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Bundesverwaltungsgericht 12.09.2011 D-7630/2009

12 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,517 mots·~8 min·2

Résumé

Asyl (ohne Wegweisung) | Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des BFM vom 9. November 2009

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7630/2009 Urteil   v om   1 2 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo,  Richter Hans Schürch;    Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch lic. iur. Anita Biedermann,  c/o Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl / Flüchtlingseigenschaft und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 9. November 2009.

D­7630/2009 Sachverhalt: A.  A.a Der Beschwerdeführer suchte am 10. September 2008 im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um Asyl  nach. Dort wurde  er  am 19. September 2008 zu seinen Personalien, zu seinem Reiseweg und  – summarisch  –  zu  seinen  Asylgründen  befragt.  Für  den  Aufenthalt  während  der  Dauer  des  Asylverfahrens  wurde  er  dem  Kanton  C._______zugewiesen. Am 31. Juli 2009 wurde er von einer Mitarbeiterin  des BFM  in Bern­Wabern  gestützt  auf Art.  29 Abs.  1  des Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) eingehend zu seinen Asylgründen  angehört. A.b  Anlässlich  der  Befragungen  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend, er sei sri­lankischer Staatsangehöriger tamilischer  Ethnie  und  stamme  aus  D._______  (E._______,  Nordprovinz).  Nach  Ende  seiner  11­jährigen  Schulzeit  habe  er  seinem  Vater  in  der  Landwirtschaft geholfen.  Im Jahre 1998 sei er von den Liberation Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  zwangsrekrutiert  worden.  Nach  einem  fünfmonatigen Training  sei  er  nach E._______ geschickt worden, wo er  eine  Ausbildung  zum  Elektriker/Elektromonteur  absolviert  habe.  In  der  Folge  habe  er  an  verschiedenen Stellen  –  vom  1.  September  2003  bis  zum  28.  November  2005  als  Angestellter  der  Firma  F._______  und  danach  selbständig  –  als  Elektomonteur  und  Fernsehreparateur  gearbeitet und daneben für die LTTE Briefe und Pakete transportiert.  Im  März  1999  sei  er  erstmals  unter  dem  Verdacht,  die  LTTE  zu  unterstützen, verhaftet und in ein Armee­Camp gebracht worden. Dort sei  er während fünf Monaten festgehalten worden; die Soldaten hätten auch  versucht,  von  ihm  unter  Folter  die  Namen  von  LTTE­Mitgliedern  in  Erfahrung  zu  bringen.  Am  7.  September  2006  sei  er  erneut  festgenommen und fünf oder sechs Tage lang misshandelt worden. Kurz  zuvor sei einer seiner Angestellten entführt worden; dieser sei – wie auch  ein  weiterer,  ein  Jahr  später  verschleppter  Mitarbeiter  –  nie  wieder  aufgetaucht.  Im Januar 2008 sei  in E.______ bei einem Anschlag ein Soldat der sri­ lankischen Armee ums Leben gekommen. Die sri­lankische Armee habe  dann  zahlreiche  Leute,  darunter  auch  einen  Arbeitskollegen  verhaftet,  welcher  am  nächsten  Tag  tot  aufgefunden  worden  sei.  Als  er  erfahren  habe,  dass  auch  er  gesucht  werde,  habe  er  E._______  umgehend 

