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Bundesverwaltungsgericht 17.10.2011 D-7807/2009

17 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,200 mots·~6 min·2

Résumé

Asyl und Wegweisung | Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägung); Verfügung des BFM vom 30. November 2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­7807/2009 Urteil   v om   1 7 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Hans Schürch,    Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien X. _______, geboren am _______, Afghanistan,   vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, _______ Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen  Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 30. November 2009 / _______.

D­7807/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, I. dass  der  Beschwerdeführer  am  13.  April  2006  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch stellte, dass er zu dessen Begründung im Wesentlichen geltend machte, aus der  afghanischen Provinz _______ zu stammen und tadschikischer Ethnie zu  sein, dass sein Bruder die Taliban unterstützt  habe und die Familie  im Jahre  1998  aus  Angst  vor  Repressalien  seitens  der  Mujaheddin  nach  Kabul  geflohen sei, dass der erwähnte Bruder im Kampf gefallen sei, dass er  in Kabul wegen der Taliban­Vergangenheit seines Bruders nach  dem  Machtwechsel  den  Argwohn  eines  einflussreichen  Onkels  – eines  Vertreters der Mujaheddin – geweckt habe, dass ihn der besagte Verwandte im Jahre 2001 aufgefordert habe, innert  einer Woche die vorhandenen Waffen abzugeben, dass  er  aber  nicht  im  Besitz  von  Waffen  gewesen  und  aus  Angst  vor  Verfolgung  durch  das  Umfeld  des  Onkels  einige  Tage  später  ausser  Landes geflohen sei, dass er sich in der Folge während Jahren im Iran aufgehalten habe, dass das BFM das Asylgesuch mit Verfügung vom 23. Juni 2006 abwies  und die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den  Wegweisungsvollzug anordnete, dass  die  Vorinstanz  zur  Begründung  ihres  Entscheids  insbesondere  ausführte,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  unsubstanziiert  und mithin nicht glaubhaft, dass der Wegweisungsvollzug nach Afghanistan zulässig, zumutbar und  möglich sei,

D­7807/2009 dass  er  vor  der  Ausreise  in  Kabul  gelebt  habe  und  sich  dort  Familienangehörige befänden, dass er jung und gesund sei und vor Ort im eigenen Geschäft gearbeitet  habe, dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Eingabe  vom  28.  Juli  2006  bei  der  vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission (ARK) anfocht, dass die ARK mit Urteil vom 4. August 2006 auf das Rechtsmittel wegen  bereits abgelaufener Beschwerdefrist nicht eintrat, II. dass  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  am  20.  November  2007  (Poststempel)  ein  erstes  Wiedererwägungsgesuch  stellte  und  sinngemäss  um  Aufhebung  des  angefochtenen  Entscheids,  Asylgewährung  und  eventualiter  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ersuchte,  dass  er  zur  Begründung  vorbrachte,  ein  neues  Beweismittel  (eine  Vorladung der afghanischen Behörden aus dem Jahre 2001) belege die  im ordentlichen Verfahren geltend gemachte Verfolgung, dass  er  das  Dokument  mit  der  Unterstützung  eines  in  Deutschland  lebenden  Kollegen,  welcher  einen  Beamten  vor  Ort  kenne,  habe  beschaffen können, dass  sich  ausserdem  die  Sicherheitslage  in  Kabul  verschlechtert  habe  und er dort über kein soziales Netz mehr verfüge, dass  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  mit  Verfügung  vom  11.  Januar 2008 ablehnte, dass es zur Begründung unter anderem darlegte, der Beschwerdeführer  mache  mit  dem  eingereichten  Beweismittel  einen  unter  wiedererwägungsrechtlichen  Aspekten  zu  prüfenden  Revisionsgrund  gemäss  Art.  66  Abs.  2  Bst.  a  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021])  geltend,

