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Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 E-2453/2008

17 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,337 mots·~12 min·3

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­2453/2008 Urteil   v om     1 7 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Kurt Gysi,    Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, Sri Lanka,   vertreten durch lic. iur. Michael Guidon,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. März 2008 / N (…)

E­2453/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer  reichte am 2. Juni 1999 ein erstes Asylgesuch  in  der Schweiz ein, welches mit Urteil vom 23. September durch die damals  zuständige Schweizerische Asylrekurskommission 1999 in letzter Instanz  abgewiesen  wurde.  Seit  dem  28.  Oktober  1999  war  der  Beschwerdeführer unbekannten Aufenthalts.  B.  Gemäss  eigenen  Angaben  kehrte  der  Beschwerdeführer  im  Juni  2003  nach  Sri  Lanka  zurück.  Am  20.  April  2006  verliess  er  erneut  seinen  Heimatstaat.  Er  reiste  über  Dubai  nach  Kenia,  wo  er  etwa  15  Monate  blieb und von dort  nach Malaysia, wo er  sich drei Monate  lang aufhielt.  Am 17. Oktober 2007 gelangte er  illegal  in die Schweiz und  reichte am  14. November 2007 ein zweites Asylgesuch ein.   Der  Beschwerdeführer  wurde  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Vallorbe  am  4.  Dezember  2007  erstmals  und  am  20.  Dezember  2007  durch  das  BFM  ausführlich  zu  seinen  Ausreise­  und  Asylgründen  befragt.   Zur  Begründung  machte  er  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  nach  der  Ablehnung  seines  ersten  Asylgesuches  im  März  2000  nach  London  gereist,  wo  er  dreieinhalb  Jahre  gelebt  habe.  Am  23.  Juni  2003  sei  er  freiwillig  nach  Sri  Lanka  zurückgekehrt,  nachdem  dort  wieder  Frieden  geherrscht  habe.  Er  sei  nach  B._______  gegangen,  wo  er  Wohnsitz  gehabt  sowie  sein  Videogeschäft  geführt  habe.  Im  selben  Jahr  2003  hätten  ihn die  "Liberation Tigers of Tamil Eelam"  (LTTE) kontaktiert und  von  ihm verlangt, DVDs und Lieder über sie zu vertreiben. Er habe erst  zugestimmt,  als  ihm  die  LTTE  versichert  hätten,  dies  sei  zur  nun  herrschenden  Friedenszeit  ohne  Risiko.  Neben  dem  Verkauf  und  Vermieten dieser Datenträger habe er mit seiner Ehefrau auf Nachfrage  der LTTE Leute  für Arbeiten  in einer Reismühle  in C._______ rekrutiert.  C._______ sei unter der Kontrolle der LTTE, B._______ unter derjenigen  der Armee gewesen. Etwa Mitte  (…) habe er  realisiert,  dass einige  der  rekrutierten Arbeiter ohne sein Wissen den LTTE beigetreten seien. Dies  habe ihm Anzeigen von betroffenen Familienangehörigen eingebracht. In  der  Folge  sei  er  im  Oktober  (…)  von  der  Polizei  verhört,  nach  vier  Stunden  jedoch  freigelassen  worden.  Auf  Anraten  eines  befreundeten  Polizisten  habe  er  sein Geschäft  geschlossen  und  sei  nach C._______ 

