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Bundesverwaltungsgericht 26.07.2011 E-4100/2011

26 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,305 mots·~7 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 8. Juli 2011 / N

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4100/2011 Urteil   v om   2 6 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber; Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea,  (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 8. Juli 2011 / N (…).

E­4100/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer mit dem Zug über Mailand am 27. April 2011  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er  am  28. April  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte, dass das BFM am 31. Mai 2011 im EVZ B._______ die Personalien des  Beschwerdeführers  erhob  und  ihn  summarisch  zu  seinem  Reiseweg  sowie zu den Gründen für das Verlassen seines Heimatstaates befragte,  dass  er  geltend  machte,  er  habe  seinen  Heimatstaat  im  August  2007  verlassen  und  sei  nach  Aufenthalten  von  ungefähr  acht  Monaten  im  C._______ und von zwei bis drei Monaten in D._______ auf dem Seeweg  im  Juli  2008  illegal  nach  E._______  (Italien)  gelangt,  wo  er  ein  Asylgesuch gestellt habe und registriert worden sei, dass er sich sechs Monate später nach F._______ begeben, und dort um  Asyl  nachgesucht  habe  sowie  in  der  Folge  wieder  nach  Italien  zurückgeschickt worden sei, dass er in Italien als Flüchtling anerkannt worden sei und im Januar 2009  einen für drei Jahre gültigen "soggiorno" erhalten habe, dass er in Italien keine feste Adresse gehabt und bei der Caritas und im  Freien gelebt habe, wo Betrunkene versucht hätten, ihn zu vergewaltigen, dass er deshalb und aufgrund der schlechten Lebensbedingungen Italien  am 27. April 2001 verlassen habe, dass er zur Begründung seines Asylgesuchs anführte, er sei eritreischer  Staatsangehöriger mit letztem Wohnsitz in G._______, dass  er  in  Eritrea  aus  dem  Militär  desertiert  und  deswegen  inhaftiert  worden sei, dass  ihm  die  Flucht  aus  dem Gefängnis  gelungen  sei  und  er  von  dort  Eritrea illegal verlassen habe, dass aufgrund von Fingerdruckvergleichen (Eurodac)  feststeht, dass der  Beschwerdeführer am 31.  Juli  2008  in  Italien, am 1. und am 8. Oktober  2009 sowie am 2. Januar 2010 und am 13. Februar 2010  in F._______  registriert und Asylgesuche gestellt hat,

E­4100/2011 dass  dem  Beschwerdeführer  im  Anschluss  an  die  genannte  Befragung  vom  31.  Mai  2011  im  EVZ  B._______  im  Hinblick  auf  eine  allfällige  Zuständigkeit Italiens oder F._______ für die Durchführung des Asyl­ und  Wegweisungsverfahrens  und  auf  Gründe,  welche  gegen  eine  Wegweisung dorthin sprächen, das rechtliche Gehör gewährt wurde, dass  er  geltend  machte,  in  Italien  habe  man  versucht,  ihn  zu  vergewaltigen  und  in  England  würden  ihn  die  Behörden  nach  Italien  wegweisen, weshalb er die Schweiz um Schutz ersuche, dass  für  den  Inhalt  der  weiteren  Aussagen  auf  die  Akten  verwiesen  werden kann, dass  das  BFM  am  22.  Juni  2011  die  italienischen  Behörden  um  eine  Wiederaufnahme (take back) des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 16  Abs. 1  Bst.  c  der  Verordnung  EG  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Feststellung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat  (Dublin­II­VO)  ersuchte  und  dieselben  bis  zum  Ablauf der Frist am 7. Juli 2011 dazu keine Stellung nahmen, dass das BFM mit Verfügung vom 8. Juli 2011 – eröffnet am 15. Juli 2011  – gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  ihn  nach  Italien  wegwies,  ihn  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am Tag  nach Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  H._______  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisung  beauftragte,  festhielt,  eine  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, dass  es  zur  Begründung  seiner  Verfügung  festhielt,  gestützt  auf  einen  Fingerabdruckvergleich  mit  der  Zentraleinheit  Eurodac  habe  der  Beschwerdeführer am 31. Juli 2008 in Italien ein Asylgesuch eingereicht, dass  bei  dieser  Sachlage  Italien  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen Bestimmungen (Dublin­Assoziierungsabkommen vom  26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [SR 

