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Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 E-1909/2008

16 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,457 mots·~12 min·3

Résumé

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Februar 2008

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­1909/2008 Urteil   v om   1 6 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richterin Christa Luterbacher,    Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei,   vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Februar 2008 / N (…).

E­1909/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer, ein Kurde aus B._______ mit letztem Wohnsitz in  Istanbul, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 7. Juli  2007 und gelangte am 13. Juli 2007  in die Schweiz, wo er am gleichen  Tag um Asyl nachsuchte. Am 27. Juli 2007 wurde er  im Empfangs­ und  Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  summarisch  befragt.  Am  17.  August  2007 folgte eine Direktanhörung durch das Bundesamt.  Der  Beschwerdeführer  begründete  sein  Asylgesuch  im  Wesentlichen  damit,  er  stamme  aus  einer  politisch  engagierten  Familie.  Sein  Vater  C._______  habe  während  26  oder  27  Jahren  für  die  HADEP  (Halkin  Demokrasi  Partisi,  Partei  der  Demokratie  des  Volkes)  (später:  DEHAP  [Demokratik Halk Partisi,  demokratische Volkspartei])  gearbeitet  und sei  deswegen nach D._______ geflüchtet, wo er während (…) Jahren gelebt  habe. Danach sei er  in die Türkei abgeschoben worden, worüber  in den  türkischen  Medien  berichtet  worden  sei.  Aus  diesem  Grund  sei  in  der  Umgebung bekannt gewesen, dass er und seine Geschwister die Kinder  von  C._______  seien.  Es  sei  ein  Strafverfahren  gegen  seinen  Vater  eröffnet  worden.  Wegen  seines  Vaters  sei  auch  sein  älterer  Bruder  behelligt  und  für  mehrere  Monate  inhaftiert  worden.  Schliesslich  seien  sein Vater und der Bruder ausgereist. Seither hätten die Zivilpolizei und  die  uniformierte  Polizei  zu  Hause  nach  deren  Verbleib  gefragt.  Der  Beschwerdeführer sei  ferner dreimal von der Zivilpolizei auf den Posten  mitgenommen  und  während  zwei  bis  drei  Stunden  festgehalten  sowie  nach  seinem  Bruder  und  seinem  Vater,  welche  in  der  Schweiz  seien,  befragt  worden.  Schliesslich  seien  er  und  seine  jüngeren  Brüder  von  ihnen  unbekannten  Gruppen  angegriffen  worden,  und  es  sei  zu  Schlägereien gekommen. Dabei seien sie wegen ihres Vaters beschimpft  worden.  Nachdem  er  schliesslich  zum  Militärdienst  aufgeboten  worden  sei,  habe  er  sich  aus  Angst,  wegen  seiner  familiären  Vorbelastung  in  einem besonders schwierigen Gebiet eingesetzt zu werden, zur Ausreise  entschlossen.  Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. B.  Das  Bundesamt  stellte  mit  Verfügung  vom  20.  Februar  2008  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  ordnete  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers aus der Schweiz an. Die Vorinstanz begründete  ihre 

E­1909/2008 Verfügung  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  weder  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  noch  denjenigen  an  die  Glaubhaftigkeit  standhielten.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  Türkei  befand  die  Vorinstanz  für  zulässig,  zumutbar,  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar. C.  Mit Eingabe vom 20. März 2008 beantragte der Beschwerdeführer durch  seinen  Rechtsvertreter  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  sei auf die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschusses zu verzichten,  wobei  die  Nachreichung  einer  Fürsorgebestätigung  in  Aussicht  gestellt  wurde.  Der  Beschwerdeführer  machte  zudem  geltend,  das  Bundesamt  habe  sein  Gesuch  um  Akteneinsicht  vom  14.  März  2008  noch  nicht  behandelt, weshalb  ihm eine Frist  für eine Beschwerdeverbesserung zu  gewähren sei. D.  Mit Zwischenverfügung der damals zuständigen Instruktionsrichterin vom  28. März  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  unter  Fristansetzung  dazu  aufgefordert, eine Beschwerdeverbesserung einzureichen. E.  Mit  Eingabe  vom  31.  März  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Beschwerdeverbesserung  nach.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Gleichzeitig  wurde  ein  Rundbrief  der  KDV  (Kriegsdienstverweigerung),  Auszug  aus  der  Ausgabe  vom  November  2000,  als  Beweismittel  zu  den  Akten  gereicht.  F.  Am  1.  April  2008  wurde  eine  Fürsorgebestätigung  nachgereicht.  Mit  verfahrensleitender Verfügung vom 16. April 2008 wurde das Gesuch um  Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gutgeheissen. G.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  17.  April  2008  beantragte  die  Vorinstanz  die Abweisung der Beschwerde.

