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Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 D-8304/2010

4 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,448 mots·~7 min·3

Résumé

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägung); Verfügung des BFM vom 11. April 2006

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­8304/2010 Urteil   v om   4 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Einzelrichter Daniele Cattaneo, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer,  Gerichtsschreiber Carlo Monti. Parteien A._______,  B._______,   und das gemeinsame Kind  C._______,  Türkei,  Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägung);  Verfügung des BFM vom 11. April 2006 / N […].

D­8304/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  11.  April  2006  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden vom 20. März 2006 in Anwendung von Art. 3 und  7  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  abwies  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  anordnete  sowie  den  Vollzug  der  Wegweisung verfügte, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D­5926/2006 vom 24. März  2009  eine  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde  vom  10.  Mai  2006 abwies, dass die Beschwerdeführenden mit (Telefax)­Eingabe vom 27. April 2009  ein  Revisionsgesuch  einreichten,  welches  mit  Urteil  D­2814/2009  vom  18. Juni 2010 vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen wurde, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  4.  November  2010  –  eröffnet  am  9. November  2010  –  das  Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführenden vom 27.  Juli  2010 kostenpflichtig abwies und die  Rechtskraft  sowie  die  Vollstreckbarkeit  des  negativen  Asylentscheids  vom 11. April 2006 feststellte, dass  es  weiter  festhielt,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme  keine  aufschiebende Wirkung zu, dass  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausgeführt  wurde,  die  Beschwerdeführenden  hätten  nach  dem  Abschluss  des  ordentlichen  Asylverfahrens bereits einmal eine Eingabe gemacht, dass  sodann  dem  Urteil  D­2814/2009  vom  18. Juni  2010  des  Bundesverwaltungsgerichts  (Abweisung  Revisionsgesuch)  entnommen  werden  könne,  dass  die  Beschwerdeführenden  beabsichtigt  hätten,  mit  gefälschten Beweismitteln ein Vollzugshindernis zu schaffen, dass  folglich  festzuhalten  sei,  die  Beschwerdeführenden  hätten  bereits  einmal  den  Versuch  unternommen,  mit  unwahren  Angaben  den  Wegweisungsvollzug zu verhindern, dass dieses unredliche Verhalten auch bei der Würdigung der aktuellen  Eingabe nicht unberücksichtigt bleiben dürfe, dass in den beiden eingereichten spezialärztlichen Berichten vom 16. Juli  2010  und  vom  12.  August  2010  dargelegt  werde,  B._______  leide  an 

D­8304/2010 einer  schweren  posttraumatischen  Belastungsstörung  und  stehe  seit  Sommer 2006 in spezialärztlicher Behandlung, dass von anfänglich zwei nötigen Sitzungen pro Woche die Frequenz bis  Frühling  2009  auf  ein  bis  zwei  Sitzungen  pro  Monat  habe  reduziert  werden können, dass  sich  nach  Ablehnung  des  Revisionsgesuchs  im  Juni  2010  der  Zustand der Beschwerdeführerin akut massiv verschlechtert habe, dass  weiter  in  beiden  Berichten  erwähnt  werde,  sie  habe  die  Absicht  geäussert,  einen  erweiterten  Selbstmord  zu  begehen,  indem  sie  angedroht habe, auch ihre Tochter umzubringen, dass  die  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Eingabe  dabei  festhielten,  die  Gefahr eines erweiterten Suizids erscheine real und die Berichterstattung  der  Psychiaterin  müsse  erhöhte  Glaubhaftigkeit  geniessen,  denn  sie  könne  blosse  Drohungen  von  ernstgemeinten  und  konkreten  Absichten  unterscheiden, dass es, angenommen die Beschwerdeführerin hätte in ernsthafter Weise  mit  dieser  Tat  gedroht,  die  Pflicht  des  Vertreters  der  Beschwerdeführenden gewesen wäre – auch im Interesse der Mantandin  –,  die  Vormundschaftsbehörden  einzuschalten,  damit  diese  die  für  die  Sicherheit  des  Kindes  notwendigen  Massnahmen  hätten  ergreifen  können, dass davon jedoch in der Eingabe nicht die Rede gewesen sei, dass dies darauf hindeute, dass der Vertreter der Beschwerdeführenden  untätig geblieben sei, dass  folglich entweder der Vertreter grobfahrlässig gehandelt habe oder  keine reale Gefahr eines (erweiterten) Suizids bestünde, dass  deshalb  aus  den  Akten  der  Schluss  zu  ziehen  sei,  die  Beschwerdeführerin versuche erneut, ein Vollzugshindernis zu schaffen,  und diesmal hierfür sogar mit erweitertem Selbstmord drohe, dass  zusätzlich  festzuhalten  sei,  dass  es  nicht  angehen  könne,  dass  abgewiesene  Asylsuchende  es  in  der  Hand  haben  könnten,  mit  Suizidäusserungen einen Vollzug der Wegweisung zu verhindern,

