Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 D-7611/2010

16 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,841 mots·~9 min·1

Résumé

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 17. September 2010

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­7611/2010/wif Urteil   v om   1 6 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka,  c/o schweizerische Vertretung in Colombo, Sri Lanka, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 17. September 2010 / N (…).

D­7611/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  sri­lankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie,  ersuchte  die  schweizerische  Vertretung  in  Colombo  mit  englischsprachiger Eingabe vom 16. April 2010 (Eingang: 23. April 2010)  um  Gewährung  von  Asyl  respektive  Migration  in  die  Schweiz.  Der  Eingabe lag ein Schreiben datiert vom 20. September 2007 (in Kopie) bei.  B.  Mit Schreiben vom 29. April 2010 ersuchte die schweizerische Botschaft  in  Colombo  den  Beschwerdeführer  zur  Vervollständigung  des  rechtserheblichen Sachverhalts unter Einreichung allfälliger Beweismittel  und  Identitätspapiere  um  Beantwortung  konkreter  Fragen  in  Bezug  auf  Ereignisse,  die  ihn  zur  Ausreise  nötigen  würden,  auf  individuelle  Betroffenheit,  allfällig  getroffene  Schutzmassnahmen  sowie  einen  allfälligen alternativen Aufenthaltsort in Sri Lanka. C.  Das Antwortschreiben des Beschwerdeführers vom 28. Mai 2010 ging am  7. Juni 2010 bei der Vertretung in Colombo ein.  D.  D.a Am 20. August 2010 wurde der Beschwerdeführer auf der Schweizer  Vertretung in Colombo zur Sache angehört.  D.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  sowie  in  den  vorangegangenen  schriftlichen  Eingaben  im  Wesentlichen  geltend,  er  stamme  aus  dem  Distrikt  B._______. Er  sei  nach  dem Ende  seiner Schulzeit  im  Jahre  1995  den  LTTE  (Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam)  beigetreten.  Nach  einer  Kampfausbildung  sei  er  im  Jahre  1997  den  Kampftruppen  zugeteilt  worden und habe das Kommando eines Teams übernommen, mit dem er  sich an Kampfhandlugen beteiligt  habe. Ein  Jahr  später habe er an der  LTTE­Operation "unceasing Waves III" als Verantwortlicher der 200 Mann  starken  (…)  teilgenommen.  Im  Jahre  2002  sei  er  nach  C._______  umgeteilt  worden,  wo  er  im  administrativen  Bereich  tätig  gewesen  sei.  Von 2004 bis 2007 sei er im Distrikt D._______ stationiert gewesen. Dort  sei er primär für die Logistik verantwortlich gewesen. Im Jahre 2008 habe  man  ihn  in den Distrikt E._______ geschickt, wo er erneut an der Front  gekämpft  habe.  Er  habe  die  "(…)"  geleitet,  welche  150  Mann  gezählt 