E­1909/2008 H.  Am  7.  Januar  2010  erkundigte  sich  der  Beschwerdeführer  nach  dem  Verfahrensstand.  Dieses  Schreiben  wurde  vom  Gericht  am  14.  Januar  2010 beantwortet. I.  Mit verfahrensleitender Verfügung vom 15. September 2011 wurde dem  Beschwerdeführer  Gelegenheit  gegeben,  allfällige  Ergänzungen  zu  machen und gegebenenfalls Beweismittel einzureichen. J.  Am 30.  September  2011  reichte  der Beschwerdeführer  eine Ergänzung  ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).Diese Ausnahme liegt hier nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 

E­1909/2008 schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 1  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1,  Art.  50  und  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.3. Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung liegt vor, wenn konkreter  Anlass  zur  Annahme  besteht,  letztere  hätte  sich  –  aus  der  Sicht  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zeit  verwirklicht  und  werde  sich  –  auch  noch  aus  heutiger  Sicht  –  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfolgung  genügt nicht; es müssen konkrete  Indizien vorliegen, welche den Eintritt  der  erwarteten  –  und  aus  einem  der  vom  Gesetz  abschliessend  aufgezählten  Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich 

E­1909/2008 und  dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2004 Nr.  1 E. 6a,  m.w.H.).  Begründete  Furcht  vor  Verfolgung  enthält  eine  subjektive  und  eine  objektive  Komponente  (vgl.  BVGE  2010/57  E  2.5).  Die  subjektive  Furcht vor Verfolgung muss auch objektiv begründet sein, d.h. sie muss  angesichts  der  tatsächlichen  Situation  gerechtfertigt  erscheinen.  Massgebend  für  die  Bestimmung  der  begründeten  Furcht  ist  allerdings  nicht  allein,  was  ein  normal  empfindender  Mensch  angesichts  der  geschehenen  oder  drohenden  Verfolgungsmassnahmen  zu  Recht  empfunden  hätte.  Diese  rein  objektive  Betrachtungsweise  ist  zusätzlich  durch  das  vom  Betroffenen  bereits  Erlebte  und  das  Wissen  um  Konsequenzen  in vergleichbaren Fällen zu ergänzen (vgl. BVGE 2010/9  E.  5.2).  Dabei  hat  derjenige,  der  bereits  früher   Verfolgung  ausgesetzt  war,  objektive  Gründe  für  eine  ausgeprägtere  subjektive  Furcht  als  jemand,  der  erstmals  ernsthafte Nachteile  erlebt  (vgl.  EMARK 1993 Nr.  11 E. 4c S. 71 f., EMARK 2000 Nr. 9 E. 5a S. 78). 4.  4.1.  Das  Bundesamt  begründete  seine  ablehnende  Verfügung  vom  20. Februar 2008 im Wesentlichen damit, der Beschwerdeführer habe zu  zentralen  Elementen  seiner  Verfolgungssituation  unsubstanziierte  und  widersprüchliche  Aussagen  gemacht,  welche  zum  Schluss  führen  würden,  dass  er  sich  mit  diesen  Vorbringen  auf  einen  konstruierten  Sachverhalt  und  nicht  auf  tatsächlich  Erlebtes  beziehe.  So  habe  er  die  polizeilichen  Mitnahmen  und  Nachfragen  wegen  seines  Vaters  und  seines  Bruders,  die  in  der  Schweiz  Asyl  erhalten  hätten,  zeitlich  nicht  einordnen  können.  Auch  habe  er  über  die  Angaben  hinaus,  wonach  er  jeweils in einem Büroraum mit einem Tisch und mehreren Stühlen verhört  worden  sei,  keinerlei  Angaben  zum  Ort  der  Verhöre  machen  können.  Zudem  habe  er  nicht  angeben  können,  ob  diese  Verhöre  jeweils  im  gleichen  Raum  stattgefunden  hätten.  Weiter  habe  er  zu  den  drei  Mitnahmen,  welche  sich  immer  gleich  abgespielt  hätten,  stereotype  Aussagen  gemacht.  Ferner  habe  er  zur  Häufigkeit  der  polizeilichen  Vorsprachen  –  einerseits  Zivilpolizisten,  andererseits  uniformierte  Polizisten  ­  unterschiedliche  Aussagen  gemacht.  Schliesslich  habe  der  Beschwerdeführer  vorgebracht,  die  Polizisten  seien  nicht  mehr  gekommen,  nachdem  sie  ihnen  gesagt  hätten,  dass  der  Bruder  inzwischen  in  der  Schweiz  lebe.  Auf  die  Frage,  wann  sie  dies  den  Polizisten gesagt hätten, habe der Beschwerdeführer erklärt, dies sei vor 

