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Bundesverwaltungsgericht 25.07.2011 E-4075/2011

25 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,337 mots·~7 min·3

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (DublinVerfahren) ; Verfügung des BFM vom 8. Juli 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4075/2011 Urteil   v om   2 5 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien,   vertreten durch Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende  Aargau, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 8. Juli 2011 / N (…).

E­4075/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  am  19.  Mai  2011  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch stellte, auf welches das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst.  d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) mit Verfügung  vom 8. Juli 2011 nicht eintrat, dass das Bundesamt der Beschwerdeführerin anlässlich der summarisch­ en  Befragung  vom  24.  Mai  2011  das  rechtliche  Gehör  bezüglich  der  Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Asylverfahren,  zum  Nichteintretensentscheid und zu einer Wegweisung dorthin gewährte, dass die Beschwerdeführerin hierzu  im Wesentlichen vorbrachte, sie sei  im 8. Monat schwanger und wolle nicht nach Italien zurückkehren, da die  italienische Regierung keine Hilfe leiste und sie deshalb ihr ungeborenes  Kind dort nicht aufziehen könne, dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  die  Schweiz habe sich mit der Umsetzung des Abkommens vom 26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­ Assoziierungsabkommen  [DAA],  SR  0.142.392.689)  verpflichtet,  die  Dublin­II­Verordnung  (Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaates,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist [Dublin­II­VO]) anzuwenden, dass  durch  einen  Abgleich  der  Fingerabdrücke  mit  der  Zentraleinheit  Eurodac bestätigt werde, dass die Beschwerdeführerin am 28. März 2011  in Italien um Asyl ersuchte, dass das BFM am 16. Juni 2011 an Italien ein Ersuchen um Übernahme  der Beschwerdeführerin  im Sinne von Art  16 Abs. 1 Bst.  c Dublin­II­VO  gestellt habe und Italien innerhalb der festgelegten Zeit nicht geantwortet  habe,  weshalb  die  Zuständigkeit  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  1  Bst.  c        Dublin­II­VO an Italien übergegangen sei, dass gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf ein Asylgesuch nicht einge­ treten werde, wenn Asylsuchende  in einen Drittstaat ausreisen könnten, 

E­4075/2011 der  für die Durchführung des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staats­ vertraglich zuständig sei, dass die Überstellung nach  Italien  ­  vorbehältlich einer  allfälligen Unter­ brechung  oder  Verlängerung  der  Überstellungsfrist  ­  bis  spätestens  am  30. Dezember 2011 zu erfolgen habe, dass  die  von  der  Beschwerdeführerin  vorgebrachten  Einwände  kein  Hindernis für eine Wegweisung nach Italien darstellen würden, da Italien  seinen rechtsstaatlichen Verpflichtungen nachkomme, dass somit auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei, dass  die  Folge  eines  Nichteintretensentscheides  gemäss  Art.  44  Abs. 1 AsylG in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz sei und die  Beschwerdeführerin  in  einen Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  sie Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  AsylG  finden  würde,  weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaates nicht zu prüfen sei, und ferner keine Hinweise auf eine  Verletzung  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)  im  Falle einer Rückkehr nach Italien bestehen würden, dass auch keine Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung nach  Italien sprächen und der Geburtstermin erst auf den (…) zu erwarten sei, dass der Vollzug der Wegweisung auch technisch möglich und praktisch  durchführbar sei, dass der Beschwerdeführerin  die Verfügung des BFM vom 8.  Juli  2011  am 13. Juli 2011 eröffnet wurde,  dass  die  Beschwerdeführerin  gegen  diese  Verfügung  mit  Eingabe  vom  20. Juli 2011 (Postaufgabe) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde  erhebt  und  beantragt,  die  Verfügung  des  BFM  vom  8.  Juli  2011  sei  aufzuheben  und  das  Amt  anzuweisen,  sein  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das  vorliegende  Asylgesuch  für  zuständig  zu  erachten, dass  im Sinne vorsorglicher Massnahmen der vorliegenden Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  sei  und  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen  seien,  von  einer  Überstellung  nach  Italien  abzusehen,  bis 

