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Bundesverwaltungsgericht 25.07.2011 E-1539/2011

25 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,284 mots·~6 min·2

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Einreisebewilligung und Asylgesuch aus dem Ausland; Verfügung des BFM vom 25. Januar 2011

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­1539/2011 Urteil   v om   2 5 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______,  geboren am (…), Sri Lanka, p.A. Schweizerische Botschaft in Colombo, Sri Lanka, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreisebewilligung und Asylgesuch aus dem Ausland;  Verfügung des BFM vom 25. Januar 2011 / N (…).

E­1539/2011 Sachverhalt: A.  A.a.  Mit  englischsprachiger  Eingabe  vom  1.  November  2006  an  die  Schweizerische  Botschaft  in  Colombo  stellte  der  Beschwerdeführer  ein  erstes Asylgesuch, welches vom BFM mit Verfügung vom 11. Mai 2007  abgelehnt und seine Einreise in die Schweiz nicht bewilligt wurde. Diese  Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. A.b.  Mit  englischsprachiger  Eingabe  vom  21.  Juni  2007  –  Eingang  Botschaft  am  26.  Juni  2007  –  an  die  Schweizerische  Botschaft  in  Colombo suchte der Beschwerdeführer zum zweiten Mal um Bewilligung  der Einreise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl nach.  In seiner Eingabe vom 21. Juni 2007 sowie anlässlich der Befragung vom  10. September 2007 durch die Schweizerische Botschaft in Colombo und  den  zahlreichen  weiteren  Eingaben  wies  der  Beschwerdeführer  –  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  aus  B._______  (Ostprovinz)  –  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  vorab  auf  die  allgemeinen und  im Besonderen auf seine prekären Lebensumstände  in  Sri Lanka hin und führte im Wesentlichen aus, er habe von 1994 bis 1996  in Colombo gearbeitet. Im Jahre (…) habe er für die Sri Lankan Freedom  Party  (SLFP)  kandidiert  und  sei  deshalb  von  den  Liberation  Tigers  of  Tamil Eelam (LTTE) bedroht worden. Auch sei er für die ursprünglich im  C._______ geplanten Wahlen vom (…) für die SLFP nominiert gewesen,  habe sich jedoch zurückgezogen, nachdem er auch von der Tamil Makkal  Vituthalai Pulligal (TMVP) bedroht worden sei. Wegen den verschiedenen  Drohungen habe er im Juli 2004 seine Arbeit aufgeben müssen. Um eine  andere  Stelle  zu  finden,  habe  er  mit  verschiedenen  (…)  Kontakt  aufgenommen, unter anderem auch mit dem (…) der SLFP und dem (…)  der Eelam People Democratic Party (EPDP). Am 24. März 2007 habe die  LTTE  den  (…)  der  SLFP  erschossen  und  auch  nach  ihm  (dem  Beschwerdeführer)  gesucht.  Am  1. April  2007  sei  er  von  LTTE­Kadern  entführt  und  während  15  Tagen  festgehalten  und  gefoltert  worden.  Während eines Gefechts, welches seine Entführer abgelenkt habe, habe  er schliesslich seine Flucht ergreifen können.  Daraufhin sei er verschiedentlich von ehemaligen Mitgliedern der LTTE,  welche  inzwischen  der  TMVP  beigetreten  seien,  bedroht  worden.  Am  4. März  2008  sei  sein  (…),  bei  dem  er  sich  im  September  2007  aufgehalten habe, entführt worden, woraufhin auch er telefonisch bedroht  worden sei. Im Mai und Juni 2008 seien Mitglieder der LTTE, Staatskräfte 