D­7630/2009 verlassen und sei  in  sein Dorf D._______ zurückgekehrt. Dort  habe die  LTTE mehrmals –  letztmals am 25. Mai  2008 –  versucht,  ihn erneut  zu  rekrutieren,  welchem  Ansinnen  er  sich  stets  widersetzt  habe.  In  den  vergangenen  Jahren  seien  überdies  mehrere  seiner  nächsten  Angehörigen – darunter sein einziger Bruder und eine seiner Schwestern  – im Bürgerkrieg ums Leben gekommen.  Angesichts  all  dieser  Umstände  habe  er  sich  schliesslich  zur  Ausreise  entschlossen. Er sei von D._______ aus mit dem Velo und zu Fuss nach  E._______  und  dann  per  Bus  und  Zug  nach Colombo  gelangt,  von wo  aus er am 6. September 2008 auf dem Luftweg via Katar oder Doha nach  Rom gereist  sei. Am 9. September 2008 sei er von  Italien her  in einem  Auto  in  die  Schweiz  gefahren  worden,  wobei  er  bei  der  Einreise  nicht  kontrolliert worden sei.  Für  den  weiteren  Inhalt  der  Aussagen  wird  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten verwiesen. A.c  Im  Verlauf  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  gab  der  Beschwerdeführer  –  im  Original  oder  als  beglaubigte  Übersetzungen –  verschiedene  Dokumente  und  Beweismittel  zu  den  Akten:  eine  Identitätskarte,  eine  Geburtsurkunde,  einen  Personalausweis,  drei  Todesscheine,  drei  Bestätigungsschreiben,  zwei  Schulzeugnisse,  einen  Arbeitsvertrag,  mehrere  Bestätigungen  und  Diplome  betreffend  die  Ausbildung zum Elektriker/Elektromonteur sowie drei Fotos.   A.d  Bei  den  zuständigen  Behörden  in  Deutschland,  Frankreich  und  Grossbritannien getätigte Abklärungen ergaben keine Hinweise auf einen  vorgängigen Aufenthalt des Beschwerdeführers in diesen Ländern.  A.e  Dem  am  17.  November  2008  von  der  am  13.  November  2008  bevollmächtigten  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  gestellten  Gesuch um Gewährung der Akteneinsicht gab das BFM am 4. November  2009 statt.  . B.  Mit Verfügung vom 9. November 2009 – eröffnet am 10. November 2009  – lehnte das BFM das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbringen  des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit  nicht  stand.  Gleichzeitig  ordnete  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  an,  erachtete  den  Vollzug  der 

D­7630/2009 Wegweisung  in  den  Herkunfts­  beziehungsweise  Heimatstaat  oder  in  einen  Drittstaat  jedoch  im  gegenwärtigen  Zeitpunkt  als  nicht  zumutbar  und  ordnete  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz an.   C.  Der  Beschwerdeführer  beantragte  durch  seine  Rechtsvertreterin  mit  Eingabe  vom  5.  Dezember  2009  (Poststempel:  8.  Dezember  2009) –  unter  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  –  die  Gewährung  des  Asyls,  eventualiter  die  Rückweisung  der  Sache  zur  Neubeurteilung  an  das  BFM.  In  prozessrechtlicher  Hinsicht  sei  ihm  die  unentgeltlichen  Prozessführung  zu  bewilligen  und  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses zu verzichten.  Zur  Stützung  dieser  Anträge  –  auf  deren  Begründung,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen  wird  –  gab  der  Beschwerdeführer  unter  anderem  einen  am  2.  August  2009 von der anlässlich der direkten Bundesanhörung vom 31. Juli 2009  anwesenden Hilfswerksvertreterin erstellten Zusatzbericht sowie eine am  19.  November  2009  vom  G._______  ausgestellte  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung zu den Akten.  D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  Dezember  2009  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  der Rechtsvertreterin  des Beschwerdeführers  mit, ihr Mandant könne den Ausgang des Verfahrens gestützt auf Art. 42  Abs.  1  AsylG  abwarten.  Sodann  wurde  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  (Art.  63  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021]) verzichtet und der Entscheid über das Gesuch um Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  auf  einen  späteren Zeitpunkt verwiesen.  E.  Das  BFM  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom  10.  März  2011  die  Abweisung  der  Beschwerde,  da  diese  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  Die  Vernehmlassung  wurde  der  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  am  14.  März  2011  zur  Kenntnisnahme zugestellt. 

