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Bundesverwaltungsgericht 02.08.2011 E-4141/2011

2 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,395 mots·~7 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4141/2011 Urteil   v om   2 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Maurice Brodard;   Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia,   vertreten durch Hansjörg Trüb, Asylbrücke Zug, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren); Verfügung des BFM vom 6. Juli 2011 /  N (…).

E­4141/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin,  eine  somalische  Staatsangehörige  aus  B._______,  eigenen  Angaben  zufolge  ihr  Heimatland  im  März  2008  verliess  und  über Äthiopien,  Libyen  und  Italien  am 16. April  2011  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  sie  am  18.  April  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  um  Asyl nachsuchte und eine "Heiratsurkunde" ins Recht legte,  dass  ein  Fingerabdruckvergeich  mit  der  EURODAC­Datenbank  vom  19. April  2011  ergab,  dass  die Beschwerdeführerin  am 3. März  2009  in  D._______/Italien  erkennungsdienstlich  erfasst  worden  war  und  gleichzeitig ein Asylgesuch gestellt hatte, dass das BFM anlässlich der summarischen Befragung vom 12. Mai 2011  im  EVZ  die  Personalien  der  Beschwerdeführerin  erhob  und  sie  summarisch  zum  Reiseweg  sowie  zu  den  Gründen  für  das  Verlassen  ihres Heimatlandes befragte, wobei sie im Wesentlichen geltend machte,  von ihrem Ehemann geprügelt und aus dem Hause geworfen worden zu  sein,  dass  sie  mit  einem  Boot  aus  Libyen  am  3.  März  2009  in  Italien  angekommen  sei,  wo  sie  in  D._______,  E._______,  F._______  und  G._______ gelebt und einen "Permesso di soggiorno" erhalten habe, dass ihr das BFM im Anschluss an die genannte Befragung vom 12. Mai  2011  das  rechtliche  Gehör  zur  allfälligen  Zuständigkeit  Italiens  für  die  Durchführung des Asylverfahrens und zur Wegweisung dorthin gewährte, dass  die  Beschwerdeführerin  diesbezüglich  anführte,  sie möchte  in  der  Schweiz bleiben, weil hier  ihr Ehemann (H._______)  lebe, der über eine  vorläufige Aufnahme verfüge und den sie im Februar 2011 in F._______  geheiratet habe,  dass  der  Beschwerdeführerin  im Hinblick  auf  die  Kantonszuweisung  zu  ihrer "religiösen Trauung" am 30. Mai 2011 das rechtliche Gehör gewährt  wurde, dass sie zur Antwort gab,  ihr Ehemann werde am nächsten Tag bei der  somalischen  Botschaft  eine  Ehebescheinigung  verlangen,  die  sie  nachreichen werde, 

E­4141/2011 dass  das  BFM  am  14.  Juni  2011  die  italienischen  Behörden  um  Wiederaufnahme  der  Beschwerdeführerin  ersuchte  und  bis  zur  festgelegten Frist keine Antwort auf das Ersuchen erging,  dass das BFM mit Verfügung vom 6. Juli 2011 (eröffnet am 20. Juli 2011)  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das Asylgesuch  vom 18.  April  2011  nicht  eintrat, die Beschwerdeführerin nach Italien wegwies und sie aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  I._______  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisung  beauftragte,  festhielt,  eine  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  der  Beschwerdeführerin  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, dass  es  zur  Begründung  anführte,  der  vormalige  Aufenthalt  der  Beschwerdeführerin  in  Italien  respektive  ihr  dortiges  Asylersuchen  sei  durch den EURODAC­Treffer vom 3. März 2009 belegt, dass  mit  der  Umsetzung  des  Dublin­Assoziierungsabkommens  vom  26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [SR  0.142.392.68, DAA] sich die Schweiz verpflichte, die der Verordnung EG  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Feststellung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung eines Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat  (Dublin­II­VO),  anzuwenden,  dass  die  Dublin­II­VO  Kriterien  enthalte,  denjenigen  Dublin­Staat  zu  bestimmen,  der  zuständig  sei,  das  Asyl­  und  Wegeweisungsverfahren  durchzuführen,  dass  das  BFM  auf  das  entsprechende  Wiederaufnahmeersuchen  vom  14. Juni 2011 von den italienischen Behörden  innerhalb der festgelegten  Frist keine Antwort erhalten habe, womit in Anwendung von Art. 20 Abs. 1  Bst.  c  Dublin­II­VO,  die  Zuständigkeit,  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  durchzuführen,  am  29.  Juni  2011  an  Italien  übergegangen sei, 