E­1539/2011 und bewaffnete Personen bei ihm zu Hause aufgetaucht, weshalb er sich  seither  an  verschiedenen  Orten  verstecken  müsse.  Beim  "International  Committee  of  the  Red  Cross"  (ICRC)  und  dem  "United  Nations  High  Commissioner  for  Refugees"  (UNHCR)  habe  er  Anzeige  erstattet.  Am  9. September 2008 seien unbekannte bewaffnete Personen zu seiner (...)  gegangen,  hätten  seinen  (...)  spitalreif  geschlagen  und  sich  nach  ihm  erkundigt.  Als  sich  in  Colombo  sämtliche  Tamilen  hätten  registrieren  lassen  müssen,  sei  er  wieder  zu  seinem  Geburtsort  C._______  zurückgekehrt. Am 25. November 2008 seien dort  sein  (...)  und dessen  Familie bei einem Gefecht ums Leben gekommen.  Am 20. August 2009 hätten sich Leute der Pillayan bei seiner  (...) nach  ihm  erkundigt.  Da  er  frühzeitig  darüber  informiert  worden  sei,  habe  er  seinen  damaligen  Aufenthaltsort  in  D._______  (Zentralprovinz;  Anmerkung  Bundesverwaltungsgericht)  noch  rechtzeitig  verlassen  können. Daraufhin habe er erneut Drohanrufe erhalten.  Unter dem Verdacht, als (...) LTTE­Mitgliedern geholfen zu haben, sei er  am  21.  November  2009  in  D._______  von  Leuten  in  Armeeuniform  festgenommen,  gefoltert  und  im Wald  liegengelassen  worden.  Ein  alter  Mann habe ihn gefunden und ihn bei sich versteckt. Mit der Absicht, die Tamilische Nationale Allianz (TNA) zu schwächen, sei  er  von Karuna­Leuten gezwungen worden,  für  die  unabhängige Gruppe  der  Eelam  People  Democtratic  Alliance  in  B._______  zu  kandidieren.  Tatsächlich  habe  die  TNA  im  Vergleich  zu  den  Wahlen  im  Jahr  2004  sieben Plätze verloren. Grund dafür sei die korrupte Regierung gewesen,  welche  hohe  Geldspenden  an  Parteien  und  unabhängigen  Gruppen  ausgezahlt  habe,  um  den  Wahlkampf  zu  gewinnen.  Infolge  dieses  unkorrekten Wahlverfahrens habe die TNA die Regierung beim Supreme  Court  angeklagt  und  ihn  als  Zeugen  beigezogen,  um  gegen  die  Regierung  und  ihre  Machenschaften  während  des  Wahlverfahrens  auszusagen. Seither werde  er  von Seiten  der Regierung mit  dem Tode  bedroht. Am 9. November 2010 sei auch seine (...) bedroht und nach ihm  befragt  worden.  Vor  diesem  Hintergrund  fürchte  er  sich  vor  staatlicher  und paramilitärischer Verfolgung. Als Beweismittel reichte er diverse Dokumente in Kopie zu den Akten. 

E­1539/2011 B.  Mit  Verfügung  vom  25.  Januar  2011  verweigerte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  sein  Asylgesuch ab. C.  Mit englischsprachiger Eingabe ("Appeal") vom 15. Februar 2011 an das  Bundesverwaltungsgericht  beantragt  der  Beschwerdeführer  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Bewilligung  der  Einreise in die Schweiz. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinn  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Ein  solche  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  BGG  ist  vorliegend  nicht  gegeben,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig entscheidet. 1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 

E­1539/2011 schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3.2.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Die  Schweiz  gewährt  Flüchtlingen  unter  Vorbehalt  von  Ausschlussgründen auf Gesuch hin Asyl  (vgl. Art.  2 Abs.  1  und Art.  49  AsylG).  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  Personen,  welche  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2.  Gemäss  Art.  19  Abs.  1  AsylG  kann  ein  Asylgesuch  bei  einer  schweizerischen  Vertretung  im  Ausland  gestellt  werden.  Die  schweizerische Vertretung befragt die asylsuchende Person mündlich zu  ihrem  Asylgesuch,  ausser  wenn  eine  Befragung  nicht  möglich  ist;  in  diesen  Fällen  ist  die  asylsuchende  Person  schriftlich  aufzufordern,  ihre  Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311]).  Die 

E­1539/2011 schweizerische Vertretung überweist das Gesuch mit einem Bericht dem  Bundesamt,  welches  die  Einreise  in  die  Schweiz  bewilligt,  sofern  der  asylsuchenden Person nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz­ oder  Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen (Art. 20  Abs. 1 und 2 AsylG). 4.3.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft  machen können oder  ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet  werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 [Abs. 2] AsylG). 4.4. Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer  Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen Gefährdung  im Sinn von Art. 3 AsylG sind namentlich Art  und  Intensität  der  persönlichen Beziehung  zur Schweiz,  die Möglichkeit  der Schutzgewährung durch einen anderen Staat,  die Qualität  allfälliger  Beziehungen  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  die  weiterhin  zutreffende  Praxis  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  ehemaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission [ARK; EMARK] 1997 Nr. 15, insbesondere S. 131  ff.,  welcher  angesichts  bloss  redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des  Asylgesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  demnach  die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr.  15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im  Sinn  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft  gemacht  wird  und  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden kann. 5.   5.1. Das BFM führte in seiner angefochtenen Verfügung vom 25. Januar  2011 aus, der Beschwerdeführer  sei nicht  schutzbedürftig  im Sinne von  Art.  3  AsylG.  Obschon  die  Sicherheits­  und Menschenrechtslage  in  Sri  Lanka noch nicht in allen Teilen des Landes zufriedenstellend sei, sei die  Anzahl  von  Gewaltereignissen  signifikant  zurückgegangen.  Zudem  würden  keine  Hinweise  auf  eine  Zusammenarbeit  der  Regierung  mit  bewaffneten  Organisationen  oder  Gruppierungen  hindeuten.  Es  komme  jedoch  vor,  dass  sich  frühere  Angehörige  solcher  Gruppierungen 