E­4075/2011 das  Bundesverwaltungsgericht  über  den  Suspensiveffekt  der  eingereichten Beschwerde entschieden habe, dass zu beachten sei, dass die Beschwerdeführerin nicht reisefähig sei, dass sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne von  Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  der  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht, dass sie zur Begründung im Wesentlichen vorbringt, sie müsse ernsthaft  befürchten,  in  Italien  weder  Unterkunft  noch  Zugang  zu  medizinischer  Versorgung zu erhalten und es bestehe die Gefahr, dass sie und ihr Kind  nicht  regelmässig  Mahlzeiten  erhalten  und  deshalb  Hunger  leiden  würden, dass  es  nicht  zumutbar  sei,  mit  einem  neugeborenen  Kind  auf  der  Strasse  oder  in  Abbruchhäusern  zu  leben,  wo  die  hygienischen  Bedingungen katastrophal seien, dass  die  grundlegendsten  Lebensbedürfnisse  in  Italien  nicht  gedeckt  seien und es auch schwierig werden werde,  nach dem Sommer warme  Kinderkleider zu erhalten, dass  die  unzureichende  Wohnsituation,  die  mangelnde  Ernährung  und  der  fehlende  Zugang  zum  Gesundheitswesen  in  Italien  eine  erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK darstelle, dass  die  Beschwerdeführerin  bezüglich  ihrer  Vorbringen  unter  anderem  auf  einen  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  Mai  2011  verweist  und  den  Bericht  sowie  eine  auf  diesen  Bericht  Bezug  nehmende Medienmitteilung der SFH vom 18. Juli 2011 als Beilage zur  Rechtsmitteleingabe einreicht, dass sie  im Weiteren einen Arztbericht vom 14. Juli 2011 zu den Akten  reicht, dass im Arztbericht ausgeführt wird, aufgrund der aktuellen Datenlage sei  auf den  (…) eine Entbindung des Kindes der Beschwerdeführerin durch  einen Kaiserschnitt geplant,

E­4075/2011 dass  bezüglich  der  weiteren  Ausführungen  im  Einzelnen  auf  die  Rechtsmitteleingabe  und,  soweit  entscheidrelevant,  auf  die  nachfolgenden Erwägungen zu verweisen ist, dass  die  vollständigen  vorinstanzlichen  Akten  am  22.  Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eingingen, und erwägt, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  im  Regelfall  ­  so  auch  vorliegend  ­  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des BFM entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31­ 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32] sowie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom­ men  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren Aufhebung  beziehungsweise Änder­ ung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass die Beschwerde  frist­  und  formgerecht eingereicht wurde  (Art.  108  Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111 Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend, wie  nachfolgend  aufge­ zeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­ wechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­ prüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerde­ instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu  Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

E­4075/2011 dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass das BFM am 16. Juni 2011 an Italien ein Ersuchen um Übernahme  der Beschwerdeführerin gestellt hat,  dass der Aufenthalt der Beschwerdeführerin und das Ersuchen um Asyl  in Italien vor deren Einreise in die Schweiz nicht bestritten ist, dass  bei  dieser  Sachlage  ­  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung zu verweisen ist ­ Italien für die Prüfung des Asylantrages  der Beschwerdeführerin zuständig ist, dass  somit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne Weiteres gegeben ist, dass  Italien  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK  und  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) ist, dass  keine  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten, dass  der  generelle  Vorhalt  in  der  Rechtsmitteleingabe,  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Kind  würden  in  Italien  zwingend  einer  existenzbedrohenden  Situation  ausgesetzt  und  die  unzureichende  Wohnsituation, die mangelnde Ernährung und der fehlende Zugang zum  Gesundheitswesen  in  Italien  stelle  eine  erniedrigende  Behandlung  im  Sinne von Art. 3 EMRK dar, nicht gehört werden kann, dass Italien die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur  Festlegung von Mindestnormen  für die Aufnahme von Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten  (Amtsblatt  Nr.  L  031  vom  06/02/2003  S.  0018 –  0025),  welche  zahlreiche  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden  beinhaltet,  ohne  Beanstandungen  von  Seiten der Europäischen Kommission umgesetzt hat,