D­7807/2009 dass das Dokument indes weder als neu noch als erheblich im Sinne der  zitierten Gesetzesbestimmung zu qualifizieren sei, dass  für  die  verspätete  Beibringung  des  Beweismittels  keine  plausiblen  Gründe vorlägen, dass das Dokument zudem insgesamt als Fälschung zu qualifizieren sei, dass  sich  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Afghanistan  zwar  verschlechtert habe, aber insbesondere in Kabul – dem Herkunftsort des  Beschwerdeführers  –  nicht  eine  konkrete  Gefährdung  der  Bevölkerung  bestehe, dass  entsprechend  auch  nicht  von  einer  seit  Erlass  der  angefochtenen  Verfügung  wesentlich  veränderten  Sachlage  auszugehen  sei,  weshalb  auch in diesem Lichte besehen kein Wiedererwägungsgrund bestehe, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  4.  Februar  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung des angefochtenen Entscheids,  sinngemäss  die  wiedererwägungsweise  Gewährung  des  Asyls,  eventualiter  die  vorläufige  Aufnahme  und  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Entbindung von der  Vorschusspflicht (Art. 65 Abs. 1 VwVG) beantragte, dass  er  zur  Begründung  erneut  vorbrachte,  das  Beweismittel  aus  dem  Jahre  2001  sei  echt  und  belege  die  im  ordentlichen  Verfahren  geltend  gemachte Verfolgung, dass  sich  ausserdem  die  Sicherheitslage  in  Kabul  verschlechtert  habe  und er dort über kein soziales Netz mehr verfüge, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerde  mit  Urteil  vom       12. Februar 2009 als offensichtlich unbegründet vollumfänglich abwies,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  anderem  festhielt,  das  eingereichte  Beweismittel,  das  seine  Verfolgung  belegen  solle,  sei  verspätet und nicht erheblich,  dass  ausserdem  keine  gegenüber  der  Situation  bei  Eintritt  der  Rechtskraft  der  ursprünglichen  Verfügung  vom  23.  Juni  2006  entscheidrelevant veränderte Sachlage aufgrund der Entwicklung vor Ort  festzustellen sei, 

D­7807/2009 dass  der  Beschwerdeführer  vor  der  Ausreise  in  der  Hauptstadt  Kabul  gelebt  habe  und  seine  Behauptung,  nichts  über  das  aktuelle  Schicksal  der dort ansässigen Angehörigen zu wissen, nicht glaubhaft wirke, dass  der  junge  und  offenbar  gesunde  Beschwerdeführer  somit  grundsätzlich bei  seinen Angehörigen nach wie  vor über genügend und  gesicherten  Wohnraum  verfügen  dürfte  und  eine  allfällige  Wiederaufnahme  der  Erwerbstätigkeit  keineswegs  als  ausgeschlossen  erscheine,  womit  es  ihm  folglich  offenstehe  und  zuzumuten  sei,  sich  wieder in Kabul niederzulassen, dass daran auch seine inzwischen langjährige Landesabwesenheit, die er  selbst zu verantworten habe, nichts zu ändern vermöge, dass  dem  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  seinen  Heimatstaat  aufgrund  der  gegenwärtigen  Aktenlage  auch  sonst  keine  Wegweisungsvollzugshindernisse entgegenstünden, dass  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  nach  dem  Gesagten  zu  Recht abgewiesen habe,  III. dass der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertretung beim BFM am  20. November 2009 ein zweites Wiedererwägungsgesuch stellte, dass er die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 23. Juni 2006  im  Vollzugspunkt,  die  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  den  Erlass  vorsorglicher  Massnahmen  beantragte,  dass er zur Begründung unter Hinweis auf verschiedene Quellen geltend  machte, die Sicherheitslage in Afghanistan habe sich in den Jahren 2007  bis 2009 dramatisch verschlechtert,  dass namentlich auch  in Kabul von einer Verschlimmerung der Lage  im  Sinne einer konkreten Gefährdung auszugehen sei,  dass  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  mit  Verfügung  vom  30.  November 2009 abwies und die Rechtskraft und Vollstreckbarkeit seines  Entscheids vom 23. Juni 2006 feststellte, 