D­7611/2010 habe und einen Teil der "forward defence line" der LTTE geschützt habe.  Bei  Kampfhandlungen  sei  er  insbesondere  am  linken  Auge  verletzt  worden, weswegen er nach F._______ gebracht worden sei. Von dort sei  er  im  Februar  2009  zu  seinen  Eltern  zurückgekehrt.  Am  16.  Mai  2009  habe  er  sich  dem  sri­lankischen  Militär  ergeben,  worauf  man  ihn  ins  G._______  Rehabilitationszentrum  gebracht  habe.  Wenig  später  sei  er  vom Militär  ins Rehabilitationscamp  in H._______ verlegt worden, wo er  verhört  und misshandelt  worden  sei.  Am  5.  April  2010  sei  er  entlassen  worden und zu seiner Familie nach H._______ zurückgekehrt. Seit seiner  Entlassung  sei  er  von  Mitgliedern  tamilischer  Organisationen  behelligt  worden. So seien am 29. April 2010 mitten  in der Nacht acht oder neun  bewaffnete  mutmassliche  Anhänger  der  EPDP  (Eelam  People's  Democratic  Party)  bei  ihm  zu  Hause  erschienen  und  hätten  nach  ihm  gerufen. Ihm sei es gelungen zu fliehen, jedoch hätten die Männer seine  Familie unter Drohungen aufgefordert, ihn zu ihnen zu bringen. Ab dem 1.  August 2010 habe er sich  in Colombo aufgehalten, wo er mehrfach von  mutmasslichen  Anhängern  der  TMVP  (Tamil  Makkal  Viduthalai  Pulikal)  aufgesucht, bedroht und misshandelt worden sei. Deswegen habe er auf  der Polizeistation von I._______  in Colombo Anzeige erstattet. Aufgrund  dieser  Schwierigkeiten  ersuche  er  um  Asyl  in  der  Schweiz.  Für  die  weiteren  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  wird  auf  das  Protokoll  der  Anhörung verwiesen.  D.c Mit  dem  Antwortschreiben  vom  28.  Mai  2010  sowie  anlässlich  der  Anhörung  reichte  der  Beschwerdeführer  unter  anderem  die  folgenden  Dokumente ein: Ein von ihm verfasstes Schreiben datiert vom 19. August  2010, ein "Release Certificate" (in Kopie), zwei Zeitungsausschnitte, eine  National  Identity  Card  (in  Kopie),  auszugsweise  Kopien  eines  Passes  sowie  eine  "Detention  Attestation"  des  ICRC  vom  14.  Juni  2010  (in  Kopie).  E.  Mit einem Bericht  vom 27. August 2010 übermittelte die schweizerische  Botschaft  in  Colombo  die  ihr  zu  diesem  Zeitpunkt  vorliegenden  Akten  dem BFM.  F.  Mit Eingabe vom 25. August 2010 reichte der Beschwerdeführer bei der  Vertretung in Colombo (Eingang: 1. September 2010) unter anderem die  folgenden Dokumente ein: Ein Schreiben der Human Rights Commission  of  Sri  Lanka  vom  15.  Juli  2010  (in  Kopie)  sowie  einen  sri­lankischen 

D­7611/2010 Polizeibericht  vom  20.  August  2010  (in  Kopie,  inklusive  englischer  Übersetzung). Mit Begleitschreiben vom 2. September 2010 übermittelte  die  schweizerische  Vertretung  die  Eingabe  vom  25.  August  2010  inklusive der beiliegenden Dokumente dem BFM.  G.  Das  BFM  verweigerte  dem  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom  17. September  2010  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  dessen  Asylgesuch ab.  Zur  Begründung  führte  es  im  Wesentlichen  aus,  die  vom  Beschwerdeführer  geschilderten  Vorkommnisse  betreffend  Rehabilitationszentrum seien bedauerlich. Das schweizerische Asylrecht  diene jedoch nicht dem Ausgleich widerfahrener Notlagen oder erlittenen  Unrechts,  sondern ausschliesslich dem Schutz  vor aktueller Verfolgung.  Aufgrund  der  sich  präsentierenden  Aktenlage  sei  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  vonseiten  der  sri­lankischen  Behörden  grundsätzlich  keine  weiteren  strafrechtlichen  Verfolgungsmassnahmen  mehr  zu  befürchten  habe.  So  sei  er  trotz  seiner  langjährigen  LTTE­ Vergangenheit offiziell aus der Rehabilitation entlassen worden, was nur  habe  geschehen  können,  nachdem  man  ihn  gründlich  "gescreent"  und  keiner strafrechtlich relevanten Tätigkeiten mehr habe verdächtigen oder  beschuldigen können oder wollen. Der Beschwerdeführer habe anlässlich  seiner Entlassung ein offizielles Entlassungsschreiben erhalten, welches  er  jedermann  entgegenhalten  könne,  der  ihm  aufgrund  seiner  LTTE­ Vergangenheit  Nachteile  androhen wolle.  Somit  habe  er  von  staatlicher  Seite  her  keine  weiteren  einreiserelevanten  Verfolgungsmassnahmen  mehr  zu  befürchten.  Der  Beschwerdeführer  begründe  sein  Asylgesuch  zudem mit Schwierigkeiten, die ihm unbekannte Personen, welche er der  EPDP  und  der  Karuna­Gruppe  zuordne,  verursachten.  Aus  Sicht  der  schweizerischen Asylbehörden gelte der sri­lankische Staat grundsätzlich  als  schutzfähig,  weshalb  der  Beschwerdeführer  sich  bei  Verfolgung  seitens  Dritter  grundsätzlich  an  die  heimatlichen  Behörden  zu  wenden  habe.  Aus  seinen  Angaben  sowie  den  eingereichten  Beweisunterlagen  sei zu entnehmen, dass er am 18. August 2010 Anzeige auf der örtlichen  Polizeistation  von  I._______  erstattet  habe  und  diese  Anzeige  auch  entgegengenommen worden sei. Somit stehe fest, dass sich der Staat in  seinem  Fall  schutzwillig  gezeigt  habe.  Dabei  verstehe  sich,  dass  eine  faktische  Garantie  des  Schutzgewährens  für  langfristigen  individuellen  Schutz einer bedrohten Person nicht verlangt werden könne. Im Übrigen  sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer sich den geltend gemachten 

