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Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 E-1502/2011

23 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,277 mots·~6 min·2

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. März 2011 /

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­1502/2011 Urteil   v om   2 3 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter François Badoud,    Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, (mit diversen Alias­Identitäten) Afghanistan,   vertreten durch (…), Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen / Appenzell, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin);  Verfügung des BFM vom 1. März 2011 / N (…),

E­1502/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  am  24. Mai  2010  ein  erstes  Asylgesuch  in  der  Schweiz  stellte,  welches  er  im  Wesentlichen  mit  einer  Verfolgung  seitens der Taliban begründete, dass  Abklärungen  des  BFM  betreffend  den  Beschwerdeführer  drei  Eurodac­Treffer (Abgleich von Fingerabdrücken) vom 28. Januar 2010 in  Griechenland,  vom 5. März  2010  in Ungarn  und  vom 11. März  2010  in  Österreich ergaben, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  27.  September  2010  in  Anwendung  von Art.  34 Abs.  2 Bst.  d  des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat und  dessen Wegweisung nach Ungarn anordnete, dass  es  den  Entscheid  auf  Art.  10  und  Art.  18  Abs.  7  Dublin­II­ Verordnung (Verordnung  [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat) abstützte, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  eine  gegen  diese  Verfügung  erhobene Beschwerde vom 1. Oktober 2010 mit Urteil  vom 11. Oktober  2010  (E­7121/2010)  vollumfänglich  als  offensichtlich  unbegründet  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  abwies,  dass der Beschwerdeführer am 28. Oktober 2010 nach Ungarn überstellt  wurde, dass  er  am  8.  November  2010  in  der  Schweiz  ein  zweites  Asylgesuch  stellte,  dass das BFM mit unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verfügung  vom 14. Dezember 2010 in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  auf das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers wiederum nicht eintrat  und dessen Wegweisung nach Ungarn anordnete, dass  es  den  Entscheid  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  und  Abs.  3  Dublin­II­ Verordnung abstützte,

E­1502/2011 dass der Beschwerdeführer am 20. Januar 2011 nach Ungarn überstellt  wurde, dass er am 23. Januar 2011 sein drittes Asylgesuch in der Schweiz stellte  und  zu  dessen  Begründung  anlässlich  der  Befragung  vom  3.  Februar  2011  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ auf die  in  den bisherigen Asylverfahren genannten Gründe verwies, dass er  ferner erklärte, die ungarischen Beamten hätten  ihn nach seiner  letzten  Rückführung  dorthin  einfach  auf  die  Strasse  gestellt  beziehungsweise  ihm  empfohlen,  sich  nach  Budapest  oder  Wien  zu  begeben, woraufhin er umgehend die Reise via Österreich zurück  in die  Schweiz  angetreten  habe,  wobei  ihm  ein  barmherziger  Österreicher  behilflich gewesen sei, dass  dem  Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  Befragung  im  EVZ  das  rechtliche  Gehör  zu  einem  allfälligen  Nichteintretensentscheid  aufgrund  der Verfahrenszuständigkeit Ungarns, Österreichs oder Griechenlands in  Anwendung  der  Schengen/Dublin­Vertragsgrundlagen  mit  Wegweisung  dorthin gewährt wurde, dass  er  dabei  erklärte,  er  möchte  das  Asyl  nur  in  der  Schweiz  oder  allenfalls  in  Österreich,  wogegen  er  in  Ungarn  eine  mehrmonatige  Inhaftierung  und  anschliessende  Überstellung  nach  Griechenland  befürchte  und  insofern  gar  eine  Rückführung  nach  Griechenland  vorziehe,  welches  Land  gemäss  "Dublin"  eigentlich  ohnehin  verfahrenszuständig wäre, dass  er  im  Falle  einer  Rückführung  nach  Ungarn  Selbstmord  begehen  würde, dass  das  BFM  am  15.  Februar  2011  ein  Übernahme­ /Wiederaufnahmeersuchen  an Ungarn  richtete,  welchem  die  zuständige  ungarische Migrationsbehörde am 24. Februar 2011 gestützt auf Art. 16  Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 Dublin­II­Verordnung ausdrücklich zustimmte, dass das BFM mit Verfügung  vom 1. März 2011 – eröffnet  am 2. März  2011  –  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  dritte  Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 23. Januar 2011 abermals nicht  eintrat,  dessen  Wegweisung  nach  Ungarn  und  den  Vollzug  anordnete  und ferner feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung  komme keine aufschiebende Wirkung zu,