E­1539/2011 weiterhin  kriminell  betätigen  und  die  lokale  Bevölkerung mit  Drohungen  und  Erpressungsversuchen  unter  Druck  setzen  würden.  Hierbei  handle  es  sich  aber  um  Verfolgungsmassnahmen  durch  Dritte,  die  von  den  srilankischen  Behörden  geahndet  würden.  Es  bestehe  für  den  Beschwerdeführer daher die Möglichkeit, sich an die lokalen zuständigen  Instanzen zu wenden und um Schutz zu ersuchen. Was  seine  Vorbringen  vor  Mai  2009  anbelange,  sei  es  zwar  äusserst  bedauerlich,  jedoch  fehle aus heutiger Sicht der zeitliche und  inhaltliche  Kausalzusammenhang zwischen diesen Vorbringen und seiner aktuellen  Situation. So hätten sich diese Ereignisse während des Krieges zwischen  der Regierung  und  den  LTTE  ereignet  und müssten  heute  unter  einem  anderen Licht betrachtet werden. Darüber hinaus könne aufgrund seines  fehlenden  Gefährdungsprofils  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  auf  eine  Verfolgung  seitens  des  srilankischen  Staates  geschlossen  werden,  so  dass die geltend gemachten Vorbringen nicht einreiserelevant seien. 5.2. Demgegenüber  legt der Beschwerdeführer  in  seiner Eingabe sowie  in  seinem  nachgereichten  Faxschreiben  vom  17.  Juni  2011  im  Wesentlichen  seine  bereits  dargelegten  Benachteiligungen  und  Lebensumstände in Sri Lanka dar und bringt darüber hinaus vor, er sei in  keiner  Partei  als  Mitglied  tätig  gewesen,  sondern  von  Anhängern  der  Karuna­Gruppe und von der Regierungspartei gezwungen worden, gegen  seinen  Willen  die  TNA  auszuschalten.  Nebst  diesen  beiden  Parteien  werde  er  nun  auch  von  paramilitärischen  Gruppierungen  bedroht;  darunter  insbesondere  von der TMVP. Seit  zwei  Jahren müsse er  stets  seinen  Aufenthaltsort  wechseln.  Auch  seine  (...)  und  (…)  seien  von  Mitgliedern  der  TMVP  angegriffen  nach  seinem  Aufenthaltsort  befragt  worden. Er erhalte Drohanrufe und fürchte sich vor den paramilitärischen  Gruppierungen, die unter der  Immunität der staatlichen Sicherheitskräfte  stehen würden.  6.  6.1. Nach der Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  die  Vorinstanz  richtig  feststellte,  der  Beschwerdeführer  sei  nicht  schutzbedürftig  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG,  weshalb  sie  zu  Recht  das  Asylgesuch  abwies  und  die  Einreise  verweigerte.  6.2.  In  Würdigung  der  gesamten  Vorbringen  ist  vorliegend  nicht  anzunehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  absehbarer  Zukunft  mit 