E­4141/2011 dass die Rückführung ­ vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung bis spätestens am 29. Dezember 2011 zu erfolgen habe, dass  der  Beschwerdeführerin  zur  Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Asylverfahren,  zu  einem  allfälligen  Nichteintretensentscheid  und  zu  einer  Überstellung  an  die  italienischen  Behörden  zwecks  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  das  rechtliche  Gehör gewährt worden sei,  dass Italien das Non­Refoulement­Gebot respektiere und keine Hinweise  einer Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum  Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)  im  Falle einer Rücküberstellung bestehen würden, dass  sich  aus  den  Bestimmungen  der  Dublin­II­VO  keine  Zuständigkeit  für  die  Schweiz  aufgrund  der  Heirat  der  Beschwerdeführerin  mit  H._______ ergebe, da Art. 7 Dublin­II­VO die Zuständigkeit jenes Staates  vorsehe, in welchem sich ein Familienmitglied im Sinne von Art. 2 Bst. i (i)  Dublin­II­VO  aufhalte  und  welchem  das  Recht  auf  Aufenthalt  in  seiner  Eigenschaft  als  Flüchtling  gewährt  worden  sei,  was  vorliegend  nicht  zutreffe,  dass  gemäss  Art.  8  Dublin­II­VO  jener  Staat  zuständig  sei,  in  welchem  sich  ein  Familienmitglied  aufhalte,  über  dessen  Asylantrag  noch  keine  erste  Sachentscheidung  getroffen  worden  sei,  was  vorliegend  ebenfalls  nicht der Fall sei,  dass gemäss Rechtsprechung (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  D­2555/2007)  sich  eine  Person  nur  dann  auf  den  Schutz  des  Familienlebens nach Art. 8 Ziffer 1 EMRK berufen könne, wenn dessen  Familienmitglied  in  der  Schweiz  über  ein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht  verfüge, dass  als  gefestigtes  Aufenthaltsrecht  das  Schweizer  Bürgerrecht  oder  eine Niederlassungsbewilligung gelte und H._______  lediglich über eine  vorläufige Aufnahme verfüge, weshalb die Beschwerdeführerin aus Art. 8  Ziffer 1 EMRK nichts zu ihren Gunsten ableiten könne, dass schliesslich die ausländerrechtliche Bestimmung von Art. 85 Abs. 7  des Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20),  wonach  Ehegatten  von  vorläufig  aufgenommenen  Personen  frühestens  drei  Jahre  nach  Anordnung  der 

E­4141/2011 vorläufigen Aufnahme nachgezogen und in diese eingeschlossen werden  könnten, auch für die Beschwerdeführerin gelte,  dass  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  die  Regelfolge  des  Nichteintretens  auf  ein  Asylgesuch  und  deren  Vollzug  nach  Italien  zulässig, zumutbar und möglich sei, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  23. Juli 2011  (Eingabe  und  Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  in  materieller  Hinsicht  beantragen  liess,  es  sei  die  vorinstanzliche  Verfügung  aufzuheben,  die  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sei  festzustellen  und  das  BFM  sei  anzuweisen,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten,  dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ersuchte,  dass  ausserdem  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  gewähren sei,  dass  auf  die  Begründung  der  Beschwerde  –  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  27.  Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Telefaxschreiben  vom  29.  Juli  2011 das Amt  für Migration  des Kantons  I._______ anwies,  einstweilen  von Vollzugshandlungen abzusehen,  und zieht in Erwägung dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m. 

