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Bundesverwaltungsgericht 22.08.2011 E-3793/2011

22 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,388 mots·~12 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch (Safe Country) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Juni 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­3793/2011 Urteil   v om   2 2 .   Augus t   2011   Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter François Badoud, Richterin Gabriela Freihofer,    Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), und deren Kinder   C._______, geboren am (…),   D._______, geboren am (…), Mazedonien, ehemalige jugoslawische Republik,  (…),   Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Juni 2011 / N (…).

E­3793/2011 Sachverhalt: A.  A.a. Die Beschwerdeführenden – aus E._______ stammende ethnische  Roma  mazedonischer  Staatsangehörigkeit  –  verliessen  am  11. März  2011  ihr  Heimatland  mit  dem  Reisecar  und  gelangten  via  Ungarn,  Österreich  und  Deutschland  am  14. März  2011  in  die  Schweiz,  wo  sie  gleichentags  um  Asyl  nachsuchten.  Am  18.  März  2011  wurden  sie  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum Basel (EVZ) summarisch und am 28.  Juni 2011 durch das BFM eingehend zu  ihren Asylgründen befragt. Für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  wurde  die  Familie  dem  Kanton  (…)  zugewiesen. A.b. Der  Beschwerdeführer  brachte  im Wesentlichen  vor,  er  und  seine  Familie  hätten  ihr  Heimatland  verlassen,  weil  er  seit  die  VMRO  (Anmerkung  des  Gerichts:  bulgarische  Abkürzung,  Deutsch:  IMRO  [Innere  Mazedonische  Revolutionäre  Organisation])  an  die  Macht  gekommen  sei,  mit  dieser  Partei  stets  Probleme  gehabt  habe.  Weil  er  früher  bei  der  SDS­Partei  gewesen  sei,  hätten  Angehörige  der  VMRO­ Partei  ihn  zu  Hause  aufgesucht  und  ihn  zum  Parteibeitritt  aufgefordert.  Sie  hätten  ihn  auch  auf  der  Strasse  beschimpft  und  weggejagt  beziehungsweise aufgefordert, nach Hause zurückzukehren, wogegen er  nichts  habe  unternehmen  können.  Diese  Belästigungen  hätten  ab  dem  Jahre  2009  zwei  Jahre  angedauert.  Er  und  seine  Familie  hätten  die  letzten  fünf  bis  sechs  Monate  keinen  Strom  zu  Hause  gehabt,  weil  er  ihnen abgeschaltet worden sei. Die Kinder hätten daher die Aufgaben zu  Hause nicht machen können. Der Grossvater, der sie bis anhin finanziell  unterstützt habe, sei nach 40 Jahren von seiner Arbeitsstelle entlassen,  und als er sich darüber beschwert habe, geschlagen worden. Von 2002  bis  2008  beziehungsweise  von  2005  bis  2008  hätten  sie  Sozialhilfe  erhalten.  Als  er  danach  –  im  Jahre  2008  –  einige  Male  um  Sozialhilfe  gebeten habe, sei er zweimal auf den Polizeiposten gebracht worden, wo  man  ihn  einmal  ein  paar  Stunden  und  einmal  eine  Nacht  lang  festgehalten  habe. Die Polizei  habe  ihm mit  einer  Verurteilung  gedroht,  falls  er  erneut  ein  Gesuch  stellen  sollte,  obwohl  er  anständig  gewesen  sei.  Auch  seiner  Frau  sei  die  Sozialhilfe  verweigert  worden.  Gegen  die  Verweigerung der Sozialhilfe habe er  in Skopje Beschwerde eingereicht,  die  aber  abgewiesen worden  sei.  Zusätzlich  sei  seine Sozialhilfe  für  24  Monate  gestrichen  worden.  Der  Grund  dafür  sei  ihm  nicht  bekannt,  beziehungsweise der Grund sei seine Parteizugehörigkeit zur SDS; er sei 