E­4100/2011 0.142.392.68,  DAA],  Dublin­II­VO  und  Verordnung  [EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  [DVO­Dublin])  für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig  sei, dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen nicht innerhalb  der festgelegten Frist beantwortet hätten, weshalb die Zuständigkeit, das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO durchzuführen, am 7. Juli 2011 auf Italien übergegangen sei, dass die Überstellung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung – bis spätestens am 7. Januar 2012 zu erfolgen habe, dass auf das Asylgesuch somit nicht einzutreten sei, dass  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  die Regelfolge  des Nichteintre­ tens auf ein Asylgesuch sei (Art. 44 Abs. 1 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  in  einen  Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  er  Schutz vor Rückschiebung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG  finde, und  das Non­Refoulement­Gebot bezüglich des Heimatstaates nicht zu prüfen  sei, dass ferner keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  im  Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers nach Italien bestehen würden, dass  zudem  weder  die  in  Italien  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung sprechen würden, dass  dem  Beschwerdeführer  am  31.  Mai  2011  das  rechtliche  Gehör  gewährt worden sei und er bei dieser Gelegenheit erklärt habe, er wolle  nicht  nach  Italien  zurückkehren, weil  er  dort  keine Unterkunft  und somit  keinen  Schutz  habe,  wobei  er  insbesondere  befürchte,  vergewaltigt  zu  werden, dass hierzu festzuhalten sei, dass Italien Mitglied der Europäischen Union  (EU) sei und als solches die Mindestnormen der EU für die Aufnahme der  Antragsteller  (RL  2003/9/EG  des  Rates  vom  27.  Januar  2003  zur  Festlegung von Mindestnormen  für die Aufnahme von Asylbewerbern  in 

E­4100/2011 den  Mitgliedstaaten)  anwende  und  dementsprechend  Aufnahmestrukturen zur Verfügung stelle,  dass  sich  zudem  nebst  staatlichen  Strukturen  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen  annehmen würden, dass sich der Beschwerdeführer  im Zusammenhang mit den Übergriffen  Dritter  an  die  italienischen  Behörden  wenden  könne,  zumal  keine  konkreten  Hinweise  darauf  hindeuteten,  die  italienischen  Behörden  würden ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, dass  somit  eine Wegweisung  nach  Italien  zumutbar  und  deren  Vollzug  technisch möglich und praktisch durchführbar sei,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  21.  Juli  2011  –  Datum  Poststempel  –  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die  vor­  instanzliche Verfügung vom 8. Juli 2011 erhob und – unter Kosten­  und  Entschädigungsfolge  –  in  materieller  Hinsicht  beantragte,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben,  das  BFM  sei  anzuweisen,  sein  Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für vorliegendes Asylgesuch  für zuständig zu erklären,  dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  unter  Verzicht  auf  die  Kostenvorschusserhebung  beantragte  und  darum  ersuchte,  es  sei  der  Beschwerde im Sinne einer vorsorglichen Massnahme die aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  und  die  Vollzugsbehörden  seien  anzuweisen,  bis  zum  Entscheid  über  vorliegende  Beschwerde  von  einer  Überstellung  nach Italien abzusehen, dass auf die Begründung der Rechtsbegehren, soweit  für den Entscheid  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  25.  Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

E­4100/2011 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  entscheidet  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17.  Juni 2005  [BGG,  SR  173.110]),  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht, dass  eine  solche  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  BGG  vorliegend nicht gegeben ist und das Bundesverwaltungsgericht demnach  endgültig entscheidet, dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art.  48 Abs. 1 VwVG), dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten  ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52  VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  respektive  einer  zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Be­ schwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art.  111a Abs.  2  AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver­ zichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 

E­4100/2011 Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretens­ entscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen materiellen  Prüfung enthält,  die angefochtene Verfügung aufhebt  und die Sache zu  neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist  (vgl. Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  ehemals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission [ARK; EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),  dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs  indes  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  die  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheids stellen,  dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asyl­ suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchfüh­ rung  des  Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig  ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  aufgrund  der  Akten  als  zutreffend erweisen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, dass der vorgängige Aufenthalt des Beschwerdeführers in Italien feststeht  und er diesen auch nicht bestreitet, dass die  in der Schweiz geltend gemachten Asylgründe daher  in  Italien,  welches aufgrund der einschlägigen Staatsverträge (vgl. vorstehend S. 3,  DAA  sowie  Dublin­II­VO  und  DVO­Dublin  [insbesondere  Art.  10  Abs. 1  Dublin­II­VO]) als  für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig zu  erachten ist, zu prüfen sein werden,  dass mithin  zu  prüfen  bleibt,  ob Gründe  vorliegen,  die  das BFM  hätten  veranlassen müssen, sein –  ihm gemäss Art. 3 Abs. 2 Satz 1 Dublin­II­ VO auch bei Zuständigkeit eines anderen Signatarstaates zustehendes –  Selbsteintrittsrecht auszuüben,