E­1909/2008 etwa zwei oder drei Jahren gewesen. An anderer Stelle habe er  jedoch  zu Protokoll gegeben, die Vorladungen für seinen Bruder seien noch bis  vor  acht  oder  neun Monaten  gekommen.  Gestützt  auf  diese  Aussagen  hielt  die  Vorinstanz  fest,  der  Beschwerdeführer  habe  keine  Reflexverfolgungsmassnahmen  glaubhaft  machen  können.  Es  bestehe  somit  kein  Grund  zur  Annahme,  dass  er  wegen  seines  familiären  Umfeldes mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und  in absehbarer Zukunft  Reflexverfolgungsmassnahmen  ernsthaften  Ausmasses  erleiden müsse.  Schliesslich  bezeichnete  die  Vorinstanz  die  befürchteten  Benachteiligungen während des Militärdienstes wegen seiner kurdischen  und familiären Vorbelastung als asylrechtlich nicht beachtlich. 4.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  dazu  eingewendet,  der  Beschwerdeführer und seine Familie seien nach der Flucht des Vaters in  die  Schweiz,  wo  diesem  Asyl  gewährt  worden  sei,  ins  Visier  der  türkischen Behörden geraten. Deshalb seien sie nach  Istanbul gezogen.  Dort seien sie weiterhin beobachtet und schikaniert worden. E._______,  ein Bruder des Beschwerdeführers, sei festgenommen worden und nach  seiner Freilassung in die Schweiz geflohen, wo er ebenfalls als Flüchtling  anerkannt  worden  sei.  Die  Repressionen  gegen  die  Familie  würden  andauern.  So  sei  auch  der  Beschwerdeführer  nicht  davon  verschont  worden. Die Verhaftung von E._______ sei ein Beweis, dass die Familie  als  terroristenfreundlich  gelte  und  daher  den  Repressionen  durch  die  Sicherheitskräfte ausgesetzt sei. Es sei eine bekannte Tatsache, dass in  der Türkei die Familienmitglieder einer Person, die sich für die kurdische  Sache  eingesetzt  habe, mit  Erniedrigungen, Entführungen,  Folterungen,  langjährigen Freiheitsstrafen  und  sogar  aussergerichtlichen Exekutionen  rechnen  müssten.  Der  Beschwerdeführer  sei  dreimal  auf  den  Polizeiposten mitgenommen und nach seinem Vater und seinem Bruder  gefragt worden. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe er glaubhafte  Aussagen  gemacht.  Es  liege  somit  eine  Reflexverfolgung  vor,  welche  auch  von  der  Rechtsprechung  anerkannt  werde.  Im  Übrigen  sei  die  Furcht des Beschwerdeführers,  im Militärdienst benachteiligt  zu werden,  begründet. 4.3.  In  seiner  Eingabe  vom  30.  September  2011  führte  der  Beschwerdeführer  aus,  die  politische  Lage  in  seinem  Heimatland  habe  sich  nicht  verändert.  Die  Behörden  würden  weiterhin  Druck  auf  seine  Familie  ausüben  und  hätten  sich  letztmals  vor  zirka  vier Monaten  nach  dem  Beschwerdeführer,  dem  Vater  und  dem  Bruder  E._______  erkundigt. Im Falle einer Rückkehr in die Türkei müsse er damit rechnen, 