E­3793/2011 auch  einmal  beim  Urnengang  fotografiert  worden,  weshalb  die  Angehörigen der VMRO­Partei ihn nun kennen würden. Er habe sich um  Arbeit  bemüht,  doch  er  sei  stets  erfolglos  geblieben.  Weiter  sei  seine  Tochter  krank.  Sie  habe  Narben  am  Hinterkopf,  aber  er  könne  sie  in  Mazedonien  nicht  zum  Arzt  bringen,  weil  er  keine  Krankenkasse  habe  und über kein Geld verfüge. Sein Sohn falle ab und zu in Ohnmacht beim  Spielen. Der Arzt in Basel habe ihn darüber informiert, dass sein Sohn ein  Loch  im Herzen habe, das aber mit zunehmendem Alter kleiner werden  würde. A.c. Die Beschwerdeführerin trug im Wesentlichen folgenden Sachverhalt  vor:  Einerseits  würde  die  VMRO­Partei  sie  nicht  mögen,  weil  ihr  Mann  früher  SDS­Mitglied  gewesen  sei,  und  andererseits  seien  sie  bei  den  Mazedoniern nicht beliebt, weil sie Roma seien. Ihre Kinder würden in der  Schule  belästigt  und  schikaniert.  Die  Polizei  habe  ihren Mann  belästigt  und  geschlagen  und  er  sei  insgesamt   zwei­  bis  dreimal  auf  den  Polizeiposten  gebracht  worden.  Das  letzte  Mal  habe  sich  vor  zwei  Wochen  zugetragen  beziehungsweise  wisse  sie  es  nicht  genau,  da  sie  ständig  Probleme  mit  den  VMRO­Leuten  gehabt  hätten.  Ihnen  sei  der  Strom abgestellt und die Sozialhilfe entzogen worden, daher könnten sie  ihre  Kinder  nicht  ernähren.  Ihr  Sohn  sei  krank,  da  er  einen  Herzfehler  habe. Ihre Tochter sei ebenfalls krank; der Grund sei wohl der Mangel an  Nahrungsmitteln, der fehlende Strom und das fehlende Wasser.  B.  Mit  am  28.  Juni  2011  ergangenem  –  im  Anschluss  an  die  Anhörung  mündlich eröffnetem – Entscheid  trat das BFM auf die Asylgesuche der  Beschwerdeführenden  gemäss  Art.  34  Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht ein und verfügte die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  deren  Vollzug,  ohne  allerdings  den  Wegweisungsvollzug zu begründen.  C.  Mit Eingabe vom 4. Juli 2011 erhoben die Beschwerdeführenden gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragten,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben,  sie  seien  als  Flüchtlinge  anzuerkennen,  es  sei  ihnen  Asyl  zu  gewähren  und  festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar  sowie  unmöglich  sei  und  folglich  sei  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  formeller  Hinsicht  ersuchten  sie  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des 

E­3793/2011 Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  und  um  vorsorgliche  Anweisung  der  zuständigen  Behörde,  die  Kontaktnahme  mit  den  heimatlichen  Behörden  und  jegliche  Datenweitergabe  an  dieselben  zu  unterlassen,  wobei  die  Beschwerdeführenden  –  bei  allfällig  bereits  erfolgter  Datenweitergabe  –  in  einer  separaten  Verfügung  darüber  zu  orientieren seien. D.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  8.  Juli  2011  verschob  die  zuständige  Instruktionsrichterin  den  Entscheid  über  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Prozessführung  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1 VwVG auf  einen  späteren  Zeitpunkt, wies das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  ab  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Unter  Hinweis  darauf,  dass  auch  mündlich  eröffnete Verfügungen den Anforderungen an Art. 35 VwVG genügen und  daher begründet sein müssen (BVGE 2010/3 E.5), wurde die Vorinstanz  zur diesbezüglichen Stellungnahme und Vernehmlassung eingeladen.  E.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  12.  Juli  2011  hielt  die  Vorinstanz  an  der  Abweisung  der  Beschwerde  fest  und  äusserte  sich  eingehend  zum  Wegweisungsvollzugspunkt.  F.   Mit  Verfügung  vom  14. Juli  2011  erhielten  die  Beschwerdeführenden  Gelegenheit, sich bis zum 2. August 2011 zur Vernehmlassung des BFM  zu äussern.  G.  Die Beschwerdeführenden verzichteten auf die Eingabe einer Replik.  H.  Am  20.  Juli  2011  reichte  der  behandelnde  Arzt  Dr.  med  F._______,  Facharzt  Allgemeinmedizin  FMH,  (...),  betreffend  die  Tochter  ein  Schreiben  ein,  mit  welchem  er  bestätigte,  dass  er  diese  aufgrund  ihrer  chronischen  Wunde  im  Haarbereich  einem  Dermatologen  zugewiesen  habe, es sich jedoch dabei nicht um eine gravierende Krankheit handle.  I.  Auf  den  detaillierten  Inhalt  der  Verfügung  des  BFM,  der 

