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Bundesverwaltungsgericht 24.02.2012 D-914/2012

24 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,241 mots·~6 min·1

Résumé

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Februar 2012

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­914/2012 law/rep Urteil   v om   2 4 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richterin Contessina Theis; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 6. Februar 2012 / N (…).

D­914/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge ihren Heimatstaat  am 8. Februar 2010 verliess, über den Sudan, Libyen und Italien, wo sie  von den italienischen Behörden von Sizilien nach Bari geflogen wurde,  dass sie, bevor dort die Daktyloskopierung erfolgen konnte, nach Mailand  weiterreiste  und  schliesslich  am  8. Mai  2011  illegal  in  die  Schweiz  gelangte, wo sie am selben Tag ein erstes Mal um Asyl nachsuchte, dass sie anlässlich der Kurzbefragung  im Transitzentrum Altstätten vom  26. Mai 2011 geltend machte, sie habe für die Ethiopia Hezb Arbenjotch  Genbar  (EHAG)  Flugblätter  verteilt,  sei  im  Juni/Juli  2009  vom  Sicherheitsdienst  dabei  erwischt,  mitgenommen  und  von  einem  Sicherheitsbeamten vergewaltigt worden, dass  dieser  sie  unter  der  Androhung,  ihre  illegale  Flugblattverteilaktion  zur  Anzeige  zu  bringen,  wiederholt  zu  sexuellen  Handlungen  genötigt  habe, dass sie aus diesen Gründen ihr Heimatland verlassen habe, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  25. August  2011  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  erste  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  eintrat, die Wegweisung nach Italien verfügte und die Beschwerdeführerin  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist zu verlassen, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  D­4851/2011  vom  13. September 2011 ihre am 2. September 2011 gegen diese Verfügung  erhobene Beschwerde abwies, dass  die  Beschwerdeführerin  am  24. Oktober  2011  nach  Italien  zurückgeführt wurde, dass  sie  am 8. November  2011  in  der Schweiz  ein  zweites Asylgesuch  einreichte, dass  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  am  22. November  2011  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel das rechtliche Gehör zur  beabsichtigten Rücküberstellung nach Italien gewährte,

D­914/2012 dass  das  BFM  in  diesem  Zusammenhang  feststellte,  die  Beschwerdeführerin  habe  sich  laut  ihren  Aussagen  im  Rahmen  ihres  ersten Asylgesuchs  in der Schweiz zuvor  in Italien aufgehalten, weshalb  Italien  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  zuständig sei und auf ihr zweites Asylgesuch nicht eingetreten werde, dass  die  Beschwerdeführerin  diesbezüglich  erwiderte,  sie  sei  vor  ihrem  ersten Asylgesuch  in  der  Schweiz weder  in  Italien  gewesen  noch  habe  sie dort einen Asylantrag gestellt, dass  sie  im  Übrigen  auch  deswegen  nicht  nach  Italien  zurückkehren  könne, weil sie dort auf der Strasse landen und jeglicher Art von Gewalt  ausgesetzt sein würde, dass das BFM die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 28. November  2011 für die Dauer des vorliegenden Verfahrens dem Kanton B._______  zuwies, dass  das  BFM  am  13. Dezember  2011  Italien  um  Übernahme  der  Beschwerdeführerin ersuchte, dass  Italien  das  Ersuchen  des  BFM  bis  zum  Ablauf  der  Frist  am  14. Januar 2012 unbeantwortet liess, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  6. Februar  2012  –  eröffnet  am  10. Februar 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das  neuerliche  Asylgesuch  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  nach  Italien  verfügte, die Beschwerdeführerin – unter Androhung von Zwangsmitteln  im Unterlassungsfall – aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  feststellte,  der  Kanton  B._______ sei verpflichtet, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, der  Beschwerdeführerin  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  aushändigte  und  feststellte,  eine  allfällige Beschwerde  gegen die vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, dass das Bundesamt  zur Begründung anführte,  die Beschwerdeführerin  habe im Rahmen ihres ersten Asylverfahrens in der Schweiz zu Protokoll  gegeben, dass sie Ende März 2011 illegal nach Italien eingereist sei und  sich  dort  sogar  in  Asylunterkünften  aufgehalten  habe,  weshalb  gestützt  auf die Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedsstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 