E­2453/2008 umgezogen. Er habe dort dem für die Reismühle verantwortlichen LTTE­ Mitglied von seinen Schwierigkeiten erzählt und ihn gebeten, eine Lösung  zu  finden.  Dieser  habe  ihm  einzig  vorgeschlagen,  in  C._______  ein  Geschäft  zu  eröffnen.  Der  Beschwerdeführer  sei  daher  fünfzehn  Tage  später nach B._______ zurückgekehrt, um die dort gebliebene Ware zu  holen. Als  er  zum Geschäft  gekommen  sei,  habe  er  gesehen,  dass  die  Polizei den Laden inzwischen versiegelt habe. Er habe die Ware dennoch  durch eine Hintertür holen können. Auf der Rückfahrt sei er auf dem Weg  nach  D._______  kontrolliert  worden.  Während  die  Armee  ihn  habe  passieren lassen, hätten die LTTE die Einfuhr der Ware nicht erlaubt. Er  habe diese daher  in D._______ bei einem Cousin deponiert und sei mit  leeren  Händen  nach  C._______  zurückgegangen,  wo  er  erfolglos  versucht  habe,  eine  Bewilligung  für  ein  Videogeschäft  zu  erhalten.  So  habe  er  seine  Ware  in  D._______  lassen  müssen;  er  selber  habe  mit  seiner Ehefrau  fortan  in E._______ gelebt.  Im April  (…) hätte  er  in  den  Dienst der LTTE treten sollen. Auf Anraten seiner Frau sei er am 19. oder  20.  April  (…)  nach  Colombo  und  von  dort  mit  einem  gefälschten  Reisepass  nach  Kenia  gereist.  Sein  Reiseziel  sei  Kanada  gewesen,  jedoch  sei  er  bei  der  Durchreise  in  der  Schweiz  kontrolliert  worden,  worauf er hier ein Asylgesuch gestellt habe.  Während  seines Aufenthaltes  in Kenia  habe  ein  in B._______  lebender  Bekannter  die  Erlaubnis  erhalten,  das  Videogeschäft  wieder  zu  öffnen.  Der  Beschwerdeführer  habe  ihm  das  Geschäft  für  die  Hälfte  des  eigentlichen Wertes überlassen. Zwei Wochen später habe die Polizei bei  einer  Durchsuchung  DVDs,  ein  Fotoalbum  mit  Aufnahmen  von  LTTE­ Leuten  und  seiner  Ehefrau  gefunden  und  den  neuen  Ladenbesitzer  verhaftet. Da der Verkauf noch nicht endgültig abgewickelt gewesen sei,  gelte der Beschwerdeführer noch als Eigentümer und werde nun von der  Polizei  verdächtigt,  Leute  für  die  LTTE  rekrutiert  zu  haben.  Es  sei  eine  Untersuchung eingeleitet und ein Verfahren eröffnet worden,  in dem ihm  und  seiner  Ehefrau  Rekrutierungstätigkeiten  für  die  LTTE  vorgeworfen  worden seien. Der verhaftete Bekannte habe im Gefängnis in F._______  den  ebenfalls  dort  inhaftierten  Bruder  des  Beschwerdeführers  erkannt  und  denunziert,  weshalb  der  Bruder  nur  drei  Tage  nach  seiner  Entlassung (10. August 2007) wieder festgenommen worden sei.   Zum  Beleg  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesamt  verschiedene  Unterlagen  ein:  Vier  Bilder  seines  Geschäfts,  ein  Dokument  der  "Immigration  and  Nationality  Directorate",  ein 

E­2453/2008 Antragsformular  für  einen  Identitätsausweis  und  zwei  Dokumente  betreffend Zulassung von Fahrzeugen. C.  Am 24. Januar 2008 forderte die Vorinstanz den Beschwerdeführer zum  Einreichen  weiterer  Unterlagen  auf;  namentlich  verlangte  sie  Wohnsitzbestätigungen  seiner  verschiedenen  Aufenthaltsorte  in  Sri  Lanka, Dokumente  zum Beleg dafür,  dass er  ein Geschäft  in Sri  Lanka  geführt  habe  sowie  Unterlagen  über  das  gegen  ihn  eingeleitete  Verfahren. Der  Beschwerdeführer  reichte  in  der  Folge  ein  Schreiben  des  "District  Secretariat  C._______"  vom  22.  August  (…)  mit  Wohnsitzbestätigung  sowie eine Kaufbestätigung des Geschäfts vom 28. März (…) (je Kopien)  zu den Akten.  D.  Mit Verfügung vom 14. März 2008  lehnte das BFM das Asylgesuch des  Beschwerdeführers  ab  und  führte  aus,  die  Vorbringen  seien  insgesamt  nicht  glaubhaft,  mithin  erfülle  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  und  sein  Asylgesuch  sei  abzulehnen.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  beurteilte  das  Bundesamt  als  zulässig,  zumutbar und möglich. E.  Mit  Eingabe  vom  16.  April  2008  an  das  Bundesverwaltungsgericht  beantragte  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  des  Asyls.  Eventualiter  sei  festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug nicht zumutbar sei, und die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  den  Beschwerdeführer  vorläufig  aufzunehmen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurden  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  sowie  der  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  beantragt.  Auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. F.  Der  Instruktionsrichter  verzichtete mit  Zwischenverfügung  vom  28.  April  2008  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Bezüglich  des  Entscheids  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinn  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 