E­3793/2011 Beschwerdeschrift  und  der  Vernehmlassung  (Bstn.  B,  C  und  E)  wird –  soweit  urteilsrelevant   –  in  den  nachstehenden  Erwägungen  eingegangen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1  und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Im  vorliegenden Verfahren wurde  die  vorinstanzliche  Verfügung  im  Anschluss an die Anhörung mündlich eröffnet. Asylentscheide des BFM 

E­3793/2011 dürfen gemäss Art. 13 AsylG grundsätzlich mündlich eröffnet werden; ihre  Begründung  muss  indessen  den  Anforderungen  von  Art.  35  VwVG  genügen  (BVGE 2010/3 E. 5), andernfalls das  rechtliche Gehör  (Art. 29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR  101],  Art.  29  VwVG)  verletzt  ist.  Die  Abfassung  der  Begründung  soll  es  dem  Betroffenen  möglich  machen,  den  Entscheid  sachgerecht  anzufechten  (vgl.  BGE  129  I  232  E.  3.2  S.  236  f.).  Die  Vorinstanz  unterliess  es  im  vorliegenden  Fall,  in  ihrer  Verfügung  vom  28.  Juni  2011  den  Wegweisungsvollzugspunkt  zu  begründen. 3.2. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs ist im Prinzip formeller Natur,  womit  eine  Verletzung  grundsätzlich  zur  Kassation  führt.  Bei  Vorliegen  bestimmter Voraussetzungen  ist  jedoch ausnahmsweise eine Heilung  in  bestimmten  Schranken  möglich.  Erstens  muss  die  unterbliebene  Handlung  nachgeholt  worden  sein,  zweitens  muss  sich  die  beschwerdeführende  Person  dazu  äussern  können  und  drittens  ist  erforderlich,  dass  der  beurteilenden  Instanz  umfassende  Kognition  zukommt. Die Schranke gilt als überschritten, wenn die Verletzung einer  Verfahrensvorschrift  besonders  schwer  wiegt  oder  sie  Resultat  einer  systematischen  unsorgfältigen  Verfahrensführung  ist;  demgegenüber  ist  eine  Heilung  möglich,  wenn  die  Verletzung   nicht  gravierend  ist  beziehungsweise auf einem Versehen beruht. Irrelevant ist dabei, ob die  Missachtung  von  Verfahrensvorschriften  durch  die  Vorinstanz  einen  Einfluss auf das Ergebnis gehabt hätte, weil dies aufgrund des formellen  Charakters  des  rechtlichen  Gehörs  von  vornherein  keine  Rolle  spielen  kann  (BVGE  2009/54  E. 2.5.,  BVGE 2008/47  E. 3.3.4.  sowie  BVGE  2007/30 E. 8.2. je mit weiteren Hinweisen). 3.3.  Das  BFM  äusserte  sich  anlässlich  seiner  Vernehmlassung  vom  12. Juli 2011 folgendermassen: Die Beschwerdeführenden hätten geltend  gemacht, dass ihre Kinder an verschiedenen Krankheiten leiden würden.  Gemäss  handschriftlicher  Notiz  des  ORS  Service  vom  12.  März  2011  (Akte A9 S. 7) leide die Tochter an einer Art „Ausschlag“ auf der Kopfhaut  und  sei  deswegen  vom Arzt  untersucht worden. Auch  das Nasenbluten  des  Sohnes  sei  gemäss  der  Notiz  dem  Arzt  zur  Kenntnis  gebracht  worden.  Gemäss  den  eigenen  Angaben  des  Beschwerdeführers  leide  sein Sohn an einer Herzkrankheit. Der Arzt im EVZ Basel habe das Kind  untersucht und festgestellt, dass keine Medikamentierung notwendig sei.  Die geltend gemachte Krankheit sei bei Kindern relativ häufig und würde  mit  zunehmendem  Alter  abheilen.  Zur  Kopfwunde  der  Tochter  gelte  es 

