E. 8  c ee S. 258; 1995 Nr. 24 E. 9 S. 229, die sich hierfür freilich noch auf Art. 

E­4409/2007 E­4410/2007 17 Abs. 1 AsylG in der Fassung gemäss Ziff. I des BB vom 22. Juni 1990  über das Asylverfahren [AS 1990 938], welcher inhaltlich indessen Art. 44  Abs. 1 AsylG entspricht, beziehen). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der genannten Aspekte – die  lange  Anwesenheitsdauer der Familie in der Schweiz; das Kindeswohl in Bezug  auf  das  minderjährige  Kind;  das  Verbringen  des  Grossteils  der  Adoleszenz bzw. jungen Erwachsenenlebens in der Schweiz; das wieder  aufgenommene  Konkubinat  –  und  unter  Berücksichtigung  des  Grundsatzes  der  Einheit  der  Familie  (vgl.  Art.  44  Abs.  1  AsylG  in  fine;  EMARK 1998 Nr. 31 E. 8c.ee S. 258, EMARK 1996 Nr. 18 E. 14e S. 189  f.,  EMARK  1995  Nr.  24  E.  11  S.  230  ff.)  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  deshalb  zum  Schluss,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung gegenüber dem minderjährigen Kind und seinen volljährigen  Geschwistern sowie ihren Eltern zum heutigen Zeitpunkt als nicht (mehr)  zumutbar zu erachten ist.  8.8.  Aus  den  Akten  ergeben  sich  ferner  keine  Hinweise  auf  ein  unbotmässiges  Verhalten  der  Beschwerdeführenden,  welches  eine  nähere  Prüfung  unter  dem  Gesichtspunkt  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  bedingen  würde.  Die  Voraussetzungen  für  eine  vorläufige  Aufnahme  in  der Schweiz gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG sind damit gegeben.  9.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerde  gutzuheissen  ist,  soweit  sie  die  Frage  des  Wegeweisungsvollzuges  betrifft.  Die  vorinstanzlichen  Verfügungen  vom  29.  Mai  2007  werden  demnach –  soweit sie die Frage des Wegweisungsvollzuges betreffen – aufgehoben  und die Vorinstanz wird angewiesen, die Beschwerdeführenden und ihre  Kinder  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegeweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen.  Für  den  Rest  wird  die  Beschwerde  abgewiesen. 10.  10.1.  Den  Beschwerdeführenden  wurde  mit  Instruktionsverfügung  vom  5. Juli  2007  die  unentgeltliche  Prozessführung  unter  Vorbehalt  der  Veränderung  der  finanziellen  Lage  der  Beschwerdeführenden  gewährt.  Die  Familie  ist  heute  gemäss  Bestätigung  der  Koordinationsstelle  für  soziale  Leistungen  des  Kanton  M._______  vom  11.  Januar  2011  nicht  mehr von Sozialhilfe abhängig und gilt deshalb nicht mehr als bedürftig.  Aufgrund der Veränderung der finanziellen Lage der Familie werden den 

E­4409/2007 E­4410/2007 Beschwerdeführenden  deshalb  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr.  300.­­ auferlegt, was dem hälftigen Anteil ihres Unterliegens entspricht.  10.2.  Nachdem  die  Beschwerdeführenden  teilweise  –  hinsichtlich  der  Frage  des  Wegweisungsvollzuges  –  mit  ihrer  Beschwerde  durchgedrungen sind, ist den rechtlich vertretenen Beschwerdeführenden  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten eine um die Hälfte reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen  (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 7 ff. VGKE).  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  reichte  mit  Eingabe  vom  8. April  2011  seine  Kostennote  ein,  gemäss  welcher  er  einen  Aufwand  von  insgesamt  16.08  Stunden  und  Barauslagen  in  der  Höhe  von  Fr. 340.80 geltend machte. Der in Rechnung gestellte Aufwand erscheint  angemessen, weshalb den Beschwerdeführenden unter Berücksichtigung  der  Bemessungsgrundsätze  nach  Art.  7  ff.  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  und  eines  Stundenansatzes  von  Fr. 250.­­  eine,  um  die  Hälfte  gekürzte,  Parteientschädigung von Fr. 2355.­­ (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer)  zuzusprechen ist.  Das  Bundesamt  wird  somit  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  für  das  Beschwerdeverfahren  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  2355.­­  auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­4409/2007 E­4410/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  insoweit  gutgeheissen,  als  die  Anordnung  einer  vorläufigen Aufnahme beantragt wird. Im Übrigen wird sie abgewiesen.  2.  Die  Verfügungen  vom  29.  Mai  2007  werden  betreffend  der  Dispositivziffern 4 und 5 aufgehoben und das BFM wird angewiesen, die  Beschwerdeführenden  und  ihre  drei  Kinder  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen.  3.  Die Verfahrenskosten  von Fr.  300.­­ werden  den Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.  4.  Das  BFM  hat  den  Beschwerdeführenden  für  das  Verfahren  vor  der  Beschwerdeinstanz eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2355.­­  zu entrichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu­Binh Truong Versand:

E-4409/2007 — Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 E-4409/2007 — Swissrulings