E­1909/2008 festgenommen,  verhört  und  verhaftet  zu  werden.  Zudem  hätten  die  bewaffneten  Auseinandersetzungen  zwischen  den  türkischen  Armeeeinheiten  und  den  PKK­Kämpfern  in  den  letzten  zwei  Monaten  zugenommen. 5.  5.1. Vorliegend gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach Prüfung der  Akten  zum  Schluss,  dass  die  Vorinstanz  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  abgewiesen  hat.  Sie  hat  den  Sachverhalt  genügend  abgeklärt  und  in  ihrem  Entscheid  die  Gründe  aufgeführt,  welche auf die fehlende Glaubhaftigkeit der Vorbringen und die fehlende  Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers schliessen lassen. 5.1.  In  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  unglaubhafte  Aussagen  gemacht  hat.  So  hat  er  betreffend die vorgebrachten Mitnahmen wegen seines Vaters und seines  älteren Bruders weder  zum Zeitpunkt  noch  zum Ort,  wo  er  hingebracht  worden sei, genaue Angaben machen können (vgl. Akten BFM A1 S. 5 f.,  A11,  S. 5).  Auf  Nachfragen  nach  dem  Zeitpunkt  gab  er  anlässlich  der  summarischen  Befragung  vorerst  an,  er  wisse  nicht  mehr,  wann  die  Mitnahmen gewesen seien, da es lange her sei. Später führte er aus, es  sei  im  Jahre  2003,  2004  oder  2005  gewesen  (vgl.  A1  S. 5  und  6).  Anlässlich  der  summarischen  Befragung  gab  er  betreffend  die  letzte  Mitnahme  auf  eine  entsprechende  Frage  zudem  zu Protokoll,  diese  sei  drei, vier Monate vor der Ausreise gewesen. An gleicher Stelle verneinte  er  die  Frage,  ob  in  diesem  Zeitraum  noch  etwas  vorgefallen  sei,  um  später  anzugeben,  die  letzte  Mitnahme  könnte  auch  ein  oder  zwei  Monate  vor  der  Ausreise  gewesen  sein  (vgl.  A1  S. 6  und  8).  Bei  der  direkten Anhörung machte er diesbezüglich geltend, die  letzte Mitnahme  sei  vermutlich eineinhalb bis  zwei Monate  vor  seiner Ausreise gewesen  (vgl.  A11  S. 4).  Schliesslich  vermochte  er  auch  zum  Ort,  wo  man  ihn  jeweils  hingeführt  habe,  keine  Angaben  zu  machen.  Die  Aussagen,  wonach das Verhör  immer in einem Raum mit einem Stuhl, einem Tisch  und  einer  Lampe  stattgefunden  habe  (vgl.  A1  S. 6,  A11  S. 5),  sind  stereotyp  und  lassen  weitere  Zweifel  am  Wahrheitsgehalt  dieser  Mitnahmen aufkommen. Schliesslich hat der Beschwerdeführer auch zur  Häufigkeit  und  zum  Zeitpunkt  der  polizeilichen  Besuche  zwecks  Übergabe  von  Vorladungen  für  den  Bruder  widersprüchliche  Angaben  gemacht. Einerseits gab er an, die uniformierten Polizisten seien zweimal  gekommen  (vgl.  A1  S. 6).  Gemäss  der  direkten  Anhörung  sollen  diese 