D­7630/2009 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  eines  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 

D­7630/2009 Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  stellte  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  die  Glaubhaftigkeit  der  Aussagen  des  Beschwerdeführers,  mehrere  seiner  nächsten Angehörigen seien im Bürgerkrieg ums Leben gekommen, nicht  in  Frage.  Auch  könnten  aufgrund  des  Wohnortes  und  des  Berufs  des  Beschwerdeführers  Kontakte  zu  den  LTTE  und  –  allerdings  stets  unter  Vorbehalt  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  –  allenfalls  sogar  die  Leistung von Kurierdiensten oder eine  Inhaftierung nicht  von vornherein  ausgeschlossen werden.   4.1.1.  In der Rechtsmitteleingabe (vgl. S. 3) wird vorab gerügt, das BFM  widerspreche  sich  selber,  indem es  die  Leistung  von Kurierdiensten  für  die  LTTE  durch  den  Beschwerdeführer  als  im  Bereich  des  Möglichen  liegenden einschätze, um dann wenig später festzustellen, die Aussagen  des  Beschwerdeführers  zu  seinen  angeblichen  Kurierdiensten  seien  realitätsfremd und unsubstanziiert ausgefallen.  Dem  ist  entgegenzuhalten,  dass  es  zwar  durchaus  denkbar  ist,  dass  junge Männer aus dem Distrikt E._______, welche über eine Ausbildung  als  Elektriker/Elektromonteur  verfügen,  von  den  LTTE  für  Kurierdienste  angeworben worden sind. Aus diesem Umstand kann  jedoch nicht ohne  Weiteres  der  Schluss  gezogen  werden,  der  Beschwerdeführer  habe  tatsächlich  die  LTTE  in  der  von  ihm  behaupteten  Art  und  Weise  unterstützt und werde daher von der sri­lankischen Armee gesucht, zumal  – wie  nachstehend  dargelegt  wird  –  seine  diesbezüglichen  Angaben  in  verschiedener Hinsicht zu Zweifeln Anlass geben. 

D­7630/2009 4.1.2. Wie  in  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu  Recht  bemerkt  wurde,  sind  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  zu  seinen  angeblichen  Kurierdiensten  für  die  LTTE  in  der  Tat  sehr  unsubstanziiert  und  realitätsfremd  ausgefallen.  Auch  auf  entsprechende  Nachfrage  hin  vermochte er nicht anzugeben, was für Schreiben oder welche Personen  er  an  welchen Ort  gebracht  habe  oder  welche  Informationen  er  für  die  Bewegung habe sammeln müssen (vgl. Vorakten A1 S. 6 und A14 S. 5  f.).  Sodann  kann  auch  der  Auffassung  des  BFM  gefolgt  werden,  die  allgemein  gehaltenen  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  über  die  angebliche  Suche  nach  ihm  seien  sehr  allgemein  ausgefallen  und  erschöpften  sich  in  wenigen  kurzen,  stereotypen  Sätzen.  In  der  Tat  lassen  die  Antworten  des  Beschwerdeführers  auf  die  ihm  gestellten  konkreten  Fragen  (vgl.  etwa A14 S.  11  F86  ff.)  eine  subjektiv  geprägte  Wahrnehmung  vermissen  und  vermitteln  daher  nicht  den  Eindruck,  der  Beschwerdeführer habe das Geschilderte selber erlebt.  4.1.3.  In der Rechtsmitteleingabe  (vgl. S. 3) wird auf den gleichzeitig zu  den  Akten  gegebenen,  von  der  in  der  Anhörung  vom  31. Juli  2009  anwesenden  Hilfswerkvertreterin  am  2.  August  2009  erstellten  Bericht  hingewiesen,  gemäss  welchem  der  Beschwerdeführer  sich  "an  jedes  kleine  Detail"  habe  erinnern  können  und  seine  "Ausführungen  detailgetreu" wiedergegeben habe.  Die bei der Anhörung über die Asylgründe nach Art. 29 AsylG anwesende  Vertretung der Hilfswerke überwacht den korrekten Ablauf der Anhörung.  Sie kann Fragen zur Erhellung des Sachverhaltes stellen lassen, weitere  Abklärungen  anregen  und  Einwendungen  zum  Protokoll  anbringen.  Sie  hat  jedoch  keine  Parteirechte  (Art.  30  Abs.  4  AsylG  und  Art.  26  der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Die  in  der  Anhörung  vom  31.  Juli  2009  anwesende  Hilfswerkvertreterin  stellte  indes  keine  Fragen  und  qualifizierte  die  Anhörung  in  ihrem  Bericht  vom  2.  August  2009  vielmehr  als  in  jeder  Hinsicht  "einwandfrei".  Soweit  sie  demgegenüber  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers als glaubhaft erachtete  (vgl. Stellungnahme auf S. 3  des  Berichts  vom  2.  August  2009),  entspricht  dies  ihrer  subjektiven  Wahrnehmung,  welche  von  der  entscheidenden  Instanz  zu  Kenntnis  genommen  wird,  aber  nicht  zu  einer  anderen  Beurteilung  des  Sachverhaltes führen muss.  

