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Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 E-2118/2008

29 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,343 mots·~17 min·1

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­2118/2008 Urteil   v om   2 9 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter François Badoud;    Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______,  geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch Hans Peter Roth, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Februar  2008 / N (…).

E­2118/2008 Sachverhalt: A.  Mit Eingabe vom 27. Dezember 2001 an die Schweizerische Botschaft in  Colombo  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um Ausstellung  eines  Visums  zur  Einreise  in  die  Schweiz.  Zur  Begründung  führte  er  einerseits  die  geplante  Heirat  mit  seiner  in  der  Schweiz  lebenden  und  als  Flüchtling  anerkennten  Verlobten  an.  Andererseits  machte  er  geltend,  er  sei  zwischen  dem  24.  November  2000  und  12.  Dezember  2001  von  den  Sicherheitskräften im (...) sowie im (...) festgehalten worden. In der Folge  wurde  die  Eingabe  als  Gesuch  um  Ausstellung  eines  Visums  und  als  Asylgesuch vom 3. Januar 2002 entgegengenommen. B.  Im  Rahmen  des  Familiennachzugs  wurde  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die  Schweiz  bewilligt.  Am  15.  Mai  2002  reiste  der  Beschwerdeführer  in  die  Schweiz  ein.  Am  (…)  2002  heiratete  er  seine  Verlobte.  Das  Migrationsamt  des  Kantons  B._______  erteilte  dem  Beschwerdeführer eine Aufenthaltsbewilligung B. C.  Mit  internem  Beschluss  vom  4.  Juli  2002  schrieb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  3.  Januar  2002  als  gegen­ standslos geworden ab.  D.  Mit  Eingabe  vom  11.  Februar  2005  ersuchte  der  Beschwerdeführer  sinngemäss  um  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  seiner  Ehefrau.  Mit  Schreiben  vom  18.  März  2005  teilte  das  BFM  ihm  mit,  damit  sein  Gesuch geprüft werden könne, müssten vorab seine eigenen Asylgründe  geprüft  werden.  Er  habe  deshalb  beim  zuständigen  Migrationsamt  ein  Asylgesuch  einzureichen.  Am  29.  Juni  2005  suchte  der  Beschwerdeführer um Asyl in der Schweiz nach.  E.  Am 1.  September  2005  und  15. November  2005  sowie  9.  Januar  2006  hörte das Migrationsamt des Kantons B._______ den Beschwerdeführer  zu  seinen  Asylgründen  an.  Dabei  führte  er  aus,  er  sei  ein  hoch  ausgebildeter Tiger. Am 18. Februar 1988 – er sei damals (…) Jahre alt  gewesen – sei sein jüngerer, (…) Bruder vor seinen Augen von indischen  Soldaten  erschossen  worden.  Dieses  Ereignis  sei  für  ihn  Anlass  gewesen,  sich  bei  den  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  zu 

E­2118/2008 melden.  Trotz  seines  jungen  Alters  sei  er  aufgenommen worden.  Nach  einer militärischen Grundausbildung habe er während sechs Monaten ein  Spezialtraining  absolviert. Mit  (…)  Jahren  habe er  eine Einheit  von  (…)  Personen  befehligt.  Er  habe  an  zahlreichen  Kampfeinsätzen  teilgenommen,  unter  anderem beim Angriff  auf  das  der Eelam People's  Democratic  Party  (EPDP)  gehörende C._______.  Er  sei  dann Assistent  von D._______ geworden und anschliessend während sechs Monaten für  E._______, dem (...), tätig gewesen. Dabei habe er (…) ausgebildet und  sie an ihren Ausführungsort gebracht. Im Jahre 1991 sei F._______ zum  Führer  des  (…)  in  der  Region  Jaffna  ernannt  worden.  Er  sei  zunächst  dessen (...) und später auch noch dessen (...) gewesen. Zudem habe ihm  die Aufgabe oblegen, für die Geschichte der Tigers Fotos zu machen, sei  es  von  Zusammenkünften,  von  Trainings  oder  Angriffen.  Diese  Funktionen habe er während sieben Jahren ausgeführt. Daneben habe er  in  verschiedenen  Funktionen  an  Kampfhandlungen  gegen  die  sri­ lankische  Armee  teilgenommen,  wobei  er  verschiedentlich  verletzt  worden sei. 1998 habe  ihm G._______ die Verantwortung  für ein Camp  übertragen. Beim Angriff der sri­lankischen Armee auf dieses Camp habe  er  (...)  Mann  befehligt.  Danach  habe  er  sich  –  da  er  ein  sehr  guter  Schütze beziehungsweise Scharfschütze sei – während drei Monaten für  eine Spezialeinheit an (…) ausbilden lassen. Anschliessend sei er der (...)  zugeteilt  worden,  welche  direkt  G._______  unterstellt  gewesen  sei.  Bei  den Kämpfen  sei  ihm die Aufgabe  oblegen,  (…). Darüber  sei  er  für  die  Rekrutierung und Ausbildung von Schützen beziehungsweise für das (…)  zuständig  gewesen.  Ferner  sei  er  an  der  Entführung  eines  indischen  Schiffes  beteiligt  gewesen,  welches  von  der  sri­lankischen  Armee  gemietet worden sei. Ende 1999, Anfang 2000 habe er die (...) verlassen  und  sei  zu  F._______  zurückgekehrt.  Nach  zwei  Monaten  sei  er  von  diesem beauftragt worden,  eine  (…)  zu  organisieren  und  trainieren. Mit  dieser  (…)  habe  er  verschiedene  Angriffe  auf  die  sri­lankische  Armee  verübt.  Als  Folge  persönlicher  Probleme  mit  F._______  habe  er  im  September 2000 beschlossen, die Tigers zu verlassen. Auf der Flucht sei  es zu einem Zwischenfall gekommen, so dass er sich veranlasst gesehen  habe, sich den sri­lankischen Sicherheitskräften zu stellen. Anlässlich der  Einvernahmen  habe  er  nicht  über  seine  tatsächlichen  Funktionen  und  Aufgaben bei den LTTE erzählt. Nach einem Monat Polizeihaft sei er ins  Rehabilitationszentrum  von  H._______  überführt  worden.  Wäre  seine  wahre Geschichte bekannt  geworden, wäre er  nicht  bereits  nach einem  Jahr  freigelassen  worden.  Nach  der  Entlassung  habe  er  sich  nach  Colombo  begeben,  um  die  Ausreise  in  die  Schweiz  vorzubereiten.  Bei  einer Rückkehr würde er, als abtrünniges langjähriges Mitglied der LTTE, 