E­4141/2011 Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG, Art. 105  AsylG, Art. 6 AsylG), dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom­ men  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Ände­    rung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­ wechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­ prüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerde­ instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu  Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensent­ scheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbstständigen  materiellen  Prüfung enthält,  die angefochtene Verfügung aufhebt  und die Sache zu 

E­4141/2011 neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (Entscheidungen und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass zunächst die Verletzung der Begründungspflicht gerügt wurde, weil  das  BFM  sich  in  seinen  Erwägungen  betreffend  ein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht auf ein nicht veröffentlichtes Urteil D­2555/2007 gestützt  habe,  womit  die  Kontrolle,  ob  das  erwähnte  Urteil  zum  vorliegenden  Sachverhalt Aussagen mache, verunmöglicht werde und die Beurteilung  der Chancen einer Beschwerde erschwere,  dass  hierzu  festzuhalten  ist,  dass  sich  zwar  das  BFM  auf  ein  nicht  publiziertes  Urteil  D­2555/2007  stützte,  dessen  Inhalt  es  aber  rechtsgenüglich wiedergab,  dass sich nämlich – so das BFM – eine Person nur dann auf den Schutz  des  Familienlebens  nach  Art.  8  Ziffer  1  EMRK  berufe  könne,  wenn  dessen  Familienmitglieder  über  ein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht  in  der  Schweiz verfügten, dass  es  weiter  ausführte,  was  unter  gefestigtem  Aufenthaltsrecht  zu  verstehen  sei  und  warum  die  Beschwerdeführerin  aus  Art.  8  Ziffer  1  EMRK nichts zu ihren Gunsten ableiten könne (vgl. zuvor S. 4), weshalb  keine Verletzung der Begründungspflicht und damit des Grundsatzes des  rechtlichen Gehörs feststellbar ist,  dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  gestützt  auf  die  einleitenden  Bestimmungen  sowie  Art.  1  Abs.  1  DAA   i.V.m.  Art.  29a  Abs.  1  Asylverordnung  1  über  Verfahrensfragen  (AsylV  1)  die  Prüfung  der  staatsvertraglichen  Zuständigkeit  zur  Behandlung eines Asylgesuches nach den Kriterien der Dublin­II­VO zu  erfolgen hat, dass  sich  aufgrund  der  Akten  ergibt,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  3. März 2009  in  D._______  daktyloskopisch  erfasst  worden  ist  und  gleichzeitig dort ein Asylgesuch gestellt hat,

E­4141/2011 dass das BFM am 8. Juni 2011 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­ VO  an  Italien  ein  Ersuchen  um  Wiederaufnahme  ("take  back")  der  Beschwerdeführerin gestellt hat,  dass dieses bis zum Ablauf der  festgelegten Frist unbeantwortet geblie­ ben  ist  und  demnach  die  Zuständigkeit  für  das  vorliegende  Verfahren  durch Italien als akzeptiert gilt, dass Art. 7 Dublin­II­VO keine Anwendung findet, weil der "Ehemann" der  Beschwerdeführerin kein Flüchtling im Sinne von Art. 3 AsylG ist, dass  demnach  die  Beschwerdeführerin  nach  Italien  ausreisen  kann,  welches  für  die  Prüfung  ihres  Asylantrags,  allenfalls  ihrer  Beschwerde  staatsvertraglich zuständig ist, dass  Italien  unter  anderem  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Ju­ li 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, dass  keine  konkreten Hinweise  dafür  bestehen,  Italien würde  sich  nicht  an die massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen, insbesondere an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK,  halten, dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik  steht, in den Aufenthalts­ und Verfahrensbedingungen für Personen, wel­ che  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  aber  insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist,  dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­Rückkeh­ rende  und  verletzliche  Personen,  zu  welchen  die  Beschwerdeführerin –  entgegen  den  Ausführungen  in  der  Beschwerde  –  jedoch  nicht  gehört,  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden  und Flüchtlingen annehmen, dass  beispielsweise  die  Organisation  "Arci  con  Fraternità"  seit  dem  1.  Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino (Rom) 