D­7807/2009 dass es festhielt, es sei trotz der in Afghanistan allgemein angespannten  Sicherheitslage  nicht  von  einer  auch  in  Kabul  drohenden  konkreten  Gefährdung auszugehen,  dass  dem Beschwerdeführer  eine Rückkehr  dorthin  somit  nach wie  vor  zuzumuten sei,  dass es dem Beschwerdeführer eine Gebühr auferlegte, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertretung  vom   16.  Dezember  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  einreichen liess,  dass  er  die Aufhebung  des  vorinstanzlichen Entscheids,  die Anweisung  an die Vorinstanz,  ihn wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  in der Schweiz vorläufig aufzunehmen, eventualiter die Rückweisung der  Sache  an  das  BFM  zur  Neubeurteilung,  subeventualiter  die  Aufhebung  der vorinstanzlichen Verfügung im Kostenpunkt, den Erlass vorsorglicher  Massnahmen  sowie  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art. 65  Abs.  1  VwVG)  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht  beantragte,  dass  er  zur  Begründung  unter  Hinweis  auf  verschiedene  Quellen –  darunter auch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts – respektive die  Eingabe  vom  20.  November  2009  erneut  geltend  machte,  die  Sicherheitslage in Afghanistan habe sich dramatisch verschlechtert,  dass diese Einschätzung durch aktuelle Berichte – auch die Hauptstadt  Kabul  betreffend  –  bestätigt  werde,  was  das  BFM  im  angefochtenen  Entscheid verkenne,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  den  allfälligen  Vollzug  der  Wegweisung am 17. Dezember 2009 einstweilen aussetzte,  dass  der  vormalige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom         21.  Dezember  2009  das Gesuch  um Erlass  vorsorglicher Massnahmen  guthiess  und  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  innert  Frist  entweder  eine  Bestätigung  für  seine  Bedürftigkeit  nachzureichen  oder  einen  Kostenvorschuss zu leisten,  dass der Beschwerdeführer am 30. Dezember 2009 eine entsprechende  Bestätigung zu den Akten gab, 

D­7807/2009 dass  das  BFM  mit  Vernehmlassung  vom  8.  September  2011  die  Abweisung der Beschwerde beantragte,  dass der Beschwerdeführer mit Replik vom 28. September 2011 geltend  machte, nach wie vor keinen Kontakt zu seinen Familienangehörigen zu  haben,  dass er nicht aus Kabul stamme und sich erst von 1998 bis zur Ausreise  im Jahre 2001 dort aufgehalten habe,  dass er seit der Ausreise keinen Kontakt mehr zur Familie habe,  dass sich die Sicherheitslage  in Kabul  in den  letzten Wochen nochmals  verschlechtert habe,  dass der Eingabe ein Internetartikel zur Situation vor Ort beilag,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 108  und Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1  und  Art. 52 VwVG), dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten  ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

D­7807/2009 dass  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  eingetreten  wird,  wenn  sich  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in  wesentlicher Weise  verändert  hat  und mithin  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene  Veränderungen der Sachlage anzupassen ist, dass die Vorinstanz auf die Eingabe vom 16. Dezember 2009 eintrat und  festhielt,  die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Kabul  sei  für  den Beschwerdeführer nach wie vor gegeben,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011  zum  Schluss  kommt,  in  weiten Teilen von Afghanistan herrsche eine Situation allgemeiner Gewalt  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG; SR 142.20),  dass sich die Situation in der Hauptstadt Kabul jedoch anders darstelle,  dass angesichts des Umstandes, wonach sich dort die Sicherheitslage im  Verlauf des vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die  humanitäre  Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger  dramatisch  sei,  der  Vollzug  der  Wegweisung  im  Sinne  der  bisherigen Rechtsprechung als zumutbar qualifiziert werden könne,  dass  demnach  die  bereits  von  der  vormaligen  Beschwerdeinstanz  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (EMARK)  2003  Nr.  10  formulierten  strengen  Bedingungen  in  jedem  Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und  erfüllt  sein  müssten,  um  einen  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  als  zumutbar  zu  qualifizieren, dass  ein  soziales  Netz,  das  sich  im  Hinblick  auf  die  Aufnahme  und  Wiedereingliederung des Rückkehrers als tragfähig erweise, unabdingbar  sei, (vgl. a.a.O. E. 9.3 ff.), dass  an  diesen  Einschätzungen  auch  in  Berücksichtigung  der  jüngsten  Ereignisse in Kabul festzuhalten ist,  dass  demnach  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Kabul  für  sich  allein  besehen grundsätzlich nach wie vor die Bejahung der Zumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs dorthin nicht ausschliesst,