E­1502/2011 dass  es  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (unter  anderem:  Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [Dublin­Assoziierungsabkommen, SR 0.142.392.68]; Dublin­ II­Verordnung;  Verordnung  [EG] Nr.  1560/2003  der Kommission  vom 2.  September  2003 mit Durchführungsbestimmungen  zur Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003 des Rates  [DVO Dublin])  sei Ungarn  für die Durchführung  des Asylverfahrens zuständig, dass  die  Verfahrenszuständigkeit  Ungarns  bereits  in  zwei  vorangegangenen  und  rechtskräftig  abgeschlossenen  Asylverfahren  festgestellt  worden  sei  und  zwischenzeitlich  kein  Erlöschensgrund  hinzugetreten sei, zumal die dritte Asylgesuchstellung drei Tage nach der  letzten Rückführung nach Ungarn erfolgt sei, dass die ungarischen Behörden dem Ersuchen um Rückübernahme des  Beschwerdeführer gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­Verordnung  denn auch ausdrücklich zugestimmt hätten, dass die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich des ihm gewährten  rechtlichen  Gehörs  keine  relevanten  Hindernisse  für  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Ungarn  begründeten,  weil  mit  der  gegebenen  Zuständigkeit  Ungarns  ein  alternatives  Wegweisungszielland  ausser  Betracht falle, er insbesondere in Griechenland nicht für das Stellen eines  Asylgesuchs  daktyloskopisch  erfasst  worden  sei  und  er  sich  betreffend  die  angebliche Deponierung  eines  Asylgesuchs  in  jenem  Land  ohnehin  widersprochen habe, dass  die  Überstellung  nach  Ungarn  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 24. August 2011  zu erfolgen habe, dass  der  Vollzug  der Wegweisung  nach  Ungarn  mangels  zureichender  gegenteiliger  Anhaltspunkte  zulässig,  zumutbar  und  möglich  sei  und  insbesondere  weder  dem  Non­Refoulement­Gebot  noch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) widerspreche,

E­1502/2011 dass gemäss Art. 107a AsylG einer allfälligen Beschwerde gegen diese  Verfügung keine aufschiebende Wirkung zukomme, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 8. März 2011 gegen diese  Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Anweisung  an  die  Vorinstanz  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  beziehungsweise  zur  Anhandnahme  des  Asylgesuchs  zuständigkeitshalber  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  für  die  Verfahrenskosten  inklusive  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  die  Anordnung  einer  vollzugshemmenden  vorsorglichen  Massnahme  beziehungsweise  die  Erteilung  der  aufschiebenden Wirkung beantragt, dass er  in der Begründung seine Verfolgung durch die Taliban bestätigt,  seine  Irrfahrten  seit  Januar  2010  durch  ganz  Europa  beschreibt,  seine  Furcht  vor  einer  mehrmonatigen  ungesetzlichen  Inhaftierung  im  Falle  einer  erneuten  Überstellung  nach  Ungarn  bekräftigt  und  diese  durch  einen UNHCR­Bericht vom November 2010 zu stützen versucht, dass  er  eine  besondere  "Tragik"  darin  erkennt,  dass  er  sich  auf  die  aktuelle  vollzugshinderliche  Dublin­Praxis  betreffend  Griechenland  nur  deshalb nicht berufen könne, weil er dort kein Asylgesuch gestellt habe,  nun  aber  aus  rein  formaljuristischen  Gründen  in  ein  Land  (Ungarn)  zurückgeführt  werden  solle,  das  die  EMRK  und  die  Rechte  von  Asylsuchenden genauso missachte wie Griechenland, dass  das  BFM  deshalb  sein  Ermessen  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts zu Unrecht nicht ausgeübt habe, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom 9. März  2011  den  Vollzug  der  Wegweisung  gestützt  auf  Art.  56  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  antragsgemäss  vorsorglich  aussetzte, dass die Instruktionsrichterin mit Zwischenverfügung vom 15. März 2011  die  Gesuche  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  und  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege guthiess und die Vorinstanz  zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 30. März 2011 einlud,