E­4075/2011 dass  an  dieser  Einschätzung  auch  ­  wie  in  der  Rechtsmitteleingabe  vorgebracht  wird  ­  allenfalls  anderslautende  Beschlüsse  deutscher  Gerichte nichts zu ändern vermögen, zumal diese für die Rechtsprechung  des Bundesverwaltungsgerichts ohne Belang sind, dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können  und  sich  das  italienische  Asylsystem  aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen  Raum  verbunden  mit  einer  starken  Zunahme  von  Asylsuchenden  zwar  mit  erheblichen  Kapazitätsproblemen konfrontiert sieht, dass  hinsichtlich  verschiedener  Berichte  zu  den  Aufnahme­  und  Lebensbedingungen  für  asylsuchende  respektive  bereits  als  Flüchtlinge  anerkannte  Personen  in  Italien  festzustellen  ist,  dass  die  italienischen  Behörden seit geraumer Zeit mit einer grossen Anzahl von Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen bei den Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  ­  eine  Betreuung  durch  die  italienischen Behörden oder durch die privaten karitativen Organisationen  ist  nicht  in  jedem Fall  gewährleistet  ­  nicht  zum Schluss gelangt,  Italien  verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr. 2003/9/EG, dass  angesichts  dieser  Sachlage  keine  Veranlassung  besteht,  die  Regelvermutung  in  Frage  zu  stellen,  wonach  sich  Italien  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK  und  der FoK, hält (BVGE 2010/45 E. 7.5. und 7.7.),  dass  diese  Regelvermutung  umgestossen  werden  kann,  wenn  im  konkreten  Einzelfall  ernsthafte  Indizien  dafür  vorliegen,  dass  die  Behörden des betreffenden Signatarstaates Völkerrecht verletzen (BVGE  2010/45 a.a.O.), dass  es  vorliegend  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nachzuweisen,  aufgrund  derer geschlossen werden könnte, ihr und ihrem Kind drohe in Italien eine  unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK,

E­4075/2011 dass  für  den  Fall,  dass  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  der  Aufenthaltsbedingungen  tatsächlich  nicht  in  der  Lage  sein  sollte,  mit  ihrem Kind  in  Italien  ein menschenwürdiges  Leben  zu  führen,  es  an  ihr  liegen wird,  ihre Rechte bei den  italienischen Behörden  respektive beim  Europäischen Gerichtshof  oder  beim EGMR geltend  zu machen  (BVGE  2010/45          E. 7.6.4), dass  aber  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­Rück­ kehrende  und  ­  wie  vorliegend  die  Beschwerdeführerin  ­  verletzliche  Personen  mit  einem  kleinen  Kind  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen Behörden bevorzugt behandelt werden und sich neben den  staatlichen  Strukturen  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass  es  vorliegend  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nachzuweisen,  aufgrund  derer geschlossen werden könnte, ihr und ihrem Kind drohe in Italien eine  unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, dass  sich  aus  den  Akten  keinerlei  Anhaltspunkte  dafür  ergeben,  Italien  halte sich nicht an das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die  Rechte des Kindes ([KRK, SR 0.107]; vgl. CHRISTIAN FILZWIESER / ANDREA  SPRUNG,  Dublin­II­Verordnung,  3.  Aufl.,  Wien/Graz  2010,  Kommentar  Nr. 8 zu Art. 6 Seite 90), dass es Sache des BFM sein wird, die italienischen Behörden anlässlich  der  Bekanntgabe  des  Datums  der  Überstellung  schriftlich  über  die  Zugehörigkeit  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Kindes  zu  einer  verletzlichen Personengruppe zu informieren, dass sich vor diesem Hintergrund der Vollzug der Wegweisung entgegen  den  Beschwerdevorbringen  als  zulässig  erweist  (Art.  83  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass des Weiteren die Beschwerdeführerin nichts vorbringt, das das BFM  hätte veranlassen können, aus humanitären Gründen (Art. 29a Abs. 3 der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR 142.311]) auf ihr Asylgesuch einzutreten, dass daran die geltend gemachte, durch die Umstände der Überfahrt von  Libyen  nach  Italien  bedingte  psychische  Angeschlagenheit  der 