E­2118/2008 von  der  Organisation  erschossen.  Seitens  der  sri­lankischen  Armee  befürchte er, dass diese zwischenzeitlich mehr über sein Engagement bei  den LTTE erfahren habe, was für ihn lebensgefährlich sein könne. Als Beweismittel  reichte  der Beschwerdeführer  rund  35 Fotos,  eine Be­ stätigung des International Committee of the the Red Cross (ICRC) vom  (…)  2001,  eine  Bestätigung  des  (…),  (…)  vom  (…)  2001,  eine  Bestätigung  des  National  Youth  Services  Council  vom  12.  Dezember  2001,  ein  Schreiben  von  I._______  vom  (…)  2002  sowie  ein  ärztliches  Zeugnis des Kantonsspitals J._______, Chirurgische Klinik und Poliklinik,  vom 6. August 2004 und ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. K._______,  Neurologie FMH, vom 1. Oktober 2004 zu den Akten. F.  Mit  Verfügung  vom  29.  Februar  2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  und  schloss  ihn  gestützt auf Art. 1 F Bst. b des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  von  der  Flüchtlingseigenschaft aus. Weiter lehnte es das Asylgesuch ab, ordnete  die Wegweisung  aus  der Schweiz  an  und  nahm den Beschwerdeführer  infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig  auf. G.  Mit  Eingabe  vom  2.  April  2008  an  das  Bundesverwaltungsgericht  beantragt  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben.  Es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen.  H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  April  2008  verzichtete  die  damals  zuständige  Instruktionsrichterin  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. I.  Das  BFM  beantragte  in  der  Vernehmlassung  vom  5.  August  2009  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Am  7.  August  2009  stellte  die  neu  zuständige  Instruktionsrichterin  die  Vernehmlassung  dem  Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zu.

E­2118/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 1  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

E­2118/2008 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.3.  Gemäss  Art.  1  F  Bst.  b  FK  sind  die  Bestimmungen  der  Flüchtlingskonvention  nicht  anwendbar  auf  Personen,  für  die  ernsthafte  Gründe  für  den  Verdacht  bestehen,  dass  sie  ein  schweres  Verbrachen  des  gemeinen  Rechts  ausserhalb  des  Gastlandes  begangen  haben,  bevor sie dort als Flüchtling aufgenommen worden sind. 4.  4.1.  Das  BFM  stellte  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft,  indes  liege  der  Ausschlussgrund  von  Art.  1  F  Bst.  b  FK  vor,  weshalb  das  Asylgesuch  abgelehnt  werde.  Demzufolge  komme  auch  ein  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Ehefrau  nicht  in  Betracht.  Zur  Begründung  führte die Vorinstanz aus, die LTTE hätten seit Jahren zur Durchsetzung  ihrer Ziele  im Rahmen  ihres bewaffneten Kampfes massive Gewalttaten  begangen,  welche  insgesamt  als  terroristische  Handlungen  und  entsprechend  als  gegen  Leib  und  Leben  gerichtete  gemeinrechtliche  Straftaten  zu  qualifizieren  seien.  Ein  bedeutender  Teil  der  durch  die  Organisation  zu  verantwortenden  Taten  seien  dementsprechend  als  direkt  gegen  Leib  und  Leben  gerichtete,  gemeinrechtliche  Straftaten  zu  qualifizieren und würden in keinem angemessenen Verhältnis zu den von  ihnen  verfolgten  politischen  Zielen  stehen. Die  LTTE  seien  auch  gegen  einstige eigene Mitglieder (Deserteure) sowie Zivilpersonen vorgegangen.  Der  Beschwerdeführer  sei  im  Jahre  (…)  im  Alter  von  (…)  Jahren  den  LTTE beigetreten. Nach kurzer Zeit habe er bereits eine Gruppe von (…)  Kämpfern  befehligt.  Zuletzt  habe  er  die  Position  eines  Kommandanten  über  (...)  Personen  inne  gehabt  und  habe  in  Kommandofunktion  an  Kampfeinsätzen  teilgenommen.  Er  sei  jahrelang  im  Kampfeinsatz  gewesen,  habe  (…)  ausgebildet  oder  diese  an  ihren  Einsatzort  transportiert.  Auch  habe  er  an  der  Entführung  eines  indischen  Schiffes  mitgewirkt.  Die  von  ihm  über  die  Jahre  hinweg  ausgeübten  Tätigkeiten  und Funktionen würden klarerweise eine direkte Mitverantwortung für die  durch  die  LTTE  im  Laufe  der  Jahre  verübten  zahlreichen  Straftaten 

E­2118/2008 ergeben,  welche  im  Kern  als  gemeinstrafrechtliche,  gegen  Leib  und  Leben gerichtete, und nicht als politische Delikte zu qualifizieren seien. In  seiner  Funktion  habe  der  Beschwerdeführer  die  Vorgehensweise  der  LTTE  objektiv  mitgetragen.  Beim  Beschwerdeführer  handle  es  sich  um  ein langjähriges Mitglied, welches sich der Ziele der Bewegung sowie der  dafür eingesetzten Mittel der Gewalt bewusst gewesen sei. Innerhalb der  Bewegung  habe  er  eine  Karriere  durchlaufen,  die  ihn  zuletzt  in  die  Position  eines  Kommandanten  über  (...)  Personen  gebracht  habe.  Eine  solche Karriere sei nicht möglich, ohne sich mit den Zielen und Mitteln der  LTTE  zu  identifizieren.  Als  Kommandant  einer  Kampfeinheit  und  durch  die  Einsätze  in  Spezialeinheiten  habe  der  Beschwerdeführer  die  Organisation  unter  Einsatz  seines  Lebens  gestützt.  Er  trage  daher  die  Verantwortung  für  in  seinem Einsatzgebiet  begangenes Unrecht.  Er  sei  als mitverantwortlich zu erachten, zumal er durch seinen Tatbeitrag auch  subjektiv zumindest  in Kauf genommen habe, dieses durch sein Tun mit  zu  unterstützen.  Es  sei  sowohl  von  objektiv  überaus  schwerwiegenden  Taten  als  auch  von  einem  subjektiv  schweren  Verschulden  des  Beschwerdeführers  auszugehen.  Auch  eine  Güterabwägung  zwischen  der  objektiven  Verwerflichkeit  der  Tat  und  der  subjektiven  Schuld  einerseits,  unter  Berücksichtigung  möglicher  Schuldmilderungsgründe  sowie  dem  Schutzinteresse  des  Beschwerdeführers  vor  einer  ihm  drohenden  Verfolgung  in  seinem  Heimatstaat  andererseits,  vermöge  vorliegend  zu  keinem  anderen Resultat  zu  führen.  Die  Anwendung  von  Art. 1 F Bst. b FK sei deshalb auch unter diesem Aspekt als angemessen  zu  erachten.  Den  Akten  seien  aber  konkrete  Anhaltspunkte  zu  entnehmen, dass dem Beschwerdeführer im Heimatstaat mit beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  EMRK  verbotene  Strafe  beziehungsweise  Behandlung  drohe.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  daher als unzulässig zu erachten.  4.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  ausgeführt,  der  Kampf  der  tamilischen  Minderheit  in  Sri  Lanka,  die  sich  mehrheitlich  in  den  LTTE  repräsentiert  sehe,  sei  völkerrechtlich  als  legitim  zu  erachten.  Der  Beschwerdeführer sei kein  leitendes Mitglied der Organisation gewesen.  Er  habe  deren  Zielsetzung  nicht  mitbestimmt.  Es  sei  auch  zu  berücksichtigen, dass er im Alter von (…) Jahren von den LTTE rekrutiert  worden  sei,  was  seine  persönliche  Entwicklung  geprägt  habe.  Sodann  habe  der  Beschwerdeführer  an  keinen  Kampfhandlungen  gegen  Zivilpersonen  teilgenommen. Seine Einsatzziele  seien  stets militärischer  Natur  gewesen.  Die  Handlungen  hätten  daher  einen  vorwiegend  politischen Charakter  und  seien  Teil  des  Kampfes  der  LTTE  gegen  die 