E­4141/2011 organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechtsberatung  anbietet,  dass daher – entgegen der Behauptung in der Beschwerde ­ nicht davon  auszugehen  ist,  dass  die  Beschwerdeführerin,  die  immerhin  während  zweier  Jahre  in  Italien  lebte  und  keine  Probleme mit  dem  italienischen  System geltend machte, in unwürdigen Umständen auf der Strasse leben  müsste,  dass  in  der  Beschwerde  aufgeführt  wird,  die  Schweiz  solle  mit  dem  Selbsteintrittsrecht  gemäss  Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  ihre  Zuständigkeit  für  die  Prüfung  des  Asylantrags  übernehmen,  weil  der  Wegweisungsvolllug unzulässig sei,  dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­Verordnung jeder Mitgliedstaat einen  von einem Drittstaatsangehörigen eingereichten Asylantrag prüfen kann,  auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht  für die Prüfung zuständig ist,  dass  diese  Bestimmung  jedoch  nicht  direkt  anwendbar  ist,  weshalb  sie  nur  in  Verbindung  mit  einer  anderen  Norm  des  nationalen  oder  internationalen Rechts angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5), dass die Beschwerdeführerin die Verletzung des Art. 8 Abs. 1 EMRK und  Art. 44. Abs. 1 AsylG rügt, dass  beim  Wegweisungsvollzug  zwar  grundsätzlich  die  Einheit  der  Familie zu berücksichtigen ist (Art. 44 AsylG), dass  die  Beschwerdeführerin  geltend machte,  im  Februar  2011  religiös  getraut  worden  zu  sein  und  sich  seit  16.  April  2011  in  der  Schweiz  aufzuhalten,  dass  dem eingereichten,  handschriftlich  abgefassten  "Ehevertrag"  keine  Beweiskraft zukommt, weshalb zweifelhaft ist, ob die Beschwerdeführerin  mit H._______  tatsächlich  religiös getraut worden  ist,  da sie die am 30.  Mai 2011 in Aussicht gestellte Ehebescheinigung nicht nachgereicht hat,  dass  dies  jedoch  letztlich  offengelassen  werden  kann,  zumal  im  vorliegenden Fall  nach  einem etwa  dreimonatigen  Zusammenleben  von  einer  dauerhaften  und  gefestigten  eheähnlichen  Beziehung  nicht  die  Rede  sein  kann,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  gestützt  auf  Art.  44 

E­4141/2011 Abs.  1  AsylG  keine  Rechtsansprüche  auf  Erteilung  einer  Anwesenheitsberechtigung geltend machen kann,  dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  daher  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  das  BFM  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) hätten veranlassen sollen,  dass  die  Beschwerdeführerin  denn  auch  nichts  gegen  den  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  einwendet,  ausser  dass  sie  mit  H._______ zusammen bleiben möchte, dass dieses Vorbringen nicht  geeignet  ist,  den Wegweisungsvollzug als  mit  der  EMRK  unvereinbar  erscheinen  zu  lassen,  zumal  –  wie  zuvor  erwähnt – nicht von einer eheähnlichen Beziehung ausgegangen werden  kann und ausserdem, wie die Vorinstanz bereits zutreffend erwog, S.A.A  in  der  Schweiz  kein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht  hat,  weshalb  sich  die  Beschwerdeführerin auch nicht auf Art. 8 EMRK berufen kann,  dass auch kein Anlass besteht, aus humanitären Gründen in Anwendung  von  Art.  29a  Abs.  3  AsylV  1  vom  Selbsteintrittsrecht  Gebrauch  zu  machen, dass  in  der  Beschwerde  nichts  vorgebracht wird,  das  zu  einer  anderen  Einschätzung führen würde,  dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  eingetreten  ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs bereits Voraussetzung  (und nicht  erst Regelfolge)  des Nichteintretensentscheides  und  deshalb  vorliegend  nicht zu prüfen ist,  dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von  Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG, SR 142.20)  stellt,  sondern vor  der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbstein­ trittsrechts  (Art. 3  Dublin­II­VO)  oder  gegebenenfalls  – wenn  sich  Fami­

E­4141/2011 lienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zu­ sammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung  der  sogenannten  Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin­II­VO), dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung nach Italien zu bestätigen ist, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  ihrer  Beschwerde  nicht  darzutun  ver­ mag,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuwei­ sen ist, dass  mit  vorliegendem  Direktentscheid  ohne  vorgängige  Instruktion  die  Anträge, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten  und  es  sei  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  gegenstandslos werden, dass sich die Beschwerdebegehren aufgrund vorstehender Erwägungen  als  aussichtslos  erwiesen,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art.  65 Abs.  1 VwVG abzuweisen  ist und bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  sind  (Art.  63  Abs.  1  und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4141/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand:

E-4141/2011 — Bundesverwaltungsgericht 02.08.2011 E-4141/2011 — Swissrulings