E­3793/2011 festzuhalten, dass der Arzt diesbezüglich die Benützung eines speziellen  Shampoos  angeordnet  habe  und  ansonsten  keine  weiteren  Behandlungen notwendig  seien. Da es  sich bei  den geltend gemachten  Krankheiten  der  Kinder  nicht  um  gravierende Erkrankungen  handle,  sei  davon  auszugehen,  dass  diese  keinen Wegweisungsvollzug  verhindern  würden.  Zudem  würden  gesundheitliche  Probleme  nur  dann  ein  Wegweisungsvollzugshindernis  darstellen,  wenn  sich  aufgrund  eines  Mangels  an  Behandlungsmöglichkeiten  im  Heimatland  der  betroffenen  Person  ihr  Gesundheitszustand  derart  verschlechtern  würde,  dass  ihr  Leben in Gefahr geriete. Der Beschwerdeführer habe jedoch zu Protokoll  gegeben,  dass  der  Sohn  bereits  von mazedonischen Ärzten  untersucht  worden  sei  und  die  geltend  gemachten  Probleme  mit  dem  Herz  des  Sohnes  dabei  bereits  festgestellt  worden  seien.  Zudem  hätten  die  Beschwerdeführenden die Kosten nicht tragen müssen. Grundsätzlich sei  die  medizinische  Versorgungslage  in  Mazedonien  als  relativ  gut  zu  bezeichnen,  so  dass  die  gesundheitlichen  Probleme  der  Kinder  zweifelsohne  behandelbar  seien.  Ausserdem  hätten  die  Beschwerdeführenden  die  Möglichkeit,  medizinische  Rückkehrhilfe  zu  beantragen (Art. 93 AsylG). Mit diesen Erwägungen hat sich die Vorinstanz eingehend insbesondere  zur  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  geäussert.  Somit  ist  die  ausstehende Handlung  (Begründung)  als  nachgeholt  zu  betrachten. Mit  Verfügung vom 14. Juli  2011  räumte die  zuständige  Instruktionsrichterin  den  Beschwerdeführenden  die  Möglichkeit  ein,  sich  dazu  zu  äussern,  worauf  diese  verzichteten.  Dem  Bundesverwaltungsgericht  kommt  betreffend  die  Frage  des  Wegweisungsvollzuges  im  vorliegenden  Verfahren  umfassende  Kognition  zu  (vgl.  nachstehend  E. 4.1.).  Zudem  handelt  es  sich  bei  der  unterlassenen  Begründung  weder  um  eine  systematische  Vorgehensweise  der  Vorinstanz  noch  um  eine  derart  schwere  Verletzung  einer  Verfahrensvorschrift,  dass  eine  Heilung  ausgeschlossen  sein  müsste,  womit  vorliegend  von  einer  Heilung  des  rechtlichen Gehörs auszugehen ist.   4.  4.1.  Bei  der  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  des  BFM  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  einzig zu beurteilen, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht  eingetreten  ist.  Im  Falle  der  Begründetheit  des Rechtsmittels  in  diesem  Punkt  ist  die  angefochtene  Verfügung  demzufolge  aufzuheben  und  die 