E­2118/2008 Unterdrückung  durch  die  singhalesische  Regierung.  Die  sri­lankische  Armee  setze  ihre  militärische  Überlegenheit  skrupellos  gegen  die  Zivilbevölkerung  ein.  Die  Anschläge  der  LTTE  gegen  die  militärischen  Einrichtungen  seien  deshalb  verständlich  und  als  angemessen  im  Rahmen  eines  Bürgerkrieges  zu  betrachten.  Da  die  Kriegshandlungen  vorwiegend  im  tamilischen Siedlungsgebiet  stattfinden würden, müssten  sich die LTTE grosse Zurückhaltung auferlegen, damit nicht Zivilpersonen  zu Schaden kommen würden, dies ganz im Gegensatz zur sri­lankischen  Armee, die nicht selten brutal gegen tamilische Zivilisten vorgehe. Jeder  Bürgerkrieg  ziehe  die  Zivilbevölkerung  in  grossem  Masse  in  Mitleidenschaft.  Daraus  könne  nicht  abgeleitet  werden  –  wie  dies  die  Vorinstanz  tue  –,  dass  jegliche  Beteiligung  an  einem  Bürgerkrieg  automatisch  eine  Mitschuld  an  Verbrechen  an  der  Zivilbevölkerung  mit  sich ziehe. Es sei vor allem die hochtechnisierte Armee, welche mit ihren  flächendeckenden  Bombardierungen  und  Beschiessungen  grossen  Schaden unter den Zivilisten anrichte. Die LTTE müssten sich strategisch  anders verhalten und gezielter  zuschlagen, was zu weniger Opfer unter  der Zivilbevölkerung führe. Weiter wird in der Beschwerdeschrift ausgeführt, die UNO anerkenne das  Selbstbestimmungsrecht  der  Völker,  wozu  gemäss  der  KSZE­Schluss­ akte auch das Recht auf Sezession gehöre. Die LTTE verkörperten den  grossmehrheitlichen  Wunsch  der  sri­lankischen  Tamilen  auf  Selbstbestimmung  und  seien  daher  als  Befreiungsbewegung  legitimiert,  den bewaffneten Kampf gegen die Unterdrücker zu führen. Es sei daher  falsch,  wenn  das  BFM  sich  einseitig  auf  die  Sichtweise  der  singalesischen Regierung abstütze und die LTTE als Verursacherin des  Bürgerkriegs sehe. Die Vorinstanz blende die langjährige Diskriminierung  der  tamilischen  Minderheit,  die  Menschenrechtsverletzungen  der  sri­ lankischen  Armee  und  ihre  terroristische  Kriegsführung  gegen  die  tamilische Zivilbevölkerung aus.  5.  Gemäss dem United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR)  ist  der  Einschluss  der  Flüchtlingseigenschaft  in  aller  Regel  vor  dem  Ausschluss  im  Sinne  von  Art.  1F  FK  zu  prüfen  (sog.  "inclusion  before  exclusion"­Prinzip).  Eine  Ausnahme  von  diesem  Grundsatz  rechtfertigt  sich  beispielsweise  dann,  wenn  Anklage  vor  einem  internationalen  Strafgericht  erhoben  worden  ist  oder  offensichtliche  Beweise  dafür  vorliegen,  dass  der  Asylsuchende  in  ein  ausserordentlich  schweres  Verbrechen – insbesondere im Sinne von spektakulären Fällen nach Art. 

E­2118/2008 1F  Bst.  c  FK  –  verwickelt  ist  oder  wenn  im  Rechtsmittelverfahren  der  Ausschluss  im  Mittelpunkt  steht  (vgl.  UNHCR,  Richtlinien  zum  internationalen  Schutz:  Anwendung  der  Ausschlussklauseln:  Artikel  1  F  des  Abkommens  von  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge,  4.  September  2003,  Ziff.  31.  [UNHCR  Richtlinien]);  UNHCR,  Background  Note on the Application of the Exclusion Clauses: Article 1 F of the 1951  Convention relating to the Status of Refugees, Ziff. 100 S. 36 f. [UNHCR  Background Notes]). Das Bundesverwaltungsgericht beachtet vorliegend  dieses  "inclusion  before  exclusion"­Prinzip,  steht  doch  in  casu  die  Abwägung zwischen Schutzinteresse einerseits sowie Verwerflichkeit der  Tat und Schuldfrage anderseits im Vordergrund. 6.  6.1. Das BFM hat in der Verfügung vom 29. Februar 2008 festgestellt, der  Beschwerdeführer  habe  begründete  Furcht,  in  seinem  Heimatland  asylrelevanten  Nachteilen  ausgesetzt  zu  sein.  Er  erfülle  daher  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG.  6.2.  Der  Beschwerdeführer  befürchtet,  einerseits  von  den  LTTE,  andererseits  von  der  sri­lankischen Armee  verfolgt  zu werden. Was  die  Verfolgung durch die LTTE anbelangt, so ist  festzustellen, dass mit dem  Sieg  der  sri­lankischen  Regierung  über  die  Tigers  und  der  damit  verbundenen Liquidierung der gesamten Führungselite im Mai 2009 dem  Beschwerdeführer  als  ehemaligem  Mitglied  seitens  der  Organisation  keine  Verfolgungsgefahr  mehr  droht  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  BVGE  E­6220/2006  vom 27. Oktober 2011).  6.3. Vorliegend steht fest, dass der Beschwerdeführer während Jahren in  verschiedensten  Funktionen  für  die  LTTE  tätig  war  und  über  ausserordentliche  Kenntnisse  über  deren  Führung,  Organisation  und  Strategien  hat.  Betreffend  die  Verfolgung  durch  die  heimatlichen  Behörden  hat  der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll  gegeben,  er  habe  anlässlich  der  Polizeibefragungen  nach  seiner  Verhaftung  seine  tatsächlichen  Funktionen  bei  den  LTTE  verschwiegen.  Während  der  Rehabilitation  hätten  die  sri­lankischen  Behörden  auch  keine  diesbezüglichen  Kenntnisse  erhalten.  Er  sei  deshalb  auch  bereits  nach  einem  Jahr  aus  dem  Rehabilitationsprogramm  als  "unbescholtener  sri­ lankischer  Bürger"  entlassen worden  (vgl.  Akten BFM D6/89 S.  12  und  71).  Weiter  macht  er  geltend,  der  sri­lankische  Geheimdienst  habe  zwischenzeitlich erfahren, dass er bei den LTTE gewesen sei (vgl. Akten 