D­7807/2009 dass  im  Rahmen  des  ersten  Wiedererwägungsgesuches  festgestellt  worden  war,  vorliegend  seien  die  strengen  Bedingungen  für  die  Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung nach Kabul erfüllt, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Replik  vom  28.  September  2011  zwar  geltend  macht,  seit  der  Ausreise  aus  Afghanistan  im  Jahre  2001  keinen  Kontakt  mehr  zu  seinen  Angehörigen  zu  haben  und  nicht  zu  wissen,  ob  sie  sich  noch  in  Kabul  oder  überhaupt  in  Afghanistan  aufhielten,  dass  dies  jedoch  bereits  im  ersten  Wiedererwägungsverfahren  geltend  gemacht worden war und die Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen bereits im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  12.  Februar  2009  erheblich  bezweifelt wurde,  dass  der  Beschwerdeführer  zu  Beginn  des  ordentlichen  Verfahrens  am  27.  April  2006  nämlich  ausgesagt  habe,  seine  Mutter  lebe  an  der  angegebenen  Adresse  in  Kabul  und  seine  Schwester  verfüge  in  Kabul  über eine eigene Adresse, dass  seine  späteren  Distanzierungen  von  diesen  Angaben  wie  namentlich  auch  die  Behauptung  in  der  Eingabe  vom  4.  Februar  2008,  seit 2001 keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter zu haben, demnach als  Konstrukt zu werten seien, dass  seine  Darlegungen,  in  Afghanistan  über  keine  ihm  wohlgesinnten  Bezugspersonen  zu  verfügen,  in  dieser  Form  nicht  zu  überzeugen  vermöchten, dass an dieser Einschätzung nach wie vor  festzuhalten  ist,  da auch die  Eingaben im zweiten Wiedererwägungsverfahren mangels Substanz das  angeblich fehlende soziale Netz vor Ort in keiner Weise als überwiegend  wahrscheinlich erscheinen lassen, dass  vielmehr  davon  auszugehen  ist,  die  Schwester  des  Beschwerdeführers und ihr Ehemann seien weiterhin in Kabul wohnhaft,  dass  auch  die  Mutter,  mit  der  der  Beschwerdeführer  vor  der  Ausreise  zusammengelebt habe, nach wie vor in Kabul leben dürfte, dass  sich  zwar  aus  den  Akten  nur  wenig  über  die  Tragfähigkeit  dieses  sozialen Netzes ergibt,

D­7807/2009 dass  jedoch  der  Beschwerdeführer,  dem  nicht  geglaubt  werden  kann,  dass  die  Familienangehörigen  nicht  mehr  in  Kabul  leben,  die  Folgen  seiner  mangelhaften  Mitwirkung  respektive  der  mangelhaften  Offenlegung  der  tatsächlichen  Situation  zu  tragen  hat,  zumal  es  nicht  Sache  der  Asylbehörden  sein  kann,  nach  allfälligen  Wegweisungsvollzugshindernissen  unter  bloss  hypothetischen  Voraussetzungen zu forschen, dass der Beschwerdeführer zudem bereits im Jahre 1998 zusammen mit  seiner Mutter  und  seinem Bruder  bei  seinem Schwager  vorübergehend  untergekommen ist,  dass der Beschwerdeführer zwar längere Zeit nicht mehr im Heimatstaat  gelebt  hat,  angesichts  seiner  Beziehungen,  seiner  guten  Schulbildung,  seiner  Fremdsprachenkenntnisse  und  seiner  Arbeitserfahrung  –  er  hat  Kabul bereits ein Geschäft geführt – jedoch davon auszugehen ist, er sei  in der Lage, sich eine Existenzgrundlage zu schaffen, dass  im  Übrigen  keine  weiteren  persönlichen  Gründe  ersichtlich  sind,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  der  junge  und  offenbar  gesunde  Beschwerdeführer  gerate  im  Falle  der  Rückkehr  in  eine  existenzbedrohende  Situation,  weshalb  der  Vollzug  der Wegweisung  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  nach  wie  vor  als  zumutbar  (und  auch als zulässig und möglich) zu bezeichnen ist, dass  mithin  weder  die  aktuelle  Situation  in  Kabul  noch  persönliche  Gründe  des  Beschwerdeführers  einen  wiedererwägungsrechtlich  erheblichen  Sachverhalt  im  Sinne  einer  nachträglichen  Veränderung  ausmachen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  vom             16. Dezember 2009 – auch betreffend Subeventualantrag – abzuweisen  ist, dass  in  Bezug  auf  den  Subeventualantrag  festzustellen  ist,  dass  die  Vorinstanz angesichts der Abweisung des Wiedererwägungsgesuches zu  Recht  Kosten  auferlegte,  zumal  im  Verfahren  bei  der  Vorinstanz  auch  kein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt worden war,

D­7807/2009 dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1­3 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]),  mit  Zwischenverfügung  vom  21.  Dezember  2009  jedoch  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  unter  Vorbehalt  der  Nachreichung  einer  Fürsorgebestätigung  gutgeheissen worden war,  dass  die  Bestätigung  für  die  Bedürftigkeit  am  30.  Dezember  2009  nachgereicht wurde, weshalb keine Kostenauflage erfolgt. (Dispositiv nächste Seite)

D­7807/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand:

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