E­3793/2011 Sache  zur  neuen Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]   2004  Nr. 34  E.  2.1  S.  240  f.).  Demgegenüber  bilden  Fragen  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Asylgewährung  nicht  Gegenstand  des  Verfahrens  und  auf  die  entsprechenden Rechtsbegehren ist nicht einzutreten.  Nicht  beschränkt  ist  die  Beurteilungszuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  dagegen  hinsichtlich  der  Frage  der  Wegweisung  und  deren  Vollzugs,  da  das  BFM  diesbezüglich  eine  materielle  Prüfung  und  Entscheidung  vorzunehmen  hat  (vgl.  Art.  44  AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  1­4  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 4.2. Vorliegend  ist somit zu prüfen, ob das Bundesamt zu Recht auf die  Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist.  5.  5.1.  Das  BFM  führt  in  seiner  Verfügung  aus,  Mazedonien  gelte  als  verfolgungssicherer  Staat  (Safe  Country)  und  deshalb  werde  auf  Asylgesuche  von  Angehörigen  dieses  Staates  nicht  eingetreten,  ausser  es  gäbe Hinweise  auf  eine  asylrelevante  Verfolgung.  Solche würden  in  casu  nicht  vorliegen,  da  die  Beschwerdeführenden  lediglich  Nachteile  geltend machen würden, welche auf die allgemeinen wirtschaftlichen oder  sozialen  Lebensbedingungen  in Mazedonien  zurückzuführen  und  daher  nicht asylrelevant seien.  5.2.  Die  Beschwerdeführenden  halten  dem  auf  Beschwerdeebene  entgegen, das BFM halte ihre Probleme für zu wenig schlimm. Sie hätten  aber  Angst,  da  sie  nicht  wüssten,  was  mit  ihnen  und  ihren  Kindern  in  Mazedonien  passieren  würde.  Die  Kinder  würden  in  der  Schule  permanent  schikaniert  werden  und  darum  stets  weinen.  Die  Beschwerdeführenden  würden  sich  nicht  auf  die  Strasse  getrauen.  Zudem würden sie keine Sozialhilfe erhalten und daher nicht wissen, wie  sie überleben könnten. Die Tochter habe an  ihrem Kopf schon über ein  Jahr eine Wunde. Diese werde erst jetzt in der Schweiz behandelt. Auch  der  Sohn  sei  krank  und  habe  ständig  Nasenbluten.  Sie  hätten  in  Mazedonien nichts. 5.3.  http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/34

E­3793/2011 5.3.1. Auf Gesuche von Asylsuchenden aus verfolgungssicheren Staaten  nach  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  (sogenannte  Safe­Country­Regelung)  wird  in  der  Regel  nicht  eingetreten,  ausser  es  gebe  Hinweise  auf  eine  Verfolgung  (Art. 34  Abs. 1  AsylG),  Für  die  Geltendmachung  von  Hinweisen auf eine Verfolgung gilt ein gegenüber der Glaubhaftmachung  reduziertes  Beweismass,  namentlich  ist  bei  Asylsuchenden  aus  einem  verfolgungssicheren Staat auf das Asylgesuch einzutreten, sobald in den  Akten  Hinweise  auf  Verfolgung  zu  verzeichnen  sind,  deren  Unglaubhaftigkeit nicht schon auf den ersten Blick erkannt werden kann  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 2  E. 4.3  S. 16  f.).  Bei  Art.  34  Abs.  1  AsylG  gilt  zudem praxisgemäss der weite Verfolgungsbegriff, der neben ernsthaften  Nachteilen gemäss Art. 3 AsylG auch Wegweisungshindernisse im Sinne  von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG umfasst, wenn  diese  von  Menschenhand  geschaffen  sind  (vgl.  EMARK  2004  Nr. 5  E. 4c.aa S. 35 f., EMARK 2004 Nr. 35 E. 4.3 S. 247).  5.3.2. Der Bundesrat hat Mazedonien mit Beschluss vom 25. Juni 2003  zum „safe country“ erklärt und ist auf diese Einschätzung im Rahmen der  periodischen  Überprüfung  (Art.  6a  Abs.  3  AsylG)  bisher  nicht  zurückgekommen.  5.3.3.  Im  Hinblick  auf  Verfolgungshinweise  ist  Folgendes  festzuhalten:  Zunächst  fällt auf, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin und des  Beschwerdeführers  nicht  uneingeschränkt  übereinstimmen.  So  gibt  sie  an,  ihr  Mann  sei  letztmals  vor  zwei  Wochen  auf  den  Polizeiposten  gebracht  worden  (A5  S .6),  während  er  in  diesem  Zusammenhang  ausschliesslich  vom  Jahre  2008  spricht  (A4  S. 6).  Darauf  hingewiesen,  korrigiert sie dann ihre Aussage dahingehend, dass sie sich nicht genau  erinnern  könne,  da  sie  ständig  Probleme  mit  der  VMRO­Partei  gehabt  hätten. Diese Rechtfertigung vermag nicht zu überzeugen und es entsteht  der  Eindruck,  dass  diese  Aussagen  nicht  der  Realität  entsprechen.  Ungeachtet der Glaubhaftigkeit der Vorbringen jedoch gehen die von den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  Probleme  mit  der  Partei –  Belästigungen,  wie  Beschimpfungen,  Bedrängungen  zum  Parteibeitritt  und Bedrohungen auf der Strasse – nicht über das Niveau einer Schikane  hinaus  und  sind  demnach  mangels  hinlänglicher  Intensität  nicht  asyl­  oder wegweisungsrelevant.  Hinsichtlich  des  vom  Beschwerdeführer  Vorgebrachten,  ihm  sei  die  Sozialhilfe aufgrund seiner Parteizugehörigkeit zur SDS­Partei verweigert  worden,  ist  anzumerken,  dass  dieses  Vorbringen  lediglich  auf  einer  http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/2 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/2 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/2 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/2 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/2 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/2 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/2 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/5 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/35 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/35 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/35 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/35 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/35 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/35 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/35