E­1502/2011 dass  das  BFM  in  seiner  die  Beschwerdeabweisung  beantragenden  Vernehmlassung  vom  17. März  2011  auf  seine  bisherigen Standpunkte  und Erwägungen und hinsichtlich der Frage der Verfahrenszuständigkeit  Ungarns ergänzend auf die Akten der bisherigen Asylverfahren, vorab auf  das Urteil vom 11. Oktober 2010, verweist,  dass  es  ferner  in  Erinnerung  ruft,  dass  Ungarn  als  EU­Mitglied  den  Acquis  der  EU  im  Bereich  der  Menschenrechte  übernommen  habe,  es  Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung  der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und des Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  sei  und  das  Land  im  Übrigen  die  Aufnahmerichtlinien  vom  27.  Januar 2003 (mit  ihren Mindestnormen für die Aufnahme und Betreuung  von  Asylsuchenden)  ohne  Beanstandungen  seitens  der  Europäischen  Kommission umgesetzt habe, dass der Beschwerdeführer mit Replik  vom 6. April  2011 seinerseits an  den  gestellten  Anträgen  festhält  und  eine  ungenügende  Auseinandersetzung  mit  dem  individuellen  Sachverhalt  und  den  eingereichten  Beweismitteln  rügt,  was  insbesondere  aus  der  Bezugnahme zu "Italien" in der Vernehmlassung hervorgehe, und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

E­1502/2011 dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides stellen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2), dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  die  ungarischen  Behörden  dem  Ersuchen  des  BFM  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­Verordnung  am  24.  Februar  2011  zugestimmt  haben  und  Ungarn  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  des  Beschwerdeführers  zuständig  ist,  zumal  offensichtlich  keine  zwischenzeitlich  hinzugetretenen  Erlöschensgründe auszumachen sind oder geltend gemacht werden,  dass  diesbezüglich  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die 

E­1502/2011 Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und ergänzend auf  jene  in  den  Verfügungen  und  Rechtsmittelentscheiden  der  rechtskräftig  abgeschlossenen  ersten  beiden  Asylverfahren  verwiesen  werden  kann, dass  der  Beschwerdefokus  hauptsächlich  auf  die  Rüge  einer  ungenügenden Ausnützung des Ermessensspielraums durch das BFM  hinsichtlich der Selbsteintrittsfrage gerichtet ist, dass  die  im  Zusammenhang  mit  einer  erneuten  Überstellung  nach  Ungarn  erwähnten  Befürchtungen  des  Beschwerdeführers  (mehrmonatige rechtswidrige Inhaftierung) nicht nachvollziehbar sind, dass er denn auch nicht darzulegen vermag, wieso gerade er Opfer einer  solchen  "Inhaftierung"  –  gemeint  sind  offenbar  sogenannte  "administrative  detentions"  von  Asylbewerbern  –  werden  sollte  und  inwiefern  gerade  in  seinem  Fall  eine  Überschreitung  der  Grenze  der  Rechtmässigkeit zu befürchten sei, dass  Ungarn,  wie  vom  BFM  zutreffend  festgehalten,  denn  auch  Signatarstaat  des  FK,  der  EMRK  sowie  der  FoK  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  Ungarn  missachte  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, dass  ergänzend  auf  die  Ausführungen  der  vorinstanzlichen  Vernehmlassung verwiesen werden kann, dass  an  diesen  Erkenntnissen  auch  unter  Berücksichtigung  des  eingereichten  UNHCR­Berichts  vom November  2010  festzuhalten  ist,  in  welchem  vor  allem  ungerechtfertigte  Behandlungen  von  Asylbewerbern  mit  illegaler  Einreise  und/oder  gefälschten  Papieren  angeprangert  werden,  wogegen  der  Beschwerdeführer  nach  vorangehender  Vollzugsankündigung  in  einem  legal  definierten  Prozess an die ungarischen Behörden rückübergeben würde, dass der Beschwerdeführer auch im Zusammenhang mit seiner letzten  Rücküberstellung  nach  Ungarn  keine  ungerechtfertigte  Behandlung  oder  Inhaftierung geltend machte, sondern gar seine umgehende und  bedingungslose  Freilassung mit  der  sinngemässen  Empfehlung  einer  Kontaktnahme mit den Behörden in Budapest einräumte,  dass  aufgrund  der  gesamten  Akten  und  Umstände  kein  konkreter 