D­8304/2010 dass auch das Kindeswohl nicht  tangiert werde, da der Behauptung der  Beschwerdeführenden vom Fehlen einer kindgerechten Alternative in der  Türkei verglichen zur Schweiz nicht gefolgt werden könne, dass  ausserdem der Aufenthalt  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  geprägt  sein  dürfte  vom  Stress  wegen  des  bevorstehenden  Wegweisungsvollzugs, dass  die  Beschwerdeführenden  sodann  über  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz in der Türkei verfügten, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  1.  Dezember  2010  (eingegangen  am  2.  Dezember  2010)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben und beantragten, es sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  11.  April  2006  aufzuheben  und  das  Wiedererwägungsgesuch  vom  27.  Juli  2010  gutzuheissen,  weshalb  die  Wegweisung  nicht  zu  vollziehen  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufzuschieben sei, dass in prozessualer Hinsicht beantragt wurde, es sei die aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  wiederherzustellen  und  es  seien  sinngemäss  umgehend  vorsorgliche  Massnahmen  im  Sinne  von  Art.  56  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20. Dezember  1968 (VwVG, SR 172.021) anzuordnen, dass  ferner die unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1  und 2 VwVG zu gewähren sei, dass  mit  Zwischenverfügung  vom  14.  Dezember  2010  das  Bundesverwaltungsgericht  die  vorgenannten  Anträge  abwies  und  die  Beschwerdeführenden  aufforderte,  bis  zum  3.  Januar  2011  einen  Kostenvorschuss  von  Fr.  1200.–  einzuzahlen,  andernfalls  auf  die  Beschwerde nicht eingetreten werde, dass  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausgeführt  wurde,  dass  die  Beschwerdeführenden  in  der  Rechtsmitteleingabe  den  momentanen  psychischen Zustand von B._______ abermals ansprechen würden und  sich  diesbezüglich  auf  die  Ausführungen  im  neu  eingereichten  Arztzeugnis vom 30. November 2010 stützten, dass  gemäss  der  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  und  des  Bundesverwaltungsgerichts  eine  nachgewiesene Suizidalität  per  se  kein Wegweisungshindernis  darstelle 