E­3793/2011 Vermutung  basiert.  Die  Vorinstanz  würdigt  diesbezüglich,  dieses  Vorbringen  sei  auf  die  allgemeinen  wirtschaftlichen  und  sozialen  Lebensbedingungen  zurückzuführen  und  stelle  keine  Hinweise  auf  Verfolgung dar. Das Gericht bestätigt diese Einschätzung.  Dem  Gericht  ist  bekannt,  dass   Angehörige  der  Roma  in  Mazedonien  Diskriminierungen  und  Benachteiligungen  ausgesetzt  sein  können,  die  von  Sicherheitsbeamten  wie  von  Privatpersonen  ausgehen  können.  Beispielsweise  werden  Roma  bei  der  Vergabe  von  Arbeitsplätzen  zu  wenig  berücksichtigt. Die Gründe  dafür  dürften  jedoch  eher  sozialer  als  ethnischer  Natur  sein.  Roma  sind  von  der  schwierigen  wirtschaftlichen  Situation  Mazedoniens  insbesondere  aufgrund  ihres  im  Vergleich  zu  anderen ethnischen Gruppen niedrigeren Bildungsniveaus betroffen. Oft  gehören  sie  unteren  sozialen  Schichten  an,  weshalb  andere  Bevölkerungsgruppen  ihnen  mit  Vorurteilen  und  Ablehnung  begegnen.  Insgesamt  bestehen  jedoch  keine  überzeugenden  Anhaltspunkte  dafür,  dass  die  Diskriminierungen  und  Benachteiligungen,  denen  Roma  im  Allgemeinen  ausgesetzt  sein  können,  eine  asylrelevante  Gefährdung  darstellen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­144/2011  vom  16.  Juni  2011  E. 6.4).  Im  vorliegenden  Fall  haben  die  Beschwerdeführenden namentlich geltend gemacht, dass sie keine Arbeit  finden würden  und  dass  ihre Kinder  schikaniert  und  schlecht  behandelt  würden (A5 S. 5, 6, A10 S. 5, Beschwerde S. 2). Auch diese Schikanen  nehmen  kein  ausreichend  intensives  Ausmass  an,  um  Asyl­  oder  Wegweisungsrelevanz zu erreichen.  Was  die  geltend  gemachte  Krankheit  der  Kinder  betrifft,  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  diese  nicht  unter  den  oben  erläuterten  "weiten  Verfolgungsbegriff"  fällt,  da  sie  nicht  von  Menschenhand  geschaffen  wurde. Diese ist vielmehr im Wegweisungsvollzugspunkt zu würdigen. 5.4.  Das  BFM  hat  somit  im  Endergebnis  zu  Recht  erwogen,  aus  den  Akten  würden  sich  keine  Hinweise  ergeben,  welche  die  in  Bezug  auf  Mazedonien  bestehende  Vermutung  der  Verfolgungssicherheit  widerlegen  könnten;  es  ist  daher  zu  Recht  auf  die  Asylgesuche  nicht  eingetreten. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 

E­3793/2011 ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).