E­2453/2008 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  wurde  auf  einen  späteren  Verfahrenszeitpunkt  verwiesen.  Mit  gleicher  Verfügung  wurde  die  Vorinstanz  zum  Einreichen  einer  Stellungnahme  aufgefordert. Die  Vorinstanz  hielt  in  der  Vernehmlassung  vom  30.  April  2008  vollumfänglich an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der  Beschwerde. Die  Stellungnahme  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  7.  Mai  2008  zur  Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten.

E­2453/2008 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Die Vorinstanz  führte  in  ihrer Verfügung aus, der Beschwerdeführer  habe trotz entsprechender Aufforderung keine Unterlagen zum angeblich  gegen  ihn  in  Sri  Lanka  angehobenen  Verfahren  eingereicht.  Die  eingereichte  Bestätigung  des  Distriktsekretariats  von  C._______  entspreche  sodann  nicht  den  Anforderungen  an  eine  Wohnsitzbestätigung,  zumal  erstaune,  dass  ein  sri­lankisches  Distriktsekretariat  auch  den  Aufenthalt  in  einem  anderen  Distrikt  und  sogar in der Schweiz bestätige. Zudem würden sich daraus im Vergleich  zu den Aussagen des Beschwerdeführers Widersprüche ergeben. Ferner  widerspreche  der  allgemeinen  Lebenserfahrung,  dass  der  Beschwerdeführer  wegen  Rekrutierungstätigkeiten  für  die  LTTE  angezeigt  und  nach  wenigen  Stunden  auf  dem  Polizeiposten  wieder  freigelassen worden sein solle. Dies erstaune umso mehr, als die Polizei  gemäss  seinen  Angaben  über  seine  Tätigkeit  für  die  LTTE  im  Bild  gewesen  sei.  Unter  diesen  Umständen  hätten  die  sri­lankischen 

E­2453/2008 Behörden  sowohl  den  Beschwerdeführer  als  auch  seine  Ehefrau  festgenommen  und  ein  Verfahren  eingeleitet.  Ebenso  sei  erfahrungswidrig,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  der  Schliessung  seines Geschäfts  nochmals  dorthin  zurückgekehrt  und  somit  das Risiko  einer  Festnahme  eingegangen  wäre.  Es  sei  nicht  glaubhaft,  dass  die  Behörden das angeblich belastende Fotomaterial nicht bereits bei seiner  Festnahme  im  Oktober  (…),  sondern  erst  nach  dem  Verkauf  des  Geschäfts  gefunden  hätten.  Schliesslich  seien  die  Angaben  zur  Aufforderung durch die LTTE zeitlich widersprüchlich ausgefallen.  4.2.  In  der Rechtsmitteleingabe wird  der  Sachverhalt  wiederholt  und  im  Wesentlichen  festgehalten,  die  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Sri  Lanka  sei  belegt  und  unbestritten.  Hinsichtlich  der  Verfolgungssituation sei zwar kein schlüssiger Beweis möglich, hingegen  würden die eingereichten Dokumente immerhin Indizien enthalten, die auf  die Glaubhaftigkeit  der Asylgründe  und  die  persönliche Glaubwürdigkeit  des Beschwerdeführers schliessen liessen. Hinsichtlich der eingereichten  Kaufbestätigung sei übereinstimmend erklärt worden, dass er damals  in  England gewesen und deswegen seine Ehefrau  in der Urkunde genannt  werde.  Was  die  verwendete  Wendung  "nee"  betreffe,  könne  dies  eine  Extravaganz des Notars gewesen sein. Sodann seien die Ereignisse ab  dem  Jahr  (…)  vor  der  damals  vorerst  relativ  friedlichen  Situation  in  Sri  Lanka  zu  beurteilen.  Bezüglich  der  vom BFM  aufgeführten  angeblichen  Widersprüche  ergebe  eine  umfassende  Berücksichtigung  der  vorliegenden  Akten,  dass  die  Asylgründe  als  Ganzes  von  vielen  Realitätskennzeichen  geprägt  und  damit  als  glaubhaft  erscheinen  würden. 4.3. Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  in Würdigung  der  gesamten  vorliegenden Akten zu folgendem Schluss: 4.3.1. Der Beschwerdeführer hat angegeben, auf Anzeige verschiedener  Angehöriger  der  von  ihm  und  seiner  Ehefrau  für  Arbeiten  in  einer  Reismühle der LTTE rekrutierten Arbeiter sei die Polizei  in B._______ in  sein  Videogeschäft  gekommen,  habe  ihn  mitgenommen,  vier  Stunden  verhört und danach wieder freigelassen (vgl. Protokoll EVZ S. 7, Protokoll  BFM S. 5). Auf Anraten eines befreundeten Polizisten habe er B._______  schliesslich  in  Richtung  C._______  verlassen.  Zu  Recht  hat  die  Vorinstanz  hierzu  festgehalten,  dass  die  sri­lankischen Sicherheitskräfte  den Beschwerdeführer – in angeblicher Kenntnis über dessen Tätigkeiten  sowie nach Erhalt mehrerer Anzeigen wegen Rekrutierungstätigkeiten für 