D­8304/2010 (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D­85/2008 vom 4. Juni 2010,  D­3367/2006 vom 6. Oktober 2008; Unzulässigkeitsentscheid des EGMR  vom  7.  Oktober  2004  i.S.  Dragan  und  andere  gegen  Deutschland,  Nr.  33743/03, angeführt in EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1 S. 212), dass deshalb der wegweisende Staat nicht verpflichtet  sei,  vom Vollzug  der  Ausweisung  Abstand  zu  nehmen,  falls  Ausländer  für  den  Fall  des  Vollzuges  des  Wegweisungsentscheides  mit  Suizid  drohen  würden,  solange er Massnahmen ergreife, um die Umsetzung der Suiziddrohung  zu verhindern, dass  falls  sich  die  suizidalen  Tendenzen  im  Falle  eines  allfälligen  zwangsweisen Vollzugs  der Wegweisung  dennoch  akzentuieren  sollten,  dem mit geeigneten Massnahmen (medizinisch begleitete Ausschaffung)  entgegenzuwirken  wäre,  so  dass  für  B._______  eine  konkrete  Gefahr  ernster gesundheitlicher Schäden auszuschliessen wäre, dass ausserdem ihr Leiden in ihrem Heimatland behandelt werden könne  (vgl. Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts D­85/2008 vom 4. Juni 2010  E. 6.10.2), dass  demnach  eine  konkrete  Gefahr  ernster  gesundheitlicher  Schäden  auszuschliessen sei, dass  die  Beschwerdeführenden  ausserdem  die  Verletzung  des  Kindeswohls von C._______ geltend gemacht hätten, dass  unter  dem  Aspekt  des  Kindeswohls  sämtliche  Umstände  einzubeziehen  und  zu  würdigen  seien,  die  im  Hinblick  auf  eine  Wegweisung wesentlich erschienen, dass  im  Hinblick  auf  das  persönliche  Wohlergehen  für  ein  Kind  namentlich  folgende  Kriterien  im  Rahmen  einer  gesamtheitlichen  Beurteilung  von  Bedeutung  sein  könnten:  Alter,  Reife,  Abhängigkeiten,  Art  (Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit)  seiner  Beziehungen,  Eigenschaften  seiner  Bezugspersonen  (insbesondere  Unterstützungsbereitschaft  und  ­ fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/ Ausbildung, sowie  der Grad  der  erfolgten  Integration  bei  einem  längeren Aufenthalt  in  der  Schweiz, dass gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz,  im  Hinblick  auf  die  Prüfung  der  Chancen  und  Hindernisse  einer  Reintegration  im  Heimatland  bei  einem  Kind  als  gewichtiger  Faktor  zu 

D­8304/2010 werten  seien,  da  Kinder  nicht  ohne  guten  Grund  aus  einem  einmal  vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten, dass  dabei  aus  entwicklungspsychologischer  Sicht  nicht  nur  das  unmittelbare  persönliche  Umfeld  des  Kindes  (d.h.  dessen  Kernfamilie),  sondern auch dessen übrige soziale Einbettung zu berücksichtigen sei, dass  die  Verwurzelung  in  der  Schweiz  eine  reziproke  Wirkung  auf  die  Frage der Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs haben könne,  indem  eine  starke  Assimilierung  in  der  Schweiz  mithin  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat  zur  Folge  haben  könne,  welche  unter  Umständen  die  Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen  liesse  (vgl. BVGE 2009/28  E. 9.3.2 S. 367 f.; EMARK 2005 Nr. 6 E. 6 S. 55 ff.), dass angesichts der relativ kurzen Aufenthaltsdauer in der Schweiz nicht  von einer aussergewöhnlich starken Integration die Rede sein könne und  deshalb  eine  erfolgreiche Reintegration  im Heimatstaat  nichts  im Wege  stehe, dass  ausserdem,  nach  Aufhebung  der  Bestimmungen  betreffend  die  vorläufige  Aufnahme  infolge  einer  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  (insbesondere  Art.  44  Abs.  3­5  AsylG  in  der  Fassung  vom  26.  Juni  1998;  AS  1999  2273)  auf  den  1.  Januar  2007,  bei  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM  im  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  das  Vorliegen  einer  schwerwiegenden  persönlichen Notlage nicht mehr geprüft werden könne, dass nach geltendem Recht es dem zuständigen Kanton vorbehalten sei,  einer ihm zugewiesenen Person mit Zustimmung des Bundesamtes eine  Aufenthaltsbewilligung  zu  erteilen,  wenn  wegen  fortgeschrittener  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  vorliege  (Art.  14  Abs. 2 Bst. c AsylG), dass  eine  Prima­facie­Prüfung  der  Akten  die  gestellten  Begehren  als  aussichtslos erscheinen liesse, dass  das  BFM  zu  Recht  und  mit  überzeugender  Begründung  zum  Schluss  gekommen  sei,  dass  die  gesundheitlichen  Probleme  der  Beschwerdeführerin  und  die  bisherige  Integration  der  Tochter  einem  Vollzug der Wegweisung nicht entgegenstehen dürften, dass die Vorbringen in der Beschwerde an dieser Einschätzung nichts zu  ändern vermögen dürften,