D­7630/2009 Im  vorliegenden  Fall  ist  die  Auffassung  der  Hilfswerkvertreterin  nicht  geeignet,  die Zweifel  an  der Glaubhaftigkeit  der  angeblich  für  die  LTTE  geleisteten Kurierdienste und der von der sri­lankischen Armee nach dem  Beschwerdeführer  getätigten  Suche  zu  beseitigen.  Wie  in  der  angefochtenen Verfügung  zutreffend  bemerkt wurde, wird  denn  auch  in  den  im  Verlaufe  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  zu  den  Akten  gegebenen  Bestätigungen  (Beweismittel  4  und  5)  mit  keinem  Wort  erwähnt, der Beschwerdeführer habe Kurierdienste ausgeführt und werde  von der Armee gesucht.  4.1.4.  Angesichts  der  zahlreichen  Checkpoints  auf  sämtlichen  Zufahrtsstrassen  aus  dem  Norden  und  Osten  des  Landes  in  die  Hauptstadt Colombo und der  dabei  durchgeführten  rigorosen Kontrollen  kann  es  –  wie  das  BFM  zu  Recht  bemerkte  –  im  Weiteren  auch  ausgeschlossen  werden,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  möglich  gewesen wäre, unter den eigenen Personalien (mit seinem abgelaufenen  Pass; vgl. A1 S. 8) von Vavuniya nach Colombo zu  reisen,  falls seitens  der  sri­lankischen  Behörden  tatsächlich  ein  ernsthaftes  Verfolgungsinteresse vorhanden gewesen wäre.  Der  Hinweis,  er  sei  auf  der  Reise  von  E._______  nach  Colombo  von  einem extra dafür bezahlten Agenten begleitet worden (vgl. Beschwerde  S.  3),  vermag  nicht  zu  überzeugen,  zumal  der  Beschwerdeführer  anlässlich der Befragungen – in widersprüchlicher Art und Weise – erklärt  hatte, während zweier Monate bei einem Freund  in E._______ gewohnt  zu  haben,  beziehungsweise  durch  einen  von  einem  Freund  für  ihn  engagierten Agenten in E._______ sicher untergebracht worden zu sein,  bevor er mit dem Bus nach H._______ (I._______, Nord­Central­Provinz)  und anschliessend mit dem Zug nach Colombo gereist sei  (vgl. A1 S. 8  und A14 S. 12). 4.2.  In Bezug  auf  den  vom Beschwerdeführer  geltend  gemachten  – mit  der  Einreichung  von  Todesscheinen,  Fotos  und  anderen  Beweismitteln  untermauerten  –  Tod  naher  Angehöriger,  auf  die  Festnahme  von  Arbeitskollegen und auf die angeblichen Rekrutierungsversuche durch die  LTTE im Jahre 2008 ist vorab darauf hinzuweisen, dass diese Vorfälle –  ungeachtet der Frage ihrer Glaubhaftigkeit – in den Ereignissen jener Zeit  begründet sind.  4.2.1. Wie   die  Vorinstanz  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  indessen  zutreffend bemerkte, ist der Krieg zwischen der sri­lankischen Regierung 