E­2453/2008 die  LTTE  –  zweifellos  nicht  nach  einer  kurzen  Befragung  freigelassen  hätten.  Vielmehr  wären  entsprechende  Untersuchungsmassnahmen  getroffen  und  der  Beschwerdeführer  in  Haft  behalten  worden.  Nicht  nachvollziehbar  ist  in  diesem  Zusammenhang,  dass  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers,  obwohl  ebenfalls  aktiv  an  der  Vermittlung  von  Arbeitskräften  beteiligt,  offenbar  keine  vergleichbaren  Nachteile  erlitten  habe.  Dies  gilt  umso  mehr  vor  dem  Hintergrund,  dass  gemäss  eingereichter  Kaufbestätigung  vom  28. März  (…)  die  Frau  als  Käuferin  aufgeführt  ist, sie  folglich mindestens ebenso wie der Beschwerdeführer  ins Visier der Behörden hätte geraten müssen.  Gegen  die  behauptete  Suche  nach  dem  Beschwerdeführer  spricht  sodann  der  Umstand,  dass  er  nach  dem  Wegzug  nach  C._______  nochmals  nach  B._______  zurückgekehrt  sein,  die  Ware  aus  dem  Geschäft  entfernt  und  sich  so  ohne  echte  Not  dem Risiko  behördlicher  Massnahmen  ausgesetzt  haben  will.  Ebenso  wenig  plausibel  scheinen  die  Angaben,  wonach  er  diese  Ware  dann  zwar  problemlos  durch  Checkpoints  der  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  gebracht  habe,  demgegenüber ausgerechnet an einem Kontrollpunkt der LTTE – mit der  er zuvor zusammengearbeitet habe – aufgehalten worden sein soll.  Der  Beschwerdeführer  macht  weiter  geltend,  nach  dem  Verkauf  des  Geschäfts in B._______ im Jahr (…) – wobei dieser noch nicht endgültig  abgewickelt  gewesen  sei  –  habe  die  Polizei  im  Laden  belastendes  Material  gefunden  und  den  neuen  Inhaber  festgenommen.  Jener Mann  habe  in  der  Folge  den  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  belastet.  Daraufhin  sei  eine  Untersuchung  angehoben  und  ein  Verfahren  eingeleitet  worden  (vgl.  Protokoll  EVZ  S.  8).  Hierbei  ist  einerseits  nicht  glaubhaft,  dass  die  Polizei  das  angeblich  belastende  Material  nicht  bereits bei der ersten Durchsuchung und anschliessenden Versiegelung  des  Geschäfts  im  Jahr  (…)  gefunden  haben  soll.  Weiter  ist  erneut  festzustellen,  dass  auch  hier  die  Ehefrau  sich  mindestens  gleich  schwerwiegenden  Vorwürfen  ausgesetzt  gesehen  haben  müsste;  dies  war jedoch offenbar nicht der Fall, da sie nach wie vor und offensichtlich  ohne Probleme in C._______  lebt, wo die Familie gemäss Angaben des  Beschwerdeführers drei Häuser besitzt (vgl. Protokoll BFM S. 10). Zusammenfassend  ist  nach  dem  Gesagten  festzuhalten,  dass  die  vom  Beschwerdeführer geltend gemachte behördliche Suche nach ihm wegen  des  Verdachts  auf  Rekrutierungstätigkeiten  für  die  LTTE  in  ihrer  Gesamtheit als nicht glaubhaft zu beurteilen ist. Bezeichnenderweise hat 