D­8304/2010 dass  es  sich  vor  diesem  Hintergrund  erübrige,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der Beschwerde  einzugehen,  zumal  jene  am Ergebnis  nichts zu ändern vermögen, dass  am  30.  Dezember  2010  die  Zahlung  des  Kostenvorschusses  erfolgte, dass  mit  Eingabe  vom  12.  respektive  18.  Januar  2011  (vgl.  Datum  Poststempel; eingegangen am 13. beziehungsweise am 19. Januar 2011)  die Beschwerdeführenden folgende Beilagen ins Recht legten: – einen  Fragekatalog  des  Rechtsvertreters  der  Beschwerdeführenden  vom  11.  Januar  2011,  der  an  Frau  med.  Pract.  D._______  der  Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Sanatorium E._______  gerichtet ist, – einen ärztlichen Bericht  vom 13.  Januar  2011  von Frau med. Pract.  D._______  der  Privatklinik  für  Psychiatrie  und  Psychotherapie  Sanatorium E._______, dass  mit  Instruktionsverfügung  vom  3.  Februar  2011  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  zur  Einreichung  einer  Vernehmlassung unter Beilage ihrer gesamten Akten bis zum 18. Februar  2011 einlud, dass das BFM in seiner Vernehmlassung vom 20. Februar 2011 weiterhin  die Abweisung der Beschwerde vom 1. Dezember 2010 beantragte, dass  die  vorgenannte  Vernehmlassung  am  3.  März  2011  den  Beschwerdeführenden zur Kenntnis gebracht wurde, dass mit Schreiben vom 30. Juni 2011 die Beschwerdeführenden auf den  aktuellen  psychischen  Zustand  von  B._______  hinwiesen  und  das  Bundesverwaltungsgericht  ersuchten,  die  Zwischenverfügung  vom  14. Dezember 2010 wiedererwägungsweise aufzuheben und stattdessen  die  zuständigen  Vollzugsbehörden  anzuweisen,  den  Vollzug  der  Wegweisung  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  bis  zu  einem  materiellen Endentscheid auszusetzen, dass  damit  die  weiteren  Beweisanträge  in  der  Beschwerdeschrift,  etwa  das  Einholen  ergänzender  ärztlicher  Berichte  und  allenfalls  eines  psychiatrischen Gutachtens, angegangen werden könnten,