D­7611/2010 Bedrohungen  seitens  Dritter  durch  seinen  Wohnsitzwechsel  nach  Colombo – zumindest  teilweise – habe entziehen können. Zwar gebe er  an, auch in der Hauptstadt von seinen Verfolgern identifiziert und bedroht  worden  zu  sein;  die  Glaubhaftigkeit  dieses  Vorbringens  müsse  jedoch  bezweifelt werden. Bei der Polizei von I._______ habe er ausschliesslich  angegeben,  er  habe  Mitte  Juli  2010  anonyme  telefonische  Anrufe  erhalten, wobei man ihn um Geld angegangen habe. Ausserdem sei dann  noch einmal Geld von ihm verlangt worden, als er in Colombo in Richtung  Beach Road unterwegs gewesen sei. In der Befragung auf der Schweizer  Botschaft, welche nur  zwei Tage nach seiner Anzeigeerstattung bei  der  Polizei  stattgefunden  habe,  habe  er  völlig  anderslautend  zu  Protokoll  gegeben,  er  sei  bei  sich  zu  Hause  in  Colombo  zweimal  von  je  sechs  Männern  aufgesucht,  zusammengeschlagen  und  mit  dem  Tod  bedroht  worden. Ausserdem sei er beim Fort Railway von einem mutmasslichen  TMVP­Mitglied  beschattet  worden.  Angesichts  solch  unterschiedlicher  Darstellungen  des  entscheidrelevanten  Sachverhalts  bestehe  der  Verdacht,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  Botschaft  versucht  habe,  seinem  Asylgesuch  mit  den  behaupteten  Vorkommnissen  mehr  Nachdruck zu verleihen und diese nicht den Tatsachen entsprächen.  Im  Lichte  dieser  Erwägungen  sei  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer bei einem Verbleib im Heimatland nicht akut gefährdet  sei, weswegen er nicht schutzbedürftig sei im Sinne des Asylgesetzes.  Für  die  weitere  Begründung  wird  auf  die  Verfügung  der  Vorinstanz  verwiesen.  H.  H.a Mit  zwei  identischen,  auf  den  21.  Oktober  2010  datierten,  am  27.  Oktober  2010  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  und  am  gleichen Tag beim Bundesverwaltungsgericht eingelangten  teilweise auf  Englisch,  teilweise  auf  Deutsch  verfassten  Eingaben  erhob  der  Beschwerdeführer  Beschwerde  und  beantragte  sinngemäss  die  Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM  vom  17.  September  2010  und  die  Gewährung von Asyl sowie die Bewilligung zur Einreise.  Zur  Begründung  seiner  Beschwerde  wies  der  Beschwerdeführer  unter  Wiederholung  seiner  Gesuchsgründe  im  Wesentlichen  auf  seine  anhaltende Gefährdung in Sri Lanka hin.