E­4075/2011 Beschwerdeführerin  in  entscheidwesentlicher  Hinsicht  nichts  zu  ändern  vermag, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten  Einzelfall  auch  sonst  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  eine  Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  als  unangemessen  erscheinen  lassen  (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­7221/2009 vom 10.  Mai 2011), dass sich angesichts dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  erübrigt,  weil  diese  nicht  geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen, dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  der  Beschwerdeführerin und ihres Kindes nach Italien weder völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt  und  folglich  das BFM  zu Recht  in  Anwendung  von  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (BVGE  2009/50  E.  9.  S.  733),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  nach  Italien  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  der  Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  bereits  Voraussetzung  (und  nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides ist (BVGE 2010/45  E. 10.2), dass  deshalb  allfällige  völkerrechtliche  und  humanitäre  Vollzugshindernisse vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der  Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­VO)  oder  gegebenenfalls  ­  wenn  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  ­  bei  der  Ausübung  der  Humanitären  Klausel  (Art. 15  Dublin­II­VO) zu prüfen sind, weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG besteht,

E­4075/2011 dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung zu bestätigen ist, dass  es  sich  bei  der  Festsetzung  des  Zeitpunktes  des  Vollzuges  der  Wegweisung um eine Vollzugsmodalität handelt, dass  die  Übergabeformalitäten  mit  den  italienischen  Behörden  erfahrungsgemäss einige Zeit in Anspruch nehmen, dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  feststellte,  die  Überstellung  nach  Italien  ­  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung  der  Überstellungsfrist  ­  habe  bis  spätestens  am  30.  Dezember 2011 zu erfolgen, dass  gemäss  des  Arztberichtes  vom  14.  Juli  2011  auf  den  (…)  die  Entbindung  des  Kindes  der  Beschwerdeführerin  durch  Kaiserschnitt  geplant wurde, dass  entgegen  dem  Vorhalt  in  der  Rechtsmitteleingabe  das  BFM  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  betreffend  Schwangerschaft  und  Reisefähigkeit nicht pflichtwidrig unrichtig und unvollständig abgeklärt hat, dass  die  Bestimmung  des  genauen Geburtstermins  im  Zusammenhang  der Prüfung des vorliegenden Prozessgegenstandes nicht als Bestandteil  des rechtserheblichen Sachverhaltes zu gelten hat, dass  im Weiteren  die  neuen medizinischen  Erkenntnisse  bezüglich  der  Beckenendlage  des  Kindes  und  die  Beurteilung  der  Reisefähigkeit  erst  nach Ergehen der angefochtenen Verfügung durch das Arztzeugnis vom  14. Juli 2011aktenkundig diagnostiziert wurden, dass  im  Übrigen  im  Arztzeugnis  vom  14.  Juli  2011  entgegen  dem  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht  von  einer  Reiseunfähigkeit  der  Beschwerdeführerin  gesprochen  wird,  sondern  von  jeder  Reisetätigkeit dringend abgeraten wurde, dass  die  zuständigen  Behörden  die  neue  medizinische  Ausgangslage  und die notwendigen Betreuungsbedürfnisse  für die Beschwerdeführerin  und  ihr  Kind  gebührend  berücksichtigen  und  einen  Vollzug  der  Wegweisung nicht zur Unzeit umsetzen werden, dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  darzutun  vermag,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen 

E­4075/2011 Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist  (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass mit vorliegendem Urteil das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung  eines Kostenvorschusses hinfällig ist, dass  mit  vorliegendem  Urteil  auch  das  Gesuch  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  gegenstandslos  ist  und  demnach  auf  die  in  der  Beschwerde  in  diesem  Zusammenhang  gemachten Ausführungen nicht weiter einzugehen ist, dass  sich  die  Beschwerde  aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  als  aussichtslos  erweist,  weshalb  der  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG) unbesehen der  allenfalls bestehenden prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist, dass  jedoch  aufgrund  der  aktuellen  besonderen  Situation  der  Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten zu erlassen sind (Art. 6 Bst. b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­4075/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um  Beiordnung  einer  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  wird  abgewiesen. 3.  Die Verfahrenskosten werden erlassen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger Versand:

E-4075/2011 — Bundesverwaltungsgericht 25.07.2011 E-4075/2011 — Swissrulings