D­7630/2009 und  den  LTTE  im  Mai  2009  zu  Ende  gegangen;  die  LTTE  wurden  zerschlagen  und  das  ganze  Land  befindet  sich  wieder  unter  Regierungskontrolle.  Seither  hat  sich  die  Sicherheitslage  in  Sri  Lanka  deutlich  stabilisiert;  insbesondere  ist  es  zu  keinen  terroristischen  Aktivtäten  der  LTTE  oder  ihnen  nahe  stehenden  Gruppierungen  gekommen. 4.2.2.  Trotz  dieser  Verbesserung  der  allgemeinen  Lage  sind  gewisse  Personen auch nach Kriegsende noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr  ausgesetzt. Dies betrifft insbesondere Personen, die enger Verbindungen  zu  den  LTTE  verdächtigt  werden,  politische  Dissidenten  und  Oppositionspolitiker,  kritisch  auftretende  Journalisten  und  Medienschaffende  oder Personen,  die  als Opfer  oder  Zeugen  schwerer  Menschenrechtsverstösse entsprechende juristische Schritte einleiteten. 4.2.3. Wie  oben  (vgl.  E.  4.1.  vorstehend)  aufgezeigt  wurde,  vermochte  der Beschwerdeführer  jedoch nicht glaubhaft zu machen, dass er für die  LTTE  die  von  ihm  behaupteten  Kuriertätigkeiten  ausgeführt  hatte  oder  aus einem anderen Grund ins Visier der sri­lankischen Behörden geraten  war. An dieser Feststellung vermag auch die  in der Rechtsmitteleingabe  (vgl. S. 4) enthaltene, durch nichts belegte Behauptung, der Bruder des  Beschwerdeführers sei LTTE­Mitglied gewesen und im Kampf ums Leben  gekommen, weshalb  seine  Familie  nun  als  "Heldenfamilie"  gelte,  nichts  zu  ändern.  Es  bestehen  daher  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Falle  seiner  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  eine  begründete  Furcht  vor  asylbeachtlicher  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG hat. 4.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  weder  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  noch  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  standhalten.  Es  kann  darauf verzichtet werden, auf die übrigen Erwägungen der Vorinstanz und  auf  die  weiteren  Darlegungen  in  der  Beschwerdeschrift  näher  einzugehen. Das Asylgesuch wurde vom Bundesamt nach dem Gesagten  zu Recht abgewiesen.  Nachdem der  entscheidwesentliche Sachverhalt  ausreichend  erstellt  ist,  besteht  auch keine Veranlassung,  die Sache zur Neubeurteilung an die  Vorinstanz zurückzuweisen. Der entsprechende Eventualantrag ist daher  abzuweisen.

D­7630/2009 5.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an (Art. 441 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch auf Erteilung einer  solchen. Die Wegweisung wurde daher  zu  Recht  angeordnet  (vgl.  BVGE  2008/34  E.9.2  S.  510  sowie  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  Nach  dem  Gesagten  ist  es  dem  vorläufig  aufgenommenen  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  in  Bezug  auf  die  Frage  der  Nichtzuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Verweigerung  des  Asyls  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde abzuweisen ist.  7.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  desselben  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  konnte  zwar  aufgrund der vorstehenden Erwägungen nicht als aussichtslos bezeichnet  werden,  doch  ist  aufgrund der Aktenlage  (der Beschwerdeführer  ist  seit  mehr  als  einem  Jahr  in  der  Schweiz  erwerbstätig)  nicht  von  der  Bedürftigkeit  des  alleinstehenden  Beschwerdeführers  auszugehen.  Das  bis  anhin  noch  nicht  entschiedene  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  ist  daher  abzuweisen,  und  die  Verfahrenskosten sind auf Fr. 600.­­ festzusetzen.  (Dispositiv nächste Seite)

D­7630/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  abgewiesen.  3. Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.—  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  nach  Versand  des  vorliegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.  4. Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Kathrin Mangold Horni Versand:

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