D­7611/2010 Mit seinen Eingaben vom 21. Oktober 2010 reichte der Beschwerdeführer  deutsche Übersetzungen von zwei sri­lankischen Zeitungsartikeln zu den  Akten.  H.b Die  bei  der  schweizerischen  Vertretung  eingereichte  Eingabe  vom  21.  Oktober  2010  wurde  von  der  Botschaft  mit  Begleitschreiben  vom  28. Oktober 2010 dem Bundesverwaltungsgericht überwiesen.  I.  Mit  Schreiben  vom  31.  Oktober  2010  reichte  die  in  der  Schweiz  wohnhafte  Schwester  des  Beschwerdeführers  unter  anderem  die  Kopie  eines Farbfotos dem Bundesverwaltungsgericht ein.  J.  J.a Mit englischsprachiger Eingabe vom 1. November 2010 wandte sich  der  Beschwerdeführer  erneut  an  die  Vertretung  in  Colombo  und  führte  aus, er sei am 23. Oktober 2010 von unbekannten Personen gekidnappt  und von ihnen gefangen gehalten worden, bevor es ihm gelungen sei zu  fliehen. Er könne hier niemandem trauen. Er hoffe, dass die Schweiz ihm  helfe.  J.b  Diese  Eingabe  wurde  von  der  Vertretung  in  Colombo  mit  Begleitschreiben  vom  26.  November  2010  an  das  Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet.  K.  Mit  Eingabe  vom  21.  Juni  2011,  welche  mit  Begleitschreiben  der  Botschaft  vom  27.  Juni  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet wurde, wandte sich der Beschwerdeführer ein weiteres Mal  an  die  schweizerische  Vertretung  in  Colombo  und  führte  aus,  in  der  letzten Zeit  seien unbekannte  bewaffnete Männer  viele Male  zum Haus  seiner  Schwester  gekommen  und  hätten  sie  über  ihn  befragt.  Insbesondere hätten die Männer seine Schwester unter Drohungen nach  seiner aktuellen Adresse gefragt, die sie jedoch nicht preisgegeben habe,  um  ihn  zu  schützen.  Aufgrund  dieser  Ereignisse  habe  er  einen  Armeeoffizier,  der  ihm  früher  geholfen  habe,  angerufen  und  ihm  von  seiner aktuellen Situation berichtet. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass er –  der  Beschwerdeführer  –  für  die  Armee  aufgrund  seiner  Eigenschaft  als  Zeuge  des  Bürgerkrieges  gefährlich  sei.  Deshalb  habe  die  Armee  versucht,  ihn an der Zeugenaussage zu hindern. Der Armeeoffizier habe 

D­7611/2010 ihm  geraten,  das  Land  so  schnell  wie  möglich  zu  verlassen.  Diese  Situation sei für ihn sehr belastend.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche  Ausnahme  liegt  nicht  vor,  das  Bundesverwaltungsgericht entscheidet demnach endgültig.  1.2. Die Beschwerde  ist nur  teilweise  in einer Amtssprache des Bundes  abgefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  entsprechenden  Beschwerdeverbesserung  im Sinne  von Art.  52 VwVG kann  jedoch aus  prozessökonomischen  Gründen  verzichtet  werden,  da  –  mit  Ausnahme  der angefochtenen Verfügung – die Zwischenverfügungen und Eingaben  des vorinstanzlichen Verfahrens  in englischer Sprache gehalten und die  Rechtsmitteleingabe  verständlich  ist,  so  dass  ohne  weiteres  darüber  befunden  werden  kann.  Der  vorliegende  Entscheid  ergeht  indessen  in  deutscher Sprache (Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 1.3.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert. Auf  die frist­ und – mit Ausnahme des genannten, jedoch als nicht wesentlich  erachteten  Mangels  –  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist 

