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Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 E-275/2012

3 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,204 mots·~6 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2011 / N

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­275/2012 Urteil   v om   3 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;   Gerichtsschreiberin Néomie Nicolet. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch (…),  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2011 / N (…).

E­275/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat  Sri  Lanka  am 23.  Januar  2009  verliess  und  am 25.  Januar  2009  in  die  Schweiz  einreiste,  wo  er  am  27.  Januar  2009  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte, dass  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  28.  Januar  2009  und  der  einlässlichen  Anhörung  vom  17.  April  2009  zu  seinen  Asylgründen  im  Wesentlichen  ausführte,  dass  er  als  Jugendlicher  in  Sri  Lanka  nicht  in  Ruhe und Freiheit habe leben können, dass  er,  als  er  noch  in  C._______  respektive  D._______  gelebt  habe,  durch Mitglieder  der  LTTE  (Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam)  bedrängt  und bis 2006  respektive 2008 gezwungen worden sei,  sie mit Geld und  Essen und der Mithilfe beim Bau von Bunkern zu unterstützen,  dass  er  am  25.  November  2008  C._______  respektive  D._______  verlassen  habe,  da  die  SLA  (Sri  Lanka  Artillery)  ins  LTTE  kontrollierte  Gebiet vorgedrungen sei, er sich nach Colombo begeben und dort seine  Ausreise organisiert habe, dass er anlässlich einer Bombenexplosion  in Colombo, am (…), von der  Polizei  festgenommen  und  42  Tage  in  Haft  gehalten,  während  der  Festnahme mehrmals zur LTTE befragt und auch geschlagen, jedoch nie  einem Richter vorgeführt worden sei, dass er auf Intervention seiner Mutter und gegen Bezahlen von Lösegeld  am 8.  Januar  2009  freigelassen worden  und  am 23.  Januar  2009  legal  über den Flughafen Colombo ausgereist sei, dass der Beschwerdeführer im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfahrens  eine  Kopie  seiner  Geburtsurkunde  (mit  Übersetzung)  zu  den  Akten  reichte, dass das BFM das Asylgesuch mit Verfügung vom 15. Dezember 2011  –eröffnet  am  17.  Dezember  2011  –  ablehnte  und  die Wegweisung  aus  der Schweiz sowie deren Vollzug anordnete, dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, die Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die 

E­275/2012 Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) nicht standhalten, dass  der  Beschwerdeführer  sich  verschiedentlich  widersprüchlich  geäussert habe, insbesondere bezüglich seines Wohnsitzes, indem er bei  der Kurzbefragung angegeben habe,  in C._______ gelebt zu haben und  in der Anhörung, nie  in C._______ sondern  in D._______  (Vannigebiet)  gewohnt  zu  haben  und  er  mit  der  Erklärung,  er  habe  diese  beiden  Ortschaften  miteinander  verwechselt,  den  Widerspruch  nicht  zu  entkräften vermocht habe, dass er anlässlich der Kurzbefragung ausgeführt habe, bis im Jahr 2006  die LTTE zwangsweise unterstützt zu haben, und gemäss Anhörung die  Tätigkeiten  für  die  LTTE  bis  2008  gedauert  hätten  und  er,  auf  den  Widerspruch angesprochen, die erste Aussage in Abrede gestellt habe, dass  die  Vorbringen  bezüglich  einer  Verfolgung  durch  die  staatlichen  Behörden  wie  auch  durch  die  LTTE  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden, dass die Regierung in Sri Lanka zwar auch nach Ende des Krieges gegen  ehemalige  Kämpfer  und  Führungspersonen  der  LTTE  vorgehe,  aber  angesichts des geringen politischen Profils des Beschwerdeführers nicht  davon  auszugehen  sei,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit von asylrelevanten Schwierigkeiten bedroht würde, dass  es  sich  bei  Verfolgung  seitens  der  LTTE  um  Verfolgungsmassnahmen  durch  Dritte  handle  und  –  sollte  der  Beschwerdeführer erneut belästigt werden – er die Möglichkeit habe, die  lokalen Instanzen um Schutz zu ersuchen, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. Januar 2012 gegen die  vorinstanzliche Verfügung Beschwerde erhob und deren Aufhebung, die  Gewährung  des  Asyls  und  eventualiter  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  den  Verzicht  auf  Erhebung eines Kostenvorschusses beantragte, dass  er  in  der  Begründung  im  Wesentlichen  die  Verfolgungssituation  durch die LTTE wiederholte und ausführte, bei einer Rückkehr nach Sri  Lanka  wegen  Verdachts  auf  eine  LTTE  Mitgliedschaft  und  aufgrund  seines Cousins, welcher Offizier  bei  der  LTTE gewesen  sei,  die Gefahr 

E­275/2012 einer  erneuten  Verhaftung  oder  menschenrechtswidrigen  Behandlung  durch die Regierung bestünde, dass  er  nachgewiesenermassen  aus  D._______  und  nicht  C._______  stamme,  da  die  angegebene  Wohnadresse  nur  in  D._______  existiere  und  er  in  C._______  –  welches  ausserhalb  des  Vannigebiets  liege –  kaum durch die LTTE zum Bauen von Bunkern gezwungen worden wäre,  dass  aufgrund  seiner  Herkunft  aus  dem  Vannigebiet  der  Vollzug  der  Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei, dass  der  Beschwerdeführer  als  Beweismittel  eine  Fürsorgebestätigung  und eine in englischer Sprache verfasste Wohnsitzbestätigung (Faxkopie)  zu den Akten reichte, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 18. Januar 2012  den  Eingang  der  Beschwerde  bestätigte  und  dem  Beschwerdeführer  mitteilte, er könne das Verfahren einstweilen in der Schweiz abwarten, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 