E­2118/2008 BFM D6/89 S. 77 f.), weshalb er heute eine Verfolgung durch den Staat  befürchte. Nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  hat  die  sri­ lankische Regierung nach wie vor ein erhebliches  Interesse, ehemalige,  namentlich  hochrangige Mitglieder  der  LTTE  aufzuspüren.  Sei  dies,  um  sie  für  allfällig  begangene  Kriegsverbrechen  zur  Verantwortung  zu  ziehen,  sei  es,  um mit  ihrer  Hilfe  weiterer  Kämpfer  habhaft  zu  werden,  oder  ganz  allgemein,  um  ein  Wiederaufleben  der  LTTE  zu  verhindern  (vgl.  BVGE  E­6220/2006  a.a.O.  E.  7.3.,  7.5.  und  8.1).  Vor  diesem  Hintergrund  und  in  Anbetracht  der  Funktionen  sowie  der  damit  verbundenen  ausserordentlichen  Kenntnisse  des  Beschwerdeführers  über  die  LTTE  insgesamt,  ist  auch  heute  noch  von  einer  aktuellen  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  in  seinem  Herkunftsland  auszugehen.  Der  Beschwerdeführer  erfüllt  demnach die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG. 7.  Im  Weiteren  ist  zu  prüfen,  ob  aufgrund  der  vom  Beschwerdeführer  begangenen  Straftat(en)  ein  Grund  zum  Ausschluss  von  der  Flüchtlingseigenschaft gegeben ist. 7.1.  7.1.1.  Gemäss  Art.  1  F  Bst.  b  FK  sind  die  Bestimmungen  dieses  Abkommens nicht anwendbar auf Personen, für die ernsthafte Gründe für  den Verdacht bestehen, dass sie ein schweres Verbrechen des gemeinen  Rechts  ausserhalb  des Gastlandes  begangen haben,  bevor  sie  dort  als  Flüchtling aufgenommen worden sind.  7.1.2. Diese Ausschlussbestimmung ist − ebenso wie die beiden anderen  Tatbestandsvarianten  von  Art.  1  F  FK  (Bst.  a:  Verbrechen  gegen  den  Frieden,  Kriegsverbrechen  oder  Verbrechen  gegen  die  Menschlichkeit;  Bst.  c:  den  Zielen  und  Grundsätzen  der  Vereinten  Nationen  zuwiderlaufende  Handlungen)  −  restriktiv  auszulegen  (vgl.  Handbuch  über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft  gemäss dem Abkommen von 1951 und dem Protokoll von 1967 über die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge,  Genf  1979,  Neuauflage:  2003  [UNHCR,  Handbuch], Ziff. 149). Als schwere Verbrechen im Sinne von Art. 1 F Bst.  b  FK  gelten  gemäss  dem  UNHCR  Kapitalverbrechen  oder  besonders  schwerwiegende  Straftaten,  namentlich  Vergewaltigung,  Mord  und  bewaffneter Raub (vgl. UNHCR Handbuch, Ziff. 155; UNHCR Richtlinien, 

E­2118/2008 Ziff.  14).  Ein  solches  Kapitalverbrechen  fällt  jedoch  dann  nicht  in  den  Anwendungsbereich  von Art.  1 F Bst.  b FK, wenn es einen vorwiegend  politischen Charakter aufweist.  7.1.3.  Ein  weiteres  Tatbestandselement  ist  die  individuelle  Verantwortlichkeit  des  Täters  für  das  ihm  zur  Last  gelegte  Delikt.  Die  Anwendung  von Art. 1 F Bst.  b  FK  schliesst  nicht  aus,  dass  auch  hohe  Führungspersonen  in  Organisationen,  die  als  Mittel  der  Zielerreichung  terroristische Handlungen  begehen  und  dabei  schwere  Verbrechen  des  gemeinen  Rechts  in  Kauf  nehmen,  die  Verantwortung  für  deren  Handlungen  zu  tragen  haben  und  sich  solche  Verbrechen  anrechnen  lassen  müssen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 18 E. 6.2 u. E  6.3  mit  weiteren  Hinweisen;  EMARK  1999  Nr.  11;  vgl. auch  die  systematische  Einordnung  der  Ausführungen  zur  Verantwortlichkeit  in  UNHCR­Richtlinien,  Ziff. 18 ff.).  In  Anbetracht  der  Tragweite  eines  Ausschlusses  vom  Anwendungsbereich  der  Flüchtlingskonvention  ist  jedoch  von  einer  pauschalen  und  undifferenzierten  Zurechnung  der  Verantwortlichkeit  Abstand  zu  nehmen  (UNHCR­Richtlinien,  Ziff. 19;  vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­4286/2008 vom  17. Oktober 2008). 7.1.4. Falls die Beurteilung eines Asylgesuches schliesslich ergibt, dass  effektiv  ein  schweres  gemeinrechtliches  Delikt  begangen  wurde,  ist  die  Anwendung  der  Ausschlussklausel  von  Art.  1  F  Bst.  b  FK  auf  ihre  Verhältnismässigkeit  hin  zu  überprüfen.  Im  Rahmen  dieser  Güterabwägung  sind  die  Folgen  des  Ausschlusses  von  der  Flüchtlingseigenschaft  der  Schwere  der  Tat  gegenüberzustellen  (vgl.  UNHCR,  Richtlinien,  Ziff.  24).  Lässt  sich  im  Rahmen  einer  solchen  Güterabwägung feststellen, dass das Schutzinteresse des Täters vor der  ihm drohenden Verfolgung im Heimatland im Vergleich zur Verwerflichkeit  seines Verbrechens und seiner subjektiven Schuld als geringer erscheint,  so  ist  der  Asylsuchende  vom  Anwendungsbereich  der  Konvention  auszuschliessen (vgl. die weiterhin zutreffende Rechtsprechung der ARK  in EMARK 1993 Nr. 8 E. 6a sowie Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  E­4286/2008 vom 17. Oktober 2008). 7.1.5. Bezüglich des Beweismassstabes bei der Prüfung von Art. 1 F FK  kann  auf  EMARK  2005  Nr.  18  (mit  weiteren  Hinweisen)  verwiesen  werden.  Demnach  müssen  "ernsthafte  Gründe"  für  die  Annahme  eines  Ausschlusstatbestandes  vorliegen.  Dazu  braucht  es  substanziell 