E­2453/2008 er  – wie  vom  BFM  zutreffend  festgestellt  –  bis  zum  heutigen  Zeitpunkt  keinerlei  beweisbildende  Unterlagen  zum  angeblich  in  diesem  Zusammenhang  angehobenen  Verfahren  zu  den  Akten  gereicht.  Die  diesbezüglichen Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vermögen am  Gesagten  nichts  zu  ändern,  zumal  darin  namentlich  das  angeblich  eingeleitete  Verfahren  gegen  den  Beschwerdeführer  keine  Erwähnung  mehr findet.  4.3.2. Soweit  der  Beschwerdeführer  geltend macht,  er  werde  auch  von  den  LTTE  gesucht,  da  er  deren  Aufforderung  zum  Mitmachen  nicht  befolgt und im April (…) Sri Lanka via Colombo (erneut) verlassen habe,  ist  einerseits  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  an  den  diesbezüglichen  Vorbringen zu Recht gewisse Zweifel erhoben hat.  Ungeachtet  der  Frage  der  Glaubhaftigkeit  dieser  Vorbringen  ist  im  heutigen,  entscheidwesentlichen  Zeitpunkt  Folgendes  festzuhalten:  Die  aktuelle Situation in Sri Lanka hat sich massgeblich verändert. Der Krieg  zwischen der sri­lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 mit  der Niederlage der LTTE zu Ende gegangen. Demnach  ist  im aktuellen  Zeitpunkt  nicht  davon  auszugehen,  der  Beschwerdeführer  müsse  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  seitens  der  LTTE ernsthafte Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG befürchten. Die  staatlichen Sicherheitsmassnahmen  nach  diesem militärischen Sieg  werden zwar nur langsam gelockert. Die Notstandsgesetze sind weiterhin  in  Kraft  geblieben.  Die  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  ist  dabei  noch  nicht  in  allen  Teilen  des  Landes  zufriedenstellend,  jedoch  ist  die  Anzahl  von Gewaltereignissen wie Entführungen,  Verschleppungen  und  Tötungen  markant  zurückgegangen.  Allfälligen  allgemeinen  Sicherheitskontrollen  und eventuellen Kurzmitnahmen der  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  kommt  dabei  jedenfalls  mangels  Intensität  kein  Verfolgungscharakter  zu;  mithin  stellen  solche  Handlungen  keine  ernsthaften  Nachteile  im  Sinn  des  Asylgesetzes  dar.  Zudem  bedarf  es  eines besonderen Profils, um das  Interesse der Sicherheitsbehörden zu  wecken,  wobei  namentlich  aktive  Mitglieder  der  LTTE,  weitere  erklärte  Anhänger  der  Organisation  sowie  regierungskritische  Journalisten  oder  Menschenrechtsaktivisten  betroffen  sein  dürften  (vgl.  US  State  Department, 2009 Human Rights Report: Sri Lanka, 11.3.2010). Die vom  Beschwerdeführer  behauptete Verfolgungssituation  von  staatlicher Seite  kann  nach  den  obigen  Ausführungen  (vgl.  E. 4.3.1)  nicht  geglaubt  werden. Damit weist er kein besonderes Risikoprofil aus, das ihn bei der 