E­275/2012 Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass  die  Vorinstanz  gesetzes­  und  praxiskonform  erkannt  hat,  die  Vorbingen des Beschwerdeführers würden einesteils den Anforderungen 

E­275/2012 von  Art.  7  AsylG  an  die  Glaubhaftmachung  eines  asylbegründenden  Sachverhalts  nicht  genügen  und  die  Vorbringen  bezüglich  einer  Verfolgung  durch  die  LTTE  und  die  srilankischen  Behörden  würden  anderenteils  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3 AsylG nicht standhalten, dass  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  vollumfänglich  auf  die  diesbezüglichen  ausführlichen  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  obige  zusammenfassende  Darstellung  derselben  verwiesen werden kann, dass die Beschwerdevorbringen, welche weitgehend eine Wiederholung  der  erstinstanzlichen  Vorbringen  beinhalten,  an  der  von  der  Vorinstanz  festgestellten Unglaubhaftigkeit  der  Aussagen  nichts  zu  ändern  und  die  Widersprüche nicht zu entkräften vermögen, dass betreffend dem Herkunftsort des Beschwerdeführers die Vorhalte in  der  Rechtsmittelschrift  sich  als  haltlos  erweisen  und  der  beigebrachten  Wohnsitzbestätigung  keine  Beweiskraft  zukommt,  zumal  sie  lediglich  in  der Form einer leicht fälschbaren Faxkopie vorliegt, dass der Beschwerdeführer über eine aktive Rolle bei der LTTE nicht hat  glaubhaft  machen  können,  weshalb  er  bei  einer  Rückkehr  nicht  mit  Repressalien seitens der srilankischen Behörden zu rechnen hat und der  Vorhalt  betreffend  die  Verwandtschaft  mit  einem  LTTE­Mitglied  als  nachgeschoben und deshalb unglaubhaft zu betrachten ist, dass  er  aufgrund  der  Zerschlagung  der  LTTE  seit  dem  Ende  des  Bürgerkrieges auch keine Behelligungen durch diese zu befürchten hat,  dass  es  sich  erübrigt,  auf  die  weiteren  Vorbringen  in  der  Rechtsmittelschrift  näher  einzugehen,  da  diese  nicht  zu  einem  anderen  Ausgang des Verfahrens zu führen vermögen, dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb  das Bundesamt das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung 

E­275/2012 einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.9),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen, wenn  der  strikte  Beweis möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 

E­275/2012 grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  droht, dass  insbesondere  nicht  in  genereller  Weise  davon  auszugehen  ist,  zurückkehrenden  Tamilen  drohe  eine  unmenschliche  Behandlung,  sondern  zusätzliche  risikobegründende  Faktoren  wie  zum  Beispiel  verdächtigtes  LTTE­Mitglied,  Existenz  von  Körpernarben  und  Verwandtschaft  mit  einem  LTTE­Mitglied  vorliegen  müssen  (für  weitere  Kriterien  vgl.  zur  Publikation  bestimmtes  Grundsatzurteil  in  Sachen  E­ 6220/2006 E. 10.4.2. vom 27. Oktober 2011) und der Beschwerdeführer  solche  Risikofaktoren  –  bereits  im  Hinblick  auf  die  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft – nicht glaubhaft machen konnte, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  erwähnten  Grundsatzurteil  bezüglich  den  Distrikten  Jaffna  und  den  südlichen  Teil  der  Distrikte  Vavuniya  und  Mannar  festhält,  es  herrsche  dort  keine  Situation  allgemeiner Gewalt  und die dortige politische Lage sei nicht dermassen  angespannt,  dass  eine  Rückkehr  dorthin  als  generell  unzumutbar  eingestuft werden müsste, dass bei einer Ausreise vor Beendigung des Bürgerkrieges  im Mai 2009  die  aktuell  vorliegenden  Lebens­  und  Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges hin zu  überprüfen sind (vgl. E­6220/2006 E.13.2.1.2), dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  eigenen  Angaben  12  Jahre  die  Schule  besucht  hat,  gelernter  Schreiner  ist  und  während  Jahren  auf  diesem Beruf gearbeitet  hat, weshalb es  ihm zumutbar  ist,  in Sri  Lanka  eine neue Existenz aufzubauen, dass  er  mit  seiner  in  E._______  lebenden  Mutter  eine  enge  Bezugsperson  hat,  auf  deren Unterstützung  er  zudem  gemäss  eigenen  Angaben schon in der Vergangenheit zählen konnte,

E­275/2012 dass  im  Übrigen  aufgrund  der  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  die  Frage,  ob  er  –  wie  von  ihm  geltend  gemacht –  über keine nahen Verwandten und damit kein tragfähiges soziales Netz in  Sri Lanka respektive über zahlreiche Verwandte im Vannigebiet verfüge,  letztlich  nicht  geklärt  und  vom  Bundesverwaltungsgericht  praxisgemäss  auch nicht weiter abzuklären  ist, da die Untersuchungspflicht nach Treu  und  Glauben  ihre  Grenzen  an  der  Mitwirkungspflicht  der  beschwerdeführenden Person findet (Art. 8 AsylG), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass mit vorliegendem Urteil in der Hauptsache das Gesuch um Verzicht  auf die  Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandlos geworden ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­275/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Néomie Nicolet Versand:

E-275/2012 — Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 E-275/2012 — Swissrulings