D­8304/2010 dass  mit  Zwischenverfügung  vom  7.  Juli  2011  das  Bundesverwaltungsgericht die vorgenannten Gesuche ablehnte und dem  BFM Gelegenheit gab,  sich bis zum 26. Juli  2011 hierzu vernehmen zu  lassen, dass mit Stellungnahme vom 18.  Juli  2011 das BFM vollumfänglich auf  die  Vernehmlassung  vom  20.  Februar  2011  verwies  und  ausführte,  es  liege  an  den  vollziehenden  Behörden  und  an  der  zuständigen  Ärzteschaft, Massnahmen zu ergreifen und entsprechend auf eine Selbst­  und Fremdgefährdung zu reagieren, dass  mit  Schreiben  vom  27.  Juli  2011  die  Vormundschaftsbehörde  F._______  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gelangte  und  diesem  mitteilte,  dass  B._______  gedroht  habe,  sich  und  die  Tochter  bei  einer  unangemeldeten,  überraschenden  polizeilichen  Ausschaffungsaktion  zu  töten, dass  sie  aber  auch  ausgesagt  habe,  sie werde  die  Klinik  – wo  sie  seit  dem 24. Dezember 2010 stationär behandelt wird – verlassen und, ohne  ihr  Kind  zu  gefährden,  nach Hause  zurückkehren, wenn  sie Gewissheit  habe, dass sie nicht im Rahmen einer unangekündigten Polizeiaktion aus  der Schweiz ausgeschafft werde, dass zur Entschärfung der Bedrohung vereinbart worden sei, dass die am  Verfahren beteiligten Amtsstellen über die Situation informiert würden, dass  das  Migrationsamt  G._______  ersucht  werde,  sämtliche  Korrespondenzen  im  Zusammenhang  mit  dem  Asylgesuch  der  Familie  H._______  oder  deren  Ausweisung  ab  sofort  dem  Sekretariat  der  Vormundschaftsbehörde zuzustellen und dieses für die Weiterleitung der  Papiere  beziehungsweise  für  die  zweckmässige  Information  der Familie  besorgt sei, dass  weiter  die  Familie  H._______  den  Sekretär  der  Vormundschaftsbehörde  zur  Entgegennahme  der  Papiere  ermächtigt  habe (vgl. Vollmacht, Ref.­Nr.  F5.02.02, im Anhang), dass schliesslich B._______ nach Hause zurückkehren werde, sobald die  Zustimmung und Zusicherung des Migrationsamtes zu diesem Vorgehen  vorliege,

D­8304/2010 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht, auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art.  83  Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  kein  solches  Auslieferungsbegehren  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet, dass in casu der Entscheid vom 4. November 2010, mit welchem das von  den  Beschwerdeführenden  gestellte  Gesuch  vom  27.  Juli  2010  um  Wiedererwägung der  ursprünglichen Verfügung des BFM vom 20. März  2006 abgewiesen wurde, eine Verfügung des BFM im Bereich des Asyls  darstellt,  die  mit  Beschwerde  an  das  letztinstanzlich  zuständige  Bundesverwaltungsgericht weitergezogen werden kann, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  dem  BFM  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt sind und daher ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass sie daher  zur Einreichung einer Beschwerde gegen die Verfügung  des BFM vom 4. November 2010 legitimiert sind, dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich,  wie  nachstehend  aufgezeigt,  vorliegend  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

D­8304/2010 dass  nach  Art.  29  Abs.  1  und  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101; zu  der  unter  Art.  4  aBV  entwickelten  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  vgl. BGE 127  I 133 E. 6 S. 137) ein verfassungsmässiger Anspruch auf  Wiedererwägung besteht, wenn erhebliche Tatsachen oder Beweismittel  geltend gemacht werden, die im früheren Verfahren nicht bekannt waren  oder damals noch nicht eingebracht werden konnten, oder wenn sich die  Umstände  seit  der  letzten  Beurteilung  wesentlich  geändert  haben  und  mithin  der  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Entscheid  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen der Sach­ oder Rechtslage anzupassen  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr.  7  E. 1  S. 42 f.;  BGE 124 II 1  E. 3a S. 6, 120 Ib 42 E. 2b S. 46, 113 Ia 146 E. 3a S. 150 ff.), dass  ungeachtet  dieses  verfassungsmässigen  Anspruchs  ein  Wiedererwägungsgesuch  nicht  dazu  dienen  darf,  die  Verbindlichkeit  eines  Verwaltungsentscheides  fortlaufend  in  Frage  zu  stellen  (vgl.  EMARK 2003 Nr. 17 E. 2b S. 104), dass  eine Wiedererwägung  hingegen  dann  nicht  in  Betracht  fällt,  wenn  lediglich  eine  neue  Würdigung  der  beim  früheren  Entscheid  bereits  bekannten  Tatsachen  herbeigeführt  werden  soll  oder  Gründe  angeführt  werden,  die  bereits  in  einem  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  gegen  die  frühere  Verfügung  hätten  geltend  gemacht  werden  können  (vgl.  EMARK 2003 Nr. 17 E. 2b S. 104), dass  im  vorliegenden  Wiedererwägungsgesuch  im  Wesentlichen  ausgeführt  wird,  B._______  leide  unter  schwerwiegenden  psychischen  Problemen,  sei  dringend  behandlungsbedürftig  sowie  beim  Vollzug  der  Wegweisung  akut  suizidgefährdet  (unter  Androhung  eines  erweiterten  Suizids) und müsste stationär behandelt werden, dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  darlegte,  weshalb  die  Vorbringen  im  Wiedererwägungsgesuch  nicht  geeignet  sind,  an  der  ursprünglichen Verfügung etwas zu ändern, dass  sich  aufgrund  der  Akten  die  Ausführungen  in  der  vorinstanzlichen  Verfügung in jeder Hinsicht als zutreffend erweisen, dass  daher  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung verwiesen werden kann,