E­2118/2008 verdichtete  Verdachtsmomente;  eine  blosse  Mutmassung  genügt  jedenfalls  nicht.  Die  Anwendung  von  Art.  1  F  FK  ist  ferner  nur  dann  gerechtfertigt,  wenn  der  Betroffene mitbestimmenden  Einfluss  ausgeübt  hat und ihn somit für diese Straftaten eine persönliche Verantwortlichkeit  trifft,  unabhängig  davon,  ob  er  diese  selber  begangen  oder  diese  nur  unterstützt beziehungsweise geduldet hat.  7.2.  7.2.1. Das BFM vertritt  in der angefochtenen Verfügung die Auffassung,  der  Beschwerdeführer  sei  als  Kadermitglied  der  LTTE mitverantwortlich  für die durch diese Organisation im Laufe der Jahre verübten zahlreichen  und notorischen Straftaten, welche sich nicht nur gegen die sri­lankische  Armee, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung sowie Kritiker gerichtet  hätten.  Damit  geht  die  Vorinstanz  von  einer  pauschalen  Verantwortlichkeit  des  Beschwerdeführers  für  von  dieser  Organisation  begangene Gewaltakte  aus,  ohne  seine Stellung  und  seine  persönliche  Verantwortlichkeit  innerhalb  des  Führungsgremiums  genauer  zu  untersuchen. Eine solche Schlussfolgerung fiele – wenn überhaupt – nur  dann  in Betracht, wenn die Schweiz die LTTE offiziell zur  terroristischen  Organisation  im  Sinne  von  Art.  260ter  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21.  Dezember  1937  (StGB,  SR  311.0)  erklärt  hätte,  verbunden  mit  der  Möglichkeit,  die  Mitgliedschaft  in  dieser  Organisation strafrechtlich zu sanktionieren. Dem ist nicht so, weshalb die  Mitgliedschaft bei den LTTE als solche keinen Straftatbestand erfüllt.  Im  Übrigen  könnte  lediglich  bei  Führungspersonen  einer  terroristischen  Organisation allenfalls vom Nachweis strafbarer Beteiligung an einzelnen  bestimmten  Delikten  abstrahiert  werden.  In  Anbetracht  der  Tragweite  eines  Ausschlusses  vom Anwendungsbereich  der  Flüchtlingskonvention  ist  von  einer  pauschalen  und  undifferenzierten  Zurechnung  der  Verantwortlichkeit Abstand zu nehmen. Denn unabhängig von der Frage,  ob und unter welchen Bedingungen sich aus der Zugehörigkeit zu einer  Organisation,  deren  Handlungen  und  Methoden  mitunter  von  extremer  Gewalt  zeugen,  die  Vermutung  einer  persönlichen  Verantwortlichkeit  ableiten  lässt,  hat  jedenfalls  diese  Zurechnung  im  Bereich  der  Anwendung  von Art.  1 F Bst.  b FK stets den  konkreten Gegebenheiten  Rechnung  zu  tragen.  Dabei  sind  insbesondere  die  Stellung  und  Einflussnahme  der  in  Frage  stehenden  Führungspersonen  mit  zu  berücksichtigen  (vgl.  auch  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichtes  BVGE  E­7449/2009  vom  20.  September  2011).

E­2118/2008 7.2.2. Der Beschwerdeführer stand gemäss seinen eigenen Angaben  im  Jahre (…) im Alter von (…) Jahren einer Einheit von (…) LTTE­Kämpfern  vor.  In  der  Folge  war  er  Assistent  des  Chefs  der  (…)  und  brachte  in  dieser Funktion unter anderem  (…) an deren Ausführungsort. Nachdem  F._______ zum Führer des (…) der LTTE ernannt worden war, wurde der  Beschwerdeführer  zunächst  dessen  (...)  und  später  zugleich  auch  noch  dessen  (...).  Ferner war  er  damit  betraut,  für  die Geschichte  der  Tigers  Fotos  und  Videos  von  Zusammenkünften,  Trainings  oder  Angriffen  zu  machen;  dies  insgesamt  während  sieben  Jahren.  Daneben  nahm  er  in  verschiedenen  Funktionen  an  zahlreichen  Kampfhandlungen  teil.  1998  befehligte  er  beim  Angriff  der  sri­lankischen  Armee  auf  ein  Camp  der  LTTE (...) Kämpfer, die grösste von ihm geführte Einheit (vgl. Akten BFM  D6/89  S.  58).  Als  sehr  guter  Schütze  und  Scharfschütze  absolvierte  er  eine  Spezialausbildung  an  (…)  und  kam  insoweit  bei  den  Kämpfen  zu  Spezialeinsätzen  beziehungsweise  Spezialaufgaben,  welche  ihm  unter  anderem  direkt  von  G._______  erteilt  wurden.  Darüber  hinaus  war  er  auch für die Rekrutierung und Ausbildung von Schützen beziehungsweise  für das (…) zuständig (vgl. Akten BFM D6/89 S. 58). Ende 1999, Anfang  2000  kehrte  er  zu  F._______  zurück  und  baute  in  der  Folge  in  dessen  Auftrag eine (…) auf.  Aufgrund  der  Aussagen  und  der  eingereichten  umfangreichen  Fotodokumentation  ist  nicht  ersichtlich,  welchen  Rang  der  Beschwerdeführer  innerhalb  der  straff  hierarchisch  organisierten  LTTE  inne  hatte.  Zweifelsfrei  steht  aber  fest,  dass  er  in  verschiedenen  Funktionen  an  zahlreichen  Kampfhandlungen  teilnahmen  und  unter  anderem bis (...) Kämpfer befehligte. Gemäss seinen Aussagen hätte er  nach  seinem  Tod  einen  höheren  Grad  als  denjenigen  eines  Oberstleutnants  erhalten  (vgl.  Akten  BFM  D6/89  S.  32).  Andererseits  hatte er aufgrund seiner Funktionen als  (...) und  (...) vielfältigen Kontakt  zur  höchsten Führungsspitze  der  LTTE  (vgl.  Fotodokumentation). Es  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  er  über  ausserordentlich  grosse  Kenntnisse  über  die  LTTE  verfügt,  namentlich  über  deren  Führungsspitze,  Organisation,  Zielsetzungen  und  Strategien.  In  Würdigung  der  über  die  Jahre  hinweg  glaubhaft  geltend  gemachten  verschiedenen  Funktionen  und  Aufgaben  geht  das  Gericht  indes  nicht  davon aus, dass der Beschwerdeführer mitbestimmenden Einfluss auf die  strategische und politische Zielsetzung der LTTE hatte. Es besteht somit  keine hinreichende Grundlage dafür, den Beschwerdeführer pauschal für  alle  von  den  LTTE  begangenen  Straftaten  und  Menschenrechtsverletzungen  als  verantwortlich  zu  bezeichnen.  Daran 