D­914/2012 Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  Italien  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens zuständig sei, dass  die  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Gewährung des rechtlichen Gehörs am 22. November 2011 beim zweiten  Asylverfahren  im  Widerspruch  zu  ihren  früheren  Aussagen  behauptet  habe, sie sei vor ihrem ersten Asylgesuch direkt in die Schweiz eingereist  beziehungsweise  nie  in  Italien  gewesen,  nicht  geeignet  sei,  die  Zuständigkeit Italiens in Frage zu stellen, dass,  da  die  italienischen  Behörden  das  Gesuch  um  Aufnahme  der  Beschwerdeführerin  innerhalb  der  festgelegten  Frist  nicht  beantwortet  hätten, die Zuständigkeit gemäss dem Abkommen vom 26. Oktober 2004  zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen,  SR 0.142.392.689)  und  unter  Anwendung  von  Art. 20  Abs. 1  Bst. c  Dublin­II­VO am 14. Januar 2012 auf Italien übergegangen sei, dass auf ihr Asylgesuch daher nicht einzutreten sei, dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs  zu  bejahen seien, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  ihres  Rechtsvertreters  vom  17. Februar 2012 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die  Verfügung  des  BFM  vom  6. Februar  2012  einreichen  und  beantragen  liess, die Verfügung des BFM sei aufzuheben, das Amt sei anzuweisen,  sein  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das  vorliegende  Asylgesuch  für  zuständig  zu  erklären,  es  sei  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen,  von  einer  Überstellung  nach  Italien  abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht  über  die  vorliegende  Beschwerde entschieden habe, dass sie  ferner  in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen  liess, es sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  ihr  die  unentgeltliche Prozessführung zu gewähren,

D­914/2012 dass  in  der  Beschwerde  im  Wesentlichen  geltend  gemacht  wird,  die  italienischen Behörden hätten ihr gegenüber nach ihrer Rücküberstellung  nach Italien den Standpunkt vertreten, nicht für sie zuständig zu sein, was  nachvollziehbar  sei,  da  sie  ja  zuvor  ein  halbes  Jahr  in  der  Schweiz  verweilt habe und nur in der Schweiz daktyloskopisch erfasst worden sei, dass  im  vorliegenden  Fall  der  einzige  Kontakt  zwischen  den  beiden  Mitgliedstaaten  Italien  und  Schweiz  in  zwei  nicht  beantworteten  Übernahmeersuchen  der  Schweiz  an  Italien  bestünde,  wobei  aufgrund  der Akten davon auszugehen sei,  dass beide Länder  ihre Zuständigkeit  verneinen würden, womit das Dublinsystem versagt habe, dass  das Dublinverfahren  nämlich  verhindern  solle,  dass  Asylsuchende  sinnlos  zwischen  den  Staaten  hin­  und  hergeschoben würden,  sondern  vielmehr bezwecke, möglichst schnell die Zuständigkeit eines Staates für  die Durchführung eines Asylverfahrens festzustellen, dass demnach vorliegend unter Berücksichtigung der Situation  in  Italien  und  der  grossen  Verletzlichkeit  der  Beschwerdeführerin  der  Wegweisungsvollzug nach  Italien als nicht  zumutbar bezeichnet werden  müsse  und  die  Schweizer  Asylbehörden  ausnahmsweise  von  ihrem  Selbsteintrittsrecht Gebrauch zu machen hätten, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  20. Februar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ­ 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

D­914/2012 dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt –  offensichtlich  unbegründet  ist,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  gleichzeitig  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1  und 2 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 43 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl.  BVGE  2007/8  E. 2.1  S. 73  mit  Hinweis  auf  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass sich aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin anlässlich ihrer  Anhörung im Transitzentrum Altstätten vom 26. Mai 2011 ergibt, dass sie  Ende März  2011  nach  Italien  gelangte,  von  den  italienischen Behörden  von Sizilien nach Bari geflogen wurde und dort etwa 27 Tage lang blieb,  bevor  sie  nach Mailand  weiterreiste,  nachdem  sie  erfahren  habe,  dass  man ihr Fingerabdrücke nehmen wolle,