D­8304/2010 dass die Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe nicht geeignet sind, eine  Änderung der angefochtenen Verfügung herbeizuführen, dass  den  Beschwerdeführenden  mit  Zwischenverfügung  vom  14.  Dezember  2010  ausführlich  und  teils  unter  Angabe  der  jeweiligen  Fundstellen  und  der  Rechtsprechung  dargelegt  wurde,  weshalb  ihre  Vorbringen in der Beschwerde – da aussichtslos – keine Hindernisgründe  im  Zusammenhang  mit  der  Frage  eines  allfälligen  Vollzugs  der  Wegweisung darzustellen vermöchten, dass eine Änderung der Sachlage hinsichtlich der Begehren von damals  zwischenzeitlich nicht eingetreten ist, dass  zwecks  Vermeidung  von  Wiederholungen  daher  ebenfalls  vollumfänglich  auf  die  Ausführungen  in  der  erwähnten  Zwischenverfügung verwiesen werden kann, dass  dem  Schreiben  vom  27.  Juli  2011  der  Vormundschaftsbehörde  Oberrieden  ausserdem  zu  entnehmen  ist,  dass  B._______  selbst  ausgesagt  habe,  nach  Hause  zurückkehren  zu  wollen,  falls  die  Ausschaffung  nicht  im  Rahmen  einer  unangekündigten  Polizeiaktion  erfolge, und sie dabei ihr Kind nicht gefährden würde, dass dieser Aussage klar zu entnehmen  ist, dass eine reelle Suizidalität  der  Beschwerdeführerin  sowie  die  Androhung  eines  erweiterten  Selbstmordes vorliegend vorgetäuscht wurden, um ein Vollzugshindernis  zu schaffen, dass sich bei dieser Sachlage weitere Erörterungen erübrigen, dass  es  den  Beschwerdeführenden  somit  nicht  gelungen  ist,  eine  wesentliche  Änderung  der  Umstände  im  Sinne  der  wiedererwägungsrechtlichen Bestimmungen darzulegen, dass das BFM das Wiedererwägungsgesuch vom 27. Juli 2010 nach dem  Gesagten zu Recht abgewiesen hat, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist,

D­8304/2010 dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  1200.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63 Abs.  1  VwVG)  und  mit  dem  am  30.  Dezember  2010  in  der  gleichen  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen sind. (Dispositiv nächste Seite)

D­8304/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Ein  Doppel  des  Schreibens  der  Gemeindeverwaltung  F._______  vom  27. Juli 2011 geht zur Kenntnisnahme an die Vorinstanz. 2.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 3.  Die Verfahrenskosten von Fr. 1200.– werden den Beschwerdeführenden  auferlegt  und  mit  dem  am  30.  Dezember  2010  in  der  gleichen  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Daniele Cattaneo Carlo Monti Versand:

D-8304/2010 — Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 D-8304/2010 — Swissrulings