E­1539/2011 beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile  im Sinne von Art. 3  AsylG  zu  befürchten  hat.  Die  von  ihm  geschilderten  Nachteile  sind  als  Übergriffe von Seiten Dritter zu beurteilen. Wie die Vorinstanz zu Recht  festgehalten hat, ist zumindest im heutigen Zeitpunkt davon auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  diesbezüglich  an  die  zuständigen  behördlichen  Stellen  wenden  und  diese  um  Schutz  ersuchen  sowie  Anzeige  gegen Unbekannt  erstatten  kann, was  er  –  eigenen Aussagen  gemäss  –  bereits  im Rahmen  seines  ersten Asylgesuchs  im  Jahr  2006  gemacht  habe  (vgl. Schreiben  vom  21.  Dezember  2006  und  die  entsprechende  Beilage  2).  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  der  srilankische Staat als schutzfähig zu beurteilen  ist. Den Akten sind auch  keine  Hinweise  auf  eine  fehlende  Schutzwilligkeit  des  srilankischen  Staats  zu  entnehmen.  Zudem  ist  festzuhalten,  dass  die  Belästigungen  und Bedrohungen wegen seiner Kandidatur bei den (...) im Jahr 2006 zu  einem  Zeitpunkt  erfolgten,  als  sich  Sri  Lanka  im  Bürgerkrieg  befand.  Ferner  fällt  auf,  dass  der Beschwerdeführer  nach  diesen Behelligungen  bis  am 9. November  2006 mit  der Eingabe  seines  ersten Asylgesuches  respektive bis am 26. Juni 2007 zugewartet hat, womit – wie vom BFM  ausgeführt – der zeitliche Kausalzusammenhang zwischen diesen beiden  Ereignissen fraglich erscheint. Ungeachtet dessen ist davon auszugehen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  für  seine  Teilnahme  an  den  (...)  vom  April  2010  offiziell  hat  registrieren  lassen  müssen,  ansonsten  er  nicht  hätte kandidieren können. Namentlich dieser Umstand spricht gegen die  von  ihm  hervorgehobene  mögliche  Bedrohungssituation  von  staatlicher  Seite. Vielmehr  ist aufgrund der vorliegenden Akten davon auszugehen,  dass er nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in naher Zukunft mit  staatlicher  –  oder  staatlich  geduldeter  privater  –  Verfolgung  rechnen  muss.  Soweit  es  allenfalls  zu  staatlichen Kontrollmassnahmen  kommen  kann,  wären  diese  vor  dem  Hintergrund  der  weiterhin  angespannten  Situation in Sri Lanka zu beurteilen: Die Sicherheitsmassnahmen wurden  nach dem militärischen Sieg der srilankischen Armee über die LTTE  im  Mai 2009 nur langsam gelockert, Notstandsgesetze (Emergency Rules) –  wenn  auch  in  abgeschwächter  Form  –  und  das  Anti­Terror­Gesetz  (Prevention of Terrorism Act) blieben  in Kraft  (vgl. Urteil D­70/2011 vom  23.  Februar  2011  E.  6.2  mit  weiteren  Hinweisen).  Indessen  weist  der  Beschwerdeführer  kein  besonderes  Risikoprofil  auf,  das  ihn  aktuell  in  objektiver  Sicht  als  gefährdet  erscheinen  liesse.  Allfälligen  Sicherheitskontrollen  der  srilankischen  Sicherheitskräfte  wäre  mangels  Intensität grundsätzlich der Verfolgungscharakter abzusprechen, weshalb  sie keine ernsthaften Nachteile im Sinn des Gesetzes darstellen würden.  http://links.weblaw.ch/BVGer-D-70/2011

E­1539/2011 Damit  besteht  im  Falle  des  Beschwerdeführers  keine  schlüssigen  Anhaltspunkte für eine aktuelle Schutzbedürftigkeit.  6.3.  Insgesamt  ist  damit  der  Schluss  zu  ziehen,  dass  der  Beschwerdeführer von der auch aktuell teilweise schwierigen Situation im  Heimatstaat  wie  die  anderen  Mitbewohner  betroffen  war.  Den  geltend  gemachten  lokalen  Behelligungen  konnte  der  Beschwerdeführer  zudem  bisher durch Wegzug  in andere Regionen des Heimatstaates erfolgreich  ausweichen.  Der  Wunsch  des  Beschwerdeführers  nach  einer  sicheren  Zukunft  ist verständlich, vermag allerdings nicht zu einer Bewilligung der  Einreise zu führen. Nach dem Gesagten kann von keinen Nachteilen ausgegangen werden,  die den weiteren Verbleib des Beschwerdeführers in seinem Heimatstaat  als  unzumutbar  erscheinen  (vgl. Art.  20 Abs.  2 AsylG)  oder  die  gar  auf  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  schliessen  liessen.  Hinzu  kommt,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seinem  Gesuch  auch  keine  besonders  nahen  persönlichen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht  hat. Unter  diesen  gesamten Umständen  hat  die Vorinstanz  zu  Recht  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  verweigert  und  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen.  7. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist in Anwendung von Art. 63 Abs. 1  in  fine VwVG und Art.  2  und  3  des Reglements  vom 21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  vorliegend  auf  die  Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­1539/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  Schweizerische Botschaft in Colombo. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand:

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