E­1909/2008 sehr oft, sicher mehr als zweimal (vgl. A11 S. 3) gekommen sein. Ferner  erklärte  er  auf  eine  entsprechende  Frage,  die  Polizei  sei  nicht  mehr  erschienen, nachdem sie erklärt hätten, dass der Bruder  in der Schweiz  lebe. Dies  sei  vor  etwa  zwei  oder  drei  Jahren gewesen  (vgl. A11 S. 3),  um  diese  Antwort  auf  weitere  Nachfragen  zu  wiederholen.  Kurz  darauf  korrigierte  er  seine  Aussage  und  gab  an,  es  sei  vier  oder  fünf  Monate  bevor er ausgereist sei, gewesen. Insgesamt lässt das Aussageverhalten  des Beschwerdeführers den Eindruck aufkommen, er habe wegen seines  Vaters  und  seines  Bruders  keine  Schwierigkeiten  gehabt.  Indem  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  dazu  ausführt,  seine  Aussagen  seien  zutreffend  und  glaubhaft  ausgefallen,  vermag  er  den  hiervor  festgestellten  Unstimmigkeiten  nichts  Substanzielles  entgegenzuhalten.  Im  Übrigen  spricht  auch  der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer am 21. April 2005 bei den türkischen Behörden seinen  Reisepass verlängern liess (vgl. A1 S. 4), gegen ein von diesen Behörden  ausgehendes Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer. 5.2.  Als  Zwischenergebnis  ist  somit  festzustellen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt der Ausreise aus  der  Türkei  bestehende  oder  unmittelbar  drohende  asylrelevante  Verfolgung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen.  5.3.  Was  ferner  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Befürchtungen, wegen  seiner  kurdischen Herkunft  und  seiner  familiären  Vorbelastung  in  dem  ihm  bevorstehenden  Militärdienst  vermehrten  Schikanen ausgesetzt  zu werden, betrifft,  ist  festzuhalten,  dass gemäss  konstanter  Rechtsprechung  eine  allfällige  Strafe  wegen Refraktion  oder  Desertion  grundsätzlich  keine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  darstellt. Es gehört zu den legitimen Rechten eines Staates, seine Bürger  zum  Militärdienst  einzuberufen  und  zur  Durchsetzung  der  Wehrpflicht  strafrechtliche  oder  disziplinarische  Sanktionen  zu  verhängen  (vgl.  z.B.  Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts D­5392/2010 vom 30. August  2010  und  D­1896/2009  vom  22. Juli  2009).  Allerdings  ist  eine  wegen  Missachtung  der  Dienstpflicht  drohende  Strafe  dann  asylrelevant,  wenn  der Wehrpflichtige wegen seines Verhaltens mit einer Strafe zu rechnen  hat,  welche  entweder  aus  Gründen  nach  Art.  3  AsylG  diskriminierend  höher  ausfällt  oder  an  sich  unverhältnismässig  hoch  ist,  oder wenn  die  Einberufung  zum Wehrdienst  darauf  abzielt,  einem Wehrpflichtigen  aus  einem  der  in  Art.  3  AsylG  genannten  Gründe  erhebliche  Nachteile  zuzufügen  oder  diesen  in  völkerrechtlich  verpönte  Handlungen  zu  verstricken  (EMARK  2004  Nr.  2). Wehrpflichtige Männer  werden  in  der 