E­2118/2008 vermag auch der von der Vorinstanz aufgeführte Umstand, dass er diese  Akte gutgeheissen habe, nichts zu ändern.  7.3.  7.3.1.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  die  vom  Beschwerdeführer  persönlich  beziehungsweise  durch  die  von  ihm  befehligten  Soldaten  begangenen Handlungen den Anforderungen von Art.  1 F Bst. b FK  für  einen Ausschluss von der Flüchtlingseigenschaft zu genügen vermögen.  Der  Beschwerdeführer  war  von  (…)  bis  im  September  2000  in  verschiedenen Funktionen aktives Mitglied der LTTE. Es steht fest, dass  er  an  zahlreichen  Kampfhandlungen  mit  der  sri­lankischen  Armee  beteiligt war, sei dies zunächst als Soldat, später  in anderen Funktionen  unter  anderem als Vorgesetzter  verschieden  grosser Einheiten  oder  als  Spezialist  bei der  (…). Dabei  schoss er unbestrittenermassen direkt auf  andere  Soldaten  beziehungsweise  in  seiner  (…).  Auch  war  er  an  der  Entführung  eines  indischen  Schiffes,  welches  von  der  sri­lankischen  Armee gemietet wurde, beteiligt. Es steht daher fraglos fest, dass sich der  Beschwerdeführer  über  die  Jahre  hinweg  stets  mit  den  Zielen  und  der  Vorgehensweise  der  LTTE,  namentlich  auch  der  Tötung  anderer  Menschen identifiziert hat. 7.3.2.  Im  Weiteren  stellt  sich  die  Frage,  ob  es  sich  bei  diesen  dem  Beschwerdeführer zuzurechnenden Taten um "Verbrechen des gemeinen  Rechts" im Sinne von Art. 1 F Bst. b FK handelt.  Bei  der  Unterscheidung,  ob  ein  Vergehen  eine  nichtpolitische  Straftat  darstellt, welche unter den Ausschlusstatbestand von Art. 1 F Bst. b FK  fällt,  oder  eine  politische,  welche  nicht  von  dieser  Bestimmung  erfasst  wird,  hält  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  an  die  entsprechende  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  im  Auslieferungsrecht  (vgl.  insbesondere BGE 106 Ib 297). Dabei ist in erster Linie zu beachten, um  was  für  ein  Verbrechen  es  sich  handelt  und  welcher  Zweck  mit  der  Straftat verfolgt wurde. Bei der Begehung eines politischen Deliktes muss  ein  enger  und  direkter  kausaler  Zusammenhang  zwischen  dem  begangenen Verbrechen und dem angeblich politischen Zweck und Ziel  des  Verbrechens  bestehen.  Bei  der  Straftat  soll  auch  das  politische  Element dasjenige nach gemeinem Recht überwiegen. Dies  ist nicht der  Fall, wenn die begangenen Straftaten  in grobem Missverhältnis  zu dem  angeblich  erstrebten  Ziel  stehen.  Wird  die  Straftat  besonders  grausam  begangen, ist es schwer, ihren politischen Charakter zu akzeptieren. Der 

E­2118/2008 politische Charakter  ist  insbesondere dann anzunehmen, wenn mit dem  Delikt  überwiegend  politische  Ziele  verfolgt  wurden  und  die  Tat  im  Gesamtkontext des Einzelfalles verhältnismässig erscheint (vgl. UNHCR­ Richtlinien,  Ziff. 15). Hat  ein Delikt  nach  den Beweggründen  und Zielen  des Täters einen vorwiegend politischen Charakter, so ist die Straftat als  relativ  politisches  Delikt  zu  bezeichnen,  bei  welchem  das  vom  Täter  verfolgte  politische  Ziel  und  die  durch  die  Tat  verletzten Rechtsgüter  in  einem  angemessenen  Verhältnis  stehen müssen.  Schwere,  gegen  Leib  und  Leben  gerichtete  Straftaten  können  nur  dann  als  solch  relativ  politische Delikte bezeichnet werden, wenn die Handlungen das einzige  Mittel sind, um die auf dem Spiele stehenden, elementaren Interessen zu  wahren und das gesetzte politische Ziel zu erreichen (vgl. (vgl. BGE 106  Ib 307, BGE 110 1b 285, EMARK 1993 Nr. 8).  Wie  vorstehend  dargelegt,  hat  der  Beschwerdeführer  an  zahlreichen  Kampfhandlungen  zwischen  den  LTTE  und  der  sri­lankischen  Armee  teilgenommen und dabei unbestrittenermassen Armeeangehörige verletzt  und  getötet.  Ebenso  steht  fest,  dass  er  als  Vorgesetzter  die  Begehung  solcher Taten durch die ihm untergebenen Kämpfer zu verantworten hat.  Indes  ergeben  sich  aus  den  Akten  keine  Hinweise  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  an  Übergriffen  auf  die  Zivilbevölkerung  Sri  Lankas  direkt oder indirekt beteiligt war. Demnach kann ihm nur die Teilnahme an  Angriffen auf Armee­Camps und an bewaffneten Auseinandersetzungen  mit Soldaten der sri­lankischen Armee vorgehalten werden. Was den ihm  vom  BFM  gemachten  Vorwurf  anbelangt,  er  habe  auch  die  Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen, in dem er unter anderem ein  indisches  Schiff  entführt  habe,  ist  festzuhalten,  dass  dieses  Schiff  laut  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  von  der  sri­lankischen  Armee  gemietet wurde. Ob und allenfalls  inwieweit der Beschwerdeführer auch  unschuldige Zivilpersonen bewusst geschädigt hat, ist den Akten nicht zu  entnehmen.  Sodann  ist  davon  auszugehen,  dass  alle  Handlungen  des  Beschwerdeführers  im Hinblick auf das von den LTTE verfolgte Ziel der  Erlangung  der  Autonomie  der  tamilisch  dominierten Gebiete  im Norden  und  Osten  Sri  Lankas  erfolgten  und  damit  einen  eindeutig  politischen  Hintergrund  hatten.  Persönliche  oder  wirtschaftliche  Motive  seitens  des  Beschwerdeführers sind aufgrund der Akten nicht ersichtlich.  In  der  Lehre  und  der  Rechtsprechung  wird  übereinstimmend  die  Auffassung vertreten, dass militärische Operationen  im Rahmen  interner  bewaffneter Konflikte und Aufstände  in der Regel die Anforderungen an  die  Zuerkennung  des  politischen  Charakters  erfüllen  und  die  Tötung 