D­7611/2010 einzutreten  (Art. 108  Abs.  1  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art.  19  AsylG  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an  das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). 3.2. Die schweizerische Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in  der  Regel  eine  Befragung  durch  (Art.  10  Abs.  1  der  Asylverordnung 1  vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1, SR 142.311]).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art.  10  Abs.  2  AsylV1).  Die  schweizerische  Vertretung  überweist  dem  Bundesamt  das  Befragungsprotokoll  oder  das  schriftliche  Asylgesuchs  sowie  weitere  zweckdienliche  Unterlagen  und  einen  ergänzenden  Bericht,  der  ihre  Beurteilung des Asylgesuchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV1). 3.3. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn  die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder  ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3,  Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss  Art. 20  Abs.  2  AsylG  bewilligt  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur Abklärung  des Sachverhaltes, wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein  anderes  Land  auszureisen.  Bei  diesem  Entscheid  sind  die  Voraussetzungen  zur  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  die  weiterhin  massgebende  Praxis  der 

D­7611/2010 vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  [EMARK]  1997  Nr.  15,  insbesondere  S. 131  ff.,  welcher  angesichts  bloss  redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des  Asylgesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen Personen  (vgl.  a.a.O. E. 2c S.  130),  mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung  im Sinne von Art. 3  AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort  für  die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. 4.  4.1. Der Beschwerdeführer machte  in  seinem Asylgesuch vom 16. April  2010,  seinen  übrigen  Eingaben  sowie  der  Anhörung  vom  20.  August  2010 einerseits geltend, er habe sich in der Endphase des Bürgerkrieges  dem  sri­lankischen  Militär  ergeben,  worauf  dieses  ihn  in  zwei  Rehabilitationszentren  gebracht  habe,  wo  er  verhört  und  misshandelt  worden  sei,  bevor  er  am  5.  April  2010  unter  Aushändigung  eines  "Release Certificates" entlassen worden sei. 4.2.  Einleitend  ist  festzuhalten,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  die  Glaubhaftigkeit  dieser  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  in  Frage  stellt.  Aufgrund  der  Aktenlage  ist  jedoch  davon  auszugehen,  dass  er  vonseiten  der  sri­ lankischen  Behörden  zum  heutigen  Zeitpunkt  keine  weiteren  einreiserelevanten  Verfolgungsmassnahmen  mehr  zu  befürchten  hat,  wurde  er  doch  am  5.  April  2010  trotz  seiner  langjährigen  LTTE­ Vergangenheit  offiziell  aus  der  Rehabilitation  entlassen.  Bei  einem  ernsthaften  Verdacht  der  staatlichen  Behörden,  dass  er  sich  an  terroristischen  Aktivitäten  beteiligt  hätte  oder  sonst  eine  Gefahr  für  die  Sicherheit  des  sri­lankischen  Staates  darstellen  würde,  wäre  er  nicht  bereits  nach  11­monatiger  Haft  wieder  freigelassen  worden.  Gemäss  Erkenntnissen  der  schweizerischen Asylbehörden  geht  der  sri­lankische  Staat  mit  äusserster  Härte  gegen  Terrorverdächtige  vor.  Die  Gefangenschaft  des  Beschwerdeführers  vom  16.  Mai  2009  bis  5.  April  2010  liegt  bereits  über  eineinhalb  Jahre  zurück.  Wie  bereits  von  der  Vorinstanz  treffend ausgeführt,  dient das schweizerische Asylrecht nicht  dem Ausgleich erlittenen Unrechts. Insofern vermögen die Haft und die in  diesem  Zusammenhang  erlittenen  psychischen  und  physischen  Beeinträchtigungen,  von  denen  der  Beschwerdeführer  betroffen  war,  heute  eine Asylgewährung  beziehungsweise  eine Einreisebewilligung  in  die  Schweiz  nicht  zu  begründen.  Im  aktuellen  Zeitraum  können  diese  http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/15