D­914/2012 dass sie anschliessend am 8. Mai 2011 in die Schweiz einreiste und dort  am selben Tag um Asyl nachsuchte, dass in der Beschwerde zwar die Ansicht vertreten wird, Italien verneine  im  Ergebnis  seine  Zuständigkeit,  da  die  Beschwerdeführerin  dort  nicht  daktyloskopiert worden sei und auch kein Asylgesuch gestellt habe, dass,  wird  auf  der  Grundlage  von  Beweismitteln  oder  Indizien  gemäss  den  beiden  in  Art. 18  Abs. 3  Dublin­II­VO  genannten  Verzeichnissen,  einschliesslich  der  Daten  nach  Kapitel  III  der  Verordnung  (EG)  Nr. 2725/2000  festgestellt,  dass  ein  Asylbewerber  aus  einem  Drittstaat  kommend  die  Land­,  See­  oder  Luftgrenze  eines  Mitgliedstaats  illegal  überschritten  hat,  dieser  Mitgliedstaat  für  die  Prüfung  des  Asylantrags  zuständig ist (Art. 10 Abs. 1 Dublin­II­VO), dass die mündlichen Ausführungen der Beschwerdeführerin, wonach sie  sich  vor  ihrer  erstmaligen  Einreise  in  die  Schweiz  illegal  in  Italien  aufgehalten habe, ein klares  Indiz dafür bilden, dass  Italien gestützt auf  Art. 10  Abs. 1 Dublin­II­VO  als Mitgliedstaat  des Dublin­Abkommens  für  die  Behandlung  des  vorliegenden  Asylgesuchs  –  ungeachtet  eines  EURODAC­Treffers  oder  einer  Asylantragstellung  in  Italien  –  zuständig  ist, dass  das BFM  bei  dieser  Sachlage  und  der  innert  Frist  seitens  Italiens  unbeantwortet  gebliebenen  Anfrage  um  Aufnahme  der  Beschwerdeführerin  vom  21. Juni  2011  beziehungsweise  vom  13. Dezember  2011  Italien  zu  Recht  als  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens zuständig erachtet hat, dass  somit  Italien  für  die  Prüfung  ihres  am  8. November  2011  in  der  Schweiz  neuerlich  eingereichten  Asylantrags  zuständig  ist  (vgl.  DAA  sowie  die Dublin­II­Verordnung  und  die Verordnung  [EG] Nr. 1560/2003  der  Kommission  vom  2. September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates [DVO Dublin]), dass  die  italienischen  Behörden  das  Ersuchen  des  BFM  vom  13. Dezember  2011  um  Übernahme  der  Beschwerdeführerin  bis  am  14. Januar  2012  unbeantwortet  liessen, womit  die  Zuständigkeit  Italiens  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  Art. 20  Abs. 1  Bst. c  Dublin­II­Verordnung auf Italien überging,

D­914/2012 dass  in  der  Beschwerde weiter  geltend  gemacht  wird,  Italien  überlasse  einen Grossteil der Dublin­Rückkehrer der Obdachlosigkeit, dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  und  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ist,  das  Übereinkommen  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe  (FoK,  SR 0.105)  ratifiziert  hat  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  die  sich  daraus  resultierenden  Verpflichtungen halten, dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  aber  insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, dass  Italien  gehalten  ist,  unter  anderem  die  Richtlinie  2005/85/EG  des  Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren  in den  Mitgliedstaaten  zur  Zuerkennung  und  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  (sog.  Verfahrensrichtlinie)  und  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27. Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von Asylbewerbern  in Mitgliedstaaten  (sog. Aufnahmerichtlinie) anzuwenden respektive umzusetzen, dass  Dublin­Rückkehrende  betreffend  Unterbringung  von  den  italienischen Behörden  in der Regel bevorzugt behandelt werden und  sich  zudem  –  neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  annehmen, dass  unter  diesen  Umständen  entgegen  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Ansicht  nicht  angenommen  werden  kann,  die  Beschwerdeführerin gerate im Falle einer Rückkehr nach Italien in eine  existenzielle Notlage, dass  die  in  der  Beschwerde  vom  17. Februar  2012  geltend  gemachte  Traumatisierung  der  Beschwerdeführerin  als  Folge  ihrer  angeblichen  mehrfachen Vergewaltigung  in  Äthiopien  (a.a.O.  S. 3)  nicht  belegt  wird,  und  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  einen  Selbsteintritt  der  Schweiz  gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO rechtfertigen könnten,

D­914/2012 dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  eingetreten  ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf Erteilung einer  solchen besteht  (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet  wurde, dass es sich beim Dublin­Verfahren um ein Überstellungsverfahren in den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  weshalb  das  Fehlen  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  regelmässig  bereits  Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des gestützt auf Art. 34 Abs. 2  Bst. d  AsylG  erfolgenden  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  2010/45 E. 10.2 S. 645),  dass mithin allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse  im  Rahmen  der  eventuellen  Anwendung  der  sogenannten  Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR 142.311)  zu  prüfen  sind  und  folglich  kein  Raum  für  Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs.  1­4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) besteht, dass  in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach  Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass die Beschwerdeführerin demnach nicht darzutun vermag,  inwiefern  die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen  Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist  (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass die Gesuche, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu  erteilen  und  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten,  angesichts  des  vorliegenden  Entscheids  in  der  Hauptsache  gegenstandslos werden,

D­914/2012 dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG zufolge Aussichtslosigkeit der Beschwerde  abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 16  Abs. 1  Bst. a  VGG  i.V.m.  Art. 2  und  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  der  Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­914/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand:

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