E­2118/2008 eines Menschen, die im Rahmen eines Bürgerkrieges oder eines offenen  bewaffneten Konflikts erfolgt ist, auslieferungsrechtlich als angemessenes  Mittel erscheinen kann (BGE 106 Ib 107, S. 310, mit weiteren Hinweisen;  WALTER  KÄLIN  und  JÖRG  KÜNZLI,  Article  1F(b):  Freedom  Fighters,  Terrorists  and  the  Notion  of  Serious  Non­Political  Crimes,  International  Journal of Refugee Law, 2000/12, Special Supplementary  Issue, Winter  2000, S. 67).  Vorliegend  liegen  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  vor,  welche  die  Handlungen  des  Beschwerdeführers  klar  als  unverhältnismässig  erscheinen  liessen,  dies  namentlich  deshalb,  weil  die  konkreten  Umstände  der  bewaffneten  Auseinandersetzungen,  an  welchen  er  beteiligt  war,  nicht  erstellt  sind.  Es  kann  zudem  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  bei  einzelnen  Vorfällen  Notwehr­  beziehungsweise  Notstandssituationen  vorlagen.  In  Anbetracht  dieser  Erwägungen  sowie  unter  Berücksichtigung  des  Umstands,  dass  die  Ausschlusstatbestände  der Flüchtlingskonvention restriktiv angewendet werden sollten, erscheint  es gerechtfertigt, die Taten des Beschwerdeführers als politische Delikte  einzustufen,  womit  die  Voraussetzungen  für  einen  Ausschluss  des  Beschwerdeführers  von  der  Flüchtlingseigenschaft  gestützt  auf  Art.  1  F  Bst. b FK nicht gegeben sind. 7.4.  Im  Übrigen  sind  in  casu  auch  die  Kriterien  der  Ausschlusstatbestände  von  Art.  1  F  Bst.  a  (Verbrechen  gegen  den  Frieden,  Kriegsverbrechen,  Verbrechen  gegen  die  Menschlichkeit)  und  Bst.  c  FK  (gegen  die  Ziele  und  Grundsätze  der  Vereinten  Nationen  gerichtete Handlungen) nicht erfüllt. 7.5. Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanz den  Beschwerdeführer  zu  Unrecht  von  der  Flüchtlingseigenschaft  ausgeschlossen hat. 8.  8.1.  Als  nächstes  ist  zu  prüfen,  ob  die  dem  Beschwerdeführer  anzurechnenden  Taten  allenfalls  wegen  Asylunwürdigkeit  die  Voraussetzungen  für  die  Verweigerung  des  Asyls  gestützt  auf  Art.  53  AsylG erfüllen. 8.2.  8.2.1. Gemäss Art. 53 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn  sie wegen verwerflicher Handlungen dessen unwürdig sind oder wenn sie 

E­2118/2008 die  innere oder die äussere Sicherheit  der Schweiz  verletzt  haben oder  gefährden.  8.2.2.  Nach  konstanter  Praxis  wurden  unter  verwerflichen  Handlungen  nach Art.  53  AsylG  diejenigen Delikte  verstanden,  deren  Begehung mit  einer  "Zuchthausstrafe" gemäss dem bis 31. Dezember 2006 geltenden  allgemeinen Teil des schweizerischen Strafgesetzbuches bedroht wurde  und  die  daher  als  "Verbrechen"  galten  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­4286/2008  vom  17. Oktober  2008  E.  6.3;  sowie  die  Urteile  der  EMARK  2003  Nr.  11  E.  7;  EMARK  2002  Nr.  9;  EMARK  1998 Nr.  12  und Nr.  28).  Als  verwerfliche Handlungen werden  damit  auch  weniger  gravierende  Delikte  aufgefasst  als  ein  "schweres  Verbrechen  des  gemeinen  Rechts"  im  Sinne  von  Art.  1  F  Bst.  b  FK,  solange  sie  dem  abstrakten  Verbrechensbegriff  entsprechen.  Diese  Ordnung wurde vom Gesetzgeber mit der Totalrevision des Asylgesetzes  bewusst übernommen (vgl. Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes  sowie  zur  Änderung  des  Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und  Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995, BBl 1996  II S. 71  ff.).  Irrelevant  ist, ob die verwerflichen Handlungen einen ausschliesslich  gemeinrechtlichen  Charakter  haben  oder  als  politische  Delikte  einzustufen sind (EMARK 2002 Nr. 9, E. 7b). Betreffend das anzusetzende Beweismass wurde  in der Botschaft  – mit  Bezug auf im Ausland begangene Straftaten – für Art. 1 F FK und Art. 53  AsylG  ausgeführt,  es müssten  hinlänglich  konkrete  Anhaltspunkte  dafür  vorliegen,  dass  die  betreffende  Person  für  solche  Taten  individuell  verantwortlich  ist  und  es  müsse  auf  deren  individuellen  Tatbeitrag  abgestellt  werden. Demnach  sind  zu  diesem nicht  nur  die Schwere  der  Tat und der persönliche Anteil am Tatentscheid, sondern auch das Motiv  des  Täters  und  allfällige Rechtfertigungs­  oder  Schuldmilderungsgründe  zu  zählen.  Die  Praxis  folgt  sodann  der  in  der  Lehre  vertretenen  Auffassung,  wonach  bei  der  Beurteilung  der  Asylunwürdigkeit  auch  der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  zu  beachten  ist.  Dabei  ist  vorab  in  Betracht  zu  ziehen, wie  lange die Tat  bereits  zurückliegt, wobei  auf  die  Verjährungsbestimmungen  des  Strafrechts  verwiesen  wird.  Ebenso  haben das Alter des Flüchtlings im Zeitpunkt der Tatbegehung sowie eine  allfällige Veränderung der  Lebensverhältnisse nach der Tat Einfluss auf  diese Entscheidfindung (vgl. EMARK 2002 Nr. 9 E. 7d mit Hinweisen). 8.2.3.  Der  Beschwerdeführer  war  von  (…)  bis  im  September  2000  in  verschiedenen Funktionen aktives Mitglied der LTTE. Es steht fest, dass 