E­2453/2008 aktuellen Sicherheitslage als objektiv gefährdet erscheinen  liesse; mithin  ist auch vor diesem Hintergrund eine begründete Furcht vor ernsthaften  (staatlichen) Nachteilen zu verneinen. 4.3.3. Schliesslich ist der Vollständigkeit halber festzuhalten, dass weitere  Zweifel  an  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  bestehen:  So  hat  er  einerseits bei den Befragungen zu seinem ersten Asylverfahren  im Jahr  1999  angegeben,  er  habe  nie  einen  Reisepass  besessen.  Hinsichtlich  seiner  verwandtschaftlichen  Verhältnisse  gab  er  damals  unter  anderem  zu  Protokoll,  er  habe  einen  Bruder  in  Sri  Lanka  (vgl.  Protokoll  Empfangsstelle  Kreuzlingen  vom  9.  Juni  1999  S.  2  und  3).  Bei  der  Befragung zu seinem zweiten Asylgesuch erklärte er demgegenüber, er  habe persönlich und legal einen Reisepass beantragt und diesen im Jahr  1998/99,  mit  Gültigkeitsdauer  von  fünf  Jahren,  erhalten  (vgl.  Protokoll  EVZ vom 4. Dezember 2007 S. 4). Weiter gab er nunmehr an, er habe  (…) Brüder in Sri Lanka (vgl. a.a.O. S. 4, Protokoll BFM S. 4). Sodann hat  die  Vorinstanz  letztlich  auch  zu  Recht  Zweifel  an  der  Echtheit  der  "Wohnsitzbestätigung"  vom  22.  Februar  (…)  geäussert.  Einerseits  erstaunt,  dass  ein  einziges  Distriktsekretariat  die  Wohnsitze  von  verschiedenen Distrikten bestätigen kann; völlig unglaubhaft wird  jedoch  die  vorliegende  Bestätigung  dadurch,  dass  sie  einen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  bestätigt,  wobei  das  angegebene  Datum  von  "April  (…)"  tatsachenwidrig  wäre,  hat  sich  der  Beschwerdeführer  gemäss  seinen  Aussagen nach der Ausreise im April (…) zunächst in Kenia und Malaysia  und  erst  ab Oktober  (…)  in  der  Schweiz  aufgehalten. Diese  genannten  Widersprüche und Ungereimtheiten  legen – entgegen der Auffassung  in  der  Rechtsmitteleingabe  –  durchaus  Zweifel  an  der  persönlichen  Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers nahe. 4.3.4.  Zusammenfassend  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  in  Würdigung  der  gesamten  vorliegenden  Akten  zum  Schluss,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte.  Der  Sachverhalt  ist  rechtsgenüglich  erstellt.  Die Vorinstanz hat das Asylgesuch nach dem Gesagten zu Recht und mit  zutreffender Begründung abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

E­2453/2008 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

E­2453/2008 6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Sri  Lanka  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Sri  Lanka  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Sri  Lanka  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 6.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.4.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  nahm  im Urteil  BVGE  2008/2  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  abgewiesener  Asylsuchender  tamilischer  Ethnie  eine  Lageanalyse  vor.  Gemäss  der  diesbezüglich  festgelegten  Praxis  setzt  die  Anerkennung  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im  Süden  des  Landes  und  damit  die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  in den Grossraum Colombo  für  sri­lankische Asylsuchende  tamilischer Ethnie, welche aus der Nord­ 