E­1909/2008 Türkei  aufgrund  der  Staatsangehörigkeit  und  ihres  Jahrgangs  für  das  Militär  aufgeboten,  ohne  dass  dieser  Verpflichtung  eine  asylrechtlich  relevante  Verfolgungsabsicht  des  Staates  zugrunde  liegen  würde.  Eine  allfällige  Bestrafung  des  Beschwerdeführers  wegen  Wehrdienstverweigerung  wäre  mithin  als  asylrechtlich  nicht  relevant  zu  qualifizieren.  Im  Weiteren  ist  zwar  bekannt,  dass  während  des  Militärdienstes  Schikanen  von  Seiten  türkischer  Kameraden  und  Vorgesetzten  gegen  Kurden  vorkommen  können,  diese  jedoch  in  der  Regel nicht derart gravierend sind, dass es sich um ernsthafte Nachteile  im  Sinne  des  Asylgesetzes  handeln  würde.  Zudem  sind  seit  mehreren  Jahren  keine  Fälle  extralegaler  Tötungen  während  des  Militärdienstes  mehr  bekannt  geworden.  Der  in  diesem  Zusammenhang  eingereichte  Auszug  aus  einem  Rundbrief  der  (deutschen)  Organisation  KDV  (Kriegsdienstverweigerung)  vom  November  2000  mit  Berichten  von  mysteriösen  Todesfällen  in  der  türkischen  Armee,  welche  sich  in  der  Vergangenheit  ereignet  haben  sollen,  führt  zu  keiner  anderen  Beurteilung. Es gibt somit keine Hinweise für das Vorliegen einer objektiv  begründeten Furcht vor Verfolgung.  5.4. Des Weiteren ist die Frage des Bestehens einer begründeten Furcht  des  Beschwerdeführers  vor  Reflexverfolgung  aufgrund  der  politischen  Vergangenheit  seines  Vaters  und  seines  Bruders  respektive  der  Familienangehörigen  zu  prüfen,  da  der  Beschwerdeführer  seine  Asylbegründung im Wesentlichen daraus ableitet.  5.4.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  in  konstanter  Praxis  davon  aus,  dass  in  der  Türkei  staatliche  Repressalien  gegen  Familienangehörige  von  politischen  Aktivisten  angewendet  werden,  die  als  so genannte Reflexverfolgung  flüchtlingsrechtlich erheblich  im Sinne  von  Art.  3  AsylG  sein  können.  Die  Wahrscheinlichkeit,  Opfer  einer  Reflexverfolgung  zu  werden,  ist  vor  allem  dann  gegeben,  wenn  nach  einem flüchtigen Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass  zur  Vermutung  hat,  dass  jemand  mit  der  gesuchten  Person  in  engem  Kontakt  steht.  Diese  Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich,  wenn  ein  nicht  unbedeutendes  politisches  Engagement  der  reflexverfolgten  Person  für  illegale  politische  Organisationen  hinzukommt  beziehungsweise  ihr  seitens  der  Behörden  unterstellt  wird.  Dabei  hängen  die  Wahrscheinlichkeit einer Reflexverfolgung und deren Intensität stark von  den  konkreten  Umständen  des  Einzelfalls  ab,  wobei  besonders  diejenigen  Personen  von  einer  Reflexverfolgung  bedroht  sind,  die  sich  offen  für  politisch  aktive  Verwandte  einsetzen.  Ungeachtet  der 

E­1909/2008 Rechtsreformen  der  Türkei  im  Hinblick  auf  eine  allfällige  spätere  Aufnahme  in  die Europäische Union  lässt  sich  in  der  Türkei  die Gefahr  allfälliger  Repressalien  gegen  Verwandte  mutmasslicher  Aktivisten  der  PKK  (Partiya  Kerkerên  Kurdistan,  Kurdische  Arbeiterpartei)  (beziehungsweise einer ihrer Nachfolgeorganisationen) oder anderer von  den  Behörden  als  separatistisch  eingestufter  kurdischer  Gruppierungen  nicht  ohne weiteres  ausschliessen.  Zwar  ist  festzustellen,  dass  sich  die  Verfolgungspraxis  der  türkischen  Behörden  im  Zuge  des  Reformprozesses  zur  Annäherung  an  die  Europäische  Union  insofern  geändert  hat,  als  Fälle,  in  denen  Familienangehörige  kurdischer  Aktivisten  gefoltert  oder  misshandelt  wurden,  abgenommen  haben.  Dagegen  müssen  Familienangehörige  auch  heute  noch  mit  Hausdurchsuchungen  und  kürzeren  Festnahmen  rechnen,  die  oft  mit  Beschimpfungen und Schikanen verbunden sind. Ein Regelverhalten der  türkischen  Behörden  lässt  sich  jedoch  nicht  ausmachen.  Dabei  kann  hinter  einer  Reflexverfolgung  auch  nur  die  Absicht  liegen,  die  gesamte  Familie für Taten eines Familienmitglieds zu bestrafen, in der Vermutung,  dessen  politische  Ansichten  und  Ziele  würden  von  den  engeren  Angehörigen  geteilt,  beziehungsweise  mit  dem  Zweck,  sie  so  einzuschüchtern,  dass  sie  sich  von  oppositionellen  kurdischen  Gruppierungen  fernhalten.  Die  Gefahr  einer  Reflexverfolgung  wird  aber  umso dringlicher, wenn zusätzlich eigene politische Aktivitäten vorliegen  (vgl.  zum Ganzen EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.3. S. 199  f.; Urteile des  Bundesverwaltungsgerichts  E­5163/2007  vom  2.  März  2011  E.  7,  E­4754/2006 vom 22. April 2010, mit weiteren Hinweisen). Es muss also  aufgrund der Umstände des Einzelfalls ermittelt werden, ob die Furcht vor  Verfolgung  begründet  ist.  Die  erlittene  Verfolgung  beziehungsweise  die  begründete  Furcht  vor  zukünftiger  (Reflex­)Verfolgung  muss  ferner  sachlich  und  zeitlich  kausal  für  die  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides  noch aktuell sein. Zudem muss feststehen, dass die von einer Verfolgung  bedrohte Person über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl.  EMARK 2005 Nr. 21, E. 7.1. ff. S. 193 f. und dort zitierte Urteile).  5.4.2.  Vorliegend  steht  fest,  dass  der  Vater  und  der  Bruder  des  Beschwerdeführers in der Schweiz Asyl erhalten haben.  Wie  hievor  dargelegt,  ist  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen,  Nachstellungen  zum  Zeitpunkt,  als  sein  Vater  und  Bruder  noch  in  der  Türkei verweilten (bis im Jahr 2002 beziehungsweise 2004), oder seither  seitens  der  türkischen  Sicherheitskräfte  glaubhaft  zu  machen,  weshalb 