E­3793/2011 7.  7.1.  7.1.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 7.1.2. Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder in dem sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  BV,  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung unterworfen werden. 7.3.  7.3.1. Die  Vorinstanz  hat  zwar  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  nicht  explizit Ausführungen zu Art. 5 AsylG gemacht. Sie hat indes im Rahmen  des  Nichteitretensentscheides  erwogen,  es  drohe  den  Beschwerdeführenden  in Mazedonien – aufgrund der Tatsache, dass es  sich  dabei  um  ein  "safe  country"  handle  –  keine  Verfolgung  oder  unmenschliche Behandlung, und die Beschwerdeführenden hätten keine 

E­3793/2011 Hinweise auf eine entsprechende Verfolgung aufgezeigt. Das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  schützt  nur  Personen,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden  in den Heimatstaat  ist  demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.3.2.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für den Fall einer Ausschaffung  in den Heimatstaat dort mit beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine  konkrete  Gefahr  („real  risk“)  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Derartige  Hinweise  auf  eine  entsprechende  Verfolgung  haben  die  Beschwerdeführenden  wiederum  nicht  aufgezeigt.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.1.  In  Mazedonien  herrscht  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs ausgegangen wird.  7.4.2. Den Akten sind sodann keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen,  dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr nach Mazedonien aus 

E­3793/2011 individuellen  Gründen  wirtschaftlicher  oder  sozialer  Natur  in  eine  existenzbedrohende Situation geraten würden.  Die Beschwerdeführenden  geben an,  die Krankheiten  ihrer Kinder  nicht  behandeln  lassen  zu  können,  weil  sie  keine  Krankenkasse  beziehungsweise  nicht  die  notwendigen  finanziellen  Mittel  besässen.  Gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgericht  existiert  in  Mazedonien  aber  eine  obligatorische  Krankenversicherung,  welche  auf  das Prinzip der Universalität, namentlich der Deckung aller Bürger abstellt  (Council  of  Europe;  European  Social  Charter;  European  Committee  of  Social Rights, 2nd  report on  the  implementation  fo  the European Social  Charter submitted by the government of the former Yugoslav Republic of  Macedonia,  01.2010).  Die  Krankenversicherung  deckt  namentlich  auch  nicht versicherte Kinder (International Social Security Association (ISSA),  Macedonia,  http://www.issa.int/Observatory/Country­ Profiles/Regions/Europe/ Macedonia/Scheme­Description/(id)/112790,  abgerufen  am  18.08.2011,)  und  medizinische  Versorgung  ist  flächendeckend  in  ganz  Mazedonien  zugänglich  (European  Observatory  on  Health  Systems  and  Policies,  Health Systems  in  Transition,  Vol.  8 No.  2,  2006:  The  former Yugoslav  Republic  of  Macedonia  Health  System  Review,  2006).  Wie  vom  Arzt  offenbar bestätigt  (eine ärztliche Bestätigung des  im EVZ beigezogenen  Arztes ist freilich nicht aktenkundig), handelt es sich nicht um gravierende  Krankheiten;  für  die  Behandlung  der  Tochter  sei  lediglich  ein  Spezialshampoo  und  für  diejenige  des  Sohnes  seien  keinerlei  Medikamente  notwendig.  Zudem  ist  dem  vom  20.  Juli  2011  datierten  Schreiben  von Dr. med F._______,  Facharzt  Allgemeinmedizin,  (...),  zu  entnehmen,  dass  dieser  die  Tochter  einem  Dermatologen  zugewiesen  hat und dass es sich dabei nicht um eine gravierende Krankheit handelt.  Auf weitere Angaben  haben  die Beschwerdeführenden  im Rahmen  des  ihnen eingeräumten Replikrechts verzichtet.  Zweifellos  sind  die  Lebensbedingungen  für  ethnische  Roma  in  Mazedonien  schwierig.  Es  kann  mithin  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass Angehörige dieser ethnischen Minderheit  in verschiedener Hinsicht  benachteiligt  werden  können.  Die  möglichen  Benachteiligungen  gehen  indessen nicht so weit, als dass von einer generellen Unzumutbarkeit der  Rückkehr  von  Roma  nach  Mazedonien  auszugehen  wäre.  Roma  sind  aufgrund  ihrer  ethnischen  Zugehörigkeit  nicht  von  ­  wenn  auch  bescheidenen ­ sozialen Leistungen ausgeschlossen. So gaben auch die  Beschwerdeführenden  selber  an,  früher  Sozialhilfe  bezogen  zu  haben. 