E­4100/2011 dass der Beschwerdeführer  in seiner Beschwerdeschrift mit Verweis auf  einen Bericht der deutschen NGO Pro Asyl vorbringt, die Aufnahme­ und  Lebensbedingungen  für  asylsuchende  Personen  seien  in  Italien  katastrophal,  zumal  das  staatliche  Aufnahmesystem  zur  Unterbringung  von Asylsuchenden und Schutzberechtigten  (SPAR) völlig überlastet sei  und Asylsuchende nach Verfahrensabschluss weder Unterbringung noch  Verpflegung erhalten würden, dass  er  von  den  italienischen  Behörden  weder  eine  Unterkunft  noch  Unterstützungsgeld  für  seine  Lebenshaltungskosten  erhalte,  obwohl  er  eine  Aufenthaltsbewilligung  erhalten  habe  und  als  Flüchtling  anerkannt  worden sei, dass er weiter vorbringt, der  italienische Staat sei nicht  in der Lage, die  den asylsuchenden Personen zustehenden Rechte gemäss Art. 3 EMRK  und Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung  der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) zu gewährleisten, dass ihm auch die Polizei keinen Schutz gewähren könne, obwohl in den  Strassen von Italien Gewalt herrsche und er dort um sein Leben fürchten  müsse,  dass  es  ihm  deshalb  unmöglich  sei,  in  Italien  ein  menschenwürdiges  Dasein zu führen, dass  indessen  diese  Einwände  an  der  Zuständigkeit  Italiens  für  die  Durchführung des Asylverfahrens nichts ändern und auch keinen Anlass  zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­VO, Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311])  begründen,  zumal  sich  die  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  darin  erschöpft,  auf  Unzulänglichkeiten  im  italienischen  Asylverfahren  und  auf  die  erlittene  Gewalt durch Dritte zu verweisen, ohne in überzeugender Weise auf die  Erwägungen der Vorinstanz einzugehen, dass  Italien Signatarstaat der FK, der EMRK und des Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  ist,  und  sich  aus  den  Akten  keine  konkreten  Hinweise  ergeben,  wonach  Italien  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das 

E­4100/2011 Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten  würde, dass demzufolge nicht davon auszugehen ist, die italienischen Behörden  würden den Beschwerdeführer direkt  in sein Heimatland überstellen und  ihn  damit  allenfalls  einer  gegen  Art.  3  EMRK  verstossenden  unmenschlichen Behandlung aussetzen, zumal er in Italien als Flüchtling  anerkannt worden ist,  dass  – wie  das BFM bereits  ausgeführt  hat  –  Italien  im Übrigen  an  die  Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylsuchenden  in  den  Mitgliedstaaten  (Aufnahmerichtlinie)  gebunden  ist  und  demnach  dafür  besorgt sein muss, den Asylsuchenden ein menschenwürdiges Leben zu  ermöglichen, dass  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückführung  nach  Italien  den  dortigen Behörden übergeben wird, die damit die Möglichkeit haben, sich  um ihn gebührend zu kümmern, dass  auch  kein  Grund  zur  Annahme  besteht,  der  Beschwerdeführer  würde  in  Italien  aufgrund  der  dortigen  Aufenthaltsbedingungen  in  eine  existenzielle Notlage versetzt, dass  er  allfällige  Klagen  in  Bezug  auf  schlechte  Lebensbedingungen  in  Italien  und  bezüglich  der  Übergriffe  durch  Dritte  bei  den  zuständigen  italienischen Behörden deponieren kann, dass  zudem Dublin­Rückkehrende  und  verletzliche Personen  betreffend  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den  staatlichen Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen annehmen,  dass  damit  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach  Italien  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt  und  folglich  das BFM  zu Recht  in  Anwendung  von  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

E­4100/2011 dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Italien  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen  Staat  handelt –  entspricht und im Einklang mit der Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG  steht, wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach  der Zulässigkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheids und hier nicht mehr zu prüfen ist,  dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  einem  Dublin­Verfahren  nicht  unter  dem  Aspekt  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  stellt,  sondern  eine  entsprechende  Prüfung,  soweit  notwendig,  vielmehr  bereits  im  Rahmen  der  Entscheidfindung  hinsichtlich  der  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende  Erwägungen),  dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) besteht, weshalb der vom  BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist,  dass  mit  dem  vorliegenden  Entscheid  in  der  Hauptsache  ohne  vorgängige Instruktion die Gesuche um Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses  sowie  um Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde  respektive  um  Erlass  vorsorglicher  Massnahmen  gegenstandslos geworden sind, dass  die  Beschwerde  aufgrund  obiger  Erwägungen  –  entgegen  der  Meinung  des  Beschwerdeführers  –  als  aussichtslos  zu  qualifizieren  ist  und daher das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  und  Abs.  2  VwVG  –  ungeachtet  der  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Rechtsunkundigkeit –  abzuweisen ist,

E­4100/2011 dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­ (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4100/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die Gesuche  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  und  der  Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG werden abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand:

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