E­1502/2011 Grund zur Annahme besteht, der Beschwerdeführer würde von Ungarn  ohne  korrekte  Prüfung  seiner  Gesuchsgründe  in  die  Heimat  zurückgeführt, dass  im  Übrigen  hinsichtlich  der  Dublin­Rückführungsdestination  Ungarn  auch  auf  die  konstante  und  die  vorliegenden  Erkenntnisse  stützende  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  verwiesen  werden  kann  (vgl.  exemplarisch  die  in  den  vergangenen  Wochen  gefällten  Urteile  E­3646/2011,  E­4087/2011,  E­3668/2011  und  E­1118/2011  [letzteres  ebenfalls  mit  rubriziertem  Rechtsvertreter  und  unter  Würdigung  des  auch  im  vorliegenden  Fall  eingereichten  UNHCR­ Berichts vom November 2010]), dass  bei  dieser  Sachlage  für  die  schweizerischen  Asylbehörden  insgesamt  keine  Veranlassung  besteht,  in  Abweichung  von  der  festgestellten  Zuständigkeitsordnung  vom Selbsteintritt  gemäss Art.  3  Abs. 2 Dublin­II­Verordnung i.V.m. Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung  1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)  Gebrauch  zu  machen,  das  BFM  die  Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach  Ungarn  in  diesem  Sinne  zu  Recht  als  zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat und die vom Bundesamt  verfügte Wegweisung samt ihrem Vollzug zu bestätigen ist,  dass eine Überstellung nach "Italien" nicht zur Diskussion steht und es  sich  bei  dieser  Bezeichnung  des  Dublin­Destinationslandes  um  ein  offensichtliches Redaktionsversehen  in der Vernehmlassung des BFM  handelt,  zumal  im  ganzen  Dokument  ansonsten  ausschliesslich  und  mehrfach das tatsächliche Destinationsland Ungarn erwähnt ist,  dass  das BFM demzufolge  zu Recht  in  Anwendung  von Art.  34 Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten ist, dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Wegweisung aus der Schweiz zu Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG) und  vorliegend keine Ausnahme von diesem Grundsatz ersichtlich  ist  (vgl.  BVGE 2008/34 E. 9.2), weshalb diese zu Recht angeordnet wurde, dass  –  wie  bereits  angeführt  –  die  Frage  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  in Verfahren  nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG bereits Voraussetzung (und nicht erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  2010/45 

E­1502/2011 E. 10.2), weshalb allfällige Vollzugshindernisse bereits im Rahmen der  eventuellen Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel  (Art. 3  Abs. 2 Dublin­II­Verordnung) geprüft wurden,  dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), auf deren  Erhebung  jedoch  angesichts  der  mit  Zwischenverfügung  vom  15.  März  2011 gewährten unentgeltlichen Rechtpflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG  zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite)

E­1502/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand:

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