E­2453/2008 oder  Ostprovinz  stammen,  das  Vorliegen  besonders  begünstigender  Faktoren  wie  die  Existenz  eines  tragfähigen  familiären  oder  sozialen  Beziehungsnetzes  sowie die Aussicht  auf  eine gesicherte Einkommens­  und  Wohnsituation  voraus  (vgl.  a.a.O.,  E.  7.6.2).  Für  sri­lankische  Asylsuchende  tamilischer Ethnie, welche  aus  dem Grossraum Colombo  oder dessen Umgebung stammen und dort über ein tragfähiges Familien­  oder  Beziehungsnetz  verfügen  und  mit  einer  konkreten  Unterkunftsmöglichkeit  rechnen  können,  ist  grundsätzlich  von  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diese  Gebiete  auszugehen,  wobei  die  Dauer  der  Landesabwesenheit  mitzuberücksichtigen  ist;  je  kürzer  der  Aufenthalt  in  Colombo  dauerte  und  je  weiter  er  zeitlich  zurückliegt,  desto  höhere  Anforderungen  sind  an  das  Vorliegen  eines  tatsächlichen  familiären oder  sozialen Beziehungsnetzes  zu  stellen  (vgl.  a.a.O., E. 7.6.1). 6.4.2.  Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  seinen  Angaben  in  der  Nordprovinz Kilinochchi geboren. Nach der Rückkehr nach Sri Lanka  im  Sommer 2003 bis Herbst  (…) hat er  in B._______  in der Zentralprovinz  von Sri Lanka Wohnsitz gehabt. C._______  ist  eine  der  Nordprovinzen  von  Sri  Lanka,  wohin  nach  bisheriger  Praxis  eine Rückkehr  als  nicht  zumutbar  zu  erachten  ist. Ob  diese Beurteilung nach dem militärischen Sieg der sri­lankischen Armee  über die LTTE im Mai 2009 weiterhin Geltung beanspruchen kann, kann  vorliegend  letztlich  offen  bleiben,  zumal  dem  Beschwerdeführer,  wie  nachfolgend  aufgeführt,  eine  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative  zur  Verfügung steht. 6.4.3. So ist es dem Beschwerdeführer aufgrund der vorliegenden Akten  und  namentlich  aufgrund  dessen,  dass  die  angegebene  staatliche  Verfolgungssituation  als  nicht  glaubhaft  zu  beurteilen  ist  (vgl.  oben  Erwägungen zum Asylpunkt) zuzumuten, sich wiederum nach B._______  zu begeben. B._______ in der Zentralprovinz zählt nicht zu den seinerzeit  von der bürgerkriegsähnlichen Situation besonders betroffenen Regionen  im  Norden  und  Osten  Sri  Lankas.  Der  Ort  liegt  lediglich  etwa  (…)  Kilometer  von  Colombo  entfernt  und  ist  an  das  Eisenbahnnetz  angebunden.  Die  nächstgrössere  Stadt  ist  F._______.  Die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers lebt zwar offenbar noch in C._______, wo die Familie  – wie  erwähnt  –  drei  Häuser  besitzt.  Es  ist  jedoch  davon  auszugehen,  dass der Beschwerdeführer während seiner Wohnsitzname in B._______  dort  ein  entsprechendes  Beziehungsnetz  aufgebaut  hat.  Dies  gilt  umso 

E­2453/2008 mehr, als er als Geschäftsmann ein eigenes Geschäft geführt hat. Es ist  dem  Beschwerdeführer  daher  zuzumuten,  sich  nach  seiner  Rückkehr  wieder  in B._______ niederzulassen, dort auch beruflich erneut Fuss zu  fassen  und  seine  Familie  dorthin  umziehen  zu  lassen.  In  finanzieller  Hinsicht  ist  festzuhalten, dass er allenfalls die drei sich  in seinem Besitz  befindlichen Häuser in C._______ wahlweise vermieten oder veräussern  könnte,  um  sich  so  das  nötige  Startkapital  für  einen  Neustart  in  B._______  oder  allenfalls  in  der  relativ  nah  gelegenen  Hauptstadt  Colombo  zu  besorgen.  Zudem hat  er Verwandte  in  der Schweiz  und  in  England  erwähnt,  die  ihn  bei  einer  Rückkehr  nötigenfalls  anfänglich  finanziell unterstützen könnten.   Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 6.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch  BVGE 2008/34  E. 12  S. 513­515),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 6.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1­4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sein Gesuch um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ist  jedoch  gutzuheissen,  nachdem  die  Beschwerdebegehren  sich  nicht  als  aussichtslos  im  Sinn  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  erwiesen  haben  und  gemäss  Akten  von  der  prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen werden  kann. Dementsprechend sind keine Kosten zu erheben.

E­2453/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale  Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand:

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