D­7611/2010 Ereignisse mithin nicht mehr als kausal für die beantragte Einreise in die  Schweiz und die Asylgewährung angesehen werden, zumal die Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  wesentlich  ist.  Sodann  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  auch  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers  und  insoweit  humanitäre  Überlegungen  gemäss  ständiger  Praxis  keinen  Grund  für  eine  Einreisebewilligung  darstellen.  Soweit  der  Beschwerdeführer  in  der  Eingabe  vom  21.  Juni  2011  geltend macht,  ein  Armeeoffizier  habe  ihm  mitgeteilt, dass er – der Beschwerdeführer – für die Armee gefährlich sei,  da  er  ein  Zeuge  des  Bürgerkrieges  sei,  weswegen  die  Armee  versucht  habe, ihn an der Zeugenaussage zu hindern, ist festzuhalten, dass dieses  Vorbringen als nachgeschoben und damit unglaubhaft erscheint, zumal er  anlässlich der Befragung vom 20. August 2010 geltend machte, er habe  seit seiner Entlassung aus der Rehabilitation keine Probleme mit den Sri  Lankan  Security  Forces  (SLSF)  gehabt  (Akten  BFM  A  6/13,  S.  10).  Zudem  ist  es  nicht  plausibel,  dass  die  sri­lankische  Armee  den  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  Eigenschaft  als  Zeuge  des  Bürgerkrieges heute verfolgen soll, da sie ihn am 5. April 2010 nach einer  umfassenden  Sicherheitsprüfung  unter  Aushändigung  eines  "Release  Certificate"  aus  der  Rehabilitation  entlassen  hat.  Überdies  ist  die  Schilderung  des  Beschwerdeführers  bezüglich  der  angeblichen  Verfolgung durch die sri­lankische Armee unsubstanziiert ausgefallen; so  fehlen ihr der Detailreichtum und die erforderlichen Realkennzeichen. Es  ist  daher  zu  schliessen,  dass  es  sich  bei  der  Behauptung  des  Beschwerdeführers, wonach er nach der Entlassung am 5. April 2010 in  Sri  Lanka  von  der  Armee  verfolgt  werde,  lediglich  um  ein  Konstrukt  handelt.  4.3.  4.3.1.  Im Weiteren machte der Beschwerdeführer  in seinem Asylgesuch  vom 16. April  2010,  seinen übrigen Eingaben  sowie  der Anhörung  vom  20. August 2010 geltend, er sei nach seiner Freilassung am 5. April 2010  wiederholt von Mitgliedern tamilischer Organisationen verfolgt worden.  4.3.2.  Nach  der  Schutztheorie  hängt  die  flüchtlingsrechtliche  Relevanz  einer  Verfolgung  nicht  von  der  Frage  ihres  Urhebers,  sondern  vom  Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat ab (vgl.  dazu  EMARK  2006  Nr.  18  E.  6.3.1.  und  10.2.1.).  Nichtstaatliche  Verfolgung ist nach der Schutztheorie flüchtlingsrechtlich relevant, sofern 