E­1909/2008 nicht  von  einer  Reflexverfolgung  wegen  seiner  Verwandtschaft  ausgegangen werden muss. Zudem hat der Beschwerdeführer weder im  vorinstanzlichen Verfahren noch auf Beschwerdeebene geltend gemacht,  er  selber  habe  sich  politisch  betätigt.  Auch  geht  aus  den  Akten  nicht  hervor, dass sich der Vater oder der Bruder  in der Schweiz exilpolitisch  betätigt  hätten,  noch  dass  der  Beschwerdeführer  sich  selber  während  seines  Auslandaufenthaltes  politisch  exponiert  habe.  Bei  dieser  Ausgangslage  erscheint  ein  gegenwärtiges  Risiko,  aufgrund  seines  Aufenthaltes in der Schweiz in seinem Heimatland einer Reflexverfolgung  ausgesetzt zu werden, unwahrscheinlich. 5.5.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  und  die  eingereichten  Beweismittel  einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern.  Die  Vorinstanz  hat  aus  diesem  Grund  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2008/34 E. 9.2). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 

E­1909/2008 Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art.  33  Abs.  1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK  verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit 

E­1909/2008 weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der  Türkei, wohin die Rückkehr des Beschwerdeführers  in Frage steht,  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818).  7.4.1. Wie in der Beschwerdeschrift zwar richtig ausgeführt wurde, gehen  die  türkischen  Sicherheitskräfte  weiterhin  mit  grosser  Härte  gegen  Mitglieder  kurdischer  Parteien  und  Organisationen  vor,  die  als  separatistisch  qualifiziert  werden.  Wie  oben  dargelegt,  ist  jedoch  von  keiner konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers auszugehen, zumal  er nie angab, einer solchen Gruppierung anzugehören. Zudem herrscht in  der  Türkei  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt.  Auch  ist  die  dortige  politische Lage nicht dermassen angespannt, als dass eine Rückführung  dorthin  als  generell  unzumutbar  betrachtet  werden  müsste  beziehungsweise  Anlass  zur  Annahme  einer  konkreten  Gefährdung  bestünde. 7.4.2. Der Beschwerdeführer stammt aus B._______ und  lebte seit dem  Jahre  2000/2001  bis  zu  seiner  Ausreise  in  Istanbul.  Er  verfügt  dort  eigenen Angaben zufolge mit seiner Mutter und mehreren Geschwistern  sowie  Halbgeschwistern  (vgl.  Akte  A1  S.  3)  über  ein  intaktes  soziales  Beziehungsnetz, auf das er beim Aufbau einer neuen Existenzgrundlage  zurückgreifen  kann.  Die  sozialen  und  wirtschaftlichen  Schwierigkeiten,  denen er aufgrund der  langen Landesabwesenheit  in der Anfangsphase  ausgesetzt sein könnte, stellen keine existenzbedrohende Lage im Sinne  der  zu  beachtenden  Bestimmungen  dar.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 

E­1909/2008 und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.  Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung  der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­1909/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand:

E-1909/2008 — Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 E-1909/2008 — Swissrulings