E­3793/2011 Daher ist davon auszugehen, dass sie (mithin nach der von ihnen geltend  gemachten  Sozialhilfesperre  von  24  Monaten,  die  nun  abgelaufen  ist)  sich  erneut  an  die  zuständigen  Stellen  wenden  können,  damit  ihnen  Sozialhilfe  ausgerichtet  wird.  Ausserdem  ist  –  wie  von  der  Vorinstanz  aufgeführt – auf die Möglichkeit hinzuweisen, gestützt auf Art. 93 Abs. 1  Bst. d AsylG ein Gesuch um Gewährung einer finanziellen Unterstützung  zur  befristeten  medizinischen  Betreuung  (Rückkehrhilfe)  zu  stellen. Im  Übrigen  verfügen  die  Beschwerdeführenden  über  familiäre  Anknüpfungspunkte  (vgl.  A4  S. 4,  A5  S. 3),  womit  es  ihnen  insgesamt  gelingen dürfte, sich eine Lebensgrundlage zu schaffen.       7.4.3.  Daher  erweist  sich  ein  Wegweisungsvollzug  der  Beschwerdeführenden  nach  Mazedonien  als  zumutbar  gemäss  Art.  83  Abs. 4 AuG.       7.5.  7.5.1. Schliesslich  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht möglich, wenn  die  asylsuchende  Person,  weder  in  den  Heimat­  oder  in  den  Herkunftsstaat  noch  in  einen  Drittstaat  ausreisen  oder  dorthin  gebracht  werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  über  mazedonische  Reisepässe,  die  (…)  beziehungsweise  (…)  gültig  sind,  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  abzuweisen,  soweit  darauf  einzutreten ist. 9.  Mit  dem  negativen  Entscheid  in  der  Hauptsache  wird  der  prozessuale  Antrag  –  es  sei  die  zuständige  Behörde  vorsorglich  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme mit  den Behörden des Heimat­  oder Herkunftsstaates 

E­3793/2011 sowie  jegliche  Datenweitergabe  zu  unterlassen  –  gegenstandslos.  Aus  den  Akten  geht  nicht  hervor,  dass  dem  Heimatstaat  der  Beschwerdeführenden  Daten  weitergegeben  worden  wären,  weshalb  auch  der  entsprechende  Eventualantrag,  eine  derartige  erfolgte  Datenweitergabe  sei  den  Beschwerdeführenden  in  einer  separaten  Verfügung bekanntzugeben, gegenstandslos geworden ist. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Die  Beschwerdeführenden  haben  ein  Gesuch  um  unentgeltliche  Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gestellt.  Da  ihre  Beschwerde – insbesondere angesichts der erst im Beschwerdeverfahren  erfolgten Heilung der Gehörsverletzung, mithin der korrekten Begründung  der  Verfügung  im  Wegweisungsvollzugspunkt  –  nicht  aussichtslos  war  und  aufgrund  der  gegebenen  Aktenlage  von  deren  Bedürftigkeit  auszugehen ist, ist ihnen die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.  Daher sind ihnen keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.  (Dispositiv nächste Seite)

E­3793/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand:

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