D­7611/2010 der Heimatstaat  (bzw.  allenfalls  ein Quasi­Staat)  nicht  in  der  Lage oder  nicht willens ist, adäquaten Schutz vor Verfolgung zu bieten. Mit  Bezug  auf  die  Frage, welche Art  und welcher Grad  von Schutz  vor  nichtstaatlicher  Verfolgung  im  Heimatstaat  (bzw.  allenfalls  in  einem  Quasi­Staat) als adäquat zu erachten ist, ist gemäss EMARK 2006 Nr. 18  nicht eine faktische Garantie für langfristigen individuellen Schutz der von  nichtstaatlicher  Verfolgung  bedrohten  Person  zu  verlangen,  weil  es  keinem Staat  gelingen  kann,  die  absolute Sicherheit  aller  seiner Bürger  und  Bürgerinnen  jederzeit  und  überall  zu  garantieren.  Erforderlich  ist  aber,  dass  eine  funktionierende  und  effiziente  Schutzinfrastruktur  zur  Verfügung  steht,  wobei  in  erster  Linie  an  polizeiliche  Aufgaben  wahrnehmende  Organe  sowie  an  ein  Rechts­  und  Justizsystem  zu  denken  ist,  das  eine  effektive  Strafverfolgung  ermöglicht.  Im  Weiteren  muss  die  Inanspruchnahme  eines  solchen  Schutzsystems  der  betroffenen Person objektiv zugänglich und individuell zumutbar sein. 4.3.3.  Diese  Voraussetzungen  sind  in  Sri  Lanka  unter  Beachtung  der  konkreten Umstände für den Beschwerdeführer als gegeben zu erachten.  Somit  hat  die  Vorinstanz  richtigerweise  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Möglichkeit  hat,  bei  den  lokalen  Sicherheitsbehörden direkt um Schutz vor den unbekannten Männern zu  ersuchen,  von  denen  er  gemäss  eigenen  Angaben  bedroht  sein  will.  Dafür  spricht  insbesondere  auch  die  Tatsache,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  am  18.  August  2010  auf  der  örtlichen  Polizeistation  von  I._______  erstattete  Anzeige  von  der  Polizei  entgegengenommen  wurde, was aus dem eingereichten sri­lankischen Polizeibericht vom 20.  August  2010  ersichtlich  ist.  Der  Umstand,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  auch  nach  der  Anzeigeerstattung  weiter  um  seine  Sicherheit sorgt, vermag an dieser Feststellung nichts zu ändern, zumal  es – wie bereits dargelegt – keinem Staat gelingt, die absolute Sicherheit  aller seiner Bürger jederzeit und überall zu garantieren. 4.3.4.  Das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  während  seines Aufenthalts in Colombo von mutmasslichen Anhängern der TMVP  verfolgt  worden  sein  soll,  ist  übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  als  unglaubhaft  zu  beurteilen,  zumal  er  sich  diesbezüglich  erheblich  widersprüchlich  äusserte.  So  ist  aus  dem  eingereichten  Polizeibericht  vom  20. August  2010  ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  am  18.  August  2010  bei  der  Polizei  von  I._______  ausschliesslich  angab,  er  habe Mitte  Juli  2010 zwei Telefonanrufe erhalten,  in deren Verlauf man 

D­7611/2010 von  ihm Lösegeld verlangt habe. Später,  als er  in Colombo  in Richtung  der  Beach  Road  unterwegs  gewesen  sei,  hätten  zudem  tamilisch  sprechende  Leute  Geld  von  ihm  verlangt.  Demgegenüber  gab  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  auf  der  Schweizerischen  Botschaft vom 20. August 2010 zu Protokoll, er sei mehrmals zu Hause  von sechs Männern aufgesucht worden,  die  ihn einmal  geschlagen und  mit dem Tod bedroht hätten.  Bezüglich  der  Behauptung  des  Beschwerdeführers  in  der  Eingabe  vom  1. November  2010,  wonach  er  am  23.  Oktober  2010  von  unbekannten  Personen  gekidnappt  und  von  ihnen  gefangen  gehalten  worden  sei,  bevor  es  ihm  gelungen  sei  zu  fliehen,  ist  festzuhalten,  dass  dieses  Vorbringen  unglaubhaft  ist,  zumal  die  diesbezügliche  Schilderung  des  Beschwerdeführers äusserst unsubstanziiert ausgefallen ist; so fehlen ihr  der Detailreichtum und die erforderlichen Realkennzeichen. 5.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  schutzbedürftig ist im Sinne von Art. 3 AsylG. Aufgrund der vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  den  Eingaben  und  die  eingereichten  Beweismittel  näher  einzugehen,  da  sie  am  festgestellten  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen.  Das  BFM  hat  demnach  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  bewilligt  und  das  Asylgesuch abgelehnt.  6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  von  Fr.  600.–grundsätzlich  dem Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63 Abs.  1  und  5  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  und  in  Anwendung  von  Art.  63  Abs.  1  in  fine  VwVG  und  Art.  6  Bst.  b  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  auf  die  Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­7611/2010 D­7611/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige Schweizer Vertretung. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-7611/2010 — Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 D-7611/2010 — Swissrulings