E­2118/2008 er  an  zahlreichen  Kampfhandlungen  mit  der  sri­lankischen  Armee  beteiligt war, sei dies zunächst als Soldat, später  in anderen Funktionen  unter  anderem als Vorgesetzter  verschieden  grosser Einheiten  oder  als  Spezialist  und  Ausbilder  bei  (…).  Aufgrund  dieser  Tätigkeiten  und  insbesondere  auch  aufgrund  seiner  eindeutigen Aussagen  ist  zwingend  zu schliessen, dass er sich mit den Zielen und der Vorgehensweise der  LTTE  in  jeder  Hinsicht  identifizierte.  Er  hat  die  gewaltbereiten  LTTE  demnach  während  rund  (…)  Jahren  in  höchstem  Ausmass  in  verschiedensten  Funktionen militant  unterstützt.  Als  Einzelner  war  er  in  seinen  verschiedenen  Funktionen  objektiv  gesehen  zwar  eine  austauschbare Person innerhalb der LTTE. Ohne solche Personen wäre  es  aber  nicht  möglich  gewesen,  die  Organisation  über  Jahre  hinweg  aufzubauen  und  zu  unterhalten.  Der  vom  Beschwerdeführer  geleistete  Beitrag  innerhalb  der  LTTE  ist  daher  als  sehr  gross  zu  bezeichnen.  Insoweit  ist  deshalb  unerheblich,  dass  die  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  rund  zehn  Jahre  zurückliegen.  Insgesamt  bestehen  vorliegend  genügend  konkrete  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  zwischen  1988  und  2000  zugunsten  der  LTTE  verwerfliche Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG begangen hat. 8.2.4.  Was  die  Verhältnismässigkeit  des  Ausschlusses  vom  Asyl  anbelangt,  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  seines  Beitrittes  zur  LTTE  (…)  Jahre  alt,  (…)  war.  Gemäss  seinen  eigenen  Angaben  trat  er  der  Organisation  freiwillig  bei,  nachdem  sein  jüngerer  Bruder  vor  seinen  Augen  von  indischen  Soldaten  erschossen  worden  war.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  der  Beitritt  des  Beschwerdeführers  nachvollziehbar  und  damit  auch  in  gewissem Sinne  verständlich. Gegen ihn spricht indes die Tatsache, dass er während rund  (…)  Jahren  in  unterschiedlichsten Funktionen und mit  unterschiedlichen  Verantwortungen bei den LTTE verblieb. Zu seinen Gunsten kann einzig  angeführt  werden,  dass  er  sich  bereits  im  Jahre  2000  von  den  LTTE  abgewendet  hat.  Dies  geschah  aber  gemäss  seinen  eigenen  Angaben  aufgrund  persönlicher  Probleme  innerhalb  der Organisation  sowie  einer  vom Beschwerdeführer eingestandenen Kriegsmüdigkeit. Dass er sich im  Übrigen  klar  und  eindeutig  von  den  LTTE  und  ihren  Taten  distanziert  hätte  oder  gar  ihren  Kampf  verurteilen  würde,  ist  den  Akten  nicht  zu  entnehmen. Vor diesem Hintergrund erachtet das Gericht den Ausschluss  des Beschwerdeführers vom Asyl als angemessen. 9. 

E­2118/2008 9.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 9.2. Der  Beschwerdeführer  verfügt  aufgrund  seiner  Heirat  mit  einer  als  Flüchtling  anerkannten  und  über  eine  Aufenthaltsbewilligung  B  verfügenden  Landsfrau  über  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung  B.  Insoweit  hat  das  BFM  fälschlicherweise  festgestellt, der Beschwerdeführer werde aus der Schweiz weggewiesen.  Ebenso  hat  es  in  der  Folge  zu  Unrecht  den  Vollzug  der  Wegweisung  geprüft  und  festgestellt,  dieser  sei  zufolge  Unzulässigkeit  nicht  durchführbar, weshalb es den Beschwerdeführer  vorläufig aufnahm. Die  Ziffern  3  bis  7  der  Verfügung  des  BFM  vom  29. Februar  2008  sind  demnach unzutreffend und daher aufzuheben.  10.  Nach dem Gesagten ist die Beschwerde betreffend die Dispositivziffern 1  und 3 bis 7 der Verfügung des BFM vom 29. Februar 2008 gutzuheissen.  Betreffend  die  Zuerkennung  von  Asyl  (Dispositivziffer  2)  ist  sie  demgegenüber  abzuweisen.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  den  Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen. 11.  11.1. Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  sind  dem Beschwerdeführer  praxisgemäss  um  zwei  Drittel  reduzierte  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von Fr.  200.­  aufzuerlegen  (Art. 63 Abs.  1 VwVG, Art.  16 Abs.  1 Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  2,  3  und  5  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  21.  Februar  2008 [VGKE, SR 173.310.2]).  11.2. Obsiegende  oder  teilweise  obsiegende  Parteien  haben  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 4 VGKE). Angesichts  des  teilweisen  Obsiegens  ist  dem  Beschwerdeführer  eine  reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 7 Abs. 2 VGKE). Der  Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Auf die Nachforderung  einer  solchen  kann  jedoch  verzichtet  werden,  da  sich  die  Vertretungskosten aufgrund der Akten abschätzen lassen (Art. 14 Abs. 2  VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren 

E­2118/2008 (Art.  8,  9  und  11  VGKE)  ist  die  um  einen  Drittel  zu  kürzende  Parteientschädigung  auf  Fr. 900.­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  diesen  Betrag als Parteientschädigung zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­2118/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die Ziffern 1 und 3 bis 7 der  Verfügung des BFM vom 29. Februar 2008 werden aufgehoben.  2.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  als  Flüchtling  anzuerkennen. 3.  Dem  Beschwerdeführer  werden  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 200.­  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  900.­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Barbara Balmelli Versand:

E-2118/2008 — Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 E-2118/2008 — Swissrulings